Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Nebensächlichkeiten | Mein letzter Blogbeitrag sorgte für erstaunlich viel Resonanz, obwohl sowohl der Informations- als auch der intellektuelle Wert ausgesprochen gering war. Die kleinen Dinge meines Lebens scheinen Sie im großen Stil zu interessieren.

Deshalb hier nun die Nebensächlichkeiten der vergangenen Tage:

  • Das Schrottwichtelproblem löste sich. Der Reiseleiter stieg auf seinen Dachboden und fischte mit einem Handgriff ein Schmuckstück hervor: Spachteltechnik auf Leinwand – ein Bilderdreiklang. Das Ensemble wird sein zweites Leben in Heidelberg finden. Im Gegenzug erwichtelte ich eine Dose von ausgesuchter Hässlichkeit. Bei den Kindern könnte sie allerdings Anklang finden könnte. Ich werde das Objekt kommentarlos auf dem Küchentisch platzieren, gefüllt mit einer Verlockung.
  • Ich war nicht draußen, nicht nennenswert, aber ich war im Fitnessstudio. Immerhin Bewegung also. Crosstrainer, es war mühsam. Kraftübungen – die gingen besser. Sie sorgen dafür, dass in meinem Körper alles beieinander bleibt, vor allem die Wirbel. Wenn ich dieser Tage ins Fitnessstudio gehe, sehe ich dort viele alte Männer; ich nehme an, dass dieser Umstand an meinen azyklischen Besuchszeiten liegt, die sich mit dem Training der Rentner decken. Mir fiel jedenfalls auf, dass diese alten Männer auffällig oft Leinenbeutel über die Trainingsfläche tragen – wobei unklar ist, was sich darin befindet. Vielleicht nehme ich demnächst auch einfach mal einen Leinenbeutel mit an die Geräte, gehe auf einen der Herrn zu und sage: „Schauen Sie mal, wir haben fast denselben Leinenbeutel. Was ist denn in Ihrem?!“
  • Vor einigen Tagen kaufte ich einen Weihnachtsstern. Es geht ihm bereits sehr schlecht. Er verliert alle Blätter. Ich bin ein Todesgarant für Weihnachtssterne. (Bitte keine Gieß-, Licht-, Wäme- und Nicht-Gieß-Tipps. Ich habe mich ausführlich belesen, es ändert nichts.)
  • Ich war in der Innenstadt und auf dem Weihnachtsmarkt. Es war alles gechillt: breite Gänge, Maskenpflicht, nur die Hälfte der Buden, das Ordnungsamt ging rum, alle Leute waren freundlich und entspannt. Ich legte eine Wahnsinns-Weihnachtsgeschenkeinkaufsperformance hin und kaufte 70 Prozent meiner Weihnachtsgeschenke innert zwei Stunden.
Dach einer Weihnachtsbude und der große Tannenbaum auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt mit beleuchtetem Engel und Schriftzug "Dortmund 2021"
  • In die Stadt fuhr ich mit der U-Bahn. Zum Ticketkauf benutzte ich die neue mobil.nrw-App. Am Startpunkt klickte ich auf „Check in“, am Endpunkt auf „Check out“, ich musste mich nicht um Zonen, Tarife, Waben oder sonstwas kümmern und bezahlte nur die Luftlinie zwischen Start und Ziel. Funktionierte einwandfrei. Ich bin aus dem Häuschen.
  • Erzählte man die Pandemie aus der Perspektive meines Bügeleisens, wäre sie eine lange Phase der Unterforderung, des Nichtbeachtetwerdens und der Selbstzweifel. Vor mehr als eineinhalb Jahren kam sein Leben plötzlich zum Stillstand, ohne Ankündigung, ohne Erklärung und ohne das Bewusstsein, einen Fehler gemacht zu haben. Im Herbst erfolgte endlich die Wiedereingliederung: Blusen und Stoffhosen mussten wieder ausgehfein sein für den Präsenzbetrieb. Jetzt erneut Nichtstun, das Gefühl des Nichtgebrauchtwerden, bittere Enttäuschung.
  • Heute früh fuhr ich Kleidung zur Sachspendenannahme der Caritas in Dortmund-Eving. Von mir aus sind das 15 Kilometer. Es war unglaublich viel Verkehr. Überall staute es sich. Ich brauchte fast 40 Minuten. Seit Beginn #der aktuellenSituation bin ich zu 90 Prozent meiner Zeit im Homeoffice – und wenn ich fahre, dann meide ich weitgehend die Stoßzeiten, weil ich die Freiheit dazu habe. Wenn ich dann doch mal zur Rush Hour unterwegs bin (wie heute Morgen), trifft es mich wie einen Schlag, und ich denke: Wie sollen wir das nur hinkriegen? Wie sollen wir diesen Verkehrsinfarkt jemals überwinden?

Arbeitszimmer | Mein Arbeitszimmer ist fertig.

Panoramaaufnahme eines kleinen Arbeitszimmer: Schreibtisch vor dem Fenster, links eine Regal-Schrankwand, rechts ein Whiteboard

Ich bin sehr glücklich und freue mich jeden Morgen aufs Arbeiten dort. Ich freue mich über alles: über die Tageslichtlampe und den Eckschreibtisch, über das Whiteboard und das Maßregal, über den Blick auf die Vogelfutterstation, über meinen neuen Monitor, über den Laptop-Stand und das neue Parkett.

Die Evolution:

Auch schön: Wenn ich keine Lust mehr habe, mache ich einfach die Tür zu, und die Arbeit ist weg.


Gelesen | Friedrich Merz: Der Sauerländer an sich [€]

Die Wälder sind düster und verwunschen, die Täler nass und tief, die Straßen im Winter unpassierbar. Sauerländer, sagt man, sind sentimentale Eichen; umgeben von Eremitenhöhlen und Kapuzinerklöstern leben die gutartigen Dickköppe in Hutzelhütten aus Fachwerk und Lehm. […] Das Sauerland ist die CDU als Natur – und das Habitat des berühmten Wirtschaftsexperten Joachim-Friedrich Martin Josef Merz aus Brilon, der nun zum dritten Mal Anlauf nimmt, um Vorsitzender der Christdemokratischen Partei Deutschlands zu werden.

Weiter:

Sauerländer kämpfen zuweilen gegen den grundlosen metropolitanen Verdacht, sie trügen die naturtrübe geistige Provinz im Herzen und müssten erst noch lernen, unfallfrei mit Messer und Gabel zu essen. Merz weiß das, und so setzt er sich als doppelter Friedrich in Szene, als Mann von Welt und als Mann vom Volk. Dieser kennt sowohl die Heimat als auch die Fremde, er kennt Arnsberg und Amerika, Blaubeeren und BlackRock, den Vermögensverwalter, bei dem Merz den Aufsichtsrat der deutschen Tochter anführte. Heute stiefelt der Weltbürger mit seiner Frau für eine bunte Homestory durch Altenhellefeld. Morgen rennt er mit den top dogs der Wirtschaftswissenschaft um die Wette.

Gelesen | Die alternde Frau

Nebensächlichkeiten | Die Tage sind repetitiv. Ich würde gerne Bedeutendes berichten und Tiefgreifendes schreiben, Humorvolles zum Besten geben und Bilder von Ausflügen zeigen. Aber man reist ja nicht, und ich erlebe auch nichts. Morgens gehe ich in mein Arbeitszimmer, mittags koche ich, abends gucke ich Netflix. Es gibt einige Abwandlungen dieser Handlungsfolge, etwa wenn ich am Abend koche und nicht am Mittag. Oder an Tagen, an denen ich ins Fitnessstudio gehe. Oder wenn ich beim Reiseleiter bin – oder nein: Dort ist es eigentlich alles gleich, nur in anderem Setting. Vielleicht lasse ich Sie einfach an den kleinen Dingen teilhaben. Wofür führe ich schließlich ein Tagebuchlog wenn nicht für Banalitäten ohne Erkenntniswert?

  • Heute gab es Kartoffelpürree und Blubbspinat zum Mittagessen, serviert an Fischstäbchen. Es ist Kindertag.
  • Gestern bekam ich eine Würfelsteckdose mit USB-Anschlüssen geliefert. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn nun kann ich unter geringem Platzverbrauch meine elektronischen Devices auf dem Schreibtisch mit Strom versorgen – optisch ansprechender als in der Version „Steckdosenleiste“ .
  • Ebenfalls gestern kraulte ich ausführlich den Hund der Nachbarin. Das Tier heißt Ida, wird aber „Die Pummse“ genannt. Die Pummse kam vor vielen Jahren aus dem Tierheim, war scheu und verängstigt. Inzwischen hat sie mich ins Herz geschlossen und lässt sich gerne kraulen.
  • Vorgestern war ich im Edel-E*eka einkaufen. Der heißt so, weil er wirklich schick ist und einen Haufen besonderer Dinge hat – zum Beispiel unzählige Sorten Strauchtomaten, Joghurts von regionalen Molkereien, Brotaufstriche, Käsesorten und Gewürzmischungen, sowas halt -, die allesamt dazu führen, dass ich trotz halbleeren Wagens erstaunliche Summen an der Kasse bezahle. Aber man geht ja aktuell nicht groß aus.
  • Ich schlafe außerordentlich gut, seit ich nicht mehr so viele Termine habe, und bin auch nicht mehr so müde.
  • Ich habe ein erstes Weihnachtsgeschenk gekauft. Darüber hinaus stehe ich vor zwei Herausforderungen. Ich benötige einen Beitrag zum Schrottwichteln, sogar sehr kurzfristig. Weil ich ein Mensch bin, der gut wegschmeißen kann und das auch tut, ist es für mich jedes Jahr (es handelt sich um eine Tradition) eine mentale Anstrengung, einen entsprechenden Beitrag zu finden, sogar, man glaubt es kaum, in meinem Keller. Vor ein paar Jahren ging das so weit, dass ich sogar etwas besonderes Hässliches gekauft habe, obwohl das natürlich gegen die Regeln ist. Aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. Außerdem, zweite Herausforderung, benötige ich ein Wichtelgeschenk, aber nicht irgendeins. Das Wichteln hat ein Motto; es lautet: „Shine on.“

Gute Laune | Die Auftragslage fürs erste Halbjahr 2022 entwickelt sich sehr erfreulich. Das macht mir gute Laune.


Launeneintrübung | Das Wetter macht mir weiterhin schlechte Laune. Weil ich das Wetter nicht ändern kann, konzentriere ich mich auf meine gute Laune. Ich sollte allerdings tatsächlich mal wieder rausgehen – also, weiter als bis zum Briefkasten. Naja. Morgen vielleicht. Ach nee, morgen ist nicht so günstig. Übermorgen passt besser.

Als ich gestern Abend noch Dortmund nach Haltern fuhr, war es sauglatt auf den Straßen.


Lernen | Ich habe noch eine Weiterbildung eingetütet. 2022 wird das Jahr der Weiterbildungen, nachdem ich in 2021 kapazitätsbedingt geschludert habe. Direkt im Januar absolviere ich eine ITIL® 4 Foundation, also eine Basisschulung im IT-Service-Management. Die Information Technology Infrastructure Library (ITIL) umfasst Prozesse, Funktionen und Rollen, die typischerweise in jeder IT-Infrastruktur mittlerer und großer Unternehmen vorkommen. Ich habe mir im vergangenen Jahr schon viel angelesen und beim Kunden mitgekriegt, aber ich möchte das mal grundlegend erfassen.

Im Februar folgt dann der Weiterbildungtag zur Entscheidungsfindung, und im Mai die Verhandlungsführung. Ich freu mich voll auf das, was ich lernen werde.


Adelsschicksale | Weiterhin bin ich schlimm Downton-Abbey-süchtig. Aktuell fünfte Staffel. Ich fühle große Heimeligkeit, wenn ich, in Wolldecke auf dem Sofa liegend, diese Serie schaue. Sie wird mich durch den Dezember ins neue Jahr tragen.


Gehört | Die Damen Novemberregen und Herzbruch, ihres Zeichens Twitter- und Bloggerinnen mit Kultstatus, setzen ihren Adventskalender-Podcast aus dem vergangenen Jahr fort. Die Gespräche sind ziellos wie immer; es gibt keinerlei Grund, sich das anzuhören – es sei denn, man möchte unterhalten werden. Ich höre gerne zu.

Muss man nicht | Eigentlich sollte ich mal rausgehen. Der Mensch braucht Spaziergänge an der frischen Luft, so habe ich es gelernt, und so macht man es. „Du warst heute noch gar nicht draußen!“, hieß es früher, und schon wurde ich vor die Tür geschoben. „Ihr wart heute noch gar nicht draußen“, sagen der Reiseleiter und ich heutzutage und schieben die Kinder vor die Tür. Mit gespielter Freude gehen wir hinterher hinterher, unsere Prinzipien verfluchend. Denn wer will schon draußen sein, wenn bei sechs Grad der Regen ins Gesicht weht.

Wenn aber grad keine Kinder da sind und man auch keinen Hund im Hause hat, muss man nicht rausgehen. Ich habe nochmal nachgelesen: Muss man nicht.


Hohoho | Erste Weihnachtsgeschenkaktivitäten.


Gelesen | Wer einen Namen für seine Heizung sucht, wird in diesem Thread fündig. Meine Favoriten: Wärmtraud, Glutfried und Karl-Heiz Rummehygge.

Gelesen | Ich dachte, ich hätte die Fehlleistungen Andreas Scheuers inzwischen vollumfänglich erfasst. Aber es kommen immer noch neue Klopper dazu: Millionen Euro für die Bahn flossen in Fernstraßen und Fluggesellschaften. Die Zweckentfremdung von Budget scheint einem Muster zu folgen. Im März las man: 12 Millionen für Radwege – nutzt Scheuer für neue Straßen.

Minimaler Abrieb | Am Wochenende habe ich etwas gelernt: Es gibt Eisbahnen aus Synthetik. In Haltern ist aktuell eine aufgebaut. Auf der Seite des Herstellers liest man etwas vom „niedrigsten Reibungskoeffizienten“, „minimalem Abrieb“ und „realitätsgetreuem Eislaufen“.

Die Kinder fanden es gut. Der Reiseleiter und ich standen am Rand und guckten nur zu. Als ich nämlich das letzte Mal Eislaufen war, Anfang der 1990er, lag ich danach vier Tage mit Schädelprellung und Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Ich habe deshalb Vorbehalte und würde das nur in Vollschutz tun.

Die #aktuelleSituation auf dem Nikolausmarkt war okay: Maske auf, fertig.


Das kommt | Ich habe die Termine auf meiner Webseite aktualisiert. Seminare und Webinare, aber auch Lesungen und sonstigen Termine sind jetzt aktuell. Das wird sich in den kommenden Wochen und Monaten allerdings noch mehr füllen. Mit der 2022er-Planung von Seminaren und Webinaren habe ich noch gar nicht richtig begonnen.


Weiterbildung | Ich plane aktuell meine Weiterbildungen 2022. Im ablaufenden Jahr habe ich mein eigenes Lernen vernachlässigt – zumindest das systematische Lernen. Im Februar mache ich deshalb eine Weiterbildung im Decision Making, also in der Kunst, schnell gute Entscheidungen zu treffen. Ich selbst bin gut darin zu entscheiden, aber man kann ja immer etwas dazulernen und die eigenen Muster hinterfragen. Außerdem tun sich meine Kundinnen und Kunden und vor allem ihre Organisationen bisweilen schwer mit dem Entscheiden. Ich würde gerne Techniken erlernen, die ich dort systematisch anwenden kann.

Im Mai lasse ich mich dann zur Verhandlerin schulen. Darauf bin ich auch gespannt. Ich verhandle nämlich eher aus dem Bauch heraus. Ich wäre gerne sattelfester.


Schnee | Chronistenpflicht: Dieser Tage fiel der erste Schnee des Winters.


Impf-Situation | Zwei Stunden stand er im Schneeregen in einer Schlange. Dann hat die Bundeswehr Vatta (72) geboostert.

Ich darf mich ab dem 8. Dezember anstellen. Dann sind fünf Monate vergangen seit Impfung #2.


Corona-Service | Quentin Lichtblau schreibt einen Rant übers Spazierengehen während Corona [€]. Ich fühle den Text.

Mit seiner unendlichen Würde- und Ziellosigkeit steht das Spazierengehen für mich wie ein Symbol für zwei verlorene Jahre Pandemie. […]

Ging früher aber zumindest noch der Rest der Welt mit, fühlt sich das spazierende Deutschland in diesem Winter wie eine einzige Clown-Polonaise an, umgeben von Nachbarländern mit höheren Impfquoten, die von der Tribüne heruntergucken.

Wenn’s sein muss, 14 Uhr am Scheißfluss?“

Premiere | Wie schön kann eine erste Lesung sein? Ziemlich großartig schön! Allein dieses Lesepult mit der Lampe! Ich fühlte mich sehr literarisch, als ich am Donnerstag aus „Die Frau, die den Himmel eroberte“ vorlas.

Holzpult mit leselampe in einer Buchhandlung. Im Hintergrund leere Stühle und Bücherwände.

Ich war aufgeregt vorher. Denn weiß ich, ob es funktioniert? Ich habe Passage herausgesucht, die ohne Kontext der Handlung verständlich sind. Ich habe zuhause das Lesen geübt und die Zeit gestoppt. Ich finde: Eine Lesung darf nicht zu lang sein, und es darf nicht nur gelesen werden. Lesen können die Menschen schließlich auch zuhause.

Deshalb hatte ich Material aus dem Nachlass von Käte Paulus mitgebracht. Ich habe über meine Recherche erzählt, von den historischen Hintergründen. Ich habe die Technik der Ballons und der Fallschirme erklärt, die damals genutzt wurde. Ich habe von der Stimmung der Zeit erzählt, in der Käte lebte.

Einlaminiertes Bildmaterial

Nach der Lesung war ich froh und glücklich. Es fielen die Worte „spannend“ und „kurzweilig“, es kamen etliche Fragen, und ich habe den Eindruck, dass die Leute sich gut unterhalten gefühlt haben. Danke an Jacqueline Esplör mit ihrer Stiftsbuchhandlung in Nottuln.

Mit der Buchpremiere hatte ich übrigens auch meine Laminierpremiere. Ich hatte zuvor noch nie etwas einlaminiert und hatte Riesenspaß. Ernsthaft! Ich hätte am liebsten meine ganze Wohnung laminiert.

Die nächsten Lesungen sind Ende Januar in Dortmund, im März in Hamm und im Mai in Dortmund. Ansonsten bin ich noch buchbar. Gerne auch schon fürs Frühjahr, wenn wir alle hoffentlich wieder sorgenfrei auf Veranstaltungen gehen können.


Alpaka | Die Lesung war dann auch meine letzte Präsenzveranstaltung für dieses Jahr. Ich habe mir einen Wollpulli gekauft, groß wie ein Haus und weich wie ein Alpaka, in den ich mich jetzt einrolle. Ich werde darin auf meine Boosterimpfung warten und in dem Pulli den Winter verbringen. #DieaktuelleSituation kann mir gar nichts mehr.


Umorganisiert | Ich habe mein New-York-Times-Abo gekündigt und dafür SZ plus abonniert, als Ergänzung zum Zeit-Online-Abo. Um das NYT-Abo zu kündigen, musste ich mit jemandem chatten. Mir wurde nochmal eine „New York Times Cooking subscription for an amazing rate of $0.63 per week for 52 weeks“ angeboten, aber ich lehnte ab. Das Geld habe ich stattdessen in die KptnCook-App investiert. Das scheint mir ein interessantes Produkt, jetzt wo ich erstmal wieder ausschließlich im Homeoffice hocke, Restaurantbesuche keine Option sind, und ich in meinem Pulli wohne.

Auf die App bin ich gestoßen, weil ich auf Twitter nach vegetarischen Rezepten fragte. Man wird ja mit der Zeit ideenlos, und die zwanzig Standardrezepte sind alle durchgespielt. Ich erhielt viele Antworten, die ich screenshottete und bookmarkte – und bekam den Hinweis auf die App. Das Killerfeature: Man kann Zutaten abkündigen, die man nicht mag. Ich muss mich bei meiner Rezeptsuche also nicht mehr mit Pilzen, Auberginen, Kapern und Oliven befassen. Großer Effizienzgewinn! Ein Rätsel bleibt, wieso es in meiner Timeline (und überhaupt auf der Welt) so viele Pilz- und Auberginenliebhaber gibt.


Lego Serious Play | Ich habe ein Lego-Serious-Play-Set, das ich bisweilen in Workshops einsetze, um Prozesse, Schnittstellen und Zusammenarbeit gemeinsam mit Kunden zu modellieren. In der Workshop-freien Zeit wird es von den Beutekindern bespielt. Sie machen fantastische Sachen damit, bauen Forschungsstationen, Ferienläger und Städte mit Häusern, Pools, Pizzabäckern, Geldautomaten, Außengastronomie und natürlich einem Internetmasten, der Internet in alle Häuser bringt.

Der Nachteil an dem Set ist, dass es mehr normale Steine haben könnte. Ich spiele mit dem Gedanken, noch welche zu kaufen. Denn wir brauchen mehr Häuser und Türen und Tore und überhaupt. Falls jemand eine Kiste übrig hat – gerne melden.


Hohoho | Jetzt hole ich Weihnachten aus dem Keller.

Stimmung | Man soll es nicht meinen, aber die Tage werden tatsächlich kürzer. Nicht nur astronomisch, auch was die Zeit betrifft, die die Arbeit einnimmt. Die ersten Termin habe ich statt um 8 Uhr nun eher gegen zehn, wenn nicht gar noch später. Und der Arbeitstag endet gegen 16 Uhr.

Es sei denn, ich unterbreche den Tag, um ins Fitnessstudio zu gehen. Das ist eine schöne Variante. Mittags ist das Fitnessstudio angenehm leer, ich werde nicht von schwitzenden Menschen angeatmet und ganz allgemein kommt man sich nicht ins Gehege. Ein erfreulicher Umstand.

Meine Stimmung wird adventlicher. Ich habe Zeit, über das Backen von Keksen und die Notwendigkeit eines Tannenbaums nachzudenken. Vorgestern habe ich sogar einen Tee getrunken, was in meinem Fall ein Zeichen vollendeten Gleichmuts ist.


2022 | Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass ich auch im kommenden Jahr Aufträge haben werde. Einige Kunden haben bereits beauftragt, mit anderen bin ich in konkreten Gesprächen. Ich werde es also ins sechste Jahr der Selbstständigkeit schaffen.

Als ich 2017 anfing, habe ich mir gedacht: „Fünf Jahre durchhalten, das wäre was.“ Die fünf Jahre vergingen wie im Flug, es wird mindestens noch ein sechstes geben, und ich möchte diese Art zu arbeiten nicht mehr missen. Sollte ich jemals wieder ins Angestelltendasein zurückwechseln, braucht es Einiges, um mich glücklich zu machen. Es gibt nur wenig, was mein Leben so nachhaltig geprägt hat wie die Selbstständigkeit.


Interieur | Mein neues Arbeitszimmer ist, was das Mobiliar angeht, jetzt vollständig eingerichtet. Es folgt noch ein schöner Curved Monitor, dann ist es perfekt. Ich werde demnächst mal ein Bild posten. Das Zimmer macht mich sehr glücklich.


Nebel und Matsch | Das Wetter verhält sich derweil jahreszeitenkonform und macht einen auf November. Beim gestrigen Spaziergang hatte ich ein hartes Déjà vu des vergangenen Winters, in dem ich, bedingt durch #dieaktuelleSituation und in Ermangelung freizeitgestalterischer Alternativen, Tag um Tag durch Nebel und Matsch latschte.

November

Immerhin hat das Fitnesstudio noch geöffnet, so dass ich nicht joggen muss. Das Joggen durch Matsch, Schneeregen und Dunkeheit war wirklich ein Tiefpunkt des Winters 2020/21. Ich fürchte allerdings, dass wir den in diesem Jahr noch übertreffen. Oder besser gesagt: untertreffen.


Corona-Service | Denn #dieaktuelleSituation sieht miserabel aus. Lesen Sie dazu diese Modellierung, aber bitte nur, wenn Sie sowieso schon schlechte Laune haben. Management-Summary:

  • Selbst das Best-Case-Szenario ist ein Bad-Case-Szenario.
  • Das Best-Case-Szenario (die wenigsten Toten, die wenigsten Intensivpatient:innen) bedeutet: Lockdown ab Montag, denoch Überlastung der Intensivstationen. Und es wird nicht eintreten, sonst wüssten wir das heute schon.
  • Wir sind am Ende der Modellierungsmöglichkeiten.

Ich teile das hier, damit in vier Wochen nicht wieder ein Politiker sagt, dass die dynamische Entwicklung „uns alle überrascht hat“.


Frischluft-Workout | Am Wochenende war ich bei der Elternarbeit in der Montessori-Schule – fürs Beutekind. Und für den Reiseleiter, der dort zehn Stunden ableisten muss. Wenn jemand mitmacht, sind’s für jeden fünf.

Das Ganze war ein sehr gutes Workout. Wir fegten fast fünf Stunden Laub. Außerdem schaufelte ich einen großen Haufen Rindenmulch klein, karrte ihn von links nach rechts und harkte ihn hübsch. Ich fühlte mich wie in einem dieser japanischen Gärten, in denen man sich Seelenfrieden erharkt. Ich war danach ganz friedlich innendrin.

Die Sache mit der Elternarbeit stand übrigens nicht im Onlinedating-Profil des Reiseleiters. Ebenso wie der furzende Hund. Wie sagte der große Philosoph Forrest Gump dereinst? Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt. 


Brunch | Auch vom Wochenende: das perfekte Brunch.

Zwei-Geh-Plus ist jetzt das Motto bei Treffen, wohlwissend, dass auch das Ansteckungen nicht vollends verhindern kann.


Und sonst | Ich telefonierte mit dem Lieblings-Webworker, und wir heckten zwei gute Sachen aus:

  1. Eine Umfrage-Lösung für meine Seminare und Workshops. In der Vorbereitung lasse ich mich immer ausführlich vom Auftraggeber briefen. Aber der Auftraggeber ist nicht immer Teilnehmer, und selbst das beste Briefing ist nicht so gut wie alles, was ich direkt von denjenigen erfahre, die sich zu meiner Veranstaltung anmelden. Also hat der Christian mir eine Möglichkeit gebastelt, mit der ich auf meiner Website zu jeder Veranstaltung individuelle Umfragen anlegen und abfragen kann, welche Inhalte die Teilnehmer:innen besonders interessieren. Sie können mir außerdem konkrete Situationen aus ihrem Unternehmen schildern (anonym), zu denen sie gerne eine Lösung hätten, oder mir Herausforderungen schildern, die sie gerade umtreiben. Ich passe dann meine Inhalte entsprechend an, damit die Veranstaltung einen möglichst hohen Nutzwer hat.
  2. Eine digitale Lösung für meine Neujahrskarten. Bislang habe ich old school Print verschickt, handgeschrieben. Das finde ich sehr schön und persönlich. Allerdings sitzen wir nun das zweite Neujahr im Homeoffice, und ich rechne nicht damit, dass sich das im Januar entscheidend ändert. Schon im vergangenen Jahr haben viele meiner Karten die Adressaten nicht erreicht. Ein Jahr lang ist das verschmerzbar. Aber jetzt möchte ich eine digitale Lösung. Christian baut mir dazu etwas für meine Website, so dass ich individuelle Links zu digitalen Neujahrskarten versenden kann. Jeder Adressat und jede Adressatin bekommt – wie auch bei der Print-Variante – ihren und seinen individuellen Text.

Gelesen | Artensterben in Europa: Hunderte Millionen Vögel verschwunden

Lesung | Die Lesung am 25. November in Nottuln findet statt.

Ich habe die Stiftsbuchhandlung heute besichtigt und lange mit der Inhaberin, Jacqueline Esplör, gesprochen. Wir haben abgewogen und uns für die Durchführung Lesung entschieden. Rahmenbedingungen: 2G (logisch) und Check der Impfnachweise mit der CovCheck-App. Ich habe die App getestet: Sie zeigt schnell und unkompliziert an, ob ein Zertifikat gültig ist, perfekt für den Einlass.

Panoramaaufnahme vom Inneren der Buchhandlung

Ich werde an der Stelle stehen, von der aus ich das Foto aufgenommen habe. Die Besucherinnen und Besucher sitzen sowohl auf neun Uhr als auch auf drei Uhr, also im L. Jacqueline hat normalerweise 50 Plätze. Sie verkauft aber nur 30 Karten (es ist bereits ausverkauft) – auf jeder Seite sitzen also 15 Leute.

Ich habe den Aerosol-Rechner von Zeit Online konsultiert, dessen Berechnungsgrundlage eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie ist. Unter Einbezug der Variablen vor Ort,

  • der Raumgröße
  • der Deckenhöhe (sehr hoch, wir haben uns über den Baufehler des Hauses unterhalten, der dafür verantwortlich ist: Die Buchhandlung hat eine höhere Decke als vorgesehen, die Wohnetage darüber ist dadurch zu niedrig und die Fenster dort sind auf Kniehöhe)
  • die Anzahl der anwesenden Menschen
  • der Dauer der Veranstaltung,
  • der Tatsache, dass die meiste Zeit nur eine Person redet (ich),
  • der Tatsache, dass diese Person (ich) sich vorher nochmal schnelltestet und
  • dass alle Anwesenden geimpft sind,

kommt der Rechner zu dem Schluss, dass die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei einem Prozent liegt. Diese Konstellation kann ich vertreten.

Die Räumlichkeiten sind wunderschön. Die Dielen knarren. Eine tolle Buchhandlung!

Jacqueline Esplör ist 28 und hat die Buchhandlung vor einem Jahr übernommen, hat sich also schons ehr früh selbstständig gemacht. Wir waren noch eine Pizza essen und haben eine ganze Weile geschnackt. Ich freue mich wie Bolle auf die Lesung!


Torte | Endlich habe ich einen langjährigen Freund mal wieder getroffen – und seine Freundin, das neue Baby und den neuen Hund. Ein schöner Abend!

Es gab einen „kleinen Nachtisch“. Ich bin fast hintenüber gekippt. Sensationell.

Der Hund des Hauses, während wir die Torte aßen:

Französische Dogge mit mitleidgem Blick

Morgenstund | Gestern in der Früh habe ich mein Auto zum Schrauber gebracht: jährliche Inspektion plus Reifenwechsel. Rückweg zu Fuß, ein schöner Spaziergang.

Hätte ich ein Tagebuch neben dem Bett, könnte ich vor dem Schlafengehen dort eintragen: „Aufregender Tag heute. Viele bunte Blätter gesehen.“


Corona-Service | Überraschung: Gerade hat man sich in Berlin noch gestritten, wer die Corona-Notlage aufheben darf. Jetzt will es keiner gewesen sein. Und das Land ist besinnungslos in die vierte Welle gerast. Annäherung an ein historisches Versagen [ Blende-Link, €]:

Wann genau ist Deutschland falsch abgebogen?

10. August 2021, die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin beraten sich in einer Videoschaltung […] Leute, die dabei waren, sagen, die Kanzlerin habe damals sehr wohl zu 2G tendiert, auch Jens Spahn. Aber es war eben nicht nur Sommer, sondern auch Wahlkampf. Deshalb war von besonderer Bedeutung, was Armin Laschet wollte, der zu diesem Zeitpunkt nun mal Parteichef und Kanzlerkandidat der Union war. Und Laschet war gegen 2G – Ungeimpfte sind schließlich auch potenzielle Wähler. […]

Einer, der regelmäßig mit ihm verhandelt, sagt, Spahn denke immer in Schlagzeilen. Der Minister zeigt Härte, der Minister beendet die Pandemie, der Minister setzt sich durch. Spahn habe aber keine intrinsische Überzeugung, was richtig ist oder falsch. Auch deshalb sei die deutsche Corona-Politik immer so chaotisch: weil der Bundesgesundheitsminister nicht weiter vorausdenke als bis zum nächsten Zeitungsaufmacher.

Nicht nur der Bundesgesundheitsminister, scheint mir.


Gelesen | Polnisch-belarussische Grenze: Die Hölle von Białowieża. Die Lage an der polnisch-belarussischen Grenze am Beispiel der kurdisch-irakische Familie Jochar, die seit 20 Tagen versucht, aus dem Wald zwischen Polen und Belarus zu entkommen:

Kaled Jochar, seine Schwägerin Aferin und vier ihrer Kinder kauern auf einer Decke, als Piotr Rutkowski sie findet. Bald wird es dunkel und es ist jetzt schon kalt. An den Füßen der Kinder haben sich durch die Kälte und Feuchtigkeit weiße Flecken gebildet.

Handball | Für zwei Stunden kam das alte Turnhallengefühl zurück.

Leeres Spielfeld in der Turnhalle

Ich habe meiner alten Handballmannschaft zugeschaut –bei einem fulminanten Sieg: 33:11. Das war schön. Es war alles wie immer: Turnhallengeruch, Schuhquietschen, Waffelstand, auf der Tribüne sitzen und dumme Sprüche kloppen. Super.

Nur eine Sache war anders als sonst: 3G-Kontrolle am Eingang, so richtig mit Impfnachweis und Ausweis.


Premiere | Beim Spiel übergab mir eine befreundete Lehrer ihr Laminiergerät (stilecht in einem leicht angegilbten Jutebeutel von Klett). In dieser Woche werde ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas einlaminieren. Ich bin zart aufgeregt.


Novembergefühl | Mir ist durchgehend kalt. Die Wärmflasche ist in Dauerbetrieb. Eine schlimme innere Sommervermissungskälte, gegen die auch keine Heizung hilft.


Story auf Failure | Heute begleitete ich einen Mini-Workshop für einen Kunden, eineinhalb Stunden am Vormittag. Die Veranstaltung war Teil einer Reihe. Meine Funktion ist „Train the Trainer“: Ich coache eine Mitarbeiterin des Kunden; sie soll die Veranstaltungen zukünftig allein vorbereiten und durchmoderieren. Bislang planen wir gemeinsam die Termine, gestalten das digitale Whiteboard. Sie übernimmt immer mehr Anteile an der Durchführung. Heute war der dritte Termin, und ich habe kaum noch moderiert.

Das war auch gut so, denn mein WLAN flimmerte. Bild und Ton waren abgehackt, keine Maßnahme half: Ich verstand nicht einmal die Hälfte. Die Veranstaltung hat allerdings ein enges Timeboxing, man muss straff durchmoderieren. Zwischendrin klingelte außerdem der Paketbote Sturm, die Kaffeemaschine reinigte sich lautstark, und auf dem Whiteboard verschwanden von Zauberhand Grafiken.

Wir haben das alles irgendwie gewuppt, aber … puh. Es fühlte sich überhaupt nicht gut an (für mich, Andere haben das gar nicht so doll mitgekriegt, habe ich hinterher herausgefunden).

Wenns nicht läuft, läufts nicht. Ich hatte danach echt schlechte Laune.


Neue Podcastfolge | Am Abend war ich bei Marcus und Judith Weber, den Physikanten. Wir haben eine Podcastfolge aufgenommen und darüber geredet, wann Physik nervt, wann sie faszinierend ist, wie sie mit ihrer Wissenschaftsshow-Truppe die bisherigen Lockdowns überstanden haben, welche Buchprojekte sie währenddessen realisiert haben, wie sie den naturwissenschaftlichen Unterricht ihrer vier Kinder erleben und welches Angebot sie demnächst für Lehrerinnen und Lehrer realisieren.


Service-Blog | Strategien aus der Nebelmaschine der Desinformation:

Quelle

Corona-Service | Christian Drosten bei der Anhörung im Bundestag zum Infektionsschutzgesetz:

Wir werden mit 3G keine Infektion von Ungeimpften verhindern.

Die Infektion Ungeimpfter, sagt Drosten weiter, finde zurzeit vor allem bei Menschen statt, die keiner Arbeit nachgehen und deshalb auch keiner Testpflicht unterlägen; das seien Menschen, die auch nur wenig reisen und die selten Veranstaltungen besuchen. Daher nütze eine 2G-Regelung wenig, um die Infektionszahlen herunter zu bringen: Gäbe es bald 2G-Maßnahmen, würden die meisten Menschen, die sich aktuell mehrheitlich infizieren, trotzdem durchs Raster fallen und sich dennoch infizieren. Die Infektion, so Drosten, finde im privaten Umfeld statt, zum Beispiel weil Kinder das Virus aus der Schule in die Familien eintragen.

Hatte ich bislang noch nicht so verstanden; interessant im Hinblick auf Lösungen.


Service-Blog | Twitter-Thread mit vielen Buchempfehlungen für ein Kind, das neun Jahre alt wird (und für andere Kinder)

Frostig | In dieser Woche: der erste Tag des Herbstes mit Bodenfrost. Als ich am Morgen in den Garten sah, waren Rasen und Laub weiß, das Wasser in der Vogeltränke war gefroren. Wintergefühle.


Vögelei | Im Garten, es ist erstaunlich, sind seit Wochen Horden von Vögeln. Oft hocken sieben oder acht Stück gleichzeitig im Kirschbaum, beobachtet von Kollegen, die im umliegenden Gehölz sitzen. Es sind Kohlmeisen, Blaumeisen, Buchfinken, Grünfinken, Dompfaffen. Neu im Geschäft: zwei Kleiber. Sie kommen an die Futterstation und schmeißen mit ihren spitzen Schnäbel all die Schalen auf die Erde, die andere zurückgelassen haben. Es liegt Empörung in ihrer Bewegung.

Vor dem Fenster meines Arbeitszimmers habe ich auch Futter installiert: ein röhrenförmiges Gitter mit Sonnenblumenkernen drin. Es dauerte einige Tage, bis die Tiere es begriffen haben, aber nun ist auch hier immer etwas los. Es sind allerdings nur die Meisen, die kommen und die Kerne herausprockeln. Den Dompfaffen ist das zu mühsam, und es ist auch unter ihrer Würde.

Die Meisen stehen eindeutig am Ende der Hackordnung – vielleicht sind sie deshalb so unsouverän hektisch und stets auf der Flucht. Vielleicht ist die Kausalität aber auch umgekehrt. Jedenfalls: Kommen die Dompfaffen, fliegen sie fort; tun sie es nicht, werden sie weggehackt. Abgesehen von diesen Attacken sind die Dompfaffen aber friedliche Tiere. Sie tragen ihre Überlegenheit mit einer feierlichen Andächtigkeit vor; man könnte böswillig auch von Tranigkeit sprechen, mit der sie in der Futterstation einschlafen. Nur wenn der Grünfink kommt, werden sie rege. Er ist der Chef im Kirchbaum.

Wo die Kleiber sich einreihen, ist noch nicht ganz klar. Über den Meisen natürlich. Aber wie Kleiber und Dompfaffen zueinander stehen, habe ich noch nicht ergründet.


Morgenrot |  Der Himmel hatte in den vergangenen Tagen schöne Farben, rot und orange und magenta.

Morgens hing Nebel über den Feldern, nicht in Dortmund, aber beim Reiseleiter. Ich hätte nicht schlecht Lust gehabt, spazieren zu gehen. Aber ich musste fort zum Arbeiten. Der Dezember wird mir dahingehend mehr Freiheiten bringen.


Lesungen | In rund zwei Wochen, am 25. November, lese ich in der Stiftsbuchhandlung in Nottuln. Die aktuelle Inzidenz von fast 300 stellt die Buchhändlerin und mich vor eine Entscheidung: Sollen wir die Lesung durchführen oder sollen wir ins kommende Frühjahr schieben? Nächsten Mittwoch treffen wir uns in Nottuln und werden das entscheiden.

Für den Fall des Verschiebens – die Lesung wird zu einem späteren Zeitpunkt auf jeden Fall stattfinden – haben wir uns einen Plan B für den 25. November überlegt: Ich werde nach Nottuln kommen, es ist Markttag, ich signiere Bücher, bringe Dokumente aus dem Nachlass mit und wer mag, kann auf einen Schnack rumkommen. Die richtige Lesung findet dann statt, wenn #dieaktuelleSituation wieder passender ist.

Am 28. Januar lese ich in Dortmund: vor Ort mit Getränken und Essen, sofern #dieaktuelleSituation dazu einlädt. Wir werden das Ganze auch per Livestream übertragen – mit Bildregie und zwei Kameras, so dass es auch gut wird. Dabei unterstützt uns Florian Polenz. Stefanie Opitz moderiert. Alles für einen guten Zweck – den Spendenzweck geben wir beizeiten bekannt.

Für Ende März gibt es eine Anfrage aus Hamm. Mehr Infos demnächst.


Corona-Service | Über die Zerrissenheit erwachsener Kinder mit Querdenker-Eltern: „Ich habe mir nicht ausgesucht, dass meine Eltern durchdrehen“ | Zeit Online hat seinen Aerosol-Rechner auf die Delta-Variante aktualisiert: So hoch ist die Ansteckungsgefahr mit Delta in Innenräumen | Warum Intensivmediziner Alarm schlagen, auch wenn das DIVI-Register noch Betten frei hat: Nein, wir übertreiben nicht.

Jahresenderschöpfung | Es stellt sich Müdigkeit ein. Nicht einzelnen Arbeiten, Aufträgen und schon gar nicht Menschen gegenüber. Mehr im Allgemeinen, bezogen aufs Jahr, aufs Umtriebigsein. Ich wäre in guter Stimmung, zwei, drei oder auch vier Wochen auf dem Sofa zu verbringen, im Rücken eine Wärmflasche, neben mir eine Schüssel mit Lebkuchenbrezeln. Zwischendurch Spaziergänge und ein bisschen Fitnesstudio, um den Körper zu spüren. Der Rest ist Seriengucken und Einnicken.

Ich sinniere über Winterwochen in warmen Gefilden, verwerfe den Gedanken aber wieder.


Fetzen und Vorbeifliegendes |  Im Supermarktprospekt derweil Leckeres zum Grillen. Im Fernsehen Wetten, dass …? Auf dem Markt Grünkohl und Trauergestecke. Die Sonne steht tief. Die Gartenvögel in Fresslaune; zusätzlich haben sich zwei Kleiber eingefunden. Die Radwege mit geschlossener Laubdecke. Suche nach Boosterimpfungen. Erste Fotos aus Weihnachtsbäckereien. Kerzenkauf.

Man hört nichts #zuraktuellenSituation: Tägliche Durchsage der Inzidenzen. Haben wir eine politische Meinung zur bald erreichten 200? Weitermachen, scheint mir.

Waffeln am Sportplatz. Morgenrot im Garten. Stammtisch mit Freunden. Reithalle. Geburtstag im Sauerland.

Nachdem ich fast trockengelaufen war, steht nun der Keller wieder voller Wein. Die Freunde sind aus Italien zurück, haben beim Weingut des Vertrauens eingekauft und zuvor Bestellungen entgegen genommen. Falls doch noch einmal ein Lockdown kommt: Ich bin gerüstet, zumal ich diese Woche auch eine Turnierpackung Toilettenpapier erwarb. Trockenhefe ist auch da.


Late to the Party | Die Abende: Downton Abbey. Ich weiß, ich bin spät dran. Dennoch: großer Spaß.

An der Oberfläche geht es in Downton Abbey darum, welcher blinzelnde Heiratsanwärter dem Kühlschrankcharme von Lady Mary Crawley als Nächstes erliegen wird; außerdem wollen wir vorgeblich wissen, ob der Hiob-artige Kammerdiener Bates sich auch in Zukunft noch jeden Tag in stiller Demut seine Schelle vom Schicksal wird abholen müssen. In Wahrheit aber sind wir natürlich alle da, um die Crawleys um ihr Leben als ewig Dreijährige zu beneiden. Denn hardcore: Sie werden von der Dienerschaft geweckt, angezogen, zu Tisch gebeten, gefüttert, herumkutschiert, umgezogen, abends werden sie entkleidet, gewaschen, gebürstet und ins Bett gebracht […] Und dann dürfen die Crawleys obendrein auch noch Sherry trinken, rumballern und Befehle erteilen.

Downton Abbey: Die Berufung der Lakaien

Auswärtsspiel | Der Blick aus dem Hotelzimmer war trübe: Die Lichter des Busbahnhofs brachen sich in Regentropfen. Brummende Dieselmotoren. In Abständen Blaulichter und Martinshörner. Im Fernsehen: Hardy Krüger jr. und seine Alkoholsucht.

Allerdings: Am Bahnhof entdeckte ich ein Fahrradparkhaus. Das erfreute mich.


Sonstiges | Verlangen nach Kürbis-Ingwer-Suppe.


Gelesen | Frau Herzbruch schaut in die politische Zukunft des Landes:

Olaf Scholz, dessen geheime Superkraft ja nicht Strahlkraft ist, sondern, dass man ihn einfach permanent vergisst und er sich deshalb sogar größte Wirtschaftsskandale und den Einsatz von Brechmittel erlauben kann, ohne dass jemand sich das merkt, wird genau so blass bleiben, wie er ist, für nichts stehen, nichts gestalten, nichts verändern und am Ende einfach in die Geschichte eingehen als die Lücke zwischen Merkel und Söder.  […]

Unbeschadet wird Christian Lindner die vier Jahre überstehen, wenn er nicht irgendwann mit seinem Porsche auf dem Weg zur Rehkitzjagd in eine Kindergartengruppe rauscht. Er hat nämlich die Gabe, kompetent zu wirken, und selbst, wenn er manchmal den Unterschied zwischen brutto und netto nicht kennt, reicht sein Selbstvertrauen ja für 80 Mio Deutsche aus, da braucht es kein Vertrauen mehr von anderer Seite. Er wird also pathetische Reden halten, wird sich, wann immer möglich, von Rot/Grün distanzieren, um dann im Wahlkampf 2025 aufzulaufen mit der Geschichte, dass halt doch nicht jeder Realpolitik kann, und er hätte ja auch 2021 immer für Jamaica plädiert, die Ampel sein ein Experiment gewesen, das leider gescheitert sei. Enter Söder. 

Prognose


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