Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Allgemein«

Sommerferien und Mäusefang

27. 06. 2022  •  17 Kommentare

Gartenstatus | Bald blühen auch die Königkerzen. Die Königskerze ist das lange, gelbe Ding im zweiten Bild.


Broterwerb | Mehrmals Inhouse-Webinare gegeben: „Hybrides Office – Büro- und Remote-Arbeit integrieren“ und „Hybrid und Digital moderieren“. Für diese Woche habe ich vorbereitet: „Hybrid als Team“. Alles drei für einen Kunden, der noch nicht viele digitale Tools im Einsatz hat. Normalerweise arbeite ich in diesen Themen mit einem digitalem Whiteboard, Kanban-Boards und referiere auf Microsoft 365. Diesmal war die Herausforderung, einen gutes Webinar zu machen und gute Inhalte ohne viele Tools zu vermitteln. Ich denke, dass das ganz gut gelungen ist.

Dazwischen habe ich zu drei Seminarworkshops telefoniert, für die ich Mitte Juli nach Chemnitz reise. Darauf freue ich mich doppelt: auf die Leute und auf die Stadt. Ich war noch nie in Chemnitz.


Stadt | Ich fuhr in die Innenstadt. Anlass war, dass ich ein Rezept benötigte. Dazu drei Bemerknisse:

  1. Warum (Herrgottsakra!) gibt es in unserem Land immer noch kein elektronisches Rezept? Ich radelte eine halbe Stunde lang in die Stadt – mit Auto oder Öffis dauert es genauso lang – ließ meine Krankenkassenkarte einlesen und wartete 20 Minuten auf eine Unterschrift auf einem Blatt Papier, das ich dann in eine Apotheke trug. Von dort fuhr ich wieder 30 Minuten zurück. Dauerte alles in allem knapp eineinhalb Stunden. Natürlich in der Arbeitszeit.
  2. Wie gesagt: Ich radelte. Dortmund lobt sich gerne bezüglich seiner ach so schönen Radwege, Route der Industriekultur und so. Der gesamten städtischen Radwege-Euphorie liegt allerdings die Idee zugrunde, dass Bürger und Bürgerinnen nur Sonntags zur Freude radeln, entlang renaturierter Bahntrassen, auf dem Gepäckträger ein erbauliches Picknick. Radfahrer, die zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Kita, zur Schule, zum Arzt, zu Behörden, zu Freunden oder eben zum Rezeptholen radeln, sind gekniffen, denn schöne Radwege über schöne Bahntrassen führen nicht zum Ziel. Die Radwege entlang der Verkehrsstraßen – also solche Radwege, die zu Alltagzielen führen – haben starken Offroad-Charakter; die Wegeführung ist … nun ja … fantasievoll. Zurzeit sind diese fantasievollen Offroad-Wege noch offroadiger, denn Dortmund ist voller Baustellen. Der Autoverkehr ist davon am wenigstens beeinträchtigt: Für ihn gibt es Baustellenspuren, Barken, Umleitungen, Abklebungen, geänderte Streckenführung. Radfahrer hingegen fahren abrupt vor die Absperrung, holpern über Schotter oder umkurven Bagger, die grad die Schaufel schwenken. Sowas macht mich wütend.
  3. Und dann: Einzelhandel. Ich benötige Stoffhosen, die ich in der Hitze beim Kunden tragen kann. Ein Paar Riemchensandalen für die gehobene Freizeit wären auch schön, ebenso Mokkassins. Weil ich also schonmal in der Innenstadtwar, ging ich in fünf Geschäfte, aber es gab weder das eine noch das andere noch das weitere: Größe nicht da, kaum noch Sommerkleidung vorhanden (stattdessen schon Herbstware), fragwürdig-großmütterliche Designs. Ich war wirklich willens, gutes Geld auszugeben, aber es ging einfach nicht. Also fuhr ich unverrichteter Dinge wieder heim. Was helfen würde beim Offline-Shopping: ein durchsuchbarer Warenbestand der Innenstadt-Geschäfte mit der Info, was es in welchen Läden gibt und welche Größen vorrätig sind. Dann könnte ich gezielt die Geschäfte ablaufen, die Ware anprobieren und kaufen. So war es leider sehr viel Aufwand für kein Ergebnis.

Insgesamt ein wenig erbaulicher Ausflug.


Ferienprogramm | In Nordrhein-Westfalen sind seit Freitag Sommerferien. In den kommenden zwei Wochen machen der Reiseleiter und ich abwechselnd zwei Tage frei, wir unternehmen etwas mit den Kindern, dann arbeiten wir zwei Tage, dann machen wir wieder frei. Heute Ausflug zum Wesel-Dattel-Kanal. Dort gibt es Fische, die Füße anknabbern, und wir sahen große Binnenschiffe. Das alte Wasserwerk von Sickingmühle, das einst zum Chemiepark in Marl gehörte, versinkt langsam und wird der Natur überlassen.


Und sonst | Im Garten fing ich nach und nach vier kleine Mäuse, machte mit ihnen jeweils einen Radausflug in den Nachbarstadtteil und entließ sie an einer Pferdewiese in neue Abenteuer.

Maus in der Lebendfalle

Gelesen | Die To-Do-Liste zur Rettung des Planeten

Serviceblog | Über Extremwetter und den Klimawandel berichten – ein Leitfaden für Medien

Ausprobiert | Interaktiver Rechner: So teuer könnte Ihre Gasrechnung bald werden. Puuh.

Tagebuch der Kalenderwochen Elf und Zwölf: Familienhilfe und Lesung, Garten, Broterwerb und eine gemalte Kuh

26. 03. 2022  •  6 Kommentare

Management Summary | Zucchini, Kürbis, Schnittlauch, Kapuzinerkresse gesät. Beete gedüngt. Salbei, Bohnenkraut und Erdbeeren eingepflanzt. Eisenkraut ins Beet gesetzt. Heftige Frühjahrsgefühle entwickelt.

Freunde empfangen. Gebruncht und Waffeln gebacken. Auf ausdrücklichen Wunsch keinen Spaziergang eingeplant, sondern ausschließlich Essensaufnahme.

Möbel für ukrainische Familien aufgebaut, unter anderem das Etagenbett Vitval. Mit Abstand das Gruseligste, was ich jemals vom Möbelschweden zusammengebaut habe, fürchterlich. Zum Glück gab’s am nächsten Tag Regenerationswaffeln.

„Die drei !!!“-Film gesehen. Ich bin weiterhin unterwältigt von deutschen Kinderfilmen.

Broterwerb: Workshops gehalten, Angebote geschrieben, zum Kunden gefahren, Ideen geteilt, nach Essen gefahren und einen Reflexionstag gestaltet, Workshops vorbereitet, viele Mails geschrieben, in Hamm aus „Käte“ gelesen.

Das Fingeralphabet gelernt. Ich kann nun in Gebärdensprache buchstabieren und habe einen Gebärdennamen.

Fahrrad gefahren, mit Kindern von A nach B. Dann ohne Kinder von B nach A. Die Natur roch sehr gut. Das war schön.


Lesung | Am Donnerstag las ich in der Buchhandlung von Margret Holota in Hamm aus „Die Frau, die den Himmel eroberte“. Ich war der letzte Teil einer Reihe zum Thema „Frauen“. Es war eine sehr schöne Veranstaltung. Die Buchhandlung war voll, das Publikum fragte und lachte. Das hat viel Spaß gemacht.

Lesundtisch, im Hintergrund Stühle fürs Publikum in einer Buchhandlung

Wie bei jeder Lesung brachte ich Material aus dem Nachlass mit und erzählte zwischen den Lesestücken von den Recherchen, wie die Ballonfahrten und die Logistik drumherum damals funktionierten und wie alles zusammenhing: historische Ereignisse, wissenschaftliche Entwicklungen und technische Erfindungen.

Unter den Gästen in Hamm war auch eine Ururur-Enkelin der ersten Ballonfahrerin Deutschlands, Wilhelmine Reichard. Im Nachhinein sind mir noch viele Dinge eingefallen, die ich sie hätte fragen können. Aber im Trubel der Lesung ging das in meinem Gehirn unter. Mist.


Gelernt | Zwischen Dortmund und Athen gab es mal eine durchgehende Zugverbindung, den Hellas-Express. Stationen: Dortmund – Duisburg – Köln – Mainz – Mannheim – Stuttgart – München – Salzburg –  Villach – Ljubljana – Zagreb – Belgrad – Niš – Skopje – Thessaloniki – Athen. Streckenlänge: 2948 Kilometer. Fahrzeit von Dortmund bis nach Athen: 50 Stunden.


Muh! | Das große Patenmädchen studiert Kunst, ist spezialisiert auf naturalistische Illustration und hat mir selbst gemalte und produzierte Postkarten geschickt. Das ist ja wohl mehr als großartig, oder?

Habe ich eingerahmt und aufgehängt.


Familienhilfe | Zum Aufbau der Möbel für ukrainische Familien kam es so: Ich bin ja Mitglied im Dortmunder Ladies‘ Circle. Wir sind eine Service-Organisation und versuchen, im Kleinen Gutes zu bewirken. Das Ganze gibt’s auch in männlich, die Organisation heißt dann Round Table. Mit denen sind wir eng verbandelt. Gemeinsam unterstützen wir aktuell das Klinikum Dortmund. In der dortigen Kinderonkologie werden Kinder aus der Ukraine behandelt. Die Mütter und Geschwister benötigen Wohnraum. Wir haben drei Wohnungen organisiert und die leeren Wohnungen eingerichtet – mit privat gespendeten Möbeln, aber auch mit viel Mobiliar, das uns Ikea zur Verfügung gestellt hat.

Ein Elektro-Markt aus Meschede spendete Geräte für Küche und Haushalt. Inzwischen sind die Frauen und Kinder eingezogen. Im Instagram-Account des LC63 Dortmund gibt’s mehr Bilder dazu.


#dieaktuelleSituation | Wir streichen nun alle Infektionsschutzmaßnahmen. Derweil sind in Krankenhäusern ganze Stationen geschlossen, Personalausfälle allerorten, die Dienste sind – wenn besetzt – auf Kante genäht, und es finden an etlichen Orten keine Elektiv-Operationen mehr statt. Die Situation im Gesundheitswesen bekümmert allerdings niemanden so richtig, außer diejenigen, die darin arbeiten. Ebenso ist es mit der Situation an Schulen. Aktuell befinden sich 35.000 Lehrkräfte und 340.000 Schüler und Schülerinnen in Isolation und Quarantäne. Digitalisierung und Modernisierung sind, so scheint’s, vom Tisch. Ich weiß, wir haben grad viele Herausforderungen, aber wenn wir in Bildung und Gesundheit nicht bald das Ruder rumreißen, wird es übel. Also: noch übler.


Gelesen | Warum ist Schulsport so demütigend?

Gelesen | Francis Fukuyama, Politikwissenschaftler an der Universität Stanford, Kalifornien: Putin wird die Niederlage seiner Armee nicht überleben – 12 Thesen zum Krieg in der Ukraine. Derweil gibt der Historiker Karl Schlögel einen Abriss über Putins Denkweise [€] und kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Russland den Krieg verlieren wird. Er fürchtet allerdings das Danach:

Die Auflösung des Imperiums, die mit dem Ende der Sowjetunion begann, ist nicht zu Ende. Sie geht weiter, und Putin erschien als Garant der Stabilität gegen das Chaos: Putin ist Russland, und Russland ist Putin – genau das hat er der Welt lange erfolgreich weisgemacht. Doch was heißt das im Umkehrschluss für Russland, wenn Putin von den Ereignissen überrollt wird und die Desintegration der Russischen Föderation die wahrscheinliche Folge ist? Gibt es dann kein Russland mehr, kann es keines mehr geben? Politische Untergangspropheten werden genau das predigen. Und das Fatale ist: Putin hat nicht nur den Prozess der russischen Selbstfindung in den Neunzigern mit Gewalt beendet. Er hat auch alle Strukturen zerstört, auf die es bald ankommen wird, wenn Russland im Chaos des Umbruchs eine neue Ordnung finden will. […]

An welchen Fronten und Bruchlinien das Imperium auseinanderfällt, ist zum jetzigen Zeitpunkt unabsehbar. Wer wird die Fanatiker im Zaum halten und den Machtübergang auch nur halbwegs human moderieren können? Wir müssen auf alles gefasst sein und sollten zu Gott beten, dass es dann rettende Kräfte gibt, von denen wir heute noch keine Ahnung haben.

An was glaubt Putin?

Gelesen | 14 Internet-Milliardäre, die kein Schwein kennt

Dramaturgische Energie

8. 10. 2021  •  10 Kommentare

Keine Präsidentensuite | Uff, uff, toughe Woche. Wochenende in Haltern, am Sonntag zurück nach Dortmund. Am Montag Übersiedelung von Dortmund nach Wuppertal für Kundenworkshops. Am Mittwoch Rückkehr nach Dortmund. Am Donnerstag Aufbruch nach Berlin.

Dabei eine Anhäufung von Widrigkeiten, die ins Absurde abglitt. Am Mittwochnachmittag geriet ich zunächst in eine Vollsperrung auf der A1. Eineinhalb Stunden verbrachte ich auf der Autobahn – immerhin bestens unterhalten durch Senta Berger und Bettina Rust. Beste Wünsche für die Verletzten. Solch ein Ereignis macht mich immer demütig.

Am nächsten Morgen Zugfahrt nach Berlin: „Verspätete Bereitstellung“, schon vor dem Losfahren in Dortmund hatten wir fünfzehn Minuten Verspätung. In Hamm kam der zweite Zugteil nicht; wir verbrachten 45 Minuten wartend im Bahnhof. In Hannover musste ein Fenster abgeklebt werden; wir blieben nochmal 30 Minuten im Bahnhof. In Berlin angekommen, fuhr keine S-Bahn gen Osten: Notarzteinsatz an den Hackeschen Höfen. Ich schlug mich zum Hotel durch. An der Hotel-Rezeption großes Staunen über meine Ankunft: Man hatte meine Buchung übersehen. Ich konnte nicht einmal böse sein, ich bestaunte lediglich die dramaturgische Energie des Tages. Zwanzig Minuten telefonierte man eifrig, schob Zimmer von links nach rechts, telefonierte wieder. Ich hoffte auf die Präsidentensuite mit Obstkorb. Vergeblich. Schade, schade.


Signierte Käte | Meine Kiez-Buchhandlung Transfer hat die ersten signierten Bücher verschickt. Ich war dort, habe die Bestellungen bearbeitet und persönliche Widmungen geschrieben.

Falls Sie das auch möchten, für sich oder als Geschenk: Bestellen Sie das Buch im dortigen Online-Shop. Sie unterstützen damit auch eine unabhängige Buchhandlung. Im Warenkorb gibt es ein Freitextfeld („Sie können uns auch eine Nachricht hinterlassen“). Tragen Sie dort ein, was Sie haben möchten. Hier geht’s direkt zum Buch.


Gelernt | Arktis heißt wörtlich: Bären da. Antarktis: Keine Bären da. Weil: arctos, griechisch, ist „der Bär“. Ich stelle mir nun vor, wie vor vielen Jahren ein Polarforscher anlandete, sich umguckte, ein Bär hinter einem Eisberg hervorguckte, und er sagte: „Heureka! Land der Bären!“ Wenig später paddelte er an den gegenüberliegenden Pol, sah keine Bären, und sagte: „Sapperlot, Land ohne Bären!“

In dem Kontext auch gelernt: Der europäische Braunbär hat den Namen Ursus arctos arctos, Bär Bär Bär. Der bärigste Bär Bär. Roar.

Edit: Das stimmt natürlich alles nur so halb – siehe Kommentare.


Impressionen aus Berlin | Spielplatz im FEZ in Wuhlheide, Sonnenuntergang am Ostkreuz, Kreuzberger Markthalle und ein Fuchs am Hamburger Bahnhof.


Gelesen | Krisenforscher Frank Roselieb im Interview: „Die Klimakrise ist nicht akut genug, um danach zu handeln.“

Beim Klimaschutz geht es ja nicht nur darum, ein paar Milliarden mehr bereitzustellen, sondern um massive Veränderungen. Und die kann man als Politiker nur rechtfertigen, wenn der Druck enorm hoch ist. Diesen Druck spüren die meisten Deutschen beim Klimawandel aber noch nicht. Und eine Krise wird noch lange nicht als Krise verstanden, nur weil man sie so bezeichnet.


Impressionen aus Haltern | Romantischer Mais.


Ausprobiert | Der Journalist Clive Thompson hat ein Tool gebaut, mit dem er nur die Satzzeichen eines Textes darstellen kann: Just the punctuation. Er erzählt, was er dadurch gelernt hat: What I Learned About My Writing By Seeing Only The Punctuation.

Ich habe es ausprobiert. Teil Eins, Seiten 11 bis 144, meines Buches „Die Frau, die den Himmel eroberte“:

Ein langer Streifen voller Satzzeichen

Der Prolog:

Ein breiter Streifen mit Satzzeichen

Dänemark, Teil III: Wohnen wie die Wikinger, beschwerliche Wege, ein Kaffee in Aalborg und Rast auf dem Friedhof

1. 09. 2021  •  5 Kommentare

Gestern konnte ich nicht für Sie erzähltippen, denn ich war k.o. und hatte kein Lust. Aber heute gehts.

Kleijtrup – Støvring | Als wir gestern auf unsere Fahrräder stiegen, hatte sich gerade der Nebel über dem See gelichtet, und der Hausherr des Bed & Breakfast war mit vier Fischen die Wiese hinaufgestapft.

Wir fuhren zunächst zum Wikingermuseum Fyrkat. Oder besser gesagt: Wir schoben. Denn Komoot führte uns schon bald von der Landstraße weg auf Kies- und Schotterwege. Auf dem Bild sieht es ganz okay aus. Mit Gepäck und ohne Mountainbike-Bereifung sinkt man aber so tief ein, dass ein Fahren nicht möglich ist – zumal bergauf.

Nach dem Schotter kam dann ein Waldweg mit Sandlöchern. Dort war es nicht besser.

Schiebend, drückend und ziehend erreichten wir das Wikingermuseum Fyrkat im Hobro. Fyrkat ist eine Burganlage mit Wall. Sie entstand in der Zeit Harald Blauzahns im zehnten Jahrhundert. Man kann die Wallanlage besichtigen, ein nachgebautes Wikingerhaus und ein Dorf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wie Wikinger gekleidet. Manch einer fährt auf einem Aufsitzrasenmäher herum.

Die Wikinger hatten es gemütlich. Aber ich denke schon, dass es etwas fußkalt war. Auch scheinen mir die Sitten recht robust gewesen zu sein.

Kurz hinter dem Wikingermuseum erreichten wir die Ortschaft Hobro. Sie liegt am Mariagerfjord. Wenn man sein 25 Kilo schweres Fahrrad eine steile Wiese hinauf schiebt, in mehreren Viehgattern stecken bleibt, aber trotzdem tapfer ist, hat man danach eine schöne Aussicht auf den Fjord.

Falls Sie im letzten Satz eine dezente passiv-aggressive Grundstimmung wahrnehmen, haben Sie vollkommen recht.

Wir verließen Hobro über holprige Wald- und Schotterwege und dann …

„Was kam danach?“, frage ich den Reiseleiter. Er denkt eine Weile nach. Dann sagt er: „Danach kam nix.“

Das beschreibt es außerordentlich gut. Hügelauf nd hügelab radelten wir über Landstraßen. Bestimmt kam zwischendurch ein Dorf. Ich erinnere mich aber nicht mehr. Das einzige, was ich erinnere ist, dass ich keine Kraft hatte: nicht in den Beinen, nicht in den Armen und nicht im Herzen.

Irgendwann sagte der Reiseleiter: „Gleich kommt ein See, da machen wir Pause.“ Ich fragte ihn mit schwachem Stimmchen, wie weit es noch bis zu dem See sei. Er antwortete: „Noch vier Kilometer oder so.“

Es waren noch dreiundzwanzig.

Die letzten drei mussten wir wieder schieben. Diesmal hatten wir jedoch Gesellschaft: Eine Armee von Mücken fraß uns dabei auf. Als rotbeulige, verschwitzte Gestalten erreichten wir den Store Økssø.

Immerhin: Man konnte dort wunderbar schwimmen.

Bis zum Ziel in Støvring waren es dann noch fünfzehn Kilometer. Wieder mussten wir das letzte Stück schieben. Wir waren noch nie so froh anzukommen wie an diesem Abend. Als wir den Hof betraten, ging sofort die Sonne auf, denn unsere B&B-Gastgeberin Inge-Grethe war eine warmherzige Frau. Die Hofkatze mochte uns auch sofort, und der Reiseleiter kochte Nudeln mit Soße.

Die Etappe in Zahlen:


Støvring – Dybvad | Der heutige Morgen sah aus wie im Wilden Westen:

Wir brannten unsere Mückenstiche mit einem Bite-away-Stift nieder, frühstückten und setzten uns auf die Fahrräder. Es war direkt ein anderes Gefühl als gestern.

Nach rund einer Stunde erreichten wir Aalborg.

In Aalborg lernte ich, dass die Nordspitze Dänemarks eine Insel ist und Vendsyssel-Thy heißt. Der Limfjord trennt sie von der jütländischen Halbinsel. In Aalborg überquert man ihn.

Hinter Aalborg konnten wir richtig Gas geben. Die Strecke war gerade wie ein Strich und ohne jede Steigung. Denn wir hatten vom Vortag gelernt, unsere Strecke noch einmal umgeplant und die Kategorie „unbefestigte Wege“ aus der Streckenführung in Komoot eliminiert.

Im Ort Hjellerup machten wir eine Pause. Kirchen mit Friedhöfen, haben wir festgestellt, eignen sich hervorragend für Pausen. Auf ihnen stehen nämlich fast immer Bänke, oftmals auch Picknickbänke, und es gibt immer eine Toilette. Die Friedhofstoilette in Hjellerup war sogar dekoriert.

Als wir gerade wieder aufbrechen wollten, fuhr der örtliche Bestatter rückwärts vors Tor. Er müsse eben mal einen Sarg ausladen, sagte er entschuldigend zu uns, als sei dies eine entschuldigungswürdige Angelegenheit auf einem Friedhof. Nachdem er den Sarg in die Kapelle gebracht hatte, fragte er, woher wir kämen. Aus Deutschland, antwortete der Reiseleiter. Der Bestatter deutete auf den Stern an seinem Bestatterkombi und sagte: „Mein Auto kommt auch aus Deutschland.“ Und das, fuhr er fort, obwohl deutsche und dänische Särge unterschiedlich seien. Deutsche Särge hätten Füße, dänische nicht. „Es passt aber trotzdem.“

Wir verabschiedeten uns und fuhren die letzten Kilometer nach Dybvad. Hier wohnen wir in einer Kate hinter einem Landhaus.

Morgen geht es auf die letzten Etappe nach Skagen.

Warenwaben bei fünfzehn Grad, dazu Zucchini

18. 08. 2021  •  12 Kommentare

Fünfzehn Grad | Ein herbstlicher Atem wehte heute durch den Morgen. Der Regen prasselte. Die Anemonen senkten die Köpfe. Kälte kroch feucht durch die geöffnete Terrassentür in die Küche.

Üppiger Garten im Regen

Die Frau, die den Himmel eroberte | Noch 25 Tage bis Käte.


</Sommerferien> | Heute erster Schultag nach den Sommerferien. Die Inzidenz in Dortmund: 89,1. Bevor die beliebte Schule-auf-Schule-zu-Wechselunterrichtsdebatte beginnen kann, beendet das Schulministerium sie. Aus der aktuellen Schulmail des Landes NRW:

Mit einer Neufassung der Coronabetreuungsverordnung wurde nunmehr geregelt, dass der Präsenzunterricht inzidenzunabhängig gewährleistet wird. Damit ist der Schulbetrieb in Präsenz nicht mehr an bestimmte Inzidenzwerte gebunden.

Schulmail des Ministeriums für Bildung und Schule des Landes NRW vom 17. August 2021

Weiter heißt es:

Dies ist vor allem durch die vielfältigen, bewährten Schutzmaßnahmen wie Testungen, Maskenpflicht, Lüften […] verantwortungsvoll möglich.

Schulmail des Ministeriums für Bildung und Schule des Landes NRW vom 17. August 2021

Dann ist ja alles in Butter.


Alles anders herum | Der Penny-Supermarkt im Kiez hat renoviert. Eine Woche war er geschlossen. Nun ist alles anders herum. Der Eingang ist jetzt der Ausgang, die Kassen sind das Gemüse, nirgendwo liegt mehr Müll herum, nichts ist achtlos verräumt, statt Kippen gibt es Sushi. Die Anordnung ist sehr Ikea-ig, Konzept Markthalle mit Themeninseln. Die Kundschaft irrt durch die Gänge, erstaunt über Warenwaben und auf der Suche nach Eiern, Shampoo, Streichkäse.

Zwei Irrende treffen sich zum Frontalzusammenstoß, den Einkaufswagen vor dem Bauch. Die Eine murmelt eine Entschuldigung, leise schiebt sie ein „Ich suche …“ hinterher. Aber die Andere ist schon fort. Sie hat das Nicer Dicer Quick Set erblickt, bekannt aus Funk und Fernsehen und im Angebot für siebzehn neunundneunzig, das sind minus neunundvierzig Prozent auf die unverbindliche Preisempfehlung. Es gibt kein Halten mehr.

Auch ich fühle mich haltlos, emotional. Der Kopfsalat ist aus. Ich suche die Minzschokolade. Sonst finde ich alles. Sogar wieder hinaus.


A propos Ikea-ig | Gibt es unter den Leserinnen und Lesern Kenner des Produktes Pax, genauer gesagt des Produktes Ånstad-Schiebetüren im Kontext Pax? Wir haben hier nämlich eine Situation. Pax abgebaut, Pax wieder aufgebaut, aber die Schiebetüren sind sehr schwergängig. Die vordere ist zu eng an der hinteren. Man muss sie auseinanderziehen, keinerlei Geschmeidigkeit.

Alle Fehlersuche verlief bislang erfolglos: Oben ist es die richtige Schiene, unten auch (wirklich!), wir haben justiert und geschraubt, haben geschoben, gehoben und gedrückt.

Pax-Schrank von oben, zu sehen die Schiene mit eingehängter Schiebetür

Weiß wer was?


Wissenschaftsshow in Schulen | Die Physikanten bekommen in diesem Jahr noch Förderung für Schulshows – witzig-rasante Naturwissenschaftsshows mit Lehrmaterial. Interessierte Lehrer:innen können sich melden: mehr Infos und Kontakt.


Ernte | Die Zucchini performen. Die Thorstens auch. Sie sind ’ne Bank.

Schüssel mit zwei Zucchni, Tomaten, ein paar Chili

Gelesen | Professorin Herzbruch über Politiksimulation

Die Sommerpause mäandert ihrem Ende entgegen

6. 08. 2021  •  12 Kommentare

Bald wieder so richtig | Meine Sommerpause määndert ihrem Ende entgegen. Dann geht die Arbeit wieder los. Also, nicht nur ein bisschen hier und da, sondern so richtig – mit täglichen Terminen, fest im Kundenprojekt und richtig Wumms.

Ich kann gar nicht genau sagen kann, was es alles war, das ich in den vergangenen Tagen gemacht habe. Kommode aufgebaut, nochmal Marmelade eingekocht, ein bisschen Buchhaltung, ein bisschen Kinderferienprogramm, ein Ausflug ins Sauerländische, ein bisschen Hausarbeit, Auto gewaschen, einzelne berufliche Termine zum Eingrooven – was man so tut, wenn man zu Hause ist, noch frei hat, aber sich auch wieder ein bisschen an den Alltag gewöhnt.


Wohnungsverschönerung | Die neue Kommode sieht so aus:

Sie stammt aus einem Onlineshop für baltische Möbel und hat einen estnischen Migrationshintergrund.

Die Kommode ist eines von mehreren Möbelstücken, die im Zuge meiner großen Renovierungsaktion zu mir kommen. Eigentlich brauchte ich ja nur eine neue Matratze. Aber das Projekt uferte etwas aus, und nun habe ich neues Parkett, ein neues Bett, einen neuen Kleiderschrank, (bald) ein neues Arbeitszimmer, (bald) ein neues Regal, eine neue Wohnzimmerkommode und eine grundlegende Funktionsänderung einzelner Wohnungsteile.

Leider sind Arbeitszimmermöbel noch nicht da. Ich hatte gehofft – und eigentlich war es auch avisiert -, dass sie zum Ende meines Urlaubs bereits geliefert und aufgebaut sind. Nun ja.


Serviceblog | Für Sie getestet: die Arbeitswelt-Ausstellung in der Dortmunder DASA, gemeinsam mit den Beutekindern. Zitat K2 nach dem Besuch: „Das war ganz cool da.“

Finde ich auch. Man kann viel ausprobieren: Flugzeuge lotsen, baggern, Lärm machen, Schreibmaschine schreiben, man kann sich mit der Green Screen auf den Mond beamen, kann sich in Entspannungsmöbel legen, Flugwetter machen, Stubenfliegen mikroskopieren und alles mögliche Andere. Überall kann man anfassen, draufkletten, rumdrücken, draufschlagen. Das ist super. Der Eintritt ist aktuell kostenlos, auf der Website steht: „Wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie habt ihr bis zum 30.09.21 freien Eintritt!“ Das ist toll.


Sauerland | In Oberhenneborn, das direkt neben Niederhenneborn liegt, beides Ortsteile der Stadt Schmallenberg, war nix los.

Aber es gab Rührei im Landgasthof, schöne Bauerngärten und viel frische Luft.


Goldener Landfrauenorden | Die Erfahrung, dass Marmelade einkochen ziemlich simpel ist, hat zu einer Einkochwelle geführt. Ich habe nun Johannisbeere, Erdbeere und Erdbeere-Brombeere im Programm.


Be-Poncho-ung | Für die Fahrradreise Ende August (eine Woche durch Jütland, von Kolding bis hoch nach Skagen) habe ich mir einen Regenponcho gekauft – mit Seitenfenster, Hüftgurt und Fronttasche in Kükengelb. Er wird mich gegen ausdauernden Landregen schützen.

In meiner Brust schlagen dabei zwei Herzen: Einerseits möchte ich einigermaßen gegen Widrigkeiten gewappnet sein. Meine Laune wird sonst unterirdisch sein, im strömenden Regen gegen den Wind gen Norden trampelnd, vierzig Kilometer entfernt von der nächsten Zimtschnecke. Andererseits möchte ich mich nicht über-ausstatten. Schließlich unternehme ich keine mehrmonatige Tour über acht Gebirgsketten, sondern fahre lediglich ein paar hundert Kilometer durch Dänemark.


Broterwerb |  In den vergangenen zwei Tagen hatte ich schon wieder einzelne berufliche Termine, Führungskräftebegleitung. Das geht remote sehr gut. Überhaupt hat sich mit Webinaren und Remote-Beratung ein ganz neues Geschäftsfeld aufgetan.

Außerdem habe ich gemeinsam mit Andrea über unser Seminar „Frauen in Führung“ nachgedacht. Wir haben das Programm aufgestellt und den Ablauf der beiden Tage aufgestellt, so dass wir uns gut die Bälle zuspielen. Wir werden mit den Teilnehmerinnen ihr Führungsverständnis reflektieren, werden über männliche und weibliche Stereotypen sprechen und über den Umgang mit Dominanzverhalten, veralteten Vorstellungen und Situationen, die uns lähmen. Dazu habe ich heute auch inhaltlich schon Einiges vorbereitet. Das wird gut. Am zweiten Tag wird es persönlicher: Wir schauen mit den Teilnehmerinnen darauf, was sie (tatsächlich) erreichen möchten. Wir sprechen außerdem über Verantwortungs-Dysfunktionen, über Perfektionismus und  über Methoden der Selbstführung. Ziel ist es, gestärkt aus dem Seminar zu gehen, um auch dem Arbeitsalltag, Kolleginnen, Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeiter:innen gestärkt zu begegnen. 

Alle Teile sind interaktiv. Wir gestalten alles sehr praxisnah, zeigen Muster und auch, mit welchen Mitteln man ihnen begegnet. Ich überlege, ob wir auch Re-Enactment machen sollen – gemeinsam Szenen, die Teilnehmerinnen besonders schwierig empfinden, nachstellen und durchsprechen, um das Handlungsrepertoire zu erweitern. Das können wir auch spontan im Seminar klären – wie es sich für die Teilnehmerinnen gut anfühlt.


Gelesen | Gruner + Jahr – das bittere Ende der Story. Die G+J-Übernahme durch RTL ist inzwischen Realität. | 500.000 Bäume: Madrid will sich mit grüner Stadtmauer umgeben

Gesehen | Kritisch Reisen: Voll, voller, Ostsee – das überrannte Naturparadies

Einsatz in 4 Wänden. Menschen treffen. Junifreude.

23. 06. 2021  •  5 Kommentare

Einsatz in 4 Wänden | Fast zwei Wochen nicht gebloggt, aber enorm viel erledigt. Handwerker koordiniert. Gemalert. Möbel zusammengebaut. Freunde beim Möbelzusammenbauen begrillt. Zeugs von links nach rechts geschleppt. Zeugs aussortiert. Zeugs einsortiert. Geputzt.

Schlafzimmer steht: neues Bett (bin verliebt!), neue Lösung für die Kleidung. Wohnzimmer ist wieder einsatzbereit. Parkett ist top geworden.

Ich beglückwünsche mich für die Entscheidung, alles in einem Hauruck zu erledigen: Wohnzimmer überarbeiten, Neuverlegung in Schlafzimmer und Arbeitszimmer – auch wenn es etwas anstrengend war, zweieinhalb Wochen lang nur in der Küche zu wohnen.

Dabei Vollzeit gearbeitet. Bei 34 Grad. Das war alles zusammen etwas schlauchend.


Schatten und Licht | Die Dortmunder Freibäder schließen in diesem Sommer täglich um 18 Uhr. Super Sache für Berufstätige. Nicht. Schwimmen unmöglich, außer vielleicht an einzelnen Tagen.

Zum Glück bin ich nun Mitglied im Freibadverein in Sythen, rund 60 Kilometer nördlich. Dort sind die Bahnen zwar blöd abgetrennt, dafür hat das Bad bis 21 Uhr geöffnet, und für 85 Euro (Saisonkarte) haben zwei Erwachsene und drei Kinder eine Schwimm-Flatrate. Und: Es gibt eine lange Rutsche mit Kurven!


Broterwerb | In zwei Wochen ist Urlaub, und bis dahin ist nochmal richtig was los: drei Präsenzveranstaltungen – zwei Workshops mit einem Kunden und ein Seminar bei Pro Content. Die letzte Präsenzveranstaltung, die ich hielt, ich habe es nachgesehen, ist ein Jahr her: 15. Juni 2020. Und nun gleich drei Veranstaltungen in zwei Wochen. Verrückt. Und toll.

Der erste Workshop war Anfang dieser Woche. Am Montag reiste ich einen Tag früher an, um mit einem Teilnehmer aus Berlin etwas zu essen. Das erste Geschäftsessen seit … keine Ahnung, wann. Wir sehen uns zwar regelmäßg remote, sind uns aber schon Ewigkeiten nicht mehr live und in Farbe begegnet und freuten uns beide ganz dolle.

Im Restaurant wars ziemlich leer.

Am nächsten Tag auch mit und unter den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern große Wiedersehensfreude.

Der Workshop war an einem Ort, den ich uneingeschränkt empfehlen kann: das Internationale Evangelische Tagungszentrum in Wuppertal. Super Service, unauffällig und doch herzlich und absolut perfekt, tolle Räume, luftiges Ambiente, gut zum Raus- und Runterkommen, tolles Essen, schöne Zimmer zum Übernachten.

Morgen fahre ich für ein Seminar nach Essen. Mit Volontärinnen und Volontären spreche ich einen Tag lang über den Umgang mit Stress, über Selbstbehauptung und Umgang mit Konflikten.

Alle Veranstaltungen natürlich mit Test vorab.


Garten | Im Garten stehen die Rosen in voller Blüte. Die Tomaten kommen langsam. Die neu gepflanzten, aus Bielefeld importierten Pflanzen sind super angegangen und geben alles.

Meine liebste, allerliebste Jahreszeit.

Auch im Kiez ist es toll, im Feld und im Kleingartenverein. Nächstes Jahr klopfe ich an, ob sie ausbilden. Wahnsinn, wie in den Schrebergärten das Gemüse geht: Kohlköpfe wie Kanonenkugeln, Kartoffeln, Kohlrabi und Erdbeeren – es ist mir ein Rätsel, wie sie das machen. Dazu diese Ordnung!

Heiligabend, der Abend zuvor und Erstfeiertag

25. 12. 2020  •  3 Kommentare

Weihnachten | Ein ruhiges, ein schönes Weihnachten. Heiligabend mit meinem Vater. Der Erste Weihnachtstag allein. Der Zweite Weihnachtstag mit dem Knuffelcontact. Ein Fest mit den (einzigen) zwei Menschen, die ich auch sonst inhäusig treffe.

Das Fest begann am Abend des 23., als ich mich mit einem Berliner Damenklübchen virtuell betrank. Es war hervorragend. Wir unterhielten uns bis kurz vor Mitternacht und wurden dabei immer seeliger. Ohne #dieaktuelleSituation hätten wir das so nicht getan, es hätte wahrscheinlich ein Weihnachtstreffen vor Ort gegeben, dem ich aus Dortmund nicht hätte beiwohnen können. Nun, mit Pandemiekompetenz, trafen wir uns online, unabhängig vom physischen Ort, und amüsierten uns prächtig. Das war schön.

Im Adventskalender an Heiligabend: der Weihnachtsbaum 2028.

Tüte mit Samen, Aufschrift "Weihnachtsbaum 2028"

Am Vormittag wollte ich noch einmal durchsaugen und stieß dabei gegen den Weihnachtsbaum. Es rieselte in spektakulärem Ausmaß. Ich machte einen Fehler und schüttelte ihn prüfend. Jetzt ist er an etlichen Ästen kahl. Wir ziehen das aber durch, bis zur letzten Nadel. Auf den letzten Metern wird nicht aufgegeben.

Viele Tannennadel auf dem Boden

Heute ausschlafen, Frühstück, in der Küche rumpruscheln, Podcast hören und Weihnachtsspaziergang durchs Feld.

Feld mit einem Weg, auf dem Pfützen stehen, in denen sich die WOlken spiegeln

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Fest!


Käthe | Die vergangenen Tage verbrachte ich mit dem Manuskript. Das Roh-Manuskript hat 560 Seiten, Hardcover-Buchseiten. Vorgabe der Lektorin: kürzen auf 350, maximal 400 Seiten.

Ich begann vorne und ging Kapitel für Kapitel, Abschnitt für Abschnitt durch und fragte mich: „Brauche ich das?“ Für die Dramaturgie, für die Entwicklung der Figuren, für die Prämisse, die hinter der Geschichte steckt. Mit dem ersten Teil er Geschichte bin ich durch, habe von 560 auf 470 Seiten gekürzt. Der ursprüngliche Einstieg war überflüssig, die Handlung beginnt nun zwei Jahre später. Eine Figur ist rausgeflogen (fast), auf einzelne Szenen verzichte ich, die Redundanzen im Gedankenleben der Protagonistin sind fort. Es fühlt sich gut an. Siebzig Seiten, besser hundert müssen nun noch raus, und ich habe schon eine Ahnung, welche Handlungsteile das sein werden.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich sie dann überhaupt geschrieben habe. Die Sache ist: Wenn ich schreibe, weiß ich nicht, welche Szenen hinterher die guten sind. Wenn ich schreibe, ist es, als lese ich die Geschichte, die ich gerade erschaffe. Ich weiß selbst nicht, welche Szene als nächstes kommt, ich lasse die Figur frei, folge ihren Worten und Handlungen. Im Schreiben bekommt sie ein Eigenleben, und sie beginnt, sich selbst zu erschaffen. Indem ich die Figur schreibe, indem sie sich selbst schreibt, lerne ich sie mehr und mehr kennen. Mit der Figur wird auch die Prämisse der Geschichte klarer, also die Handlungsgrundlage der Figur; der Ausgangspunkt ihrer inneren und äußeren Konflikte.

Deshalb ist es nun leicht zu erkennen, welche der vielen Kapitel, Szenen und Abschnitte die Geschichte benötigt – und welche nicht. Es ist jetzt Fleißarbeit, die Handlung nach Überflüssigem zu durchstöbern. Dazu gehört auch, die Teile der Geschichte, die auf die gestrichene Szene Bezug nehmen, umzuschreiben.


Stadtentwicklung für alle | Frank arbeitet auch gerade an einem Buch. Es geht ums Fahrradfahren, um nachhaltige Mobilität und darum, wie heute Städte gestaltet sein sollten.

In Käthe Paulus‘ Zeiten wurde das Fahrrad erfunden – und ermöglichte Frauen einen größeren Aktionsradius. Käthe stieg seinerzeit mit einem sogenannten Fahrradballon auf und machte damit Werbung für die Adlerwerke.

Frank hat einen guten und fundierten Beitrag geschrieben, der Fahrradfahren, Stadtentwicklung und die Rolle von Frauen miteinander verbindet.

Städte für Menschen, sollten vor allen Dingen auch eines sein: Städte für Frauen. Es ist erstaunlich, wie sehr die Belange und Bedürfnisse von Frauen insgesamt und auch in Bezug auf Stadtplanung, alltägliche Wege und Erfordernisse unberücksichtigt bleiben. Gleichzeitig können wir feststellen, dass in vielen Städten mit hohem Radverkehrsanteil wie Kopenhagen oder Amsterdam im Verhältnis sehr viel mehr Frauen Rad fahren als anderswo. […] Kann es sein, dass in der Berücksichtigung von Frauen  und ihrer spezifischen Bedürfnisse eine Art Schlüssel für die Fahrradfreundliche Stadt bzw. die „Stadt der kurzen Wege“ liegt?

Frank Glanert über Emanzipation und Diversität in der Stadtplanung

A guy never tells | Für Weihnachten ist es zu spät. Aber ein Mann hat ja Geburtstag: GE Big Boy Household Appliances.


Gelesen | Die New York Times hat Thanksgiving mit sieben Familien verbrachte, die Angehörige an Covid-19 verloren haben – und geben den Toten und ihrer Familie damit ein Gesicht: A Holiday Haunted by Loss | Eine Ärztin aus Berlin-Neukölln schildert aus ihrer Praxis, warum die Infektionen nicht abnehmen: „Die Leute wissen nicht, worum es bei dieser Pandemie geht“ | Albrecht Broemme, ehemaliger Präsident des Technischen Hilfswerks, wurde mit dem Bau eines Impfzentrums beauftragt. Er hat erstmal mit Lego angefangen. Das mache ich ja auch sehr gerne. Weil man dreidimensional und beim Bauen mit den Händen viel besser denken kann als auf dem Papier. | Was macht heute einen guten Vater aus? Interview mit Blogger und Buchautor Christian Hanne über Arbeitsteilung, Ausflüchte und Ritter

Kill your darlings & konkretere Seminarplanung. Eine Adventsfeier am Lagerfeuer.

7. 12. 2020  •  6 Kommentare

Gemütswetter | Ein schwerer, feuchter Nebel liegt über diesen Tagen.


Broterwerb | Ich habe virtuell mit meiner Kollegin Andrea zusammengesessen. Wir haben zwei Seminare konzeptioniert. Im kommenden Jahr werden wir digital und in Präsenz etwas anbieten, das Sie frei bei uns buchen können:

  • Veränderung begleiten – Menschen und Teams im Wandel unterstützen. Veränderungen verunsichern und lösen Chaos aus, emotional und manchmal auch ganz praktisch. Sie laufen jedoch oft nach Mustern ab. Wir schauen auf Quellen und Notwendigkeiten für Wandel und reden darüber, wie man Veränderung in Gang bringt. Wir blicken auf emotionale Phasen, die der Wandel mit sich bringt, und erörtern, wie man Sicherheit in der Unsicherheit herstellt. Wir stellen Werkzeuge vor, mit denen man Mitarbeitende am Wandel beteiligt und liefern Beispiele aus der Praxis. Digital, zwei Vormittage voraussichtlich Ende Februar.
  • Kollegiale Führung – Flexibel führen in dynamischen Kontexten. Gerade bei komplexen, sich rasch wandelnden Marktanforderungen braucht es eine elastische, reaktionsfähige Organisation – mit kurzen Wegen, wenig Bürokratie und ohne Entscheidungsflaschenhälse. Der persönliche Führungsstil trägt viel dazu bei, gemeinsam mit dem Team anpassungsfähig und schnell zu reagieren. Wir betrachten das Prinzip der kollegialen Führung und die Rahmenbedingungen, die es braucht. Wir stellen Hilfmittel vor, Verantwortung sinnvoll zu teilen, Entscheidungen ins Team und zu den Mitarbeitenden zu bringen. Außerdem stellen wir Verfahren vor, Entscheidungen im Team zu treffen. Auch hier gibt es Beispiele und Lösungen aus der Praxis. Zwei Tage in Präsenz, voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni.

Das Präsenzseminar planen wir im Kloster Gnadenthal. Es liegt verkehrsgünstig zwischen Limburg und Frankfurt in der Nähe der Autobahn A3. Von der Geschwindigkeit der Autobahn ist in Gnadenthal allerdings nichts zu spüren. Es liegt geschützt in einem Tal aus Feldern und Streuobstwiesen. Die Tagungsräume des Klosters laden zum Lernen, zum Austausch und zur Reflexion ein. Sie sind groß und gut durchlüftet. Ein schöner Ort für Gedankenanstöße. 

Mehr zu den Inhalten der Seminare, zu Buchung und Konditionen demnächst.


Reminiszenzen | Vor elf Monaten. Sie fühlen es auch, oder? Die Wärme und das Licht.


Buchprojekt | Der Dezember steht jetzt im Zeichen von Käthe: Ich überarbeite das Manuskript, überprüfe jede Szene auf ihre dramaturgische Funktion, schmeiße raus und kürze ordentlich. Insgesamt werde ich rund 150 Seiten aus dem Manuskript rauskürzen, um die Geschichte zu straffen und auf die vereinbarte Seitenzahl zu kommen. Das klingt dramatisch nach Kill your darlings, betrübt mich aber keineswegs. Denn meine Arbeitsweise ist: Aufschreiben, was mir in den Sinn kommt, die Idee entwickeln, die Geschichte entstehen lassen, Dinge zum Leben erwecken – und dann aufs Wesentliche reduzieren. Das habe ich schon bei meiner journalistischen Arbeit so getan: Ein Viertel kann hinterher weg. Aber man weiß vorher halt nicht, welches Viertel.

Ich kürze recht unterschrocken und unemotional. Nichtsdesotrotz ist das natürlich eine Menge Arbeit: Alles lesen und über jedem Kapitel, jeder Seite und jedem Absatz entscheiden, ob sie eine dramaturgische Funktion haben, ob sie wichtig sind. Was bleibt, muss neu komponiert und choreographiert werden.

Der Verlag hat einen Titelvorschlag, der mir gut gefällt. Hachz.


Adventsfeier | #AufgrundderaktuellenSituation traf ich am Wochenende einen sehr kleinen Kreis von Menschen (3) an einer Feuerschale. Normalerweise gehen wir in ein Restaurant, normalerweise auch in einem größeren Kreis. Aber die Dinge sind, wie sie sind.

Bis Mitternacht standen und saßen wir bei Glühwein draußen im Garten und atmeten auf Abstand unsere Aerosole in den Wind.

Dank meiner kiloschweren Polarwinterjacke war mir wohlig warm: obenraum Jacke, das Lagerfeuer wärmte die Beine, im Bauch war Glühwein. Ein schöner Abend.

Vanessa spricht mit … Claudia Neumann und Stefanie Opitz

2. 12. 2020  •  2 Kommentare

Podcast | Wir alle sehen ihre Arbeit: Claudia Neumann und Stefanie Opitz arbeiten fürs ZDF, die eine als Sportreporterin und Fußballkommentatorin, die andere als Textredakteurin fürs sportstudio und für Großereignisse.

Ich habe mit den beiden gesprochen – über die Arbeit im Stadion und auf dem Ü-Wagen, übers Reportieren und Kommentieren und darüber, wie das Privatfernsehen die Fußballberichterstattung beeinflusst hat.

Corona hat die Arbeit von Claudia und Steffi verändert – wir reden darüber, wie.

Außerdem sprechen wir darüber, warum die Beiden eine Ausnahme sind: Denn Sportredaktionen bestehen zu 90 Prozent aus Männern. Zudem arbeitet Claudia Neumann gerade an einer Reportage über Frauen im Fußball – in Vorständen und auf der Trainer- und Schiedsrichterebene.


#serviceblog Kapitelmarken | Vielleicht möchtet Ihr nur in einzelne Themen reinhören. Dafür habe ich Kapitel gemacht. Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.


Shownotes zum Weiterlesen | Claudia Neumann im ZDF-Presseportal | Time2Talk: Stefanie Opitz | Reportage: Unterwegs mit Claudia Neumannn. Ein Stück von 2011, das gut ihre Arbeit als Fußballreporterin zeigt. | Claudias Buch: Hat die überhaupt ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten? Claudia erzählt darin von ihrer Kindheit, von ihrem Weg ins Fernsehen, sie spricht über ihre Arbeit als Reporterin und Kommentatorin und über Frauen im Fußball. | Hass im Netz: Gleich unter der Gürtellinie. Ein Interview mit Aminata Touré, Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig-Holstein, mit Fußballkommentatorin Claudia Neumann, mit der Schauspielerin Taneshia Abt und Anna-Lena von Hodenberg, der Geschäftsführerin von HateAid, einer Beratungsstelle, die Betroffene von digitaler Gewalt unterstützt. | Bachelor-Arbeit: Gewinner oder Verlierer – die Stellung der Frauen im Sportjournalismus. Die wissenschaftlich-theoretische Sicht auf Frauen in Sportredaktionen. | 30 Jahre WM-Finale 19190: Die magische Nacht von Rom | Equal Play von JungvMatt sports | Katja Kraus | Ella Poulhalec auf Vimeo


Plattformen | Den Podcast gibt es bei PodigeeSpotifySoundcloudDeezerGoogle Podcasts und auch bei Apple Podcasts.



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