Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Turngefühl | Mein Leben fühlt sich an wie damals in der Schulturnhalle, als ich, in Erwartung des Fürchterlichen, zum Reck-Aufschwung anstand, und nach und nach alle vor mir drankamen. Denn es gibt weitere Infektionsmeldungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und dem beruflichen Umfeld. Alle Betroffenen sind dreifach geimpft und haben leichte bis mittlere Symptome.

Schnelltest heute wieder negativ.

Tasse Milchkaffee, negativer Schnelltest, Postkarte "Die Hypochondrie"

Diesmal war es besonders spannend, denn die Papierstruktur im Test wies beim Hochlaufen Querstreifen auf, auf ganzer Länge – die dann allerdings wieder verschwanden. Testen am Limit.

A propos, den Schnelltesttest kennen Sie, oder? Einfach Barcode scannen und erfahren, wie gut der genutzte Test ist.


Corona-Service | Die drei häufigsten Irrtümer über Omikron und was Fakt ist – von Corinna Hennig vom NDR-Podcast Corona-Update.


Date vor Ort | Ich war beim Kunden, Open Space mit viel Space, super Menschen und gutem Kaffee. Mittags haben wir auf dem Markt Curry gegessen. Es war schön, Leute zu treffen – und erfolgreich auch. Wieder einen kleinen Schritt vorangekommen.


Seminaridee | Ich habe eine neue Seminaridee. Arbeitstitel: Deeskalation im Arbeitsalltag – ein Seminar für Menschen, die an Schnittstellen arbeiten, für Gremienvertreter, Mediator:innen und alle, die im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen unterwegs sind. Zwei Tage, Präsenz. Termin: Herbst.

Das Seminar möchte ich gemeinsam mit Katja machen (hier ist sie im Podcast zu hören). Ich habe sie schon gefragt. Sie hat voll Bock drauf. Anfang Februar setzen wir uns zusammen und schnacken dazu.


Gelesen | Hard Land von Benedict Wells. Ein schöner, unaufgeregt und sympathisch erzählter Coming-of-age-Roman über einen schüchternen Fünfzehnjährigen in einer Kleinstadt.

Gelesen | „Bis hin zu Körperverletzung“. Interview mit dem Arzt und ehemaligen Präsidenten der Vereinigung für Intensiv- und Notfallsmiediziner, Uwe Janssens, über die Situation in Krankenhäusern. Interessanter Einblick, welchen Einfluss die duale Finanzierung der Krankenhäuser auf die Personalsituation in den Kliniken hat, wie die ärztliche Unabhängigkeit beschädigt wird und dass bereits die ersten Universitätskliniken privatisiert wurden.

Gelesen | Annalena Baerbock in Moskau: Über diesen Auftritt musste sogar Lawrow staunen

Gelesen | Der Anwalt Christian-Oliver Moser über den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und die Vorwürfe des Machtmissbrauchs, mit denen er konfrontiert ist: „In seiner Führungsrolle Untragbar“

Gelesen | Kommt eine Frau zum Arzt


Die kleinen Dinge |  Alltagsbemerknisse ohne Relevanz:

  • Der Eichelhäher ist heiß auf Erdnüsse, und es ist sehr interessant, wie vornehm er sie isst: Er klemmt sich die Erdnuss unter die Kralle, pult die Schale auf, holt die Nuss heraus, lässt die Erdnusshülle fallen, dreht sie, hält sie wieder fest, hackt die andere Seite auf und isst den Rest. Kaum lege ich morgens neue aus, kommt er und holt sie sich.
  • Vattas Auto ist verreckt. Es wurde in die Notaufnahme gebracht, blieb aber ein Pflegefall. Nun hat er ein neues gebrauchtes für wenig Geld, top Preis-Leistungsverhältnis, wir sind alle glücklich. Als wir den Flitzer heute abholten, fuhren wir am Dortmunder Hauptfriedhof vorbei. Dort ein großes Polizeiaufgebot, überall Einsatzwagen und Polizisten in vollem Ornat. Kannste dir nicht ausdenken.
  • Durch eine Verkettung von Umständen unter Beteiligung von drei Personen hatte ich kurzzeitig sieben Tiefkühlpizzen in der Truhe. Drei sind schon wieder weg (nur an einer war ich beteiligt).
  • Am Wochenende backe ich Waffeln. Schwierige Zeiten erfordern eine emotionale Bewaffelung. Danke des Abbaus der Pizzavorräte habe ich Platz für das begleitende Vanilleeis.
  • Im privaten Kontext habe ich nun regelmäßig Kontakt mit Vinny Paino, per Youtube. Leude.
  • Mein Toaster ist gestorben. Er ist ein systemrelevantes Gerät in meinem Haushalt. Deshalb habe ich ihn sofort ersetzt. Der neue hat eine Restzeitanzeige und eine Reheat-Taste, mit der ich bereits getoastete Brotscheiben erneut erwärmen kann. I’m thrilled!

Verlegungen, I. | Irgendwo las ich letztens: Management sei in erster Linie Entscheidung im Ungewissen. In meinem Ein-Personen-Unternehmen manage ich zwar nicht viel, jedenfalls keine Mitarbeiter:innen, kein Material und keine Waren. Gleichzeitig fühlt sich die Organisation meiner Kundenprojekte, der Seminare, der eigenen Weiterbildung und der allgemeinen Jahresplanung in den aktuellen pandemischen Zeiten als ausreichend intensive Aufgabe an.

Ende 2021 ahnte ich, dass manches, was ich gemeinsam mit Kunden fürs erste Quartal 2022 plante, umgeschoben werden wird, falls kein Wunder entritt. Ich traf entsprechende Vorkehrungen, ließ Luft im Kalender. Das Wunder trat erwartungsgemäß nicht ein. Also schoben die Kundin und ich nun geplante Präsenztermine aus Januar und Februar in den Mai, ich drückte Abhängigkeiten zurecht.

Die dadurch frei werdenden Kalendertage eröffnen jetzt neue Möglichkeiten, das Leben wird etwas betulicher. Die nächsten Wochen zeigen sich durchgelüftet, was auch sein Gutes hat. Für den weiteren Jahresverlauf verdichten sich hingegen Termine, aber das ist okay. Ich nutze den Januar und Februar für Vorbereitungen und habe remote gut zu tun.


Verlegungen, II. | Meine kommende Lesung aus „Die Frau, die den Himmel eroberte“ wird ebenfalls geschoben. Am 28. Januar hätte ich in Dortmund gelesen und allerlei Spannendes rund um Käte Paulus, Luftfahrt, Ballontechnik, Frauenrechte und Fahrradfahren und die Geschehnisse im beginnenden 20. Jahrhundert erzählt. Geplant war, in Präsenz beisammen zu sein und gleichzeitig per Livestream zu streamen, für den guten Zweck. Der Veranstalter, der Tangent Club 63 Dortmund, die Moderatorin Steffi Opitz und ich haben uns allerdings entschlossen, die Lesung zu schieben. Einen neuen Termin legen wir fest, wenn die Lage wieder berechenbar ist.

Eine aktuelle Terminübersicht meiner Umtriebe online und offline gibt es hier. Alles ist im Fluss.


A propos Fluss | Spaziergehpanorama am Stausee zur hellsten Tageszeit. Eigentlich.


Einschläge | Die Einschläge kommen näher, die Frequenz der Positivtests erhöht sich. Aus diversen Richtungen erreichen mich Nachrichten – im beruflichen Kontext, im Umfeld der Beutekinder. Es gibt überstürzte Nachhausfahrten, abgebrochenes Zur-Schule-Bringen, WhatsApp-Gruppen mit PCR-Ergebnissen und ausfallende Termine. Informationen darüber, wo es noch Schnelltests zu kaufen gibt, werden wie Bückware gehandelt. Ich spüre Endzeitstimmung im Umfeld und bei mir selbst. Wir warten auf den Einschlag.

Herrn Buddenbohm berichtet Ähnliches:

Mittlerweile gibt es drei Familien im engeren Umfeld mit Corona-Fällen. Ich halte das eben für die Chronik fest, so sieht es hier jetzt also aus. Statistisch gesehen habe ich es vermutlich schon und weiß es nur noch nicht. Bei jedem Husten „Na, jetzt?“ denken. Oder die Herzdame in diesem Sinne fragen, die Söhne, die morgen routinemäßig wieder zur Schule gehen, bis sie das wöchentlich größer werdende Infektionsangebot dort doch noch annehmen. 

Es sind die kleinen Dinge, es sind die kleinen Nudeln

Übers Wochenende 1.882 positive Tests in Dortmund. Die Inzidenz liegt bei 780. Ins Fitnessstudio darf ich derweil wieder ohne Test, also 2G statt 2Gplus – zumindest, wenn ich geboostert bin. Doppelt Geimpfte sind in NRW nun mit Geboosterten gleichgestellt, es sei denn, ihre zweite Impfung liegt länger als neunzig Tage zurück und es ist trotz steigender Inflation abnehmender Mond. Letztes ist natürlich Quatsch – aber nur letzteres, alles andere ist natürlich total, äh, logisch. Währenddessen wurden in der Handball-Nationalmannschaft – es ist gerade Europameisterschaft – sieben Spieler positiv getestet. Man ruft in Deutschland an und stockt den Kader auf. Jeder darf mal, bis alle dran waren.

Ich schreibe das hier auf, damit ich später nachlesen kann, wie es damals war, in der fünften Welle der Pandemie.


Todesfall | Die Rahmenhandlung zur Pandemie ist nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Denn die Bonushündin ist verstorben – im gesegneten Alter von fast fünfzehn Jahren.

Es gab eine würdige Beerdigung mit Blumen, Lichtern und Schokobons.


Was schön war | Ich war beim Kunden am neuen Standort, habe etwas abgeholt und Zeit mit den Mitarbeitern dort verbracht. Nicht vielen, denn die meisten sind im Home-Office. Aber eine Handvoll war da. Wir sehen uns sonst nur digital. Das war schön.


Gelesen | Was man unter Wasser sehen kann von Henriette Dyckerhoff. Es geht um dörfliche Heimat, um Familie, den Bau eines Staudamms und sehr viel ums Schweigen. Ein gutes Buch, obwohl ich die Protagonistin und alle anderen fortwährend schütteln und anschreien möchte.

Allgemeine Kalenderereignisse und ihre Begehung | Über den Jahreswechsel verfiel ich in Winterschlaf. Ich erwähnte es schon einmal, oder nicht? Ich hege eine große Leidenschaft fürs Schlafen, noch mehr als für Waffeln. Quasi alles wird durch Schlafen besser: die Laune, die Gesundheit, die Ideen, das gesamte Leben.

In kurzen Wachphasen träumte ich vom Reisen. Ich gab alle Orte bei Airbnb ein, sah mir die Ferienhäuser an, klickte mich von der Küche ins Wohnzimmer, ins Schlafzimmer, auf die Balkone, durch die Umgebung und stellte mir vor, dort zu sein. Täglich schaute ich, wo Fridolin und die Abels sind. Mit Teilen der Abels habe ich Handball gespielt; seit Monaten reisen sie quer durch Europa (Blog).

In einem Kurort feierte ich Silvester – mit Knallbonbons, Raclette und Wunderkerzen.

Ich fuhr in ein Resort in die Eifel; es regnete in Tropfen und in Grieseln, von vorne und von der Seite, nieselnd, klatschend und pladdernd. Ich besuchte ein Spaßbad, ließ mich durch Strudel treiben, wippte bojenhaft auf künstlichen Wellen, warf die Beutekinder ins Wasser und rutschte. Ich wanderte zu einer Burg, vorbei an überhängenden Felsen und über schmale Pfade.

Ich schrieb Neujahrskarten; digital – es ist ja kaum jemand im Büro, weder aktuell noch in den kommenden Wochen. Ich begann mit dem Zusammenbau eines Busses aus dänischen Klemmbausteinen.

Ich ließ mir unzählige Stäbchen in die Nase schieben, telefonierte Testergebnissen hinterher und ging danach ins Fitnessstudio. Einmal ging ich auch in ein Museum, das war noch in der Eifel. Das Museum war auch Nationalparkzentrum. Es befand sich überraschenderweise in einer ehemaligen NS-Ordensburg.

Ich lernte etwas über den Biber und über die Jahreszeiten, über den Neuntöter und darüber, wer wen frisst. Ich sah mir eine Ausstellung über Herrenmenschen an und versuchte, den Kindern zu erklären, wer Hitler war, wer seine Freunde waren, was sie taten und vor allem: warum. Aber wer kann das schon schlüssig?

In der Ordensburg gab es ein Restaurant, das Reminiszenzen hervorrief. Sowohl, was das Intrieur als auch den Geschmack und den Geruch anging, fühlte mich in die 2000er-Jahre zurückversetzt, als ich regelmäßig die Betriebskantine der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung besuchte – ein holzvertäfeltes, mit Knüpfteppichen behangenes und mit orangefarbenen Kacheln verziertes Kleinod der Betriebsgastronomie. Immerhin gab es auf der Burg ein vegetarisches Gericht: eine Frühlingsrolle. Das dazugehörige Asiagemüse war zwar aus, aber man bot mir Kartoffelgratin und Rotkraut als Beilagen an. Eine wilde Mischung, die gar nicht mal so gut schmeckte, weder einzeln noch im Zusammenhang.

Aber die Aussicht war gut, hinab ins Rurtal, und die Kinder hatten Pommes.

Was tat ich noch in meinen Wachphasen? Ich schaute Ein Jahr auf den Lofoten und andere Reportagen aus fernen Ländern – anküpfend an meine Airbnb- und Instagram-Reisen -, während ich die Wolldecke bis zum Hals zog und aus einer großen Tasse Ingwertee trank. Ich schaute Downton Abbey zu Ende, die Serie und den Film, und freute mich, dass Thomas jemanden knutschen durfte, endlich mal. Ich guckte außerdem Der Staat gegen Fritz Bauer; ein Film, der auch beim zweiten Mal sehenswert ist, eine großartige schauspielerische Leistung. Ich buk Brot, rührte ein Schokomousse an und kochte Gorgonzola-Suppe mit Sherry-Birnen.

Ich mied Nachrichten; sie hätten nur meinen Winterschlaf gestört. Stattdessen las ich.


Gelesen | Bühlerhöhe von Brigitte Glaser. Zwei Frauen in den 1950er Jahren, ein Nobelhotel, der Besuch des Kanzlers Adenauer, alte Seilschaften, ein Toter und der israelische Geheimdienst – eine Geschichte mit einigen Länngen, aber viel Zeitkolorit, der darüber hinwegtröstet.

Gelesen | Der Gesang der Berge von Nguyễn Phan Quế Mai, übersetzt von Claudia Feldmann. Ein vietnamesisches Familienepos, erzählt aus der Perspektive der Großmutter und der Enkelin. Beeindruckender Einblick in eine Zeit der Besatzung und des Krieges, der Flucht und Vertreibung, der Landreform, des Todes, der Hoffnung und der Trauer. Basierend auf wahren Begebenheiten. Keine leichte Lektüre, emotional.


Gesucht: Lehrerinnen und Lehrer | Die Montessori-Schule in Dorsten, die Schule eines Beutekindes, baut derzeit eine Oberstufe auf und sucht noch Lehrer:innen.

Unseren Neujahrsbrief möchten wir auch nutzen, um euch über den Stand der Dinge bezüglich unserer Gesamtschulpläne zu informieren. Momentan fehlen uns noch ein bis zwei LernbegleiterInnen mit der Lehrbefähigung für die Sek 2, um im Sommer starten zu können. Konkret geht es um das Fach Englisch und eine zusätzliche Schulleitung. Die Stellen sind weiterhin ausgeschrieben, manchmal sind es aber auch ganz andere Wege, die zum Ziel führen. Solltet ihr also jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt … der als Lehrkraft der Sek 2 tätig ist oder sein möchte und Lust auf Veränderung und Mitgestaltung der Oberstufe hat, so möchte er/ sie sich gern zeitnah bei uns melden. […].

Neugierig auf unser Vorhaben ist auch Prof. Dr. Stebner von der Universität Osnabrück geworden. Er und sein Team haben großes Interesse daran uns beim Aufbau der Oberstufe wissenschaftlich zu begleiten. Sein Fachgebiet ist das selbstregulierte Lernen und in diesem Bereich haben wir als Team aus Schülerinnen und Lernbegleitern ja einiges zu bieten.

Neujahrsbrief der Montessori-Reformschule in Dorsten (E-Mail)

Broterwerb | Da nun der Winterschlaf vorbei ist, stehe ich wieder früh auf: Arbeit mit dem Kunden, Seminarvorbereitungen, Planung der kommenden Wochen, heute die Moderation einer digitalen Veranstaltung. Ich bin erstaunt und dankbar, dass ich weiterhin gut zu tun habe – in diesen Zeiten ein besonderes Geschenk. Es wird sich zeigen, wie es sich in den nächsten Wochen und Monaten mit Präsenzveranstaltungen verhält; wir müssen es nehmen, wie es kommt und um #dieaktuelleSituation herum organisieren. Hauptsache, möglichst viele Menschen bleiben gesund.

Nochmal ein freundlicher Hinweis auf mein Seminarangebot – ganz leger von zu Hause aus, entspannt mit Pausen und viel Interaktion zum Ausprobieren.


Begonnen zu hören | Winterkorn und seine Ingenieure. Ein Einblick in einen der größten Industrieskandale der Bundesrepublik. Ich habe die ersten vier von insgesamt sieben Folgen gehört. Erhellend, ernüchtend, verstörend, irrsinnig und ein Abbild für – tja, was? Ich weiß es noch nicht, habe aber die Befürchtung: für vieles in unserem Land, das Pfründe sichert.

Postweihnachtliches Turnen | Einhundert Meter oberhalb des Fitnessstudios hat, pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Landesverordnung, eine neue Drive-in-Teststation eröffnet. Auf den Kapitalismus ist Verlass.

Die Atmosphäre ist heimelig – vorausgesetzt, man mag Gewerbehöfe. Ein Foto aus Chronistenpflicht:

Container mit Schild "Corona-Test", drei Autos vor mir, davon ein VW-Bulli mit einer Pril-Blume drauf

Die Leibesübung selbst war wohltuend. Die Feiertage haben mich gerundet und versteift. Jetzt bin ich wieder gelockert und gestählt.


Heimatbesuch | Ich war in der Heimat.

Großes, blaues Rathaus mit Türmchen und Torbögen, daneben der Kirchturm, im Vordergrund Fußgängerzone und eine Fleischerei

In der Bäckerei zeigte ich Impfnachweis und Ausweis vor und setzte mich mit einem Kaffee in eine Ecke. Ein Ehepaar aß Kuchen. Ein Mann arbeitete an einem Laptop. Ein anderer Mann saß herum und schaute sich die Menschen an, die vor dem Schaufenster in Richtung Bahnhof gingen. Es waren nur wenige.

Der Bahnhof in diesem Ort hat einmal die Auszeichnung des hässlichsten Bahnhofs Deutschlands bekommen. „Ein Schandfleck“, war man sich auch in der Stadt einig. Als ein Investor das Gebäude irgendwann abriss, Parkplätze und würfelförmige Fachmarktzentren baute, war man allerdings auch nicht zufrieden. Der Bekleidungsdiscounter werde die Kaufkraft aus der Innenstadt ziehen, und wer brauche noch einen Lebensmittelmarkt? Nein, das sei nun auch wieder nicht schön. So ist das in meiner Heimatstadt: Das, was man hat, ist nicht gut genug, und das, was kommt, wird schlecht geredet. Jetzt ist man zwar zufrieden mit der Entwicklung, allerdings, wer weiß, was hätte Besseres kommen können.

Man könnte eine Menge machen aus dem kleinen Zentrum, in dem es Fachwerkhäuser und einen hübschen Kirchplatz gibt, Brunnen, Bänke, einen Wasserlauf und viel Leerstand. Man müsste nur jenseits von Einzelhandel denken – und jenseits der Überzeugung, dass früher alles besser war, damals, als noch niemand online einkaufte (einschließlich man selbst), als Hausfrauen noch Hausfrauen waren und sich Dienstagfrüh auf dem Markt trafen und als man noch mit dem Audi 100, Fünfzylinder-Diesel und Innenausstattung in Velour, bis vors Geschäft fahren durfte.

„Sie wissen, dass ich Ihnen meinen Ausweis nicht zeigen muss?“, polterte es aus Richtung Bäckerstheke. Den müsse er nur der Polizei zeigen, und auch bei der sei es Schikane. Überhaupt alles sei Schikane. „Wer es kriegt, der kriegt’s. Wissen Sie, wer krank wird?“ Die, die sowieso schon am Abnippeln seien und die Dicken und die, die faul seien. „Ich gehe jeden Tag raus. Ich bin gesund.“ Für Menschen wie ihn sei es nur ein Schnupfen, und die neuen Regeln, „das ist nur die Hilflosigkeit der Politik. Die will uns nur zeigen, dass wir zu gehorchen haben.“

Ich stellte mein Tablett weg und sah den Mann an: ein Mann in den Fünfzigern, Anfang Sechzigern, Hemd und Mantel, Brille und Schal, mit einem doppelten Espresso auf dem Tablett. Dann ging ich. Die Tante wartete. Ich fuhr hoch auf den Berg. Wir plauderten, und schauten Fotos an. Es gab Kuchen und zum Abendbrot eine Tomatensuppe. Als ich heimfuhr, war es schon lange dunkel.


Gesammelt |  Frau Kaltmamsell hat die Bücher zusammengetragen, die sie 2021 gelesen hat. Von denen werde ich mir ein paar aufs Nachtkästchen legen.

Die kleinen Dinge | Alltagsbemerknisse:

Das Christkind hat mir einen Koffer für mein Werkzeug geschenkt. Ich habe ihn mir inniglich gewünscht. Denn mein Werkzeug ruht seit Jahren in einem Leinenbeutel in der Flurkommode. Wenn ich einen Schraubenschlüssel suche, muss ich unendlich wühlen; der kleinste der kleinen Inbusschlüssel ist kaum zu finden; die große Rohrzange ist sowieso immer im Weg, und wo ist eigentlich der Zollstock? Das ist unterträglich, sowohl für mich als auch für das Werkzeug; ein unsäglicher Zustand für einen professionellen Haushalt.

Der Leinenbeutel ist der große Bruder des Munitionskästchens. In dem Kästchen befindet sich ein Sammelsurium aus Schrauben, Nägel, Haken, Dübel, Lüsterklemmen und unbekannten Nuppsis. Es ist das Zuhause alles Übrigegebliebenen, eine überraschend treffsichere Fundgrube für alle Gelegenheiten und Notwendigkeiten – aber eben eine Grube.

Kästchen und Beutel sind jetzt Geschichte.

Werkzeugkoffer und Schraubenkasten

Das macht mich glücklich.

Nach dem Sortieren habe ich meine handwerkliche Tatkraft direkt an die Küchentür umgeleitet. Dort gibt es jetzt einen automatischen Türanlehner, Werbetext: „spart Heizkosten, vermeidet Zugluft“. Ich möchte ergänzen: „schafft Gemütlichkeit“. Ich habe die Tür zum Flur nämlich gerne geschlossen: eben wegen des Heizens, aber vor allem wegen optischer Behaglichkeit – im Flur stehen oft Dinge herum. Außerdem vermittelt er den fortwährenden Eindruck von Aufbruch.

Dafür habe ich für meine Küchentür jetzt einen Türanlehner mit Feder, einfach zum Aufstecken und ohne Schrauben. Er schließt stoisch die Tür, nachdem große und kleine Besucher hindurchgegangen sind – jedesmal.

Das macht mich glücklich.


Strom | Mein Stromanbieter ist pleite. Er schrieb mir am 27. Dezember, dass er die Stromlieferung zum 21. Dezember eingestellt hat. Ja, so habe ich auch geguckt. Die Grundversorgung übernimmt automatisch der örtliche Energielieferant – allerdings zu einem furchterregenden Preis. Ich habe mich also nach einem neuen Anbieter umgesehen. Die Preise für Neukunden sind überall unerfreulich.

Im Zuge dessen habe ich festgestellt, dass ich einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch habe. Mir ist jedoch nicht klar, woher er kommt. Ich hatte zunächst den Kühlschrank in Verdacht – ich habe einen Side-by-Side-Kühlschrank. Wenn man sich dessen Jahresverbrauch anschaut, kann er es aber nicht sein. Ich tippe auf eine Kombination mehrerer Pandemie- und Homeoffice-bedingter Gründe, zumal mein Verbrauch in den vergangenen zwei Jahren um zwanzig Prozent gestiegen ist. Im Verdacht stehen: (fast) tägliches Kochen, dadurch (fast) tägliches Laufen der Spülmaschine mit hohen Temperaturen (Töpfe!), mehr Bedarf an Licht, mehr als zehn Stunden täglich laufender Laptop und Monitor, an manchen Tagen mit zwei Personen (Reiseleiter). Ich werde Verhaltensänderungen einleiten und ihre Wirkung nach drei Monaten überprüfen.


Allgemeine Kalenderereignisse | Ich habe mich mit dem Kauf von Crémant, Wunderkerzen und großen Mengen Mascarpone auf Silvester vorbereitet.


Gelesen | Autonomes Fahren im Alltagstest: Erst wird es viel schlechter, bevor es besser wird – irgendwann

Gelesen | Warum Après Ski eine Lüge ist

Gelesen | New Omicron variant fills up children’s hospitals

Gelesen | mRNA-Impfungen gegen Krebs – wie funktioniert’s?

Allgemeine Kalenderereignisse | Es war Weihnachten.

Teile des Baums aus der Vogelperspektive mit Kugeln, einer goldenen Kette und künstlichen Kerzen

Traditionell gehe ich an Weihnachten spazieren. Nach mehrgängigen Mahlzeiten steht die Familie auf, beugt sich mit dicken Bäuchen hinab, bindet die Schuhe, legt sich einen Schal um, presst sich in die Winterjacke und bricht zu einem Gang in die nahe gelegene Natur auf. Der Schritt ist stets gemächlich, der Weg ziellos. Es geht lediglich darum, die Verdauung anzuregen, das Völlegefühl mit einem besseren Gewissen zu unterlegen und Tischgespräche fortzusetzen. „Ein bisschen Bewegung!“ Danach gehen auch wieder Kekse.


Die kleinen Dinge | Alltagsbemerknisse.

  • Mein Wohnpulli bildet runde Fusseln. Ich puzzel sie ab und rolle daraus eine große Fussel.
  • Der Reiseleiter und ich fuhren Rad. Es hatte etwas von der Dänemark-Reise, nur mit winterlichem Nieselregen. Wir fuhren auch nur in die Stadt. Aber egal: Urlaubsgefühl. Man wird ja bescheiden.
  • Jetzt muss ich also jedesmal einen offiziellen Schnelltest organisieren, bevor ich ins Fitnessstudio gehe. Wird an Arbeitstagen nicht immer gehen. Ätzend. Ja, ich weiß, in ein paar Wochen haben wir vielleicht ganz andere Probleme. Es macht mir jetzt trotzdem schlechte Laune.
  • Ich habe entdeckt, dass ich Rezeptzutaten einer bekannten Rezeptseite direkt in meine Einkaufsapp importieren kann. Das ist gut.
  • Ich befinde mich in einer schweren Mandarinenphase.
  • Noch eine Folge Downton Abbey. Das große Finale. Wir werden es zelebrieren.

Gelesen | Herr Buddenbohm hatte zu Weihnachten eine rote Warnung in der Corona-App – mit der ganzen Familie.

Wir finden doch noch eine Apotheke mit Notdienst, die verkauft Schnelltests, nach denen nicht nur wir heute fragen. Was wir nicht finden, das sind Testcenter, die auch offen und nicht voll ausgebucht sind. Die Schnelltests sind teuer, dazu kommt noch der Sonderöffnungszuschlag der Apotheke, was machen eigentlich die, die sich das nicht leisten können? […] Ich finde das alles nach wie vor bemerkenswert schlecht organisiert. Nein, es ist eigentlich unfassbar schlecht organisiert.

Wir stehen auf einem leeren Parkplatz irgendwo im Nirgendwo und machen Schnelltests, wir balancieren wie irre Hobbychemiker Plastikreagenzgläschen auf den Knien und träufeln tropfenweise seltsame Flüssigkeiten auf Teststreifen. Auf einem großen Plakat in der Nähe wird für fröhlichen After-Work-Glühwein geworben, im Autoradio läuft Weihnachtsmusik der eher schlagerhaften Art. Der bestens gelaunte Moderator rät, das Haus heute lieber nicht zu verlassen. 

Es war alles gut

Gelesen | Es starten wieder Flugzeuge, die gar nicht starten müssen, weil es die Flüge nicht gibt. Sie heben dennoch ab, damit Start- und Landerechte nicht verfallen. Wie vor zwei Jahren. Man hätte daraus lernen können. Haben wir nicht. 18.000 sinnlose Flüge.

Gelesen | Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis schmilzt. Der Gletscher ist größer als Tschechien, Österreich und die Schweiz zusammen. Er wird als „Doomsday Glacier“ genannt, Gletscher des Jüngsten Gerichts. Denn sowas Ähnliches blüht uns, wenn er weg ist.

Leider habe ich keine fröhlicheren Links zum Jahreswechsel.

Frost | Sehr stimmungsvolles Wetter gerade: knackig kalt und sonnig. Großartig. Der Garten sieht super aus.

Gestern am späten Nachmittag war es allerdings neblig. Der Reiseleiter und ich beschlossen dennoch rauszugehen und uns ein wenig die Beine zu vertreten. Außerdem war eine E-Mail von der Buchhandlung gekommen: Ich möge doch bitte noch ein Buch signieren. Das war eine schöne Notwendigkeit, das Haus zu verlassen.

Am See erwartete uns eine monochrome Welt.

Der Raureif knirschte unter den Füßen, Gänse schlitterten über das erste Ufer-Eis, und Jogger keuchten über die Wege. Auf dem Rückweg: Jack-the-Ripper-Atmosphäre.


Seminarangebot | Mein Seminarangebot fürs 1. Halbjahr 2022 steht: viele digitale Angebote – kurz, knackig und praxisnah. Ideen für digitale Meetings, für gute Moderationstechnik, Teamarbeit und Führung in dynamischen Kontexten. Neu im Programm, direkt im Februar: Teamspirit im Homeoffice – Formate, Warm ups und Methoden für gute Beziehungen. Ihr kriegt zehn Methoden für Warm ups und gute Atmosphäre in Remote Meetings, Formate für mehr Verbindung zu Kolleg:innen, Alternativen zur Videokonferenz und viel Erfahrung aus meinem Arbeitsalltag.

Mit dabei sind auch wieder die Klassiker:

Im Juni und September auch Präsenzangebote:

  • Frauen in Führung – Erfolgreich und authentisch als weibiche Führungskraft und, neu im Programm:
  • Souverän führen in dynamischen Kontexten. Hier beantworte ich Fragen wie: Wie nehme ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit, wenn sich meine Organisatoin ständig verändert? Was muss Führung leisten? Wie schaffe ich Sicherheit in der Unsicherheit? Außerdem besprechen wir, wie man sich in unterschiedlichen Unternehmenskulturen bewegt. Denn die Kommunikations- und Handlungsmuster zwischen der traditionell-hierarchischen Welt und agilen Umfeldern unterscheiden sich elementar. Wer sich in beiden bewegt, muss beide Sprachen beherrschen. 

Schaut vorbei und empfehlt es weiter!


Ornithologische Station | Mein Garten ist voller Vögel, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln, Buchfinken, Grünfinken, Dompfaffen, Tauben, Elstern, Rotkehlchen, Eichelhäher und zwei Kleiber kommen regelmäßig vorbei. Seit Kurzem lege ich Erdnüsse aus. Die Reaktion lässt sich nicht anders beschreiben als „Ekstase“. Besonders der Eichelhäher und die Eichhörnchen flippen regelrecht aus. Keine Ahnung, wie sie immer so schnell spitz kriegen, dass frische Nüsse ausliegen. Binnen dreißig Minuten tauchen sie jedenfalls auf und hauen damit ab.

Der Eichelhäher kommt dafür bis ans Esszimmerfenster. Hier verschwindet er gerade mit einer Erdnuss:

Foto aus dem Fenster: Auf der Wiese landet gerade ein EIchehäher mit ausgebreiteten Flügeln

Weihnachtshörtipp | Perfekt beim Baumschmücken, Spazierengehen, Geschirrwaschen, Ausspannen auf dem Sofa, auf Autofahrten oder wenn man einfach mal seine Ruhe haben will: Mein Gespräch mit den Physikanten Marcus und Judith Weber über Gegenwind auf dem Fahrrad, Physikunterricht in der Schule, Dellen im Oberschenkel, Trapezübungen zuhause, Naturwissenschaftsshows und ein Besuch des Finanzamts im Lager von Doctor Snuggles.


Die kleinen Dinge | Alltagsbemerknisse.

  • Ich habe alle Weihnachtsgeschenke beisammen.
  • Es gibt einen neuen Briefkasten in meiner Nachbarschaft. Der seit Jahren vorhandene Briefkasten wird stets morgens um 7 Uhr geleert. Das ist ungünstig; man muss immer einen Tag im Voraus denken und kann nicht Mittags einen Brief schreiben, der dann am Nachmittag mitgenommen wird. Der neue Briefkasten wird um 17:30 Uhr geleert. Das erfreut mein Herz.
  • Downton Abbey, Staffel sechs, Episode sechs. Noch zwei Folgen. Ich habe Angst vor der großen Leere danach.
  • Der Reiseleiter packt im Nebenzimmer Geschenke ein. Wütendes Rascheln, gebrummte Flüche, vehementes Klebestreifenziehen, versöhnliches Knistern.
  • Ich habe mehr Tagesfreizeit, und die Tagesfreizeit bringt mit sich, dass ich anderen Menschen begegne, als ich es sonst tue. Mehr älteren Menschen. Im Supermarkt war es ein Mann. Gebeugt und auf den Einkaufswagen gestützt schlurfte er durch die Gänge. Die Mit-Einkaufenden waren geduldig. Warteten, bis sie ihn überholen konnten, und holten ihm Joghurt aus dem Regal. Vor der Aktionsware, ich betrachtete die Duschgels, sagte er zu mir: „42 Jahre hab‘ ich malocht.“ Der Rücken sei kaputt, der Lendenwirbel verkrümmt. „Und was glauben Sie? Hab‘ ich eine Pflegestufe?“ Sie sei abgelehnt worden. Jetzt sei eine Pflegeberaterin dran, aber bislang erfolglos. „42 Jahre, jede Woche 60 Stunden.“ Kaputtgemacht habe er sich. Aber wenn man mal Hilfe brauche? „Der Deutsche ist nichts mehr wert.“ Nichts mehr wert sei der deutsche Mann, gar nichts mehr.
  • Ich habe endlich wieder etwas Zeit zum Lesen. Das ist sehr schön, ich genieße das. Ich las „Die letzte Tochter von Versailles“, denn ich mochte „Der Winterpalast“ sehr. Auch „Die Zarin der Nacht“ war gut. Mit der letzten Tochter von Versailles bin ich allerdings nicht recht warm geworden. Nun lese ich „Bühlerhöhe“.
  • Zwei Besuche bei insgesamt sechs tollen Menschen und zwei Hunden (auch toll). 9,5 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™ für einen gewissen Anästhesisten und seine Frau.

Podcast | Die Marcus und Judith Weber sind das Herz und Hirn der Wissenschaftskünstler Physikanten – und sie sind ein Ehepaar mit vier Kindern.

Marcus hält eine kleine Rakete, Judith schwebt hinter ihm im All, in einem Astronautenanzug

Physiker Marcus steht mit seinem Team aus Naturwissenschaftler:innen, Schauspielern und Moderatoren auf der Bühne. Er konzipiert spektakuläre Physik- und Wissenschaftsshow und tritt bei Firmenveranstaltungen, auf Konferenzen, Messen und in Schulen auf – in Deutschland, Europa, im mittleren und fernen Osten. Für Quiz- und Wissenschaftssendungen im Fernsehen konzipiert und baut er spannende Experimente.

Judith ist Journalistin. Gemeinsam mit Marcus schreibt sie Bücher für Erwachsene und Kinder. Jüngst ist das Hörbuch „Die geheime Erfinderschule“ erschienen. Zusammen machen sie außerdem Projekte für Schulen – für einen besseren naturwissenschaftlichen Unterricht. Die Physikanten wurden für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

Ich habe mit den beiden darüber gesprochen, warum wir auf dem Fahrrad immer Gegenwind haben. Wir haben uns über Schulunterricht und Projekte für Lehrerinnen und Lehrer unterhalten. Wir reden über einen Besuch des Finanzamtes in ihrem Lager, über die Corona-Zeit, über Dellen im Oberschenkel und über Trapez-Vorführungen im Wohnzimmer.


Kapitelmarken | Die Folge hat Kapitel. Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.


Bild vom Aufnahmeabend |  Nach einem Glas Sekt:

Judith, Vanessa und Marcus

Zum Weiterlesen |  Die Shownotes:


Plattformen | Den Podcast gibt es bei PodigeeSpotifySoundcloudDeezerGoogle Podcasts und auch bei Apple Podcasts.


Jobbörse | Marcus und Judith Weber freuen sich über Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler, die mit ihnen und für sie arbeiten möchten (Kontakt).

Signierte Geschenke | Falls Sie zu Weihnachten „Die Frau, die den Himmel eroberte“ verschenken möchten (was ich außerordentlich empfehle) und falls Sie ein signiertes Exemplar wünschen, geht das über den Onlineshop der Buchhandlung Transfer in Dortmund-Hörde.

Bei der Bestellung einfach den Signierwunsch ins Freitextfeld des Warenkorbs schreiben. Die Buchhandlung ruft mich an, und ich komme zum Signieren.

Könnte knapp werden vor Weihnachten, aber vielleicht schaffen wir’s noch. Und manche zu Beschenkende trifft man ja erst nach den Feiertagen.


Booster | Keine besonderen Impfreaktionen. Nur ein bisschen Impfarm. Nach Erfahrungen meines näheren Umfelds (dort lagen Menschen ein bis zwei Tage flach) war ich absolut bereit gewesen, einen Tag im Bett zu verbringen. Ich hatte alles arrangiert und mich darauf eingestellt, mich meinem Unwohlsein, den Gliederschmerzen und der Müdigkeit vollkommen hinzugeben, Serien zu schauen und dabei leichte Speisen zu mir zu nehmen (und abends einige Schlucke weihnachtlichen Würzwein). Ich bin enttäuscht.


Ausklang | Das Jahr wird ruhig. Das fühlt sich gut an. Morgen wäre ich noch einmal auf Sendung gegangen, ein Inhouse-Webinar zum Thema „Konflikte lösen und Konflikten vorbeugen“ für eine Kundin in Sachsen. Wir haben die Veranstaltung jedoch ins kommende Jahr geschoben wegen akuter pandemischer Überlastungssituation speziell für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Familie.

Auch wenn ich, zwar mit Beutekindern, aber darüber hinaus als Kinderlose nur mittelbar betroffen bin, habe ich schon vor Wochen, als die Infektionszahlen wieder hoch gingen, den Entschluss gefasst: Ich mache das nicht mehr – so zu tun, als wäre keine Pandemie. Die Arbeit im Homeoffice, so gern ich sie mag, hat sich im vergangenen Jahr extrem verdichtet. Immer passte irgendwo noch ein Termin rein; man hat ja keine Fahrzeiten.

In den kommenden Wochen bleibt mein Terminkalender dünner gestrickt. Das ist alles zu erschöpfend sonst. Außerdem habe ich auf diese Weise die Flexibilität, gemeinsam mit Kund:innen Termine zu schieben, wenn es das wegen der Entwicklung der Infektionszahlen, Quarantäne, Kinderbetreuung und Omikron braucht. Und ich kann mich mal meiner Weiterbildung widmen.


Die kleinen Dinge | Die Nebensächlichkeiten, ohne Erkenntnisse und eigentlich auch nicht berichtenswert:

  • In die Wohnung des Reiseleiters zieht bisweilen Nikotinduft hinein, von den Menschen, die unter ihm wohnen. Er hat deshalb einen elektrischen Duftspender im Flur, der Anti-Nikotin-Duft versprüht. Alle zehn Minuten gibt er einen Sprühstoß von sich, der sich anhört, als niese eine Babyrobbe. Ich bin jedesmal verzückt allein wegen des Gedankens.
  • Mein Weihnachtsstern hat aufgehört, Blätter zu verlieren, und hat sich eingelebt. Möglicherweise wird er doch überleben.
  • Wer ist eigentlich schlimmer – Conny oder Familie Hauser?
  • K2, K3 und ich haben einen sehr puscheligen Weihnachtsbaum ausgesucht. Wir buken außerdem Kekse. Das Verzieren vertagten wir aber erstmal.
Ausstechkekse auf dem Blech, noch unverziert
  • Beim Backen entdeckten wir, dass man Engelsaugen auch mit Nutella füllen kann.
Kekse mit Marmelade drin - und Nutella

Gelesen | Von wegen geimpft [€]. Ein Stück über gefälschte Impfpässe, ihre Ersteller und die Apothekerinnen und Apotheker, das letzte Bollwerk vor der Digitalisierung des Impfnachweises. Ist er erstmal digitalisiert und hat einen QR-Code, fällt die Fälschung nicht mehr auf.

Wer hat schon den Mut, einem mit offensichtlich krimineller Energie ausgestatteten Impfgegner seinen Impfpass wegzunehmen und dann zu warten, bis die Polizei kommt?

Die Apothekerin aus Berlin hatte diesen Mut.

„Man bekommt schon einen Adrenalinrausch, wenn man so eine Fälschung entdeckt“, sagt sie. Den Kunden sagt sie in solchen Situationen, das System sei abgestürzt, sie müsse schnell was nachschauen. Dann dreht sie sich weg, damit der Kunde sich ihr Gesicht nicht einprägen kann, und verschwindet im Hinterzimmer. Dort wählt sie den Polizeinotruf.

Viele Apothekerinnen und Apother stellten keine digitalen Impfzertifikate mehr aus.

Der Aufwand. Die Angst. Es sei einfach zu viel. Auch immer mehr Kollegen aus der Nachbarschaft digitalisierten nicht mehr, sagt die Apothekerin. Ausgerechnet die, die aufpassen, steigen aus.

Angeguckt | Falls Sie sehen möchten, wie es um das arktische Wintereis steht: schlecht. Ebenso schlecht sind die Nachrichten aus der Antarktis. Ergänzend dazu: Auf Deutschlands Straßen fahren immer mehr Autos.

Demnach waren zum 1. Oktober in Deutschland 48,65 Millionen Pkw zugelassen, was einem Zuwachs von knapp 400.000 Autos gegenüber dem Jahresbeginn entspricht. „Das ist ein Allzeithoch und es geht immer weiter“, sagte Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research in Duisburg dem Blatt. „Von einer Abkehr der Deutschen vom Auto ist überhaupt nichts zu sehen.“

Gelesen | Der türkisch-islamische Kulturverein „Ditib“ plant in Wuppertal-Elberfeld ein modernes neues Stadtviertel mit einer Moschee. Kann Wuppertal nur schöner machen.

Hoch die Hände, Wochenende | Heute fuhr der Weihnachtsmann vorbei. Ekstatisch, die Hände zum Himmel, warf er sich ins Dorf hinein.

Trecker. Auf der Gabel fährt ein aufgeblasener Weihnachtsmann, der sich im Fahrwind nach hinten beugt.

Er war der Vorbote von etwas Großem: dem großen Treckerumzug „Ein Funken Hoffnung“, ein Geschenk der Landwirte für die Menschen in Haltern und für Licht in der Pandemie. Als es dunkel war, fuhren 60 mit Lichterketten behängte und mit Figuren geschmückte Traktoren durch die Stadt, dazu Musik und Hupkonzert. Es war super und hat mir gute Laune gemacht.


Booster | Die Schlange von Menschen wandt sich durch die Hofeinfahrt. Sie schlängelte sich den Bürgersteig entlang und die Straße hinauf. Den Termin hatte ich über doctolib.de gebucht. Der Arzt war mir unbekannt. Aber was braucht es schon groß Bekanntschaft für eine Portion Moderna.

Eine Warteschlange bringt die wahren Wesenszüge von Menschen hervor. Während die einen sich schicksalsergeben hinten anstellten, ein Buch oder das Handy der Tasche holten und schweigend warteten, preschten andere an der Schlange vorbei und hinein in die Praxis – nur um direkt wieder hinausgeschickt zu werden.

Nach einer Weile kam eine junge Frau, Flatterhose und knöchelfrei, des Weges. Ihr Smartphone hielt sie wie ein Pizzastück vor den Mund, etwas diktierend. Sie unterbrach sich selbst, hielt inne und fragte : „Steht ihr alle an?“ Wir nickten. „Wegen Impfung?“ Wir nickten. „Du glaubst nicht, was hier abgeht“, sprach sie in ihr Handy, von dannen gehend, „hier stehen bestimmt zwanzig Leute wegen dieser Impfung an, voll heftig …“

Blättern in Büchern. Smartphonescrollen. Minuten verstrichen, und ein Paar betrat die Szene. Sie mit Kurzhaarschnitt, eine Strähne farbig, er mit Nickelbrille und Schiebermütze. „Haben Sie alle einen Termin?“, fragte die Frau in die Runde. Wir nickten. Die Tür öffnete sich. Eine Arzthelferin stellte sich hinein. „Mein Mann hat um neun Uhr fünfzig einen Termin!“, rief ihr die Frau zu. „Und ich um neun Uhr dreißig“, erwiderte ein Mann aus der Schlange. „Bitte stellen Sie sich hinten an“, sagte die Arzthelferin. „Mein Mann hat gleich eine Konferenz bei der Stadt!“, sagte die Frau, „wir können nicht warten!“ – „Und wenn es eine Audienz beim Papst wäre“, schallte es aus der Schlange. Gelächter. Die Frau schob sich an der Arzthelferin vorbei, ihren Mann hinter sich herziehend. Die Helferin guckte verdattert.

In der Praxis sprach man ein halbes Dutzend Sprachen. Die Angestellten parlierten in Arabisch, Türkisch, Italienisch und Englisch mit den Patienten und wussten offenbar mit allen Kulturen umzugehen, allen voran der Deutschen. Denn die resolute Frau lehnte in einem Türrahmen und gab Anweisungen, dahinter ihr Mann im Unterhemd. Die Fachangestellte schob sie wortlos hinaus und schloss die Tür.

Ich bekam meine Spritze. Nach Astra und Biontech nun Moderna. Zartes Sammelalbum-Gefühl.


Hunderunde | Große Neugier heute bei der Hunderunde. Allerdings weniger von Seiten des Hundes denn von Seiten der Hühner. Der Hund reckte kurz den Kopf vor und verlor direkt wieder das Interesse, während die Hühner außer sich waren angesichts des aufregenden Besuchs.

Eins flatterte auf den Zaun und blieb dort schwankend sitzen. Erst freute es sich ganz offensichtlich über seine Courage. Dann wusste es nicht mehr zurückzukommen. Es wandt sich nach links, und es wandt sich nach rechts, kippelte und war zunehmend ratlos, wie es ins Gehege zurückkommen sollte. Als ich schon kurz davor war, es zu packen und zurückzuwerfen, hatte es einen Geistesblitz, drehte sich abrupt um und stürzte sich hinab auf die Wiese.


Flutwein | Der Postmann klingelte und brachte Flutwein. Inzwischen wurden laut Homepage mehr als 175.000 Flaschen verschickt – gegen 4,5 Millionen Euro an Spenden.

Drei Weinflaschen mit Schlamm

Gelesen | Warum freut sich die Seele, wenn es schneit?

Für den japanischen Physiker Ukichiro Nakaya war der Schnee jedoch Liebe auf den zweiten Blick. Eigentlich hatte er im Jahr 1930 eine Professur als Kernphysiker an der Hokkaido University in Sapporo antreten wollen. Da es seinem Institut jedoch an Geld mangelte, widmete sich Nakaya kurzerhand der Erforschung des Schnees. Den gab es kostenlos zur Genüge. Nakaya mikroskopierte die sechseckigen Gebilde und erforschte die Auswirkungen der Witterungsbedingungen. Schließlich versuchte er sogar, erstmals einen Kristall auf künstliche Wiese entstehen zu lassen. Das war gar nicht so leicht. Während gefrorenes Wasser zu Eis wird, entstehen Schneekristalle aus dem gasförmigen Zustand. Dafür brauchen sie einen winzigen Kristallisationskeim, ein Staubkorn beispielsweise. Im Jahr 1936 gelang es ihm schließlich. Der erste unter Laborbedingungen entstandene Kristall wuchs an der Spitze eines Kranichhaars. „Schneekristalle sind Briefe des Himmels“, schrieb der ins Schwärmen geratene Physiker.



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