Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Renovazia | Herr Fischer und ich haben das Kännchenblog neu angestrichen und ein bisschen beigespachtelt. Die letzte Renovierung fand 2013 statt. Sechs Jahre sind im Internet eine lange Zeit – da brauchte es einen Refresh.

Die Farbigkeit ist nun näher an meiner Jobwebsite. Ich erzähle hier viel Berufliches – was mich beschäftigt, was ich tue und denke. Deshalb ist die Verknüpfung nun optisch enger.

Gleichwohl gibt’s hier auch weiterhin völlig Irrelevantes, sogar in der Hauptsache. Also alles wie immer, nur anders bunt.


Genussmittel | Als Untermauerung der Irrelevanz sehen Sie nachfolgend einen Apfelkuchen mit Vanillepudding.

Apfelkuchen mit Vanillepudding

Den buk ich letztens aus Vattas Apfelernte. Es ist ein ausgesprochen köstlicher Kuchen mit Mürbeteig, viel Pudding und ein paar Äpfeln. Man verknete dazu:

125 Gramm Butter
80 Gramm Zucker
1-2 Eigelb
150 Gramm Mehl

Den Teig in eine Springform drücken. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und den Teig zehn Minuten vorbacken.

Dann zwei Packungen Puddingpulver ohne Kochen gemäß Packungsanweisung anrühren. Dazu braucht man einen Liter Milch. Den Pudding danach auf den vorgebackenen Teig geben. Bei mir bleibt dabei immer ein Schälchen Pudding für den Eigenbedarf übrig.

Äpfel schälen, in Viertel schneiden und auf dem Rücken einritzen. Mit etwas Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden, und auf den Kuchen legen. Etwas braunen Zucker drüberstreuen. Wer will, kann ein paar Butterflocken dazugeben.

Dann nochmal 40 Minuten bei 180 Grad weiterbacken.


Dinge erklären und Leute unterhalten | Ich habe einen Beitrag über meine Expedition nach Berlin geschrieben.

Vanessa auf der Bühne, im Vordergrund Köpfe von Menschen.
(Foto: Berlin Partner/photothek.de)

Ich erzähle darin die Inhalte meiner Keynote nach: Warum Spiele uns so anfixen, wie ich Teams entwickle, welche Fragen ich dabei stelle und welche zwei Modelle mir helfen, über Rollen und Persönlichkeiten nachzudenken.

Als Entschädigung für die fehlende Tonspur, die fehlenden Gifs und fehlenden Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag gibt es hübsche Bilder von einer Dachterrasse in Berlin-Mitte. Solche zum Beispiel:

Leinwand mit einer Grafik im Spiele-Style. Text: "Berliner Unternehmenswalk 2019", "Level up". Es ist dunkel, Lichter brennen.
(Foto: Berlin Partner/photothek.de)

Geld für Journalismus | Franziska Bluhm schreibt in ihrem Newsletter darüber, dass Menschen kaum Geld für Journalismus ausgeben wollen, höchstens fünf Euro im Monat.

Ich bezweifle das. Denn ich gebe niemals Geld nur für Journalismus, also für eine funktionale Arbeitsbeschreibung aus. Sondern ich gebe Geld für einen Nutzen aus, der eines meiner Bedürfnisse stillt.

Beispiel: Ich kaufe Apple-Produkte, weil ich damit eine IT-Infrastruktur habe, die zuverlässig funktioniert, die mich möglichst wenig ärgert und in der die Devices nahtlos zusammenwirken. Ich gebe Geld dafür aus, dass die Geräte eine gute Usability haben, schnell hochfahren, robust sind und ich beim Kunden, bei Präsentationen und in Seminaren keine peinlichen IT-Momente erlebe. Ich gebe also kein Geld für das schlichte “Was” aus (Laptop, Smartphone), sondern für das “Warum”: Weil die Produkte mir Freiheit ermöglichen und meine zeitlichen und emotionalen Ressourcen schonen.

Ebenso gebe ich kein Geld für Journalismus aus. Ich habe ein Digitalabo der Zeit, der New York Times und spende an Correctiv. Ich gebe Geld dafür aus, Dinge zu verstehen. Ich kaufe mir den Nutzen, Orientierung zu bekommen und mich wiederzufinden in einer komplexen Welt. Ich bezahle dafür, intelligent unterhalten zu werden. Ich spende für die Kontrolle von Politik und Wirtschaft, für Demokratie und Meinungsfreiheit. Und: Ich zahle den genannten Organisationen Geld, weil ich diesen Nutzen einfach und komfortabel von ihnen bekomme – weil mir Texte in einer App vorgelesen werden oder weil zwei Menschen mir Informationen in einem Podcast vermitteln, launig und im Dialog. Dafür gebe ich Geld aus. Nicht für die funktionale Dienstleistung “Journalismus”.

Bedauerlichweise haben viele ehemalige Verlagshäuser immer noch nicht verstanden, dass nicht bloße Informationen ihr Produkt sind, sondern dass sie ein eigenes Produkt kreieren müssen; dasss sie Nutzen schaffen und ein Bedürfnis befriedigen müssen; dass sie sich positionieren müssen – mit einer Haltung, in einem Segment, für eine Gruppe.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag von Thomas Knüwer.


Hoch die Hände | Nach zwei Tagen und Nächten in Berlin, zwei Nächten und einem Tag in Wuppertal, 1200 Kilometern auf Schiene und Straße, zu wenig Schlaf und einem Kännchenblogrelaunch freue ich mich auf einen ereignislosen Samstag und einen schönen Sonntag in Dortmund.

Broterwerb | Der gestrige Morgen startete mit der Generalprobe für den Abend. Ich erzählte Wotan Wilke Möhring meine Keynote zu Spielprinzipien und Teamführung.

Laptop auf dem Bett, im Hintergrund an der Wand Wotan Wilke Moehring

Er gab nur sehr subtil Feedback, wirkte aber auch nicht unzufrieden.

Zum Mittagessen traf ich mich mit Holger Frohloff. Holger ist Experte für Softwarequalität und genauso wie ich als Freiberufler unterwegs. Wir kennen uns schon länger von Twitter, und das war nun eine gute Gelegenheit, sich mal zu treffen.

Holger unterstützt in der Webentwicklung, on the job, und macht Code besser. Es geht um Funktionalität und Sicherheitslücken, aber auch darum, wie das Team zusammenarbeitet. Er stellt die Beziehung zwischen Softwarearchitektur und Organisation her. Spannende Sache; wir hatten ein sehr kurzweiliges Mahl.

Am späten Nachmittag ging ich zur Veranstaltungslocation. Wir checkten die Technik und trafen letzte Absprachen.

Dekorierte Dachterrasse, darüber blauer Himmel mit ein paar Wiolken, eine Leinwand

Von der Veranstaltung, dem Berliner Unternehmenstalk, und der Keynote selbst gibt es bald noch einen Beitrag auf meiner beruflichen Website.

Der Abend war ziemlich super, nicht nur wegen der tollen Location, sondern wegen der ganzen Atmosphäre. Ich mag die Berliner einfach. Es war alles sehr familiär und freundlich.

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Heimreise | Heute reiste ich heim. Es war eindeutig ein Ringelshirttag: Die Sonne schien, und ich hatte gute Laune.

Im Spiegel

Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und war äußerst entspannt. Ich arbeitete und führte ein sehr nettes Gespräch mit einem Mitreisenden, der ebenfalls auf einer Veranstaltung in Berlin gewesen war.

In Dortmund nutzte ich die Zeit, kaufte auf dem Heimweg noch Kontaktlinsenreiniger in der Hood, ging zum See und aß ein Spaghettieis.

Phoenixsee

Im Anschluss wollte ich mit dem Bus nach Hause fahren. Doch es gab keinen Bus. Die Baustelle, an der der Bus bislang mittels Ersatzhaltestellen vorbeifuhr, wurde verlegt. Es gab keine Ersatzhaltestellen, keine Buslinie und keine Hoffnung, und so zerrte ich meinen Koffer und meinen Rucksack drei Kilometer nach Hause.

Dabei ist mir aufgefallen, dass Zufußgehen in meiner Stadt nicht wirklich vorgesehen ist, schon gar nicht, dass man dabei etwas zieht oder schiebt. Die Bürgersteige sind marode. Überall gibt es Baustellen, die optimal für den Autoverkehr abgesichert sind, aber als Fußgängerin ist es ein Spießrutenlauf, noch dazu mit Koffer. Ich hatte gar nicht mal so gute Laune danach.

Zu Hause packte ich meine Sachen um, schlief eine Stunde und fuhr zum anderen Kunden die A1 runter, mit dem ich morgen im Workshop bin.

Broterwerb | Mit der Bahn nach Berlin gefahren, mit alternativer Wagenreihung, aber sonst mit allem Komfort: pünktlich, im Ruhebereich mit tatsächlicher Ruhe, mit freundlichen Mitreisenden, angenehm klimatisiert.

Ich verbrachte die Zugfahrt mit Noise-Cancelling-Kopfhörern und Musik, von Ska-Punk bis Klassik, und entspannte hervorragend.

Eine Stunde vor meinem Termin erreichte ich Reinickendorf. So mag ich das: Noch genug Zeit, um einen Kaffee zu trinken, sich die Korrespondenz nochmal anzusehen und ein bisschen nachzudenken.

Auf dem Weg gab es Futter fürs Handballerinnenherz:

Dann hatte ich ein rundherum großartiges Akquisegespräch mit sympathischen Menschen an einem schönen Ort. Zu drei Frauen saßen wir zusammen und haben gemeinsam erzählt und erdacht – das war sehr prima. Ich hoffe, es kommt zur Zusammenarbeit.

Nach dem Termin stolperte ich in Alt-Reinickendorf über einen Waffelladen und war sofort sehr aufgeregt. Geheimwaffel!

Waffel mit Vanilleeis. Darüber der Schriftzug "Geheimwaffel".

7,5 von 10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala: Geschmack in Ordnung, angenehm wenig süß. Allerdings bekommen runde Waffeln per se Punktabzug, und bei der Fluffigkeit war Luft nach oben (im Wortsinne).

***

Landtagswahl | So langsam werde ich sauer. Es dauert stets sehr lange, bis ich richtig sauer werde; wenn es dann aber soweit ist, bin ich es mit Inbrunst und harter Leidenschaft. Was die ganze AfD-Thematik angeht, bin ich inzwischen sehr, sehr sauer.

Ich habe es satt, dass wir so verständnisvoll sind. Dass wir hinterfragen und ergründen, sachlich und emotional, von vorne und von hinten und von der Seite, mit schräg gelegtem Kopf und interessiert vorgebeugt, warum die Menschen AfD wählen. Wir sollten damit aufhören. Nazis wählen Nazis, weil sie Nazis sind. Weil sie verdammte Rassisten sind. Weil sie es wollen. Weil sie ausgrenzen, weil sie vereinfachen, weil sie Modernisierung, Aufklärung und Komplexität ablehnen, weil sie hassen. Weil sie Täter sind und nicht, weil sie Opfer sind.

Es gibt keine tolerierbare Begründung, Nazi zu sein. Ich will keine Rechtfertigung mehr hören, warum jemand AfD wählt. Egal, wie enttäuscht und frustriert er ist, wie sozial ungerecht unsere Gesellschaft bisweilen daherkommt und egal, was den Eltern während der Wiedervereinigung geschehen ist. Es gibt kein Argument und keine Gefühlslage, die es rechtfertigen, ein nationalistisches, rassistisches Arschloch zu sein.

Wir, die Mehrheit, müssen diesen Leuten sagen und zeigen, dass wir das nicht akzeptieren – und dass wir Auseinandersetzung und Offenheit erwarten. Wir müssen gestalten: soziale Zukunft, Umweltschutz, gesellschaftliche Strukturen. Entwicklung der Infrastruktur und der Bildung.

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Jetset-Life | Das Hotelzimmer gibt mir einen Hauch von VIP-Gefühl.

Trotzdem fehlt ein Schreibtisch im Raum. Am Ende ist eben doch nicht alles so glamourös.

//*mit eingeschlafenem Bein und krummem Rücken aus dem Bett gebloggt

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Gelesen | Die New York Times war in Brandenburg unterwegs: German Elections Reveal, and Deepen, a New East-West Divide.

“My parents were around 50 when the wall fell,” said Mario Fitzke, a local car mechanic. “They had such high hopes and were bitterly disappointed and humiliated. And then you see what the refugees get — all the things that we didn’t get. That makes you angry.”

Ich wiederhole mich: keine Begründung, ein Nazi zu sein.

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Probe | Jetzt übe ich nochmal meine Keynote für morgen, obwohl – ja, ich habe das alles schonmal gemacht, aber trotzdem … oh mein Gott, ich bin nervös.

Ich weiß: Das ist gut so. Das schärft die Konzentration und den Fokus. Dennoch frage ich mich, wann endlich die Abgebrühtheit kommt.

Leibesübung | Geschwommen, geschwommen und noch mehr geschwommen. Jedesmal ganz wunderbar, an sonnigen wie auch an bedeckten Tagen, in den vergangenen Wochen rund 30 Kilometer. Heute waren es dreieinhalb, das Wasser war weich und trug sehr schön.

Darüber hinaus hat Herr de Vries mir ein Freischwimmerparadies gezeigt: die Ruhr in Schwerte am Gutshof Wellenbad. Wir saßen während der warmen Tage zunächst auf der Wiese und plauderten. Dann ließen wir uns zu Wasser und schwammen ein ganzes Stück stroman, um uns dann zurücktreiben zu lassen. Es war geschmeidig viel kälter als im Freibad, und wir rochen hinterher magisch nach Ente.

Wiese, Ruhr, im Vordergrund Füße

Ausgesprochen hervorragend, sehr erfrischend. Zehn von zehn Kneipp-Punkte.

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Broterwerb | Nach der Sommerpause beginnt nun der Jahresendspurt. Bis Weihnachten bin ich durchgetaktet. Das ist erfreulich. Als Selbstständige habe ich ein positives Verhältnis zum Thema “Auslastung”. Nicht zwingend jeden Morgen um Sechs, aber im Allgemeinen.

Gleichwohl ist mir bewusst, dass ich zwischendurch durchschnaufen muss. Sonst holt mich das Pensum irgendwann ein. Ich suche gerade nach Tagen und Wochenenden, an denen ich Fünfe gerade sein lasse. Schwierig.

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Rückbau | Telefonkonferenzen eignen sich hervorragend, um Raketen zurückzubauen.

Lego-Rakete, zum Teil auseinandergebaut

Damit ich zwei Stunden lang konzentriert zuzuhören kann, hilft es mir ungemein, wenn meine Hände etwas zu tun haben. Lego zum Beispiel.

Ich finde, das Konzept hat auch außerhalb des Home Office eine Zukunft.

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Angebot für Kinder | “Der Krieg und ich” erzählt, wie Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt haben.

Angebot für Erwachsene | Der großartige Film “Toni Erdmann” ist noch bis zum 9. September in der ARD-Mediathek verfügbar.

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Gelesen | Herr Glumm im Dialog mit der Gräfin

Gelesen | Verschiedene Anbieter versuchen, eine All-in-One-Mobilitätsapp auf den Markt zu bringen (zum Teil €): Bahn, Öffentlicher Nahverkehr, Taxibuchung, E-Scooter und Leihräder. Der Kunde soll Preise und Schnelligkeit der Verbindungen beziehungsweise der Wahl des Verkehrsmittels vergleichen können.

Gelesen | Ein unaufgeregter und aufklärender Beitrag zu den Feuern im Amazonasgebiet und die Folgen für die Umwelt.

Reading in progress | Ich lese gerade “Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben”, in der Klaus Brinkbäumer und Samiha Shafy Hundertjährige und ihren Blick aufs Leben portraitieren. Der New Yorker Roger Angell sagt beispielsweise:

Die Gedanken des Alters sind kurz. Ich folge auch keinen Lehren oder Rezepten, außer vielleicht Walter Cronkites Regeln für alte Männer, die er allerdings nicht vor der Kamera vortrug: Vertraue keinem Furz. Lasse keinen Drink aus. Ignoriere keine Erektion.

Da war mein wunderbarer Kollege Bob Bingham, der in den späten Fünfzigern starb und von einem Freund gefragt wurde, was er vermissen oder was er anders machen würde, wenn er die Chance bekäme. Bob dachte einen Augenblick lang nach und sagte: “Mehr vögeln”.

Mehr vögeln. Mehr Liebe; mehr Nähe; mehr Sex und mehr Romantik. Bringt es zurück, gebt es uns zurück, unbedingt, ganz egal wie alt wir sind.

[…]

Ich glaube ja, dass jeder Mensch auf der Welt heute Nacht mit jemandem zusammen sein möchte, gemeinsam in der Dunkelheit, die süße Wärme einer Hüfte oder eines Fußes oder einer entblößten Schulter in Reichweite. Die von uns, die all dies verloren haben, egal wie alt, verlieren doch nie die Sehnsucht: Seht euch nur unsere Gesichter an. Und wenn es noch einmal zurückkehrt, ergreifen wir es, verblüfft und aufs Neue verwandelt.

Roger war schon weit über 90, als er nach dem Tod seiner Frau seine Lebensgefährtin Peggy kennenlernte.

Waffel-Startup | Während ich heute eigentlich etwas Anderes hätte tun sollen, keimte die Idee eines Waffellokals in mir. In Potsdam war ich in einem Pfannkuchenlokal. Pfannkuchenlokale trifft man häufiger an. Nicht aber Waffellokale.

Es gibt WonderWaffel, aber seien wir ehrlich: Menschen, die Waffeln mit Zeug zukleistern, lieben die Waffel nicht. Sie verstehen nichts von Waffeln und haben das wahre Wesen der Waffel nicht erkannt.

Ich kann mir einen Laden vorstellen, in dem es puristische Waffeln gibt, süß und herzhaft, dazu eine Monatskarte mit Waffelexperimenten.

Man sollte große Waffeln und Waffelhäppchen essen können, dazu guten Kaffee und gute Limonade trinken, zur herzhaften Käsewaffel auch ein lokales Bier. Es sollte großartige Dips geben und für die süße Variante hausgemachte Eissorten, ein Vanilleeeis mit schwarzen Stippen und maximaler Vanilligkeit. Alles natürlich mit viel Liebe kreiert und serviert.

Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Ort der Begegnung, des Beisammenseins und der Freundschaft ist, denn Waffeln haben einen fluffigen, freundlichen, völkberverbindenden Charakter. Es könnte eine italienische und eine syrische Waffel geben, es könnte ein Kartoffel- und eine Kürbiswaffel und eine süße, russische Quarkwaffel geben.

Es sollte ein Ort sein, an dem Menschen sich gerne aufhalten und an dem sie gerne aufgehalten werden, mit Büchern und Lesungen, mit Workshops und einem jährlichen Waffelcamp, in dem Waffelliebhaber von überallher zusammenkommen.

Das alles könnte ich mir gut vorstellen.

Ich habe mir mal zwei Domains gesichert. Vielleicht werde ich sie irgendwann brauchen.

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Broterwerb | Dann habe ich doch noch etwas Anderes gemacht, nämlich meine Keynote für den 6. Berliner Unternehmenstalk vorbereitet. Der findet Anfang September statt. Der Vortrag hat den Titel: “Level up! Wie uns Game-Prinzipien bei der Führung helfen”.

Es wird darum gehen, wie uns Rollen und Persönlichkeiten in der Arbeit beeinflussen, wie gute Teams funktionieren und welche unterschiedlichen Dinge uns motivieren. Ich werde Beispiele zeigen, wie man Spiel-Elemente in Unternehmen nutzen kann.

Spoiler: Es kommen gifs drin vor.

Im Zuge dessen habe ich die Termine auf meiner Website aktualisiert. Christian von der Webworkmanufaktur hat mir dazu das Backend optimiert, also den Ort, wo ich die Termine einpflege. Ich kann Termine jetzt strukturierter eingeben, so sieht das aus:

Wenn sie abgelaufen sind, wandern sie automatisch in die Kategorie der vergangenen Veranstaltungen. Das ist super. So ist immer alles aktuell.

Wir haben noch weitere Verbesserungen vorgenommen. Unter anderem werde ich eine Seite mit Referenzen aufbauen. Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahre im Geschäft und habe für 19 Kunden gearbeitet. Vielleicht mag der ein oder andere mir eine Referenz geben. Dann können Interessenten sich einen besseren Eindruck verschaffen, was ich so tue.

Eigentlich müsste ich die Seite noch mehr überarbeiten, vor allem inhaltlich, denn mein Profil hat sich inzwischen deutlich geschärft. Nun denn. Wenn Zeit ist.

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Gelesen und ausprobiert | So pendelt Deutschland. Spannend.

Gelesen | Selbstständigkeit: Schwanger in die Pleite. In dem ganzen Artikel kommt mit keiner Silbe der Vater des Kindes vor.

Gelesen | Rheinbad Düsseldorf: Was von der Randale übrig bleibt. Keine Vergehen von Migranten.

Mein zweites Mitbringsel aus Brandenburg: eine Podcastfolge mit Fotograf und Blogger Matthias Haltenhof.

Nachdem ich zuvor mit Audio-Produzentin Katja Reister gesprochen hatte, gesellte sich Matthias zu mir. Matthias betreibt in Fotoblog und lebt davon.

Wir haben übers Bloggen als Beruf geredet und über Matthias’ Leidenschaft für Fotografie. Er gibt Tipps für gute Fotos. Außerdem haben wir über Matthias’ Hochsensibilität gesprochen.

Viel Spaß beim Zuhören!

Shownotes:

Matthias Haltenhof FotografieBlog: Healthy HabbitsHSP Test: Bin ich hochsensibel?

Die Folge bei Podigee und bei Soundcloud und als mp3 zum Download.

Göttlicher Nachbar | Im Haus gegenüber wohnt ein Hund. Ich sah ihn heute öfter, weil ich auf dem Balkon saß und Mariana Leky las.

Es ist ein massiger Hund, kompakt und muskulös, ein Boxermischling, vielleicht mit Pitbull, vielleicht mit Mastiff, ich kenne mich damit nicht aus. Er heißt, wie er aussieht: Thor. Benannt nach dem Donnergott.

Wenn Thor ein Gott ist, dann allerdings ein sehr ruhiger, denn er donnert nicht, er ist höchstens vom Donner gerührt. Mit hängenden Lefzen steht er hinter dem Zaun und schaut dem Geschehen auf der Straße zu. Wenn man seinen Namen ruft, wedelt er sanft, seufzt dann und kommt getrottet, als habe man ihn bei etwas Wichtigem gestört.

Ich mag Thor. Er sieht gefährlich aus und heißt gefährlich. Innerlich fühlt er sich bestimmt auch sehr gefährlich. Im Herzen aber ist er ein barmherziger Gott, für den die Welt sich immer etwas zu schnell dreht.

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Schwimmen | In den vergangenen zehn Tagen bin ich zehn Kilometer geschwommen, davon drei Kilometer heute. Es ging wunderbar fluffig von der Hand beziehungsweise aus den Armen und aus den Beinen. Mittlerweile ist es so, dass ich prima Kraul schwimme, mindestens die Hälfte der Strecke. Ich habe einen guten Atemrhythmus, die Leine zieht an mir vorbei, ich kann eine schnelle Frequenz schwimmen oder mehr gleiten. Ich erfreue mich daran.

Das Schöne am Schwimmen ist, dass, während ich schwimme, niemand etwas von mir will. Niemand kann mich anrufen oder mir eine WhatsApp schreiben, ich muss nichts tun außer schwimmen und atmen. Beim Handball war es hingegen so, dass ich ständig einen Ball zugeworfen bekam, fast schon unangenehm oft. Alle erwarteten dann, dass ich etwas damit tat, etwas Dringliches und Hektisches, etwas, das Können erforderte, das fürchterlich schief gehen konnte und meist unerfreulich wehtat. Beim Schwimmen muss ich nur schwimmen. Gelegentlich gibt es Mitschwimmer, die möchten, dass ich mehr links oder mehr rechts schwimme. Das sind überschaubare Anforderungen; nichts, das Unannehmlichkeiten nach sich zieht.

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Bewaffelung | Abends bewaffelte ich einige Handballveteraninnen. Es gab herzhafte Waffeln mit Gemüse. Die Damen brachten Dips mit.

Eckige Waffeln auf dem Terrassentisch. Man sieht grüne und organgene Stippen in den Waffeln.

Falls Sie es mir nachtun möchten:

280 Gramm Butter
8 Eier
1 TL Salz
400 Gramm Mehl
200 ml blubberndes Mineralwasser
Streukäse
Zeugs nach Wahl

Die Menge des Streukäses variiert nach Ihrem Geschmack. Ich nehme eine Packung, 200 Gramm. Das Originalrezept sieht weniger vor, aber was soll man mit dem Rest sonst machen.

Als “Zeugs” kann man geriebene Zucchini nehmen, auch Porree, Möhre, Paprika oder Schnittlauch oder alles durcheinander. Salami oder Schinken gehen bestimmt auch, habe ich aber noch nicht ausprobiert. Vielleicht muss man dann das Salz weglassen.

Broterwerb | Ich befinde mich in der Post-Urlaubs-Arbeitsakklimatisierung. Nach meiner kleinen Deutschlandreise bin ich diese Woche daheim und pruschele vor mich hin, halb arbeitend, halb freizeitend.

Gestern hatte ich mein erstes Kundengespräch seit zweieinhalb Wochen. Ich war nicht verwirrt und habe ganze Sätze gebildet. Das macht Hoffnung auf die kommende Woche, wieder richtig losgeht.

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Verspannungen | Aber emotional.

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Gebucht | Vom 2. bis 4. September bin ich in Berlin. Eine Limo am Montagabend oder ein Mittagessen am Dienstag – mag wer?

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Dichter dran | Unter dem Hashtag #dichterdran schreiben Frauen über männliche Schriftsteller, so wie männliche Kritiker sonst nur über Autorinnen schreiben. Sehr erheiternd.

Kostproben:

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Gelesen | Die New York Times stellt in Grafiken dar, wie weiße Extremisten sich gegenseitig zu Attentaten inspirieren, in Europa, den USA und darüber hinaus.

Ich bin übrigens kurz davor, ein Abo für die NYT abzuschließen. Die macht einen echt guten Job; ich bin jetzt schon reichlich oft vor die Paywall gelaufen. Eigentlich verrückt: in Dortmund wohnen und keine Lokalzeitung abonnieren, dafür aber die New York Times, weil sie mir relevantere Informationen liefert.

Gelesen | Facepalm des Tages: Männer vermeiden umweltfreundliches Verhalten, um nicht für schwul gehalten zu werden. Wiederverwendbare Einkaufsbeutel mit sich zu führen, sei zu feminin.

Marathonsitzung | Nachdem ich am Donnerstag dachte, es sei Freitag und ich könne zum Frisör gehen, war am Freitag tatsächlich Freitag, und ich ging zum Frisör.

Der Frisör machte auf Orthopäde: Ich musste erstmal zwei Stunden warten, bis ich drankam. Denn der Freitag ist der Tag ohne Termine. Da kommt man dran, wenn man drankommt.

Vielleicht möchten Sie einwenden, ich solle besser an einem Tag mit Termin gehen. Termine bietet mein Frisör allerdings nur dienstags bis donnerstags an, montags nicht, freitags nicht, und am Samstag ist der Laden geschlossen. Das macht die ganze Unternehmung stets zu einem mittleren Projekt, denn an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag kann ich nur selten. Am besten kann ich an einem Samstag, aber – siehe oben.

Gleichzeitig macht mein Haar-Buddy meine Haare wirklich gut, weshalb ich davor zurückschrecke, mir einen neuen zu suchen. Ich habe schon viel Elend auf meinem Kopf erleben müssen, und auch wenn ich nicht allzu eitel bin – ich möchte nicht 90 Euro dafür ausgeben, dass ich verunglückt aussehe.

Positiv lässt sich an den viereinhalb Stunden beim Frisör verbuchen, dass ich mein Buch durchlas. Es heißt “Wenn Martha tanzt”. Ich kaufte es in Berlin, es spielt in Weimar, wo ich vor zwei Wochen Station gemacht hatte. Protagonistin ist Martha, die in Pommern aufwächst und zum Studium ans Bauhaus geht. Eine auf 260 Seiten erzählte, kleine Geschichte, deren ersten 200 Seiten auch sehr gut sind. Dann endet sie leider für meinen Geschmack zu verschwurbelt und zu schwülstig. Dennoch: kann man gut lesen. Besonders der über weite Teile sachliche, leicht technokratische Stil gefällt mir.

Außerdem vervierfachte ich während Wartezeit und Behandlung meinen Dots-Highscore. Kurz vor dem Haareschneiden spielte ich ein legendäres Game mit unzähligen Rechtecken, die ich in Rekordgeschwindigkeit verschwinden ließ.

Ich sehe jetzt auch wieder passabel aus.

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Zum Tod von Mme ReadOn | Mme ReadOn hat sich das Leben genommen. Ende Mai hat der Spiegel Recherchen veröffentlicht, nach denen die Blogggeschichten über ihre jüdische Familie erfunden seien. Auch habe sie falsche Opferdokumente bei der Gedenkstätte Yad Vashem eingereicht. Mme ReadOn war promovierte Historikerin.

Reflexionen: Die Kaltmamsell: Elemente einer TragödieThe Irish Times: The life and tragic death of Trinity graduate and writer Sophie HingstLaura Hertreiter in der SZ: Zweifel am ZweifelCarolin Emcke in der SZ: Die ethische Last journalistischer Arbeit

Der Autor des Spiegel-Artikels, Martin Doerry, der die Täuschung Hingsts veröffentlichte, nimmt Stellung: Warum der SPIEGEL über den Fall Marie Sophie Hingst berichten musste. Lea Rosh, die Vorsitzende des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, kritisiert Doerrys Arbeit; er hätte ihre Erkrankung erwähnen sollen.

Ich kannte weder Mme ReadOn persönlich, noch ist öffentlich bekannt, unter welcher Erkrankung sie litt. Ich möchte dennoch einige Gedanken äußern – unabhängig vom konkreten Fall, nur anlässlich.

Es ist in diesem Blog nicht bekannt, aber ich habe weitreichende Erfahrungen als Angehörige psychisch kranker Menschen, unter anderem eines schizophren-psychotischen Menschen. Die aufgebaute Realität ist für diesen Menschen so sehr eigene Wirklichkeit, dass nicht nur jedes Gegenargument an ihm abperlt; jeder präsentierte Beleg, jede Prämisse überzeugt ihn noch mehr darin, der missverstandene Hüter der Wahrheit zu sein.

Beweise und Schlüsse nimmt er deshalb nicht als Entlarvung wahr, der er nachgeben und aufgrund derer er aufgeben und sich in Behandlung begeben sollte; die Argumente bestärken ihn in seiner Wahrnehmung, verkannt zu sein. Und: Sie sind Angriffe auf sein Inneres. Denn die Krankheitswirklichkeit hat nicht nur ihre eigene, in sich schlüssige Logik, die alles Äußere abwehrt. Sie ist nach schleichender Chronifzierung auch so sehr in die Identität des Kranken integriert, dass jeder Angriff auf die Logik seiner Welt ein Angriff auf sein fragiles, mit ständigen Dissonanzen kämpfendes Selbst ist.

Der erkrankte Mensch ist in der Lage, seine Wahrnehmung geschickt zu verargumentieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für unerfahrene Dritte deshalb schwierig ist zu erkennen, dass sein Reden und Handeln einer Erkrankung entspringt. Denn wie kann jemand, der sich gewandt äußert und geistig hellwach ist, krank sein, wo doch Krankheit im Allgemeinen von Einschränkung und Unvermögen begleitet ist? Der Unerfahrene kommt nicht darauf, dass in diesem Fall gerade das Vermögen die Krankheit ist. Er hält den Kranken für ignorant und unbelehrbar – im schlechten Fall für dreist und kriminell, im besten Fall nur für wunderlich. Nicht aber für krank.

Es gehört zum Wesen solch schizophren-psychotischer Realitätskonstruktionen – man kann es sich denken -, dass keine Krankheitseinsicht besteht. Wer also sagt, man müsse dem oder der Kranken Hilfe angedeihen lassen, kennt die Mechanismen der Krankheit nicht; er setzt voraus, dass der Kranke die Hilfe auch annimmt.

“Der Gesetzgeber sieht vor, dass jeder Mensch das Recht auf seine eigene Psychose hat”, sagte einmal ein Gutachter des sozialpsychiatrischen Dienstes zu mir. Nur wer sich selbst oder Dritte gefährdet, kann zur Annahme von Hilfe gezwungen werden; doch das geht erst, wenn der Kranke bereits gefährdend gehandelt hat.

Der kranke Mensch ist in Verantwortung für seine Krankheit, obwohl die Krankheit ihn in dieser Verantwortung einschränkt. Es gibt keine Auflösung für diesen Widerspruch. Denn die Alternative wäre eine Einschränkung der Freiheitsrechte für alle, die wunderlich sind, ohne krank zu sein. Wer mag beurteilen, wo die Grenze ist?

Das macht wütend. Es macht sprach- und hilflos. Weil es keine Hilfe gibt, die man leisten kann.

Soll nun über Handlungen psychisch Kranker nicht berichtet werden, eben weil sie krank sind? Nein. Aufgabe von Journalismus ist es, Öffentlichkeit herzustellen und diejenigen sprachfähig zu machen, die sich nicht selbst äußern können – die Opfer der Täuschung, in dem Fall die Opfer des Holocausts un ihre Familie. Die Tragik liegt wohl darin, dass auch die Täuschende eine Getäuschte war.



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