Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Leibesübungen | Gestern wieder ein Morgenlauf: einmal um den See, ein bisschen Treppenspaß und danach wieder heim. Es ging gut von der Hand. Erstaunlich, wie schnell der Körper sich erinnert und an Belastungen anpasst.

Blick vom Hügel auf den Phoenixsee, auf den Bodene in Aufkleber "Möp"

Dennoch habe ich jedesmal Muskelkater nach dem Laufen – und heute auch im Bauch, wegen Sit-up-Performance auf dem Petziball. Aber es hilft ja nichts, ohne bekomme ich Rückenschmerzen, und der Winter ist noch lang.


Frau Dr. designatus | Frau Gröner hat ihre Doktorarbeit erfolgreich verteidigt – mein herzlichster Glückwunsch! Ich lese schon so lange bei ihr, erinnere mich an den Entschluss fürs Studium, an ihren Beginn an der LMU, an den Umzug nach München, an die wachsende Faszination und Leidenschaft fürs wissenschaftliche Arbeiten.

Anke verteidigte remote, vor dem Rechner in ihrem Arbeitszimmer. Es gab kein physisches Zusammentreffen einer hoch dekorierten Prüfungskommission, keine vor der Tür wartenden Freunde, kein Sektchen auf dem Campus.

Normalerweise hätte ich dann den Raum in der Uni oder im Zentralinstitut für Kunstgeschichte verlassen, F. und vielleicht noch ein paar andere Menschen hätten draußen auf mich gewartet, möglicherweise mit Sekt und einem gebastelten Doktorhut, aber das fiel gestern leider alles aus. Ich klappte den Rechner zu und guckte, wie ich mich so als Doktor fühlte und dann fing ich endlich an zu heulen. […]

Und dann stand ich weiter sinnlos im Arbeitszimmer rum und wusste nichts mit mir anzufangen. Das war doch ein arg antiklimaktisches (vorläufiges) Ende von acht Jahren Uni und drei Jahren Promotion.

Trotzdem natürlich großartig, und tags darauf gab es ein Menü to go plus Weinbegleitung (und Yoda-Kekse).

Ihre Erzählung erinnerte mich an meine Disputation 2012 (herrje, schon acht Jahre her!). Ich war am Ende nur froh, dass ich es geschafft hatte; dass ich durch war mit der Dissertation. Da war wenig Freude, nur Erleichterung und Erschöpfung nach diesem Langstreckenlauf, für dessen Ende ich mir einen Tag Urlaub von der Arbeit genommen hatte. Am nächsten Tag ging ich wie gewohnt zum Job. Ich habe gestern überlegt, wie es danach weiterging und wie ich am Ende die Promotionsurkunde bekam; ich glaube, sie kam irgendwann mit der Post, in einem Papp-Umschlag lag sie im Briefkasten. Ich steckte sie in eine Klarsichthülle und heftete sie linksgelocht ab. Das war alles sehr unglamourös.


Nachspielzeit | Anfang November brachte ich das Gewächshaus in Ordnung und erntete die letzten Thorstomaten 2020. Sie waren noch grün, wären im Gewächshaus aber auch nicht mehr rot geworden: zu kalt. Ich stellte sie auf die Heizung in der Küche.

Alle sind nachgereift. Gestern aß ich die letzten.


The Crown | Late to the party, ich weiß, aber in den vergangenen Tagen habe ich angefangen, The Crown zu gucken. Welch glückliche Fühgung, dass die Zeit des kalten Nieselregens, der Sofatage und Fernsehnachmittage beginnt. So großartig!


Vermittlungsfragen | In Unterhaltungen stoße ich viel auf Unverständnis, dass Restaurants geschlossen seien. Es gebe schließlich Hygienekonzepte, und es sei Abstand zwischen den Tischen. Manchmal vernehme ich Skepsis, ob Mund-Nasen-Bedeckungen wirklich etwas nutzen.

Ich sage dann stets, dass ich Restaurant-Innenräume ungeachtet dessen für maximal gefährlich halte. Gründe: viele Menschen, keine Masken wegen Essen, alle reden und lachen (und stoßen dabei viele Aerosole aus, mehr als schweigende Menschen im Zug), wenig bis keine Lüftung, viel Luftbewegung (und Verteilung der Aerosole) durch hin- und her laufende Kellner:innen und Toilettengänger. Die eineinhalb Meter Abstand zwischen den Tischen sind da nur Makulatur. Ich erzähle das dann alles. Meine Gesprächspartner:innen äußern Verärgerung darüber, “dass darüber nicht berichtet wird”.

Hier zwei Links, die darüber informieren, warum ich keine Restaurant-Innenräume aufsuchen werde und wie genau Masken helfen:

Das Gefühl, “dass darüber nicht berichtet wird”, halte ich für sehr bedenkenswert.

Die meisten Informationen erreichen mich über Twitter; ich habe eine Timeline, in der viele Wissenschaftler:innen, Wissenschaftsjournalist:innen und interessierte Laien vertreten sind. Außerdem ziehe ich Informationen aus dem Corona-Virus-Podcast mit Drosten/Ciesek/Hennig. Die Quellen sind anspruchsvoll, was den Aufwabd betrifft, die es zur Verarbeitung des Gelesenen und Gehörten braucht. Nicht jeder kann und möchte eine Stunde Podcast hören und sich nach einem anstrengende Arbeitstag noch mit komplizierten Quellen auseinandersetzen. Sie sind daher nicht unbedingt massenkompatibel; viele Menschen informieren sich vor allem über das TV und lesen die Regionalzeitung. Sind die vorhandenen Formate dort ausreichend? Ist die Auswahl der Nachrichten die richtige? Deren Aufbereitung hinreichend? Sollte die Berichterstattung sich mehr auf wissenschaftliche Ergebnisse, weniger auf politische Diskussionen und Grabenkämpfe konzentrieren? Mehr auf die Sache als auf Personen? Wie gelingt die Vermittlung komplexer Sachverhalte, bei denen wir fortwährend Erkenntnisse gewinnen, die die Sache noch komplexer machen? Wie gelingt es, positive, Demokratie stärkende Zukunftsbilder zu öffnen, wenn konsequentes, auf Wissenschaft beruhendes Handeln uns als Gesellschaft Verzicht abnötigt?


Geguckt | Passend zur obigen Frage: Transformationsforscherin und Politökonomin Maja Göpel im Interview mit Jörg Thadeusz. Das Video ist sehr sehenswert: wegen des künstlich-konfrontativen Interviewstils von Jörg Thadeusz und der zunehmend wütender werdenden und um Sachbezug ringenden Wissenschaftlerin Maja Göpel. Ausschnitt:

Gelesen | Zur gleichen Sache: Die eigentlichen Corona-Opfer kommen in den Medien viel zu kurz. Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork argumentiert, dass Redaktionen kaum über die Corona-Krise berichten, sondern vor allem über die Lockdown-Krise. Menschen mit Corona-Infektionen, Wissenschaftler:innen und medizinisches Personal kämen kaum zu Wort, stattdessen Urlauber:innen, die auf Mallorca Maske tragen müssen, Karnevalisten und arbeitslose Nikolaus-Statisten.

Warum aber hören wir so wenig auf die Wissenschaft? Es scheint, als wolle niemand wahrhaben, dass sich diese Gesellschaft mit gutem Grund Kontaktbeschränkungen auferlegt hat. In einer fast schon narzisstisch anmutenden Selbstbespiegelung kreisen all ihre Gedanken nur um die eigenen Entbehrungen. Das Leid der wirklich Leidenden wird ausgeblendet. Und die Medien machen fröhlich mit.

Coworking-Space | Marc Darcy und ich machen in diesen Tagen bisweilen Coworking-Space, mal bei mir, mal bei ihm. Ich bin ohnehin im Homeoffice, er an vier von fünf Tagen. Da bietet es sich an, gemeinsam zu arbeiten, die soziale Kontrolle ist auch gut für die Disziplin.

Heute ging ich vorm Coworking laufen, neue Wege im Münsterland erkunden. Erst zu den Hühnern. Sie freuten sich enthusiasisch, als ich kam. Die Freude ließ allerdings direkt wieder nach, als sie merkten, dass ich kein Futter dabei habe. Fühlte mich gedisst. Durch die Felder, am Schrottplatz vorbei, durchs Industriegebiet und dann wieder heim. Das war eine gute Morgenrunde, fünf oder sechs Kilometer.


Der Friseur unter den Dönerbuden | In Haltern gibt es die Dönastie. Ich vermute, der Besitzer war vormals Friseur mit einem Laden namens “Haarmonie”, “Haargenau” oder “Kamm back”.

Auf Instagram rief das Bild ungeahnte Kreativität bei meiner Followerschaft hervor. Liebe Döner-Startups – hier eine Namensauswahl für Euer Business:

  • Dönerteller Versace
  • Dönerwellen
  • Dönamit
  • Dönamisch
  • Dönerlittchen!
  • Volle Dönung
  • Dön Quichotte
  • Dein Tag wird döner

Ergänzungen nach Veröffentlichung des Beitrags:

  • Dönheitsideal
  • Dönübungen

Gelesen | Die Rezensionen zu dieser bezaubernden StiefeletteFrau Novemberregen regt sich über ihren Versicherungsvertreter auf. Unter anderem deshalb hege ich eine erhebliche Skepsis gegenüber Versicherungsvertretern. Gefolgt von Gebrauchtwagenhändlern und Zahnärzten mit Affinität zu IGeL-Leistungen.

Podcast | Es gibt nicht eine Zukunft, sondern mehrere Zukünfte – das sagt die Zukunftsforscherin Anne-Luise “Alu” Kitzerow. Ich habe sie in Berlin getroffen.

Vanessa (Hintergrund) und Alu (Vordergrund, macht ein Selfie)

In der neuen Folge meines Podcasts “Vanessa spricht mit …” erzählt sie davon, was eine Zukunftsforscherin tut und warum zwei Drittel ihrer Mitstudierenden im Masterstudium ihren Job gekündigt haben. Wir unterhalten uns über Angst, über Pläne und über Möglichkeiten.



Außerdem sprechen wir ganz viel darüber, was es bedeutet, Familie und Kinder zu haben. Alu erzählt, was Familien in Zukunft mehr brauchen als heute. Wir reden darüber, wie es ist, erst eins, dann zwei und dann drei Kinder zu haben. Wir sprechen über die Bürokratie der Inklusion, über Gesundheitskarten und über Aufgabenteilung in der Beziehung.


#serviceblog Kapitelmarken | Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.


Shownotes zum Weiterlesen | Alu Kitzerow bloggt auf grossekoepfe.de gemeinsam mit ihrem Mann über das Leben als Familie |  Alu auf Twitter | Das Studium, das Alu absolviert hat: Zukunftsforschung an der FU Berlin | Von Alu mitorganisiert: Blogfamilia – die Konferenz für Elternblogger:innen  


Plattformen | Den Podcast gibt es bei PodigeeSpotifySoundcloud, Deezer, Google Podcasts und auch bei Apple Podcasts.

Durch die Gegend laufen | Ich habe mir Herbstwinter-Schuhe zum Durch-die-Gegend-Laufen gekauft. Hohe Schnürschuhe, mit denen ich durch Laub und Matsch gehen kann und in die nicht sofort Schnee reinfällt, sollte es Schnee geben. Am Wochenende habe ich sie eingelaufen: keine Blasen, alles sofort super, sehr komfortabel.

Gestern war ich dann wieder laufen, also: joggen. Ich habe schon mehrmals in meinem Leben mit dem Laufen angefangen, so ungefähr 25-mal. Ich langweile mich fürchterlich beim Laufen; ich weiß schon nach 500 Metern nicht mehr, an was ich denken soll. Meist tut mir irgendwas weh, und wenn nichts weh tut, denke ich, dass mir bestimmt ganz bald etwas weh tun wird, auf jeden Fall bevor ich wieder zu Hause bin. Selbst wenn das nicht passiert – dann kommt ein Berg, ich bin außer Puste und finde das so unverschämt frustrierend, dass mir danach vor lauter Ärger etwas weh tut. Ich hatte noch nie Glückshormone beim Laufen, in 30 Jahren nicht.

Nachdem ich also vor drei Wochen wieder mit dem Laufen begann, habe ich – wie bei jedem der 25 Mal zuvor – sehr gelitten. Gestern allerdings war es ganz hervorragend. Ich bin ohne Pause eine Stunde durchgelaufen. Das Telefonino zeigte acht Kilometer. Das glaube ich allerdings nicht: Es war sicher weniger. Nichtsdestotrotz: überraschend. Gefühl heute: müde Beine, aber nicht desolat.


Broterwerb | Ich habe etwas zu guten Briefings aufgeschrieben: Wie man Menschen gut und kompakt die Infos gibt, die sie brauchen, um gute Arbeit zu machen. Für den Fall, dass ich diejenige bin, die die Infos erhält, habe ich aufgeschrieben, welche Fragen ich stelle. Christian hat ergänzend aufgeschrieben, wie wichtig ein Rebriefing ist – also die schriftliche Zusammenfassung dessen, was man verstanden hat. Voll unterschreiben kann ich besonders diesen Satz:

Denn wenn Menschen kommunizieren, dann gibt es divese Fallen und eine davon ist, dass man hört was man möchte. Auf beiden Seiten.


Auch Broterwerb | Ich habe mich auf eine Ausschreibung beworben. Bitte drücken Sie mir die Daumen. Ich fühle mich vor sowas schlimmer als vor einer Klassenarbeit – und danach schlimmer als nach der Abiklausur. Weil ich mir sicher bin, bestimmt etwas vergessen oder falsch gemacht zu haben.


Broterwerb zum Dritten | Am 1. Dezember bin ich wieder bei Pro Content und gebe ein Seminar. Der Titel: “Stress, Selbstbehauptung und Umgang mit Konflikten”. Teilnehmende sind Volontärinnen und Volontäre, also Berufsanfänger nach dem Studium. Auf Twitter habe ich nachgefragt, was Menschen zu diesem Thema bewegt und habe sehr gute Antworten für die Vorbereitung bekommen (im Thread zum Tweet). Ich werde berichten, welche Schwerpunkte ich setze. Am Ende landet sicher auch das ein oder andere im nächsten Newsletter (hier abonnieren).


Gelesen | Die Familiengeschichte von Maori Kunigo in sechs Tweets |

Hirsch kraulen | Hach ja. Herbst, ne. Wäre eine schöne Jahreszeit, wenn danach nicht diese ganzen usseligen Monate kämen. Wenn es nach mir geht, können wir ab Montag sechs Wochen Winter machen, knackig kalt, minus Zehn oder so. Ab dem 1. Januar machen wir ohne Umweg mit Schneeglöckchen und Krokussen weiter und überspringen die matschige, graue und dunkle Zeit.

#WegenderaktuellenSituation treffe ich Menschen weitestgehend draußen. Gestern fuhr ich nach Witten und traf eine Handballveteranin. Wir gingen im Wald umher, zum Wildgehege und drumherum. Ich streichelte einen Hirsch. Er hielt still und wirkte angetan.

Ich kannte den Ort nicht, obwohl ich praktisch nebenan wohne: Hohenstein in Witten. Es gibt ein Wildgehege und einen Streichelzoo, einen Spielplatz, es stehen ein Karussel und ein Büdchen mit Mandeln dort. Ich kenne mich ja mit Kindern bekanntermaßen nicht aus, bin ja nur Partytante, aber ich denke, dass es fetzt, gerade mit den kleineren.

Falls Sie sich fragen, was das für ein Phallus-artiges Denkmal ist: Das hat die Turngemeinde Witten für Louis Berger dort hingenagelt. Louis Berger war Mitbegründer des Vereins, Industrieller und Parlamentarier im Preußischen Landtag. Er setzte sich für die Eisenbahnverbindung von Wengerohr nach Wittlich ein, weshalb eine ehemalige Bahntrasse in Wittlich heute „Louis-Berger-Weg“ heißt.

So. Jetzt wissen Sie das. #bildungsblog


Walk & Talk | Heute habe ich auch zweimal Leute getroffen. Beide Male gingen wir um den See, weshalb ich insgesamt zehn Kilometer spazieren gegangen bin. #OhnedieaktuelleSituation hätten wir wahrscheinlich nur irgendwo gesessen, gegessen, Kaffee getrunken. Es ist also nicht alles schlecht. Das werde ich auf jeden Fall beibehalten.

Chronistenpflicht, Bild vom See:

Blick auf die Hafenpromenade am Phoenixsee: Im Vordergrund Schilf, dann See, in der Ferne moderne, weiße, kastenförmige Häuser

Konsum | Es zeichnet sich ja nun ab, dass ich mich auch in den nächsten Monaten entweder zuhause aufhalten oder durch die Gegend latschen werde. Deshalb habe ich Anschaffungen getätigt oder plane den Erwerb:

  • neue Jogginghose (heute bestellt, alte war löchrig)
  • neue Laufleggins; vielleicht wird es auch eine Sofaleggins, das wird sich erweisen (mit der Joggingbuxe bestellt)
  • Optimierung des Online-Meeting- und Webinar-Settings durch eine Ringleuchte, einen Stoff-Hintergrund und sechs Klemmzwingen zum Befestigen desselben am Billy (bestellt)
  • zwei Alltagsjeans (zwei vorhandene sind kaputt gegangen von zu viel Latschen und Fahrrad fahren; bestellt, anprobiert und passt, bezahlt)
  • Bücher für lange Winterabende (im Einzelhandel erworben)
  • neue Winterstiefel mit robuster Sohle zum Durch-die-Gegend-Gehen in matschigen Monaten (zeitnahe Sichtung im Einzelhandel geplant)
  • Erwerb eines Studiolink-Accounts zur Remote-Podcastaufnahme (beizeiten)

Falls Sie sich fragen, warum ich einen Stoffhintergrund kaufe; schließlich kann man in Zoom und MS Teams Hintergründe einstellen: Alles richtig, aber dolle ist das nicht. Je nachdem, wie man den Kopf bewegt, fehlt einem mal eine Gesichtshälfte oder es sieht aus wie in alten Filmen, wenn die Figuren Auto fahren.


Corona-Soforthilfe | Jetzt steht fest: Solo-Selbstständige sollen eine Einmalzahlung von 5.000 Euro als Corona-Soforthilfe bekommen. Menschen wie ich bekommen also – sofern sie keine Einnahmen haben – ab Dezember maximal 714 Euro pro Monat, für sechs Monate. Davon sind dann Krankenkasse, Miete/Immobilie, Strom, Heizung, Telefon, Lebenshaltung, Versicherungen und eventuelle Kredite zu zahlen. Nicht zu reden von einer Familie, für die man sorgt. Wer das nicht hinkriegt, kann Grundsicherung beantragen.

Die meisten Solo-Selbstständigen – insbesondere aus der Kulturbranche, aber auch viele Kolleg:innen, die vom Kontakt mit Menschen leben, Veranstaltungen moderieren oder Workshops geben – sind #wegenderaktuellenSituation ohne eigenes Verschulden in finanzielle Not geraten. Sie waren bis März erfolgreich am Markt tätig. Sie kommen derzeit an die Grenzen ihrer Ersparnisse oder haben sie bereits erreicht. Bei den meisten, Christian schrieb gestern darüber, ist immer noch nicht klar, ob sie die 9.000 Euro, die im Frühjahr flossen, behalten dürfen. Denn der Staat hat nachträglich festgelegt, dass das Geld nur für Betriebskosten ausgegeben werden darf; Solo-Selbstständige wie Christian oder ich haben aber kaum Betriebskosten, weil wir entweder zuhause am Schreibtisch oder bei Kunden arbeiten; wir unterhalten keine Büros und besitzen keine Lagerhallen oder Maschinenparks. Wir verkaufen unser Wissen und Können, keine produzierten Waren. Was also wegbricht, ist das komplette Einkommen. Einzelunternehmer dürfen das Geld aber nicht nutzen, um Essen zu kaufen oder Miete zu zahlen – im Gegensatz zum Arbeitnehmer, der Kurzarbeitergeld erhält.

Zur Klarstellung: Um mich geht’s hier nicht; ich bin safe, hatte und habe Einkünfte und Rücklagen. Trotzdem rege ich mich über die Ignoranz auf, mit der wir Einzelunternehmer behandelt werden – zumal Finanzamt, Krankenkasse und Kammern immer sofort auf der Matte stehen, sobald sie Geld wittern, und dabei in einem Tonfall kommunizieren, dass man sich in Nordkorea wähnt. Es scheint, als halte die Politik uns Solo-Selbstständige allesamt für Hallodris, die ein bisschen an ihrem Hobby werkeln, Gras rauchen und Mandalas ausmalen.

Warum kein Kurzarbeitergeld auf Basis eines Unternehmerlohns?


Geguckt | Du kannst alles sein, was du willst – auch ein Delfin

Frühsport | Die Zeit verfliegt! Schon der 11. November. Das ist nicht das Schlechteste, denn dann ist schnell wieder Frühling. Aber wo bitte sind die vergangenen zehn Tage hin?

Seit ungefähr genau diesen zehn Tagen mache ich Frühsport. Das heißt: Ich stehe früh auf, ziehe mir Laufschuhe an und laufe. Ich berichtete darüber.

Heute musste ich nur zweimal zwischendrin gehen: Einmal, weil meine Beine fanden, dass es übertrieben sei, vor 8 Uhr und noch dazu vor dem Frühstück um den See zu rennen, ohne Vorwarnung und quasi direkt aus dem Schlaf. Wir haben das dann geklärt. Und einmal, weil ich fand, dass die gelaufene Strecke schon lang war und ich es nicht übertreiben sollte.

Wenn ich nach der Seerunde am Hügel ankomme – der Hügel ist das Loch, wo das Wasser drin ist, nur andersherum, also der Aushub -, wenn ich also am Fuß des Hügels stehe, mache ich immer spaßige Sachen an der Treppe. Das ist gut für Herz-Kreislauf. Danach gehe ich den Hügel hoch und gucke runter.

Am Hügel sind morgens immer die gleichen Leute unterwegs. Eine von ihnen: eine Muslima in Abaya, Hidschāb und Pantoletten. Mit strammem Schritt, resolut die Ellbogen schwingend, geht sie den Hügel hinauf – und an der anderen Seite wieder hinab, zweimal, dreimal. Ich möchte sie grüßen, schließlich sind wir Schwestern im Geiste. Aber sie schaut dabei zu Boden. Unser Sportskamerad: ein alter Mann mit Gehstock und Schirmmütze. Auch er geht den Hügel hinauf und wieder hinab, vielleicht jeden Tag, jedenfalls immer, wenn ich da bin, zügig, aber nicht resolut. Er geht mit erhobenem Kopf und grüßt lächelnd.


Seminar | Am Montag war ich bei Pro Content und habe ein Seminar gegeben – vor Ort und mit Menschen.

Laptop mit Folien "Projektmanagement - Grundlagen, Werkzeuge, Alltagshilfe". Dahinter ein leerer Seminarraum.

Es war ein warmer Tag. Wir ließen die Fenster geöffnet und trugen allesamt Masken. Das ging erstaunlich gut, auch als Dozentin und auch, obwohl ich viel reden musste. Nur das Trinken habe ich dabei vergessen; das ist sowieso immer ein Problem bei Seminaren. Mit Maske noch mehr.

Zum Einstieg ließ ich die Leute Lego bauen. Wir erarbeiteten damit das Wesen eines Projekts: klares Ziel, neuartige Anforderung, begrenzte Ressourcen, begrenzter Zeitraum, messbares Ergebnis – und jede:r in der Gruppe bringt Steinchen ein, die zum Ganzen beitragen.

Bau aus Legosteinen: Tiere, Treppe und rechts ein Männchen mit einem Pinguin

Ich schreibe das, weil ich Ihnen den Pinguin rechts vorstellen möchte: Das ist ein Hilfspinguin, wie es ihn beim Eislaufen gibt. Er begleitet das kleine, blaue Männchen in eine neue Herausforderung. So einen Pinguin hätte ich auch gerne. Ich stelle mir das sehr unterstützend vor. Immer, wenn ich nicht weiter weiß, gucke ich den Pinguin an, er macht eine Geste, und ich weiß es dann. Oder er weiß es auch nicht und tätschelt mich stattdessen tröstend an der Wade.


Dramaturgie in Filmen und im Leben | Falls Sie es noch nicht gemacht haben: Hören Sie in die neue Podcastfolge von “Vanessa spricht mit …” rein. Ich spreche mit Filmdramaturgin und Coach Verena Michl über Drehbücher, Anker in unseren Lebensläufen und über Intimkoordinatoren.


Herumlatschen | 15 Kilometer durch den Naturpark Hohe Mark.


Sauerkrautauflauf | Zum Schluss möchte ich Ihnen ein Rezept nahe legen, das Sie gut durch die kalte Jahreszeit bringt: Ungarischer Sauerkrautauflauf mit Reis. In der Fleischvariante mit Hack und Mettenden. In der vegetarischen Variante habe ich vegetarisches Hack verarbeitet, das ich leicht mit Rauchpaprika gewürzt habe.

Sauerkrautauflauf, geschichten: Reis, Sauerkraut, Hack. Obendrauf Paniermehl.

Zutaten: eine Packung Sauerkraut | Loorbeerblätter | ein Kaffeebecher Reis | Zwiebeln | Hack (vom Tier oder vegetarisch) | wenn vegetarisch: Rauchpaprikapulver | eine Packung Sahne | ein Becher Creme fraiche | Paniermehl

Fett in einen Topf geben, das Sauerkraut dazugeben, ebenso etwas Wasser, zwei bis drei Lorbeerblätter, Salz und Pfeffer. Das Sauerkraut dünsten, bis es weich ist – etwa 30 Minuten. Den Reis kochen. Zwei bis drei Zwiebeln kleinschneiden und in der Pfanne andünsten. Hack dazugeben und anbraten. Alles in eine Auflaufform schichten. Sahne mit Crème fraiche verrühren, etwas salzen und pfeffern und über das Sauerkraut, das Hack und den Reis gießen, mit Paniermehl bestreuen. Wer Fleisch isst, kann auch klein geschnittene Mettenden zugeben. Mit Paniermehl bestreuen und 30 Minuten bei 200 Grad (Ober-/Unterhitze) in den Backofen geben.


Gelesen | Frau Novemberregen und die Gemüsekistenlogistik. | Aus gleicher Feder, wenngleich ein anderes Thema:

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass neulich für mehrere Wochen das “?” auf meiner Tastatur (beruflich) nicht ging. Ich hatte nicht so richtig Lust, mich der Problemlösung zu widmen sondern befasste mich lieber mit einem Workaround: ich formulierte einfach nichts mehr als Frage. Verändert den Stil total, probieren Sie es mal aus! 

06112020

Interessantes Experiment.

Podcast | Filme folgen Drehbüchern – und persönliche Entwicklungen folgen … ja, was denn?

Verena Michl ist Schauspielerin, Filmdramaturgin, Coach und Prozessbegleiterin, Organisations- und Karriereberaterin. Sie begleitet Theater- und Filmschaffende dabei, gute Drehbücher zu schreiben. Sie war an Tatorten beteiligt, außerdem an den Miniserien Hotel Sacher und Das Adlon – Eine Familiensaga.

Verena arbeitet aber nicht in Hinblick auf Filmen als Dramaturgin. Sie coacht auch Menschen und Unternehmen, Autorin ihrer Entwicklung zu sein.

Verena und Vanessa

Drehbüchentwicklung und Karriereberatung – was zwei grundverschiedene Dinge klingt, hat viel miteinander zu tun: So, wie Figuren in Drehbüchern Ereignisse kreieren, schaffen wir uns auch im wahren Leben Möglichkeiten.

Ich habe Verena in Berlin getroffen und spreche mit ihr über ihre Schauspielausbildung, über Drehbuchentwicklung, Bügelfernsehen und Intimkoordinatoren, über Anker in unseren Karrieren, darüber, was uns antreibt, und über Frauen und Männer in Führung.

#serviceblog Kapitelmarken: Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.

Shownotes zum Weiterlesen: Verena Michl | Verena bei Xing | Transform Berlin – Organisationsberatung und CoachingHeldenreiseOrganisationsaufstellungKarriereanker nach Edgar Schein | Malisa-StiftungBoston Consulting Group: Gender Diversity IndexIris Bohnet: What works?Die Berichte der Allbright-Stiftung | Borgen – Gefährliche Seilschaften, Dänische Serie

Den Podcast gibt es bei PodigeeSpotifySoundcloud und auch bei Apple Podcasts.

Ergänzendes | Heute Morgen machte ich wieder Frühsport – weil das Auto zum TÜV musste. Ich gab es ab und verband den Rückweg mit etwas Leibesübung. Das ist momentan eine Mischung aus joggen und gehen; ich bin nicht in shape genug, um sechs Kilometer durchzulaufen; außerdem ist es in der aufgehenden Sonne so hübsch, dass ich bisweilen anhalten und Fotos machen möchte. Diese Umstände ergänzen sich hervorragend.

Nachdem ich zu Hause angekommen war, geduscht und gefrühstückt hatte, klingelte auch schon das Telefon: Mit dem Auto sei alles in bester Ordnung, es sei bereits wieder abholbereit. Also schnürte ich die Schuhe und ging es abholen. Auf dem Weg telefonierte ich mit Daniel, dem Intensivmediziner meines Vertrauens. Wir sprachen über Mediziner für Mediziner gegen Covid, das Projekt, das wir gemeinsam mit anderen im Frühjahr auf die Beine gestellt hatten. Es wird jetzt nachgefragt; das ist keine gute Nachricht.

Der Rest des Tages: etwas Arbeit, ein paar Erledigungen, ein Nickerchen und Bolognese kochen.


Gelesen | Die Älteren unter uns erinnern sich noch an Gerhard Schröder, jenen Bundeskanzler, dessen Tätigkeit die SPD in ein Loch stürzte, in dem sie sich seither gemütlich eingerichtet hat, und der nach seinem Ausscheiden aus dem Amt vor allem durch seine Beziehung zum russischen Präsidenten auffiel. Neuerdings setzt Schröder diesen Erinnerungen Instagram-Knuffeligkeit entgegen: Die Gerd-und-Soyen-Show. | Ich finde ja alle Ansätze gut, die alternative Mobilität versuchen. Das Startup “Ottobahn” hat sich individuell buchbare Gondeln ausgedacht, die auf festen Wegen, aber trotzdem flexibel das Gefühl von Individualverkehr mit nachhaltigem ÖPNV verbinden. | Christian berichtet Dinge aus meiner Geburtsstadt im Sauerland: von der Antrittsrede des Bürgermeisters und von Schulen. Christian ergänzt sich stets hervorragend mit den Berichten meiner Verwandtschaft, die wiederum andere Informationen abdeckt. Gemeinsam mit der Facebook-Gruppe “Wir sind Menden!” sind sie besser als die örtliche Zeitung – zumal sie gerade im Ressort “Klatsch & Tratsch” deutlich breiter aufgestellt sind.

Was war | Wann schrob ich zuletzt? … //*blättert im Blog … Ah, Samstag. Das ist …. mmh … fünf Tage her. Na sowas. Kurz erzählt: Am Sonntag fuhr ich heim. Am Montag machte ich Samstag. Am Dienstag machte ich Montag. Am Mittwoch Frühsport um den See, danach gut zu tun.

Heute wie gestern, nur ohne Frühsport, dafür mit einer Spazierrunde am Nachmittag.

Bevor ich am Sonntag in den Zug stieg, traf ich Alu Kitzerow, Zukunftsforscherin, Initiatorin der Konferenz Blogfamilia und Bloggerin bei Große Köpfe. Wir sprachen über Zukünfte und Möglichkeiten, Familie, Vereinbarkeit und Corona.

Das Ambiente fiel in die Kategorie “Schöner Podcasten”.


Was ist | Das RKI meldet erstmals mehr als 20.000 Neuinfektionen. In Dortmund steigt die Inzidenz über 200. Pflegenotstand und die üblich schlechten Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern. Die USA zählen, und wer weiß, was daraus folgt. Klimakatastrophe, Extremismus, Konservativismus, Schwurbelismus, Moria.

Alle meine Lieben gesund. Marc Darcy. Ausreichend Rücklagen. Im Garten große Geschäftigkeit bei Meisen, Dompfaffen und Eichhörnchen, beim Zaunkönig und dem Eichelhäher. Zufrieden. Optimistisch.


Was kommt | Nächsten Mittwoch gibt’s mich als Webinar: Von 14 bis 15:30 Uhr spreche ich darüber, wie wir auf Veränderung reagieren (das ähnelt sich nämlich). Ich erzähle etwas über die Verneinungsschleife und wie man dort rauskommt. Außerdem verrate ich die Todeskombi, die jede Veränderung in Organisationen verhindert. Wer dabei sind will: Hier anmelden, es sind noch ein paar Plätze frei. Die Teilnahme kostet 59 Euro.


Gelesen und angeguckt | Gute und kurzweilige Darstellung, wie verschiedene Masken funktionieren

Gewuppt | Strategietag mit einem Kunden – digital. Mitte der Woche hatte der Kunde kurzfristig von Präsenz auf online umgeschwenkt. Was ich seither mit heißer Nadel gestrickt habe, ging auf. Das Konferenzformat in MS Teams, die Ablaufplanung, das Timeboxing, die Zusammenarbeit auf dem virtuellen Stormboard und das Ziel, mit Ergebnissen aus dem Tag zu gehen, die man direkt umsetzen kann – alles erfüllt.

Ein Vorstandsmitglied des Kunden hatte mich freundlicherweise zu sich nach Hause eingeladen, um das Ganze von dort aus remote zu moderieren. Denn fürs Canceln der Berlinreise und aller dranhängenden Termine war’s zu spät; wollte ich auch nicht – und ich brauchte einen funktionierenden, internetsabilen Arbeitsplatz.

Kompliment an den Kunden, der sich auf meine Vorschläge eingelassen und viel Mut gezeigt hat (“Wenn Sie sagen, dass das klappt, dann machen wir das jetzt einfach so, Frau Giese!”). Der Kunde hat kurzfristig auch noch viel geschraubt, damit es für alle Teilnehmenden hinhaute, und wir haben das gemeinsam gewuppt. Nach dem Ende stießen wir mit einem Glas Sekt an, das war auch nötig. Ich hatte zwar nicht ernsthaft Sorgen gehabt, aber sowas ist schon ‘ne Wundertüte, und ich bin glücklich, dass es ein Erfolg geworden ist.


Füße und Gedanken vertreten | Mittagspausenspaziergang im Bürgerpark in Pankow.

Herbstlicher Parkweg mit einem antiken, hohen Tor, gelbe Blätter

Heimweg | Nach den zehn Stunden ging ich zu Fuß heim: laufen, Leute gucken, mich vom In-den-Laptop-gucken erholen. Das war prima.

Abends sah ich eine Doku über die New York Times: Mission Wahrheit – die New York Times und Donald Trump. Eigentlich war ich auf der Suche nach etwas Schlichtem zum Runterkommen, “Berggeschichten aus Tirol” oder “Faszinierende Welt der Quallen”, aber beim Umschalten bin ich dort hängengeblieben. Spannende Einblicke in den US-Journalismus. Auffallend: starke Journalistinnen in der ersten Reihe.


Bemerknis #1 | Berlin verhipstert sogar den neuen Shutdown.

Plakat im Fenster eines Restaurants: Drei Leute auf einem Auto. Text: "Lockdown Vol.2. Fastest and most delicious delivery in town"

In Dortmund hängt man ja Spannplakate aus Lkw-Plane auf und schreibt in Word Art drauf: “Wir liefern auch!” anstatt Plattencover zu designen.

Bemerknis #2 | Erstaunlich auch die ausgestellte Mode. Ich meine, echt jetzt, der Pullover in der Mitte – Vatta hat sowas noch für die Gartenarbeit oder wenn er mal unters Auto muss.

Ich konnte nicht eruieren, was das Ding kostet, aber vielleicht sollte ich Vatta den Hinweis geben, dass es etwas zu versilbern gibt.



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