Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Bindfadenregen | Der gestrige Tag wurde präsentiert von: Bindfadenregen. Die Torfrau und ich verlegten uns auf häusliche Tätigkeiten. Sie strickte Socken, ich schrieb.

Am Nachmittag brauchten wir frische Luft und wagten uns hinaus in den Regen. Wir fuhren nach Wyk und spazierten ein wenig umher.

Steg ins Wasser

Abends zoomten wir mit Freunden. Sie sitzen seit eineinhalb Wochen in Quarantäne, nachdem eine befreundete Lehrerin positiv auf das Corona-Virus getestet wurde.


Inseltour | Heute war das Wetter besser, und wir machten eine Inseltour: Über Wrixum, Oevenum und Midlum durch die Aussiedlungshöfe, ich sah Oldsum, Dunsum, Utersum, Witsum und Alkersum.

Deich, weite Landschaft, eine Frau schiebt ein Fahrrad.
Panoaramaaufnahme vom Strand mit Sonne und Ebbe

Alles mit viel Gegenwind, Regen, Sonne und erwähnte ich schon den Wind? Ich beglückwünschte mich mehrfach zur Wahl eines Pedelecs. Gibt es schon Forschungen darüber, dass sich über den Tag die Insel dreht, so dass man ausschließlich im Gegenwind fährt?

Am Ende hatte ich 65 Kilometer auf dem Tacho. Das war sehr schön. Das Abendprogramm war dementsprechend:

Pizza im Fahrradkorb bei Dunkelheit

Aktion Waffeltest | Meine Rolle als Waffeltesterin nehme ich sehr ernst. Gestern und heute habe ich jeweils einen Anbieter getestet.

Gestern: Glenngelato, Wyk. 7/10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™. Eigentlich eine sehr gute Waffel, aber massiver Punktverlust durch Zitronenaroma im Abgang. Das hervorragende Vanilleeis hat Boden gut gemacht.

Waffel mit zwei Bällchen Eis und Blick auf die Strandpromenade, daneben eine fritz Cola zuckerfrei

Heute: Stelly‘s Hüüs, Oldsum. 7/10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™. Teig etwas zu Ei-lastig, Waffel zu dünn, wenig Fluff. Sie besticht jedoch durch ihre perfekte Bräunung und ihr Preis-Leistungsverhältnis: < 3,50 Euro mit Eis. Im Kontext eine solides Angebot. Das Ambiente im Café ist auch sehr liebevoll.

Runde Waffel mit einem Bällchen Eins, daneben eine Latte Macchiato

Gelesen | Den Newsletter “Zentrale Orte” von Juliane Schader: Corona und die Metropolen – Wider die Stadtnatur

Sankt Laurentii | Der Tag begann gemächlich: ausschlafen und Frühstück mit Plausch. Bevor wir aufbrachen, bereitete ich ein Kundengespräch für den Nachmittag vor. Ich gehe gerne gedanklich gerüstet in Gespräche und habe mir nochmal den Sachverhalt und seine Rahmenbedingungen ins Gedächtnis gerufen.

Die Torfrau und ich liehen uns Fahrräder, und wir radelten ziellos in Richtung Westen. Nach einigen Meilen gegen den Wind fanden wir einen Friedhof: den Friedhof von Süderende an der Kirche Sankt Laurentii. Dort erzählten die Grabsteine Geschichten.

Großer Grabstein mit langer Inschrift, dahinter eine Backsteinkirche

Zum Beispiel diese (Absätze von mir zur besseren Lesbarkeit):

Denkmal der christlichen Eheleute, des ehemaligen Kaufmannes und Landmannes

Christian Diedrich Roeloffs aus Süderende (geb. d. 30. Jan. 1801, gest. d. 5. April 1885) und der Antje, geb. Ketels, verw. Braren (geb. in Toftum d. 19. Juli 1804, gest. d. 10. Nov. 1890).

Ersterer ist auf seinem Lebenswege reichlich gesegnet worden, hat aber auch mit seinen Gütern und Gaben Andern gern gedient, er hat indes auch des Lebens Last und Hitze tragen müssen:

2 Lebensgefährtinnen, mit denen er nur etliche Jahre gepilgert mit der ersten, Ingke Ocken aus Oldsum, 9 mit der zweiten, Mattje Lorenzen aus Süderende, 8 Jahre, und von seinen 9 Kindern, 4 aus der 1. und 5 aus der 2. Ehe, sind 7 vor ihm ins Grab gesunken, doch war es ihm vergönnt, an der 3. Hausfrau eine langährige Gehülfin zu finden, von 1846 bis zu seinem Lebensende.

Diese hatte ihren ersten Gatten, Brar Braren aus Oldsum, nach 15-jährigem Ehestande verloren und von den 8 Kindern, die sie ihm gebar, hat sie 5 ins Grab sinken sehen.

Auf dem Friedhof finden die Toten der umliegenden sieben Dörfer ihre Ruhe. Der Ort ist voll von Föhrer Namen, von Brarens, Knudsens, Roeloffs und Matzens. Manchmal haben sich ihre Wege gekreuzt, dann gibt es “Geborene” und “Verwitwete”. Beerdigt sind sie durcheinander, bisweilen in Ansammlungen, seltener in Sichtachsen.

Das Kirchlein, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1240, ist schlicht und gleichzeitig hübsch.

In die Confitentenlade konnten die Gemeindemitglieder ihr Begehren einwerfen, am Heiligen Abendmahl teilzunehmen – verbunden mit dem Wunsch, vorher zu beichten. Ein Projektmanagement-Instrument des Pfarrers.


Mission “Waffeltestung” | Mit Gegenwind erreichten wir Nieblum. Das dortige “Eis- und Waffelhaus” versetzte mich sogleich in zarte Aufregung.

Waffel mit Vanilleeis auf rot-weißem Teller

Das Dargebotene erhält allerdings nur 6/10 Punkte auf der Internationalen Waffelskala™: geschmacklich eher fad und zu wenig Fluff. Auch das Eis konnte es nicht rausreißen. Die gestrige Waffel war besser.

Zur Einordnung – die Internationale Waffelskala zieht drei Kriterien zur Beurteilung heran:

  • Geschmack (natürliche Waffeligkeit ohne künstliche Aromen)
  • Fluff (Dicke, Weichheit bzw. Knusper, Mundgefühl)
  • Bräunung (zu dunkel gibt Abzüge)

Je natürlich-waffeliger der Geschmack, je idealer die Bräunung (hell mit einer Andeutung von Braun) und je fluffiger, desto höher die Punktzahl auf einer Skala von 1 bis 10. Alle Kriterien sind absolut subjektiv und gleichzeitig in höchstem Maße professionell und einzig wahr.

Nieblum an sich ist anheimelnd. Es gibt hübsche Friesenhäuser, Nippes-Läden und Cafés, alles sehr pittoresk.

Weniger pittoresk sind die Autos der Touristen, darunter viele SUVs, die sich über das Kopfsteinpflaster schieben, um möglichst nah dran zu parken.


Erdend | Am späten Nachmittag begann es zu regnen. Wir kehrten heim. Ich führte mein Kundengespräch und arbeitete ein wenig. Die Torfrau fuhr in einen Wollladen und sitzt nun, während ich blogge, im Ohrensessel und strickt Socken. Beide haben wir Frischluftvergiftung und müssen heute früh ins Bett.

Frau strickend im Sessel aus der Vogelperspektive, daneben ein Weinglas auf der Erde

Im Ohrensessel sitzende und strickende Menschen wirken beruhigend.


Gelesen | Corona: Schluss mit dem Gejammer | Blick nach Chile: Wie sich ein richtiger Lockdown anfühlt – eine Deutsche erzählt in ihrem Blog

Mit Vanilleeis | Der Tag begann mit einer Expedition zu Edeka Knudtsen. Die Torfrau und ich waren gestern mit einer Packung Spaghetti, einer Dose Tomaten und einer Zwiebel angereist – Abendessen. Frühstück hatten wir nicht parat.

Ich schnallte mir also meinen Rucksack auf, lief zum Supermarkt, erkundete das Sortiment und kam mit allem Notwendigen zurück.

Dann frühstückten wir sehr ausgiebig, denn es regnete. Das motivierte uns nicht, das Haus zu verlassen. Außerdem hatten wir einiges zu besprechen.

Am Mittag machten wir uns zu einer Expedition in den Ortskern und an den Strand auf.

Ich sehe mich hier vor einer großen Aufgabe. Beim Frühstück habe ich nämlich das Inselmagazin mit seinen zahlreichen Verbraucherinformationen durchgeblättert. Im Segment “Kaffee, Kuchen & Waffeln” scheint mir Föhr gut aufgestellt: Jedes dritte Café rühmt sich mit seinen leckeren Waffeln. Als internationale Waffelexpertin sehe ich mich vor einer Herausforderung.

Um keine Zeit zu verschwenden, nahm ich sofort die Arbeit auf und testete im Strandcafé eine Waffel to go.

Acht von zehn Punkte auf der Internationalen Waffelskala™: Geschmack sehr gut, Konsistenz und Mundgefühl ebenfalls – innen weich, außen knusprig -, die zu starke Bräunung gibt allerdings Abzug. Auch das Verhältnis von knusprigem Außen und weichem Innen hat noch Luft nach oben. Insgesamt aber eine mehr als solide Leistung.


Historisches | Auf dem Rückweg: Parkuhren. Allerdings digital und ohne Aufzieh-Drehknopf.


Gelesen | Das Netzwerk “Women in Mobility” will die Männerdominanz in der Mobilitätsbranche aufbrechen. Denn Frauen haben andere Bedürfnisse an Mobilität:

Ihre Wege führten seltener als bei Männern direkt zu einem Ziel: Auf der Fahrt zur Arbeit stoppen sie bei der Kita, der Schule, dem Bäcker, auf dem Rückweg am Supermarkt und dem Fußballtrainingsplatz. Es gehe Frauen aber auch um das Sicherheitsgefühl in Tiefgaragen und an Bahnhöfen.

Expedition auf eine Insel | Heute fuhr ich 520 Kilometer nach Norden. Wobei: Das ist nicht ganz richtig. 300 Kilometer lang wurde ich gefahren, von der Torfrau (i.R.). Das war schön. Erst hinter Hamburg wechselten wir das Steuer, und ich übernahm den Rest der Strecke. Der Rest bestand im Wesentlichen aus der Herausforderung, auf einer schnurgeraden Landstraße weder einzuschlafen noch geblitzt zu werden. Nach 46 Kilometern durfte ich einmal links abbiegen.

In Dagebüll parkten wir das Auto und bestiegen die Fähre nach Föhr.

An Deck war es übersichtlich. Professor Drosten hätte das gefallen.

Auf Föhr zogen wir unser Gepäck zur Ferienwohnung, und läuteten ohne Umwege das Abendritual ein. Abenteuer haben wir auf morgen verschoben.


Der Weg zum Corona-Test | Um nach Föhr zu fahren, brauchte ich einen negativen Corona-Test, nicht älter als 48 Stunden. An diesen Test zu gelangen, war eine Art Live-Game: Dortmund EscapeFinde den Test, der dich auf die Insel bringt!

Denn: Die Information, wer Menschen ohne Symptome testet – als Selbstzahler -, war nirgendwo verfügbar. Nicht auf der Webseite der Stadt, nicht auf der Webseite des Gesundheitsamtes, nicht auf allen durchgeklickten anhängigen Webseiten. Das Testzentrum der Städtischen Kliniken tut es, aber die Termine für Selbstzahler sind bis auf Weiteres ausgebucht. Anruf beim Hausarzt: “Wir testen nur bei Symptomen, nächster Termin erst in drei Tagen.” Wohin ich mich wenden könne? Keine Ahnung. Fahrt zum Testzentrum am Klinikum Nord: Nur Reiserückkehrer. Anruf bei der Hotline des Gesundheitsamtes: “Wissen wir auch nicht, fragen Sie doch mal den Hausarzt.” Auf Umwegen erreichte mich der Hinweis, dass es einen Rettungsdienst in der Innenstadt gebe, der teste. Dort rief ich an und bekam die Antwort: “Kommen Sie vorbei.” Ich fuhr hin, und man nahm mir für 80 Euro einen Abstrich. Das Ergebnis kam einen Tag später per Mail: negativ.

Derweil konnte sich die Torfrau an ihrem Wohnort – sie wohnt drei Städte weiter – an einem zentralen Testzentrum für Reiserückkehrer, Reise-Hinfahrer und Menschen mit Symptomen anmelden und wurde dort auch getestet. Die unterschiedlichen Gruppen kommen dort jeweils zu unterschiedlichen Zeiten, so dass die Symptomlosen nicht auf die Hustenden treffen.

Beim Abstrich hatte ich damit gerechnet, dass man mir das Stäbchen in den Rachen rammt und durch die Nase bis ins Hirn schiebt. Aber es war harmlos.

Vor dem Klinikum Nord warteten mehrere Familien, Reiserückkehrer aus den Nachbarstädten Unna, Schwerte und Herdecke. Sie hatten sich nach ihrer Ankunft bei ihrem Gesundheitsamt gemeldet und waren nach Dortmund geschickt worden. Das Testzentrum in Dortmund schickte sie allerdings wieder fort: Keine Tests für Menschen aus anderen Städten; getestet werde außerdem erst fünf Tage nach Rückkehr, bis dahin bitte Quarantäne; die Familien sollten sich an ihr Gesundheitsamt wenden. Die Familien sagten: Aber wir haben doch unser Gesundheitsamt gefragt, und es hat uns hergeschickt, damit wir sofort getestet werden! Allgemein großer Unmut – nicht ob des Tests als solchem, sondern angesichts des Durcheinanders, wer wo wann wen testet – und angesichts der Frage, ob man nun am Montag zur Arbeit gehen kann oder nicht und wer das dem Arbeitgeber beibringt.


Pilze und Zwerge | Zwischen Corona-Test und Abfahrt nach Föhr spazierte ich durch die Haard. Wir liefen durch den Wald, bestiegen einen Feuerwachturm, guckten hinunter, stiegen wieder hinab, sahen Pilze und Zwerge und gingen wieder heim.

Ein bisschen schön ist der Herbst ja doch.


Gelesen | Warum die Fallzahlen trotz Masken so stark steigen | Rezept: Simit: Türkische Sesamringe

Lernen und Wachsen | In den vergangenen Tagen habe ich mich zum Agile Master fortgebildet. Ich hatte mich für die Weiterbildung angemeldet, weil ich in meiner Arbeit mit Kunden viel mit agilen Methoden arbeite, ich aber bislang keine systematische Ausbildung erfahren habe. Ziel der Fortbildung war es, mich selbst zu überprüfen: Kann ich etwas besser machen? Gibt es methodische Dinge, die ich übersehe? Nach der Prüfung Ende Oktober habe ich dann auch ein Zertifikat – falls es Kunden gibt, denen das wichtig ist.

Der Kurs wurde von INeKO angeboten, einem Institut der Universität Köln. Mit Einrichtungen, die Universitäten angegliedert sind, habe ich gute Erfahrungen gemacht: Die Inhalte sind fundiert, das Niveau ist angemessen hoch, und die Trainer und Trainerinnen sind auch gut. So war’s auch diesmal.

Inhaltlich ging es um Scrum und Kanban mit anhängigen Methodiken und praktischen Ausprägungen: kurze Arbeitszyklen, Fokus auf ein Ziel, schnelles Ausfliefern von Ergebnissen, enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen, Feedbackrhythmen. Alles kannte ich, mit allem arbeite ich bereits. Aber manches hat sich nochmal geschärft, auch in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden, die allesamt aus unterschiedlichen Branchen kamen. Ich habe Ideen mitgenommen, die ich mit zum Kunden nehmen werde.

Die Weiterbildung fand komplett remote statt. Wir haben mit Zoom und Conceptboard gearbeitet. Das war sehr prima; ich fand es – auch für den kompletten Tag – gut und keinesfalls ermüdend, die ganze Zeit am Rechner zu sitzen. Es war völlig okay, von 9 bis 17 Uhr in der Videkonferenz zu sein und gemeinsam an Boards zu arbeiten (natürlich mit Pausen). Ich muss sogar sagen: Remote war ich wacher, als ich es in Präsenz gewesen wäre. Ich habe mir den unerfreulichen, weil stauträchtigen und deshalb knapp zwei Stunden langen Weg nach Köln gespart, ich muss keine Übernachtung bezahlen, war ausgeschlafener, ausgeglichener und entspannter. Ich bin zufrieden mit meinem Investment und werde im kommenden Jahr voraussichtlich den Experienced-Kurs dranhängen.


Stimmung | Abendspaziergang nach dem Weiterbildungstag:

Blick vom Hügel auf den Phoenixsee bei untergehender Sonne

Ich fühle eine ähnliche Anspannung wie im März und April, als auch die Infektionszahlen stiegen und stiegen und ich mangels Freizeitalternativen begann, meine Nachbarschaft in immer weiteren Kreisen zu durchlaufen.


Seminare mit mir | Falls Sie sich in 2021 fortbilden möchten, kommen Sie zu mir! Bei Pro Content in Essen stehen schon zwei Seminare fest:

In diesem Jahr gibt’s mich noch mit dem Thema Change Management – Was Veränderung mit uns macht in kompakten 90-Webinar-Minuten. Wenn wir uns verändern, egal ob als Individuum, als Gruppe oder als Organisation, durchlaufen wir Phasen, es gibt Rückschläge, und es gibt Muster. Die zu verstehen hilft, die Veränderung zu meistern. Datum: 11. November 2020 von 14 bis 15:30 Uhr.

Die Angebote finden sich auch auf meiner Terminseite.

Ich überlege, im kommenden Jahr auch darüber hinaus zwei oder drei Seminare selbst zu organisieren und anzubieten. Wenn Sie Ideen oder Wünsche haben, gerne her damit. Macht es wohl Sinn, dass ich eine Umfrage starte, was wohl interessant wäre? Oder biete ich einfach was an und schaue, ob sich jemand anmeldet? Mmmh … //*grübelnd ab


Tarte-Experiment | Ich habe eine Apfeltarte hergestellt. Ein Kuchen ohne Backpulver, gebacken in der Pfanne, mit 3 Eiern, 200 Gramm Puderzucker, 75 Gramm Mehl, dem Mark einer Vanilleschote und 100 Milliliter Vollmilch. Alles in einer Schüssel vermengen. In einer Pfanne geschnittene Äpfel mit Butter erwärmen, etwas Zucker und einen großzügigen Schwenk Alkohol der Wahl zufügen. Ich nahm Gin.

Das Ganze auf dem Herd lassen, bis die Apfelstücke weich sind. Dann den Teig drüberkippen, etwas warten und alles für eine halbe Stunde bei 180 Grad in den Ofen geben.

Die meisten Apfelkuchen sind mir zu trocken, zu hefig, zu bröselig, zu viel im Mund. Dieser Kuchen ist super.


Gelesen | Das Sterben der Shoppingmeilen: hohe Mieten, immer weniger Umsatz in den Innenstädten. Bislang prägt die Trennung der Lebensbereiche “Wohnen”, “Arbeiten” und “Freizeit” unsere Städte. Wo Menschen wohnen, wird nicht gearbeitet, wo gearbeitet wird, verbringt man nicht die Freizeit. Einkaufen findet in einem separaten räumlichen Bezirk statt: in einer vom Wohnen fast völlig befreiten Innenstadt oder in Einkaufszentren. Um den Einzelhandel attraktiv zu halten, muss er meines Erachtens wieder mehr mit dem Wohnen und Leben zusammenwachsen. Was der Onlinehandel besser kann, sollte man ihm überlassen. Was er nicht besser kann, ist: anfassen, riechen, schmecken, anprobieren, darüber ins Gespräch kommen, abwägen, sich austauschen, entdecken.

Corona-Service | Schön billig, aber völlig sinnlos – ein Kommentar zur Diskussion, ob man die Weihnachtsferien verlängern möchte. Ich habe dazu keine Meinung – wie zur ganzen Diskussion rund um Schule, Digitalisierung und wie man jetzt und in Zukunft den Unterricht durchführen sollte. Ich gewinne nur den Eindruck, dass in diesem Thema eine Menge Klugscheißer unterwegs sind, die immer nur einen Teil dieser riesigen Fragestellung sehen. Schule & Innovationen ist unter beruflichen Aspekten eine sehr interessante Herausforderung.

Et kütt, wie et kütt | In den kommenden sieben Tagen wird es spannend mit meiner Urlaubswoche auf Föhr. Ich hoffe, dass hier in Dortmund niemand mehr eine große Hochzeit feiert und dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Denn sonst brauche ich – Stand heute – einen negativen, keine 49 Stunden alten Corona-Test, um in meine Ferienwohnung nach Wyk zu dürfen und dort am Strand spazieren zu gehen. Hinsichtlich eines Tests sehe ich organisatorische Schwierigkeiten, denn im Selbstzzahler-Testzentrum des Klinikums sind für die kommende Woche schon keine Termine mehr frei. Was die Wirksamkeit der Maßnahme angeht, schließe ich mich Karl Lauterbach an. Et kütt, wie et kütt.

Langweilig wird’s #wegenderaktuellenSituation jedenfalls nicht. Ende des Monats stehen ja auch die Geschäftstermine in Berlin an. Ich beobachte die Nachrichtenlage mit großer Aufmerksamkeit.


Sein Name ist Pepper | Die Dorffreundin hat jetzt einen Kater. Der Kater und ich hatten unsere erste Begegnung. Offenbar mag er mich.

Kater liegt auf ausgestreckten Beinen auf dem Sofa.

(Er ist so weich!)


Broterwerb | Für drei Kunden gegen Geld gearbeitet, von zuhause aus. Niedergeschrieben, wie externe Begleitung bei Veränderungen unterstützen kann. Mich und Mudda Natur Design mit meiner Neujahrsgrußkarte beschäftigt.


Et is, wie et is | Beim Zahnarzt gewesen, Kontrolle. Keine Vorkommnisse, keine Notwendigkeiten. Dafür eine gesellige Anfahrt genossen: Stau wegen Nahverkehrsbestreikung. Et is, wie et is.


Gelesen | Seit du da bist von Fabio Volo, in einer Übersetzung von Petra Kaiser. Klappentext:

Nicola zieht mit Sofia zusammen, frisch verliebt und überzeugt: Dieser Liebe kann die Routine des Alltags nichts anhaben. Die kleine Dachwohnung im Zentrum von Mailand ist perfekt für romantische Zweisam­keit. Doch bald schon ist Sofia schwanger, und sie sind auf einmal zu dritt. Schlaflose Nächte, Babygeschrei und Gezänk – wollte Nicola das wirklich? Und wo ist die Leidenschaft geblieben? Nicola sucht – und findet. Erst außer Haus, dann daheim.

Ich mag Fabio Volo, seine Männerfiguren, ihre Wege, ihre Gedanken. Das Ende kommt etwas abrupt, ist mir etwas zu einfach. Aber sonst ein schöne, kleine Geschichte, realitätsnah, subjektiv, prima.

Berlin-Planungen | Ende Oktober reise ich nach in Berlin. Ich moderiere eine Tagung bei einem Kunden und verbinde dieses Engagement mit zahlreichen anderen Terminen bei Kundinnen, Kunden, Geschäftspartnerinnen und meiner Lektorin bei Suhrkamp Insel. Meine Agentin in der Literaturagentur hat gewechselt; eine Gelegenheit, sich kennenzulernen. Außerdem nehme ich – sofern wir alle gesund bleiben – zwei Podcastfolgen auf: eine Folge mit Filmdramaturgin, Prozessbegleiterin und Schauspielerin Verena Michl, eine weitere mit Zukunftsforscherin Alu Kitzerow.

Ich werde viel in Mitte und drumherum unterwegs sein. Das bringt in Zeiten globaler Seuchen Überlegungen mit sich. So dachte ich lange darüber nach, mit welchem Verkehrsmittel ich anreise. Das Auto ist virussicher, und ich kann viele Materialien transportieren. Allerdings scheue ich mich, es innerhalb Berlins zu bewegen. Zu wechselnden Terminen mit dem Auto durch Mitte zu gurken, ist was für Leute, die Vadda und Mudda erschlagen haben. Die Parkgebühren im Hotel sind horrend, und zweimal fünf bis sechs Stunden Autofahrt über die A2 – da gibt’s auch Vergnüglicheres.

Der Zug ist angenehmer in der Anreise, aber nicht ganz so virussicher wie das Auto. Allerdings kann ich arbeiten und entspannen. Die zu transportierenden Materialien müsste ich reduzieren und strategisch packen. Das wäre allerdings ohnehin sinnvoll, wenn ich innerhalb Berlins zu Fuß, mit E-Roller und Leihfahrrad oder zur Not mit dem ÖPNV unterwegs sein möchte.

Ich buchte heute also eine Zugfahrkarte und machte ein Schnäppchen: Für nur 39 Euro in der 1. Klasse Dortmund – Berlin im ICE, Einzelsitz. Endlich kommt meine im März upgegradete Bahncard 25 zum Einsatz.


Sozialkanalgedöns | Linked.in-Profil aktualisiert. Xing habe ich letzens schon erledigt.


Fitness-Studio| Da die Freibadsaison nun unabstreitbar vorbei ist, besuche ich wieder das Fitnessstudio. Seit März war ich nicht mehr dort. Vergangene Woche ging ich das erste Mal hin – und heute erneut. Die Situation dort ist ausbaufähig, aber akzeptabel.

Bei meinem ersten Besuch war ich auf der Fläche im Erdgeschoss. Sie ist groß und jedes zweite Cardiogerät ist gesperrt, aber die Abstände erscheinen mir für die Schwitz- und Atemsituation dennoch recht gering. Es war kein Fenster geöffnet. Niemand trägt Maske. Das machte kein gutes Gefühl.

Das Studio hat allerdings seinen Lady-Fitness-Bereich im zweiten Stock ausgebaut. Er ist deutlich weniger besucht, verwinkelter und ich kann individuell lüften, je nachdem an welchem Gerät ich mich befinde. Die Situation dort scheint mir in Ordnung. Ich trainiere Cardio ohne Maske und den Rest mit, auch wenn es nicht vorgeschrieben ist. An den Kraftgeräten empfinde ich das als zumutbar, und ich fühle mich besser, auch den Mitturnenden gegenüber.

Die Umkleiden meide ich. Sie liegen im Untergeschoss. Dort unten steht die Luft, alle Frauen laufen und stehen durcheinander und beieinander, maskenlos. Das fühlt sich nicht gut an.


Gelesen | Christian Drosten hat ein langes Interview gegeben. Es ist wie immer wohltuend, ihm zuzuhören. Fühle mich gut informiert.

Mein Verhältnis zu Tee | Manchmal schicken mir Menschen Kooperationsanfragen. Ich soll dann hier im Kännchencafé über ein Produkt schreiben, bekomme dafür Ruhm und Ehre oder darf behalten, was ich nicht haben will. Heute schrieb mir ein Tee-Shop. Tee! Alta. Ich und Tee.

Tee ist in Tassen abgefüllte Magen-Darm-Grippe mit dem Geschmack von Jugendherberge, Krankenhauscafeteria, Mobbing auf der Ferienfreizeit und Kräutermischung “Bahndamm Nordseite”.

Wenn ich über Tee schreibe, ist das deren Marketing-Albtraum.


Paketabholung | Heute war ich im Pick up Shop eines nicht näher genannten, rot-weißen Paketdienstes. Ich habe drei Gasdruckfedern abgeholt, die ich bestellt hatte.

Die Gasdruckfedern brauche ich für die Barhocker in meiner Küche. Sie sind malade: Wer sich auf einen Hocker setzt, sinkt in die Bedeutungslosigkeit unterhalb der Tischkante ab. Das ist eine amüsante Angelegenheit, zumal einer der Hocker sich sehr sanft und langsam absenkt. Es dauert fünfzehn Minuten, bis der Gesprächspartner nur noch mit der Nasenspitze über die Tischkante guckt. Erst dann wird er seiner Situation gewahr und zweifelt an seinem Verstand. Es macht großen Spaß, diesen Hocker im Zufallsverfahren immer an einen anderen Platz zu stellen.

Doch nun ist ein zweiter Hocker kaputt, und der dritte knirscht bedenklich. Es wird Zeit, Ernst in die Sache zu bringen, eine Reparatur vorzunehmen und die Gasdruckfedern auszutauschen. Der Hersteller schickte sie mit dem rot-weißen Paketdienst. Der Paketdienst entschied sich, die Zustellung für seine Belange nicht unnötig aufwändig zu gestalten. Er brachte die Lieferung ohne Umweg über mein Zuhause in den Pickup Shop des Netzwerkpartners. Soll die Kundin ihr Paket doch selbst in der Klitsche abholen! Was bestellt sie auch so einen Bumms!

Der Pickup Shop ist ein Loch, dessen Geschäftsziel ich nicht genau eruieren kann. Es ist eine mit braunem Teppich ausgelegte, spärlich beleuchtete Mischung aus Videothek, Second-Hand-Laden, Elbenwald-Filiale, Modellauto-Werkstatt, Schokoriegel-Abverkauf und einer Frauentausch-Wohnung. Es riecht dort, als hätte sich Heizungsstaub auf zehn Jahre alten, würzigen Käse gelegt, während im Hinterzimmer jemand Gras raucht und die Katze nebens Klo kackt. Nichts von alldem ist tatsächlich auszuschließen.

Ich betrat den Shop und reihte mich vor der Theke ein. Vor mir standen zwei Jäuster, vielleicht elf und fünfzehn Jahre alt, die sich gerade in harten Verhandlungen mit dem Shop-Mann befanden. Auf der Theke lagen ein Stapel Videospiele, zwei Hanuta und eine Action-Figur. “32”, sagt der Shop-Mann über seine Lesebrille hinweg. Seine Maske hing ihm unterm Kinn, das Hemd war nur notdürftig in die Hose gestopft.

“22”, sagte der ältere Junge.
“30.”
“35!” , krähte der Jüngere. Sein Kumpel haute ihm auf den Hinterkopf. “Bist du schwachsinnig, Alta!”, und zum Shop-Mann: “25 und keinen Euro mehr.” Der Shop-Mann: “29, und ihr kriegt noch eine Figur dazu.”

Die beiden Jungs zogen sich zu einer geflüsterten Beratung zurück. “28 mit Figur!” Das Geld ging über den Tisch.

Die Gasdruckfedern liegen jetzt in meiner Küche und warten auf Einbau. Werde ich tun, nachdem ich sie lange genug angestarrt und dreimal hin und her geräumt habe.

Wann kommt Nessy? | Am Freitag arbeitete ich den halben Tag gegen Geld. Den anderen halben Tag las ich über Kriegsanleihen oder buk Pflaumenkuchen, den ich abends mit zu Freunden nach Essen nahm. Wir fanden, dass es an der Zeit sei, sich mal wieder zu sehen.

Die dort im Haushalt ansässige Erstklässlerin kann überraschend schon schreiben und hatte Fragen:

Schild in Kinderschrift: "Wann kommt Nessy" mit Herzen. Daneben Teelichthalter mit Bergarbeitermotiven.

Es gab Lasagne, und ich war bis weit in den nächsten Tag satt.


Geburtstagswanderung | Der nächste Tag war ein Geburtstagsfeiertag: Die Dorfnachbarin hatte geladen. Allerdings nicht zu einer Party, #wegenderaktuellenSituation. Stattdessen unternahm die Feiergesellschaft eine Geburtstagswanderung durch den Dortmunder Süden. Für Speis und Trank war gesorgt, es gab reichlich Klönschnack, und Landschaft war auch genügend da.

Ich mag ja diese Settings: Etwas zu tun haben und dabei mal mit diesem, mal mit jenem Menschen reden.

Auf den letzten 20 Minuten des Weges regnete es dann Hunde und Katzen. Ich fühlte mich sehr naturverbunden, wie mir das Wasser aus den Haaren in die Augen und hinten in den Kragen lief.


Hipster-Frau | Bloggerin-Urgestein Frau Kaltmamsell hat eine neue Hüfte bekommen. Wenn Sie diesen Vorgang aus Sicht der Patientin miterleben möchten, dann hier entlang: der Tag der Operation und der Tag danach. Weitere werden folgen. Beste und baldige Genesung!


Expeditionsplanung | Für Freunde der Kännchencafé-Reiseberichterstattung gibt es einen Lichtblick: In diesem Monat geht es noch nach Foehr. Das ist zwar nicht so aufregend wie ein geschenkter Monat in Italien oder Eremitenhäuschen auf Atlantikinseln. Aber ich werde schon Dinge finden, die es zu berichten gibt.


Rezept | Vor einer Woche aß ich den weltbesten Käsekuchen, und mehrere Leserinnen fragten nach dem Rezept. Ich habe es ermitteln können und gebe es hiermit weiter.

Zutaten für den Boden des Kuchens: 180 Gramm Butterkekse | 90 Gramm Butter, zerlassen | 20 Gramm Zucker. Die zerkrümelten Kekse mit Butter und Zucker verkneten und alles in eine eingefettete Springform geben. Ein Glas nehmen und den Boden gut andrücken. 15 Minuten bei 225 Grad (Umluft, leicht vorgeheizt) backen.

Zutaten für den Käsefluff: 900 Gramm Frischkäse (25 Prozent Fett) | 260 Gramm Zucker | 600 Gramm Crème Fraiche | 8 Eier | 70 Gramm Mehl | Saft und Schale einer Zitrone | 1 Teelöffel Vanilleextrakt | etwas Salz. Alles verrühren, Ränder der Springform einfetten und den Fluff auf dem gebackenen Boden verstreichen. Zehn Minuten bei 225 Grad backen. Danach 50 Minuten bei 90 Grad im geschlossenen Ofen fertig backen. Die Creme sollte in der Mitte noch weich sein. Anschließend zwei Stunden im ausgeschalteten Ofen ruhen lassen, danach auskühlen lassen und mindestens vier Stunden kalt stellen.

Alltagsnotizen | Es gab eine Sushi-Situation. Herr CdV hat bereits darüber berichtet.

Außerdem: gegen Geld gearbeitet, für einen Kunden Schritte und To Dos koordiniert, für einen anderen Kunden Gespräche geführt. Um den See gegangen. In der Obsttheke von Pflaumen angelächelt worden und Pflaumenkuchen gebacken. Das Käthe-Manuskript ausgedruckt; es fehlen noch einige Seiten. Aber ich bewege mich in Richtung Zielgerade, und bereite schonmal die Überarbeitungsphase vor.


Gegenwart & Zukunft | Anne-Lu “Alu” Kitzerow ist Zukunftsforscherin. In einem Interview sagt sie Spannendes:

Alles was wir über die Zukunft, also die Zukünfte, wissen, erkennen wir nur aus der jetzigen Perspektive. Das bedeutet, wenn wir die Zukünfte erforschen wollen, dann erforschen wir eigentlich die Gegenwart.

Als Zukunftsforscherin versuche ich Möglichkeiten, Wünsche oder Ängste sichtbar zu machen und diese unter verschiedenen Gesichtspunkten zu diskutieren. Diese Möglichkeiten nennen wir Szenarien. Alles, was ich weiß, ist also: Die Zukunft ist jetzt und wir können sie auch jetzt verändern.

Hach, welch philosophische Aussage! Alle Möglichkeiten, die wir vor uns haben, betrachten wir immer nur aus der Perspektive der Gegenwart – mit ihren Erfahrungen, Limitierungen, Ängsten, Bedenken, den Freuden und Sicherheiten. Wenn wir uns auf den Weg machen, also in unsere Zukunft starten, entsteht gleichzeitig eine neue Gegenwart, die wiederum andere Perspektiven schafft und neue Möglichkeiten eröffnet, als wir vorher zu denken in der Lage waren. Also: Einfach mal los!


Gelesen | Joachim Meyerhoffs “Hamster im hinteren Stromgebiet” zu Ende gelesen. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, denn ich schätze Joachim Meyerhoff als Autor. Er erzählt direkt und berührend, aber nicht pathetisch. Manchmal verliert er sich etwas, findet aber immer wieder haus. Es macht Freude, ihm dabei … wie sagt man: zuzusehen? zuzulesen? Klappentext:

Was passiert, wenn man durch einen gesundheitlichen Einbruch auf einen Schlag aus dem prallen Leben gerissen wird? […]

Er [Meyerhoff, Anm.] wird als Notfall auf eine Intensivstation eingeliefert. Er, der sich immer durch körperliche Verausgabung zum Glühen brachte, die »blonde Bombe«, für die Selbstdetonationen ein Lebenselixier waren, liegt jählings an Apparaturen angeschlossen in einem Krankenhausbett in der Wiener Peripherie. Doch so existenziell die Situation auch sein mag, sie ist zugleich auch voller absurder Begebenheiten und Begegnungen. Der Krankenhausaufenthalt wird zu einer Zeit voller Geschichten und zu einer Zeit mit den Menschen, die dem Erzähler am nächsten stehen. Er begegnet außerdem so bedauernswerten wie gewöhnungsbedürftigen Mitpatienten, einer beeindruckenden Neurologin und sogar wilden Hamstern. Als er das Krankenhaus wieder verlassen kann, ist nichts mehr, wie es einmal war. Joachim Meyerhoff zieht alle literarischen Register und erzählt mit unvergleichlicher Tragikomik gegen die Unwägbarkeiten der Existenz an.

Der Klapptentext passt nicht so ganz, finde ich. Die Begebenheiten empfand ich nicht als absurd, und “voller” Geschichten stimmt auch nicht recht.

Während Joachim Meyerhoff wegen eines “Schlagerls” einige Tage (und vor allem auch Nächte) im Krankenhaus verbringt, geschieht äußerlich wenig: Die Ereignisse im Krankenhausalltag sind überschaubar, die Abläufe trist, die Geschichtenanzahl ist gering. Innerlich geschieht jedoch viel. Meyerhoff gerät ins Denken, Kleinigkeiten in seiner Umgebung geben den Anstoß, in Vergleiche zu ziehen und in Erinnerungen zu kramen. Gleichzeitg beobachtet und beschreibt er das Wenige, was geschieht, mit wacher Akribie. Ich war etliche Male sehr amüsiert, und habe eineinhalb Seiten lang sogar herzlich gelacht – als er mit einem Mitpatienten verwechselt wird und Pflegekräfte ihn resolut einer Duschprozedur unterziehen. Leseempfehlung.

Corona-Service | Bislang war unklar, warum einige Menschen schwere Covid-19-Verläufe haben, andere nicht. Jetzt haben Forscher:innen Hinweise dafür, dass bei einigen der schwer Erkrankten ein genetisch bedingter Mangel an Interferon die Infektion erschwert hat. Das bedeutet, einfach gesagt: Die erste Verteidigungslinie der Virusabwehr im Körper funktioniert nicht gut. Der Interferon-Mangel tritt häufiger bei Männern auf, denn der genetische Fehler befindet sich auf dem X-Chromosom. Bei Frauen, die zwei X-Chromosomen haben, bildet das zweite ein Backup. Das könnte erklären, warum mehr Männer als Frauen schwere Verläufe haben.



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