Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Allgemein«

Heiligabend, der Abend zuvor und Erstfeiertag

25. 12. 2020  •  3 Kommentare

Weihnachten | Ein ruhiges, ein schönes Weihnachten. Heiligabend mit meinem Vater. Der Erste Weihnachtstag allein. Der Zweite Weihnachtstag mit dem Knuffelcontact. Ein Fest mit den (einzigen) zwei Menschen, die ich auch sonst inhäusig treffe.

Das Fest begann am Abend des 23., als ich mich mit einem Berliner Damenklübchen virtuell betrank. Es war hervorragend. Wir unterhielten uns bis kurz vor Mitternacht und wurden dabei immer seeliger. Ohne #dieaktuelleSituation hätten wir das so nicht getan, es hätte wahrscheinlich ein Weihnachtstreffen vor Ort gegeben, dem ich aus Dortmund nicht hätte beiwohnen können. Nun, mit Pandemiekompetenz, trafen wir uns online, unabhängig vom physischen Ort, und amüsierten uns prächtig. Das war schön.

Im Adventskalender an Heiligabend: der Weihnachtsbaum 2028.

Tüte mit Samen, Aufschrift "Weihnachtsbaum 2028"

Am Vormittag wollte ich noch einmal durchsaugen und stieß dabei gegen den Weihnachtsbaum. Es rieselte in spektakulärem Ausmaß. Ich machte einen Fehler und schüttelte ihn prüfend. Jetzt ist er an etlichen Ästen kahl. Wir ziehen das aber durch, bis zur letzten Nadel. Auf den letzten Metern wird nicht aufgegeben.

Viele Tannennadel auf dem Boden

Heute ausschlafen, Frühstück, in der Küche rumpruscheln, Podcast hören und Weihnachtsspaziergang durchs Feld.

Feld mit einem Weg, auf dem Pfützen stehen, in denen sich die WOlken spiegeln

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Fest!


Käthe | Die vergangenen Tage verbrachte ich mit dem Manuskript. Das Roh-Manuskript hat 560 Seiten, Hardcover-Buchseiten. Vorgabe der Lektorin: kürzen auf 350, maximal 400 Seiten.

Ich begann vorne und ging Kapitel für Kapitel, Abschnitt für Abschnitt durch und fragte mich: “Brauche ich das?” Für die Dramaturgie, für die Entwicklung der Figuren, für die Prämisse, die hinter der Geschichte steckt. Mit dem ersten Teil er Geschichte bin ich durch, habe von 560 auf 470 Seiten gekürzt. Der ursprüngliche Einstieg war überflüssig, die Handlung beginnt nun zwei Jahre später. Eine Figur ist rausgeflogen (fast), auf einzelne Szenen verzichte ich, die Redundanzen im Gedankenleben der Protagonistin sind fort. Es fühlt sich gut an. Siebzig Seiten, besser hundert müssen nun noch raus, und ich habe schon eine Ahnung, welche Handlungsteile das sein werden.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich sie dann überhaupt geschrieben habe. Die Sache ist: Wenn ich schreibe, weiß ich nicht, welche Szenen hinterher die guten sind. Wenn ich schreibe, ist es, als lese ich die Geschichte, die ich gerade erschaffe. Ich weiß selbst nicht, welche Szene als nächstes kommt, ich lasse die Figur frei, folge ihren Worten und Handlungen. Im Schreiben bekommt sie ein Eigenleben, und sie beginnt, sich selbst zu erschaffen. Indem ich die Figur schreibe, indem sie sich selbst schreibt, lerne ich sie mehr und mehr kennen. Mit der Figur wird auch die Prämisse der Geschichte klarer, also die Handlungsgrundlage der Figur; der Ausgangspunkt ihrer inneren und äußeren Konflikte.

Deshalb ist es nun leicht zu erkennen, welche der vielen Kapitel, Szenen und Abschnitte die Geschichte benötigt – und welche nicht. Es ist jetzt Fleißarbeit, die Handlung nach Überflüssigem zu durchstöbern. Dazu gehört auch, die Teile der Geschichte, die auf die gestrichene Szene Bezug nehmen, umzuschreiben.


Stadtentwicklung für alle | Frank arbeitet auch gerade an einem Buch. Es geht ums Fahrradfahren, um nachhaltige Mobilität und darum, wie heute Städte gestaltet sein sollten.

In Käthe Paulus’ Zeiten wurde das Fahrrad erfunden – und ermöglichte Frauen einen größeren Aktionsradius. Käthe stieg seinerzeit mit einem sogenannten Fahrradballon auf und machte damit Werbung für die Adlerwerke.

Frank hat einen guten und fundierten Beitrag geschrieben, der Fahrradfahren, Stadtentwicklung und die Rolle von Frauen miteinander verbindet.

Städte für Menschen, sollten vor allen Dingen auch eines sein: Städte für Frauen. Es ist erstaunlich, wie sehr die Belange und Bedürfnisse von Frauen insgesamt und auch in Bezug auf Stadtplanung, alltägliche Wege und Erfordernisse unberücksichtigt bleiben. Gleichzeitig können wir feststellen, dass in vielen Städten mit hohem Radverkehrsanteil wie Kopenhagen oder Amsterdam im Verhältnis sehr viel mehr Frauen Rad fahren als anderswo. […] Kann es sein, dass in der Berücksichtigung von Frauen  und ihrer spezifischen Bedürfnisse eine Art Schlüssel für die Fahrradfreundliche Stadt bzw. die „Stadt der kurzen Wege“ liegt?

Frank Glanert über Emanzipation und Diversität in der Stadtplanung

A guy never tells | Für Weihnachten ist es zu spät. Aber ein Mann hat ja Geburtstag: GE Big Boy Household Appliances.


Gelesen | Die New York Times hat Thanksgiving mit sieben Familien verbrachte, die Angehörige an Covid-19 verloren haben – und geben den Toten und ihrer Familie damit ein Gesicht: A Holiday Haunted by Loss | Eine Ärztin aus Berlin-Neukölln schildert aus ihrer Praxis, warum die Infektionen nicht abnehmen: “Die Leute wissen nicht, worum es bei dieser Pandemie geht” | Albrecht Broemme, ehemaliger Präsident des Technischen Hilfswerks, wurde mit dem Bau eines Impfzentrums beauftragt. Er hat erstmal mit Lego angefangen. Das mache ich ja auch sehr gerne. Weil man dreidimensional und beim Bauen mit den Händen viel besser denken kann als auf dem Papier. | Was macht heute einen guten Vater aus? Interview mit Blogger und Buchautor Christian Hanne über Arbeitsteilung, Ausflüchte und Ritter

Kill your darlings & konkretere Seminarplanung. Eine Adventsfeier am Lagerfeuer.

7. 12. 2020  •  6 Kommentare

Gemütswetter | Ein schwerer, feuchter Nebel liegt über diesen Tagen.


Broterwerb | Ich habe virtuell mit meiner Kollegin Andrea zusammengesessen. Wir haben zwei Seminare konzeptioniert. Im kommenden Jahr werden wir digital und in Präsenz etwas anbieten, das Sie frei bei uns buchen können:

  • Veränderung begleiten – Menschen und Teams im Wandel unterstützen. Veränderungen verunsichern und lösen Chaos aus, emotional und manchmal auch ganz praktisch. Sie laufen jedoch oft nach Mustern ab. Wir schauen auf Quellen und Notwendigkeiten für Wandel und reden darüber, wie man Veränderung in Gang bringt. Wir blicken auf emotionale Phasen, die der Wandel mit sich bringt, und erörtern, wie man Sicherheit in der Unsicherheit herstellt. Wir stellen Werkzeuge vor, mit denen man Mitarbeitende am Wandel beteiligt und liefern Beispiele aus der Praxis. Digital, zwei Vormittage voraussichtlich Ende Februar.
  • Kollegiale Führung – Flexibel führen in dynamischen Kontexten. Gerade bei komplexen, sich rasch wandelnden Marktanforderungen braucht es eine elastische, reaktionsfähige Organisation – mit kurzen Wegen, wenig Bürokratie und ohne Entscheidungsflaschenhälse. Der persönliche Führungsstil trägt viel dazu bei, gemeinsam mit dem Team anpassungsfähig und schnell zu reagieren. Wir betrachten das Prinzip der kollegialen Führung und die Rahmenbedingungen, die es braucht. Wir stellen Hilfmittel vor, Verantwortung sinnvoll zu teilen, Entscheidungen ins Team und zu den Mitarbeitenden zu bringen. Außerdem stellen wir Verfahren vor, Entscheidungen im Team zu treffen. Auch hier gibt es Beispiele und Lösungen aus der Praxis. Zwei Tage in Präsenz, voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni.

Das Präsenzseminar planen wir im Kloster Gnadenthal. Es liegt verkehrsgünstig zwischen Limburg und Frankfurt in der Nähe der Autobahn A3. Von der Geschwindigkeit der Autobahn ist in Gnadenthal allerdings nichts zu spüren. Es liegt geschützt in einem Tal aus Feldern und Streuobstwiesen. Die Tagungsräume des Klosters laden zum Lernen, zum Austausch und zur Reflexion ein. Sie sind groß und gut durchlüftet. Ein schöner Ort für Gedankenanstöße. 

Mehr zu den Inhalten der Seminare, zu Buchung und Konditionen demnächst.


Reminiszenzen | Vor elf Monaten. Sie fühlen es auch, oder? Die Wärme und das Licht.


Buchprojekt | Der Dezember steht jetzt im Zeichen von Käthe: Ich überarbeite das Manuskript, überprüfe jede Szene auf ihre dramaturgische Funktion, schmeiße raus und kürze ordentlich. Insgesamt werde ich rund 150 Seiten aus dem Manuskript rauskürzen, um die Geschichte zu straffen und auf die vereinbarte Seitenzahl zu kommen. Das klingt dramatisch nach Kill your darlings, betrübt mich aber keineswegs. Denn meine Arbeitsweise ist: Aufschreiben, was mir in den Sinn kommt, die Idee entwickeln, die Geschichte entstehen lassen, Dinge zum Leben erwecken – und dann aufs Wesentliche reduzieren. Das habe ich schon bei meiner journalistischen Arbeit so getan: Ein Viertel kann hinterher weg. Aber man weiß vorher halt nicht, welches Viertel.

Ich kürze recht unterschrocken und unemotional. Nichtsdesotrotz ist das natürlich eine Menge Arbeit: Alles lesen und über jedem Kapitel, jeder Seite und jedem Absatz entscheiden, ob sie eine dramaturgische Funktion haben, ob sie wichtig sind. Was bleibt, muss neu komponiert und choreographiert werden.

Der Verlag hat einen Titelvorschlag, der mir gut gefällt. Hachz.


Adventsfeier | #AufgrundderaktuellenSituation traf ich am Wochenende einen sehr kleinen Kreis von Menschen (3) an einer Feuerschale. Normalerweise gehen wir in ein Restaurant, normalerweise auch in einem größeren Kreis. Aber die Dinge sind, wie sie sind.

Bis Mitternacht standen und saßen wir bei Glühwein draußen im Garten und atmeten auf Abstand unsere Aerosole in den Wind.

Dank meiner kiloschweren Polarwinterjacke war mir wohlig warm: obenraum Jacke, das Lagerfeuer wärmte die Beine, im Bauch war Glühwein. Ein schöner Abend.

Vanessa spricht mit … Claudia Neumann und Stefanie Opitz

2. 12. 2020  •  2 Kommentare

Podcast | Wir alle sehen ihre Arbeit: Claudia Neumann und Stefanie Opitz arbeiten fürs ZDF, die eine als Sportreporterin und Fußballkommentatorin, die andere als Textredakteurin fürs sportstudio und für Großereignisse.

Ich habe mit den beiden gesprochen – über die Arbeit im Stadion und auf dem Ü-Wagen, übers Reportieren und Kommentieren und darüber, wie das Privatfernsehen die Fußballberichterstattung beeinflusst hat.

Corona hat die Arbeit von Claudia und Steffi verändert – wir reden darüber, wie.

Außerdem sprechen wir darüber, warum die Beiden eine Ausnahme sind: Denn Sportredaktionen bestehen zu 90 Prozent aus Männern. Zudem arbeitet Claudia Neumann gerade an einer Reportage über Frauen im Fußball – in Vorständen und auf der Trainer- und Schiedsrichterebene.


#serviceblog Kapitelmarken | Vielleicht möchtet Ihr nur in einzelne Themen reinhören. Dafür habe ich Kapitel gemacht. Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.


Shownotes zum Weiterlesen | Claudia Neumann im ZDF-Presseportal | Time2Talk: Stefanie Opitz | Reportage: Unterwegs mit Claudia Neumannn. Ein Stück von 2011, das gut ihre Arbeit als Fußballreporterin zeigt. | Claudias Buch: Hat die überhaupt ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten? Claudia erzählt darin von ihrer Kindheit, von ihrem Weg ins Fernsehen, sie spricht über ihre Arbeit als Reporterin und Kommentatorin und über Frauen im Fußball. | Hass im Netz: Gleich unter der Gürtellinie. Ein Interview mit Aminata Touré, Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig-Holstein, mit Fußballkommentatorin Claudia Neumann, mit der Schauspielerin Taneshia Abt und Anna-Lena von Hodenberg, der Geschäftsführerin von HateAid, einer Beratungsstelle, die Betroffene von digitaler Gewalt unterstützt. | Bachelor-Arbeit: Gewinner oder Verlierer – die Stellung der Frauen im Sportjournalismus. Die wissenschaftlich-theoretische Sicht auf Frauen in Sportredaktionen. | 30 Jahre WM-Finale 19190: Die magische Nacht von Rom | Equal Play von JungvMatt sports | Katja Kraus | Ella Poulhalec auf Vimeo


Plattformen | Den Podcast gibt es bei PodigeeSpotifySoundcloudDeezerGoogle Podcasts und auch bei Apple Podcasts.

Inseltour mit Wind

22. 10. 2020  •  8 Kommentare

Bindfadenregen | Der gestrige Tag wurde präsentiert von: Bindfadenregen. Die Torfrau und ich verlegten uns auf häusliche Tätigkeiten. Sie strickte Socken, ich schrieb.

Am Nachmittag brauchten wir frische Luft und wagten uns hinaus in den Regen. Wir fuhren nach Wyk und spazierten ein wenig umher.

Steg ins Wasser

Abends zoomten wir mit Freunden. Sie sitzen seit eineinhalb Wochen in Quarantäne, nachdem eine befreundete Lehrerin positiv auf das Corona-Virus getestet wurde.


Inseltour | Heute war das Wetter besser, und wir machten eine Inseltour: Über Wrixum, Oevenum und Midlum durch die Aussiedlungshöfe, ich sah Oldsum, Dunsum, Utersum, Witsum und Alkersum.

Deich, weite Landschaft, eine Frau schiebt ein Fahrrad.
Panoaramaaufnahme vom Strand mit Sonne und Ebbe

Alles mit viel Gegenwind, Regen, Sonne und erwähnte ich schon den Wind? Ich beglückwünschte mich mehrfach zur Wahl eines Pedelecs. Gibt es schon Forschungen darüber, dass sich über den Tag die Insel dreht, so dass man ausschließlich im Gegenwind fährt?

Am Ende hatte ich 65 Kilometer auf dem Tacho. Das war sehr schön. Das Abendprogramm war dementsprechend:

Pizza im Fahrradkorb bei Dunkelheit

Aktion Waffeltest | Meine Rolle als Waffeltesterin nehme ich sehr ernst. Gestern und heute habe ich jeweils einen Anbieter getestet.

Gestern: Glenngelato, Wyk. 7/10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™. Eigentlich eine sehr gute Waffel, aber massiver Punktverlust durch Zitronenaroma im Abgang. Das hervorragende Vanilleeis hat Boden gut gemacht.

Waffel mit zwei Bällchen Eis und Blick auf die Strandpromenade, daneben eine fritz Cola zuckerfrei

Heute: Stelly‘s Hüüs, Oldsum. 7/10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™. Teig etwas zu Ei-lastig, Waffel zu dünn, wenig Fluff. Sie besticht jedoch durch ihre perfekte Bräunung und ihr Preis-Leistungsverhältnis: < 3,50 Euro mit Eis. Im Kontext eine solides Angebot. Das Ambiente im Café ist auch sehr liebevoll.

Runde Waffel mit einem Bällchen Eins, daneben eine Latte Macchiato

Gelesen | Den Newsletter “Zentrale Orte” von Juliane Schader: Corona und die Metropolen – Wider die Stadtnatur

Eine große Aufgabe

19. 10. 2020  •  11 Kommentare

Mit Vanilleeis | Der Tag begann mit einer Expedition zu Edeka Knudtsen. Die Torfrau und ich waren gestern mit einer Packung Spaghetti, einer Dose Tomaten und einer Zwiebel angereist – Abendessen. Frühstück hatten wir nicht parat.

Ich schnallte mir also meinen Rucksack auf, lief zum Supermarkt, erkundete das Sortiment und kam mit allem Notwendigen zurück.

Dann frühstückten wir sehr ausgiebig, denn es regnete. Das motivierte uns nicht, das Haus zu verlassen. Außerdem hatten wir einiges zu besprechen.

Am Mittag machten wir uns zu einer Expedition in den Ortskern und an den Strand auf.

Ich sehe mich hier vor einer großen Aufgabe. Beim Frühstück habe ich nämlich das Inselmagazin mit seinen zahlreichen Verbraucherinformationen durchgeblättert. Im Segment “Kaffee, Kuchen & Waffeln” scheint mir Föhr gut aufgestellt: Jedes dritte Café rühmt sich mit seinen leckeren Waffeln. Als internationale Waffelexpertin sehe ich mich vor einer Herausforderung.

Um keine Zeit zu verschwenden, nahm ich sofort die Arbeit auf und testete im Strandcafé eine Waffel to go.

Acht von zehn Punkte auf der Internationalen Waffelskala™: Geschmack sehr gut, Konsistenz und Mundgefühl ebenfalls – innen weich, außen knusprig -, die zu starke Bräunung gibt allerdings Abzug. Auch das Verhältnis von knusprigem Außen und weichem Innen hat noch Luft nach oben. Insgesamt aber eine mehr als solide Leistung.


Historisches | Auf dem Rückweg: Parkuhren. Allerdings digital und ohne Aufzieh-Drehknopf.


Gelesen | Das Netzwerk “Women in Mobility” will die Männerdominanz in der Mobilitätsbranche aufbrechen. Denn Frauen haben andere Bedürfnisse an Mobilität:

Ihre Wege führten seltener als bei Männern direkt zu einem Ziel: Auf der Fahrt zur Arbeit stoppen sie bei der Kita, der Schule, dem Bäcker, auf dem Rückweg am Supermarkt und dem Fußballtrainingsplatz. Es gehe Frauen aber auch um das Sicherheitsgefühl in Tiefgaragen und an Bahnhöfen.

Ich ging auf Spurensuche, nahm an einem Escape-Game teil und bekam Pancakes

14. 09. 2020  •  12 Kommentare

Escape-Game | Den Sonntag verbrachte ich mit der Kommunalwahl. Erst wählte ich, dann fuhr ich auszählen. Ich war fürs Briefwahlzentrum eingeteilt, und meine Stimmung war zunächst gedämpft. Ich rechnete mit einem langen Tag und hatte Ratschläge aus dem fernen Berlin befolgt, die mir nahe legten, mich selbst und meine Mit-Wahlhelfer:innen mit Kuchen zu versorgen. Das hebe die Stimmung und halte die Motivation hoch. Also buk ich Democracy Muffins mit Buttermilch-Fluff und Schokoraspeln.

Abkühlgitter mit Muffins, kleinen Waffelbecherküchlein und daneben der Leitfaden zum Wahltag der Stadt Dortmund

Für 14:15 Uhr, so hieß es im Schreiben der Stadt, solle ich an den Westfalenhallen erscheinen, dann sei Einlass, #wegenderaktuellenSituation in Etappen. Zu meiner Freude hatte die Stadt nicht nur eine Messehalle gemietet, sondern vier. Es waren 2.000 Menschen bestellt, um die knapp 100.000 Briefe auszuzählen und das Drumherum zu managen.

Ich saß an einem Tisch mit zwangsrekrutierten Lehrer:innen. Wir verstanden uns auf Anhieb.

Wir stellten schon sehr früh fest, dass es sich bei der Briefwahlauszählung offensichtlich um so etwas wie ein Escape-Game handelte. Man muss es Koffer öffnen, der am Tisch steht, und erst wenn alle Rätsel gelöst sind, darf man wieder raus.

Zunächst arbeiteten wir Checklisten ab: Wir hakten ab, ob alles da war, einschließlich uns selbst. Dann begann das Escape-Game.

Rätsel I – Öffnen der Briefumschläge. Aufgabe: ungültige Briefe finden. Briefwahlbriefe sind ungültig, wenn der beiligende Wahlschein nicht unterschrieben ist, wenn die Wahlzettel sich nicht im blauen Umschlag befinden und noch aus zwei, drei Gründen mehr. Wir fanden vier ungültige Wahlbriefe, und hatten damit das erste Rätsel gelöst.

Die blauen Wahlbriefe werden gezählt, überhaupt wird immer alles gezählt, und es ist gut, wenn bei mehrmaligem Zählen dieselben Zahlen rauskommen.

Die Briefe mit den Stimmzetteln kamen danach in die Urne, und die Urne wurde versiegelt.

Rätsel II, 18 Uhr – Öffnen die blauen Wahlbriefe, ungültig ausgefüllte Stimmzettel finden. Stimmzettel sind ungültig, wenn der Wählerwille nicht erkennbar ist. Wir fanden einen Fall: von den vier Stimmzetteln (Oberbürgermeister:in, Rat, Bezirksvertretung, Ruhr-Parlament) waren zwei korrekt ausgefüllt, zwei weitere auf ganzer Länge durchgestrichen. Zweites Rätsel gelöst!

Rätsel III: Wie viele Menschen wollen wen zur Oberbürgermeisterin haben? Die Musiklehrerin gab den Takt vor, wir sortierten und zählten, zählten nochmal. Nach gelöstem Rätsel lief ich zur Schnellmeldestelle und gab das Ergebnis ab. Drittes Rätsel gelöst!

Rätsel IV: Wie viele Menschen haben welche Partei in den Rat gewählt? Wieder zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung. Aber: Hindernis! Bei der Schnellmeldung stellte die Mitarbeiterin der Stadt fest, dass wir 301 gültige Stimmen haben, die Summe der Parteistimmen ergab aber nur 299. Ich lief wieder zurück zur Schriftführerin, großes Hallo! Sie hatte vergessen, zwei Stimmen auf den Schnellmeldezettel zu übertragen. Wir trugen sie nach, ich lief wieder zur Schnellmeldestelle. Viertes Rätsel gelöst!

Rätsel V: Wie viele Menschen haben welche Bezirksvertretung gewählt? Zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung.

Rätsel VI: Wie viele Menschen haben welche Vertreter fürs Ruhr-Parlament gewählt? Zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung. Sechstes Rätsel gelöst!

Jetzt mussten wir nur noch die Stimmzettel, sortiert nach Wahlen, in Boxen verpacken und die Boxen im Koffer verstauen. Tetris-Erfahrung half. Danach: Koffer schließen, versiegeln und Check-Out.

Erfolgreicher Escape um 20:30 Uhr!

Fazit: Kurzweilig. Man lernt neue Leute kennen. Teamplay und Sorgfalt sind wichtig. Ich kann das Game weiterempfehlen.

Lauter Wahlurnen ab Abend vor der Westfalenhalle

#serviceblog: Ergebnisse der Kommunalwahl in Dortmund

Neben mir haben noch weitere Menschen von den Service-Organisationen Ladies’ Circle (da bin ich Mitglied) und Round Table Dortmund ausgezählt. Wir waren insgesamt 16 Leute und werden unser Erfrischunsgeld (16 mal 40 Euro) an das Kinderkrebsprojekt Fruchtalarm spenden.


Spurensuche | Den Samstag verbrachte ich mit Recherche zu meinem Buchprojekt “Käthe Paulus”, genauer gesagt mit dem Suchen nach Zusammenhängen. Denn Käthe Paulus hat ihre Erfindung, den Paketfallschirm, mit Beginn des Ersten Weltkriegs dem Preußischen Kriegsministerium angedient. Das Kriegsministerium lehnte zunächst ab, kam aber nach dem Tod eines Artilleriebeobachters auf sie zurück. In ihrem Nachlass befinden sich Dokumente dazu, unter anderem der Vertrag mit dem Ministerium über die Lieferung von Fallschirmen, außerdem Korrespondenz und Berechnungen. Darin tauchen Namen von Personen auf, die in der Inspektion und in der Luftschifferversuchsabteilung tätig waren. Allerdings gibt es zu diesen Menschen heute keine Akten mehr: Die Akten der Luftstreitkräfte des Ersten Weltkriegs sind gemeinsam mit dem Schriftgut der Preußischen Armee samt und sonders (bis auf wenige Ausnahmen) 1945 im Heeresarchiv in Potsdam verbrannt. Dennoch fand ich Zusammenhänge, die mich die Geschichte erzählen lassen, wie die Verbindung zwischen Käthe Paulus und den Preußischen Luftstreitkräften zustande kam.

Im Paulus-Nachlass taucht zum Beispiel als ein Name “von Kehler” auf. Recherche: Käthe Paulus nahm von 1910 bis 1911 Motorflugunterricht beim Flugpionier Paul Engelhard. Paul Engelhard war beim Unternehmen Flugmaschinen Wright GmbH in Berlin Johannisthal unter Vertrag. Flugmaschinen Wright gehörte einem Richard von Kehler. 1913 wurde das Unternehmen nach einem Patentrechtsstreit aufgelöst. Richard von Kehler übernahm als Hauptmann der Reserve daraufhin Aufgaben im Stab der Luftschiffertruppen – und genehmigte laut Nachlass den Vertrag mit Käthe Paulus, der Ex-Flugschülerin seines Ex-Unternehmens. Heureka! Die beiden kannten sich also schon vorher.

Ich recherchierte noch zu weiteren Namen. Nicht zu allen fand ich etwas, aber was ich fand, war stimmig. Auch der Berliner Wohnort von Käthe Paulus in Reinickendorf ist kein Zufall: 1896 baute die Preußische Armee die erste Luftschiffereinheit der Welt auf – in der heutigen Julis-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding, nahe Reinickendorf und südöstlich des Flughafens Tegel. 1906 wurde in Tegel, im ehemaligen Jagdgebiet Jungfernheide, die erste Luftschiffhalle gebaut. Es entstand der “Luftschifferhafen Reinickendorf”. 1914 wurde die Militäreinheit umbenannt in “Luftschifferersatzabteilung”, Aufgabe: Ausbildung der Feldluftschiffertruppen und Geländeaufklärung mit dem Fesselballon. Mit der Luftschifferersatzabteilung führte Käthe Paulus laut Nachlass rege Korrespondenz.


Übernachtungsgast | Nach dem Escape-Game traf gestern Abend ein Übernachtungsgast ein: Djure war auf der Durchreise und brauchte ein Sofa. Wir saßen bis in die Nacht zusammen, nahmen ein paar geistige Getränke zu uns und schnackten.

Djure hatte gesagt: “Wenn ich bei dir übernachte, backe ich dir am nächsten Morgen Pancakes.”

Frühstückstisch mit Pancakes

Ich kann ihn als Übernachtungsgast uneingeschränkt weiterempfehlen.

Auch so ein Mensch, den ich übers Bloggen und Twittern kennengelernt habe. Toller Ort, dieses Internet.


Gelesen | Was mit unseren Stimmzetteln nicht stimmt – aus Designersicht

Eindrücke aus dem Osnabrücker Land, Partytanten-Content und eine Influencerin für Best Ager

17. 08. 2020  •  12 Kommentare

Verzug | Ich hänge hinterher, was das Erzähltippen angeht. Es war zu heiß, außerdem gibt es noch das Offline-Leben. In dem sind manchmal Dinge los, die besser sind also die Online-Welt.


Wochenende | So begab ich mich dieser Tage ins Osnabrücker Land zu meiner ältesten Freundin. Sie hatte kinderfrei und den Wunsch, in der kinderfreien Zeit einfach dazusitzen und Pizza aus dem Karton zu essen, begleitet von dem ein oder anderen geistigen Getränk, letzteres womöglich im Gartenpool der Kinder verkostend, mit Papierschirmchen. Ihr fiel in diesem Zusammenhang mein Name ein. Ich kam kurz ins Grübeln, welches Bild meine Freunde von mir haben und was sie über meine Kernkompetenzen und Standardaktivitäten denken. Ich wischte den Gedanken aber beiseite, weil ich sofort damit begann, ein Sortiment an Getränken zusammenzustellen, das diesem Ereignis zuträglich sein würde.

Im Osnabrücker Land regnete es zunächst. Das machte aber nichts. Wir setzten uns auf den Dorfplatz unter einen Schirm, bestellten Käsekuchen mit Mandarinen und machten nichts außer in die Gegend zu gucken.

Käsekuchen, Latte Macchiato vor verregnetem westfälischen Platz mit Bäumen und Kirche

Für Menschen mit kleinen Kindern ist das eine ungewöhnliche Tätigkeit, das weiß ich aus vielfältigen Beobachtungen. Einfach nur dasitzen, in der Stille des Regens; es gibt nur das Plätschern, ein Stück Kuchen und die Frage, ob’s noch ein zweiter Milchkaffee sein darf; ab und zu geht jemand vorbei, den man grüßt. Hier grüßt man alle, das ist hier ein Dorf. Aber sonst sitzt man nur da und guckt in die Gegend. Das ist tatsächlich eine meine Kernkompetenzen; dabei bin ich eine gute Begleitung.

Am Nachmittag, als wir wieder zu Hause waren, kamen zwei Frauen aus dem Dorf vorbei. Es spricht sich herum, wenn eine der ihren sturmfrei und Besuch von einer Freundin aus der Großstadt hat. Da muss man mal rumkommen und etwas Wichtiges klären; vielleicht brauchen die beiden ja Hilfe, und Hilfe wird auf dem Dorf groß geschrieben. So saßen wir am Nachmittag, als der Regen nachgelassen hatte, unter dem Kirschbaum, es gab Eiskaffee, am Klettergerüst wiegte sich die Schaukel im Wind, und wir erzählten uns Dorftratsch. Genauer gesagt: Die drei Dorfdamen erzählten sich Dorftratsch, und ich lauschte, wer aktuell mit wem, wer einst wie zu wem kam und was bald wo vererbt wird.

Am nächsten Morgen besuchten wir das örtliche Freibad. Es befindet sich in der Dorfmitte, und weil es sich um einen Kurort handelt, ist das Bad sehr gut ausgestattet, für die jungen wie für die alten Gäste. Es gibt verschiedene Becken: eins zum Schwimmen für die Großen, eins zum Schwimmen für die Kleinen, eins zum Verweilen für Rücken und Hüfte, einen Wasserspielplatz für die ganz Jungen und eine Rutsche mit Hubbeln.

Als ich nach dem Schwimmen dasaß und vor mich hintrocknete, beobachtete ich ein Verhalten der indigenen Bevölkerung, das mich in dem Vorhaben bestärkte, meinen Altersruhesitz in diesen Ort zu verlegen. Denn Schwimmengehen geht dort so: Der verrentete Frühschwimmer legt daheim seine Schwimmkleidung an, steigt in seinen Frottee-Bademantel und seine Adiletten, wirft sich ein Handtuch über die Schulter und schlufft ebenso ausstaffiert durchs Dorf zum Freibad – der Weg ist schließlich nicht weit, nur einmal über’n Platz, links, rechts und überhaupt: Man kennt sich ja. Im Bad hängt er den Bademantel an einen dafür vorgesehenen Haken, schlüpft aus den Adiletten und schwimmt eine Runde. Dann legt er alles wieder an, rubbelt sich einmal kräftig mit dem Handtuch durchs Haar, wirft es über die Schulter und schlufft durchs Dorf wieder zurück. Vielleicht bleibt er dabei auf einen Plausch stehen oder kehrt kurz in die Bäckerei ein und nimmt sich ein Doppelback mit; das ist alles üblich und sorgt für keinerlei Aufruhr.

Als ich auf einem Holzpodest am Rande des Solewassers saß, sah ich sehr deutlich meine Zukunft vor mir. Wie ich mich im Anschluss an die tägliche Badeeinheit zu Hause in Ordnung bringe und mich dann im Bistro auf ein zweites Frühstück treffe, jeden Tag am gleichen Tisch, ist klar. Danach bin ich müde und ziehe mich zu einem Nickerchen zurück. Anschließend starte ich frisch erholt in den Nachmittag und gehe pünktlich zum Feierabend der Berufstätigen für ein paar Besorgungen in den Edeka.

Natürlich rutschten wir an diesem Morgen auch. Die Rutsche dort ist super, man kriegt richtig Fahrt, hebt ein bisschen ab und landet mit dicken Spritzern unten im Becken. Zur Frühschwimmerzeit sind dort keine Kinder – man kann sich also ungeniert und mit Karacho alle Sorgen von der Seele rutschen.


Im Glauben aufwachsen | Irgendwann kamen dann die Kinder zurück, darunter das kleine Patenmädchen, das sich aufrichtig freute, dass ich da war, was wiederum mich sehr freute. Wir bauten dem Patenmädchen ein Bett auf, denn es ist jetzt Vorschulkind, und Vorschulkinder brauchen ein Bett für große Leute, das ist ja allgemein bekannt. Ich war die Schubladenbeauftragte. Weil ich in meinem Leben schon hundertdrölf Ikea-Schubladen zusammengeschraubt habe, ging das fix. Dann spielten wir noch etwas Ball und Frisbee im Pool, und ich las dem Patenmädchen aus dem mitgebrachten Buch vor, das da heißt: Überall Popos. Ein empfehlenswertes Werk über … ja, Popos und Brüste und Vulvas, klein und groß und spitz und weich, mit und ohne Dellen, prall und rund oder flach und schlaff, mit und ohne Haare; ein Buch darüber, wie unterschiedlich alles aussehen kann und dass das alles normal ist. Aufgabe einer Partytante Patentante ist ja, daran mitzuwirken, das Kind im Glauben zu erziehen, und ich finde, es sollte in dem Glauben aufwachsen, dass es richtig und perfekt ist, so wie es ist, und dass auch andere richtig sind, so wie sie sind.


Jutub| Vatta hat sein iPhone verlegt, genauer gesagt verloren. Vielleicht wurde es auch geklaut, jedenfalls zog das Ereignis einige Dinge nach sich. Bei diesen Dingen stieß ich auf eine Youtube-Influencerin.

Sie haben diese Influencer sicherlich vor Augen – junge Menschen, die Millionen Follower dadurch bekommen, dass sie über Dinge reden, von denen wir noch nie etwas gehört haben; die ein Video davon machen, wie sie Games zocken, oder die sich dabei filmen, wie sie Produkte auspacken.

Heute lernte ich Greta Silver kennen, auch eine Influencerin, aber eine für – wie sagt man? – Best Ager. Greta Silver hat einen Youtube-Kanal mit knapp 30.000 Abonnentinnen und Abonnenten und widmet sich Themen wie “Neue Freunde finden”, “Trauer loslassen”, “Warum Hausfrau sein so wichtig ist” oder “Beziehung mit Vorgeschichte”. Das ist auf mehreren Ebenen faszinierend – nicht nur, dass es auch Youtube-Stars für Menschen Ü60 gibt. Auch die Themenwahl und die Darbietung im Video ist bemerkenswert. Ich muss mich noch näher einarbeiten.


Gelesen und angesehen | Da sein |  Kindesmisshandlung erkennen – eine Infografik | George Sand, George Eliot oder Vernon Lee haben Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreiche Bücher geschrieben. Es sind Pseudonyme von Frauen, die unter Männernamen geschrieben haben, damit ihre Bücher bessere Chancen am Markt haben. Sie bekommen jetzt ihren Namen zurück.

Corona-Service | Wie Sars-CoV-2 Zellen am Suizid hindert und macht, das infizierte Zellen möglich lange am Leben bleiben und helfen, dass sich das Virus vermehrt | Graffiti in Mittelfranken | Testzentren und die Digitalisierung in Deutschland: Befunde per Fax, Auswertung von Hand

Ausflug in einen grünen Salon und ein First-World-Problem

5. 08. 2020  •  3 Kommentare

Exkursion | Heute war ich in unbekannten Gefilden: in der Dortmunder Nordstadt. Dort bin ich selten oder nie, fahre höchstens mal durch – mit dem Auto oder mit dem Fahrrad.

Die Nordstadt ist ein, nun ja, Viertel mit Entwicklungspotential. Auf der einen Seite eine hohe Bevölkerungsdichte: 60.000 Menschen wohnen dort, drei Viertel haben einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig ist es das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Nordrhein-Westfalens, viele Studierende, Künstler und Freischaffende leben und arbeiten in der Nordstadt.

Ich traf Christian, der jetzt Freiheit nach Fahrplan hat, außerdem Nicole von Echt Nordstadt und Annette von den Borsigplatz-Verführungen. Wir aßen im Grünen Salon, das war überdurchschnittlich lecker.

Biergartentisch von oben, vier Menschen sitzen daran. Darauf: Rhabarberschorlen, Salat, Rührei, Brot.

Nach Mango-Aioli und in Knoblauch gerösteten Kartoffelscheiben stand ich, als ich meinen MNS aufsetzte, kurz vor der Ohnmacht.

Vorher und nachher habe ich einige Besorgungen erledigt und mir unter anderem Kurzflossen fürs Schwimmen gekauft. Ich möchte den Kraulbeinschlag verbessern, so dass er mehr aus der Hüfte kommt und ich überhaupt mal ein Gefühl für den Wasserwiderstand bekomme. Das fehlt mir in den Beinen. Die Paddles haben mir gut geholfen, die Armtechnik zu verbessern. Mal schauen, ob die Flossen bei den Beinen helfen.

Ich erledigte alles mit dem Fahrrad. Das waren etwas über 20 Kilometer. Auto wäre unsinnig gewesen. Weil mein Auto seit Mitte März nur noch zur Fahrt in den Supermarkt aus der Garage kommt – vom Ausflug nach Essen oder nach Heidelberg mal abgesehen – meckerte letztens der Partikelfilter des Diesels und ich musste ihn freifahren. 30 Minuten auf der Bundesstraße bei 2200 Umdrehungen – eine halbe Stunde Zeit, um über die eigene Klimabilanz nachzudenken.

Nun ja, für Anfang September ist eine Expedition an die Nordsee geplant. Dann kriegt das Auto Auslauf. First-World-Problems.


Abenteuer | Ich habe mich als Wahlhelferin für die Kommunalwahl im September beworben. Das Leben braucht Abenteuer.


Geschenke | Heute war ein toller Post-Tag! Ich erhielt eine Postkarte und noch eine Postkarte und ein Geschenk. Das war super. Ich habe mich gefreut wie Bolle.

Zwei Postkarten, eine mit Eis und eine mit der Aufschrift "Immer in unserem Herzen - Heidelberg", Buch "Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen, eine Schale mit Brombeeren

Die Brombeeren kamen nicht mit der Post, die sind aus dem Garten.


Gelesen und angeguckt | Wahlalter: Die Reifeprüfung. Ich finde, man sollte Menschen stets früh Verantwortung geben, damit sie daran wachsen. Gilt für alle Dinge, auch fürs Wählen. | Landkarte, wie Fische sie im Flur hängen habenVerliebt, verlobt, verrechnet: Frauen in der GeldfalleFrankreichs Maßnahmen gegen Hitze in den Städten: Fahrverbote für Autos, mobile Springbrunnen, mehr Grün. Zehn Prozent weniger Beton in den Städten senkt die Temperatur um drei Grad. Das geht zum Beispiel, indem man Parkplätze durch Parks ersetzt.

Corona-Service | Christian Drosten ist zurück und gibt uns Hausaufgaben auf: “Jeder Bürger sollte in diesem Winter ein Kontakt-Tagebuch führen.”

Intervallflipper, Urlaubsreminiszenzen und Anemonen-Melancholie

25. 07. 2020  •  6 Kommentare

Flipper | Ich schwamm, und es war sehr schön. Diesmal baute ich etwas Intervalltraining in meine zweieinhalb Kilometer ein, vier 50-Meter-Sprints. Beim letzten Sprint wurde die Bahn ziemlich lang. Heidenei, das zog sich.

Ich war über mich selbst erstaunt, wie schnell ich kraulen kann und wie viel es für die Geschwindigkeit ausmacht, die Atemfrequenz möglichst weit runterzuschrauben. Ich schwamm Viererzug, wann immer es ging, und Dreierzug, nur zwischendurch mal hier und da einen Zweier, das machte erstaunlich viel aus. Am Bahnende pumpte ich wie ein Maikäfer. Aber es war super, werde ich jetzt öfter machen.


Anemonen-Melancholie | Der Garten ist in diesem Jahr an einigen Dingen sehr langsam (gefühlt), in anderen schnell. Die Gurken und die Zucchini brauchen noch, und die Hortensien gehen jetzt erst auf. Vielleicht kommt es mir aber nur so langsam vor, weil ich #wegenderaktuellenSituation praktisch danebensitze und zuschaue, wie es wächst.

Dafür sind die Herbstanemonen schon am Start. Das Blühen der Herbstanemonen macht mich jedes Jahr melancholisch, denn geneinsam mit dem Hibiskus sind die Anemonen die letzten Blüher, die kommen. Dieses Jahr bin ich noch melancholischer, denn ich rechne fest damit, dass wir im Herbst und im Winter steigende Infektionszahlen haben und ich viel alleine zuhause sein werde.

Bis dahin genieße ich den Sommer jeden Tag, ob mit oder ohne Sonnenschein, und schwimme so oft es geht.


Reminiszenz | Heute vor sechs Monaten stieg ich übrigens zum Strand von Arguamul hinab.

Felsiger Weg hinab zu einem Strand, der eingekeilt ist von Bergen. Die Sonne scheint.

Heute vor 28 Monaten war der letzte Tag in Italien, Tag 30 des geschenkten Monats, und ich setzte zum Monte Isola über, der Insel im Iseosee.

Monte Isola vom Wasser aus

Angeguckt und gelesen | 53 Meerschweine mit epischen Frisuren | “Your’re alone and the water is so cold”, südöstlich von Neuseeland, in der Nähe der Antipodeninseln. Dort komme ich raus, wenn ich vor meiner Haustür anfange zu buddeln und mich bis zum anderen Ende der Erde durchgrabe. Und Sie? | Während hier das Wetter moderat ist, brennt Sibirien: In Werchojansk am Polarkreis wurden im Juni 38 Grad gemessen, die Temperaturen liegen zehn Grad über dem Durchschnitt, es gibt 188 Brandherde. | Tuğba Tekkal, Spielerin in der Fußball-Bundesliga, über Rassismus auf und neben dem Platz.

Gurkiperium. Unorthodox. Jahreszeitengefühl.

19. 07. 2020  •  19 Kommentare

Wochenende | Nix passiert. Auch schön.

Geschwommen. Wocheneinkauf gemacht. Getränke geschleppt. Ein bisschen den Garten umgeräumt. Aus dem Vogelfutter sind Sonnenblumen gewachsen, eine ist zwei Meter groß geworden und blüht nun. Ich habe sie vors Gewächshaus getragen. Dort kann ihren Anblick ausführlicher genießen.

Garten, Steinmauer, dahinter gewächshaus. Davor einige Töpfe, einer mit Sonneblumen

Das Gemüse kommt. Wenn die Gurkenblüten allesamt zu Gurken werden, werde ich die Herrscherin über ein Gurkenimperium, quasi ein Gurkiperium.

Balkon aufgeräumt, Vertrocknetes weggeschnitten, Grünzeug aus den Fugen gezupft, gefegt.

Die Echinacea vor dem Fenster ist eine Wonne. Auch die Bienen freuen sich.

Sonnenhut-Blüte aus der Nähe. Eine BIene sitzt drauf, eine weitere fliegt gerade heran, mit Nektar am Bein.

Die Bienen und Hummeln feiern weiter Party im Lavendel und im Allium. Das Eisenkraut, das ich mir aus den Ippenburger Gärten mitgebracht habe, kommt bei den Schmetterlingen gut an.

Eisenkraut mit violetten Blüten und weißem Schmetterling

Ich habe übrigens Menschen zum Ippenburg-Besuch inspiriert. Ich fühle mich ja immer wie eine VIP-Influencerin, wenn Leute irgendwohin fahren, weil ich darüber gebloggt habe.

Ich habe eine Fruchtfliegenfalle in der Küche und das Gefühl, der Apfelessig betört mich mehr als die Fliegen. Ich fühle mich völlig zugekifft von dem beißenden Geruch, während die Fruchtfliegen mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf, deutlich größer als sie selbst, durch meine Küche schwirren.


Jahreszeitengefühl | Neulich im Feld. Der Sommer schreitet sichtbar voran.

Im vergangenen Jahr hatte ich kaum ein Gespür für die Jahreszeiten, weil ich immer gearbeitet habe, unterwegs war, gearbeitet habe, zwischen Duisburg, Dortmund und Hannover gependelt bin, zwischendurch mal im Freibad war, aber kaum im Garten gesessen habe. Das ist das Gute an diesem Sommer: Mit jeder Woche verändert sich die Natur, und ich habe die Muße, daran teilzuhaben.


Käthe | Den Prolog geschrieben. Er wird noch Überarbeitung brauchen. Aber es gibt ihn schonmal.


Gelesen | Unorthodox von Deboarah Feldman. Klappentext:

In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Deborah Feldman führt uns bis an die Grenzen des Erträglichen, wenn sie von der strikten Unterwerfung unter die strengen Lebensgesetze erzählt, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer Zwangsehe. Und von der alltäglichen Angst, bei Verbotenem entdeckt und bestraft zu werden. Sie erzählt, wie sie den beispiellosen Mut und die ungeheure Kraft zum Verlassen der Gemeinde findet – um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt.

Randomhouse

Die Satmarer fühlen sich schuldig, dass sie den Holocaust überlebt haben – und sehen es als ihre Aufgabe, alles zu tun, damit es keinen zweiten Holocaust gibt. Das geht nur mit einem Leben nach strengsten religiösen Regeln. Die Schuld, nicht fromm genug zu sein, begleitet Devoireh, die Ich-Erzählerin, durch ihre Kindheit. Im Erwachsenenalter setzt sie sich fort, denn der Körper einer Frau ist schmutzig und schamhaft. Sie wird zwangsverheiratet, bekommt eine Panikstörung. Die Familie nimmt intensiv Anteil am erfolglosen Vollzug der Ehe – ein Albtraum. Als Devoireh schließlich schwanger wird, gelangt sie wieder zu einer Einheit von Körper und Geist und schafft es nach und nach, sich von Schuldgefühlen und religiösen Zwänge zu lösen.

Buch "Unorthodox" auf Gartenstuhl

Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen. Packend. Besonders gut gefällt mir, wie wenig anklagend es ist: Deborah Feldman erzählt sehr neutral, sehr sachlich. Insbesondere in der Beschreibung ihrer Ehe wird deutlich, wie sehr auch der Ehemann in den Zwängen der Religion und der Erwartungen der Familie verhaftet ist. Auch wenn er schlimmen psychischen Druck auf Devoireh ausübt und sie wöchentlich – nach den Riten Freitags – zum Sex nötigt, wird doch klar, dass auch er ein Opfer ein.

Netflix hat eine Miniserie gleichen Namens gemacht (Trailer) – mit einer Hauptfigur namens Esty. Ich werde sie mir demnächst mal anschauen, denn sie scheint anders zu sein als das Buch: Das Buch spielt ausschließlich in New York und endet mit der Scheidung Deborahs, die in der Ich-Form erzählt. Der Umzug nach Berlin wird nur im Epilog thematisiert.

Interview mit Deborah Feldmann bei der Deutschen Welle.



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