Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

So! | Sprachen wir schon über die Schwierigkeiten des Tagebuchbloggens in Zeiten hoher Termindichte, während sich das Leben in zwei Städten abspielt?


Garten | Erdbeeren und Johannisbeeren sind am Start. Im vergangenen Jahr habe ich genau drei Heidelbeeren geerntet und feierlich gegessen – es sieht aus, als seien es in diesem Jahr mindestens fünf. Die Kirschen haben unter dem späten Frost gelitten: Der Baum trägt nicht gut. Aber ein paar Kirschen sind dran. Zumindest gab es in diesem Jahr genug Wasser.

Abteilung Gemüse: Den Thorstens und den Gurken geht es gut, ebenso dem Salat. Nur der Kürbis kränkelt. Das wird wohl nichts. Kartoffeln, Radieschen und Zucchini nehmen die Herausforderung an, ebenso der Pak Choi. Die Situation bei den Möhren ist angespannt: Eigentlich müssten sie schon längst ihr Grün aus der Erde strecken.

In der kommenden Woche wird es endlich warm. Dann dreht der Garten bestimmt durch.


Auswärtsfahrt | Das neue Fahrrad ist da, montiert und testgefahren. Der Onlinehändler hat den Link zu einem Montagevideo mitgesendet. In dem Monatgevideo baute ein junger Mann das Rad zusammen. Ich konnte es ihm eins zu eins nachtun, jeder Handgriff ist dort vorgemacht, wie bei der Maus. Der Knuffelcontact hat die Scheibenbremse finalisiert und den Anschlag der Schaltung nachjustiert. Danach war alles tippditoppe.

Anschließend Testfahrt durch Industriekultur, vorbei am Stadion den Dortmunder Süden entlang und durch die City wieder zurück, rund zwanzig Kilometer. Das Rad hat die richtige Rahmengröße, die Kraftübertragung ist spitzenmäßig, es fährt sich super. Fühle mich sehr dynamisch. Der Lenker kann noch etwas höher, da schauen wir mal, ob wir noch Spacer reinkriegen. Den Sattel werde ich austauschen, er ist zu breit; es drohen Schmerzen am Allerwertesten.

Insgesamt aber die richtige Entscheidung. Das Rad kommt ziemlich nah an meine Bedürfnisse.

Eine Leserin hat mir eine ergonomische Sitzberatung bei Juliane Neuss in Clausthal-Zellerfeld geschenkt, das ist großartig. Man kann die Beratung digital oder vor Ort wahrnehmen. Ich fahre vielleicht sogar hin. Mein Urlaubsmonat Juli hat dahingehend Spielraum. Ich freue mich sehr.


Schwenk zu einer anderen Investition:

Vorrede | Vor einem Jahr manifestierte sich in mir der Wunsch nach einer neuen Matratze. Meine vorhandene ist elf Jahre alt, mein Liege-Erlebnis braucht ein Update, man wird ja nicht jünger. Dann kam erstmal der Sommer, ich war damit beschäftigt, ins Freibad zu gehen. Dann kam die zweite Welle. Dann die dritte. Währenddessen wuchs in mir der Gedanke, dass ich nicht nur eine neue Matratze, sondern auch ein neues Bett gebrauchen könnte – das vorhandene ist ein preiswertes schwedisches Modell und hat sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht. Bevor ich nun aber ein neues Bett aufstelle – wäre es da nicht schlau, auch im Schlafzimmer Parkett zu legen? Das habe ich bislang nur im Wohnzimmer. Dazu würde ich einen Parkettleger benötigen. Wenn aber nun schon ein Parkettleger kommt, kann er auch gleich im Gästezimmer Parkett legen, nicht nur im Schlafzimmer. Im gleichen Atemzug kann er das vorhandende Parkett überarbeiten, ist ja ein Abwasch.

Mein Matratzenwunsch setzte also eine Prozesskette in Gang. Inzwischen habe ich einen Parkettleger, ein Angebot und ein Verlegedatum. Fehlen noch Bett und Matratze.

Komplexitätsreduzierung | Gestern war ich in einem Möbelhaus. Ich war sehr willig, dort und nur dort zu kaufen und im Anschluss nirgendwo anders hinzufahren. In Konsumfragen betreibe ich nämlich Komplexitätsreduzierung. Durch die Anfahrt mehrerer Möbelhäuser erhalte ich nämlich viel Auswahl, und viel Auswahl führt zu Verwirrung und Missstimmung: Je mehr Auswahl ich habe, desto eher habe ich das Gefühl, eine schlechte Entscheidung zu treffen, die mich wochenlang martert. Also schränke ich die Auswahl von vorne herein ein, indem ich ein Möbelhaus anfahre, bei dem ich mir sicher bin, ein Bett zu finden, dem ich mindestens 8 von 10 Punkten geben würde. Auf die Möglichkeit, die Punktzahl auf 9 zu erhöhen, verzichte ich; der funktionale und emotionale Gewinn dieses einen Punktes ist geringer als das Ungemach des Aufwandes und des marternden After-Sales-Gefühls.

Entscheidung | Das Möbelhaus war gähnend leer, ich war die einzige Kundin. Die Verkäuferin zeigte sich entsprechend beratungsfreudig – so beratungsfreudig, dass ich ihr irgendwann sagte, dass ich mich in Anwesenheit Dritter nicht entscheiden kann und dass sie mir bitte ein bisschen Zeit lassen möge, die Schlaffrage mit mir selbst zu diskutieren. Ich betrachtete daraufhin lange und stillschweigend Betten und legte mich auf diverse Matratzen. Die Matratzenauswahl befand sich auf einer Empore. Ich konnte von dieser Empore aus in den Verkaufsraum gucken, aber niemand konnte mich sehen. Es ist ja auch nicht nötig, Menschen beim Nachdenken über Matratzen zu überwachen; niemand steckt sich heimlich eine Federkernmatratze in die Handtasche und haut damit ab. Ich legte mich also auf Matratzen, wippte und wendete mich, und immer wenn ich lag, verschwand ich hinter der Leichtbauwand der Empore. Weil eine Matratze fundiert ausgesucht sein will, rollte ich auf jeder vom Rücken auf die Seite und auf den Bauch, blieb eine Weile liegen und schlief dabei fast ein.

Am Ende entschied ich mich für eine von vier Matratzen und eines von vier Betten und freue mich nun. Wunderbar.


Käte | Mein Buch wird auch ein Hörbuch, und inzwischen steht die Sprecherin fest. Ich bin beglückt: Es ist die Stimme einer älteren Frau, aber nicht zu seniorig, kraftvoll und klar. Gleichzeitig trifft sie auch empfindsamere Töne. Sehr schön.


Da war ja noch was | Jüngst war Pfingsten, es ist schon ein bisschen her. Ein langes Wochenende, in das ich mich kopfüber hineinstürzte, mit Anlauf und einem Köpper, mitten aus dem Arbeitstrubel. Am Freitag klappte ich den Rechner zu, und dann war sowas von Wochenende, wochenendiger kann ein Wochenende nicht sein. Ich startete mit Kuchenbacken, und als der Kuchen gerade aus dem Ofen kam, traf auch schon Katja ein. Mit ihr nahm ich eine Podcastfolge auf, Thema: ihre Arbeit als Anti-Gewalt-Trainerin. Am Rande ging es auch um Bestatter, Laubsägearbeiten und allerlei andere Dingen, hören Sie selbst.

Zum Wochenende gehörte außerdem ein Besuch im Auenpark in Selm, ein Ort, der im vergangenen Jahr erst fertig gestellt wurde. Der Selmer Bach schlängelt sich im Schleifen den Park entlang, es gibt Turborutschen und eine Lichtkuppel. Klein, aber fein und ausreichend für einen Nachmittagsausflug. #serviceblog

Nächstes Wochenende nochmal ein langes Wochenende, das wird toll.


Gelesen | Frau Herzbruch, im echten Leben Professorin der Linguistik, nimmt uns mit auf einen unaufgeregten Exkurs zum Gendern.

Der allergrößte Teil der Linguist:innen befasst sich ausschließlich mit diesem beobachtbaren Regelsystem einer Sprache, nicht mit der Normierung dessen. Die Begriffe „richtig“ und „falsch“ kommen in der täglichen Praxis üblicherweise nicht vor, das ist nämlich ein von Menschen obendrübergestülptes Bewertungssystem, welches komplett losgelöst ist von der Frage, wie Sprache funktioniert. Und – und das kann ich kategorischer formulieren – niemand beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage, ob etwas schön oder nicht schön ist. Es gibt sehr viele konkurrierende Prinzipien, die auf Sprachstruktur einwirken. Die Frage, ob konservative Politiker:innen etwas schön finden, ist keines davon. 

Selbstverständlich meldet sich ein männlicher Kommentator zu Wort, der anderer Meinung ist und – wie es Sitte ist – auch gleich persönlich wird:

(…) Bei allen anderen müsste man fragen, ob sie [sic!] das Proseminar wissenschaftliches Arbeiten im ersten Semester nicht bloß besucht, sondern auch dem Sinn nach und dem tieferen Sinn nach verstanden haben und verinnerlicht haben.

Kommmentar von fritz_

Frau Herzbruch kontert:

Ich erklär es ihnen gerne noch mal so, dass Sie folgen können, und dann möchte ich Sie hier nicht mehr lesen. Danke.

Ich habe Ihnen zu keinem Zeitpunkt ein Gespräch angeboten, sondern ich habe lange Jahre als Professorin für genau das Thema gearbeitet, und das übrigens vor allem deshalb, weil ich unfassbar viel dazu weiß, zum Beispiel viel mehr als Sie, und ich habe die Perspektive, die eine Sprachwissenschaftlerin einnimmt, hier aufgeschrieben. Dann kommen Sie, werfen mir irgendetwas vollkommen sinnfreies mit Esperanto vor, was in wenigen Sätzen zeigt, dass Sie ein bisschen mansplainen wollen, weil es wohl opportun erscheint, einfach mal zu blöken, (…) das Fallenlassen von irgendwelchen Einzelbegriffen mag Ihnen reichen, um eine Diskussion auf Augenhöhe zu führen, wenn von Ihnen aber doch überhaupt gar kein sinnvolles Argument kommt, worauf soll ich denn da einsteigen, bitteschön? Lustigerweise ist es ja sogar so, dass alle Argumente, die ich hier nenne, nicht einmal ein abgeschlossenes Grundstudium erfordern, das ist alles absolutes Basiswissen. Das wussten meine Student:innen alles nach dem ersten Semester. Und deshalb ist es auch übrigens müßig, mit Ihnen darüber zu diskutieren. Es gibt ja gar nichts zu diskutieren, das ist alles ja ganz einfachster Stand der Forschung.

Kommentarentgegnung

Halten wir fest: Für die Sprachwissenschaft gilt das Gleiche wie für die Virologie. Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung sind keine Meinung, sondern Erkenntnisse. Man kann über diese Erkenntnisse diskutieren, indem man über die Methoden diskutiert, mit denen sie zustande kommen. Aber man kann nicht einfach anderer Meinung sein, weil man die Erkenntnisse doof findet.

Podcast | Als ich Katja Waldhauer vor zweieinhalb Jahren kennenlernte, fielen mir sofort zwei Dinge an ihr auf: ihr ansteckendes Lachen und ihre Art, Menschen nahe zu kommen. Katja ist jemand, mit dem man nach nur zwei Kaltgetränken schon sehr persönliche Gespräche führt. Ihr gelingt es, gleichzeitig offen und interessiert, dabei aber niemals übergriffig zu sein.

Katja an meinem Esstisch, davor ein Laptop mit Tonspur

Jetzt ist Katja in meinem Podcast „Vanessa spricht mit …“ zu Gast. Als Anti-Gewalt-Trainerin arbeitet sie in Schulen, für die Deutsche Bahn und in heilpädagogischen Einrichtungen. Gelernt hat sie Ergotherapeutin. Nachdem sie in ihrem Berufsalltag mit schwierigen Situationen konfrontiert war, bildete sie sich als Deeskalationstrainerin weiter und arbeitet nun seit mehr als einem Jahr selbstständig.

Ich spreche mit Katja über Mobbing an Schulen und über das Training von KINs, den Kundenbetreuern im Nahverkehr. Sie zählt gerne in 11er-Schritten rückwärts und empfiehlt, sich absurd zu verhalten, wenn man aggressiv vollgetextet wird. Spezialthemen der Folge: Laubsägearbeiten, kurze Hosen und die professionelle Betroffenheit von Bestattern.


Kapitelmarken | Die Folge hat Kapitel. Die Kapitel seht Ihr, wenn Ihr auf das Kapitelsymbol klickt – das ist das erste der fünf Symbole neben dem Foto, links neben der Download-Wolke.


Zum Weiterlesen | Wenn Ihr Katja im Netz besuchen wollt, geht zu ihren Mutausbrüchen oder zu Instagram. Außerdem in der Folge erwähnt:

Vogelkino | Im Coworking-Space in Haltern sitze ich am Esstisch. Mein Blick geht geradewegs auf den Balkon, ein Ort unter einem Dachgiebel mit Sicht auf die Realschule. Dahinter Einfamilienhäuser und Wege und irgendwo, einen Spaziergang weit weg, sind auch die Hühner. Vom Giebel baumelt das pure Glück, darüber sind sich Meisen und Spatzen einig. Ununterbrochen werden sie auf dem Balkon vorstellig, ein permanentes Kommen und Gehen, pardon, Fliegen. Man ahnt nicht, wie viel solch ein 30 Gramm leichter Spatz fressen kann, bevor man es nicht über Tage beobachtet hat. Denn so viele Spatzen, dass es immer ein anderes Tier ist, das zum Fressen kommt, kann es in Haltern nicht geben. Es müssen dieselben Spatzen sein, die sich viertelstündlich an den Knödeln vergehen. Irgendwann werden sie nicht mehr auf den Balkon heraufkommen. Sie werden auf halber Strecke verenden, und falls nicht, falls sie es doch herauf in den Giebel schaffen, werden sie nach der Mahlzeit wie ein Klops in die Tiefe stürzen. Ein Ort der kulinarischen Wonnen. Ebenso ein Ort des fortwährenden Zanks, besser als Kino.


Käte | Das Verlagsprogramm für den Herbst ist online – und Käte und ich sind dabei:

"Wer die Welt einmal von oben gesehen hat, kehrt nie wieder in dieselbe zurück." Doppelseite üver Vanessas Buch

Heute erhielt ich die Nachricht: Das Manuskript ist fertig, die Lektorin ist zufrieden. Das Buch geht in die Produktion. Anfang Juni erhalte ich die Druckfahnen. Danach Korrektorat. Und dann: Druck. (Juchhu!)


Städtebau | Zuletzt zweimal einen epischen Sieg eingefahren.

Carcassone-Spielfeld, davor jede Menge Rohstoffplättchen und 300 Punkte

(Über die epischen Niederlagen schweige ich.)

Um unsere Pandemie-Abende spannender zu gestalten – noch spannender! -, haben wir eine neue Carcassone-Erweiterung: Schafe und Hügel. Eine wunderbar friedliche Erweiterung, frei von Aggressionen, außerdem sind Schafe großartige Tiere, freundlich und neugierig. Gleichzeitig sind sie sehr vorsichtig. Nie werde ich die zahlreichen Schafbegegnungen auf Island vergessen. Immer freuten sich die Schafe, wenn ich um die Ecke eines Hügels bog: Hey, Leute, guckt mal! Da kommt jemand. ENDLICH kommt mal jemand! Kennen wir die? Wie die riecht! Nee, die kennen wir nicht, oder? Los, die gucken wir uns näher an! Gleichzeitig fürchteten sie sich schrecklich. Es zerriss die Tiere fast zwischen Furcht und Neugier. Unglaublich spaßig mit anzusehen.

Nach der Barragoon-Phase durchleben wir nun also eine schwere Carcassone-Phase. Ich habe schon die nächste Erweiterung im Auge, die vierte nach „Wirtshäuser und Kathedralen“, „Händler und Baumeister“ und „Schafe und Hügel“.


Lieferung | Mein Fahrrad ist da! \o/ Zusammenbau am Wochenende.


Gimmick | Ich habe einen neuen Hintergrund für Videokonferenzen: Marty McFlys DeLorean. Von innen. Mit Fluxkompensator. Und Fahrersitz. Auf dem ich dann sitze, während der Viko. Ich bin glücklich.


Gelesen | Interview mit Andrea Paluch, Autorin und Ehefrau von Grünen-Politiker Robert Habeck, über Veränderungen in ihrer Beziehung, über ihre Sicht auf sich selbst und über das Ausziehen der Kinder.

Durch die Gegend laufen | Es regnet inzwischen bei zwölf Grad, nicht mehr bei vier Grad. Das macht es gleich viel angenehmer.

Es gibt auch viel weniger Matsch als im Winter, fast gar keinen. Nur die Pfützen sind noch gleich tief. Dafür ist die Welt grüner und bunter. Es geht also aufwärts mit dem Freizeitvergnügen.

Am Samstag unternahmen wir wieder eine Wandertour. Das Homeoffice ist während der Woche doch ziemlich bewegungsarm, obwohl ich inzwischen auch mal Walk’n’Talk mache: Wenn es nichts zu zeigen gibt, nehme ich Kunden mit auf einen Spaziergang. Sie machen dasselbe. So gehen wir umher und reden. In einem einstündigen Telefonat kommen auf diese Weise bis zu fünf Kilometer zusammen.

Aber zur Wanderung: Am Samstag ging es 15 Kilometer vom Klutenseebad in Lüdinghausen durch Feld, Wald und Wiese, am Gronenbach entlang, durch die Steverauen und wieder zurück nach Lüdinghausen mit der Burg Vischering. Zwischendurch regnete es so doll, dass es unten aus der Hose wieder rauslief. Aber was wären wir für Wandersleut‘, wenn uns das etwas ausmachen würde! Bis auf das Wetter eine tolle Route, idyllisch am Bächlein entlang, gut und zügig zu laufen. Wir haben jede Menge Maikäfer und sogar einen Storch gesehen.

Durch die Burg kann man nicht nur eine reale, sondern auch eine virtuelle Tour machen.


Ans Meer | Ich habe nun schon von zwei Familien mitgekriegt, dass sie die Corona-Zeit genutzt haben, um ans Meer zu ziehen. Der Arbeitgeber wird weiterhin auf Homeoffice setzen. So ist es egal, von wo man arbeitet. Also haben sie ihre Sachen gepackt und sind aus der Großstadt an die See gezogen. Wie großartig das ist!

Eine davon ist Carola. Bei ihr lese ich mit, seit sie mit dem Adventsjungen schwanger war. Der geht inzwischen zur Schule. Sie ist kürzlich mit Mann und vier der fünf Kinder von Hamburg nach Wismar gezogen.

Die Wohnung ist ein Traum für uns. Endlich genügend Platz! Wir schlafen alle hervorragend. Alle im eigenen Bett. Und es ist so ruhig draußen, ich suche immernoch den Haken daran. Nach 10 Jahren an einer vielbefahrenen Straße ist das so eine enorme Erleichterung, das könnt Ihr gar nicht glauben. Der Verkehr hatte in den letzten Jahren so zugenommen, wir hatten ungelogen jeden Tag Stau vor den Fenstern, örgs.

Umzugspiep

Menschen! | Weil es am Sonntag nicht wie vorhergesagt regnete, machten wir eine kleine Fahrrad-Rundtour durch den Dortmunder Süden, vielleicht 25 Kilometer. Wir schauten spontan bei Freunden vorbei. Inzwischen kann man ja im Garten sitzen, ohne zu erfrieren.

Menschen! Gespräche! Das war schön.


Gelesen | Ein Verkehrsforscher über die Sprache, mit der wir über Verkehr, Verkehrsunfälle und über Straßen sprechen: „Die Straße war mal für Kinder“ | Philip Aubreville sucht seit zwei Jahren mit seiner Familie eine größere Wohnung – bislang vergeblich: Mit Zwillingen auf Wohnungssuche in Berlin | Die New York Times hat zugeguckt: How Pfizer Makes Its Covid-19-Vaccine

Himmelfahrt | Ausgeschlafen. Großartiges Gefühl.


Bunt | Eine große Freude: der Garten. Das Gemüse gedeiht. Im vergangenen Herbst habe ich außerdem eine nicht unerhebliche Menge Tulpenzwiebeln in der Erde versenkt mit dem Gedanken: Wenn im Frühjahr immer noch Pandemie ist, dann wenigstens in bunt. Nun ist immer noch Pandemie, und es ist bunt.

Überdies ist der Rollweg angekommen. Ich habe ihn unter der Wäscheleine ausgelegt. Dort bestand optischer Ordnungsbedarf wegen regelmäßiger Zertrampelung. Nun habe ich einen Holzweg, und um den Holzweg herum werde ich noch mehr Stauden setzen.

Steinmauern, auf der ersten Ebene, zwischen Pflanzen, ein ausgerollter Holzweg

Broterwerb | Im vergangenen Jahr war die Zeit von Juli bis Dezember tot, der Pandemie erlegen. Ich hatte vereinzelte Aufträge, aber nichts Großes. Alle zögerten und warteten, in Präsenz war vieles nicht möglich, und das Budget war möglicherweise in die digitale Infrastruktur geflossen. Ich widmete mich deshalb meinem Buchprojekt – das war ohnehin geplant – und der Liebe.

Ende 2020 bahnte sich dann wieder ein großer Auftrag an, ich bekam den Zuschlag in einer Ausschreibung und bin nun sehr intensiv mit einem Kunden unterwegs. Weil ich damit rechnete, dass sich sonst erstmal nichts weiter bewegen würde und weil ich sicher war, dass das Konzept „Webinar“ auch in Zukunft tragen würde, plante ich gemeinsam mit Innovationstrainerin Andrea Schmitt eine eigene Webinar- und Seminarreihe. Sie kommt gut an, und auch darüber hinaus bewegte sich entgegen aller Annahmen sehr viel. Aus der Webinarreihe hat sich eine Inhouse-Veranstaltung bei einem Kunden aus der Finanzbranche ergeben, Pro Content fragt mich intensiv für Webinare an – offen und inhouse -, zwei Neukunden kamen mit Beratungsaufträgen hinzu. Darüber hinaus bin ich immer noch dabei, Die Frau, die den Himmel eroberte zu vollenden. Heute habe ich die zweite Lektoratsschleife beendet. Die Schlagzahl ist momentan beträchtlich, aber es ist auch ein sehr gutes Gefühl, dass es läuft.


Haltern burning | Sonnenuntergang hinter der Realschule.


Erstes Mal | Ich habe zum ersten Mal online ein Fahrrad bestellt. Nachdem die Offline-Beratung desaströs war, erhielt ich von einem Kollegen, der leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist und in seiner Freizeit Räder verkauft, eine ausführliche Online-Beratung. Ich schrieb schon einmal darüber, er ergänzte dann noch dieses hier:

Die Hersteller haben vor ein paar Jahren gemerkt, dass man aufgrund der nach unten laufenden Oberrohre mit der Rahmenhöhe nicht mehr auskommt. Daher gibt es neue Maße bei Fahrrädern: Stack und Reach. Stack ist der vertikale Abstand zwischen dem Tretlager und dem Lenker (quasi die vordere Höhe des Rads). Reach ist der horizontale Abstand zwischen dem Tretlager und dem Lenker (quasi die vordere Länge des Rads). Bei Dir brauchen wir also einen möglichst großen Stack und einen kleinen Reach.

Wenn Sie also auch lange Beine, aber kurze Arme haben, wissen Sie jetzt Bescheid.

Er nannte mir auch zwei Fahrräder, unter anderem das, was ich jetzt in Größe Rahmengröße XL (60 cm) gekauft habe. Es hat 677 mm Stack und 408 mm Reach. Ich bin gespannt. Vielleicht ist es eine Schnapsidee, ein Fahrrad online zu kaufen. Vielleicht war die Beratung aber auch besser als jede, die ich offline bekommen hätte, und es passt super.


Gelesen | Die Wirtschaftswoche über Kinder und Jugendliche in der Pandemie: Die verachtete Jugend. | Und: Wieso dein Gehirn sich freut, wenn du etwas falsch machst

The first Pieks is the deepest | Zunächst das alles überragende Ereignis der Woche: Ich bin geimpft. Am Mittwoch war ich auf dem Weg zum Kunden – der vierte Präsenztag seit Januar. Der Kunde macht das super: Fast alle Mitarbeiter:innen arbeiten im Homeoffice. Geht man doch mal ins Büro, gibt es Tests für alle, auch für Externe wie mich. Es wird Maske getragen. Das Miteinander ist vorsichtig und rücksichtsvoll. Ich war auf der Autobahn und fast dort, als mein Telefonino klingelte. Es war eine Bekannte, die medizinische Fachangestellte in einer Hausarztpraxis ist. „Wir haben heute um 14:15 Uhr einen Termin frei“, sagte sie. Und: „Willst du?“ Ich sagte sofort zu und fragte, welchen Stoff es gebe. „Astra“, antwortete sie. „Ich schick dir eine Nachricht mit der Adresse.“

Ich hatte viele Gefühle. Scham, weil ich über Beziehungen an eine Impfung komme; weil jemand an mich gededacht hat. Freude. Euphorie. Erleichterung, so doll, dass ich kurz weinte.

Ich fuhr zum Kunden, nahm den Vormittagstermin wahr und sagte alle Nachmittagstermine ab. Am Mittag fuhr ich nach Dortmund und holte meinen Impfausweis. Dann fuhr ich nach Hagen zur Arztpraxis. Die Wartenden standen überall: im Wartezimmer, im Gang, vor der Praxis auf dem Bürgersteig. Es wurde geimpft, geimpft, geimpft.

Am Donnerstag und Freitag war ich angeschlagen und fühlte mich, als wäre eine Erkältung im Anflug und als hätte ich gleichzeitig nur drei Stunden geschlafen. Heute, am vierten Tag, spüre ich nichts mehr. Die stärkste Nebenwirkung war hypochondrische Selbstbeobachtung. Am Donnerstag und Freitag gab ich ein Webinar, als es vor meinen Augen flirrte. Dazu Schwindel. Ich googelte „AstraZeneca Augenflirren“, und nun ja, es kam heraus, was wir alle ahnen. Ich schaltete dann erstmal die Ringleuchte aus, die mich anstrahlte, und was soll ich sagen? Geheilt.

Ein paar Worte dazu, warum ich mich als 43-jährige Frau dazu entschied, entgegen der Empfehlung der Stiko Astra Zeneca zu nehmen: Mein Bauch grummelt zwar, aber mein Kopf sieht die Mathematik. Die Zahlen sagen klar: Selbst wenn ich nur einer geringen Anzahl an Kontakten ausgesetzt bin und mich gut schützen kann, ist das Risiko einer Infektion größer als das Risiko durch die Impfung. Ich schätze außerdem die Gefahr für mich, die von einer Politik ausgeht, die eine Niedriginzidenzstrategie verweigert, größer ein als einen Impfschaden durch Astra Zeneca. Schon in der kommenden Woche gehen drei Kinder, mit denen ich regelmäßig engen Kontakt habe, bei einer Gesamtinzidenz knapp unter 165 wieder in den Wechselunterricht – obwohl die Inzidenz in den jungen Altersgruppen höher ist. Geimpfte und Genesene werden demnächst nicht mehr verpflichtend getestet; gleichzeitig erlauben Lockerungen mehr Kontakte. Die Stimmung geht insgesamt in Richtung „mehr Präsenz“ und „weniger Vorsicht“. Dass ich das Risiko von Thrombosen auf mich nehme, während wir mit einer ZeroCovid-Strategie bei einer Inzidenz sein könnten, die dies überflüssig macht, und während gleichzeitig jemand, dessen Termin ich bekam und dessen Risiko deutlich geringer ist als meins, nun mit Frauen um Biontech konkurriert, die sich aus guten Gründen anders entscheiden als ich, macht mir allerdings einen Knoten ins Hirn. Ich denke einfach nicht darüber nach.

Es überrascht mich selbst, welchen Boost an Optimismus und Leichtigkeit mir die Impfung gibt. Es ist großartig. Ich fühle mich seelisch sehr entlastet.


Impflinks | Bei Go Give One – eine Initiative , unterstützt durch die WHO – können Sie übrigens Impfungen für Menschen und Länder spenden, denen das Geld dazu fehlt.

Sofort-impfen.de ist eine Intiative, die Impfwillige und Arztpraxen unbürokratisch zusammenbringen möchte, um zu vermeiden, dass Impfstoff verfällt.


Sommergefühl | Heute erstes Frühstück im Garten.

Frühstückstisch auf der Terrasse unter der Markise.

Am Nachmittag ein ausgedehnter Spaziergang durch die Sonne. Jetzt riecht die Haut nach Sommer. Hach!


Das Tolle sind die Teilnehmer | Das Webinar, das ich am Donnerstag und Freitag gab, hieß „Veränderung begleiten“. Wir sprachen über den Start in die Veränderung, über kleine Schritte, über Kommunikation und über psychologische Aspekte des Wandels – was er mit Menschen macht, wie wir darauf reagieren und wie wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch Freunden helfen können, Veränderungen positiv zu bewältigen.

Die Runde war klein, und das Schöne war: Sie war maximal divers. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kultur, Medizin, Jura und Elektrotechnik, mit unterschiedlichen Biographien und Dialekten, aus Deutschland und Österreich. Als ich mit Andrea die Seminare und Webinare aufsetzte, habe ich an Vieles gedacht – aber dass unser Angebot Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen anzieht und dass die Veranstaltungen auch deshalb so wertvoll werden, ist eine spannende Entwicklung.


Käte | Die vergangene Woche brachte eine tolle Neuigkeit: Mein Buch erscheint auch als Hörbuch. Ich freue mich wie bolle!

Bevor Sie fragen: Die Sprecherin steht noch nicht fest. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.


Ausflug | Seit elf Jahren wohne ich in Dortmund, aber gestern war ich zum ersten Mal so richtig im Westfalenpark. Schön war’s!

Leider wird der große Robinson-Spielplatz in diesem Jahr saniert. Trotzdem gab es viel zu entdecken, zu behüpfen und zu beklettern. Ein guter Ausflug. Lediglich die Pommesdichte ist zu bemängeln.


Küchenfee | Ich habe neues Pandemielevel freigeschaltet: Foccaccia backen, Deko-Edition.

Nur noch 98 Level bis basteln. Und 980 Level bis nähen.


Service (anderorts) | Eine große Sammlung Fahrradblogs

Gelesen | Lehrer Bob Blume über Schule nach Corona

Jump’n’Run | In den vergangenen Tagen habe ich meine Scholle nicht verlassen. Ich bin zuhause geblieben, 24 Stunden, 48 Stunden, 72 Stunden. Ich habe keine Lust mehr, durch die Gegend zu latschen. Alle Strecken bin ich dreißig, vierzig, sechzig Mal gegangen, aus der Haustür raus und links herum, rechts herum oder mit Kehrtwende den Berg hoch bis in den Wald hinein. Um den See, die Emscher entlang, durch die Kleingartensiedlung und durchs Feld, an der Pferdeweide vorbei in den Nachbarstadtteil. Ich möchte nicht mehr, ich kann das alles nicht mehr sehen. Zudem sind die Arbeitstage lang, und es ist bitterkalt.

Im gleichen Maße, wie ich keine Lust mehr habe, durch die Gegend zu haben, fehlen mir Ausgleich: etwas anderes sehen, hören, fühlen, schmecken, zusammensitzen mit Freunden, essen, trinken, das Meer riechen, Sand spüren, in der Sonne sitzen, die Füße im Fluss, einen Berg hinaufsteigen, die Hand am Fels. Der Tag beginnt morgens mit Aufklappen des Laptops, in diesem Kasten findet sie statt, ausschließlich, es fühlt sich wie ein Jump’n’Run-Spiel an, ein Springen vom Teams Call zur Zoom-Konferenz zum Go-to-Meeting und über das Mural zum Webex, parallel sechs Chat-Nachrichten und zehn E-Mails, ein Laufen von Problem zur Idee zur Lösung zur Abstimmung zur Entscheidung, da kommt schon das nächste Problem, der nächste Call, das nächste Meeting, die E-Mail.

Ich habe die Abende genutzt und drei lange Telefonate mit Freundinnen geführt. Obwohl wir nichts erleben, hatten wir uns doch Einiges zu erzählen. Die inneren Vorgänge sind aufregender als die äußeren.


Hallo, Melone! |  Einmal war ich doch raus. Ich war im Supermarkt. Dort gab es Wackelaugen zu kaufen. Sie werten nun mein Leben im Homeoffice auf.

Honigmelone in Obstschale mit Wackelaugen

Landwirtschaft | Im Garten habe ich Salat und Pak Choi eingegraben, die Zucchinis ins Beet gesetzt und Thorstomaten gestreichelt, die Pflanzen aus Bielefeld gewässert und nach den Beeren gesehen. Die Johannisbeeren entwickeln sich verheißungsvoll. Wenn ich die Gartenbilder aus dem vergangenen Jahr ansehe und mit 2021 vergleiche, hinkt der Garten drei Wochen hinter 2020 her.

Garten, im Vordergrund blühende Bodendecker, im Hintergrund Gewächshaus. Es ist heiter bis wolkig.

Für die Wege in den Beeten und unter der Wäscheleine habe ich einen rollbaren Gartenweg aus Holz bestellt. Ich bin gespannt, ob er brauchbar ist.


Tool | Word Art Cloud Creator


Geschehnisse in Sichtweite | In der Nachbarschaft ist jemand zugezogen, eine Frau. Sie duscht jeden zweiten Morgen, und nachdem sie geduscht hat, öffnet sie das Badezimmerfenster sperrangelweit, trocknet sich ab und cremt sich. Das geschieht immer zur gleichen Zeit, immer um 08:40 Uhr, wenn ich im Morgencall mit meinem Kunden bin. Über den Monitor hinweg sehe ich, wie sich gegenüber das Fenster öffnet und eine nackte Frau im Rahmen erscheint. Der Vorgang dauert fünf Minuten, dann schließt sich das Fenster wieder. Beim ersten Mal war ich erstaunt und, nun ja, deutlich von den Geschehnissen auf dem Bildschirm abgelenkt. Mittlerweile hat die Selbstverständlichkeit, mit der die Nachbarin mich an ihrer Duschroutine teilhaben lässt, etwas Erdendes.

Derweil haben andere Nachbarn während Lockdown I bis III eine Beach Bar gebaut, eine Hütte mit Lichterkette und Bast, mit einer Nische für den Kühlschrank, einer Theke und einer Getränketafel. Davor hat der Nachbar einen Pool ausgeschachtet, nur mit Schaufel und Muskelkraft; allein unter sportlichen Geischtspunkten eine beachtliche Leistung. Das Bassin ist zwei mal zwei Meter groß, das Wasser geht bis zur Brust. Vergangene Woche haben sie das Bauwerk mit Beton ausgegossen. Außerdem wurde ein Grill kirmesbudenähnlichen Ausmaßes angeschafft. Uns steht Großes bevor.


Gelesen und gehört | Hört uns zu! Zeit Online gibt Pflegekräften, Ärzten und Ärztinnen eine Stimme. Eindrückliche und bewegende Umsetzung in Bild, Text und 50 kurzen Audios.

Gelesen | Teresa Bücker plädiert dafür, Vereinbarkeit nicht nur als Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu sehen, sondern von Arbeit und zahlreicher privater Interessen, Verpflichtungen und Beziehungen.

Das fängt damit an, dass ich das Wort Vereinbarkeit hasse. Es ist genauso schrecklich wie der Begriff Work-Life-Balance. So wie wir es gebrauchen, beschreibt das Wort Vereinbarkeit nur die zwei Dimensionen Erwerbsarbeit und Familie und – come on – das ist einfach zu wenig. Vereinbarkeit vergisst nämlich, dass manche Menschen nicht nur Familie haben, sondern auch noch eine Steuererklärung machen, zur Therapie gehen möchten, sich wohler fühlen, wenn sie ab und an Sport machen können, gern Ehrenämter übernehmen würden oder ans Telefon gehen, wenn Freund_innen anrufen und dass es absolut ungesund ist, mehrere Jahre nur fünf Stunden lang zu schlafen.

Mutter, Tochter, Kanzlerin

Geguckt und gehört | Musiker und Songwriter Julius Hartog sprich mit den #NoCovid​-Professoren Michael Meyer-Hermann, Melanie Brinkmann und Dirk Brockmann. Unter anderem rätseln sie, woran es liegt, dass es den poitischen Entscheidungsträgern so schwer fällt, konsequente, mutige Entscheidungen zu treffen.

Die einzige Erklärung, die ich habe, ist, dass diese Akteure andere Entscheidungsprozesse gewohnt sind […]. Die Angst, etwas Falsches zu machen, wirkt paralysierend bei Entscheidungsträgern. Die sind, glaube ich jedenfalls, längere Zeitskalen gewohnt. Das heißt, erstens sind sie Situationen gewohnt, die ganz kompliziert sind, wo alles abgewogen werden muss und dann eine Entscheidung getroffen werden muss, die vielleicht funktioniert und das Abwägen geht eher so: Wo ist die beste Wahrscheinlichkeit, die richtige Entscheidung zu treffen? Eine klare, eindeutige, mutige Entscheidung zu treffen, ist wahrscheinlich gar nicht deren Metier. […] Das ist wirklich fatal in dieser Situation; da macht man immer so einen Mittel-Kompromiss-Weg.

Dirk Brockmann ab Minute 26

Hinzu komme, dass man zu einem Zeitpunkt handeln müsse, zu dem das Problem noch gar nicht sichtbar sei, die Intensivstationen noch nicht voll seien und noch keine Notfall- und Alarmstimmung in der Bevölkerung ist. Der deutsche Dauerlockdown sei nicht nur schädlich für die Wirtschaft.

Es ist ein massiver Schaden in allen Bereichen der Gesellschaft daraus entstanden. Das ist die Folge von dem Dauerlockdown und dem Hin und Her. Und nebenbei sind die Menschen auch noch gestorben. Es ist ja eigentlich eine zynische Idee, die Auslastung der Intensivbetten als Kriterium zu neehmen und zu sagen: ‚Lassen wir es so laufen, dass die Intensivbetten immer voll sind.‘

Michael Meyer-Hermann ab Minute 32

Neu im Repertoire | Die Tage mäandern dahin, gehen ineinander über, zerfließen. Tagsüber Arbeit, acht Stunden, zehn Stunden am Schreibtisch, zwischendurch kochen, am Abend Spaziergang, Netflix oder Gesellschaftspiel. Acht Stunden Schlaf und wieder von vorn. Am Wochenende geringe Abwandlungen: keine oder wenig Arbeit, dafür mehr Spaziergang, Netflix oder Gesellschaftsspiel, aufwändiger kochen und manchmal backen. Neu im Repertoire: Gartenarbeit.


Eine Stunde vor Ausgangssperre | Abendspaziergang um den See, mit Vollmond.


Urlaubskasse | Irgendwann im vergangenen Jahr, als ich bemerkte, dass ich im Lockdown nicht viel Geld ausgebe, begann ich, meine Urlaubskasse zu füllen. Jeden Monat, immer zu Beginn, legte ich einen Betrag hinein. Direkt, wenn es wieder möglich ist, wollte ich Urlaub machen. Szenenwechsel. Im Oktober dachte ich: „Jetzt machen sie alles ein paar Wochen dicht, und dann fahre ich in eine kleine Ferienwohnung, zwei Wochen irgendwo am Meer“, und legte weiter monatlich Geld in die Urlaubskasse. Im Januar dachte ich: „Jetzt machen sie alles ein paar Wochen dicht, und dann fahre ich in eine richtig geile Ferienwohnung, drei Wochen irgendwo am Meer“, und legte weiter monatlich Geld in die Kasse. Inzwischen stellt sich das Gefühl ein: Sollte der Dauerlockdown irgendwann vorbei sein und sollte selbst ich irgendwann geimpft sein, miete ich mich in Ferienwohnungen ein, am Meer und in den Bergen, für Wochen und Monate, denn ich habe immer weiter Geld in die Urlaubskasse gelegt.


Zwei Stunden vor Ausgangssperre | Abendspaziergang im Wald.


Privilegien für Geimpfte | Wissen Sie, ich habe keinen Schmerz damit, wenn Geimpfte mehr Freiräume haben. Meine große Sorge ist nur, dass „man ja jetzt wieder in Präsenz arbeiten kann“, weil „so langsam normalisiert sich ja alles“ und „viele sind ja schon geimpft“. Ich spüre jetzt schon, wie der Druck steigt, wie Kunden nach mehr Präsenz streben. Das wird um ein Vielfaches mehr werden. Und dann stehst du da, als Vorsichtige und Ungeimpfte, und kannst dich nur weigern, mit hohen persönlichen Kosten. Oder gehst hin, vielleicht auch mit hohen persönlichen Kosten.

Ehrenamt I | Am vergangenen Samstag habe ich dem Internet etwas vorgelesen. Mehr als 70 Leute waren bei meiner Lesung digital dabei und spendeten – Stand heute – 1.300 Euro zugunsten der Dortmunder Tafel. Den endgültigen Betrag geben die Organisatorinnen von Tangent Club 63 noch bekannt, denn es trudeln vielleicht noch ein paar Überweisungen ein.


Ehrenamt II | Wer am Samstag dabei war, hat meine Freundin und Kollegin Steffi kennengelernt. Sie hat die Lesung moderiert. Seit 2015 begleitet sie eine Familie aus dem Irak, die unter schlimmsten Umständen nach Deutschland geflohen ist. Steffi hat ein paar Worte dazu aufgeschrieben. Erst half sie den Kindern bei den Hausaufgaben. Später der ganzen Familie bei allem Möglichen. Jetzt bekommt die Familie endlich angemessenen Wohnraum: groß genug für zwei Erwachsene und sechs Kinder.

Die jüngste Tochter der Familie, geboren nach der Ankunft in Deutschland, heißt übrigens Angela – benannt nach Kanzlerin Merkal, aus Dankbarkeit für die Aufnahme. Im Februar wurde der jüngste Sohn geboren. Auch er sollte unbedingt einen deutschen Vornamen bekommen. Die Kinder sind erfolgreich in der Schule. Die ganze Familie freut sich jetzt auf den Umzug in den neuen Stadtteil, auf Kinderzimmer, einen Garten und hilfsbereite Nachbarn.


Handwerker | Mein Gewächshaus hat Sanierungsbedarf. Das Dach ist undicht. Ich möchte, dass Profis die Arbeiten übernehmen. Es ist allerdings schwierig, einen Dachdecker zu finden, der solch eine kleine Arbeit tun möchte. Findet man einen, ist die Chance, dass er nach Beauftragung nochmal von sich hören lässt, gering. Wenn er doch von sich hören lässt, heißt das nicht, dass etwas passiert und er zum Ausmessen kommt. Wenn er doch zum Ausmessen kommt, heißt das nicht, dass danach noch etwas passiert. Seit sechseinhalb Monaten versuche ich nun, mein Gewächshausdach neu machen zu lassen.

Die gleiche Problemlage gilt für den Installateur, den ich für einige Handgriffe benötige. Ich würde auch gerne einen Parkettleger beauftragen, damit er noch in zwei zusätzlichen Räumen Parkett legt. Inzwischen habe ich meine Erwartungen so weit runtergeschraubt, dass mein Ziel nur noch ist, dass alle Arbeiten zum Jahrewechsel 2021/2022 erledigt sind. Ausgesprochen unerfreulich.


Einen Streich gespielt | Heute war wieder eine Querdenker-Demo in Berlin. Einige Leute haben sich in die Telegram-Gruppen der Querdenker eingeschleust und sich als Mitfahrgelegenheit angeboten – als Fahrende. In ganz Deutschland standen heute Morgen Querdenker auf dem Bürgersteig und warteten auf ihre Mitfahrgelegenheit nach Berlin. Die aber nicht kam.

https://twitter.com/gtorges/status/1384772875828277249

Corona-Service I | Eine Karte der Landkreis-Inzidenzen. Mit einem Klick kann man auf Altersgruppen filtern.

Corona-Service II | Für Mittwoch, 28. April, lädt die Berliner Beratungsstelle für Berufskrankheiten zu einer digitalen Veranstaltung ein, Thema: Covid-19 als Berufskrankheit. Wer dabei sein möchte, schickt eine E-Mail an beratungsstelle.bkv@senias.berlin.de mit seinem Namen sowie seiner E-Mail-Adresse und bekommt einen Link zur virtuellen Diskussion. Die Veranstaltung richtet sich an Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte sowie andere Mitarbeitendenvertretungen, Gewerkschaftsvertretungen, Führungskräfte, Schwerbehinderten- und Frauenbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Betriebsärztinnen, Gesundheitsmanager, Gesundheitsmanagerinnen und alle, die sonst noch mit dem Thema zu tun haben oder sich dafür interessieren. Es gibt keine Website, das Programm kann man aber beim Journalisten Daniel Drepper einsehen.

Corona-Service III | Schweden richtet nun Krankenstationen für Kinder ein, die nach einer Infektion mit dem Corona-Virus Langzeitschäden haben. | Nicht überraschend: Mehr Corona-Erkrankungen unter sozial Benachteiligten


Besuchshündin | In dieser Woche war die Besuchshündin wieder da.


Broterwerb | Weiterhin viel Arbeit in Kundenprojekten. Am vergangenen Freitag war ich seit Langem mal wieder in Präsenz unterwegs. Mit Antigen-Test, beim Kunden wurde Maske getragen, es gab Deinfektionsmittel und wurde gelüftet. Dennoch: Es war zunächst ein seltsames Gefühl.

Die Tage sind voll: voller Termine, Absprachen, Zuarbeiten, Beratungen. Alles digital. Alles klappt wunderbar. Ich merke nicht, dass etwas fehlt. Natürlich: Es wäre schön, sich auch mal persönlich zu begegnen, eine Mittagspause miteinander zu verbringen, zusammenzusitzen. Aber wirklich nötig für die Sache ist es nicht; ich glaube nicht, dass ich beziehungsweise: dass wir die Dinge in Präsenz deutlich besser machen würden, als wir es jetzt tun. Das liegt auch an meinen Kunden, die offen und beweglich sind, die gut kommunizieren und mit denen vieles Hand in Hand geht.

Eine andere Kulisse wäre mal wieder schön. So eine zum Beispiel.

//*seufzend ab

Broterwerb | Zusammenfassung dieser Woche bis hierhin:

  • vier Tage Arbeit im Großprojekt mit Kunde Eins
  • Vorbereitung eines Tagesworkshops mit Kunde Zwei
  • Webinar mit Kunde Drei
  • Vorbereitungen für die kommende Woche, Kunde Vier

Ich hätte zudem auf fünf potentiellen privaten Abendterminen an drei Tagen sein können/sollen/wollen. Ich habe viel geschlafen (Übersprungshandlung) und, wenn ich nicht geschlafen habe, gearbeitet.


Schlauer werden | Lust auf eine kleine, kurzweilige Weiterbildung? Im Webinar „Veränderung begleiten“ geht es Anfang Mai darum, Wandel zu gestalten.

An Vormittag Eins geht es um das Oberthema „Veränderung in Gang setzen“. Wir sprechen darüber, wie man die Gründe und Dringlichkeit für Veränderung kommuniziert. Wir schauen auf die Psychologie der Veränderung und auf Möglichkeiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (wirklich) zu beteiligen. An Vormittag Zwei ist das Motto „Veränderung begleiten und Sicherheit geben“: Es geht um die Möglichkeiten, große Vorhaben in kleine Schritte herunterzubrechen und so greifbar zu machen. Wir reden über gute Kommunikation und über kulturbildende Momente.

Beide Vormittage sind auch einzeln buchbar. Mehr Infos und Anmeldung drüben auf vanessagiese.de.


Samstagabend | Ich lege Ihnen noch einmal meine Online-Lesung ans Herz, am Samstag nach der tagesschau, 20:15 Uhr. Anmeldung per E-Mail bei den Damen von tc63@tangent-club.de. Es gibt Ausschnitte aus meinem Buch. Ich erzähle von der Entstehung. Online-Dating-Geschichten gehen ja auch immer, nicht wahr. Die geschätzte Steffi vom ZDF moderiert. Spenden gehen an die Dortmunder Tafel.


Würfelwelt | In der Nachbarschaft hat jemand großformatig Minecraft gespielt.

Würfelige Häuser

Unternehmenskultur | Ich habe etwas dazu aufgeschrieben, wie man Unternehmenskultur verändert.


Pragmatische Lösungen | Ich bin dafür, dass Markus und Armin raus aufs Land rausfahren, die Sache wie Männer klären und uns dann einfach sagen, wer gewonnen hat. Wer es zurück schafft, der isses. Wenn keiner von beiden es zurück schafft, ist es auch okay.


Gefühlslage | Ich fühle mich hilflos und ohnmächtig angesichts der politischen Inkompetenz, Schamlosigkeit, Bräsigkeit, Unverfrorenheit – suchen Sie sich ein Wort aus. Meine Politikerverdrossenheit erreicht eine ungekannte Dimension.


Bilder | Auf der Autobahn. Im Garten. Beim Spaziergang.


Gelesen | Warum die Aussage „Es sind noch Intensivbetten frei“ falsch ist: „Nicht jedes Intensivbett für jeden geeignet“. Der Intensivmediziner findet in dem Interview auch klare Worte für die Politik:

Unsere Landesregierung in NRW hat es geschafft, den schlechtmöglichsten Mix aus Zermürbung der Bevölkerung mit immer neuen, einschränkenden Maßnahmen ohne Aussicht auf Besserung und trotzdem mit ansteigenden Infektionszahlen zu treffen. So schamlos muss man erstmal sein, sich damit für das Bundeskanzleramt zu empfehlen.

Interview auf ZDF.de

Gelesen | Die Brücke der Beschränkungen



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