Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Montag, 30. April

Große Müdigkeit. Nicht nur körperlich.

Es gibt Menschen, die umso verliebter in mich sind, je weiter ich weg bin. Und es gibt Menschen, in die ich mich umso mehr verliebe, je näher ich dran bin. Doof, wenn’s dieselben sind.

*

Die re:publica musste ich canceln. Ich wünsche allen viel Spaß, die jetzt schon in Berlin sind! Ich wäre gerne bei Euch und überlege, ob ich den Hashtag deshalb lieber verfolge oder stumm schalte.

Für mich geht es im Mai trotzdem nach Berlin. Für wegen Arbeit. Zug gebucht. Hotel gebucht. Pfingstmontag hin, Mittwoch zurück.

*

Den Newsletter für den April rausgeschickt. Diesmal geht’s um Marmelade und um Intuition. Wenn Sie ihn noch nicht abonniert haben: Hier geht’s lang.

Der Newsletter aus dem März ist jetzt auch online: 10 Tipps für erfolgreiche Gespräche.

*

Rasen gemäht. Einen Eimer Löwenzahl ausgestochen. Das ist echt ’ne Tätigkeit für jemanden, der Vatta und Mudda erschlagen hat. Aber nun ist es wieder hübsch, und die Löwenzahndichte ist auf ein erträgliches Maß begrenzt.

Gartenpanorama

Nach dem Räsenmähen hatte ich den Drang, Fenster zu putzen. Doch mein Kärcher Fensterreiniger musste erst aufladen. Tja, kann man nix machen.

*

Abends zu Fuß mit den Sportskameradinnen um den See.

See mit Wolken

Dort Spargelschaumsuppe. Maispoulardenbrust an Madeirajus und Blattspinat mit Rosmarinkartoffeln. Riesling. Tagesausklang.

Wochenende, 28. und 29. April

30. 04. 2018  •  5 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Nach Lüneburg gereist. Mich dort schick angezogen. Getanzt. Leute aus ganz Deutschland getroffen. Stadtführung gemacht. Etwas über Haken und Ösen gelernt. Und woher das Wort „vermöbeln“ kommt. Am Hafen gesessen und Pfannkuchen gegessen. Gin getrunken. Wieder nach Hause gefahren. Zu brückentagsmüde, um mehr zu schreiben.

In Bildern:

Lüneburg

Lüneburg

Lüneburg

Lüneburg

Lüneburg

Lüneburg

Donnerstag, 26. April

26. 04. 2018  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Zeitvertreib«

Gut, dass ich für den Rest der Woche noch einmal frische neue Wörter heruntergeladen hatte.

Gerade eben hat mir ein Sechsjähriger eine Stunde lang Fragen gestellt, während wir beim Kalendergirl-Spiel gemeinsam am Zeitnehmertisch saßen: warum das ein Tor war, warum das kein Tor war, warum der Schiri gepfiffen hat, wann Pause ist, warum das Mädchen weint, warum das Mädchen wütend ist, warum das Mädchen kotzt, wie lange es noch bis zur Pause ist, ob das Mädchen ins Krankenhaus muss, wieso die Zeit angehalten wird, warum das Mädchen eine gelbe Karte bekommen hat, ob jetzt endlich bald Pause ist, warum ich Zahlen auf einen Zettel schreibe, warum das Mädchen auf der Bank sitzen muss, wie viele Siebenmeter es in einem Spiel geben kann, warum das Licht im Gang automatisch aus geht, was Bewegungsmelder sind, wie Bewegungmelder funktionieren, wann das Spiel zu Ende ist, ob ich dann ins Bett gehe, warum das Mädchen schon wieder weint, welche Zahl nach der 100 kommt, wie viel zwanzig und vier sind, ob das Abseits war, warum es beim Handball kein Abseits gibt, ob ich schon die Uhr lesen kann, warum Kratzeis schmilzt, ob Kratzeis explodieren kann, wohin Kratzeis explodieren würde, wenn es explodieren könnte, ob es vielleicht sogar bis zum Mond explodieren würde, ob dann dort jemand ist, der das Kratzeis essen würde, ob er lieber Kirschkratzeis essen würde oder eine andere Sorte – das sind nur ein Bruchteil der Fragen, die wir besprochen haben. Nun wird es trotz Extrawörtern noch einmal eng für diese Woche.

Das Gute war, dass ich nicht viel tun musste. Meinen Zeitnehmerjob konnte ich komplett delegieren. Wiesoweshalbwarum hat in 60 Minuten 44-mal „Score“ gedrückt, davon 28-mal für die Kalendergirls. Eigentlich erstaunlich, dass er noch so viele Kapazitäten für Fragen frei hatte.

28:16

*

Sonst nix erlebt, außer dass ich im Fitnessstudio fünfzig Prozent meiner Zeit damit zugebracht habe, mich zu dehnen und zu entknacken. Jetzt ist alles wieder gerade und gestreckt an mir. Man wird nicht jünger.

Mittwoch, 25. April

Drei Tage Seminarleitung. Mein Vorrat an Wörtern ist für diese Woche aufgebraucht.

Ich habe neue bestellt. Denn morgen habe ich einen Beratungstag mit einem Kunden. Dafür braucht’s nochmal neue Wörter. Bis dahin gucke ich schweigend in den Garten.

*

Zitat von Mary Hamilton (BBC, ehemals Guardian), zitiert nach Franzis Newsletter:

„It doesn’t matter what you say you want, it’s what you do to make it happen that makes a difference in the world.”

Oder – wie ich immer sage: Es zählen nur Taten. Nicht Worte.

Mary Hamilton sagt noch viele andere Dinge, die ich unterschreibe, zum Beispiel:

„But if you’re a manager or an editor (or, more likely, both), you have to watch out for that tendency in others and in yourself. Good people who go above and beyond what’s asked of them (…)„.

Es sind die Menschen, die ein Unternehmen ausmachen. Die Kompetenzen, die gebraucht werden, ändern sich. Die Menschen bleiben. Denn, ein weiteres Zitat aus dem Text:

„Change is constant.“

Es sind auch die Menschen, die das Leben ausmachen. Nicht irgendwelche Sachen, Aufträge, Erfolge.

Montag, 23. April

Heute Morgen um 5:50 Uhr vom Brüllen der Vögel erwacht. Das war ein derbes Volksfest da draußen. Totale Eskalation.

Danach ein guter Start in die Woche. Zurzeit habe ich viele Weiterbildungsaufträge, das bringt das Frühjahr mit sich.

Am Morgen war ich wieder an der TU Dortmund: zum Seminar „Bildungswege“, in dem wir uns journalistisch mit den Themen Erfolg und Karriere und mit ungeraden Lebenswegen beschäftigen. Wir haben das Thema eingegrenzt, erste Formatideen entwickelt und sind dabei, ein Onlinemagazin zu konzipieren. Auf welchen Kanälen wir außerdem publizieren, werden die nächsten Schritte zeigen.

Die Teilnehmer sind super, sehr engagiert und haben gute Ideen. Falls jemand also über Studenten lästern möchte, komme ich gerne zu einer Gegenrede rüber und erkläre, warum sie toll sind.

Am Nachmittag habe ich die morgigen zwei Seminartage im Haus Busch vorbereitet – beziehungsweise erstmal nur den ersten Tag: Storytelling über mehrere Medien. Weil die Teilnehmerinnen aus Unternehmen kommen, wird das auch sehr in Richtung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gehen. Für den zweiten Tag ergibt sich am ersten vielleicht noch Einiges. Ich mache das immer gerne situativ und beziehe die Dynamik der Veranstaltung mit ein.

Am Abend ein schneller Spaziergang um den See.

See mit Segelbooten im Abendrot

In letzter Zeit treffe ich jedesmal – wirklich: immer -, wenn ich um den See gehe, BVB-Fußballer. Der Roman, der Mario und ich, wir haben offenbar den gleichen Tagesrhythmus. Bald machen wir einen eigenen Freizeitclub auf, in dem wir zu Dritt auf einer Bank sitzen, schweigend aufs Wasser gucken und dabei Espresso trinken. Wie diese italienischen Opas am Lago di Bolsena.

Wochenende, 21. und 22. April

Arbeitswochenende.

Samstag

Am Samstag habe ich zwei Vorträge für Leute vom Gründerwettbewerb start2grow gehalten:

  • Wie kommuniziere ich mein Unternehmen? – Anleitung in zehn Schritten.
  • Wie erkläre ich komplizierte Produkte? – Mein Angebot für Dummies

Die Gründerinnen und Gründer stehen noch sehr am Anfang ihrer Gründungsidee. Entsprechend habe ich mich mit Grundlagen beschäftigt: Bevor man die eigene Haltung kommunizieren kann, muss man sie erstmal finden. Genauso ist es mit dem, was man tut: Bevor ich beschreiben kann, was genau ich mache und welchen Nutzen ich meinen Kunden bringe, muss mir das selbst erstmal klar sein.

Wir haben über Entscheidungsprozesse gesprochen und darüber, wann ich wo bei einer Erklärung ansetzen muss. Es ist nämlich so: Je weniger der Gegenüber über mein Produkt weiß, desto mehr muss ich ihm erklären, warum es das gibt. Je mehr er weiß, desto eher spreche ich darüber, wie es funktioniert.

Warum und Wie

Um dem Anderen etwas zu erklären, hilft es, an seine Lebenswelt anzuknüpfen. Dazu muss ich erstmal etwas über seine Lebenswelt herausfinden. Danach kann ich anhand von Metaphern mein Produkt erklären. Üben kann man das mit der ABC-Methode:

Alphabet: Pro Buchstabe ein Wort

Nehmen Sie das Alphabet und ein wahlloses Wort für jeden Anfangsbuchstaben und erklären Sie das, was Sie tun, anhand dieses Wortes.

Beispiel:
Erklärung eines App-Framework für jemanden, der gerne in Konzerte geht (Orchester)

Ein philharmonisches Orchester spielt in einem Konzerthaus. Das Haus ist immer gleich: Es gibt einen Saal, das Publikum sitzt auf den Plätzen, das Orchester sitzt auf einer Bühne. Es hat immer die gleiche Sitzordnung, und auch die Sitzordnung im Saal ist immer gleich: Die Stühle sind fest montiert. Nur das Stück: Das ist immer ein anderes. So ist das mit Frameworks: Der Rahmen („Frame“) ist, unabhängig vom Programm, immer der Gleiche, der Inhalt ein anderer. Für Apps heißt das: Es gibt Apps, die gleich aufgebaut sind, wie ein Konzertsaal. Aber der Kunde hat die Möglichkeit, seine eigenen Inhalte, also seine eigene Musik, darin auszuspielen. 

Genauso gut könnte man das Ganze an Autobahnen erklären: Straßenführung immer gleich. Die, die darauf fahren, immer andere.

Praktischerweise waren Gründer*innen dabei, die im IT- und im Medizinbereich gründen. Das eignete sich hervorragend, um all das am konkreten Beispiel durchzusprechen. Die Zeit verging schnell, die Atmosphäre war locker, die Resonanz war gut. Und es gab Currywurst.

Anschließend, am Nachmittag, dann ausgedehntes Balkonsitzen mit Begleitung:

Hund

Baubedingt sind mein Balkon und der Nachbarbalkon derzeit eine durchgehende Fläche. Der Nachbarhündin gefällt das. Denn von meiner Seite des Balkons aus kann sie ganz andere Dinge sehen als von ihrer Seite des Balkons. Deshalb kommt sie gerne rüber.

Podcastleaks: Am späten Nachmittag kam Christian, und wir nahmen die neue Podcastfolge auf. Es wird um Termine gehen: Wie funktionieren Termine gut? Wie organisiere ich mich? Wie leite ich Besprechungen ein?

Wir haben endlich mal daran gedacht, ein Backstage-Foto zu machen. Die Frau und der Mann beim Gespräch:

Die Frau, der Mann beim Gespräch

Wir waren diesmal sehr diszipliniert. Hallo, Mikrotest, reden, Verabschiedung, tschüß.

Im Anschluss habe ich noch meinen April-Newsletter verfasst. Erste Version – ich werde nochmal drüberlesen und ihn dann diese Woche rausschicken. Das Thema wird „Vertrauen und Intuition“ sein. Wenn Sie dabei sein möchten: Anmeldung.

Sonntag

Am Sonntag fuhr ich zu #agileruhr18, dem Barcamp für neues und agiles Arbeiten. 200 Leute haben sich getroffen, einander Wissen vermittelt, Erfahrungen ausgetauscht, einander Methoden beigebracht und zusammen gelacht.

So schön kann Arbeiten sein:

Dachterrasse

Das waren die Themen des Sonntags – das Sessionboard:

Sessionboard

Während ich in Essen gesessen habe und es zwischendurch ein bisschen geregnet hat, muss es in Dortmund richtig geschüttet haben. Als ich nach Hause kam, war der Garten komplett nass, die ganze Terrasse war voller Erde und Steine, der Kirschbaum hat alle Blüten abgeworfen, die Wäsche auf dem Balkon durfte eine erneute Runde durch die Maschine drehen.

Gute Nachrichten aus dem Gewächshaus: Die Buschbohnen sind am Start.

Buschbohne

Jetzt noch kurze Einstimmung auf die morgige Seminarsitzung an der TU Dortmund. Dann Tatort. Dann Bett.

Freitag, 20. April

Am Mittag bin ich ins Dorf gefahren: schauen, ob der Buchladen ein bestimmtes Buch hat, und einige Kleinigkeiten einkaufen. In der Kasse vor mir waren viele Menschen; es war Freitag, es war Mittag, am Freitagmittag ist das so im Rewe am Stadtteilbahnhof – dort trifft sich das Einkaufsvolk.

Die Menschen, fiel mir auf, während vor mir an der Kasse alle Unwägbarkeiten passierten, die passieren können: Storno, Bonrolle leer, „warten Sie, ich hab’s passend“, Treuepunkte verschwunden, Joghurtbecher kaputt und Payback-Karte nicht lesbar; während also all das geschah und ich in der Schlange stand, fiel mir auf, wie viele Menschen gebeugt durch die Welten gehen, nicht nur im orthopädischen Sinne: junge Menschen mit eingefallenen Oberkörpern, ohne Kraft und Körperspannung. Ich möchte ihnen dann gerne meine Zeige- und Mittelfinger links und rechts neben die Wirbelsäule drücken, vorsichtig natürlich, ganz sanft – genau in Höhe der Schulterblätter; je ein Finger zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule, nur eine leichte Berührung. Ich möchte sagen: „Versuch mal, zieh sie mal zueinander, die Schulterblätter, Schultern zurück und ein bisschen anspannen, genau hier, wo du mich fühlst – ja, sehr gut.“ Dann möchte ich sagen: „Jetzt das Becken kippen, nach vorne kippen, genau – den Po etwas anspannen, den Bauch auch und dann das Becken zur dir hin, nach oben in Richtung Brust. Und nun atme in den kleinen Punkt unterhalb des Bauchnabels; den gibt es nicht, den musst du dir denken. Versuch es mal. Einmal, zweimal, zwölfmal, wie fühlt sich das an?“

Natürlich mache ich das nicht, sondern ich stehe da und warte und stapele meine Waren aufs Band und überlege, ob ich noch eine Packung von den Zitronenmelisse-Bonbons mitnehmen soll, ich ziehe meine Schulterblätter zueinander, atme in den Punkt unter meinen Bauchnabel, neinkeinepaybackkartedanke, bezahle und gehe.

*

Heute sagte mir jemand: „Wenn man dich so liest, könnte man glauben, Du hast nie Stillstand.“

Darüber habe ich länger nachgedacht, denn tatsächlich hatte ich in den vergangenen 20 Jahren keinen Stillstand – das hat der Jemand richtig beobachtet. Immer veränderte sich etwas,  immer ging es nach vorne; kaum stellte sich Routine ein, kam der Jobwechsel, meist von mir selbst; ich hätte auch bleiben können, doch es gab keine Herausforderungen und keine Perspektive, die eine Entwicklung zuließen. Also fort. Privat auch eine schwungvolle Fahrt: mal ein Finden ohne zu suchen, dann ein Suchen ohne zu finden, in anderen Fällen ein immerwährendes, immer wieder überraschendes Finden – oder vielleicht auch ein Suchen, so genau dann man das nicht sagen. Begegnungen mit großen und kleinen Gefühlen, großen langen und kleinen kurzen und großen kurzen und kleinen langen.

Dabei, und das ist eindeutig, das kann jeder sehen, bin ich überhaupt kein rastloser Mensch, nicht im körperlichen Sinne. Ich sitze gerne, ganz loriotesk; ich brauche dazu nichts, nicht einmal ein Buch, ich kann einfach nur sitzen und denken und gucken und zufrieden sein.

Ich tue auch im aktiven Sinne ganz gerne mal nichts. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was das ist: aktiv nichts tun. Ich erkläre es Ihnen am Beispiel der Gartenarbeit.

Vieles im Garten dient einem höheren Sinn und eindeutigen Zweck: wässern, mähen, säen – das muss sein, sonst wird alles welk oder existiert gar nicht erst. Manche Arbeit im Garten entzieht sich allerdings jeder Funktion; es ist keine Arbeit im eigentlichen Sinne, es ist eher Kontemplation. Dann sitzen Sie da und denken sich: Ich könnte mal nach den Radieschen schauen. Dann gehen Sie zum Beet, schauen nach den Blättern, die dort stehen, häufeln ein bisschen Erde von links nach rechts, harken eine Weile vor sich hin, und dann setzen Sie sich wieder. Die Radieschen – die brauchen das nicht, die wachsen auch ohne Ihr Nachgucken; dennoch fühlt es sich richtig an. Danach schauen Sie nach den Tomaten, schneiden vielleicht ein paar Triebe heraus – nötig wäre das nicht. Andererseits: Warum nicht? Wäre ich eine Tomate, würde ich das vielleicht wollen; man kann ja mal testen, ob es ihr gefällt. Im Anschluss denken Sie sich: Bauernblumen, davon könnte es ein paar mehr geben. Es ist erst Juni, da ist es noch nicht zu spät, da kann man noch einsäen, das wird bestimmt sehr schön. Dann nehmen Sie sich einen Sack Erde und einen Topf und schaufeln die Erde hinein und säen die Blumen ein, gießen sie und suchen ein schönes Plätzchen für sie aus. Nach den Blumen müssen Sie im Anschluss dann immer wieder mal sehen, am besten zweimal am Tag; kann sein, dass Sie sonst ein wichtiges Ereignis im Leben der Blumen verpassen, das wäre ja schade. So können Sie einen ganzen Tag verbringen und auch mehr: indem Sie aktiv nichts tun, während sich um Sie herum die Welt rasant dreht.

Vielleicht ist es genau das, was mein Leben so konstant hält: dass sich das Außen sehr schnell bewegt – der Beruf, das Private, die Reisen, die Erlebnisse. Dass ich innen aber einfach nur sitze und zufrieden bin, dass ich nicht mit den Armen wedele, nicht abrupt aufstehe, nicht fortlaufe und nicht herumzappele. Denn sonst würde ich herausfallen aus der Welt.

Donnerstag, 19. April

Nichts passiert. Auch mal schön.

*

Gelesen: Herr Buddenbohm nutzt nun eine Kalender-App, die ihn anlügt.

Seit meiner Rückkehr aus Italien habe ich im Stundenrhythmus angeschaut: Ku’damm 59. Die 50er, so eine heimelige Zeit. Für die CSU.

In meinem Leben gibt es eine neue Zeitrechnung: „Vor Italien“  (v. It.) und „Nach Italien“ (n. It.).  In der Zeit v. It. gab es beispielsweise dieses Gebäude oben an meiner Straße noch nicht. Also, das kleine. Das große, das sie dort bauen, schon. Das kleine daneben, von dem ich nicht weiß, was es werden soll, haben sie erst während meiner Reise zu bauen begonnen. Ebenso war es v. It. nicht möglich, am Penny rechts abzubiegen, baustellenbedingt. Nun, in der Zeit n. It., geht das wieder. Eine neue Ära.

Ebenso waren in der Zeit v. It. einige Leute nicht schwanger. Oder, doch: schwanger vielleicht schon. Aber noch nicht wissentlich. Also, ich wusste es nicht. Sie vielleicht auch nicht. Genau genommen war meine Reise eine ausgesprochen fruchtbare Zeit. Ich selbst habe zwar nur Tomaten- und Zucchinisamen gekauft, und die sind beide noch nicht angegangen. Andere Leute hingegen haben eine rasante Vermehrung gestartet. Die Mannschaftsstärke der Kalendergirls wird sich um ein Viertel erhöhen.

Ich sollte mit dem Bundesfamilienministerium in Kontakt treten. Vielleicht lässt sich etwas arrangieren, wenn meine Abwesenheit einen solch großen Einfluss auf die Geburtenrate hat – eine erneute Reise zum Beispiel. Ich bin gerne behilflich, die Bevölkerungszahl konstant zu halten. So soll es schließlich sein in einer Solidargemeinschaft: Jeder bringt sich auf seine Weise ein.

Mittwoch, 18. April

Aufgestanden und festgestellt: Keine Milch für Milchkaffee da. Direkt losgefahren und mit den Rentnern den Rewe aufgeschlossen. Die Erste am Pfandautomat, die Zweite an der Gemüsewaage, die Dritte an der Kühltheke! Sensationelle Performance.

*

Heidewitzka, es ist gut zu tun. Ich bin beglückt. Seit ich von meiner Reise zurückgekehrt bin, bekomme ich außerdem sehr schöne Anfragen. Eine spannende Zeit.

Heute nochmal Homeoffice: Vortragsvorbereitung, Seminarvorbereitung, Angebotskonzeption und nebenbei schnell die Website aktualisieren. Letzteres dümpelte wochenlang auf meiner To-Do-Liste rum, und wie das immer so ist mit Dingen, die dümpeln: Sie werden plötzlich mit einem Mal dringend. Besonders die Seiten über meine Leistungen als Innovationsmacherin, als Begleiterin in Projekten und die Seite „Über mich“ brauchten ein Update, bevor ich die Links verschickte.

*

Homeoffice im Garten und draußen Wäsche trocknen. Ein Hauch von Sommer.

Garten, sommerlich

Außerdem frisch entdeckt: ein Erdhummelnest im Garten, in einer Ritze der Natursteinmauern nahe am Boden. Die kleinen Dicken fliegen emsig rein und raus und suchen Nektar.

Das macht mich beides  fröhlich.

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Zwei kleine Links: eine Perle des Lokaljournalismus und eine Orientierungshilfe zum Klatschen im klassischen Konzert.

*

Im Winter drehe ich immer das Wasser für den Garten ab, damit keine Leitungen einfrieren. Dieser Tage habe ich es wieder aufgedreht, und *wusch – der Anschluss an der Hauswand war undicht. Beziehungsweise ein Verbindungsstück. Es spritzte bis ans Schlafzimmerfenster.

Heute bin ich in den Baumarkt gefahren, habe eine neue Dichtung und noch eine neue Dichtung gekauft. Wegen Ersatz und falls eine nicht passt und so. Außerdem Teflonband und Hanf. Am Ende halfen einfach drei Wickel Hanf zwischen Haltering und Überwurfmutter. Das Internet sagt zwar: bringt beim PE-Rohr draußen nichts. Brachte aber was. Mal schauen, wie lange es hält.

//*stempelt sich ein Sanitär-Fleißbienchen ins Handwerkerinnenheft

*

Überraschend eine Postkarte von einem lieben Menschen bekommen:

Du bist eine der Guten

<3

Montag und Dienstag, 16. und 17. April

Deadlines, welch freudiger Quell der Motivation.

Aufgaben für diese Woche: Zwei Vorträge vorbereiten, zwei Seminare vorbereiten, ein Konzept abgeben und eine große Kiste voller Kleinzeug erledigen. Ich bin mit allem spät dran. Aber es ist noch nichts verloren!

Am Samstag bin ich als Referentin beim Matchday des start2grow-Gründerwettbewerbs und halte dort zwei Vorträge für Gründerinnen und Gründer:

  1. Wie kommuniziere ich mein Unternehmen? In 10 Schritten zu einer guten Außendarstellung
  2. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für erklärungsbedürftige Produkte

Nummer Eins habe ich fertig. Falls Ihnen Beispiele für Nummer Zwei einfallen, wer ein kompliziertes Produkt gut verkauft: Gerne kommentieren!

*

Zur Vorbereitung unseres Montagsseminars habe ich mich heute Vormittag mit meiner Dozentenkollegin getroffen. Sie erinnern sich: Montags ist die Veranstaltung am Institut für Journalistik zu den Bildungs- und Karrierewegen, wir produzieren journalistische Beiträge. Beim gemeinsamen Frühstück haben wir die nächsten zwei Sitzungen geplant. Das ging Hand in Hand, Laptop, Kaffee, frische Brötchen, ganz wunderbar, ich liebe diese Art zu arbeiten. Ziel des kommenden Montags wird es erstmal sein, das Thema weiter einzugrenzen, festzuzurren, Beitragsthemen zu vergeben und das Projektmanagement in Studierendenhände zu übergeben. Das wird wieder sehr interaktiv.

Die geschätzte Kollegin, im Zweitleben beim ZDF, hat mich überraschend beschenkt. Große Mainzelfreude!

Mainzelmännchentasse vor Mainzelmännchentüte

Ich stelle mehr und mehr fest, dass es sehr vorteilhaft ist, über den Geburtstag wegzufahren. Ich bekomme sukzessive Geschenke und befinde mich in kontinuierlicher Endorphinausschüttung.

Von anderer Seite habe ich diese Woche Socken bekommen. Ja, lachen Sie ruhig! Ich habe sie mir ausdrücklich gewünscht, denn seit geraumer Zeit herrscht hier Sockennotstand, und gute Socken sind einfach unerhört teuer, wenn man bedenkt, wie viele man von ihnen braucht, um unter Einbezug auch nur minimaler Farbvarianz maximale Sockenzufriedenheit und -verfügbarkeit in Qualität und Quantität zu empfinden.

An alle Freunde, die mitlesen: Partytermin ist auserkoren und kommt.

*

Blume im Garten. Ich stelle mir ihre Evolution so vor, dass Gott mit einer Flasche von dem guten Roten und einem Eimer Ton auf dem Balkon saß und dachte: Eine mach‘ ich noch vorm Insbettgehen!

Plümchen

*

Gelesen: Why Instagram Is the Worst Social Media for Mental Health – über psychischen Stress, den junge Menschen in sozialen Netzwerken empfinden. Unbenommen der Tatsache, dass soziale Netzwerke psychischen Stress sicherlich verstärken, wenn man nicht gefestigt ist, möchte ich einige Dinge anmerken:

Auch ohne Social Networks emfpand ich Teenagersein als fürchterlich anstrengend. Zum Glück gab’s damals noch keine sozialen Netzwerke. Es wäre alles noch grauenhafter gewesen. Texte, die das Thema behandeln, suggerieren meist von ein einfaches Ursache-Wirkung-Schema: psychischer Stress, Mobbing, sozialer Vergleich – alles schlimm dank Instagram. Das Vergleichen mit Anderen, das Unterdruckgesetztfühlen war und ist allerdings auch ohne soziale Netzwerke da.

Mir fehlt bei der Debatte die Ausgewohnheit, mir fehlen die positiven Aspekte, die es neben den negativen ja auch gibt: Dass Andere aus ihrem Leben posten, empfinde ich zum Beispiel als entspannend. Ich freue mich über die Einblicke, denn sie zeigen mir: Joaa, alles genauso unaufregend wie bei mir. Wenn ich mal ein gelungenes Foto von mir online stelle und Andere das auch gelungen finden, nimmt das kein Selbstbewusstsein, sondern gibt welches.

Weil ich Instagram intimer als andere Netzwerke empfinde, habe ich einen geschützten Account, zu dem ich nach meinen Regeln Leute zulasse. Bei dem geschützten Account geht es mir vor allem darum, dass Fremde und Geschäftspartner, die nichts mit Instagram am Hut haben und die Gepflogenheiten und die Tonalität des Netzwerks nicht kennen, nicht einfach die URL aufrufen und meine Bilder sehen können. Entsprechend lasse ich zwar viele Leute zu, aber eben nicht alle.



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