Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Broterwerb«

Digitale Woche, Digitalschlips und Vorfreude

6. 11. 2019  •  Keine Kommentare

Digitale Woche | Gestern Abend hielt ich einen Vortrag. Ich war Teil der #diwodo, der Digitalen Woche Dortmund.

Die Dortmunder Wirtschaftsförderung gibt dabei den Rahmen vor, legt den Zeitraum fest, spricht mögliche Veranstalter:innen an, führt alle Veranstaltungen zu einem Programm zusammen, stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und macht ein bisschen Feuerwerk drumherum, unter anderem mit einer Auftakt– und einer Abschlussveranstaltung.

Ich hielt einen Vortrag, in dem ich sagte, dass Digitalisierung mehr ist als Technik und was sie dem Menschen abfordert, welche Rolle Unternehmenskultur spielt und wie man Silos in Unternehmen aufbrechen kann.

Aufgeklappter Laptop mit Folien in der Referentenansicht, dahinter ein Raum mit Regal und Stühlen

Es kamen mehr Leute als erwartet: 18 hatten sich angemeldet, ein paar hatten wieder abgesagt, und am Ende waren wir rund 25. Das war super und hat mich sehr gefreut!

Ich hatte vom Backparadies um die Ecke ein paar Butterbrezen und Brötchen bestellt. Zu trinken gab’s auch, und es war rundherum eine gute Veranstaltung.

Ich finde, dass nicht immer Hunderte von Leuten da sein müssen, damit eine Veranstaltung ein Erfolg ist (auch ein geschäftlicher), und halte es mit dem Open-Space-Motto: Jeder, der kommt, ist der Richtige. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nie vorher wissen kann, woher der nächste Impuls, Ratschlag oder Auftrag kommt. Alles drei kann von einem der fünf Leuten kommen, die da sind – oder von einem von 100. Meistens passiert aber Ersteres.

Leider blieb Herr Fischer im Fußballstau stecken.

Danach ging ich noch mit einem paar Leuten zum Digitalschlips im Zum Schlips. Der Schlips hat ein einfaches Konzept: eine Kneipe, zwei Tage geöffnet, drei Getränke. Es gibt Stößchen, Wacholder Tonic und Wasser.

Mit den Schalthebeln im Keller kann man allerdings nur Stößchen oder Wacholder bestellen.

Zwei Hebel, einer leuchtet. Beschriftung: "Meter Stößchen" und "Meter Wacholder Tonic".

Wir kegelten.

Verwischtes Bild eines dynamisch kegelnden Mannes.

Als ich die Chance hatte, mich an die Spitze zu setzen, war leider die Kegelzeit zu Ende.

Kegeltafel mit Ergebnissen. Kai führt mit 48 Punkten, Vanessa hat 46 - hätte aber noch kegeln dürfen.

Ein schöner Abend mit tollen Menschen, sehr spontan. Das sind Geschäftstermine nach meinem Geschmack. Gerne wieder.

Zwei Stößchen Bier auf einem grünen Tisch, Beschriftung "'diwodo".

Wer noch Lust auf digitalen Input hat: Das Programm geht noch bis Freitagabend und hält noch zahlreiche Veranstaltungen bereit.


Vorfreude | Ich habe alle Teile meines Urlaubs gebucht. Das wird super. Ich bin dann mal weg. Bald. Dauert noch etwas. Aber dann.


Tüdü | Sonst nix passiert.

Ein renoviertes Kännchenblog, ein Apfelkuchenrezept, eine Dachterrasse und Gedanken zur Finanzierung von Journalismus

6. 09. 2019  •  5 Kommentare

Renovazia | Herr Fischer und ich haben das Kännchenblog neu angestrichen und ein bisschen beigespachtelt. Die letzte Renovierung fand 2013 statt. Sechs Jahre sind im Internet eine lange Zeit – da brauchte es einen Refresh.

Die Farbigkeit ist nun näher an meiner Jobwebsite. Ich erzähle hier viel Berufliches – was mich beschäftigt, was ich tue und denke. Deshalb ist die Verknüpfung nun optisch enger.

Gleichwohl gibt’s hier auch weiterhin völlig Irrelevantes, sogar in der Hauptsache. Also alles wie immer, nur anders bunt.


Genussmittel | Als Untermauerung der Irrelevanz sehen Sie nachfolgend einen Apfelkuchen mit Vanillepudding.

Apfelkuchen mit Vanillepudding

Den buk ich letztens aus Vattas Apfelernte. Es ist ein ausgesprochen köstlicher Kuchen mit Mürbeteig, viel Pudding und ein paar Äpfeln. Man verknete dazu:

125 Gramm Butter
80 Gramm Zucker
1-2 Eigelb
150 Gramm Mehl

Den Teig in eine Springform drücken. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und den Teig zehn Minuten vorbacken.

Dann zwei Packungen Puddingpulver ohne Kochen gemäß Packungsanweisung anrühren. Dazu braucht man einen Liter Milch. Den Pudding danach auf den vorgebackenen Teig geben. Bei mir bleibt dabei immer ein Schälchen Pudding für den Eigenbedarf übrig.

Äpfel schälen, in Viertel schneiden und auf dem Rücken einritzen. Mit etwas Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden, und auf den Kuchen legen. Etwas braunen Zucker drüberstreuen. Wer will, kann ein paar Butterflocken dazugeben.

Dann nochmal 40 Minuten bei 180 Grad weiterbacken.


Dinge erklären und Leute unterhalten | Ich habe einen Beitrag über meine Expedition nach Berlin geschrieben.

Vanessa auf der Bühne, im Vordergrund Köpfe von Menschen.
(Foto: Berlin Partner/photothek.de)

Ich erzähle darin die Inhalte meiner Keynote nach: Warum Spiele uns so anfixen, wie ich Teams entwickle, welche Fragen ich dabei stelle und welche zwei Modelle mir helfen, über Rollen und Persönlichkeiten nachzudenken.

Als Entschädigung für die fehlende Tonspur, die fehlenden Gifs und fehlenden Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag gibt es hübsche Bilder von einer Dachterrasse in Berlin-Mitte. Solche zum Beispiel:

Leinwand mit einer Grafik im Spiele-Style. Text: "Berliner Unternehmenswalk 2019", "Level up". Es ist dunkel, Lichter brennen.
(Foto: Berlin Partner/photothek.de)

Geld für Journalismus | Franziska Bluhm schreibt in ihrem Newsletter darüber, dass Menschen kaum Geld für Journalismus ausgeben wollen, höchstens fünf Euro im Monat.

Ich bezweifle das. Denn ich gebe niemals Geld nur für Journalismus, also für eine funktionale Arbeitsbeschreibung aus. Sondern ich gebe Geld für einen Nutzen aus, der eines meiner Bedürfnisse stillt.

Beispiel: Ich kaufe Apple-Produkte, weil ich damit eine IT-Infrastruktur habe, die zuverlässig funktioniert, die mich möglichst wenig ärgert und in der die Devices nahtlos zusammenwirken. Ich gebe Geld dafür aus, dass die Geräte eine gute Usability haben, schnell hochfahren, robust sind und ich beim Kunden, bei Präsentationen und in Seminaren keine peinlichen IT-Momente erlebe. Ich gebe also kein Geld für das schlichte “Was” aus (Laptop, Smartphone), sondern für das “Warum”: Weil die Produkte mir Freiheit ermöglichen und meine zeitlichen und emotionalen Ressourcen schonen.

Ebenso gebe ich kein Geld für Journalismus aus. Ich habe ein Digitalabo der Zeit, der New York Times und spende an Correctiv. Ich gebe Geld dafür aus, Dinge zu verstehen. Ich kaufe mir den Nutzen, Orientierung zu bekommen und mich wiederzufinden in einer komplexen Welt. Ich bezahle dafür, intelligent unterhalten zu werden. Ich spende für die Kontrolle von Politik und Wirtschaft, für Demokratie und Meinungsfreiheit. Und: Ich zahle den genannten Organisationen Geld, weil ich diesen Nutzen einfach und komfortabel von ihnen bekomme – weil mir Texte in einer App vorgelesen werden oder weil zwei Menschen mir Informationen in einem Podcast vermitteln, launig und im Dialog. Dafür gebe ich Geld aus. Nicht für die funktionale Dienstleistung “Journalismus”.

Bedauerlichweise haben viele ehemalige Verlagshäuser immer noch nicht verstanden, dass nicht bloße Informationen ihr Produkt sind, sondern dass sie ein eigenes Produkt kreieren müssen; dasss sie Nutzen schaffen und ein Bedürfnis befriedigen müssen; dass sie sich positionieren müssen – mit einer Haltung, in einem Segment, für eine Gruppe.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag von Thomas Knüwer.


Hoch die Hände | Nach zwei Tagen und Nächten in Berlin, zwei Nächten und einem Tag in Wuppertal, 1200 Kilometern auf Schiene und Straße, zu wenig Schlaf und einem Kännchenblogrelaunch freue ich mich auf einen ereignislosen Samstag und einen schönen Sonntag in Dortmund.

Eine Keynote in Berlin und ein Stützeis in Dortmund

4. 09. 2019  •  2 Kommentare

Broterwerb | Der gestrige Morgen startete mit der Generalprobe für den Abend. Ich erzählte Wotan Wilke Möhring meine Keynote zu Spielprinzipien und Teamführung.

Laptop auf dem Bett, im Hintergrund an der Wand Wotan Wilke Moehring

Er gab nur sehr subtil Feedback, wirkte aber auch nicht unzufrieden.

Zum Mittagessen traf ich mich mit Holger Frohloff. Holger ist Experte für Softwarequalität und genauso wie ich als Freiberufler unterwegs. Wir kennen uns schon länger von Twitter, und das war nun eine gute Gelegenheit, sich mal zu treffen.

Holger unterstützt in der Webentwicklung, on the job, und macht Code besser. Es geht um Funktionalität und Sicherheitslücken, aber auch darum, wie das Team zusammenarbeitet. Er stellt die Beziehung zwischen Softwarearchitektur und Organisation her. Spannende Sache; wir hatten ein sehr kurzweiliges Mahl.

Am späten Nachmittag ging ich zur Veranstaltungslocation. Wir checkten die Technik und trafen letzte Absprachen.

Dekorierte Dachterrasse, darüber blauer Himmel mit ein paar Wiolken, eine Leinwand

Von der Veranstaltung, dem Berliner Unternehmenstalk, und der Keynote selbst gibt es bald noch einen Beitrag auf meiner beruflichen Website.

Der Abend war ziemlich super, nicht nur wegen der tollen Location, sondern wegen der ganzen Atmosphäre. Ich mag die Berliner einfach. Es war alles sehr familiär und freundlich.

***

Heimreise | Heute reiste ich heim. Es war eindeutig ein Ringelshirttag: Die Sonne schien, und ich hatte gute Laune.

Im Spiegel

Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und war äußerst entspannt. Ich arbeitete und führte ein sehr nettes Gespräch mit einem Mitreisenden, der ebenfalls auf einer Veranstaltung in Berlin gewesen war.

In Dortmund nutzte ich die Zeit, kaufte auf dem Heimweg noch Kontaktlinsenreiniger in der Hood, ging zum See und aß ein Spaghettieis.

Phoenixsee

Im Anschluss wollte ich mit dem Bus nach Hause fahren. Doch es gab keinen Bus. Die Baustelle, an der der Bus bislang mittels Ersatzhaltestellen vorbeifuhr, wurde verlegt. Es gab keine Ersatzhaltestellen, keine Buslinie und keine Hoffnung, und so zerrte ich meinen Koffer und meinen Rucksack drei Kilometer nach Hause.

Dabei ist mir aufgefallen, dass Zufußgehen in meiner Stadt nicht wirklich vorgesehen ist, schon gar nicht, dass man dabei etwas zieht oder schiebt. Die Bürgersteige sind marode. Überall gibt es Baustellen, die optimal für den Autoverkehr abgesichert sind, aber als Fußgängerin ist es ein Spießrutenlauf, noch dazu mit Koffer. Ich hatte gar nicht mal so gute Laune danach.

Zu Hause packte ich meine Sachen um, schlief eine Stunde und fuhr zum anderen Kunden die A1 runter, mit dem ich morgen im Workshop bin.

Dienstag, 5. März, und der Tag zuvor

5. 03. 2019  •  Keine Kommentare

Früher Vogel | Am gestrigen Rosenmontag bin ich um 06:25 Uhr erwacht. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit bin ich sofort aufgestanden, habe mir einen Kaffee und meine Buchhaltung gemacht. Vor dem Frühstück! Denn zum Frühstück kam meine Freundin und Kollegin, der ich einen speziellen Auftrag gegeben hatte.

*

Käthe Paulus | Bei dem Auftrag ging’s um Käthe Paulus, der Protagonistin meines Romans. Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf Quellen gestoßen, in der Paulus-Zitate auftauchten, aber ich habe die Primärquelle nicht gefunden. Außerdem war ich mir sicher, dass es noch weiteres Material geben musste. Ich habe derzeit allerdings wenig Luft, groß angelegte Suchen zu betreiben.

Also habe ich meine Kollegin darauf angesetzt: Sie ist Journalistin und Recherche-Spezialistin. Ich bin eine große Freundin davon, Aufgaben abzugeben, die andere besser können, und so habe ich Stefanie beauftragt, die Spur von Käthe Paulus aufzunehmen.

Sie wühlte sich durch Archive, führte Telefonate und wurde fündig. In der vergangenen Woche ist sie für mich in die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg nach Frankfurt a.M. gefahren. Die Bibliothek verwaltet den Nachlass von Käthe Paulus. Nur ein kleiner Teil ist bislang digitalisiert, weshalb ein Vor-Ort-Besuch notwendig war.

Gestern hat sie mir den Schatz übergeben: Fotos, Postkarten und autobiographische Schriften, Geschäftskorrespondenz und Ehrungen. Großartig. Es gibt Kalkulationen, wie viel Material Käthe Paulus für einen Fallschirm gebraucht und was er gekostet hat. Es gibt Fotos durch den Boden des Ballonkorbs hinab auf die Erde. Es gibt den Originalvertrag mit dem Preußischen Kriegsministerium über die Lieferung der Fallschirme. Und es gibt Aufsätze, in denen Käthe Paulus vom Beginn ihrer Ballonaufstiege und von Zwischenfällen und Unfällen erzählt. Sie hat offenbar mehrere Anläufe unternommen, denn manche Seitenzahlen gibt es mehrmals und die Schilderungen wiederholen sich. Aber es sind zweifelsohne die Originalquellen.

In dem Zusammenhang – für alle, die Bedarf haben: Der virtuelle Katalog des Karlsruher Instituts für Technolgie ist eine Meta-Suchmaschine über mehrere hundert Millionen Bücher, Zeitschriften und andere Medien in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen weltweit. Er durchsucht alles von der Australischen Nationalbibliothek über den Israelischen Verbundkatalog, das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher und die Russische Staatsbiblitohek bis hin zu Amazon und das Internet Archive. Viel Spaß beim Stöbern!

Ich werde nun den fertigen ersten Teil des Buches noch einmal auf Authentizität überprüfen und schauen, wo ich Änderungen vornehmen sollte und auch möchte. In der Fiktion darf ich ja vom real gelebten Leben abweichen. Ich möchte jedoch gerne nah an der originalen Käthe sein. Ausdenken muss ich mir ohnehin genug: Nebenhandlungen, Nebenfiguren und zeitliche Lücken, über die es keine Nachweise gibt.

*

Hausbüro-Gekrusche | Der Tag ging weiter mit Home Office. Es ist nicht erwähnenswert, aber ich erzähle es trotzdem, denn Selbstständigkeit ist ja nicht Sternenstaub, und ich muss dadurch und Sie nun auch. Es ging also weiter mit Belege digitalisieren, einen neuen Belegeordner für 2019 eröffnen, Ordnerrücken ausdrucken, Unterlagen und Korrespondenz abheften und digital wie analog sortieren, das Geld für meine Betriebs- und Vermögenshaftpflicht überweisen, Rechnungen schreiben und Abbuchungen kontrollieren.

Bisweilen mache ich das ganz gerne. Es fordert mich nicht sehr, ich kann Dinge abarbeiten, ohne groß denken zu müssen, und habe danach alles ordentlich. Also wie Gartenarbeit, nur inhouse.

*

Organisationsentwicklung | Heute habe ich den Tag damit zugebracht, einen Workshop vorzubereiten, den ich am Donnerstag und Freitag leite. Er ist Teil eines größeren Engagements bei einem Kunden.

In dem Workshop geht es darum, Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenzubringen, damit sie gemeinsam Probleme des Unternehmens lösen.

Ich habe das mal schematisch aufgemalt:

Zur Erklärung hole ich ein bisschen aus: Jenseits der Linie, also des normalen Organigramms, brauchen traditionelle Unternehmen Möglichkeiten, dass Menschen horizontal durch die Organisation hindurch arbeiten können.

Das Organigramm sieht funktionale Trennung vor: Gleiche arbeiten mit Gleichen gemeinsam in Abteilungen. Es gibt feste Prozesse. Die Organisation liebt langfristige Pläne. Die Entscheidungen stauen sich in Flaschenhälsen. Wenige haben Macht über Viele und Vieles.

Das führt dazu, dass es viel Bürokratie gibt. Entscheidungen dauern lange; manchmal gibt es auch keine – oder sie werden auf hoher Flughöhe im Management getroffen. Im Tagesgeschäft haben die Menschen dann Fragen oder ärgern sich. Feste Prozesse sind gut, solange nicht Ungewöhnliches dazwischenkommt. Viele Situationen, Kundenanforderungen und Marktbedürfnisse verlangen aber gerade in der Dienstleistungs- und Wissensarbeit Abweichungen von der Norm; in manchen Bereichen erfordert fast jede Kundenanfrage eine Entscheidung, die nicht ganz genau den festgelegten Prozess trifft. Dann stockt es, weil der Einzelne keine Entscheidung treffen darf, kann oder möchte.

Meist findet sich in hierarchischen Unternehmen ein ausgeprägtes informelles Netzwerk. Der kleine Dienstweg regelt Dinge an der Bürokratie vorbei. In der Kaffeeküche werden Ideen ausgebrütet. Oft gelangen die Ideen sogar zu einer gewissen Reife; weil aber die Strukturen der Organisation Grenzen setzen, sind die Ideen entweder eindimensional, also nur aus der Perspektive einer Abteilung gedacht, oder sie stoßen an hierarchische Decken.

Ich etabliere deshalb ein Managementinstrument, das gemeinsam mit der Linie funktioniert. Es bricht die Organisation auf, ohne Gewalt an ihr anzuwenden, bringt unterschiedliche Menschen zusammen, ermöglicht die Integration von Perspektiven und macht sich die gemeinsame Intelligenz zunutze, die es informell schon gibt, die aber aufgrund der Strukturen nicht zur Entfaltung kommt. Es fördert gemeinsame Lösungen, fordert aber auch Haltung und konsequentes, gemeinsames Handeln.

Am Ende sollen alle an der Organisation arbeiten.

Dazu habe ich heute viel vorbereitet, denn die Menschen müsse erstmal mit der Idee vertraut werden. Ich habe mir überlegt, wie ich den Gedanken in die Gruppe bringe und habe Charts gemalt.

*

Gelesen | Trampelpfade (eng. desire paths, wie schön!) bestimmen das Stadtbild – weil Planer am Bedarf vorbeiplanen und weil die Menschen sich ihre Autonomie erhalten wollen. Deshalb gibt es Architekten, die keine Wege pflastern, bevor die Weisheit der vielen Füße nicht die besten Wege gezeichnet hat.

Von Selbstbestimmtheit, Fremdbestimmtheit und dem Optimismus, dass es schon hinhauen wird

15. 03. 2017  •  25 Kommentare

Seit dem 1. Februar bin ich offiziell selbstständig, und aktuell kann ich mir keine bessere Entscheidung vorstellen.

“Ich bewundere dich, dass du deine Komfortzone verlassen hast”, sagte neulich eine Freundin zu mir. Die Wahrheit ist: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich sie verlassen, sondern dass ich sie betreten habe. Denn ich arbeite zwar mehr als vorher. Es verteilt sich allerdings anders und fühlt sich deshalb entspannter an. Entspannt im Sinne von: arbeitsreich, aber erfüllend und deshalb gut für meine selische Gesundheit. Letztere hat mich in den vergangenen Jahren zunehmend verlassen – nicht ernsthaft und bedrohlich, aber ich habe das Arbeitsleben zunehmend als belastend empfunden, war viel erkältet und hatte einige Stressymptome.

Wir haben jetzt Mitte März, und im Angestelltenverhältnis war ich zu diesem Zeitpunkt immer schon das erste Mal durch. Meist hatte ich im November/Dezember den letzten Urlaub, also vier Monate zuvor. Ich fühlte mich müde, wurde dünnhäutig, sehnte die freien Ostertage oder den ersten Kurzurlaub herbei. Das ist jetzt nicht so, im Gegenteil, ich fühle mich sehr frisch, obwohl ich mich schon seit Anfang November um Businessplan und Krankenkasse, Finanzamt und Autokauf, um Geschäftstausstattung, -anbahnung und Auftragsvorbereitung (und allerlei mehr) bemüht habe – also sehr gut ausgelastet war.

Aber ich arbeite nun nur noch für mich und für den Kunden. Ich empfinde meine Arbeit deshalb bei jedem Handgriff als sinnvoll, selbst bei Aufgaben, die mir keinen Spaß machen. Die gibt’s ja auch als Selbstständige, sogar gar nicht so wenige, aber am Ende weiß ich, wofür ich welchen Job erledige, und profitiere unmittelbar vom Ergebnis meines Tuns.

Zweiter Punkt ist: Ich kann mir meine Arbeit selbst einteilen. Auch in Wochen, in denen ich viel auf dem Tisch habe, die Möglichkeiten zum Einteilen also begrenzt sind, schaffe ich mir Freiräume: mal eine halbe Stunde länger frühstücken, mal mittags ein Nickerchen – beides nur 30 Minuten, aber es ist einfach unglaublich befreiend, es tun zu können. Mal morgens joggen gehen, mal zwischendurch in den Garten zum Durchschnaufen und Sonne tanken. Die kleinen Dinge halt. Habe ich abends Termine, gehe ich morgens ins Fittnessstudio. Anderntags arbeite ich bis Mitternacht, weil’s gerade fluppt, und stehe am nächsten Tag erst um 9 Uhr auf. Natürlich bin ich auch jetzt fremdbestimmt. Ich habe die Dinge aber insgesamt viel mehr selbst in der Hand.

Es ist ja auch so, dass Homeoffice unglaublich effizient ist, zumindest wenn man keine Kinder im Haushalt hat. Ich bin ein Mensch, der keine äußeren Antriebe braucht, um zu arbeiten; ich stehe werktags um 7.30 Uhr auf, weiß, was ich tun möchte, und beginne den Tag. Der Arbeitsweg fällt weg, das ist massig viel Zeit. Ich kann nebenbei Wäsche waschen, wenn ich Zerstreuung brauche, und zwischendurch einkaufen gehen, wenn ich bei einer Sache nicht weiterkomme. Im Angestelltenverhältnis bin ich seinerzeit einfach ineffizient geworden, habe Kolleg*innen zugequatscht oder stumpf gewartet, dass der Feierabend kommt. Heute erledige ich stattdessen Haushaltskram, der früher obendrauf kam und der mich in meiner Freizeit zusätzlich stresste.

Home Office bringt auch mit sich: Es kommt niemand rein und stört mich. Die vielen kleinen Schwätzchen entfallen, und überhaupt ist die ganze Kommunikation sehr zweckgesteuert. Letzteres, na klar, ist nicht nur ein Vorteil: Zwischenmenschliche Wärme und Austausch fehlen natürlich. Dafür werde ich aber demnächst ab und an in ein Coworking Space gehen. Außerdem bin ich abends jetzt viel unterwegs – nicht nur, weil viele Networking-Termine stattfinden, sondern auch, weil ich dazu im Gegenatz zu früher die Energie habe.

Noch ist das Geld deutlich weniger als als Angestellte. Aber auf Dauer wird das schon alles hinhauen; ich bin guter Dinge. Es liegt jetzt alles in meiner Verantwortung. Das ist die schlechte Nachricht, aber vor allem auch: die gute.

Die Zwei-Prozent-Nase

16. 06. 2015  •  35 Kommentare

Die liebe Anne schrieb jüngst auf ihrem Facebook, dass sie im Schlafzimmer rieche, wenn ihr Nachbar zwei Balkone weiter rauche.

“Mein Geruchssinn in einer Variante weniger feinkalibriert wäre vermutlich besser für mich.”

Ich äußerte mich mitfühlend und fragte, ob ich die Geschichte meiner offiziell bestätigten Zwei-Prozent-Nase schon einmal aufgeschrieben habe.

Nein, aber ich solle doch bitte.
Nun denn.

Es war einmal … das Jahr 1999. Ich studiere und bin knapp bei Kasse. Ein Aushang am Schwarzen Brett offeriert einen Job beim Landesumweltamt.

Gesucht: Testriecher.
Stundenlohn: 25 Mark.

25 Mark pro Stunde! Galaktisch! Ich betrachte mich als qualifiziert für Was-auch-immer und melde mich. Zunächst erklärt mir ein Umweltmensch den Hintergrund der Täitigkeit: Jemand telefoniere ans Umweltamt: “Hier stinkt’s! Die Brauerei in meiner Nachbarschaft – unerträglich!” Das Amt rufe einen seiner freien Mitarbeiter an, um die Sache zu überprüfen. Dieser fahre zur Brauerei – mehrmals, zu festgelegten Uhrzeiten. Jeweils zwei Stunden lang setze er sich auf einen Klappstuhl und kreuze auf einem Bogen an:

x stinkt
x stinkt ein bisschen
x stinkt nicht

Ich betone meine herausragenden Kompetenzen im Dasitzen und In-die-Gegend-riechen und bekräftige mein Interesse an der Tätigkeit. Man lädt mich zum Eignungstest ein.

Gemeinsam mit zwei weiteren Kandidaten verfrachtet man mich in einen Container. Im Container steht ein Tisch. Aus dem  Tisch gucken drei Inhalierrüssel heraus. Neben jedem Rüssel gibt es  zwei Knöpfe. Auf einem Kopf steht “ja”, auf dem anderen “nein”.

Wir hocken uns vor die Rüssel. Trennwände sind zwischen uns.

“Ihre Aufgabe ist es, meine Damen zu Herren, zu sagen, ob Sie etwas riechen”, sagt der Supervisor.

Prima, denke ich. Das kriege ich hin.

Aus den Rüsseln kommen 20 Riechproben, jeweils in unterschiedlicher Konzentration, von sehr wenig bis sehr viel:
10-mal Schwefelwasserstoff, formally known as “faule Eier”
10-mal 1-Butanol, der Duft von Edding

“Zwei Gerüche mit hohem Wiedererkennungswert”, sagt der Supervisor. Je Geruch seien zwei Nullproben dazwischen. Aufgabenstellung sei es nun, Knöpfe zudrücken:

Ja =Ich rieche etwas.
Nein = Ich rieche nichts.

Noch während der Test läuft, ist offenkundig, dass ich mehr rieche als andere. Während ich mehrmals kurz vorm Erbrechen stehe, murmelt es hinter der Trennwand: “Riecht ihr was? Ich riech’ nix.”

Als ich am Ende des Spektakels in den Vorraum trete, um das Ergebnis zu hören, erwartet mich ein Gesichtsausdruck freudiger Ergriffenheit: “Frau Giese”, sagt der Umweltmann, “das ist ja fantastisch! So etwas habe ich noch nicht erlebt! Sie haben eine Zwei-Prozent-Nase! 98 Prozent der Bevölkerung riechen schlechter als Sie! Wahnsinn!”

Ich hätte, so der Testaufseher, alles richtig herausgerochen, auch die Nullproben, zwanzig Mal. Das sei einmalig. Nur sein Hund rieche besser.

Was ihn in Verzückung versetzt, freut mich gar nicht: Ich bekomme den Job nicht. Für mich stinkt’s schließlich überall.

Informationsschreiben an anfragende Agenturen

25. 02. 2015  •  12 Kommentare

Liebe Agentur-Teams,

danke, dass Sie Interesse am Kännchenblog haben. Das freut mich aufrichtig. Das finde ich schön.

Doch wir müssen mal kurz reden.

In Ihren E-Mails fragen Sie mich meist, ob ich $Produkt schon kenne. Sie finden, dass $Produkt gut zu mir und meinem Blog passt. Die Auswahl ist manchmal ausgesprochen verwunderlich, aber das mag an einer Diskrepanz zwischen meiner Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen. Lassen wir diesen Umstand deshalb außen vor.

Sie finden also, dass $Produkt gut zu mir passt und haben sich Kooperationsmöglichkeiten überlegt. Die Kooperation sieht immer so aus, dass ich eine ausführliche Besprechung  von $Produkt vornehmen darf. Sie bieten mir dafür an, dass ich $Produkt ausprobiere. Oder ich schreibe ohne auszuprobieren über $Produkt, dann gibt es eine homöopathische Aufwandsentschädigung, für die ich mir ein Bälleken Eis kaufen kann.

Sie haben bestimmt bemerkt, dass es im Kännchenblog bislang noch keine gesponserten Beiträge gab. Lassen Sie mich deshalb einmal darstellen, wie ich die Sache sehe.

Grundsätzlich bin ich nicht abgeneigt, hier im Kännchenblog werbliche Inhalte zu präsentieren, wenn sie etwas mit mir oder dem Thema des Blogs zu tun haben oder mich neugierig machen. Im weitesten Sinne handelt es sich um die Themenbereiche Freizeit, Sport, Küche und Handwerk.

Bespreche ich ein Produkt, empfinde ich das als eine Dienstleistung, die ich sehr gerne für Sie erbringe. Ich rufe allerdings ein Honorar dafür auf. Über dieses Honorar sollten wir frei verhandeln. Ich bin offen und flexibel; wir kommen da bestimmt zusammen. Es liegt aber, das zur Einordnung, über dem Betrag für ein Bälleken Eis.

Dafür arbeite ich im Gegenzug zuverlässig, zügig und sorgfältig. Ich liefere die vereinbarte Anzahl Zeichen und Fotos in vereinbarter Qualität zum vereinbarten Zeitpunkt und zu den vereinbarten Nutzungsbedingungen. Sie können sich vollumfänglich auf mich verlassen: Sie kaufen eine professionelle Leistung ein. Sie profitieren von der Authentizität und Reichweite dieses Blogs und bekommen eine Präsentation Ihres Produkts, hinter der ich mit Herz und Leidenschaft stehe.

Ich freue mich, Produkte auch auszuprobieren. Haben Sie jedoch Verständnis, dass ich das mir angebotene Produkt in der Regel nicht aus eigenem Antrieb erworben hätte und es sich deshalb bei einem Produkttest ebenfalls um eine Dienstleistung mit einem vorab vereinbarten Leistungsumfang handelt, für die ich, wie oben beschrieben, ein Honorar und, falls es sich um ein event- oder ortsabhängiges Produkt handelt, Reisekosten abrechne.

Ich freue mich, wenn wir uns an den üblichen Gepflogenheiten in Geschäftsbeziehungen orientieren – zum Beispiel sieze ich meine GeschäftspartnerInnen, vor allem in der Erstanbahnung eines Kontakts. Es sei denn, wir kennen uns von irgendwoher, real oder virtuell. Meist ist das jedoch nicht der Fall.

Von diesen Voraussetzungen sollten Sie zunächst ausgehen – auch wenn wir im Einzelfall davon abweichen. Privates Interesse an Produkten habe ich mitunter durchaus, es ist jedoch nicht zielführend, es vorauszusetzen. Gehen Sie bitte auch davon aus, dass ich gesponserte Beiträge als solche kennzeichne.

Danke für Ihre offenen Ohren.
Auf eine gute Zusammenarbeit.

Heitere Musikanten

5. 08. 2014  •  28 Kommentare

Mein Büro liegt in der Fußgängerzone neben der Dortmunder Thier Galerie, einer Shopping Mall. Viele Leute laufen dort entlang – Leute mit Tüten, entspannte Leute, Leute, die gerne Geld ausgeben – weshalb heitere Straßenmusikanten an dieser Stelle überdurchschnittlich gut verdienen.

Gegen Mittag beginnt immer die erste Schicht, meist macht die rumänische Folkloregruppe den Anfang: drei arhythmische Kinder, die ein Tamburin schlagen und sekündlich “Hey!” rufen, während sie vom klagenden Gesang üppig gewandeter Erwachsener begleitet werden; ihr Vortrag erinnert unverkennbar an einen stimmbrüchigen Knabenchor, der in Reißzwecken getreten ist.

Die Folkloregruppe geht in aller Regel nahtlos in eine anatolische Oboen-Kombo über; manchmal bemerke ich den Wechsel kaum, so ähnlich sind die Gruppen sich – obwohl: Die Oboen sind deutlich vorwurfsvoller, sie erzählen in weinerlichem Singsang vom entbehrungsreichen Leben vereinsamter Ziegenhirten, von Mühsal und Mittellosigkeit und dem Unbill der Natur. Schon nach zehn Minuten bereiten sie den gleichen, den Schädel umklammernden Kopfschmerz wie der schneidige, kappadokische Wind, der durch das Tuffgestein von Göreme pfeift. Kann aber auch sein, dass ich nach dem Knabenchor schon etwas empfindlich bin. Mein Kollege reagiert auf die Oboen ausgesprochen sensibel, wirft krachend das Fenster zu und verharrt wahlweise embryonal auf seinem Drehstuhl oder verabschiedet sich, Verwünschungen schnaubend, in die vorgezogene Mittagspause.

Nach den Gruppen tritt oft ein altersloser Farbiger mit Klampfe an – vielleicht kennen Sie ihn: Er pendelt durch das ganze Ruhrgebiet, spielt mal in Essen, mal in Dortmund; er scheint einen beamtenhaften Stundenplan zu verfolgen, der sich an Schulferien, Markttagen und Schlussverkäufen orientiert. Er hat genau vier Lieder im Repertoire, darunter “La Bamba”, die er in Endlosschleife  und durch seinen Pidgin-haften Akzent derart verfremdet vorträgt, dass man schon nach dem ersten Refrain nicht mehr weiß, wie das Lied denn nochmal richtig geht. Dabei klingt er auf verblüffende Weise wie Kermit der Frosch, wenn er “It’s not easy being green” singt.

Der vierte im Bunde ist der Schlangenbeschwörer – ein einzelner Mann mit seiner Sopranblockflöte, der mit dem Tatendrang eines im Morgengrauen geweckten Pubertanden Volksweisen vorträgt. Teilnahmslos bepustet er sein Instrument, rutscht zwischendrin aus, klammert sich an den nächsten Ton, pustet weiter und landet bei einem der folgenden Fehltritte unweigerlich in einem Medley aus “Ein Männlein steht im Walde” und diffusem, selbst kompiniertem Liedgut, dessen Schöpfungshöhe kaum die Genialität vernehmlichen Ausatmens übersteigt.

An guten Tagen tritt danach – oder auch zwischendrin – als unangefochtener Höhepunkt die singende Säge auf, ein älterer Herr, der, auf einem Schemel sitzend, mit einem Violinbogen einen Fuchsschwanz beackert. Die Wirkung des Instruments entspricht ungefähr der des kappadokischen Windes – die Säge verfügt jedoch über einen deutlich höheren, auch visuellen Wirkungsgrad: Bereits während der ersten Streiche über das Sägeblatt erscheinen vor den Augen der Zuhörer mehrfarbige, Windows-98-artige Bildschirmschonereffekte.

Die Vorträge dauern jeweils dreißig Minuten; sie dürfen gar nicht länger dauern, andernfalls schreitet das Ordnungsamt ein. Es sind allerdings dreißig unterschiedlich lange Minuten; die halbe Stunde, in der die singende Säge spielt, dauert insgesamt rund so lang wie ein WM-Halbfinale – mit Verlängerung und Elfmeterschießen.

Passanten, die die Musikanten zum ersten Mal und jeweils nur für den Augenblick des Vorbeigehens hören, reagieren zu meinem Verdruss ausgesprochen freudig auf die Darbietungen. Die Münzen sitzen locker, das Geschäft ist auskömmlich. Diese Freigiebigkeit setzt bei den Musikanten einen Kreislauf in Gang: Sie spielen, durch die Zuwendungen in ihrem Tun bestätigt, nicht nur mit gesteigerter Inbrunst, sondern kehren über den Tag hinweg gerne noch einmal zur sprudelnden Geldquelle zurück.

Vierhundert Meter die Straße runter treten übrigens ausschließlich Pantomimen auf.

Treffer, versenkt

25. 02. 2014  •  6 Kommentare

Der kleine Ex-Azubi gibt heute Muffins auf Schicht aus.

Frau Sylvia: Hasse Geburtstach? Wie alt wirße denn? Zwölf?
Ex-Azubi: Ein! und! zwan! zig!
Frau Sylvia (deutet auf Kollege, 42): Dann ist er ja jetzt doppelt so alt wie du!

Zwei auf einen Streich. Respekt!

Mein 11. September

11. 09. 2013  •  26 Kommentare

Ich kam aus einer Besprechung, und im Büro des Chefs lief der Fernseher. Zwei Hochhaustürme, Rauch. “Es sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen.” So viel war zu dem Zeitpunkt schon klar.

Ich arbeitete als feste Freie für den Onlinebereich eines Zeitungsverlages. Acht Zeitungstitel, acht Webseiten, zentral gesteuert. Die angestellte Kollegin, die bislang die Webseiten managte, hatte zum 1. September gekündigt und war fort. Ihr Nachfolger: ganz frisch, noch nicht eingearbeitet. Ich war an diesem Tag da, um ihm das Wichtigste zu zeigen.

Wir standen eine Weile vor dem Fernseher: Chef, ich, der Neue, jede Menge Techniker. Damals war das Internet in erster Linie Technik, zumindest bei Zeitungsverlagen.

Der erste Turm stürzte ein.

“Baut Spezial-Seiten”, sagte der Chef – und sah mich an. Ich war erst 23 Jahre alt, ich war noch im Studium. Ich war nur Aushilfe. Aber ich war die Schnellste. Ich ging ins Büro und baute Seiten in die Online-Auftritte von acht Zeitungen, die bis dato nur automatisierte Print-Nachrichten enthielten.

Der zweite Turm stürzte ein. Irgendwer sagte: “Das gibt Krieg.”

dpa schickte Texte und Bilder. Ich baute, dann sichteten der Neue und ich das Material und stellten des online. Gegen 22 Uhr machten wir Feierabend. Ich fuhr nach Hause, schaltete CNN ein und schaute solange fern, bis auch in den USA Nacht war. Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr auf und aktualisierte die Seiten.

Am Ende des Monats, zum 1. Oktober 2001, bot man mir eine unbefristete Teilzeitstelle neben dem Studium an. Ich sagte zu – und ging wegen dieser Stelle nicht zum Auslandssemester nach Italien. Ich blieb stattdessen im Unternehmen, in dem ich später auch volontierte, als erste Online-Volontärin des Hauses.



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