Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Montag, 24. September

Gearbeitet. Mails beantwortet und geschrieben. Ein Vortragskonzept verschickt. Mich durch Vergabeunterlagen gearbeitet. Den Kontowechselservice bei der GLS-Bank entdeckt. Über die Anmeldung zu einer Fortbildung sinniert. Sonstiges.

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Christian hat über das Barcamp in Dangast geschrieben. Auf der Veranstaltungsseite auf Facebook gibt’s Fotos und weitere Beiträge.

Ich habe die in Dangast aufgenommene Podcastfolge veröffentlicht und hier im Kännchencafé und auf meiner beruflichen Website verbloggt. Thema: Gutes Arbeiten und gutes Lernen in Unternehmen.

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Eine sehr tolle Mail von einer Blogleserin bekommen.

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Gelesen: Die Regel hinter dem Zufall. Mathematiker sagen, dass hinter Zufallsanordnungen – Abstände zwischen Bäumen im Wald oder Abstände zwischen geparkten Autos – eine versteckte Ordnung steckt.

Angeguckt und gehört: Listen to the World. Ein wunderbares Audio-Storytelling der New York Times. Ton an und zurücklehnen.

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Mehr Fragen aus 1.000 (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6):

Erweiterst du deine eigenen Grenzen?

Ich glaube nicht, dass man seine Grenzen erweitern kann – die körperlichen oder die mentalen. Mit Gewalt Grenzen zu verschieben, ist ungesund; immer wenn wir die Möglichkeiten des in uns Liegenden ins Unmögliche verschieben möchten, handeln wir gegen unser Wesen. Es geht vielmehr darum, die bestehen Grenzen zu suchen und sie zu entdecken – durch Erlebnisse, durch Training, durch Kampf, durch Mut, Offenheit, Anstrengung und das Verlassen der Komfortzone. Sie sind viel weiter draußen, als wir denken.

Ich kann nicht sagen, ob ich meine Grenzen schon erreicht habe. Leben bedeutet, die Abenteuer, für die man gemacht ist, nicht zu kennen.

Wofür darf man dich nachts wecken?

Es kommt darauf an, wer weckt, und nicht, wofür.

Was würdest du gerne einmal tun, vorausgesetzt dass es keinesfalls schiefgehen könnte?

Die Frage ist Unsinn. Denn wenn ich weiß, dass etwas keinesfalls schiefgehen wird, tue ich es anders, als wenn es scheitern könnte. Weil ich dann eine andere bin.

Muss man immer alles sagen dürfen?

Man muss immer alles sagen dürfen. Nur die Freiheit der Meinung erhält Demokratie und Gleichberechtigung, auch im Kleinen. Man sollte von diesem Recht aber nicht immer Gebrauch machen.

Was Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit betrifft, so halte ich es für wichtiger, wahrhaftig zu sein. Im Sinne Habermas‘ heißt das für mich: Meine Intention ist ernsthaft und genau so, wie ich sie äußere; ich täusche weder mich noch andere.

Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?

In Eisdielen habe ich einen nicht zu leugnenden Hang zu Spaghettieis. In Restaurants bin ich weniger festgelegt, was allerdings auch daran liegt, dass ich leicht vergesse, was ich beim letzten Besuch aß. Genau genommen würde ich es sogar gerne erneut essen, aber ich weiß partout nicht mehr, ob es die Nummer 23 oder die Nummer 35 war – oder war es die 38? Ganz schlimm ist es bei Sushi. Da kann ich mir überhaupt nichts merken.

Podcastfolge „Dangast spezial“: Wie können Menschen in Unternehmen sich gut entwickeln?

Spezialfolge von Ein Mann. Eine Frau. Eine Gespräch: zwei Frauen, ein Mann, ein Interview.

Ich habe auf dem Barcamp in Dangast mit Alena und Frank gesprochen. Alena ist Personalentwicklerin und Frank Ingenieur. Wir reden darüber, wie Menschen in Unternehmen sich gut entwickeln und warum Frank dabei besonderes Glück hat.

Frank, Alena, ich (v.r.n.l.)

Wie kam’s zu der Spezialfolge?

Auf dem Barcamp hat Alena Müller eine Session zu den Ergebnissen ihrer Masterarbeit gehalten. In der Arbeit geht es darum, was Menschen als wichtig empfinden, um im Unternehmen dazuzulernen. Ihr Titel: „Lernen am Arbeitsplatz – Über das Erleben des individuellen Lernens im beruflichen Kontext am Beispiel des Energiewendeprojektes enera“.

enera ist ein gefördertes Modellprojekt zu Energiewende, in dem Fachleute aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen  daran arbeiten, die Region zu vernetzen. Frank Glanert ist Ingenieur und Projektentwickler bei enera.

Ich fand die Session so interessant, dass ich nochmal genauer mit den beiden darüber geredet habe.

Darüber sprechen wir:

Im „Dangast Spezial“ von Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch. erfahrt Ihr nun, …

  • was es braucht, damit ein Unternehmen Lernen und Entwicklung fördert,
  • was enera anders macht als andere Unternehmen,
  • wie Frank das Arbeiten dort empfindet,
  • warum Großraumbüro bei enera für alle gut funktioniert,
  • ob Kickertische und Nerf-Pistolen im Büro Quatsch sind und
  • warum wir in der Digitalisierung ausgerechnet mehr analoges Arbeiten brauchen.

Zum Weiterlesen:

Mein Podcastpartner Christian war übrigens auch in Dangast und hat sich, während Alena, Fank und ich die Folge aufgenommen haben, vornehm zurückgehalten (und einen Frühstückstisch für den nächsten Tag organisiert, yeah!).

Die Folge  als mp3 zum Download, bei Soundcloud und bei iTunes.

Samstag, 22. September

Vor einigen Tagen schrieb ich, dass ich schon lange nicht mehr im Meer schwimmen war. Das hat sich heute geändert: Ich war in der Nordsee. Gemeinsam mit Djure, Tina, und Christian. Als offizielle Barcamp Session „Schwimmen im Jadebusen“.

Ich las hinterher, dass die Nordsee 17 Grad hatte. Fake News! Es waren fünf Grad. Maximal sieben. Aber doch keine 17! Vor meinem inneren Auge trieb ich auf einer Tür im Nordmeer, mit gefrorenen Augenbrauen. Alta: War. Das. Kalt.

Egal. Es gibt Dinge, die eine Frau tun muss. Zum Beispiel Extreme Barcamp Sessioning.

Dangaster Hafen

Das Barcamp zum Schwimmen ist das Barcamp Dangast – zwei Tage an der Nordsee mit 80 weiteren Leuten, themenoffen. Jeder bringt mit, worüber er sprechen will, und wenn es genug Interessenten gibt, wird eine Session daraus.

Die Location ist ganz schlimm. Man muss ständig auf den Strand schauen, wo die Sonne scheint und der Wind Palmen verwuschelt. Schrecklich. Ich musste zwischendurch eine Session schwänzen, um am Wasser spazieren zu gehen. Nicht auszuhalten.

Strand mit wehenden Palmen und Holzschiff

Neben Schwimmen und Sessionschwänzen habe ich mich aber auch ernsthaft mit ein paar Sachen beschäftigt. Zum Beispiel habe ich eine Session zum Lernen am Arbeitsplatz besucht. Ich habe etwas über digitale Nachlassverwaltung erfahren. Eine junge Frau erzählte, wie sie mit 18 Jahren für ein Jahr nach Malaysia ging, ohne Plan, aber mit dem Mut, Neues zu entdecken, und wie sie mit vielen Erfahrungen wiederkam. Es gab außerdem Sessions zu Sketchnotes, zum Radfahren, zur Elektromobilität, zu Wasserstoff, zur App-Entwicklung, zu Depression, zu Transgender, zu Freifunk.

Timelapse-Video von der Vorstellungsrunde an Tag Zwei. Finden Sie mich?

Ich selbst habe eine Sessions zu den Ebenen der Veränderung gehalten. Sie entsprach in etwa diesem Beitrag – ohne die anschließende Diskussion unter den Sessionsteilnehmenden, die super war.

Nach der Abschlusssession habe ich noch eine Podcastfolge aufgenommen – mit zwei Gästen: Frank und Alena. Alena hat eine Session zu lernfördernder Arbeitsplatzgestaltung gehalten: Sie hat ihre Masterarbeit zu dem Thema beim Projekt enera geschrieben. Frank arbeitet bei enera. Das war unsere Aussicht:

Rechner vor Fenster, Ausblick ins Watt

Ich habe mit den beiden darüber geredet, wie Unternehmen eine Atmosphäre schaffen, in der sich Projekte und Menschen gut entwickeln können. Mehr dazu nächste Woche.

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Im Arbeitskontext bewegt sich gerade einiges. Das ist schön. Zuletzt gab es etwas Stillstand. Das bedrückt mich immer leicht, und ich rutsche unruhig auf meinem Stuhl hin und her.

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Am Abend, bevor ich nach Dangast fuhr, war ich auf einer sehr schönen Veranstaltung: der Filmvorführung von „Der lange Abschied von der Kohle“. Stilecht in der Schwarzkaue in der Zeche „Schlägel und Eisen“ in Herten. Eine atmosphärische Location: Unter der Decke hängen die Körbe, mit denen die Bergleute ihre Kleidung nach oben zogen. Es gibt schönes Licht. An den Wänden sind noch mit Originalkacheln.

Schwarzkaue Herten

Vor dem Film sang der Ruhrkohle-Chor das Steigerlied. So muss das.

Bergmannschor in Tracht vor Bild mit Schacht

In diesem Sinne: Glück auf!

Dienstag, 18. September

Den gestrigen Abend und den heutigen Morgen habe ich mit Netzwerken verbracht:

Gestern Abend fand in Bochum der Unternehmerclub des IT-Verbandes Networker.NRW statt. Es gab einen Vortrag von Anne-Kathrin Orthmann, in dem es um die  Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktion von Julius Kuhl ging. Das ist eine Theorie aus der Differentiellen Psyhologie, die sich mit willentlicher Handlungssteuerung beschäftigt. Es geht um Persönlichkeitsstile und Handlungsmuster, die auch im Arbeitsleben relevant sind, und um die Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen und Misserfolge in die Persönlichkeit zu integrieren. Ich werde mich noch weiter darüber belesen.

Am heutigen Morgen war ich beim Frühstück des Verbands empfehlenswerter Unternehmen in Duisburg zu Gast. Ebenfalls eine sehr schöne Veranstaltung. Allein die Zeit war unchristlich: Beginn um 7 Uhr.

Rückweg im Morgenlicht:

Gepflegte Duisburger Altbauten und ein Baum

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Heute Abend Champions League: der BVB in Brügge. Mit Freunden, Kürbissuppe und Erfolgssitzordnung.

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Mehr Fragen aus 1.000 (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5):

Neigst du zum Schwarz-Weiss-Denken?

Ich halte mich für einen differenzierten Menschen. Das menschliche Gehirn mag es aber gemütlich und bildet gerne Kategorien. Ich bemühe mich zu reflektieren, wenn mein Gehirn versucht, es sich einfach zu machen.

Weil ich mich viel mit Menschen unterhalte und auch selbst schon ein paar Ereignisse durchlebt habe, weiß ich, wie viel Grau zwischen Schwarz und Weiß ist und dass Dinge nicht immer so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Ich versuche immer, nicht zu urteilen und stattdessen genau hinzuschauen und nachzufragen.

Abgesehen davon ist mir vieles, was zwischen Schwarz und Weiß liegt, schlichtweg egal: Religion, Sexualität, gekachelte Wohnzimmertische und sonstige Leidenschaften – das soll bitteschön jeder so halten, wie er mag, so lange er niemanden mit reinzieht, der nicht will. Ich finde das allenfalls interessant und stehe staunend daneben. Unter anderem deshalb fand ich meine Zeit im Lokaljournalismus super: Hallelujah, was habe ich für Leute getroffen! Glauben Sie mir: Es gibt wirklich interessante Aspekte an Wellensittichzucht. Einmal habe ich mir vor einem Konzert mit Orgel und Blockflöte die Orgelakustik erklären lassen, faszinierend, wie das dann mit der Flöte zusammenging. Dazu die ganzen Geschichte, die die Leute bei 50-jährigen Jubilarehrungen erzählen.

Mit welchem Gefühl besteigst du ein Flugzeug?

Im Flugzeug sitze ich immer am Fenster, weil ich es so großartig finde runterzugucken. Technisch ist so ein Ding außerdem ein Faszinosum. Manko: Es ist alles ein bisschen sehr eng. Trotzdem schlafe ich immer ein: Weißes Rauschen – ist es da, bin ich weg.

Wie viele Jahre schon dauert deine längste Freundschaft?

37 Jahre. Wenn’s passt, bin ich ein treues Seelchen.

Womit hältst du dein Leben spannend?

Spontan hätte ich geantwortet: Ach, das ist von ganz alleine spannend. Aber nee, das Leben nimmt die Richtung an, die man ihm gibt. Ich schrieb schonmal, dass ich ein neugieriger Mensch bin, der gerne Erfahrungen macht. Wenn sich Chancen ergeben, ergreife ich sie, auch wenn es Umstände bereitet. Das ist es, was die Sache bei mir spannend macht.

Kannst du unter Druck gute Leistungen erbringen?

Ja. Wenn Sie abliefern müssen, beispielsweise im Job, vergegenwärtigen Sie sich folgende Dinge:

  • Der Anspruch der Anderen. Der eigene Anspruch ist meist höher als der Anspruch des Gegenübers. Denn der Gegenüber weiß ja nicht, was er bekommen könnte. Er weiß nur, was er tatsächlich kriegt. Und damit ist er meist zufriedener, als Sie selbst denken – gerade wenn Sie selbstkritisch sind und zu Perfektionismus neigen.
  • Sie haben per se einen Vertrauensvorsprung – als neue Mitarbieterin (Man hat Sie aus guten Gründen eingestellt), als Vortragende („Die da oben kennt sich aus, sonst stünde sie nicht da“) und sogar als Prüfling („Hat’s bis in die Prüfung geschafft und wird wohl auch gelernt haben, wird also hoffentlich passen“). Diesen Vorschuss müssen Sie erstmal verspielen – das geht schwerer, als Sie denken. Atmen Sie also durch, lehnen Sie sich zurück, die Anderen sind wohlgesonnen.
  • Suchen Sie sich Leute, die Sie anlächeln und die Ihnen zunicken. Auch wenn’s nur der Typ vorne rechts ist, der gerade an seine Freundin denkt. Wurscht. Das gibt Selbstsicherheit.
  • Gelassenheit! Die Folie hängt, der Beamer klemmt? Bitten Sie um Geduld, bitten Sie um Hilfe, läuten Sie eine Pause ein. Sie sind die Chefin im Ring. Sie wissen eine Antwort nicht? Macht nichts – notieren Sie sich die Frage und sagen Sie, dass Sie sich dazu nochmal melden. Sie haben die Frage nicht verstanden? Fragen Sie zurück und bitten Sie um Erläuterung. Es geht nicht darum, dass Sie Schwächen haben. Es geht darum, dass Sie sich Ihrer Stärken bewusst sind.
  • Die Relation: Selbst wenn Sie mit wehenden Fahnen untergehen – ist das schlimm? Also: wirklich schlimm, verglichen damit, morgen bei 130 km/h einen Verkehrsunfall zu erleiden? Na bitte. Alles eine Frage des Bezugspunkts. Also Krönchen richten, weiterreiten.

Findest du andere Menschen genauso wertvoll wie dich selbst?

Was’n das für ’ne Frage, bitte? Natürlich.

Eine Antwort, die mich zum Nachdenken gebracht hat, hat übrigens mal ein Philosoph (Name vergessen) in einem Interview zum Thema „Selbstfahrende Autos“ gegeben. Die Frage lautete: Wenn das autonome Auto entscheiden soll, wen es umfahren soll – die Oma, die Mutter mit Kind oder die Schülergruppe -, wie sollte es sich entscheiden? Der Philosoph antwortete: Weil ein Menschenleben unendlich viel wert ist und weil „unendlich“ ein nicht steigerbarer Wert ist, kann man den Wert des Einzelnen nicht gegen den Wert einer Gruppe aufrechnen.

Kannst du gut Witze erzählen?

Ich kann vor allem gut witzige Begebenheiten auf meine eigenen Kosten erzählen. Wie sagte Woody Allen? „Humor ist Tragik plus Zeit.“

Was soll bei deiner Beerdigung mal über dich gesagt werden?

„Ich habe etwas von ihr gelernt.“ Und dann bitte: lachen und feiern.

Was hast du immer im Kühlschrank?

Der Kodex verlangt wohl, dass ich sowas schreibe wie „Gemüse“ oder wenigstens „Butter“, aber das ist gelogen. Wahr ist: irgendwas mit Alkohol. Unten rechts in der Tür ist das Fach mit Ramazotti, Lillet, Suze und Grappa. Ich trinke das zwar nicht so oft, aber wenn, dann ist es toll, wenn es kalt ist.

Montag, 17. September

Die Zeit nach den Sommerurlauben ist ideal, um Neues anzustoßen. In meinem letzten Newsletter habe ich aufgeschrieben,

  • wieso der September eine gute Zeit ist, Neubewertungen zu schaffen,
  • wie unser Denken unsere Stresswahrnehmung beeinflusst,
  • was positiven von negativem Stress unterscheidet und
  • was wichtig ist, um Zuversicht zu schenken.

Den Text können Sie jetzt online lesen. 

Morgen kommt der September-Newsletter zu Ihnen ins Postfach. Das Thema wird sein: „Onboarding – So gelingt der Start im neuen Job.“ Es gibt sowohl die Sicht der Unternehmen als auch Tipps für diejenigen, die neu anfangen. Jetzt noch schnell anmelden.

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Die Familie von Herrn Paul – zwei Erwachsene und drei Kinder – ist auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in oder um Berlin. Dazu eine Twitter-Diskussion, die sich nach einem von Herrn Pauls Tweets ergab. Es geht darin ums Normalverdienereinkommen, um ererbtes Vermögen und um Wohnraum.

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Ein weiterer Ausschnitt aus 1.000 Fragen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4):

Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?

Wenn wir als „die meisten Menschen“ einfach mal die Leser und Leserinnen dieses Blogs nehmen, also Sie, dann wissen Sie so Einiges nicht über mich. Es entsteht hier im Blog eine Nähe, die Nähe vortäuscht, aber keine Nähe ist. Auch wenn ein anderer Eindruck entsteht: Privates findet hier nicht statt, nur Persönliches.

Weil Sie nicht wissen, was Sie nicht wissen, wissen Sie auch nicht, was Sie nicht über mich wissen, und weil ich hier nicht über Privates schreibe, sage ich Ihnen auch nicht, was Sie nicht wissen.

Kann man Glück erzwingen?

Man kann sich entscheiden, glücklich zu sein. Das beginnt mit der Übung, Menschen anzulächeln und freundlich zu ihnen sein, dann passieren wundersame Dinge. Ich habe mich außerdem entschieden, möglichst viele Erfahrungen im Leben zu sammeln. Das schließt gute und schlechte Erfahrungen ein; jede Erfahrung ist wertvoll. Ich habe beschlossen, ehrlich mit mir und anderen zu sein; zu sagen, wenn ich mich nicht wohl fühle und Situationen zu verlassen, die mir nicht gut tun. Ich bin dankbar für das, was ist, jeden Tag. Außerdem bedeutet Glück Verantwortung – für mich selbst und für andere. Denn tatsächlich habe ich auf das Meiste, was ich im Leben tue und was mir wiederfährt, Einfluss – und sei es, dass ich eine Haltung dazu finde.

Wessen Tod hat dich am meisten berührt?

Ihrer und ihrer. Zwei sehr unterschiedliche Tode.

In welcher Sportart bist du deiner Meinung nach gut?

Was ist der Maßstab für „gut“? Wenn der Maßstab Leistungssport ist, bin ich nirgendwo gut. Wenn der Maßstab der durchschnittliche Couchpotatoe ist, kann ich gut Handball spielen und gut schwimmen. Ich konnte mal gut sprinten und gut weit und hoch springen, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ich kann sicherlich auch passabel Rad fahren und rudern, und ich kann gut wandern, wenn man das als Sport begreifen möchte.

Bist du autoritätsgläubig?

Ich habe Respekt vor Charakter und Leistung, aber keinen Respekt vor Autoritäten und Ämtern. Das war schon einige Male wenig hilfreich, aber ich bereue nichts.

Sonntag, 16. September

Ein letztes Mal Schwimmen an der Sonne: lockere 2.000 Meter, in denen ich einen tollen Rhythmus fand. Tschüß, Freibad. Wir sehen uns in 2019 wieder.

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Lasst den Wald stehen!

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Haushaltsabzeichen in Gold: Fenster geputzt. Balkon herbstschön gemacht. Terrasse herbstschön gemacht. Tomaten für die letzte Ernterunde gestutzt. Gemüse geerntet.

Letzte Ernte: 1 Kürbis, 4 Zucchini

Wäsche gewaschen. Risotto gekocht. Apfelkuchen gebacken.

Apfelkuchen mit Knusperdeckel

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Gelesen: Why Your Cardiologist Should Ask About Your Love Life. Der wissenschaftlich nachgewiesene Zusammenhang zwischen emotionaler Befindlichkeit und Herzerkrankungen.

Gelesen: Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst. Interessante Forschungsergebnisse zu Erziehungsmustern, die Menschen unnahbar, sprachlos und unfähig machen, Nähe zuzulassen – bis hin zu Depressionen. Interessant auch die Hinweise auf einen Übergang ins Erbgut.

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Weitere Bruchstücke aus 1.000 Fragen (Teil 1, Teil 2, Teil 3):

Würdest du gern wieder in einer Zeit ohne Internet leben?

Ich bin ja nun eine ganze Zeit ohne Internet aufgewachsen, genau genommen die ersten 19 Jahre meines Lebens. Auch die nachfolgenden sechs, sieben Jahre waren eher dünn, was Internet angeht. Es kam ein bisschen Internet aus dem Modem, irgendwann gab es auch eine Flatrate, aber insgesamt war das Thema „Internet“, zumindest privat, überschaubar.

Beruflich hatte ich schon früh mit dem Internet zu tun, so etwa ab 1999. Da habe ich angefangen, für Verlage Webseiten aufzubauen. Mein erstes Smartphone hatte ich 2011, im zarten Alter von 33. Viel eher gab’s ja auch keine.

Heute frage ich mich oft, wie das alles ohne Internet ging. Dieses viele Wissen, das im Netz steckt – wo war es früher? In der sauerländischen Stadtbibliothek vielleicht, wo ich mir Buch um Buch und zur Schullektüre die Sekundärliteratur ausleihte. Damals verabredeten wir uns für einen Termin in zwei Wochen, es wurde dann auch nicht mehr nachgefragt, es wurden keine Nachrichten geschickt, sondern nach zwei Wochen war man einfach zum verbredeten Zeitpunkt am verabredeten Ort, ohne auf dem Weg zu schreiben, dass man zehn Minuten später kommt, eine verrückte Welt. Es gab Telefonketten, wenn das Training ausfiel. Im Auto lag der Reiseatlas. Wenn man selbst fuhr, musste man sich den Weg vor Fahrtantritt ansehen und merken. Musik kam von der Kassette. Wenn mir langweilig war, schaute ich im Fernsehen „Ein Heim für Tiere“ oder „Tele Illustrierte“ oder schlief.

Es ist heute nicht alles besser, aber das Leben mit Internet ist sehr viel besser als das Leben ohne. So viel mehr Wissen, so viel mehr Austausch – und so viele Menschen, die dadurch in mein Leben gekommen sind.

Welchen Wochenendtrip oder welche Kurzreise hast du gerade geplant?

Ich reise bald zum Barcamp nach Dangast. Im November bin ich auf dem agiLE-Barcamp in Leipzig. Sonst gibt’s keine Pläne.

Bist du ein Landmensch oder ein Stadtmensch?

In den vergangenen 20 Jahren habe ich nur in Städten gelebt, aber eigentlich mag ich es auch gemütlich. Hier in Dortmund lebe ich hauptsächlich in meinem Stadtteil, also in einem eher kleinstädtischen Milieu. Das finde ich sehr schön. Ich würde also sagen, dass ich ein Kleinstadtmensch bin.

Was bedeutet Freundschaft für dich?

Freundschaft kommt aus dem Hintergrund. Zwei Menschen mögen sich. Etwas beginnt zu wachsen, ganz ohne Knall und Ekstase. Freundschaft verbindet durch Zuneigung und Verständnis und ist intim, ohne körperlich zu sein. Freundschaft ist ein beiderseitiges Versprechen, ist Loyalität und Verlässlichkeit. Sie rechnet nicht gegeneinander auf und besteht unabhängig von Zeit und Distanz.

Welche Stadt im Ausland würdest du gern besuchen?

Ich halte es mit der Einfachheit und mag es, im Gewöhnlichen nach dem Schönen zu suchen. Deshalb besuche ich weniger Städte, sondern eher Landstriche, und bin ziellos. Städtereisen sind okay, aber ich mag sie immer weniger, denn Städte sind voll, da möchte ich mich nicht einreihen, das ist mir zu anstrengend. Wenn ich in Städte reise, dann heißt die Stadt Tartu, Odziena oder  Pitigliano.

Gehst du gelegentlich auf einem Friedhof spazieren?

Sehr gerne.

Wie viel gibst du maximal für eine gute Flasche Wein aus?

Der meiste Wein, den ich kaufe, liegt zwischen 6 und 20 Euro pro Flasche.

In welchem Meer bist du zuletzt geschwommen?

Diese Frage hat bei mir zartes Entsetzen ausgelöst. Denn tatsächlich ist es wohl fünf Jahre her, dass ich zuletzt in einem Meer geschwommen bin. Es war 2013 im Mittelmeer, auf Zypern.

Kochst du oft Fertiggerichte?

Nachdem ich vor 21 Jahren den Auszug aus meinem Elternhaus mit einem feierlichen Ein-Jahresprogramm begangen habe, das im Wesentlichen aus Fertigpizza, Fertiglasagne und Instant-Kartoffelpüree bestand und bei dem ich einen Geschmacksverstärker-Overkill erlitt, bin ich dazu übergegangen, selbst zu kochen. Heute verwende ich manchmal Tiefkühlgemüse, aber ansonsten lebe ich ziemlich frei von Convenience Food.

Was ist dein Schönheitsgeheimnis?

Mein Entschluss, glücklich zu sein.

Wie schön schreibst du noch mit der Hand?

Handschriftlich: Diese Frage müssen Sie sich selbst beantworten.

Wer sollte dich spielen, wenn man dein Leben verfilmen würde?

Alwara Höfels

Donnerstag, 13. September

Geburtstagstag.

Happy Birthday, C! <3

Geburtstagstisch mit Kuchen und Kerzen

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Weil es eingefordert wurde: das Apfelkuchenrezept zum Dienstagskuchen.

300 g Butter
300 g Mehl
300 g Zucker
etwas Milch
etwas Speisestärke
Äpfel

275 g Butter, das Mehl und 225 g Zucker mit etwa fünf Esslöffeln Milch verkneten. Den Teig danach kalt stellen, bis er hart geworden ist.

Derweil die Äpfel klein schneiden. Ich nehme eine mittlere Schüssel voll. Das sind etwa fünf größere Boskoop. Etwa 25 g Butter in einer Pfanne erhitzen und die Äpfel mit 75 g Zucker daran andünsten. Zum Schluss etwa einen Esslöffel Speisestärke zugeben.

Ein Drittel des Teigs in eine Form drücken: auf den Boden und etwa drei Zentimeter den Rand hoch. Die Äpfel einfüllen. Den Rest Teig obendrauf verteilen. Mit etwas Zucker bestreuen.

50 Minuten bei 190 Grad (Umluft 170 Grad) backen.

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Gelesen: „Zur Not hilft auch eine Katze oder ein Hund [€]“. Interview mit dem Tastsinnforscher Martin Grunwald, der sagt, warum Berührungen und Umarmungen für den Menschen so wichtig sind.

Der biologisch andere Mensch versichert uns im Körperkontakt mit ihm, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Keine andere Beweisführung garantiert, dass wir existieren. Dieser Gewissheit bedürfen wir aber. Der körperlich wahrnehmbare andere beantwortet also eine Grundfrage des Lebens: Bin ich allein?

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Fortsetzung der Bruchstücke aus 1.000 Fragen.

Sind die besten Dinge im Leben gratis?

Für die besten Dinge im Leben muss man geben, um sie zu bekommen. Und tun, wovor man sich fürchtet.

Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag?

Samstag. Der Samstag ist ein Wochentag, der die freudige Betriebsamkeit der Arbeitswoche mit dem Müßiggang des Sonntags verbindet, dazu Bundesligakonferenz.

Verliebst du dich schnell?

Nein. Ich glaube, dass ich mich schneller verliebte, wäre ich mir selbst nicht so sehr genug. Da ich bei anderen aber nicht suche, was mir an mir selbst fehlt, empfinde ich Verliebtheit nur gegenüber Menschen, denen es ebenso geht.

Viele Momente, in denen ich früher dachte, ich sei verliebt, war ich vor allem verliebt in das Gefühl, Grund der Verliebtheit des Anderen zu sein.

Was kaufst du für deine letzten zehn Euro?

Etwas, das ich mit anderen teilen kann, damit ich mehr davon habe.

Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?

Wie – „für weniger Kalorien“? Verstehe die Frage nicht.

//*guckt verunsichert
//*geht Waffeln backen

Wie findest du dein Aussehen?

Nicht so wichtig, verglichen mit meinem Gehirn und meinem Herzen.

Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?

Rechtfertige dich niemals.

Tanzt du manchmal vor dem Spiegel?

Innerlich bin ich Fred Astaire.

Willst du für immer dort wohnen bleiben, wo du nun wohnst?

Gott bewahre. Leben braucht Veränderung.

Für den Augenblick finde ich es hier sehr schön, und sicherlich auch noch für einige Jahre, vielleicht auch ein Jahrzehnt oder mehr. Aber bis zum Ende meines Lebens? Da erhoffe ich mir noch etwas Action.

Wie unabhängig bist du in deinem Leben?

Bei Malte Welding las ich jüngst den großartigen Satz: „Unmündigkeit ist unter den Bedingungen der Freiheit immer selbstverschuldet.“ Insofern lautet die Antwort: sehr unabhängig. Ich muss es nur wollen.

Mittwoch, 12. September

Schreibknast.

Die Liebesgeschichte beginnt. Ich mäandere suchend zwischen sprödem Pragmatismus und grauenerregender Schwülstigkeit.

// 33.017 Wörter, 206.934 Zeichen, 882 Absätze, 3.306 Zeilen

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Die Boskoops sind da, und ich habe sie benutzt: für zwei Apfelkuchen. Nutznießer sind unbeteiligte Dritte.

Boskoop-Äpfel in einer Tüte

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Über den Twitteraccount Womensart habe ich von Gertrude Käsebier erfahren, einer der einflussreichsten Fotografinnen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ich hatte vorher noch nie von ihr gehört. Sie war Vertreterin des Pictoralismus, der in seinen Abbildungen nicht nur einfach Szenen des Alltags, sondern Werte und Gemütszustände zeigen möchte. Bilder auf flickr.

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Der Dortmunder Phoenixsee im September:

Blick auf den Phoenixsee, ein Baum im Vordergrund. Im Hintergrund: Dortmunder Skyline mit Fernsehturm.

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Gelesen: „Es gab keinen Platz für Trauer“. Die Autorin und Schauspielerin Renan Demirkan hat den Tod ihrer Mutter, eine Depression und Brustkrebs überwunden. Im Interview erzählt sie, wie.

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Ich beantworte noch ein paar von den 1.000 Fragen (Teil 1). Die Frische Brise ist schon sehr weit vorangeschritten damit. Dort klaue ich sie mir.

Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause?

Ich fühle mich schnell an Orten zuhause. Es ist sehr hilfreich, dass ich mich in mir selbst zu Hause fühle: Da ich mich überall mit hinnehme, habe ich immer ein Zuhause dabei. Außerdem stellt sich ein Zuhausegefühl ein, sobald an dem Ort ein Mensch ist, bei dem ich mich daheim fühle.

Was das physische Zuhause angeht, also meine Wohnung, so macht sie das Wissen, wie sich alles anfühlt, anhört und wie es riecht zu meinem Zuhause: das Gefühl der Terrasse unter meinen nackten Füßen, der Geruch der Heizung am ersten kalten Tag, das Knacken des Hauses in der Nacht, der Geruch meines Bettes, die Wege, die ich im Dunkeln finde.

Wann warst du zuletzt nervös?

Am Tag des WM-Finales. Aber aus anderen Gründen als Fußball.

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Wenn wir Leben in diesem Zusammenhang als den Weg verstehen, den die organischen Bestandteile meines Körpers gehen, dann glaube ich an ein Leben nach dem Tod. Ich werde irgendwann ein Baum, ein Sandkorn oder das Zuhause eines Maulwurfs sein.

Wenn wir Leben hingegen als eine Welt definieren, in die verstorbene Seelen übergehen: nein.

Bist du das geworden, was du früher werden wolltest?

Eine meiner hilfreichsten Eigenschaften ist, dass ich mir selbst noch nie Vorgaben gemacht habe, wer ich sein will. Das hat mich vor allen Gefahren des Perfektionismus bewahrt. Ich überprüfe lediglich regelmäßig, ob ich so, wie ich bin, der Welt gut tue.

Zu welcher Musik tanzt du am liebsten?

Hauptsache viel Beat.

Was war deine größte Anschaffung?

Finanziell: eine Eigentumswohnung. Emotional: andere Dinge, die viel preiswerter waren.

Gibst du Menschen eine zweite Chance?

Vergebenkönnen und Gelassenheit sind ein Schlüssel zu Glück und Seelenfrieden. Es ist mir viel zu anstrengend, nachtragend zu sein. Außerdem bin ich deutlich zu vergesslich.

Welches Wort bringt dich auf die Palme?

Alle relativierenden Wörter, die mein Gegenüber benutzt, um zu schmälern, was er eigentlich sagen möchte. Sagt einfach, was Ihr meint.

Wie oft treibst du Sport?

Diese Frage ist empirisch gesehen Nonsens, weil sie keine belastbare Antwort zutage fördert. Menschen neigen nämlich dazu, sie mit einer Zahl zu beantworten, die deutlich zu hoch ist – zum Einen, weil sie dem Phänomen der Sozialen Erwünschtheit unterliegen, zum Anderen, weil der Mensch unbewusst dazu neigt, das Bild von sich selbst den eigenen, positiven Erwartungen anzupassen.

Um der Wahrheit näher zu kommen, ist es deshalb geschickter, nach konkreten Sporteinheiten in einem zurückliegenden Zeitraum zu fragen: Wann hast Du in den vergangenen zwei Wochen Sport getrieben? Die Antwort: Am Sonntag habe ich mit dem Kalendergirls trainiert. Eine Woche später war ich am Samstag im Fitnessstudio. Am darauffolgenden Montag war ich laufen. Wahrscheinlich mache ich diese Woche noch ein weiteres Mal Sport.

Hast du jemals gegen ein Gesetz verstoßen?

Natürlich, und ich kann es nur jedem empfehlen. In kleinem Rahmen.

Kannst du gut Auto fahren?

Wie ungefähr jeder Mensch in Deutschland halte ich mich für eine sehr gute, wenn nicht gar für die beste Autofahrerin. Außerdem kann ich gut einparken.

Meditierst du gern?

Im Sinne von Rumsitzen oder Rumliegen, dazu Walgesänge? Nein. Das macht mich aggressiv.

Wenn wir Meditation allerdings als eine regelmäßige Praxis betrachten, den Weg zu uns selbst zu suchen, dann: ja. Ich mache Sport und wandere, um bei mir zu sein. Mit sich selbst etwas Anstrengendes zu schaffen, ist eine wunderbar meditative Sache.

Wie geduldig bist du?

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Welche Sachen machen dich froh?

Ach herrje. Das soll ich alles aufzählen? Das fängt schon frühmorgens  mit dem warmen Bett an. Und mit dem Menschen, der neben mir liegt. Dann geht es weiter mit all den Annehmlichkeiten: duschen, gut riechen. Ein Milchkaffee zum Frühstück. Oder nur ein geklapptes Brot auf die Hand. Eigentlich verbringe ich jeden Tag in winzigen Schüben von Ekstase. Kaum auszuhalten.

Dienstag, 11. September

Heute ist der 11. September. Während des Frühstücks ging mir durch den Kopf, dass die Anschläge auf das World Trade Center nun 17 Jahre her sind. Siebzehn! Wenn ich mir überlege, wie groß siebzehnjährige Menschen sind, ist das wirklich viel Zeit. Erstaunlich ist, dass ich damals schon erwachsen und im Beruf war, obwohl ich mich jetzt gerade gar nicht so alt fühle.

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Nach einem Twittertip von Holger habe ich Scrivener ausprobiert.

Scrivener ist ein Textverarbeitungsprogramm für Autoren. Man kann Texte, Dokumente und Metadaten verwalten. Man kann den Bildschirm splitten und an einem Teil des Dokuments arbeiten (zum Beispiel Seite 97) und einen anderen Teil (zum Beispiel Seite 46) nebenbei anschauen.

Ich habe den Funktionsumfang noch nicht ansatzweise durchdrungen. Es wirkt auf mich aber sehr, sehr hilfreich. Ich werde darin weiterarbeiten.

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Ich habe meine Einkaufslisten digitalisiert und nutze jetzt Bring!. Es ist wahnsinnig befriedigend, wenn ich ein Produkt in den Wagen gelegt habe, danach in die App gehe, auf den Eintrag klicke und die Kachel wegklappt. Ich fühle mich, als hätte ich Großes vollbracht. Dabei habe ich nur ein Glas Senf eingekauft.

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Ich habe Apfelkuchen mit Äpfeln aus dem Garten gebacken.

EIn Stück gedekter Apfelkuchen auf einem weißen Teller

Weil mir das gut gelungen ist, steigt Vattern jetzt beim Nachbarn in den Garten (mit Genehmigung) und pflückt noch ein paar Boskoops, damit ich weiteren Kuchen backe.

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Gelesen: Frau Kaltmamsell denkt über den Tod nach. 

Gelesen: Die Klasse bin ich. Philipp Meier schreibt anhand seines eigenen Lebenslaufs über Klassenunterschiede in der Gesellschaft und das Setzen von Deutungsrahmen (Framing) mit Hilfe von Sprache.

Gelesen: Droht Deutschland ein neues 1933? Gastbeitrag von Michael Wildt, Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Zum gleichen Thema noch einmal die Kaltmamsell. Ihrer Einschätzung schließe ich mich an:

Es mehren sich die Anzeichen, dass auch in der deutschen Politik bestimmte Kräfte versuchen, eine Parallel-Wirklichkeit aufzuziehen, in der sie selbst offensichtlichste Fakten umdrehen und wegbehaupten. Zum Beispiel am Freitag Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, der das Videomaterial von rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz als mögliche „gezielten Falschinformationen“ bezeichnete. Wir kommen in bedrohliche Nähe zu US-amerikanischen Zuständen, in denen oberste Stellen alternative facts gegen belegte und überprüfbare Tatsachen aufstellen. Das Ziel scheint komplette Verunsicherung zu sein, fundamentale Zerstörung von Vertrauen in journalistische Berichterstattung.

Es ist mir ein völliges Rätsel, was Leute wie Seehofer oder Maaßen antreibt. Für mich liegt das noch mehr im Dunkeln als die Motivation der Rechtsradikalen.

Auch dazu: Renate Künast in der FAZ. Sehr gute Analyse.

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Seit Monaten schon kursieren 1.000 Fragen durch die Blogs. Ich möchte sie nicht alle beantworten, aber ein paar nehme ich mir mal heraus, jetzt wo sogar Spontiv losgelegt hat.

Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Ich tue ständig Dinge zum ersten Mal. Ich bin neugierig, furchtlos und probiere gerne Neues aus.

Die jüngsten ersten Male, siehe oben: Scrivener nutzen, einkaufen mit digitaler Einkaufsliste. Weitere erste Mal aus diesem Jahr: Zumba machen, alleine fünf Wochen durch ein anderes Land reisen, eine Mediationsausbildung machen, dort Rollenspiele machen, podcasten, eine Ü40-Party besuchen, einen eineinhalbstündigen Vortrag halten, auf eine Gala gehen … und bestimmt noch viele Sachen mehr, die mir jetzt nicht einfallen.

Worauf verwendest du viel zu viel Zeit?

Ich verwende so viel Zeit, wie mein Herz braucht. Manche Dinge benötigen Zeit, um zu reifen. Manche Dinge könnte ich schneller erledigen. Aber wenn kein Grund dazu besteht: Warum sollte ich?

Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?

Ich glaubte sehr lange an das Christkind und an den Nikolaus, bis in die Grundschule hinein. Ich erinnere mich, dass ich in der ersten Klasse zwar Zweifel hegte, dass es aber zu viele Ungereimtheiten gab, die ich mir an dieser Weihnachtssache nicht erklären konnte. Der Osterhase hatte allerdings schon früh ein Credibility-Problem, weil, echt mal: ein Hase, der bunte Eier bringt. Das ist nun wirklich Quatsch.

Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen?

Es gibt nichts, das ich unbedingt besitzen möchte.

Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen?

Vor ungefähr fünf Jahren war ich in Fort Fun. Ich war dort ohne begleitende Kinder; ich lebe meine Leidenschaften ohne Tarnung. Ich bin in der Marienkäferbahn und im Wasserbob gefahren, habe Sommerrodeln gemacht, und es war super.

Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an?

Wie Ertrinken.

Welchen Schmuck trägst du täglich?

Ohrstecker. Sonst trage ich wenig Schmuck. Das bamselt alles an mir rum, und ich kann das nicht ausblenden.

Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Natürlich mag ich es, gemocht zu werden. Allerdings bin ich inzwischen sehr selbstsicher in dem, was und wie ich bin, was ich gerne tue und was nicht – und dafür stehe ich auch ein.

Mögen Kinder dich?

Ebenso wie die umgekehrte Frage „Magst du Kinder?“ halte ich diese Frage für Unsinn. Es würde schließlich auch niemand fragen „Mögen Erwachsene dich?“ und „Magst du Erwachsene?“. Es gibt Menschen, die mag ich und die mögen mich, und es gibt Menschen, zu denen finde ich keinen Draht. Das Alter hat damit nichts zu tun.

Welche Tageszeit magst du am liebsten?

Alle. Weil ich grundsätzlich sehr großzügig bin in dem, was ich mag. Liegt vielleicht an meiner Zufriedenheit mit mir und der Welt.

Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht?

Ich mache immer irgendwas, schlafen zum Beispiel. Oder rumliegen. Oder lesen. Oder zu Hause rumpuzzeln. Oder in den Garten gucken und den Vögeln beim Leben zusehen. Das ist auch was und sehr super. Mußestunden haben einen viel zu schlechten Ruf in unserer Gesellschaft.

In welchen Laden gehst du gern?

Gartenmarkt. Ist aber nicht gut für meine Geldbörse.

Ansonsten gehe ich nicht gerne einkaufen, auch keine Kleidung oder Schuhe. Das ist alles unglaublich nervig, und am Ende fühle ich mich schlecht, weil ich mich in Klamotten gefummelt  habe, die zu klein oder zu groß waren oder schlecht saßen oder deren Muster an mir viel schrecklicher aussehen als auf dem Ständer, ich bin durch zig Geschäfte gelaufen, überall waren Menschen und ich möchte nur noch nach Hause.

Ausnahme: die kleinen Geschäfte im Stadtteil. Ein <3 für Stadtteilshopping.

Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

Weil sie das Beste aus dem macht, was auf meinem Kopf wächst. Weil ich die Haare nach hinten binden kann. Weil ich mir demonstrativ eine Strähne aus dem Gesicht pusten und dabei Merkel-esk die Augen verdrehen kann.

Donnerstag, 6. September

Anna hat mich gefragt, ob ich einen Zeitplan fürs Romanschreiben habe.

Es gibt einen vereinbarten Abgabezeitpunkt für das Manuskript. Der ist vertraglich mit dem Verlag festgehalten und liegt Ende des 1. Quartals 2019. Außerdem gibt es eine vertraglich vereinbarte Seitenzahl, die das Manuskript umfassen soll.

Ich kann nun den Zeitraum hernehmen, der mir zum Schreiben zur Verfügung steht, und die Seitenzahl, die festgelegt ist, und das eine durch das andere teilen. Dann weiß ich, wann ich auf der Hälfte, auf zwei Dritteln, auf Dreivierteln und so weiter angelangt sein muss. Das ist eine grobe Orientierung, allerdings hat die Sache einen Haken: Ich habe nicht konstant gleich viel Zeit zum Schreiben.

Momentan habe ich Zeit. Im Oktober werde ich auftragsbedingt weniger Zeit haben, im November dann wahrscheinlich wieder mehr und für Anfang des Jahres ergibt sich womöglich ein größerer Auftrag – dann habe ich nur noch ganz wenig Zeit zum Schreiben. Mein Ziel ist also, bis zur Jahreswende mindestens bei 80 Prozent des Umfangs zu liegen.

Danach möchte ich gerne hauptsächlich an der Qualität arbeiten, also den bestehenden Text verändern, verbessern,  kürzen, etwas dazuschreiben, Übergänge glätten, Charaktere vertiefen, Details ergänzen oder weglassen. Am besten in Zusammenarbeit mit meiner Lektorin.

Ich wurde schon des Öfteren gefragt, ob ich chronologisch schreibe, also mit Seite Eins beginne und am Ende des Buchs mit dem Schreiben ende. Ja, das mache ich. Denn ich brauche die gleiche Zeit wie ein Leser, um die Figuren wachsen und sich entwickeln zu lassen. Schreibe ich chronologisch, habe ich das gleiche Wissen wie meine Figuren und durchlebe die Geschichte mit ihnen. Schriebe ich hingegen nicht-chronologisch, könnte ich mich schlechter in die Situation einer Figur hineinversetzen, weil ich beim Schreiben von Kapitel Fünf ja schon an ihrer Statt erlebt habe, was erst in Kapitel Zehn kommt.

Beim ersten Buch habe ich teilweise Kapitel vorgezogen, also Kapitel Neun vor Kapitel Sechs geschrieben, weil ich Bock auf die Szene hatte. Es hatte aber den Nachteil, dass ich mich immer wieder fragen musste: Wo steht die Figur zu diesem Zeitpunkt gerade? Was ist vorher passiert? Aus welcher Situation kommt sie? Weiß sie bestimmte Dinge schon oder noch nicht? Da kam es dann zu Verirrungen.

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Der Innenminister bittet darum, aus seinem Amt entlassen zu werden.

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Am Abend war ich auf dem Sommerevent der networker NRW, einem IT-Verband. Wir haben unter anderem das Dortmunder Brauereimuseum besichtigt, allerdings ohne Verköstigung, nur mit Zuhören.

Brauereimuseum Dortmund

Dortmunds Strukturwandel hat ja nicht nur etwas mit Kohle und Stahl zu tun, sondern auch mit Bier.

Gemeinsam mit Milwaukee war Dortmund eine der zwei größten Bierbraustädte der Welt: Im 19. Jahrhundert gab es 74 Brauereien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es immerhin noch 28. Jetzt gibt es nur noch eine, DAB.

Außerdem ist die kleine Bergmann-Brauerei (für die ich ein großes Herz habe). dank einer privaten Initiative seit 2007 wieder im Kommen.

Maschine, die Kronkorken auf Flaschen macht

Übrigens gab es in den Brauereien Arbeitsplätze, die heute kein Mensch mehr haben will, zum Beispiel Bügelflaschenschließerin.

Weil die technische Anlage nur Flaschen mit Kronkorken automatisch verschließen konnte, gab es Arbeiterinnen, die die Bügelflaschen per Hand schlossen. 900 Stück in der Stunde. Pro Person. Weil den Frauen dabei nach kurzer Zeit die Hände wehtaten, durften sie sich mit einer Kollegin abwechseln, die im heißen Dampf der Flaschenwaschmaschine stand und Flaschen ein- und ausfüllte.



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