Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Allgemein«

Ich ging auf Spurensuche, nahm an einem Escape-Game teil und bekam Pancakes

14. 09. 2020  •  12 Kommentare

Escape-Game | Den Sonntag verbrachte ich mit der Kommunalwahl. Erst wählte ich, dann fuhr ich auszählen. Ich war fürs Briefwahlzentrum eingeteilt, und meine Stimmung war zunächst gedämpft. Ich rechnete mit einem langen Tag und hatte Ratschläge aus dem fernen Berlin befolgt, die mir nahe legten, mich selbst und meine Mit-Wahlhelfer:innen mit Kuchen zu versorgen. Das hebe die Stimmung und halte die Motivation hoch. Also buk ich Democracy Muffins mit Buttermilch-Fluff und Schokoraspeln.

Abkühlgitter mit Muffins, kleinen Waffelbecherküchlein und daneben der Leitfaden zum Wahltag der Stadt Dortmund

Für 14:15 Uhr, so hieß es im Schreiben der Stadt, solle ich an den Westfalenhallen erscheinen, dann sei Einlass, #wegenderaktuellenSituation in Etappen. Zu meiner Freude hatte die Stadt nicht nur eine Messehalle gemietet, sondern vier. Es waren 2.000 Menschen bestellt, um die knapp 100.000 Briefe auszuzählen und das Drumherum zu managen.

Ich saß an einem Tisch mit zwangsrekrutierten Lehrer:innen. Wir verstanden uns auf Anhieb.

Wir stellten schon sehr früh fest, dass es sich bei der Briefwahlauszählung offensichtlich um so etwas wie ein Escape-Game handelte. Man muss es Koffer öffnen, der am Tisch steht, und erst wenn alle Rätsel gelöst sind, darf man wieder raus.

Zunächst arbeiteten wir Checklisten ab: Wir hakten ab, ob alles da war, einschließlich uns selbst. Dann begann das Escape-Game.

Rätsel I – Öffnen der Briefumschläge. Aufgabe: ungültige Briefe finden. Briefwahlbriefe sind ungültig, wenn der beiligende Wahlschein nicht unterschrieben ist, wenn die Wahlzettel sich nicht im blauen Umschlag befinden und noch aus zwei, drei Gründen mehr. Wir fanden vier ungültige Wahlbriefe, und hatten damit das erste Rätsel gelöst.

Die blauen Wahlbriefe werden gezählt, überhaupt wird immer alles gezählt, und es ist gut, wenn bei mehrmaligem Zählen dieselben Zahlen rauskommen.

Die Briefe mit den Stimmzetteln kamen danach in die Urne, und die Urne wurde versiegelt.

Rätsel II, 18 Uhr – Öffnen die blauen Wahlbriefe, ungültig ausgefüllte Stimmzettel finden. Stimmzettel sind ungültig, wenn der Wählerwille nicht erkennbar ist. Wir fanden einen Fall: von den vier Stimmzetteln (Oberbürgermeister:in, Rat, Bezirksvertretung, Ruhr-Parlament) waren zwei korrekt ausgefüllt, zwei weitere auf ganzer Länge durchgestrichen. Zweites Rätsel gelöst!

Rätsel III: Wie viele Menschen wollen wen zur Oberbürgermeisterin haben? Die Musiklehrerin gab den Takt vor, wir sortierten und zählten, zählten nochmal. Nach gelöstem Rätsel lief ich zur Schnellmeldestelle und gab das Ergebnis ab. Drittes Rätsel gelöst!

Rätsel IV: Wie viele Menschen haben welche Partei in den Rat gewählt? Wieder zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung. Aber: Hindernis! Bei der Schnellmeldung stellte die Mitarbeiterin der Stadt fest, dass wir 301 gültige Stimmen haben, die Summe der Parteistimmen ergab aber nur 299. Ich lief wieder zurück zur Schriftführerin, großes Hallo! Sie hatte vergessen, zwei Stimmen auf den Schnellmeldezettel zu übertragen. Wir trugen sie nach, ich lief wieder zur Schnellmeldestelle. Viertes Rätsel gelöst!

Rätsel V: Wie viele Menschen haben welche Bezirksvertretung gewählt? Zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung.

Rätsel VI: Wie viele Menschen haben welche Vertreter fürs Ruhr-Parlament gewählt? Zählen, sicherheitshalber nochmal zählen, Schnellmeldung. Sechstes Rätsel gelöst!

Jetzt mussten wir nur noch die Stimmzettel, sortiert nach Wahlen, in Boxen verpacken und die Boxen im Koffer verstauen. Tetris-Erfahrung half. Danach: Koffer schließen, versiegeln und Check-Out.

Erfolgreicher Escape um 20:30 Uhr!

Fazit: Kurzweilig. Man lernt neue Leute kennen. Teamplay und Sorgfalt sind wichtig. Ich kann das Game weiterempfehlen.

Lauter Wahlurnen ab Abend vor der Westfalenhalle

#serviceblog: Ergebnisse der Kommunalwahl in Dortmund

Neben mir haben noch weitere Menschen von den Service-Organisationen Ladies’ Circle (da bin ich Mitglied) und Round Table Dortmund ausgezählt. Wir waren insgesamt 16 Leute und werden unser Erfrischunsgeld (16 mal 40 Euro) an das Kinderkrebsprojekt Fruchtalarm spenden.


Spurensuche | Den Samstag verbrachte ich mit Recherche zu meinem Buchprojekt “Käthe Paulus”, genauer gesagt mit dem Suchen nach Zusammenhängen. Denn Käthe Paulus hat ihre Erfindung, den Paketfallschirm, mit Beginn des Ersten Weltkriegs dem Preußischen Kriegsministerium angedient. Das Kriegsministerium lehnte zunächst ab, kam aber nach dem Tod eines Artilleriebeobachters auf sie zurück. In ihrem Nachlass befinden sich Dokumente dazu, unter anderem der Vertrag mit dem Ministerium über die Lieferung von Fallschirmen, außerdem Korrespondenz und Berechnungen. Darin tauchen Namen von Personen auf, die in der Inspektion und in der Luftschifferversuchsabteilung tätig waren. Allerdings gibt es zu diesen Menschen heute keine Akten mehr: Die Akten der Luftstreitkräfte des Ersten Weltkriegs sind gemeinsam mit dem Schriftgut der Preußischen Armee samt und sonders (bis auf wenige Ausnahmen) 1945 im Heeresarchiv in Potsdam verbrannt. Dennoch fand ich Zusammenhänge, die mich die Geschichte erzählen lassen, wie die Verbindung zwischen Käthe Paulus und den Preußischen Luftstreitkräften zustande kam.

Im Paulus-Nachlass taucht zum Beispiel als ein Name “von Kehler” auf. Recherche: Käthe Paulus nahm von 1910 bis 1911 Motorflugunterricht beim Flugpionier Paul Engelhard. Paul Engelhard war beim Unternehmen Flugmaschinen Wright GmbH in Berlin Johannisthal unter Vertrag. Flugmaschinen Wright gehörte einem Richard von Kehler. 1913 wurde das Unternehmen nach einem Patentrechtsstreit aufgelöst. Richard von Kehler übernahm als Hauptmann der Reserve daraufhin Aufgaben im Stab der Luftschiffertruppen – und genehmigte laut Nachlass den Vertrag mit Käthe Paulus, der Ex-Flugschülerin seines Ex-Unternehmens. Heureka! Die beiden kannten sich also schon vorher.

Ich recherchierte noch zu weiteren Namen. Nicht zu allen fand ich etwas, aber was ich fand, war stimmig. Auch der Berliner Wohnort von Käthe Paulus in Reinickendorf ist kein Zufall: 1896 baute die Preußische Armee die erste Luftschiffereinheit der Welt auf – in der heutigen Julis-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding, nahe Reinickendorf und südöstlich des Flughafens Tegel. 1906 wurde in Tegel, im ehemaligen Jagdgebiet Jungfernheide, die erste Luftschiffhalle gebaut. Es entstand der “Luftschifferhafen Reinickendorf”. 1914 wurde die Militäreinheit umbenannt in “Luftschifferersatzabteilung”, Aufgabe: Ausbildung der Feldluftschiffertruppen und Geländeaufklärung mit dem Fesselballon. Mit der Luftschifferersatzabteilung führte Käthe Paulus laut Nachlass rege Korrespondenz.


Übernachtungsgast | Nach dem Escape-Game traf gestern Abend ein Übernachtungsgast ein: Djure war auf der Durchreise und brauchte ein Sofa. Wir saßen bis in die Nacht zusammen, nahmen ein paar geistige Getränke zu uns und schnackten.

Djure hatte gesagt: “Wenn ich bei dir übernachte, backe ich dir am nächsten Morgen Pancakes.”

Frühstückstisch mit Pancakes

Ich kann ihn als Übernachtungsgast uneingeschränkt weiterempfehlen.

Auch so ein Mensch, den ich übers Bloggen und Twittern kennengelernt habe. Toller Ort, dieses Internet.


Gelesen | Was mit unseren Stimmzetteln nicht stimmt – aus Designersicht

Eindrücke aus dem Osnabrücker Land, Partytanten-Content und eine Influencerin für Best Ager

17. 08. 2020  •  12 Kommentare

Verzug | Ich hänge hinterher, was das Erzähltippen angeht. Es war zu heiß, außerdem gibt es noch das Offline-Leben. In dem sind manchmal Dinge los, die besser sind also die Online-Welt.


Wochenende | So begab ich mich dieser Tage ins Osnabrücker Land zu meiner ältesten Freundin. Sie hatte kinderfrei und den Wunsch, in der kinderfreien Zeit einfach dazusitzen und Pizza aus dem Karton zu essen, begleitet von dem ein oder anderen geistigen Getränk, letzteres womöglich im Gartenpool der Kinder verkostend, mit Papierschirmchen. Ihr fiel in diesem Zusammenhang mein Name ein. Ich kam kurz ins Grübeln, welches Bild meine Freunde von mir haben und was sie über meine Kernkompetenzen und Standardaktivitäten denken. Ich wischte den Gedanken aber beiseite, weil ich sofort damit begann, ein Sortiment an Getränken zusammenzustellen, das diesem Ereignis zuträglich sein würde.

Im Osnabrücker Land regnete es zunächst. Das machte aber nichts. Wir setzten uns auf den Dorfplatz unter einen Schirm, bestellten Käsekuchen mit Mandarinen und machten nichts außer in die Gegend zu gucken.

Käsekuchen, Latte Macchiato vor verregnetem westfälischen Platz mit Bäumen und Kirche

Für Menschen mit kleinen Kindern ist das eine ungewöhnliche Tätigkeit, das weiß ich aus vielfältigen Beobachtungen. Einfach nur dasitzen, in der Stille des Regens; es gibt nur das Plätschern, ein Stück Kuchen und die Frage, ob’s noch ein zweiter Milchkaffee sein darf; ab und zu geht jemand vorbei, den man grüßt. Hier grüßt man alle, das ist hier ein Dorf. Aber sonst sitzt man nur da und guckt in die Gegend. Das ist tatsächlich eine meine Kernkompetenzen; dabei bin ich eine gute Begleitung.

Am Nachmittag, als wir wieder zu Hause waren, kamen zwei Frauen aus dem Dorf vorbei. Es spricht sich herum, wenn eine der ihren sturmfrei und Besuch von einer Freundin aus der Großstadt hat. Da muss man mal rumkommen und etwas Wichtiges klären; vielleicht brauchen die beiden ja Hilfe, und Hilfe wird auf dem Dorf groß geschrieben. So saßen wir am Nachmittag, als der Regen nachgelassen hatte, unter dem Kirschbaum, es gab Eiskaffee, am Klettergerüst wiegte sich die Schaukel im Wind, und wir erzählten uns Dorftratsch. Genauer gesagt: Die drei Dorfdamen erzählten sich Dorftratsch, und ich lauschte, wer aktuell mit wem, wer einst wie zu wem kam und was bald wo vererbt wird.

Am nächsten Morgen besuchten wir das örtliche Freibad. Es befindet sich in der Dorfmitte, und weil es sich um einen Kurort handelt, ist das Bad sehr gut ausgestattet, für die jungen wie für die alten Gäste. Es gibt verschiedene Becken: eins zum Schwimmen für die Großen, eins zum Schwimmen für die Kleinen, eins zum Verweilen für Rücken und Hüfte, einen Wasserspielplatz für die ganz Jungen und eine Rutsche mit Hubbeln.

Als ich nach dem Schwimmen dasaß und vor mich hintrocknete, beobachtete ich ein Verhalten der indigenen Bevölkerung, das mich in dem Vorhaben bestärkte, meinen Altersruhesitz in diesen Ort zu verlegen. Denn Schwimmengehen geht dort so: Der verrentete Frühschwimmer legt daheim seine Schwimmkleidung an, steigt in seinen Frottee-Bademantel und seine Adiletten, wirft sich ein Handtuch über die Schulter und schlufft ebenso ausstaffiert durchs Dorf zum Freibad – der Weg ist schließlich nicht weit, nur einmal über’n Platz, links, rechts und überhaupt: Man kennt sich ja. Im Bad hängt er den Bademantel an einen dafür vorgesehenen Haken, schlüpft aus den Adiletten und schwimmt eine Runde. Dann legt er alles wieder an, rubbelt sich einmal kräftig mit dem Handtuch durchs Haar, wirft es über die Schulter und schlufft durchs Dorf wieder zurück. Vielleicht bleibt er dabei auf einen Plausch stehen oder kehrt kurz in die Bäckerei ein und nimmt sich ein Doppelback mit; das ist alles üblich und sorgt für keinerlei Aufruhr.

Als ich auf einem Holzpodest am Rande des Solewassers saß, sah ich sehr deutlich meine Zukunft vor mir. Wie ich mich im Anschluss an die tägliche Badeeinheit zu Hause in Ordnung bringe und mich dann im Bistro auf ein zweites Frühstück treffe, jeden Tag am gleichen Tisch, ist klar. Danach bin ich müde und ziehe mich zu einem Nickerchen zurück. Anschließend starte ich frisch erholt in den Nachmittag und gehe pünktlich zum Feierabend der Berufstätigen für ein paar Besorgungen in den Edeka.

Natürlich rutschten wir an diesem Morgen auch. Die Rutsche dort ist super, man kriegt richtig Fahrt, hebt ein bisschen ab und landet mit dicken Spritzern unten im Becken. Zur Frühschwimmerzeit sind dort keine Kinder – man kann sich also ungeniert und mit Karacho alle Sorgen von der Seele rutschen.


Im Glauben aufwachsen | Irgendwann kamen dann die Kinder zurück, darunter das kleine Patenmädchen, das sich aufrichtig freute, dass ich da war, was wiederum mich sehr freute. Wir bauten dem Patenmädchen ein Bett auf, denn es ist jetzt Vorschulkind, und Vorschulkinder brauchen ein Bett für große Leute, das ist ja allgemein bekannt. Ich war die Schubladenbeauftragte. Weil ich in meinem Leben schon hundertdrölf Ikea-Schubladen zusammengeschraubt habe, ging das fix. Dann spielten wir noch etwas Ball und Frisbee im Pool, und ich las dem Patenmädchen aus dem mitgebrachten Buch vor, das da heißt: Überall Popos. Ein empfehlenswertes Werk über … ja, Popos und Brüste und Vulvas, klein und groß und spitz und weich, mit und ohne Dellen, prall und rund oder flach und schlaff, mit und ohne Haare; ein Buch darüber, wie unterschiedlich alles aussehen kann und dass das alles normal ist. Aufgabe einer Partytante Patentante ist ja, daran mitzuwirken, das Kind im Glauben zu erziehen, und ich finde, es sollte in dem Glauben aufwachsen, dass es richtig und perfekt ist, so wie es ist, und dass auch andere richtig sind, so wie sie sind.


Jutub| Vatta hat sein iPhone verlegt, genauer gesagt verloren. Vielleicht wurde es auch geklaut, jedenfalls zog das Ereignis einige Dinge nach sich. Bei diesen Dingen stieß ich auf eine Youtube-Influencerin.

Sie haben diese Influencer sicherlich vor Augen – junge Menschen, die Millionen Follower dadurch bekommen, dass sie über Dinge reden, von denen wir noch nie etwas gehört haben; die ein Video davon machen, wie sie Games zocken, oder die sich dabei filmen, wie sie Produkte auspacken.

Heute lernte ich Greta Silver kennen, auch eine Influencerin, aber eine für – wie sagt man? – Best Ager. Greta Silver hat einen Youtube-Kanal mit knapp 30.000 Abonnentinnen und Abonnenten und widmet sich Themen wie “Neue Freunde finden”, “Trauer loslassen”, “Warum Hausfrau sein so wichtig ist” oder “Beziehung mit Vorgeschichte”. Das ist auf mehreren Ebenen faszinierend – nicht nur, dass es auch Youtube-Stars für Menschen Ü60 gibt. Auch die Themenwahl und die Darbietung im Video ist bemerkenswert. Ich muss mich noch näher einarbeiten.


Gelesen und angesehen | Da sein |  Kindesmisshandlung erkennen – eine Infografik | George Sand, George Eliot oder Vernon Lee haben Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreiche Bücher geschrieben. Es sind Pseudonyme von Frauen, die unter Männernamen geschrieben haben, damit ihre Bücher bessere Chancen am Markt haben. Sie bekommen jetzt ihren Namen zurück.

Corona-Service | Wie Sars-CoV-2 Zellen am Suizid hindert und macht, das infizierte Zellen möglich lange am Leben bleiben und helfen, dass sich das Virus vermehrt | Graffiti in Mittelfranken | Testzentren und die Digitalisierung in Deutschland: Befunde per Fax, Auswertung von Hand

Ausflug in einen grünen Salon und ein First-World-Problem

5. 08. 2020  •  3 Kommentare

Exkursion | Heute war ich in unbekannten Gefilden: in der Dortmunder Nordstadt. Dort bin ich selten oder nie, fahre höchstens mal durch – mit dem Auto oder mit dem Fahrrad.

Die Nordstadt ist ein, nun ja, Viertel mit Entwicklungspotential. Auf der einen Seite eine hohe Bevölkerungsdichte: 60.000 Menschen wohnen dort, drei Viertel haben einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig ist es das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Nordrhein-Westfalens, viele Studierende, Künstler und Freischaffende leben und arbeiten in der Nordstadt.

Ich traf Christian, der jetzt Freiheit nach Fahrplan hat, außerdem Nicole von Echt Nordstadt und Annette von den Borsigplatz-Verführungen. Wir aßen im Grünen Salon, das war überdurchschnittlich lecker.

Biergartentisch von oben, vier Menschen sitzen daran. Darauf: Rhabarberschorlen, Salat, Rührei, Brot.

Nach Mango-Aioli und in Knoblauch gerösteten Kartoffelscheiben stand ich, als ich meinen MNS aufsetzte, kurz vor der Ohnmacht.

Vorher und nachher habe ich einige Besorgungen erledigt und mir unter anderem Kurzflossen fürs Schwimmen gekauft. Ich möchte den Kraulbeinschlag verbessern, so dass er mehr aus der Hüfte kommt und ich überhaupt mal ein Gefühl für den Wasserwiderstand bekomme. Das fehlt mir in den Beinen. Die Paddles haben mir gut geholfen, die Armtechnik zu verbessern. Mal schauen, ob die Flossen bei den Beinen helfen.

Ich erledigte alles mit dem Fahrrad. Das waren etwas über 20 Kilometer. Auto wäre unsinnig gewesen. Weil mein Auto seit Mitte März nur noch zur Fahrt in den Supermarkt aus der Garage kommt – vom Ausflug nach Essen oder nach Heidelberg mal abgesehen – meckerte letztens der Partikelfilter des Diesels und ich musste ihn freifahren. 30 Minuten auf der Bundesstraße bei 2200 Umdrehungen – eine halbe Stunde Zeit, um über die eigene Klimabilanz nachzudenken.

Nun ja, für Anfang September ist eine Expedition an die Nordsee geplant. Dann kriegt das Auto Auslauf. First-World-Problems.


Abenteuer | Ich habe mich als Wahlhelferin für die Kommunalwahl im September beworben. Das Leben braucht Abenteuer.


Geschenke | Heute war ein toller Post-Tag! Ich erhielt eine Postkarte und noch eine Postkarte und ein Geschenk. Das war super. Ich habe mich gefreut wie Bolle.

Zwei Postkarten, eine mit Eis und eine mit der Aufschrift "Immer in unserem Herzen - Heidelberg", Buch "Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen, eine Schale mit Brombeeren

Die Brombeeren kamen nicht mit der Post, die sind aus dem Garten.


Gelesen und angeguckt | Wahlalter: Die Reifeprüfung. Ich finde, man sollte Menschen stets früh Verantwortung geben, damit sie daran wachsen. Gilt für alle Dinge, auch fürs Wählen. | Landkarte, wie Fische sie im Flur hängen habenVerliebt, verlobt, verrechnet: Frauen in der GeldfalleFrankreichs Maßnahmen gegen Hitze in den Städten: Fahrverbote für Autos, mobile Springbrunnen, mehr Grün. Zehn Prozent weniger Beton in den Städten senkt die Temperatur um drei Grad. Das geht zum Beispiel, indem man Parkplätze durch Parks ersetzt.

Corona-Service | Christian Drosten ist zurück und gibt uns Hausaufgaben auf: “Jeder Bürger sollte in diesem Winter ein Kontakt-Tagebuch führen.”

Intervallflipper, Urlaubsreminiszenzen und Anemonen-Melancholie

25. 07. 2020  •  6 Kommentare

Flipper | Ich schwamm, und es war sehr schön. Diesmal baute ich etwas Intervalltraining in meine zweieinhalb Kilometer ein, vier 50-Meter-Sprints. Beim letzten Sprint wurde die Bahn ziemlich lang. Heidenei, das zog sich.

Ich war über mich selbst erstaunt, wie schnell ich kraulen kann und wie viel es für die Geschwindigkeit ausmacht, die Atemfrequenz möglichst weit runterzuschrauben. Ich schwamm Viererzug, wann immer es ging, und Dreierzug, nur zwischendurch mal hier und da einen Zweier, das machte erstaunlich viel aus. Am Bahnende pumpte ich wie ein Maikäfer. Aber es war super, werde ich jetzt öfter machen.


Anemonen-Melancholie | Der Garten ist in diesem Jahr an einigen Dingen sehr langsam (gefühlt), in anderen schnell. Die Gurken und die Zucchini brauchen noch, und die Hortensien gehen jetzt erst auf. Vielleicht kommt es mir aber nur so langsam vor, weil ich #wegenderaktuellenSituation praktisch danebensitze und zuschaue, wie es wächst.

Dafür sind die Herbstanemonen schon am Start. Das Blühen der Herbstanemonen macht mich jedes Jahr melancholisch, denn geneinsam mit dem Hibiskus sind die Anemonen die letzten Blüher, die kommen. Dieses Jahr bin ich noch melancholischer, denn ich rechne fest damit, dass wir im Herbst und im Winter steigende Infektionszahlen haben und ich viel alleine zuhause sein werde.

Bis dahin genieße ich den Sommer jeden Tag, ob mit oder ohne Sonnenschein, und schwimme so oft es geht.


Reminiszenz | Heute vor sechs Monaten stieg ich übrigens zum Strand von Arguamul hinab.

Felsiger Weg hinab zu einem Strand, der eingekeilt ist von Bergen. Die Sonne scheint.

Heute vor 28 Monaten war der letzte Tag in Italien, Tag 30 des geschenkten Monats, und ich setzte zum Monte Isola über, der Insel im Iseosee.

Monte Isola vom Wasser aus

Angeguckt und gelesen | 53 Meerschweine mit epischen Frisuren | “Your’re alone and the water is so cold”, südöstlich von Neuseeland, in der Nähe der Antipodeninseln. Dort komme ich raus, wenn ich vor meiner Haustür anfange zu buddeln und mich bis zum anderen Ende der Erde durchgrabe. Und Sie? | Während hier das Wetter moderat ist, brennt Sibirien: In Werchojansk am Polarkreis wurden im Juni 38 Grad gemessen, die Temperaturen liegen zehn Grad über dem Durchschnitt, es gibt 188 Brandherde. | Tuğba Tekkal, Spielerin in der Fußball-Bundesliga, über Rassismus auf und neben dem Platz.

Gurkiperium. Unorthodox. Jahreszeitengefühl.

19. 07. 2020  •  19 Kommentare

Wochenende | Nix passiert. Auch schön.

Geschwommen. Wocheneinkauf gemacht. Getränke geschleppt. Ein bisschen den Garten umgeräumt. Aus dem Vogelfutter sind Sonnenblumen gewachsen, eine ist zwei Meter groß geworden und blüht nun. Ich habe sie vors Gewächshaus getragen. Dort kann ihren Anblick ausführlicher genießen.

Garten, Steinmauer, dahinter gewächshaus. Davor einige Töpfe, einer mit Sonneblumen

Das Gemüse kommt. Wenn die Gurkenblüten allesamt zu Gurken werden, werde ich die Herrscherin über ein Gurkenimperium, quasi ein Gurkiperium.

Balkon aufgeräumt, Vertrocknetes weggeschnitten, Grünzeug aus den Fugen gezupft, gefegt.

Die Echinacea vor dem Fenster ist eine Wonne. Auch die Bienen freuen sich.

Sonnenhut-Blüte aus der Nähe. Eine BIene sitzt drauf, eine weitere fliegt gerade heran, mit Nektar am Bein.

Die Bienen und Hummeln feiern weiter Party im Lavendel und im Allium. Das Eisenkraut, das ich mir aus den Ippenburger Gärten mitgebracht habe, kommt bei den Schmetterlingen gut an.

Eisenkraut mit violetten Blüten und weißem Schmetterling

Ich habe übrigens Menschen zum Ippenburg-Besuch inspiriert. Ich fühle mich ja immer wie eine VIP-Influencerin, wenn Leute irgendwohin fahren, weil ich darüber gebloggt habe.

Ich habe eine Fruchtfliegenfalle in der Küche und das Gefühl, der Apfelessig betört mich mehr als die Fliegen. Ich fühle mich völlig zugekifft von dem beißenden Geruch, während die Fruchtfliegen mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf, deutlich größer als sie selbst, durch meine Küche schwirren.


Jahreszeitengefühl | Neulich im Feld. Der Sommer schreitet sichtbar voran.

Im vergangenen Jahr hatte ich kaum ein Gespür für die Jahreszeiten, weil ich immer gearbeitet habe, unterwegs war, gearbeitet habe, zwischen Duisburg, Dortmund und Hannover gependelt bin, zwischendurch mal im Freibad war, aber kaum im Garten gesessen habe. Das ist das Gute an diesem Sommer: Mit jeder Woche verändert sich die Natur, und ich habe die Muße, daran teilzuhaben.


Käthe | Den Prolog geschrieben. Er wird noch Überarbeitung brauchen. Aber es gibt ihn schonmal.


Gelesen | Unorthodox von Deboarah Feldman. Klappentext:

In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Deborah Feldman führt uns bis an die Grenzen des Erträglichen, wenn sie von der strikten Unterwerfung unter die strengen Lebensgesetze erzählt, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer Zwangsehe. Und von der alltäglichen Angst, bei Verbotenem entdeckt und bestraft zu werden. Sie erzählt, wie sie den beispiellosen Mut und die ungeheure Kraft zum Verlassen der Gemeinde findet – um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Noch nie hat eine Autorin ihre Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten so lebensnah, so ehrlich, so analytisch klug und dabei literarisch so anspruchsvoll erzählt.

Randomhouse

Die Satmarer fühlen sich schuldig, dass sie den Holocaust überlebt haben – und sehen es als ihre Aufgabe, alles zu tun, damit es keinen zweiten Holocaust gibt. Das geht nur mit einem Leben nach strengsten religiösen Regeln. Die Schuld, nicht fromm genug zu sein, begleitet Devoireh, die Ich-Erzählerin, durch ihre Kindheit. Im Erwachsenenalter setzt sie sich fort, denn der Körper einer Frau ist schmutzig und schamhaft. Sie wird zwangsverheiratet, bekommt eine Panikstörung. Die Familie nimmt intensiv Anteil am erfolglosen Vollzug der Ehe – ein Albtraum. Als Devoireh schließlich schwanger wird, gelangt sie wieder zu einer Einheit von Körper und Geist und schafft es nach und nach, sich von Schuldgefühlen und religiösen Zwänge zu lösen.

Buch "Unorthodox" auf Gartenstuhl

Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen. Packend. Besonders gut gefällt mir, wie wenig anklagend es ist: Deborah Feldman erzählt sehr neutral, sehr sachlich. Insbesondere in der Beschreibung ihrer Ehe wird deutlich, wie sehr auch der Ehemann in den Zwängen der Religion und der Erwartungen der Familie verhaftet ist. Auch wenn er schlimmen psychischen Druck auf Devoireh ausübt und sie wöchentlich – nach den Riten Freitags – zum Sex nötigt, wird doch klar, dass auch er ein Opfer ein.

Netflix hat eine Miniserie gleichen Namens gemacht (Trailer) – mit einer Hauptfigur namens Esty. Ich werde sie mir demnächst mal anschauen, denn sie scheint anders zu sein als das Buch: Das Buch spielt ausschließlich in New York und endet mit der Scheidung Deborahs, die in der Ich-Form erzählt. Der Umzug nach Berlin wird nur im Epilog thematisiert.

Interview mit Deborah Feldmann bei der Deutschen Welle.

Spaziergang über den Ostfriedhof mit #serviceblog-Wissen, das Sie verblüffen wird

14. 06. 2020  •  9 Kommentare

Eigentlich nur ein Eis essen | Am Samstag latschte ich einfach mal los. Ich wollte gar nicht weit gehen, nur ein Eis essen und ein bisschen die Füße vertreten. Also marschierte ich durch die Kleingartenanlage ums Eck und durchs Feld, und weil das noch nicht weit war, ging ich mal schauen, was auf der anderen Seite der Bundesstaße los ist.

#serviceblog: Falls Sie Mitglied im ADAC sind und sich fragen, wohin Ihre Mitgliedsbeiträge fließen – hier das Gebäude des ADAC Westfalen.

ADAC Hauptverwaltung, Blick die Stufen hoch auf ein Gebäude

Mehr dazu bei Baukunst NRW.

Wie ich schon einmal auf der anderen Seite der Bundesstraße war, erinnerte ich mich daran, dass mir eine Leserin hier im Blog den Dortmunder Ostfriedhof ans Herz gelegt hatte.

Ich lief ein wenig durch das Wohnviertel jenseits der Bundesstraße, das zog sich etwas. Die Straße war erstaunlich lang. Doch dann kam ich an den Friedhof und stellte fest: Der Weg war jeden Schritt wert.

Auf dem Ostfriedhof liegen sehr viele Industrielle, es gibt monumentale Grabmale – außerdem den alten jüdischen Friedhof.

Unter anderem entdeckte ich das Grab der Familie Hoesch und das Grab der Familie Jucho. (“Und es ist köstlich gewesen”).

Außerdem findet sich Bergbaugeschichte auf dem Friedhof – unter anderem das Grabmal von Otto Taeglichsbeck, Berghauptmann und Direktor des Königlichen Oberbergamts Dortmund, und zwei Gedenkstätten für Schlagwetterexplosionen in Dortmund, 1893 und 1897 auf Zeche Kaiserstuhl. Damals kamen insgesamt 82 Bergleute ums Leben.

Achtung, jetzt wieder #serviceblog – wichtig für wenn man mal bei Jauch auf dem Stuhl sitzt: Auf dem Ostfriedhof ist auch das Grab von Henriette Davidis.

Grab von Henriette Davidis: Grabstein  und Grab mit Efeu

Henriette Davidis ist das Mastermind der deutschen Kochbuchliteratur, ihr erstes Kochbuch veröffentlichte sie 1845, als sie Rezepte Dortmunder Hausfrauen sammelte. Von ihr kommt die Formulierung “Man nehme …”, die sich in Rezepten findet. Mit ihr und ihrem Wirken wurde der Begriff “Bürgerliche Küche” geboren, als Küche des bürgerlichen Mittelstandes während der Industrialisierung. Henriette Davidis lebte in bescheidenen Verhältnissen, während die Verleger viel Geld mit ihren Werken verdienten.

An den Ostfriedhof grenzt das Kaiserstraßenviertel. Das ist ein hübsches Altbauviertel (leider komplett zugeparkt).

Backsteinfassade mit bunten Stauden davor

Dort kehrte ich in ein Café ein. Das letzte Mal, dass ich in einem Café saß, war vor drei Monaten, Anfang März, in Heidelberg und Schriesheim.

Es war sehr schön im Café. Ich saß da, beobachtete die Menschen, schwatzte mit der Kellnerin, aß einen Salat mit köstlich gegrilltem, karamellisierten Schafskäse und trank einen Kaffee.

Auf dem Rückweg entdeckte ich in einer Kleingartenanlage das ultimative Hochbeet:

Hochbeet in Form eines Holzschiffes, sehr groß

Der Rest des Weges führte am See entlang.

Als ich zu Hause ankam, waren meine Füße ein bisschen plattgelatscht. Eigentlich wollte ich ja nur ein Eis essen – das ich nicht einmal hatte! Ein Projekt für den nächsten Spaziergang.

15 Kilometer: Schüren – Schürener Feld – Stadtkrone – Delfdahl – Ostfriedhof – Kaiserstraßenviertel – Ostenhellweg – Märkische Straße – Schrebergarten 06 – Phoenixsee – Schüren


Gelesen | Frau Novemberregen, der Oberchef (OC) und die Corona-Party  | Interview mit dem Soziologen Hartmut Rosa: Leiden wir an einem gemeinschaftlichen Burnout?Pillenknick – Schmerzmittelmissbrauch im Amateur- und Profifußball

Eigentlich

25. 05. 2020  •  2 Kommentare

Daheim bleiben | Eigentlich wäre ich am vergangenen langen Wochenende auf dem Schatöchen gewesen. Deshalb hier einige Bilder aus dem Archiv.

Wir fahren stattdessen nächstes Jahr. Termin steht schon.

Statt auf einem französischen Landschloss saß ich mit einige Reisefreunden im Garten eines Reihenhauses in Essen – mit Abstand, aber im Herzen zugetan. Wir speisten und redeten viele Stunden. Das war auch schön.

Ein mit Tapas gedeckter Tisch aus der Vogelperspektive. In der Mitte treffen sich zwei Arme und übergeben Käse.

Broterwerb | Ich hab’ die Steuern 2019 schön. Was man halt so im Urlaub macht, wenn man nicht in Frankreich ist.

Außerdem können Sie etwas über Homeoffice und Remotearbeit lesen – Teil Eins einer kleinen Serie.


Dürre | Eigentlich sollte es kräftig regnen. Am Freitag gab es zwei, drei Schauer. Aber so, dass es unter den Bäumen nicht einmal nass wurde. Am Sonntag regnete es ebenfalls ein wenig. Gemessen an der Trockenheit war es aber quasi nichts.

Seit Beginn der Corona-Zeit hat es hier nur einmal erwähnenswert geregnet. Im April lag der Niederschlag das 25-Fache unter dem Durchschnitt. Vielleicht hätte ich keine Stauden pflanzen sollen, sondern Kakteen.


Update der Außengastronomie | Die Vögel haben eine neue Futterstation.

Futterstation zum Aufhängen im Kirschbaum, gefüllt mit Sonnenblumenkernen und Insekten

Zur Feier des Tages gibt es das Produkt “Protein Pur, “Insekten und Schalentiere ideal zum Beimixen”: Grillen, Mehlwürmer, Seidenraupen, Puppen und – edel speist die Meise – Shrimps. 56 Prozent Protein für den figurbewussten Dompfaff und die Atkins-diätende Blaumeise.

Das Feedback der kleinen Fettsäcke steht noch aus.


Urlaub | Ich habe mich mit verschiedenen Leuten über das Thema “Urlaub” unterhalten und revidiere ein stückweit meine Meinung.

Die Sichtweisen des Wochenendes waren vorsichtig und moderat: “Hauptsache, wir kommen raus” ging bei den meisten einher mit der Erwartung, einen deutlich reduzierten Urlaub zu verbringen – ohne Gruppenspiele für Kinder, kaum Restaurantbesuche, viel Fahrradfahren, Wandern oder Familienstrandtage. Oder Camping im Garten von Verwandten, Wohnungstausch mit Bekannten.

Wie ist das eigentlich? Mit dem Ferienflieger ins All-inclusive-Hotel – findet das statt?


Angeguckt | Tränen unterm Mikroskop – und warum sie vergossen wurden.

Gelesen | Herr Budddenbohm ist zart angenervt und hat eine Meinung zur Gestaltung der Home-School, insbesondere was die Bereitstellung von Material angeht.

Angeguckt | Astrid. Film über die frühen Erwachsenenjahre von Astrid Lindgren. Gut. Gern geschaut. Der Film basiert auf ihrer Biographie, die ebenfalls empfehlenswert ist.

Waffelsamstag, Geld für ein Verlagsangebot, Musik und andere Dinge vom Wochenende

1. 03. 2020  •  5 Kommentare

Nachbarschaftsbewaffelung | Das Jahr 2020 schenkte uns einen zusätzlichen Tag. Wie kann man ihn angemessener begehen als mit Waffeln?

Weil es so schön war, setzten wir das Gelage am Abend fort – mit ein paar Kleinigkeiten, Dips und frisch gebackenem Brot.


Alltagsfreude | Meine neuen Türen sind so schön, die Terrassentür fühlt sich so neu und schwer und toll an – ich könnte sie den ganzen Tag auf und zu machen. Hach. Gut, dass ich am Donnerstag und Freitag im Homeoffice war.

Heute habe ich für das Kfw-Zuschussportal die Rechnung eingereicht. Mal schauen, ob das tatsächlich so einfach klappt und ich die 20 Prozent Förderung bekomme.


Weniger ist mehr | Im Februar war ich Testnutzerin eines neuen Tagesspiegel-Angebots, dem “Background Gesundheit & E-Health”, einem täglichen Newsletter. Das Produkt ist für mich interessant, weil ich gerade für einen Kunden im Gesundheitssektor tätig bin. Da kann Hintergrund nicht schaden.

Der Newsletter enthält jeweils eine Presseschau und bis zu zehn zum Teil sehr lange Texte: Berichte, Hintergrund, auch mal ein Portrait. Nun endet die Testphase und wer den Newsletter weiter beziehen möchte, soll dafür zahlen, 179 Euro im Monat (Frühbucherpreis 139 Euro). Das Abo ist jährlich kündbar.

Das ist zu viel. Von allem. Zu viele Ausgaben, zu viel Inhalt, zu viel Geld, zu lange Vertragslaufzeit. Ich schaffe es nicht, täglich zehn lange Texte zu lesen, ich möchte das auch nicht. Das ist mir alles zu kleinteilig. Ich möchte diesen Newsletter nicht täglich bekommen: Einmal pro Woche Hintergründe und Zusammenhänge, das wäre prima. Außerdem möchte ich dafür nicht 180 Euro pro Monat (!) ausgeben – und das zwangsweise für ein Jahr. Das passt nicht zu meinen Projektlaufzeiten.

Weil ich mich der Verlagsbranche immer noch verbunden fühle, weil ich Testnutzerin bin und als Signal, dass ich durchaus an einem Angebot mit gesundheitspolitischen Beiträgen interessiert bin, schrieb ich all das an den Tagesspiegel – und auch, dass ich bis zu 50 Euro pro Monat für einen wöchentlichen Newsletter zahlen würde, also mehr als zehn Euro pro gut recherchierter Ausgabe, allerdings monatlich kündbar. Ich erhielt die Antwort, dass man mir zu dem vorgeschlagenen Preis leider kein Angebot machen könne; das Frühbucherangebot von 139 Euro sei schließlich schon um jährlich 480 Euro gegenüber dem Listenpreis vergünstigt.

Dabei wäre Dreisatz-Könnern direkt aufgefallen: Ich bin sogar bereit, mehr zu bezahlen als den Listenpreis – bezogen auf die einzelne Ausgabe. Die Verlagsbranche hat aber offenbar die Idee “Viel hilft viel” verinnerlicht: tägliches Erscheinen bei langen Abolaufzeiten. Dabei ist es doch so: Wenn der Nutzen für mich ausreichend hoch ist – das heißt im besten Fall: wenn ich das Bezahlte selbst wieder monetarisieren kann -, bin ich bereit, eine verhältnismäßig hohe Summe für verhältnismäßig wenig zu zahlen. Wenig ist in dem Fall ein Plus! Wenn ich hingegen mehr bekomme, als ich benötige, fühle ich mich schlecht – weil ich nicht nutze, wofür ich bezahle.


Faber | Es passiert mir immer häufiger, dass ich durch die Kinder mir nahe stehender Menschen auf neue Musik stoße. Ich bin nun offensichtlich so alt, dass die Musikanten, die die Jugend hört, mir nicht mehr einfach so begegnen; ich muss sie mir zugänglich machen.

So wurde ich am Wochenende auf Faber aufmerksam, hörte mich durch diverse Playlisten und bin hocherfreut. Das ist ja ganz famos!


Serviceblog “Corona spezial” | Ay, Corona! Ein guter Überblick zu allem, was man wissen muss. Corona-Podcast von NDR Info. Hotline für Kranke und Besorgte: 116117.

Ich hege in dem Zusammenhang einen Verdacht: Den vielen Menschen, die plötzlich Seife und Desinfektionsmittel kaufen, war das Prinzip “Händewaschen” bislang offenbar fremd.


Gelesen | Deutschland richtet 2025 und 2027 Handball-Weltmeisterschaften aus: 2025 findet die Handball-WM der Frauen statt. Zwei Jahre später, 2027, die WM der Männer.

Gelesen | Einer der mächtigsten Gletscher der Antarktis, der Thwaites-Gletscher, droht ins Meet zu rutschen. Geschieht dies, könnte der Meeresspiegel massiv ansteigen. Größter Einflussfaktor ist die Temperatur der Meeresströmungen. Die Antarktis erlebte zuletzt einen der wärmsten Februartage, die es jemals gab: An einer Forschungsstation wurden 18,6 Grad gemessen.

Gelesen | Anke Gröner hat für ihre Disseration in Kunstgeschichte im Bundesarchiv recherchiert und ein paar Bundestränchen verdrückt.

Gelesen | Ein mutmaßlicher Mafia-Pate aus Montenegro wird in Hannover operiert. 2.456 Polizisten sind im Einsatz. [€] Rekonstruktion eines Thrillers.

Gelesen | Wer glücklich werden will, muss seine Eltern enttäuschen [€]. Ein Stück über die stillen Aufträge der Familie: unausgesprochene Erwartungen und emotionale Abhängigkeit.

Ebenso wirksam ist Schweigen. Wenn über etwas nicht geredet werden darf. Dass Mutter trinkt. Dass Opa in der SS war. Dass Vater eine heimliche Geliebte hat. Dass die Firma insolvent ist. In Familiengeheimnissen stecken mehrere Botschaften, inhaltliche und formelle. Das, worum es geht, ist oft schambehaftet, der Auftrag lautet: Erzähl niemandem davon! Und dass darüber nicht geredet werden darf, birgt in sich die Lehre, dass Offenheit nach außen schlecht ist und Kommunikation nach innen nicht gewünscht ist. So wird das Kind zum Hüter der Integrität seiner Familie und zu einem Geheimnisträger seinen Gefühlen gegenüber. Denn worüber nicht geredet werden darf, das muss auch im eigenen Inneren möglichst unangetastet bleiben.

Schneetreiben, Ehrenamt und die Trinkhalle am jenseitigen Ende des Stadtteils

28. 02. 2020  •  13 Kommentare

Ums Eck | Die Welt der DHL-Filialen wird stetig größer und bunter. Hier im Ruhrgebiet bieten immer mehr Kioske Paketannahme und -abholung an. Meine Pakete landen deshalb neuerdings in einer Trinkhalle am jenseitigen Ende des Stadtteils. Der Name des Besitzer ist sehr lang und liest sich wie eine bergige Eisenbahnstrecke. Das Internet sagt mir, dass es sich um einen tamilischen Namen handelt.

Der Ort des Tamilen ist ein wunderbarer. Rechts neben dem Eingang befinden sich, auf Regalbrettern aufgereiht, eine ganze Wand voller Gläsern mit Weingummi: Frösche und Colaflaschen, saure Fritten und süße Zungen, Münzen, Mäuse, Haie, Lakritzschnecken und -brezeln, Schlangen, Brausebonbons und viele Sorten mehr. Wäre ich ein Kind, würde ich berichten, es seien “Tausende! Tausend Gläser!”, was natürlich nicht stimmt, aber sich so anfühlt.

Der restlichen Laden weitere Schätze: Kaffee und Haargummis, belegte Brötchen und Rasierschaum, Zeitschriften und Wassereis. Links des Eingangs sind unter den Zeitschriften Regalbretter freigeräumt. Dort stapeln sich Pakete. Und hinter der Theke. Und neben der Theke.

Ich betrat dieses Wunderland und legte meinen Ausweis auf die Kassentheke. Der Mann hinter der Theke sprach in einer sehr fremden Sprache in ein Handy. Er hielt es sich wie eine Pizzaschnitte vor den Mund, die Worte flogen wie ein Tischtennisbälle durch den Raum. Wenn er Pause machte, redete jemand anderes schnell und knarzend aus dem Telefon.

Einhändig nahm er meinen Ausweis, machte sich auf die Suche nach dem Paket und sprach ununterbrochen weiter. Es handelte sich offenbar um ein wichtiges Gespräch, es wogte hin und her. Er nahm das Paket aus dem Regal, kam zurück, nahm ein zweites Handy, scannte und schob es mir rüber. “Name und “Vorname” stand auf dem Display. Ich tippte beides ein. Er pantomimte mir, ich solle irgendwas drücken, und sprach jetzt ruhig, aber weiterhin schnell in seine Pizzaschnitte; die andere Seite lauschte erst und unterbrach ihn dann vehement. Ich drückte auf “Weiter”. Er pantomimte, ich solle unterschreiben, und ich unterschrieb mit dem Finger. Er hob den Daumen, nahm mir das Handy weg und winkte mir.

Ich schaute noch einmal auf die tausend Gläser und überlegte mir, ob ich mir noch eine süße Tüte zusammenstellen sollte. Aber das erschien mir angesichts der Umstände zu kompliziert. Ich nahm mir jedoch vor, zu meinem Geburtstag dort hinzugehen und mir die beste süße Tüte seit 1988 zu schenken.

Im Paket war übrigens Kaffee vom Dealer aus Hannover:

Vier Pakete gemahlener Kaffee. Aufschriften: "Hausmischung No 1" und "Malabar".

Schneetreiben | Am Dienstag fiel Schnee. Viel Schnee. Nasser, schwerer Schnee. Straßen glatt, Lkws stellten sich quer, Staus. Fahrzeit zum Kunden: 1 Stunde 45 Minuten.

Straße, verschneit, umrahmt von verschneiten Bäumen, Autos in einer Schlange.

Für den Rückweg brauchte ich allerdings nur rekordverdächtige 40 Minuten. Offenbar waren alle Leute, die morgens auf der Straßen waren, früh aufgebrochen. Gegen 18:30 Uhr hatte ich jedenfalls freie Straßen.

Heute, zwei Tage später, schien nach dem Aufwachen die Sonne, und es sah schon fast aus wie Frühling. Das hat mich sehr gefreut.

Der Regen – und noch schlimmer: das Grau – machen wir fürchterlich schlechte Laune. Noch zwei Monate und zwei Tage bis Freibaderöffnung.


Ehrenamt | Diese Woche habe ich mit dem Dortmunder Ladies’ Circle die Jahresplanung für unsere Serviceaktionen gemacht, also die Events, mit denen wir Spenden sammeln möchten.

Wer in der Gegend von Dortmund wohnt, kann sich schonmal notieren:

  • Samstag, 5. Juli 2020: Wir veranstalten ein Tennisturnier in Unna. Der Erlös kommt zwei Zwecken zugute: dem Kinderhospiz Unna. Außerdem möchten wir Tennispatenschaften für Kinder finanzieren, die sich den Sport nicht leisten können. Die Patenschaft soll ein Jahr Unterricht und die Erstatsstattung umfassen (Schuhe, Kleidung, Schläger). Wir werden dazu voraussichtlich mit einer Unnaer Schule zusammenarbeiten.
  • Samstag, 22. August 2020: Physik ist, wenn’s knallt. Judith und Marcus Weber lesen aus ihrem Familien-Physik-Buch und machen kleine Experimente, die man zuhause nachmachen kann. Zielgruppe: Familien mit Kindern im Alter 6+. Wohin der Erlös aus Eintrittskarten und Speisenverkauf geht, entscheiden wir noch.
  • Sonntag, 22. November 2020: Charity-Frühstück – im Seepavillon im Dortmunder Westfalenpark laden wir zu einem Familienfrühstück. Im vergangenen Jahr konnten wir danach fast 1.200 Euro an die Neven-Subotic-Stiftung spenden.

Außerdem machen wir noch einige kleinere Dinge und begleiten im Winter wieder das Päckchensammeln für den Weihnachtspäckchenkonvoi. Wir haben das jetzt alles mal durchgeplant und Teams gebildet. Die Termine sind zwar noch eine Weile hin, aber mit Location-Suchen und der ganzen Organisation drumherum haben wir auch schon jetzt zu tun.

Nach intensiven Arbeitstagen, Schneefahrten und zwei langen Ehrenamtsabenden war ich etwas platt.


Ausflug | Ich habe ein Zimmer in Karlsruhe reserviert. Dort bin ich nächste Woche. Bin gespannt: Ich war noch nie in Karlsruhe. Danach geht’s nach Heidelberg. Danach zurück nach Dortmund.


Gelesen | Zwei Handvoll Leben von Katharina Fuchs. Begonnen im Urlaub, zu Ende gelesen heute Morgen, als ich vor dem Wecker erwachte. Das Buch wird beworben mit dem Text:

Zwei starke Frauen – zwei deutsche Schicksale. Und die Geschichte des Berliner Kaufhauses KaDeWe in einem anrührend authentischen historischen Roman

Droemer Knaur

Leider hat die Geschichte wenig Tiefe. Ich kam den Figuren nicht wirklich nah – und die historischen Ereignisse, vor deren Hintergrund die Handlung spielte, blieben Kulisse. Alles in allem aber eine völlig okaye Geschichte für eine Urlaubs- und Strandlektüre. Der Wechsel zwischen den Figuren hält die Spannung aufrecht, und der KaDeWe-Glamour ist auch fein.

Rosenmontag

24. 02. 2020  •  17 Kommentare

Weichgezeichnet | Heute blieb ich in Dortmund. Meine Termine absolvierte ich per Telefon und Videokonferenz. Dabei arbeitete ich erstmals mit Microsoft Teams.

Erwähnenswertes Feature in diesem Zusammenhang: Man kann in der Viko seinen Hintergrund weichzeichnen, was sehr praktisch ist, wenn man im Homeoffice weilt und nicht aufgeräumt hat.

In meinem Fall war der Vordergrund nicht aufgeräumt, ich war nicht auf Viko eingerichtet und wohnte der Besprechung entsprechend strubbelig bei. Um Haltung zu bewahren, redete ich mir ein, dass Strubbeligkeit ja durchaus Zeichen eines gewissen Genius sei – und der Hoodie Beweis digitaler Kompetenz.

Mein Gegenüber nutzte das Hintergrund-Feature und weichzeichnete sein Homeoffice, was ihm eine religiöse Anmutung gab, ein gottgleiches Aus-der-Wolke-Sprechen. Das muss ich mir für gebührende Anlässe merken.


10 von 10 Sterne | Über den Mittag waren die jüngst beauftragten Tür- und Fensterbauer da und bauten mir neue Beschläge in die Balkon- und Terrassentür. Die Beschläge der Terrassentür waren hinüber und damit Anlass, Maßnahmen einzuleiten; in dem Zuge ließ ich eine bessere Einbruchssicherung einbauen. Die Herren des Fensterservices waren freundlich, zügig, pünktlich und kompetent; ein 10-von-10 Sterne-Kundenerlebnis [Werbung, unbeauftragt, ausschließlich aus Begeisterung].


Audiogedöns | Während die Fensterbauer arbeiteten (und auch danach), erstellte ich Intro und Outro für ein kleines Audioprojekt. Allerdings bemerkte ich, dass die verwendete kosten- und lizenzfreie Musik aus der Youtube-Audiothek nur solange kosten- und lizenzfrei ist, wie man sie in Youtube-Videos verwendet. Also nochmal von vorn. Ich wurde dann bei musopen.org fündig.


Glückscurry | Weil es so schön gelb ausschaut, hier mein Glückscurry vom Wochenende: Pak Choi, Paprika, Zucchini, Knoblauch, Garnelen.

Schale mit gelbem, Curry, Reis und Gemüse

Endlich habe ich wieder die richtige, asiatische Currypaste! Die hatte ich nämlich vor einiger Zeit aufgebracht. Weil der asiatische Supermarkt meines Vertrauens dicht gemacht hat und es in Dortmund nur wenige Asiamärkte gibt, die aber allesamt nicht ansatzweise in meinem Einzugsbereich liegen, hatte ich mit Zeugs aus dem Rewe überbrückt. Das war aber nicht wirklich lecker.

Vergangene Woche entdeckte ich in Essen einen Asiamarkt im Untergeschoss des Warenhauses und schlug sofort zu.


Gelesen | Winterurlaub in Sibirien: Andrea Diener war am Baikalsee, erzählt wunderschön von ihrer Reise und den Begegnungen dort.

Angeguckt | Ermutigung, Ausdauer und Stärke und einem einminütigen Video

Gelesen | Alltagsrassismus an praktischen Beispielen aus Potsdam, könnte aber auch überall sonst sein.

Gefreut | Es gibt jetzt Sesamstraßen-Briefmarken.



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