Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Freibad | Zwischen Frühstück und einem Tantenbesuch eilte ich am Sonntag ins Freibad, die letzten Öffnungstage ausnutzen.

Das Schwimmerbecken ist gesäumt von Bänken. Auf den Bänken saßen, aufgereiht wie Stare auf der Hochspannungsleitung, Senioren. In Grüppchen plauschten sie, einander zugeneigt; die Damen, sowohl drall als auch hager, in blumigen Badeanzügen, die Haut gegerbt und übersät mit Alterflecken; die Herren, kugelig oder faltig, die Badehose klein, die Beinvenen groß. Die wenigstens sind hier, um ins Becken zu gehen, vielleicht kurz anfeuchten. Sie sitzen dort, um zu sitzen, um zu schauen; um zu reden – aber nur, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt.

Neben dem Becken ist ein Häuschen. „Warmwasserduschen“ steht in orange-brauner Schrift über den beiden Türen, eine für Damen, eine für Herren. Eine Minute kostet zehn Cent, mit drei Minuten kommt man gut aus. Unter der Dusche schrubbt sich eine alte Frau; wo sie Badenazug trug, ist die Haut weiß. In den vergangenen vier Monaten sei sie jeden Tag hergekommen, immer zur selben Zeit. Jetzt müsse sie sich wieder eine andere Beschäftigung suchen – und auch wieder zu Hause duschen. Ihre Dusche habe sie seit Mai nicht mehr benutzt.

Auch ich werde wehmütig. Acht Monate ohne Freibad stehen bevor.

Freibad

Danke | Herzlichen Dank an die Leserin SF für die großzügige Zuwendung in die Kaffeekasse! Sie wird in Form von Eisbechern auch an den Reiseleiter und die Kinder gehen, im Urlaub, in original Gelato-Ambiente.

Die Urlaubsvorbereitungen laufen. Alsbald werde ich für drei Wochen nach Italien reisen. Über den Comer See fahre ich bis in die Abruzzen, anschließend über die Toskana wieder zurück nach Deutschland. Auf meinem Nachtschrank liegt bereits ein Bücherstapel für diese Zeit. Ich habe vor, viel zu lesen, nichts zu arbeiten und durch die Tage zu treiben. Eine großzügige Woche lang werden der Reiseleiter und die Kinder dazukommen: Ich werde sie in Rom abholen, und wir wollen Zeit in den Abruzzen verbringen, in den Bergen mit Nähe zum Meer.

Sie dürfen mich hier im Kännchencafé gerne wieder begleiten, das hat ja Tradition.


Broterwerb |  Ich habe einen Keynote-Vortrag gehalten – nach langer Zeit mal wieder. Die letzte Buchung war vor der Pandemie. Schön, dass das nun wieder stattfindet. Ich schlug einen Bogen von Homeoffice, New Work hin zu großen Veränderungen, sprach darüber, was Veränderungen emotional für uns bedeuten, woher Widerstand kommt und dass Change Management viel damit zu tun hat, die Geschwindigkeit zu steuern, mit der wir dem Wandel begegnen.

Ich blieb in Köln und nutzte den Abend für einen kurzen Bummel.

Einige Aspekte aus dem Vortrag werde ich in meinen nächsten Newsletter mitnehmen. Besonders das Thema „Geschwindigkeit“ liegt mir am Herzen – und „Energie dort nutzen, wo sie frei wird“. Hier geht’s zur Anmeldung.

Vor dem Vortrag habe ich mir zwei Einheiten Stimmtraining bei Rebecca Könen gegönnt. Das war sehr lehrreich – und auch sehr anstrengend. Zunächst habe ich gelernt, so zu atmen, dass meine Stimme bei Anspannung nicht gepresst wirkt. Dafür gibt’s eine einfache Technik; als Rebecca sie mir erklärte und ich es ausprobierte, war sofort klar, wie es funktioniert. Wir haben Entspannungsübungen für den Sprechapparat gemacht. Den Großteil der Zeit haben wir aber am Text gearbeitet, haben meine Stimme trainiert, an Betonungen geübt, Brücken zwischen Wörtern geschlagen. Uff! Das war fordernd, aber auch sehr gut.


Aufträge klären | Ich habe einen Text geschrieben: Zehn Fragen, die helfen, Aufträge zu klären, die einem über den Zaun geworfen oder auf den Schreibtisch gekippt werden – damit am Ende etwas Gutes rauskommt, und man nicht den Schwarzen Peter hat. Die Fragen helfen auch, mit unpräzisen Erwartungen umzugehen: Ich habe einen Auftrag. Oder doch nicht? Checkliste zur Auftragsklärung


Zustand der Welt #1 | Verdunstung lässt Europa austrocknen

„Verdunstung ist nicht so intuitiv wie Regen“, sagt Seneviratne. Dabei sei die vor allem in Europa oft die entscheidende Größe für Trockenheit und Dürre. Man kennt das vom Wäscheaufhängen: Am schnellsten trocknen die Hemden, wenn es heiß, sonnig, trocken und windig ist. […]

Doch kaum jemand nimmt die Bedrohung wahr, die sich seit Wochen anbahnt. Stattdessen genießen die Menschen das endlose Badewetter, sonnen sich auf verdorrenden Wiesen und kühlen sich in Flüssen, die immer weniger Wasser führen. Braun gebrannt sehen die Deutschen ihrem Land beim Austrocknen zu.

Zustand der Welt #2 | Regierung bereitet Frankreich auf den Atom-Blackout vor

Die französische Regierung hat die halbstaatliche Elektrizitätsgesellschaft Electricite de France unter Druck gesetzt, 32 Atomreaktoren innerhalb weniger Monate wieder in Betrieb zu nehmen. […] Die französische Regierung bestätigt damit, dass für sie Sicherheitsfragen bei Atomkraftwerken zweitrangig sind. […]

So muss die EDF derzeit auch für die teure Kühlung von 32 abgeschalteten Meilern den internationalen Strommarkt abgrasen. Frankreich treibt mit seinem enormen Stromhunger derzeit die Strompreise in ganz Europa hoch. Sogar um Mitternacht von Samstag auf Sonntag importierte das Land 9,5 Gigawatt von seinen Nachbarn, wie beim französischen Netzbetreiber RTE nachvollzogen werden kann. Am Freitag waren es in der Spitze sogar fast 13 Gigawatt, mehr als die Hälfte dessen, was die altersschwachen Atomkraftwerke im Land noch liefern können.

Zustand der Welt #3 | Heatwave in China is the most severe ever recorded in the world

Thousands of factories in the province have had to cease operations because of electricity shortages amid high demand for air conditioning. Offices and shopping malls were also told to reduce lighting and air conditioning to save power.

In Sichuan alone, 47,000 hectares of crops are reported to have been lost and another 433,000 hectares damaged. 

Zustand der Welt #4 | Derweil ist auch der Amazonas-Urwald am Kipppunkt. Ursache sind die größten Rodungen der Geschichte, getrieben vor allem durch die Viehhaltung der Fleisch produzierenden Industrien: Foreign capital powers Brazil’s meatpackers and helps deforest the Amazon

It’s largely accepted that clearing land for cattle accounts for 70% of Amazon deforestation, with the rate of rainforest cutting accelerating drastically since President Jair Bolsonaro took office at the start of 2019. Between August 2020 and July 2021, 13,235 square kilometers (5,110 square miles) were lost, the highest level since 2006. That devastation is likely to increase in 2022, undermining the Amazon’s vital carbon storage capacity.

Fröhlicheres kann ich grad nicht anbieten.


Na sowas | Der jüngst verstorbene Christian Ströbele besaß die Rechte an der Originalübertragung des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 1954: „… Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!“

Sofern die Übertragung nicht im Ersten Programm wiederholt wird, musste mit Christian Ströbele verhandelt werden. Er war der Neffe des Fußballreporters Herbert Zimmermann. Die erzielten Gelder spendete Ströbele (Quelle).


Stern des Nordens | Stichwort „Fußball“: Ich stand an der Wiege des BVB. Das war aber nicht das Thema, sondern es ging um Arbeiterwohnungsbau in Dortmund. Die Führung hat mir die Dorfnachbarin geschenkt – zu ihrem Geburtstag.

Die Dorfnachbarin hat mit Corona eine neue Tradition eingeführt: Geburtstag feiern durch Umherlaufen. In den vergangenen Jahren waren wir abstandsgetreu wandern, diesmal spendierte sie eine Führung durch den Dortmunder Norden, rund um das Hoesch-Gelände. Spannend! Von (Ver-)Führerin Annette erfuhren wir, wie der Dortmunder Norden als Arbeiterstadt rund um die Westfalenhütte entstand und warum viele der Altbauten heute noch stehen und nicht den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fielen: Weil die Karrées wie ein Pfeil auf die Westfalenhütte zeigten, 1a-Orientierungspunkte für die Piloten, die dadurch ihr Ziel fanden.

Die Führung endete in einem Nussladen – später in einer Weinwirtschaft und danach noch auf der Terrasse der Dorfnachbarin. Am nächsten Tag hatte ich Jetlag.


Und sonst | Zu Beginn des Sommers kaufte ich einen handgroßen Feigenbaum. Inzwischen geht er mir bis zur Brust und trägt Früchte. Wenn das so weitergeht, erwarte ich für die kommenden Jahre Großes, sehr Großes (immer vorausgesetzt, dass wir noch Wasser haben und uns keine Atomkraftwerke um die Ohren fliegen).

Feigenbaum mit Feigen (noch grün)

Am Donnerstag soll es Regen geben. Reichlich und hoffentlich tatsächlich. Er war schon oft angekündigt.

Meeting-o-Meter | Jeder kennt’s: Meetings sind manchmal ineffizient. Viel verbrauchte Luft, wenig Ergebnis. Wenn’s grad mal wieder zäh ist, können Sie mit meinem Meeting-o-Meter ausrechnen, was das Zusammenhocken Sie gerade kostet – inklusive Beleg zum Verschicken. Danke an Christian fürs Programmieren!


Schwimmen | Montag und Teile des Dienstags habe ich beim Kunden verbracht. Auf dem Heimweg habe ich am Freibad angehalten und bin ausgiebig geschwommen. Die 2000 Meter gehen wieder locker von der Hand; am Anfang der Saison war das noch anders. Leider schließen die ersten Freibäder in einer Woche schon und beenden ihre Saison, auch wenn das angesichts der Temperaturen surreal erscheint.


Energie, fossile | Ich habe überschlagen, wie es ausschaut, wenn der Gaspreis um das Vierfache steigen sollte (These der Energieökonomin Claudia Kemfert) – und noch dazu der Strompreis. Das ist sehr, sehr unerfreulich. Ich bin zurzeit in der glücklichen und sehr privilegierten Situation, dass das alles irgendwie stemmbar wäre, aber die Summen sind einfach absurd hoch, und ich sehe wenig Potential, relevante Mengen an Gas oder Strom einzusparen. Natürlich, ein paar Stellschrauben gibt es immer, aber weder habe ich bislang zwanzigminütige Heißduschorgien veranstaltet noch meine Wohnung zur Sauna hochgeheizt.

Größere, investitionsintensive Maßnahmen – Photovoltaik, Dämmung, Wärmepumpe – sind in meinem Fall nur sehr langfristig denkbar. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus, das wärmetechnisch mit einem anderen Mehrfamilienhaus zusammenhängt. Dahinter stehen zwei Eigentümergemeinschaften, deren Mitglieder unterschiedliche Interessen verfolgen, unterschiedlich zukunftsorientiert und investitionsfreudig sind. Das ist schonmal ein Riesenhemmnis. Überdies ist eine Umstellung auf Wärmepumpe baulich herausfordernd (Verteilungsverluste und Heizkreistemperaturen in zwei Mehrfamilienhäusern mit je acht Wohnungen … ich habe das bislang nur angelesen). An die initiale Bürokratie und dauerhafte Administration des Ganzen will ich gar nicht denken.

Ich schreibe das hier so ausführlich, weil es politisch ist. Wenn wir die Klimakatastrophe irgendwie begrenzen und derlei Investitionen fördern wollen, brauchen wir Modelle und Anreize, die es einfach machen. Im Kontext Photovoltaik könnte ich mir sowas vorstellen wie: Es gibt eine – kommunale, bundesweite, genossenschaftliche, wie auch immer – Organisation, an die man seine Dachfläche vermietet. Die ist groß bei uns und noch dazu super ausgerichtet. Die Organisation baut dann Photovoltaik drauf und die Eigentümergemeinschaft kriegt Mieteinnahmen für die Fläche oder günstig Strom, wie auch immer. Jedenfalls: Sowas versteht jeder, und die Eigentümergemeinschaft muss sich nur minimal einig sein und kümmern.


Wind | Habe jetzt einen Ventilator im Arbeitszimmer. Best investierte 30 Euro des Jahres.


Hamm | Am Wochenende: Ausflug zum Maximilianpark in Hamm. Viele Spielplätze mit und ohne Wasser, zum Klettern, Schaukeln und Hüpfen, üppige Staudenbeete und ein großer Teich, alles sehr gepflegt. Der Eintrittspreis ist moderat, gerade wenn man sich den ganzen Tag dort aufhält und sich Picknick mitbringt. Kann man gut machen.

Teich

Dring!! Dring!!! | Seit Tagen nervt mich die Nina-Warn-App mit Meldungen zu Geruchsbelästigungen. Liegt da jemand auf der Fernbedienung? Ich musste sie leider runterschmeißen, das geht so nicht.


Die Landwirtschaft | Der Garten knistert vor sich hin. Während ich in Rostock war, hat es einmal kräftig geregnet, die Regentonne ist vollgelaufen. Aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Dem Gewächshaus geht es dennoch prima. Vor Rostock habe ich acht Gurken geernet. Jetzt sind wieder sechs fertig. Wird man irgendwann zur Gurke, wenn man täglich Gurken isst? Die Tomaten eskalieren auch. Der Kürbis will weiter mit dem Kopf durch die Wand Zaunlatten.


Gelesen | Das Abflusssieb als Metapher für die Menschheit

Gelesen | Nils Hitze über sich, seine Frau und seine neun Kinder: Hab ich mir anders vorgestellt.


Und sonst | Noch fünf Wochen bis Urlaub.

Ein Ausflug nach Rostock | Anfang der Woche fuhr ich nach Rostock. Management Summary: Tolle Stadt. Guten Workshop gemacht. Strand gesehen.

Strand von Warnemünde in Panoramaaufnahme, Sonnenuntergang

Ein kurzer Ritt durch die Ereignisse, beginnend mit An- und Abreise. Die Rückfahrt verlief trotz dreier Umstiege reibungslos pünktlich. Na gut, zwischen Schwerin und Hamburg musste mein Waggon evakuiert werden – Klimaanlage kaputt und keine Frischluftzufuhr. Im Zug von Hannover nach Hamm war in meinem Waggon ebenfalls die Klimaanlage kaputt, „aber Sie können sich setzen, die Frischluftzufuhr funktioniert, es ist nur ein bisschen warm.“ Ein Zwergelefant aus Borneo hätte es bestimmt „nur ein bisschen“ warm gefunden; für alle anderen war es brühheiß.

Die Hinreise können Sie in einem Thread auf Twitter nachlesen.

Rostock hat direkt mein Herz erobert: Trambahnfahrt am Rathaus und dem Neuen Markt vorbei in die Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Hotel fußläufig zum Wasser, zum Kunden und zum Veranstaltungsort. Alles hübsch überschaubar und voller Hanse-Charme. Ich fühlte mich von der Stadt emotional abgeholt. Ich fuhr auch nach Warnemünde – mit der S-Bahn bis fast an den Strand.

Gearbeitet habe ich zwischendurch auch: einen Tag im Büro des Kunden, zwei Tage Workshop im Hotel. Jeweils mit Blick aufs Wasser. Geschäftsreisen an die Ostsee scheinen mir ein Konzept zu sein, das ich ausbauen sollte.

Bemerknisse:

  • Schiffe gucken beruhigt ungemein.
  • Warnemünde verfügt über ein ähnlich illusteres Publikum wie Dortmund, nur ohne Leute mit Migrationshintergrund, dafür mit Menschen aus Sachsen. Bandbreite von „Polohemd mit hoch gestelltem Kragen und Segelschuhen“ bis zur Familie mit Fluppe auf’m Zahn und „Fresse da hinten im Bollerwagen! Es gibt gleich Pommes!“
  • Die Nicolaikirche wird bewohnt, ist aber nicht entweiht: Im Turm sind Büros, unterm Dach Wohnungen, und im KIrchenschiff finden Gottesdienste und Konzerte statt. Spannendes Konzept.
  • Im Petrikeller kann man intensiv trinken. Ich habe das angetestet, Stichwort „Metgebräu“, aber nicht weiter verfolgt, Stichwort „Kopfschmerzen“.

Heiß | Heute war der erste Tag dieser Woche, an dem ich nicht durchgehend schwitzte. In Rostock fühlte ich mich wie ein Pritt-Stift: Schon kurz nach dem Frühstück klebte alles an mir. Die Hitze legte sich über Bewegungen und Gedanken. Nur die Klimaanlage des Hotelzimmers kam gegen die Schwüle an, so dass ich immerhin gut schlafen konnte. Ich sehnte ein Freibad herbei – oder auch nur ein Tauchbecken.


Broterwerb, zurückliegend | Das Graduiertenkolleg „Privacy and Trust for Mobile Users” ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zwischen Doktorand:innen aus Informatik, Rechtswissenschaft, Soziologie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. Für die weiblichen Mitglieder habe ich im Juni einen Seminarworkshop gestaltet – Workshop for Female RTG members: “Moderating with Confidence” with Dr. Vanessa Giese. Gerade in der interdisziplinären Arbeit gibt es so einige Haken und Ösen; eine gute Moderation von Gesprächen und Projektreffen kann Missverständnissen vorbeugen und Konflikte vermeiden. Gerade das wissenschaftliche Umfeld ist zudem von Besonderheiten geprägt, die sowohl Haltung als auch Fingerspitzengefühl erfordern.


Barcamp Dangast | Wir bleiben im Strandkontext: Am 17. September findet wieder ein Barcamp Dangast statt – in den Räumen des Weltnaturerbes Wattenmeer. Eine kleine Konferenz, die Agenda entsteht am Vormittag. Direkt am Strand treffen sich Menschen und tauschen Wissen und Erfahrungen aus. Ich bin dabei. Themen: offen. Ziel: dort sein, aufs Watt gucken, nette Menschen und am Ende des Tages schwimmen gehen. Denn dann ist Flut.

Mit dabei sind (unter anderem) Frank, Christian, Annette. Es sind noch Plätze frei! Kosten: ein paar Euro für den Raum. Verpflegung und Unterkunft trägt jeder selbst. Verbindliche Anmeldungen unter barcampdangast@ewe.net.

Historisches Bilddokument aus 2018:

Dangast: Am Stand mit Milchkaffee und Cola

Zum Barcamp in Dangast regnet es traditionell. Ich hoffe es innig. In Dortmund weiterhin seit Wochen kein Tropfen. Die Dürre macht Angst vor der Zukunft.


Gelesen | Stefan Rahmsdorf, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, beschreibt sachlich und verständlich auf 18 Seiten, was eine Klimaerwärmung um drei Grad bedeutet. Spoiler: nichts Gutes.

Gelesen | Warum es sinnvoll ist, mit der Hand zu schreiben

Schatöchen | Manche Unternehmungen sind mehr als andere dazu geeignet, ihre Akteure mit Erinnerungen zu munitionieren für die fernen Tage, in denen sie hüftsteif und reisesatt in einem Lehnsessel sitzen. Zu diesen Unternehmungen gehören zweifellos die Ausflüge aufs Schatöchen, die 2018 ihren Anfang nahmen.

Der letzte Ausflug ist drei Jahre her. Seuchenbedingt mussten wir 2020 und 2021 vorbeiziehen lassen; nun war es daran, den bereits Ende 2019 bezahlten Aufenthalt endlich abzuwohnen. Im vergangenen Wochenende reiste ich wieder dorthin, gemeinsam mit drei Handvoll Freunden.

Was werden wir uns erzählen, wenn wir in vierzig Jahre im Sessel sitzen, die Augen trüb, aber die Erinnerungen klar?

Weißt du noch, das Unwetter? Als wir bei 38 Grad Grad dort ankamen und wir uns nachts mit wehendem Gewand gegen die Fenster des Schlosses stemmten?

Wir werden uns daran erinnern, wie das Wasser in die Zimmer lief und wir versuchten, in der stockfinsteren Nacht die Flügel zu schließen, während Regen prasselte und Blitze die Szenerie erhellten. Der Wind drückte gegen die Fenster, und es dauerte, bis es uns gelang, die Mechanik zu überwinden und sie zuzudrücken.

Weißt du noch, wie wir uns die Leiste zerrten, während wir versuchten, das Einhorn zuzureiten?

Wir werden uns daran erinnern, wie wir uns erst den Arm lahm pumpten, um Herbert, das zwei Meter dreißig lange und ein Meter breite Gay Pride Unicorn, zu Wasser zu lassen. Wie wir zunächst erfolglos versuchten aufzusitzen, bis wir den Bogen raus hatten: Man durfte nicht zu weit vorne aufsteigen und musste seinen Po schwungvoll-beherzt, aber ohne hastige Überstürztheit in der Rückenmitte platzieren und sich sofort gegen den Schweif lehnen.

Weißt du noch, der Notarzteinsatz?

Wir werden uns daran erinnern, wie ich mir beim Ausstieg aus dem Pool den Fuß anschlug, und wir dachten, ich hätte mir den Zeh amputiert. Dabei war es nur ein Nagel. Die Ameisen waren sehr interessiert am üppig tropfenden Blut. Schließlich kam der Zahnarzt, legte einen Druckverband an, und die Sache fand ein zwischenzeitliches Ende. Details verbleiben im Nebel der Erinnerung.

Weißt du noch, wie wir aßen und tranken?

Wir werden uns daran erinnern, wie wir gemeinsam in der Küche standen und die Mahlzeiten zubereiteten, wie wir Gemüse schnitten und Feta würzten, wie wir Eintopf und Nudeln kochten, Kartoffel schälten und Gratin buken, wie wir alles hinaus trugen auf die lange Tafel vor dem Pool, wie wir die Töpfe und Platten herumreichten, bis wir uns schließlich zurücklehnten und stöhnend überstreckten, damit die guten Dinge tiefer hinunter sacken und Platz machen konnten für einen Magen schließenden Digestiv.

Weißt du noch, die Besuche im Paradies?

Wir werden uns erinnern, wie wir in den Leclerc fuhren und wieder auf Neues entzückt waren angesichts der Käsen und Pasteten, der Pasten und Marmeladen. Wir kauften Baguette und zehn Sorten Weichkäse – den im Schälchen mehrmals -, wir packten Panaché und Rosenkekse in den Wagen, suchten Geschenke für Daheimgebliebende, nahmen Suze mit nach Hause und schnupperten wie Süchtige an Seifen.

Weißt du noch, das Pferdewasser?

Wir werden uns erinnern, wie uns die Bremsenbremse begleitete, „Ultrafresh Insektenschutz für Tier und Mensch“: Fünfzig Milliliter fürs Kleinpferd, neunzig Milliliter fürs Großpferd, auf den Menschen passen zwanzig. Wir sprühten uns ein und dufteten wie fünf Zitronenbäume.

Weißt du noch, unsere Fahrt über die Dörfer? Wie ausgestorben alles war?

Wir werden uns daran erinnern, wie wir nach Vertus fuhren und dort nichts erleben, außer dass die Boulangerie schloss, als wir ankamen. Entgeistert standen wir vor verschlossenen Türen und drückten unsere Nasen platt – die Macarons unerreichbar und wir untröstlich. Wir fuhren daraufhin zu einem Champagnerwinzer, verköstigten vier Sorten, kauften drei und fühlten uns wieder besser.

Weißt du noch, die Baguettes in den Mehlsäcken?

Wir werden uns daran erinnern, wie es zwei unserer Männer trotz mäßigen Französischs gelang, die Bäckerei zu dreimaliger Lieferung von Baguettes und Croissants zu überreden. Die Baguettes kamen in Mehlsäcken und dufteten köstlich. Croissants hatten sie wohlweislich mehr bestellt, als wir Reisende waren. Es blieb an keinem Tag etwas übrig.

Weißt du noch, wie wir einfach beieinander waren?

Wir werden uns nicht mehr daran erinnern, worüber wir sprachen, aber wir werden noch wissen, dass wir Gespräche führten über große und kleine Dinge des Lebens, Freuden, Zweifel und Alltägliches. Mehr als unser Kopf wird unser Herz wissen, wie es uns gefiel, befreundet zu sein und diese Freundschaft zu feiern, mit diesem Aufenthalt, ohne Programm. Denn das Programm waren wir selbst.

Wir werden uns an all dies erinnern, wenn wir in unseren Lehnstühlen sitzen und nicht mehr reisen können – oder vielleicht nicht mehr reisen wollen, weil wir so voll sind von Erlebnissen, dass wir sagen: Jetzt ist es genug, jetzt genügen die Erinnerungen, denn sie sind schön und ohne Beschwernis.


Serviceblog | Chateau de Pleurs, Rue du Château, 51230 Pleurs, Frankreich. Buchbar über Olivers Travels oder Airbnb France. Man kann nur das ganze Schloss mieten, die Nacht kostet 1.515 Euro – geteilt durch die Anzahl der Personen, mit denen man reist. Wir waren noch zum preiswerteren 2019er-Kurs dort. Wenn Sie es wie wir machen und eine WG-Kasse eröffnen, aus der Sie Essen und Trinken bezahlen, rechnen Sie mit etwa 40 Euro pro Person für drei Tage, Kinder die Hälfte.

Landfrauenorden | Am Wochenende verdiente ich mir den Goldenen Landfrauenordnen: Ich verarbeitete einen riesigen Beutel Klaräpfel und einen Eimer Brombeeren.

Vielleicht haben wir im Winter nicht ausreichend Gas und müssen wir frieren, aber ich habe Marmelade und Apfelmus.

Ich probierte auch spontan aus, Apfel-Chutney zu machen. Das führte zu einem ganz guten Ergebnis; leider hatte ich nur noch vier Zwiebeln im Haus. So wurden es nur vier Gläser.


Freibad | Am Sonntagmorgen fuhr ich ins Freibad. Der Himmel war bedeckt, aber es war dennoch ausreichend warm. Perfektes Schwimmwetter ohne Sonnebrandgefahr.

Freibad ist für mich ja die Speerspitze der Entspannung. Ich bin draußen, es weht meist ein leichter Wind, und das Wasser ist eine Erfrischung (im Hallenbad hingegen herrscht immer feucht-drückende Hitze, es ist laut, und die künstlich-traurige Tropik, die verstaubte Kunstpflanzen schaffen, macht die Sache nicht besser).

Im Wasser selbst stellt sich schnell ein meditatives Gefühl ein: Die Welt rückt von mir ab. The person you have called is temporarily not available: Nirgendwo geht das so gut wie im Wasser des Freibad.

Ich fand schnell meinen Rhythmus und zog 40 Bahnen. Auf der Nebenbahn hatte sich ein Damenklübchen eingefunden – Frauen zwischen Fünfzig und Sechzig, die sehr gut schwimmen konnten. In Sport-Bikinis und Renn-Badeanzügen kraulten sie durchs Becken. Ich versuchte mitzuhalten. Gutes Training.


Nass | Am Sonntagabend regnete es, die Nacht hindurch auch. Wunderbar! Endlich ist der Garten mal so richtig nass. Das hatten wir lange nicht mehr.


Bämm | Ein Knoten ist geplatzt, gedanklich. Hallelujah.


Und sonst | Nilsson saß neben Kräutern, während ich Gin trank.

Hund auf der Terrasse, reckt den Kopf in die Luft

Häusliches | Ich habe in den vergangenen Wochen Marmelade – Erdbeere und Johannisbeere – und Apfelmus eingekocht. Einige Gläser sind schon wieder leer, also koche ich bald neue Marmelade ein – Vatta wird Brombeeren pflücken – und bekomme weitere Klaräpfel.

Im Garten hat sich ein Kürbis in den Zaun gequetscht.

Kürbis zwischen Zaunlatten

Er steckt fest und kommt nicht mehr heraus, auch nicht mit Gewalt. Ich werde ihn aussägen müssen – oder an Ort und Stelle zerteilen. Oder er bleibt dort einfach und wohnt jetzt da.

Im Gewächshaus wuchern die Gurken; jeden Tag könnte ich eine Gurke essen, würde ich nicht welche verschenken.


Broterwerb | Ich bin wieder viel im Kontext IT unterwegs, parallel Keynote-Vorbereitungen und Administratives. Die Einkommens- und Umsatzsteuersteuererklärung stehen an. Kein allzu beliebtes Thema, auch wenn es unkritisch ist: Ich habe alles im Buchhaltungsprogramm. Dennoch.


Gelesen | Das Wasser war in jenen Zeiten wärmer: Herr Buddenbohm schreibt über die Phasen des Schwimmengehens mit Kindern. Oder ohne, später.

Ich bin ja direkt in Phase zwei eingestiegen, wobei mir Rutschen ausgesprochene Freude bereiten. Allerdings nur normale Rutschen; es sollte schon zügig gehen, und die Rutsche soll Kurven und Huckel haben, aber es darf keine warnschildwürdige Expressrutsche sein, bei der ich senkrecht in ein Loch falle oder Geschwindigkeiten annehme, die mir das Atmen verleiden. Ich hatte schließlich schonmal Bandscheibe.

Im Kontext Schwimmen und Rutschen sehe ich, dass hauptsächlich Väter mit ihren Kindern rutschen, Mütter weniger. Das Verhältnis Frauen zu Männer liegt optimistisch bei 1:4, auf vier rutschende Männer kommt eine rutschende Frau. Auch spielen Frauen weniger Wasserball oder werfen Kinder in die Luft und ins Wasser. Das verstehe ich einerseits, gerade wenn frau daheim die Care-Arbeit übernimmt; da ist sie froh, einfach nur auf der Decke zu liegen, während der Mann die Kinder müde tobt. Andererseits frage ich mich, welches Frauenbild wir Mädchen und Jungen vermitteln. Ich möchte den Kindern zeigen, dass auch Frauen wild sind und rutschen, schnell kraulen, stark sind und andere in die Luft werfen, beim Wasserball gewinnen und Arschbomben machen, ungeachtet von Körper und Erwartungen an Weiblichkeit.


Werbeblock | Die nachfolgende Werbung ist leicht verwandt mit dem Schwimmthema. Es geht darum, wer man als Frau ist und wie man handelt, allerdings im Arbeitskontext.

Frauen denken oft – nach meiner Erfahrung zumindest öfter als Männer -, es sei gut, immer kollegial zu agieren und möglichst alle Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen einzubeziehen. Den Satz: „Ich habe gerne Harmonie um mich herum“, höre ich mehr von Frauen als von Männern.

Manchmal ist es jedoch besser, klare Ansagen zu machen – auch für die Harmonie. Denn Klarheit vermeidet Missverständnisse, ebenso wie Konsequenz und eine Haltung, für die man einsteht. Spätestens, wenn es um Macht und Status geht, gerät kollegiale Kommunikation sowieso an Grenzen.

Das Seminar „Frauen in Führung“ ist eine Seminar für Frauen mit Verantwortung – für Aufgaben, Projekte oder für Personal – und für Frauen mit Interesse an Führungsfragen. Wir sprechen darüber, wann welche Strategien erfolgsversprechend sind. Wir setzen uns auch mit Statuskommunikation auseinander, und es gibt einfache Handreichungen, mit Dominanzverhalten umzugehen. Wer dabei ist, erhält einen Werkzeugkoffer mit Möglichkeiten, in unterschiedlichen Führungssituationen passend zu agieren, und bekommt die Sicherheit, in herausfordernden Situationen souverän zu bleiben. Außerdem: Wann und wie führe ich von oben oder von der Seite? Wie gehe ich damit um, selbst nicht geführt zu werden?

Zwei Tage im Raum Frankfurt/Main am 20. und 21. September 2022.


Gelesen | Marco Balzano: Damals am Meer, aus dem Italienischen von Maja Pflug. Sohn, Vater und Großvater machen sich auf den Weg nach Apulien, um die Wohnung am Meer zu verkaufen. Alle tragen sie Erinnerungen an diese Wohnung mit sich: Zwei sind dort aufgewachsen, der dritte hat alle Ferien dort verbracht. Nun ist sie verfallen. Eigentlich möchte keiner der Drei die Wohnung verkaufen, doch gibt es keinen Grund, sie zu behalten.

Von Marco Balzano habe ich schon Ich bleibe hier gelesen, ein Buch, das mich nicht recht mitgenommen hat. Auch diesmal ging es mir so: Gute Ausgangslage für eine gute Geschichte, aber die Charaktere blieben mir fern, und es fehlte an Esprit.

Die Anreise | „Dafür, dass wir eben so schnell waren, sind wir jetzt ganz schön langsam“, sage ich, als wir auf freie Strecke stehen, und es nicht weitergeht. 

Eine halbe Stunde zuvor, auf dem Weg nach Lüdinghausen, wir fahren gerade an einem Maisfeld vorbei und die Sonne kommt heraus, frage ich: „Wann fährt der Zug?“ – „Halb“, antwortet der Reiseleiter. Ich sehe auf die Uhr. „Das wird aber knapp“, sage ich, „dann haben wir nur noch eine Viertelstunde.“ – „Das wird knapp“, sagt der Reiseleiter. Synchron schalten wir auf ein größeres Ritzel und geben Hackengas. Genau fünfzehn Minuten später fahren wir mit quietschenden Reifen direkt auf den Bahnsteig und in die geöffneten Türen des Zuges. 


Im Zug | Ein Mädchen mit wilden, blonden Locken trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Find your inner Minion“. Eine Frau, die Blondierung herausgewachsen, knallroter Nagellack, schiebt vier goldene, kühlschrankgroße Hartschalenkoffer in den Zug, am Griff Flugetiketten. Zwei Niederländer, ebenfalls mit Fahrrädern unterwegs und routiniert organisiert, blicken während der Fahrt stumm aus dem Fenster. Eine Herrengruppe in Schalke-Trikots trinkt mit erstaunlicher Zielstrebigkeit Sixpacks; bei einem längeren Halt in Coesfeld steigen sie aus und pinkeln gruppendynamisch gegen einen Schmetterlingsflieder.

Angekommen in Gronau lobt ein Mann, zwei Meter groß, Bartschatten, Typ Kuschelbär, mein Fahrrad. Er liebe tolle Fahrräder, sagt er , er komme aus Dortmund, vier seien ihm schon geklaut worden. Ich sage, dass ich auch aus Dortmund komme. „Dann treffe ich doch dort vielleicht mal, Inshallah. Ich kann tolles Essen kochen.“ In dem Moment schiebt sich der Reiseleiter hinter einem Wagenstandsanzeiger hervor. „Dein Freund?“, fragt der Bär. In seinen Augen erlischt ein Leuchten. Doch dann erwacht Kampfgeist. Er zeigt auf den Reiseleiter. „Kann der kochen?“ Ich nicke. Der Bär streckt seine Brust vor. „Aber ich kann besser kochen.“


Geschmeidigkeit | Fahrradfahren in den Niederlanden unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt vom Fahrradfahren in Deutschland: Man bangt nicht um sein Leben.

Als wir die Grenze überqueren, ist der Radweg plötzlich betoniert, glatt betoniert, ohne Wurzelwerk und Hindernisse, breit und auslandend, und er führt immer weiter: durch Felder und Wiesen, Landstraßen entlang, durch Kreisverkehre, mit Richtungs- und Fahrbahnwechseln. Es gibt Ampeln für Fahrräder, Beleuchtung und Pfosten, an denen man sich festhalten kann, ohne abzusteigen. Alles ist so durchdacht, die Fahrt so geschmeidig, man möchte weinen.

Als wir nach Deventer hineinfahren, aus dem Vorort in die Innenstadt, haben wir eine grüne Welle. Auf dem Rückweg entdecken wir, warum: Jeweils 30 Meter vor der Kreuzung fahren wir über einen Anforderungskontakt. Die Autos müssen halten, und wir haben freien Weg. Es ist fantastisch.


Flüsse und Hügel | Gibt es einen Berg, neigen die Niederländer dazu, direkt ein Naturschutzgebiet drumherum zu legen, hier wie dort. Kilometer um Kilometer fährt man durch Heide, Wald und Ginster, vorbei an Birken, Eichen und Kiefern. Der Boden ist sandig. Es geht auf und ab, aber eben auch bergauf. Man wundert sich, schließlich sollte hier doch alles flach sein, so erwartet man das.

Zweimal kreuzen wir auf kleinen Fähren die Ijssel, Fußgänger zahlen einen Euro, mit Fahrrad einszehn. Wir kommen an einen Badesee. Am Natuurzwemmen Lathumse plas springen wir ins Wasser. Das Ufer fällt sofort steil ab. Am Ufer flirrt die Hitze, das Wasser ist schön kalt.

Auf dem Weg gibt es Cafés. Nicht so viele, wie man sich wünschen würde, aber ausreichend. Ein Lokal trägt den Namen „Bike & Eat“ , mein Motto. Wir trinken alkoholfreies Bier, der Elektrolyte wegen.


Die Rückreise | Die Strecke von Emmerich zurück nach Haltern könnte schön sein – gäbe es mehr Züge. Doch zwei Verbindungen fallen aus, andere verspäten sich; einige Linien werden bis September gar nicht bedient, sie sind komplett aus dem Programm genommen: Personalmangel. So schlagen wir uns durch, gemeinsam mit hunderten anderen. Es ist bummsvoll in den Zügen. Handys plärren, Hunde bellen. Das Mitführen von Gepäck, Kinderwagen, Fahrrädern, Rollstühlen oder Rollatoren ist nicht vorgesehen, schon gar nicht zum gleichen Zeitpunkt. Man arrangiert sich und möchte danach in Sterilium baden: Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass man zum Sprechen und Husten die Maske auflässt – wenn man denn eine trägt. Eine Haltung christlicher Nächstenliebe ist gefragt: Um diese Fahrt zu genießen, muss man Menschen mögen wollen.

Es stellt sich heraus, dass Oberhausen einen gar nicht mal so schönen Bahnhof hat. Die Getränkeautomaten sind leer, auf dem Nachbargleis kollabiert eine Frau; Menschen helfen. Der Kiosk in der Unterführung hat noch kalte Cola vorrätig, immerhin. Auch Gelsenkirchen ist nicht hübsch; doch von hier fährt der Regionalexpress – und er fährt tatsächlich, sogar fast leer. Nur weg.

Bahnhof Oberhausen, trostloser Bahnsteig, darüber fliegt eine Taube
Wunderschönes Oberhausen

Zu Hause, nach einer kalten Dusche und einem noch kälteren Radler, geht’s dann schon wieder. Der Reiseleiter erwärmt eine Pizza. Bike & Eat.


Serviceblog | Etappen:

Von Haltern nach Lüdinghausen, circa 10 Kilometer. Von Lüdinghausen mit dem Zug nach Gronau. Von Gronau über Losser nach De Lutte, circa 20 Kilometer

Von De Lutte nach Deventer über Oldenzaal, Borne, Bornerbroek, Enter, Rijssen, Nationaal Park de Sallandse Heuvelrug, Okkenbroek und Lettele, circa 70 Kilometer

Große Kathedrale und ein Platz davor

Von Deventer nach Emmerich über Epse, Gorssel, Klaerenbeek, Loenen, Nationaal Park Veluweezoom, Rheden, Lathum, Zevenaar und Elten, circa 70 Kilometer. Von Elten mit diversen Zügen, wie gerade verfügbar, nach Haltern. Von dort raus aufs Dorf, nochmal 10 Kilometer.


Uns Uwe | „Wir sind noch im Spiel, Digga.“ – „Ja, noch sind wir im Spiel.“

Im Kiez | Am Vormittag fuhr ich mit dem Fahrrad um den See. Das Wasser lag still. Am Ufer grasten die Gänse. Ihre Küken sind nicht mehr klein, eher von wilder Jugendlichkeit. Das Gras ist gelb, der Weg staubig. Im Blühstreifen surren die Insekten. Außer mir ist niemand dort. 9 Uhr morgens, 32 Grad: Den Flaneuren ist es zu heiß.

Phoenixsee mit Fahrradweg und Blühstreifen, menschenleer

Ich fahre in die kleine Fußgängerzone im Stadtteil. Der Wochenmarkt hat sich in die Schatten der Häuser verdrückt, die Schlanke Mathilde, die große Uhr mit den Laternen, steht einsam in der Mitte. Von der Treppe, die in die Tiefe führt, weht der typische U-Bahn-Geruch herauf, eine Mischung aus Keller, Metall und kalter Kohle. Hinter dem Gemüsestand verwirbelt ein Ventilator die Luft. Daneben ein Aufsteller für „Erbsensuppe mit Einlage“; eine Frau mit kräftigen Armen rührt in einer Gulaschkanone. Rentner schlurfen über den Platz, am Arm Einkaufsnetze mit Gemüse.

In der Buchhandlung sucht eine alte Frau ein Geschenk. Politik soll es sein, aber konservativ. Von Fritze Merz ist nichts vorhanden. Die Merkel ist nicht recht, der Habeck schon gar nicht, Gott bewahre. Man tut sich schwer mit der Auswahl. Die Buchhandlung neigt zu Fortschritt und Feminismus.

Ich kaufe drei Bücher: 60 Kilo Sonnenschein von Hallgrímur Helgason, Schlaflos von Sarah Moss und das Sachbuch Revolutions – Wie Frauen auf dem Fahrrad die Welt veränderten von Hannah Ross.

In der Drogerie ist volles Haus. Man erwirbt Sonnenmilch, Fruchtfliegenfallen und Corona-Tests, Feuchttücher und Shampoos in Reisegrößen. Ich fahre weiter zum Fahrradladen; ich brauche eine Radfahrhose, eine, bei der das Polster weiter nach vorne ragt. In der Kabine ist es heiß, aber gleich die erste Hose passt. Ich nehme noch Reflektorbänder dazu, für kältere Tage, wenn die Jeans wieder länger wird. Pedalriemen sind aus, es sind keine mehr im Regal und auch nicht mehr auf Lager; das ist misslich. Mit mir ist nur ein weiterer Kunde im Laden. Er fährt Fahrräder Probe, Runde um Runde, die Reifen quietschen auf dem Betonboden, er murmelt Unverständliches im Vorbeifahren. Ein Verkäufer räumt Red Bull in einen Kühlschrank. Ein weiterer fährt mit der Hand über die Bügel mit Trikots, eins ragt heraus, er schiebt es zurück in die Reihe, dreht den Ständer, geht zum nächsten.

Auf dem Rückweg drei Menschen: ein Mann, der schlurfend Staub aufwirbelt und dabei in einer rauen, kehligen Sprache in sein Handy ruft. Er hält es wie ein Pizzastück vor den Mund; es sieht aus, als wolle er gleich hineinbeißen, so weit geht sein Mund auf. Gleich darauf kommen mir zwei Radler entgegen, ein Mann und eine Frau, E-Bike und textile Vollausstattung, Warnwesten. Sie sehen entschlossen aus, als wollten sie noch bis Hattingen fahren, Besichtigung Burg Blankenstein, danach Kaffeetrinken an der Ruhr, Hitze hin oder her, geplant ist geplant.

Ich komme nach Hause, schneide das Preisschild aus der Hose und lege die Bücher in die Küche. Sie werden dort bis heute Abend liegenbleiben, denn auch wenn ich sie noch nicht lese, schaue ich neue Bücher gerne an und freue mich auf sie.


Gartenbeobachtungen | Seit Monaten hat es in Dortmund nicht geregnet, nicht nennenswert. Die Erde ist hart und trocken. Selbst wenn ich mit dem Spaten hineinsteche, sehe ich keine Feuchte. Die Wetterstation bestätigt: Es gab seit Mai nur wenige Millimeter Niederschlag, und wenn doch einmal, war die Erde nur benetzt; unter Büschen und Bäumen nicht einmal das. Meine Regentonne ist schon lange leer.

Die Herbstanenomen beginnen zu blühen; normalerweise tun sie das erst ab Mitte/Ende August. Die Schwertlilien sind vertrocknet; sie vergehen sonst erst im September. Die Erdbeerpflanzen liegen platt danieder. Der Hibiskus vergilbt. Die Monbretien blühen und verblühen zwischen zwei Wimpernschlägen. Ich würde nochmal Salat, Spinat und Mangold einsäen, aber ohne zweimal tägliches Wässern kämen die Saaten auf keinen grünen Zweig. Also lasse ich es.

Einzig die Gurken erfreut das Wetter. Im Bild habe ich sieben Stück versteckt.

Gurkenpflanze im Gewächshaus, daran mehrere Gurken

Broterwerb | Ich arbeite heute sporadisch, schreibe ein Angebot und bereite Dinge für einen Auftrag vor, für den ich im August nach Rostock reise.

38 Grad. Zeit für Wassermelone.


Andernorts | Frau Novemberregen lässt Themenvorschläge einreichen, über die sie dann bloggt. Es ist interessant zu lesen, was eingetragen wird – „Dosenobst“ zum Beispiel. Dosenobst finde ich mitunter super, etwa in Form von Pfirsichen, nicht aber als Fruchtcocktail, Sie wissen schon … der, der so 70er ist. Weitere Einreichungen: „Kenne ich eigentlich meine direkten Nachbarn?“, „Atmen“ und „Taschentücher“. Aus meiner Sicht gibt es ja zwei Arten von Leuten: Die, die immer Taschentücher dabei haben, und die, die nie Taschentücher dabei haben; ich gehöre zu letzteren.


Gehört | Jan Ullrich – Held auf Zeit, ein Hörstück in sieben Etappen. NDR-Autor Moritz Cassalette arbeitet die Ambivalenz heraus, die Ullrich begleitet: die Eigenverantwortung, die er einerseits nicht ausreichend besaß, und das System aus Druck und Doping, das eine Eigenverantwortung nicht zulässt.

Gelesen | Ein Tagebuchblog, das Sie vielleicht noch nicht kennen – oder doch. Jedenfalls las ich dort die vergangene Wochen nach: Alltägliches und Ausgedachtes.

Krummes Ding | Am Wochenende fuhr ich nach Münster, um krumme Dinger anzugucken. Das große Patenmädchen, besser gesagt: die Patenfrau, präsentierte ihre Design-Abschlussarbeit. Thema: die Schönheit unschöner Gewächse.

Frances arbeitet schon seit einigen Jahren auf dem Wochenmarkt – erst ein Studentenjob, dann eine Leidenschaft – und widmet ihre Bachelorarbeit regionalem Obst und Gemüse. Ihre besondere Expertise: fotorealistische, naturalistische Aquarelle.

Man kann Frances als Wissenschaftsillustratorin buchen. Sie steigt gerade in die Freiberuflichkeit ein. Ich vermittle gerne den Kontakt.


Parcours | Neben Frances stellten noch viele andere Studentinnen und Studenten ihre Arbeiten aus. Es waren spannende Sachen dabei. Zum Beispiel eine Therapie-App, ein offenes Kinderspiel-System aus Holz oder Easy Aid, ein modulares System zur Erleichterung der Ersten Hilfe.

Ich habe einen Faible für schlaues Produktdesign.

(Ich habe auch einen Faible für schlaues Webdesign, weshalb mich die Ausstellungs-Website der Münster School auf Design beim Heraussuchen der Links schier wahnsinnig gemacht hat.)


Radeln | Den Weg nach Münster absolvierten der Reiseleiter und ich im Zug, mit dem 9-Euro-Ticket, unsere Fahrräder anbei. Das war gar nicht mal schön. Es lag aber nicht am 9-Euro-Ticket, sondern daran, dass die Deutsche Bahn eine Fahrradmitnahme maximal erschwert. Das haben wir ja schon auf dem Weg nach Dänemark erlebt.

Wir bekamen ein buntes Programm aus nicht funktionierenden und zu engen Aufzügen, steilen Treppen und Fahrradabteilen, die mit zwei Fahrrädern schon überfüllt waren. Hinzu kam die Konkurrenz mit Kinderwagen-, Rollstuhl- und Rollatorfahrer:innen, die ebenfalls in den Fahrradabteilen unterkommen und die die Bahn auch nicht als Kunden haben will. Hintergrundhandlung: „Verspätung eines vorausfahrenden Zuges“, was die Fahrzeit mehr als verdoppelte.

Zurück fuhren wir mit dem Rad, 70 Kilometer durch Stadt, Feld, Wald und Wiese. Eigentlich eine schöne Strecke, aber ich war mental nicht gut zurecht. Meine Beine waren zwar locker im Tritt. Weil die Hinfahrt aber so lange gedauert hatte und wir zudem in Münster getrödelt hatten, kamen wir erst um 22:30 Uhr zu Hause an. Ich war müde und wurde zart unleidlich. Es mangelte an Abendessen. Immerhin fanden wir 15 Kilometer vor dem Ziel, in der untergehenden Sonne von Kamen-Methler, noch eine Packung Halloren-Kugeln in den Fahrradtaschen, ein Import aus Chemnitz. Sie brachten uns ins Ziel.


Gelesen | Was wir sind von Anna Hope, aus dem Englischen von Eva Bonné. Ein Buch über drei Freundinnen, die sich seit Studienzeiten kennen. Sie gehen unterschiedliche Wege und haben unterschiedliche Sehnsüchte, die sie einerseits antreiben, andererseits gefangen nehmen: Hannah möchte um jeden Preis ein Kind, Cate möchte raus aus ihrem Leben mit Kind, und Lissa hadert mit ihrer beruflichen Erfolglosigkeit. Präzise Charaktere und ein guter Erzählschwung, gern gelesen.

Außeneinsatz | Diese Woche war ich auf Außeneinsatz in Sachsen. Ich packte meine Siebensachen. Katja Waldhauer fuhr vor dem Haus vor. Wir luden alles ein und brausten nach Chemnitz, um dort bei einem Kunden gemeinsam Seminarworkshops zu Kommunikation, Deeskalation und Moderation zu geben.

Kleidung, Koffer, gelber Rucksack

Mit uns unterwegs: Ulf. Ulf ist zwölf Wochen alt und gehört zu Katja. Er ist ein Bernerdoodle, eine Mischung aus Berner Sennenhund und Großpudel, und stammt aus einer Blindenhundzucht. Deshalb ist er ein besonnenes Kerlchen, verträglich, gleichmütig und, soweit man das zu diesem Zeitpunkt sagen kann, einigermaßen schlau.

schwarz-weißer Hund mit Locken

Sorry, sehr schlau natürlich (Katja liest mit). Katja hatte mich vorab gefragt, ob sie Ulf mit nach Chemnitz nehmen könne. Ich fragte die Kundin, und die Kundin war nicht nur aufgeschlossen, sondern freute sich.

Bemerknisse auf dem Weg:

  • Viele Ladestationen auf den Autohöfen. Als wir irgendwo zwischen Kassel und Leipzig hielten, gab es dort 21 (!) Ladestationen: 15 von Tesla, 6 von einem anderen Anbieter. Beide Säulentypen waren zu zwei Dritteln belegt. Mit Ausnahme eines Wagens allesamt Autos aus Dänemark, Norwegen oder Schweden.
  • Viele Windräder in Sachsen-Anhalt. Das macht mich fröhlich.
Autobahn, viele Windräder
  • Auf dem Autohof hätten Prozessoptimierer ihre Freude gehabt: Es gab drei Theken. Getränke waren von links aus einer Kühlung zu holen, aber in der Mitte zu bezahlen. An der linken Theke gab’s Baguettebrötchen im Menü, andere Menüs allerdings nur ganz rechts. Süßwaren durften ausschließlich in der Mitte bezahlt werden; das Süßwarenrondell stand aber rechts. Die Hälfte der Menschen stand unverschuldet an der falschen Theke an, die andere Hälfte nur aus Zufall richtig. Der Sanifair-Automat nahm nur selektiv Münzen an, Kartenzahlung funktionierte nicht. Es gab Tumulte friedfertiger Skandinavier.
  • Während der Verkehr im Nordrhein-Westfalen und Niedersachen dicht war, dünnte er sich durch Sachsen-Anhalt und Sachsen aus. Auf dem Rückweg fiel es noch deutlicher auf: Die A72 und A 38 waren nur getupft mit Fahrzeugen, auf der A7 und der A44 waren Autos und Lkws eine einzige Perlenkette.

In Chemnitz waren wir an der Technischen Universität zu Gast, an der Professur für Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement und der Professur für Fabrikplanung und Intralogistik – und in einem wunderschönen Gebäude, dem Projekthaus Meteor.

Die hintere Wand ist ein Industrierolltor: Fährt man es hoch, hat man das Gefühl, im Freien zu sitzen. Ein toller Ort für Seminare und Workshops. Ulf lag während der Veranstaltungen unterm Tisch und pennte.

An zwei Abenden flanierten wir durch Chemnitz. Zu Chemnitz erhielt ich vorab folgende Briefings:

  • „Chemnitz? Uuuh. Sehr industriell.“
  • „Kannst ja, ähm, hinterher mal sagen, wie du es fandest.“
  • „Chemnitz, ja … sehr, uhm, sozialistisch, ne … aber es gibt auch ganz nette Ecken.“

Meine Erwartungen waren also kaum zu unterbieten. Und was soll ich sagen? Hübsch ist es! Erstaunlich hügelig, grün, und es gibt schöne Altbauviertel. Die Menschen, die mir begegneten, waren freundlich und herzlich.

Ich lernte, dass Chemnitz-Kaßberg eines der größten zusammenhängenden Jugendstil- und Gründerzeitviertel Europas ist.

Irgendwann, als wir im Auto saßen, sagte Katja: „Boah, die Straßen hier!“
„Was ist mit den Straßen?“, fragte ich.
„Merkst du nicht, wie kaputt die sind?“

Nee, hatte ich nicht bemerkt. Fühlte sich alles an wie zu Hause in Dortmund. Vielleicht ist meine Sympathie für Chemnitz auch darin begründet, dass es wie das Ruhrgebiet ist: hier und da hübsch hässlich, aber im Herzen schön.


Am Rande | Ich habe ein neues Lieblingsskleidungsstück, eine Stoffhose. Bevor ich nach Chemnitz fuhr, fand ich sie in einem Laden im Kiez und erwarb sie zu einem nicht unerheblichen Preis. In Chemnitz feierte sie dann ihren Einstand, und ich bin entzückt. Ich besitze nun eine weite, geschäftstaugliche Stoffhose für heiße Sommertage, Tragekomfort zehn von zehn Punkte, alles Geld wert.


Garten | Kaum guckt man vier Tage nicht hin, hat man vier Zucchini mehr.

Zucchinipflanze mit drei Zucchin

Drucker | Danke für die Tipps zu meinem Drucker. Leider fruchten sie nicht.


Ausflug ins Mittelalter | Bevor ich nach Chemnitz fuhr, reiste ich mit dem Fahrrad ins Mittelalter. Mich begleiteten: der Reiseleiter und vier Kinder. Wir sahen Modenschauen und beobachteten Ritterkämpfe, aßen Fladen, flanierten durch Marktstände und suchten historische Kartoffelstäbchen in Tomatensud.

Auffallend war, dass die Ritter allesamt wie Informatiker aussahen und auch so kämpften.


Gelesen | Unheimlich nah von Johann Scheerer. Ein Coming-of-Age-Roman; Scheerer erzählt von sich als vorpubertärem Johann und schließlich pubertierenden Johann, der unter Bewachung dutzender Sicherheitsleute erwachsen wurde. Denn Johanns Vater ist Philipp Reemtsma; nach Reemtsmas Entührung stand die ganze Familie unter Schutz von Bodyguards. Für einen Jugendlichen, der sich loslösen möchte, ist das natürlich ein Albtraum: Knutschen mit der ersten Freundin, Proben mit der Band und Fummeln im Kino – alles unter Aufsicht von persönlichen Begleitern, die nicht von der Seite weichen. Das ist dann allerdings auch schon mehr oder weniger die ganze Handlung.


Und sonst | Spagat:

Hummel im Spagat zwischen zwei Lavendelblüten


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