Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Werbegeschenke, die ermutigen. Flamingo für den Atemrhythmus. Und Rezepte gegen Perfektionismus.

28. 5. 2024 8 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Lernen | Ich war wieder an der Fernuni in Hagen. Das fünfte Modul der Coaching-Ausbildung stand an: die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit als Coach. Es wurde uns geraten zu übernachten, das Wochenende sei intensiv.

Ich buchte ein Zimmer in der Bildungsherberge der Studierendenschaft, ein erfreulich schlichter Ort, ganz ohne Ironie: ein Bett, ein Tisch, ein Linoleumboden und ein frisch renoviertes Bad, kein Fernseher, aber WLAN, mit Blick auf eine Blumenwiese. Ganz wundervoll, mehr braucht es nicht.

(Im Bild nicht die Bildungsherberge, sondern die Villa Bechem, der Veranstaltungsort, auch mit Blumenwiese. Ganz interessant dazu: die Bechem-Historie.)

Am Ende der drei Tage stand die Erkenntnis, dass ich offenbar alle Fragestellungen in der Vergangenheit bereits mehrmals durchdacht hatte – ein Geschenk meiner Biografie, in der ich mich irgendwann dafür entschieden habe, glücklich zu sein, und ganz viel auch ein Geschenk meiner Selbstständigkeit, die neben Beschäftigung mit Kunden auch viel Beschäftigung mit mir selbst enthält – mit dem, was ich gut kann, was ich möchte, wie ich Arbeit für mich gestalte und was ich der Welt anbiete.

Ich habe weitere Methoden kennengelernt, Menschen zu unterstützen. Unter anderem habe ich endlich mehrere Wege entdeckt, Coachees im Umgang mit ihrem Perfektionismus zu unterstützen; Methoden, die ich auch in mein Seminar „Selbstführung und Zeitmanagement“ einbauen werde, das ich in der kommenden Woche wieder inhouse bei einem Kunden halten werde. Sehr wertvoll.

Fünf von sieben Modulen haben ich nun absolviert. Es stehen noch an: Gesundheitscoaching und Businesscoaching. Ich bin weiterhin sehr begeistert von dieser fundierten Ausbildung.


Bahnfahrt | An dem Wochenende in Hagen kamen wir in Gesprächen immer wieder darauf zurück, dass Bahnfahren einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt: Die aktive Entscheidung, zufrieden zu sein, das Hineinfallenlassen in Situationen, die Offenheit für Entwicklungen – all das kann man hervorragend beim Bahnfahren trainieren.

Wenige Tage zuvor befand ich mich beispielsweise auf einer eindrücklichen Regionalfahrt von Köln nach Haltern am See, ein Trainingslager für Menschenliebe. Die erste Etappe führte mich von Köln nach Essen, ein geselliges Ereignis für alle Sinne. Ein Mitreisender lüftete seine Füße. Neben ihm sortierte ein Pflandsammler seine Taschen um und goß dabei vergorene Flüssigkeiten von einem Gefäß in andere. Aus ächzenden Lautsprechern knarzte die Spotify-Playlist „Deutschrap“; eine junge Frau besprach ihr jüngstes Beziehungsende, ebenfalls über Lautsprecher, mit ihrer Freundin – die akute Phase schien bereits überwunden. Nach dem Umstieg in Essen spielte eine Gruppe junger Frauen Tabu. „Im Winter! Wenn es kalt wird! Um den Hals!“ – „SCHAL!!“ Die Geräuschentwicklung war beachtlich. Ein Herr in einem Tweetsacko führte einen schlanken, seidig gebürsteten Hund mit sich. Der Mann klappte einen Napf aus und füllte Wasser hinein. Der Hund trank und schlabberte in der Enge die Hosenbeine der Mitreisenden voll.

Menschenliebe, sagte einst Konfuzius, sei das Wesen der Sittlichkeit. Sittlichkeit, so der Thesaurus, beinhalte Anstand, Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit. Ich erduldete also alles anständig und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, und freute mich aufrichtig, als ich daheim war.


Freibad | Schon drei Freibadbesuche dieses Jahr. Die schönste Zeit des Jahres, der beste Ort des Sommers. Schon beim Betreten bin ich schlagartig entspannt. Kein Ort ist weiter entfernt von der Arbeit als die Wiese des Freibads, als der Beckenrand mit seinen aufgeheizten Betonplatten, als die Bahnen, auf denen nichts zählt außer atmen und schwimmen.

Freibadbecken mit abgetrennten Bahnen unter bewölktem Himmel. Keine Schwimmer:innen.

Obwohl ich im Winter oft im Hallenbad war, habe ich mich auf ersten Freibadkilometerneher ertrinkend gefühlt. Am Sonntag habe ich vor dem Schwimmen einen grundschülergroßen Flamingo aufgepustet. Das war dem Atemrhythmus offenbar zuträglich. Danach schwamm ich butterweiche 2000 Meter.


Reich oder ruiniert | Vor einigen Wochen gab es ein Notar-Ereignis. Das Ereignis zieht einige Arbeit nach sich. Die Arbeit führt dazu, dass ich weniger als sonst zum Bloggen kommen.

Im Zusammenhang mit der Notarangelegenheit möchte ich den aufmunternden Werbeslogan der Kanzlei teilen.

Werbestift der Kanzlei mit dem Aufdruck: Ihre Unterschrift kann Sie reich machen. Oder ruinieren.

Da hat man doch direkt Lust, Entscheidungen zu treffen.


Ausflug nach Leipzig | Auch dieses Jahr bin ich nicht auf der re:publica. Es ist das zweite Mal, das ich mit gutem Gewissen fernbleibe. Denn jedesmal, wenn ich dort war, hörte ich auf der Veranstaltung zwar viele Worte, aber es gab nichts, was mich überrascht hat. Außerdem fühlte sich die re:publica jedesmal wie Jugenddisko 1992 an: Die Räume schwanger vor Erwartungen, die Diskokugel in vollem Betrieb, die Gäste aufgekratzt, der Aufwand für die Teilnahme immens, die Bilanz am Ende verkatert.

Ich fahre stattdessen nach Leipzig zum Agile Barcamp, einer offenen Fachtagung für Menschen, die Zusammenarbeit in Organisationen verbessern und Veränderungen vorantreiben. AgiLeipzig war bislang jedesmal ein erkenntnisreicher Austausch: Man spricht über das, was gelingt, und auch über das, was nicht gelungen ist – wahrhaftig und alltagstauglich mit 150 anderen Menschen vom Fach. Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung und auch darauf, nach längerer Zeit mal wieder in Leipzig zu sein.


Gelesen | Größenwahn von Lee Child, übersetzt von Marie Rahn – der erste Roman aus der Jack-Reacher-Reihe. Jack Reacher ist ein ehemaliger Militärpolizist, der auf Herausforderungen des Lebens ausgesprochen unterkomplex reagiert. Gerade aus dem Militärdienst entlassen, reist er heimatlos durch die Staaten. In einer Kleinstadt in Georgia landet er plötzlich im Gefängnis, weil man ihn eines Mordes verdächtigt. Er kommt frei und begibt sich gemeinsamen mit den Polizist:innen des Ortes auf Verbrechersuche. Dabei geht es robust zu, und natürlich vögelt Jack Reacher die einzige Frau auf der Wache. Wer nicht das Diskursniveau eines Philologentreffs erwartet, sondern lediglich drei unausgelastete Gehirnzellen hat, die er einer Verwendung zuführen möchte, der fühlt sich bei dem Buch gut und spannend unterhalten. Es muss ja nicht immer Dürrenmatt sein, nicht wahr.

Gelesen | Dolly Alderton: Good Material. Andy ist Mitte 30, ein erfolgloser Stand-up-Comedian und ein Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde. Wenn er nur wüsste, warum! Er bemitleidet sich arg, rafft sich dann aber auf und geht auf die Suche nach Gründen. Ein leichter Roman, aber nicht flach, mit einem liebevollen Blick auf Liebe und Partnerschaft und das Leben Mitte Dreißig. Hat mir gefallen.


Und sonst | Es ist noch nicht alles verloren.

Heruntergekommenes Gebäude mit der Aufschrift: Es ist noch nicht alles verloren", daneben das Bild einer Brille

Zu guter Letzt | Die Schweine. Sie sind sehr glücklich mit dem anbrechenden Sommer. Gleichzeitig machen wir uns alle kein Bild davon, wie anstrengend es ist und wie hungrig es macht, ein Influencer-Schwein zu sein.

Kommentare

8 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Ich glaube, wenn ich mal wieder Bahn fahren würde, wäre die Entwicklung bei mir ähnlich. Ich würde es auch so geduldig wie möglich durchleiden und anschließend darüber bloggen. Aber ich musste schmunzeln bei Deinem Bericht – hier und auf Twitter – , von daher hat es sich also schon mal gelohnt, dass Du Bahn gefahren bist.

    Viel Freude in Leipzig wünsch ich
    Liebe Grüße
    Britta

    1. Vanessa sagt:

      Ach, es lohnt sich doch immer – und sei es für eine Bloggeschichte (wenigstens das). :)

  2. PaulineM sagt:

    Vielen Dank! Ihre Blog-Erzählung hat mir gerade eine schöne Mittagspause beschert, nicht in der Bahn sondern auf der Couch. Besonders das Trainingslager für Menschenliebe habe ich aus sicherer Ferne genossen. Wenn ich nicht schon in Rente wäre, würde ich mir einen ihrer Kurse gönnen. Ihre Sicht auf die Dinge – immer wieder spannend. Grüße an die Influencer-Schweine.

    1. Vanessa sagt:

      Menschenliebekurse für Rentner … mmmhh … //*denkt über Geschhäftsmodell nach

  3. Lo sagt:

    Dankeschön für’s Mitfahrendürfen in der Bahn.
    Ein tolles Raritätenkabinett!
    Bahnsinn!

    1. Vanessa sagt:

      Stets zu Diensten. #serviceblog

  4. Anne sagt:

    Die Influencer-Schweine sind so niedlich :)
    Und so schön glänzendes Fell haben sie alle drei!

    1. Vanessa sagt:

      Sie spazieren täglich im Park und essen viel frisches Gemüse. Quasi ein Kuraufenthalt.

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