Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Trumpesk

12. 12. 2020  •  7 Kommentare

Ohne Worte | Laschet, Stamp, Gebauer – mein Bundesland wird von Clowns regiert. Wie können sie allen Ernstes behaupten, man hätte, Zitat Familienminister, nicht “souverän sagen können, wie sich die Pandemie entwickelt”; es sei “vermessen” zu behaupten, man hätte Pläne vorhalten müssen?

Schon im April hat Virologe Christian Drosten die Winterwelle und den zweiten Lockdown vorausgesagt. Im Juni besprach er im NDR-Podcast die Infektiösität von Schüler:innen (Israel-Studie) als mögliche Treiber; weitere Erkenntnisse folgten sukzessive im Spätsommer und Herbst. Ende September hat die Bundeskanzlerin mittels der Grundrechenarten 19.000 täglich Infizierte vorgerechnet. Im Oktober trug der Epidemologe Michael Meyer-Hermann im Kanzleramt vor, es sei nicht fünf vor Zwölf, sondern Zwölf. Seit zweieinhalb Monaten entwickelt sich das Infektionsgeschehen genau wie prognostiziert und noch schlechter.

Sogar nach der gestrigen Entscheidung zur Aussetzung des Präsenzunterrichts hält die Bildungsministerin Schulen für Inseln der Seligen, obwohl die Nachweisquoten in den weiterführenden Einrichtungen diejenigen in allen anderen Bevölkerungsanteilen übertreffen. Folgerichtig findet sie auch den Vorschlag der Leopoldina, der Nationalen Akademie für Wissenschaften, untauglich. Das ist mal Chuzpe! Und der Ministerpräsident („Kein Virologe sagt mir, wie ich zu entscheiden habe!“) fabuliert sich durch seine Verteidigung. Das hat trumpeske Züge. Das macht mich richtig, richtig wütend.

Ich stelle mich auf einen Lockdown ein, der am 10. Januar beileibe nicht endet. Möglicherweise werden wir erst Anfang April wieder vollends daraus auftauchen. Meine Gedanken sind in den Krankenhäusern, bei den Ärzten und den Pflegenden, die ich bei Mediziner für Mediziner gegen Covid kennengelernt habe. Die Website zum Erfahrungsaustausch würde jetzt gebraucht. Aber niemand der Beteiligten schafft es mehr, die Seite zu aktualisieren und dann weiter zu pflegen. Sie arbeiten auf den Intensivstationen, körperlich und emotional am Anschlag.


Gelesen | Ach ja. Den Klimawandel gibt’s auch noch. Der wird dann demnächst von den gleichen Leuten gemanagt. Kann ja alles keiner ahnen – They’re among the World’s Oldest Living Things. The Climate Crisis is killing them.

15 philosophische Handballweisheiten, zwei weitere Seminarangebote und ein frostiger Morgen

10. 12. 2020  •  17 Kommentare

Wintermorgen | Der Tag startete früh: Um kurz nach sieben schob ich mein Wägelchen in den Supermarkt, um möglichst wenig Menschen zu treffen. Die aktuellen Infektionszahlen behagen mir nicht.

Es war frostig – und schön. Die Luft war wunderbar klar, der Raureif knirschte unter den Füßen. Nachdem ich die Einkäufe verräumt hatte, stieg ich deshalb aufs Fahrrad, radelte um den See und im Kiez umher.

Panoramabild_ Weg geht nach links und rechts weg, der Blick geht über den See bei Sonnenaufgang. Rechts Kräne und ein abgestelltes Fahrrad.

Dann fuhr ich in die kleine Stadtteil-Fußgängerzone und holte ein bestelltes Buch von der Buchhandlung ab. Wieder daheim, gab es erstmal einen Milchkaffee und ich frühstückte frische Brötchen. Das war schön.


Broterwerb | Anfang der Woche habe ich wieder virtuell mit meiner Kollegin Andrea Schmitt zusammengesessen. Wir haben weitere Seminare konzipiert. Vom Angebot zur kollegialen Führung und dem Seminar “Veränderung begleiten” habe ich schon erzählt. Weiter werden wir in 2021 anbieten:

  • Werkzeuge für gute Teamarbeit: An zwei Vormittagen besprechen wir, was ein Team braucht, um gut zusammenzuarbeiten. Wir erklären die Schritte der Teamentwicklung und zeigen Werkzeuge, die helfen, den Alltag im Team effizienter, transparenter und wirksamer zu organisieren. 
  • Frauen in Führung – Erfolgreich und authentisch als weibliche Führungskraft. Wir haben den Eindruck, dass Frauen in Führungsrollen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Es fehlt ihnen an Rollenvorbildern, denn viele Unternehmen sind nach wie vor männlich geprägt. Im Seminar reflektieren wir die Führungsrolle, Führungsstile und kulturelle Prägungen. Wir erarbeiten, wie man authentisch und wirksam führt. Wir besprechen den Umgang mit schwierigen Situationen, mit Konflikten und Dominanzverhalten. Es geht auch um Perfektionismus und gutes Delegieren. Zudem widmen wir uns Strategien der Selbstführung.

Die “Teamarbeit” bieten wir an zwei Vormittagen digital an, “Frauen in Führung” in Präsenz. Außerdem brüten wir noch über einem dreistündiges Webinar zu guten Meetings. Nächste Woche veröffentlichen wir mehr Infos zu Inhalten, Daten, Orten und Konditionen.


Phoenix West | Das rechts wird das Corona-Impfzentrum in Dortmund – bei mir ums Eck in Ruhrgebietskulisse:

Hochofenkulisse auf 11 Uhr, daneben Industriehallen.

Handballpilosophie | Die Kaltmamsell sagte jüngst, ihre Dezemberaufhellung sei, wenn Frau Herzbruch und ich auf Twitter Handballkniffe (Wortspiel!) austauschen. Das inspirierte mich spontan, fünfzehn Handballweisheiten in meine Notizen-App zu tippen.

  1. Um ein Tor zu erzielen, musst du aufs Tor werfen.
  2. Eine gute Täuschung ist nicht besonders schnell. Sie hat nur besondere Präsenz.
  3. Je größer deine Angst vor einem Gegner ist, desto früher musst du ihm entgegentreten.
  4. Kampf sticht Klasse.
  5. Eine Mannschaft ist immer nur so gut wie die Stimmung auf der Bank.
  6. Die Verletzungen, die keiner sieht, tun am meisten weh.
  7. Kein Sieg ohne Schmerzen.
  8. Alle spielen mit dem gleichen Ball. Sie machen nur Unterschiedliches mit ihm. 
  9. Tritt eine Mannschaft mit wenigen sehr guten Spielern gegen eine Mannschaft mit vielen mittelmäßigen, aber gut eingespielten Spielern an, gewinnt immer das Mittelmaß, weil das gute Zusammenspiel auf gleichem Kompetenzniveau den Wert des individuellen Könnens übertrifft. 
  10. Nur werfen reicht nicht. Du musst auch fangen können.
  11. Sei nützlich, egal wo der Trainer dich hinstellt.
  12. Wenn der Gegner auf dich zuläuft, weiche nicht aus, sondern gehe ihm entgegen und begleite ihn, bis seine Position so schlecht wird, dass er seinen Plan nicht mehr ausführen kann. 
  13. Willst du die Erste vorne sein, musst du loslaufen, wenn du den Ball noch nicht hast. 
  14. Waldlauf wirft keine Tore. 
  15. Hinten kackt die Ente.

Nummer Eins scheint banal, ist aber zentral.


Zweimal neun | Die NASA hat 18 Astronauten und Astronautinnen für das Training zur Artemis-Mond-Mission ausgewählt. Gleich viele Männer wie Frauen.


Gelesen | Wir haben uns den Lockdown redlich verdient | Der deutsche Staat schmückt sich gerne mit erfolgreichen Selbstständigen und dem Ethos des fleißigen, tatkräftigen Unternehmers. Gleichzeitig verachtet der Selbstständige. Eine pointierte und treffende Zusammenfassung, welchen Blick die Politik auf Einzelunternehmer:innen hat. | Auch bei den angeblich nicht vom Corona-Virus betroffenen Kindern zeigen sich Hinweise auf Langzeitschäden: Mikrothrombosen, Lungenhochdruck und Nierenschäden.

Ein Ritt durch die morgendliche Finsternis, ein Gartenrätsel und Dinge, die passieren, wenn ich ins Internet schreibe

8. 12. 2020  •  4 Kommentare

Stockfinster | Heute stand ich sehr früh auf. Das passiert mir dienstags jetzt immer, weil der Mann dienstags zu nachtschlafender Zeit aufsteht und ich mit aufstehe. Zu Beginn einer Beziehung macht man sowas; wir wissen alle, dass dieser Zustand vergehen wird. Abgesehen davon lässt es mein Arbeitsethos aber auch nicht zu, dass ich mich nochmal hinlege, nachdem schon einmal der Wecker geklingelt hat und ich auf war. Lieber ruhe ich über Mittag kurz, das ist seniorig seriöser.

Ich stand also zu einer Zeit auf, zu der es nicht nur noch dunkel war, sondern stockfinster. Sogar eine Stunde später, nachdem ich von seiner Wohnung abgefahren und in meiner angekommen war, war es noch stockfinster. So früh war das heute.

Ich kochte mir erstmal einen Kaffee und nutzte das Kaffeetrinken, um mich ums Commonwealth zu kümmern. Vom Abend zuvor waren noch 20 Serienminuten verblieben, die ich anschaute, während der Espresso in die Bialetti sprudelte. Ich habe wirklich große Freude an dieser Serie, besonders die mit dem amerikanischen Präsidenten saufende und schlüpfrige Limericks rezitierende Prinzessin Margaret hellte meine schläfrige Stimmung heute Morgen immens auf. Ich möchte alles glauben, wie die Serie es darstellt; genau so stelle ich mir das Leben britischer Royals vor.


Illumination | In Zeiten abgesagter Weihnachts- und Nikolausmärkte, nicht aufgebauter Eisbahnen und ausbleibender Glühweinvergnügungen hat Haltern auf dem Marktplatz das Licht angeknipst. Das sieht so hübsch aus, dass ich es Ihnen nicht vorenthalten möchte:


Herzregen | Auf der morgendlichen Fahrt hörte ich den Adventspodcast von Frau Novemberregen und Frau Herzbruch. Er macht mir großen Spaß. Die beiden reden ausschließlich über Belanglosigkeiten. Es gibt, objektiv betrachtet keine Notwendigkeit, ihn anzuhören. Auch der Erkenntniswert hält sich in Grenzen, es sei denn, man möchte wissen, dass Frau Novemberregen aus einer Insolvenzmasse 400 Strumpfhosen besitzt und deshalb bis zu ihrem Lebensende keine Strumpfhosen mehr einkaufen muss. Es ist mir also selbst ein Rätsel, warum ich mich jeden Tag auf diesen Podcast freue. Wahrscheinlich, weil er einfach unglaublich launig ist und es nebenbei doch auch ein paar Lebensweisheiten gibt.


Warum ich ins Internet schreibe | Ich schreibe ja unter anderem ins Internet, weil mir dadurch gute Dinge passieren. Zum Beispiel las Franzi Bluhm an einem der vergangenen Tage, dass ich plane, eigene Seminare anzubieten. Franzi und ich haben denselben Webworker: Christian. Franzi schrieb mir über Twitter, dass Christian ihr für ihre Website etwas programmiert – und fragte mich, ob ich das sehen wolle, es sei vielleicht hilfreich für mich. Wir videokonferierten, ich sah es mir an (Danke!), und Franzi hatte recht: Es ist toll, ich möchte das auch. Jetzt hat Christian einen zweiten Auftrag, ich bin bald eine glückliche Frau, und die Menschen, die sich für mein Seminarangebot interessieren, können das demnächst übersichtlich anschauen und buchen. Mehr dazu im Januar, wenn es etwas zu sehen gibt.

Menschen, die skeptisch beäugen, dass ich ins Internet schreibe, können sich immer schwierig vorstellen können, warum ich das tue. Dies ist ein Beispiel fürs Warum: Dadurch, dass ich etwas von mir preisgebe, entstehen viele Dinge, die sonst nicht entstanden wären. Das, was ich gebe, bekomme ich zigfach zurück.


Gartenrätsel | Im Garten habe ich einen Baumstumpf. Es ist ein Überbleibsel dieser Aktion aus dem Jahr 2013. Insekten haben den Stumpf inzwischen fast vollständig zerlegt. Er ist so morsch, dass ich ihn mit einem einem Spaten dem Erdboden gleich machen könnte, aber ich möchte den Insekten noch ein wenig Vergnügen gönnen.

Seit ein paar Wochen ist allerdings ein anderes Lebewesen daran zugange. Es trägt das faserige Holz ab und entsorgt es fachgerecht.

Ich habe überlegt, welches Tier das sein könnte. Für eine Wühlmaus scheint mir der Schaden zu größräumig, außerdem interessieren sich Wühlmäuse eher für Dinge unter der Erde, etwa Wurzeln. Igel schlafen derzeit. Nach Lektüre dieses Artikels tendiere ich zu den Eichhörnchen, die ihre Kobel damit ausbaut. Es ist aktuell sehr rege im Garten unterwegs.


So! | Jetzt weiter ans Buch, straffer werden.

Weihnachtsbäckerei und Angebote fürs neue Jahr, Fotos vom Sonnenaufgang und ein Roh-Manuskript

1. 12. 2020  •  1 Kommentar

Royales Ausklingen | Wenn hier im Blog nichts passiert, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Es passiert gerade sehr viel.
  2. Es passiert gerade sehr wenig.

Aktuell: Nummer Zwei. Mein Leben besteht aus The Crown, Kekse backen, Kekse essen, gegessene Kekse verlaufen. Ein bisschen arbeiten natürlich auch, aber derzeit unspektakulär, vor allem ohne Reisetätigkeit und bloggenswerte Randnotizen. Anders als andere Jahre klingt 2020 leise aus – keine Veranstaltungen, keine Keynotes, keine Kunden in Jahres-endanspannung und keine Workshops, mit deren Ergebnissen man gerne ins neue Jahr starten möchte. Das ist einerseits entspannend – ich habe Zeit fürs Buchprojekt und fürs Podcasten und bereite Ideen fürs neue Jahr vor. Andererseits sorgt es für eine andere, eigene Anspannung.


In Planung | Gemeinsam mit meiner Kollegin Andrea Schmitt plane ich, Seminare und Webinare anzubieten, die Sie direkt bei mir beziehungsweise bei uns buchen können. Unsere Pläne gehen in Richtung “Teamdynamik und Teamentwicklungen erkennen und steuern”, “Kommunikation in der Veränderung” und “Kollegiale Führung”.

Andrea und ich ergänzen uns gut: Andrea ist Diplom-Ingenieurin in der Elektrotechnik, Betriebswirtin und sehr firm in Innovationsmethoden. Ich bringe den Hintergrund aus Kommunikation und Sozialpsychologie mit und komme usprünglich aus dem IT-nahen Projektmanagement. Wir sind beide vom agilen Arbeiten in kurzen Rhythmen geprägt.


BuchprojektKäthe” | Das Roh-Manuskript ist fertig. Das heißt: Die ganze Geschichte steht; jedes Kapitel, jede Wendung ist erzählt. Aber das Buch ist weit entfernt von fertig. Nun wird gekürzt und verdichtet. Die Konzentration geht auf einzelne Figuren, auf die Entwicklung der Dramaturgie. Szenen, die nichts beitragen, fliegen raus – und was vorne rausgeflogen ist, danach muss man auch weiter hinten suchen kennen: Auf das kann nicht mehr Bezug genommen werden. Erst danach kommt das eigentliche Lektorat, der erzählerische und sprachliche Feinschliff.


Was nicht fehlen darf | Fotos von den Keksen:

Die flachen Keksen mit den weißen Stippen sind Schokocreme-Cookies mit Fleur de Sel, das Rezept gibt es bei Penne im Topf. Die eckigen Dinger sind Berliner Brot. Die runden Plätzchen mit der Marmelade sind ein Familienrezept. Die Kokosmakronen gibt es nur, weil ich etwas mit den Eiweißen machen musste; weggießen ist zu schade.

Weil es morgens so schön ist, zumindest bei Sonnenschein, auch Fotos vom Laufen:

Breites Panoramafoto vom Hügel am Phoenixsee hinunter am den See, die Sonne geht auf. Menschen stehen auf dem Hügel im Gegenlicht.

Vom Sonntagslauf in Haltern gibt es keine Bilder. Das Wetter war usselig, ich lief die sechs Kilometer durch, um schnell unter die warme Dusche zu kommen.


Gehört | NDR Dokucast – Das Geheimnis des Totenwaldes. Neunteilige Reihe über die Göhrde-Morde.

Gelesen | Christian Brandes alias Schlecky Silberstein: Ich war in der Psychiatrie und es war die beste Zeit meines Lebens

Gerade Männer wollen einen Eindruck hinterlassen, nach dem Hallo kommt auch schon der Elevator-Pitch in eigener Sache. In der Klinik hingegen wussten wir teilweise bis zum Schluss nicht, was der andere beruflich macht. Stattdessen haben wir uns umständehalber mit unseren Defiziten präsentiert und es ist nahezu magisch, wie schnell man sich auf diese Weise nah kommen kann.

Das ist auch meine Erfahrung: In Gesprächen, in denen man sich verletzlich zeigt, entsteht sofort eine Verbindung.

Ausflug nach Wiesbaden und ein Ferd

26. 11. 2020  •  6 Kommentare

Podcast | Gestern machte ich einen Ausflug nach Wiesbaden und nahm eine neue Podcastfolge auf. Diesmal habe ich zwei Gäste: Die Fußballkommentatorin und Sportreporterin Claudia Neumann und ihre ZDF-Kollegin Stefanie Opitz.

Tonaufnahme mit drei Spuren, auf der Tastatur des Macbooks liegt das Buch von CLaudia Neumann "Hat die überhaupt 'ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?"

Wir sprechen darüber, wie Spielberichterstattung funktioniert, wir reden übers Kommentieren, über die Arbeit im Hintergrund und was sich durch Corona verändert hat. Außerdem sprechen wir über Frauen in Sportredaktionen und im Fußball-Business.

Ehe die Folge online geht, muss ich sie noch nachbearbeiten.

Auf dem Hinweg wurde ich gefahren, mit dem Auto. Zurück wurde ich auch gefahren, mit dem Zug. Erst saß ich komplett alleine im Waggon. Dann stieg ein Mann zu. Natürlich setzte er sich im leeren Wagen genau hinter mich (Maske mit Ventil, also nur Eigenschutz). Manchmal fragt man sich schon, was mit den Menschen los ist.

Zwischendurch kam der Zugbegleiter und fragte, ob die Temperatur so angenehm sei. Es komme ihm recht kühl im Wagen vor, ob er etwas verstellen solle. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah.


Pferde-Content | Heute erreichte mich ein ZUGFeRD. Jetzt sind Sie bestimmt gespannt, was das ist.

Es gibt ein Forum für elektronische Rechnung in Deutschland. Das Forum für elektronische Rechnung in Deutschland ist Teil der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung. Die Arbeitgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung wiederum wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Eines ihrer Ziele ist ein Abbau des Reformstaus in Staat und Wirtschaft.

Das Forum für elektronische Rechnung Deutschland hat eine Abkürzung: FeRD. FeRD hat das ZUGFeRD entwickelt, den Zentralen User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland. Das ist ein Datenformat für elektronische Rechnungen. Es besteht aus zwei Dingen:

  • einem PDF, das so aussieht, wie eine Rechnung aussieht, und
  • einem eingebetteten XML

Mit dem XML kann der Rechnungsempfänger die Rechnung direkt elektronisch verarbeiten. Also, wenn seine Software das kann. Ab dem 27. November 2020 ist das Format für alle Rechnungen über 1000 Euro an Bundesbehörden in Deutschland verpflichtend. Warum erzähle ich das? Meine Buchhaltungssoftware kann jetzt ZUGFeRD.

Mit so’nem Zeug beschäftigt man sich als Selbstständige.


Gehört | HR3-Sonntagstalk mit Kati Ahl, Beraterin für Schulentwicklung. Sie dröselt auf, wie Schule sich schon längst hätte verändern müssen – und was in den kommenden Jahren geschehen sollte. Alles, was ich mir bislang diffus gedacht habe, legt sie pointiert dar: Unterrichtskonzepte, Schulstundenkorsett, Noten, digitale Werkzeuge, Gebäudegestaltung. Hörenswert.

Gelesen | Beeindruckende Bilder, gut erzählte Geschichte: Along Russia’s “Road fo Bones” – eine Reise entlang der “Straße der Knochen” im Nordosten Russlands. Diesen Weg nahmen die Gefangenen, die in den Gulags arbeiteten. (via Kaltmamsell) | Gestern war der Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen. In dem Zusammenhang stieß ich noch einmal auf ein Stück von Zeit Online: Im Jahr 2018 wurden 122 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Alle drei Tage bringt in Deutschland also ein Mann eine (Ex-)Partnerin um. Zeit Online dokumentiert die Taten.

Nebelmorgen

24. 11. 2020  •  4 Kommentare

Leibesübung | Heute Morgen entschloss ich mich, nicht um den See und auch nicht durchs Feld, sondern im Rombergpark zu laufen. Der Rombergpark ist ein botanischer Garten. Der Garten ist weitläufig, weshalb man dort gut Schleifen laufen kann, während man Gehölze und Geblume anschaut. Ich um den Teich bis zum Zoo, zum Café Orchidee und zum Rosengarten, wieder zum Zoo, vorbei an Quellen, zu den amerikanischen und asiatischen Gehölzen, hoch und runter.

Morgendämmerung, Nebel liegt in den Feldern. Rechts ein asphaltierter Parkweg.

Ich stoppte jedoch des Öfteren. Denn immer war das Licht anders, Nebel lag über der Landschaft und der Morgen war so über die Maßen hübsch, dass ich nicht umhin konnte, die Fotos zu machen.

Herbstliches Parklandschaft mit Bäumen, Laub und aufgehender Sonne. Ein Weg windet sich. In der Ferne Nebel.
Herbstliches Parklandschaft mit Bäumen, Laub und aufgehender Sonne. In der Ferne Nebel.

Meine Beine sagen, dass ich trotz Fotostops gelaufen bin. Ohnehin ist ja der Weg das Ziel.


Kekse am Horizont | Sonst keine Vorkommnisse. Ich fühle einen wachsenden Plätzchenbackdrang.

Journalistische Vermittlung #inderaktuellenSituation und Gratulation an Frau Dr. des. Gröner

22. 11. 2020  •  3 Kommentare

Leibesübungen | Gestern wieder ein Morgenlauf: einmal um den See, ein bisschen Treppenspaß und danach wieder heim. Es ging gut von der Hand. Erstaunlich, wie schnell der Körper sich erinnert und an Belastungen anpasst.

Blick vom Hügel auf den Phoenixsee, auf den Bodene in Aufkleber "Möp"

Dennoch habe ich jedesmal Muskelkater nach dem Laufen – und heute auch im Bauch, wegen Sit-up-Performance auf dem Petziball. Aber es hilft ja nichts, ohne bekomme ich Rückenschmerzen, und der Winter ist noch lang.


Frau Dr. designatus | Frau Gröner hat ihre Doktorarbeit erfolgreich verteidigt – mein herzlichster Glückwunsch! Ich lese schon so lange bei ihr, erinnere mich an den Entschluss fürs Studium, an ihren Beginn an der LMU, an den Umzug nach München, an die wachsende Faszination und Leidenschaft fürs wissenschaftliche Arbeiten.

Anke verteidigte remote, vor dem Rechner in ihrem Arbeitszimmer. Es gab kein physisches Zusammentreffen einer hoch dekorierten Prüfungskommission, keine vor der Tür wartenden Freunde, kein Sektchen auf dem Campus.

Normalerweise hätte ich dann den Raum in der Uni oder im Zentralinstitut für Kunstgeschichte verlassen, F. und vielleicht noch ein paar andere Menschen hätten draußen auf mich gewartet, möglicherweise mit Sekt und einem gebastelten Doktorhut, aber das fiel gestern leider alles aus. Ich klappte den Rechner zu und guckte, wie ich mich so als Doktor fühlte und dann fing ich endlich an zu heulen. […]

Und dann stand ich weiter sinnlos im Arbeitszimmer rum und wusste nichts mit mir anzufangen. Das war doch ein arg antiklimaktisches (vorläufiges) Ende von acht Jahren Uni und drei Jahren Promotion.

Trotzdem natürlich großartig, und tags darauf gab es ein Menü to go plus Weinbegleitung (und Yoda-Kekse).

Ihre Erzählung erinnerte mich an meine Disputation 2012 (herrje, schon acht Jahre her!). Ich war am Ende nur froh, dass ich es geschafft hatte; dass ich durch war mit der Dissertation. Da war wenig Freude, nur Erleichterung und Erschöpfung nach diesem Langstreckenlauf, für dessen Ende ich mir einen Tag Urlaub von der Arbeit genommen hatte. Am nächsten Tag ging ich wie gewohnt zum Job. Ich habe gestern überlegt, wie es danach weiterging und wie ich am Ende die Promotionsurkunde bekam; ich glaube, sie kam irgendwann mit der Post, in einem Papp-Umschlag lag sie im Briefkasten. Ich steckte sie in eine Klarsichthülle und heftete sie linksgelocht ab. Das war alles sehr unglamourös.


Nachspielzeit | Anfang November brachte ich das Gewächshaus in Ordnung und erntete die letzten Thorstomaten 2020. Sie waren noch grün, wären im Gewächshaus aber auch nicht mehr rot geworden: zu kalt. Ich stellte sie auf die Heizung in der Küche.

Alle sind nachgereift. Gestern aß ich die letzten.


The Crown | Late to the party, ich weiß, aber in den vergangenen Tagen habe ich angefangen, The Crown zu gucken. Welch glückliche Fühgung, dass die Zeit des kalten Nieselregens, der Sofatage und Fernsehnachmittage beginnt. So großartig!


Vermittlungsfragen | In Unterhaltungen stoße ich viel auf Unverständnis, dass Restaurants geschlossen seien. Es gebe schließlich Hygienekonzepte, und es sei Abstand zwischen den Tischen. Manchmal vernehme ich Skepsis, ob Mund-Nasen-Bedeckungen wirklich etwas nutzen.

Ich sage dann stets, dass ich Restaurant-Innenräume ungeachtet dessen für maximal gefährlich halte. Gründe: viele Menschen, keine Masken wegen Essen, alle reden und lachen (und stoßen dabei viele Aerosole aus, mehr als schweigende Menschen im Zug), wenig bis keine Lüftung, viel Luftbewegung (und Verteilung der Aerosole) durch hin- und her laufende Kellner:innen und Toilettengänger. Die eineinhalb Meter Abstand zwischen den Tischen sind da nur Makulatur. Ich erzähle das dann alles. Meine Gesprächspartner:innen äußern Verärgerung darüber, “dass darüber nicht berichtet wird”.

Hier zwei Links, die darüber informieren, warum ich keine Restaurant-Innenräume aufsuchen werde und wie genau Masken helfen:

Das Gefühl, “dass darüber nicht berichtet wird”, halte ich für sehr bedenkenswert.

Die meisten Informationen erreichen mich über Twitter; ich habe eine Timeline, in der viele Wissenschaftler:innen, Wissenschaftsjournalist:innen und interessierte Laien vertreten sind. Außerdem ziehe ich Informationen aus dem Corona-Virus-Podcast mit Drosten/Ciesek/Hennig. Die Quellen sind anspruchsvoll, was den Aufwabd betrifft, die es zur Verarbeitung des Gelesenen und Gehörten braucht. Nicht jeder kann und möchte eine Stunde Podcast hören und sich nach einem anstrengende Arbeitstag noch mit komplizierten Quellen auseinandersetzen. Sie sind daher nicht unbedingt massenkompatibel; viele Menschen informieren sich vor allem über das TV und lesen die Regionalzeitung. Sind die vorhandenen Formate dort ausreichend? Ist die Auswahl der Nachrichten die richtige? Deren Aufbereitung hinreichend? Sollte die Berichterstattung sich mehr auf wissenschaftliche Ergebnisse, weniger auf politische Diskussionen und Grabenkämpfe konzentrieren? Mehr auf die Sache als auf Personen? Wie gelingt die Vermittlung komplexer Sachverhalte, bei denen wir fortwährend Erkenntnisse gewinnen, die die Sache noch komplexer machen? Wie gelingt es, positive, Demokratie stärkende Zukunftsbilder zu öffnen, wenn konsequentes, auf Wissenschaft beruhendes Handeln uns als Gesellschaft Verzicht abnötigt?


Geguckt | Passend zur obigen Frage: Transformationsforscherin und Politökonomin Maja Göpel im Interview mit Jörg Thadeusz. Das Video ist sehr sehenswert: wegen des künstlich-konfrontativen Interviewstils von Jörg Thadeusz und der zunehmend wütender werdenden und um Sachbezug ringenden Wissenschaftlerin Maja Göpel. Ausschnitt:

Gelesen | Zur gleichen Sache: Die eigentlichen Corona-Opfer kommen in den Medien viel zu kurz. Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork argumentiert, dass Redaktionen kaum über die Corona-Krise berichten, sondern vor allem über die Lockdown-Krise. Menschen mit Corona-Infektionen, Wissenschaftler:innen und medizinisches Personal kämen kaum zu Wort, stattdessen Urlauber:innen, die auf Mallorca Maske tragen müssen, Karnevalisten und arbeitslose Nikolaus-Statisten.

Warum aber hören wir so wenig auf die Wissenschaft? Es scheint, als wolle niemand wahrhaben, dass sich diese Gesellschaft mit gutem Grund Kontaktbeschränkungen auferlegt hat. In einer fast schon narzisstisch anmutenden Selbstbespiegelung kreisen all ihre Gedanken nur um die eigenen Entbehrungen. Das Leid der wirklich Leidenden wird ausgeblendet. Und die Medien machen fröhlich mit.

Coworking-Space mit Hühnern nahe der Dönastie

19. 11. 2020  •  1 Kommentar

Coworking-Space | Marc Darcy und ich machen in diesen Tagen bisweilen Coworking-Space, mal bei mir, mal bei ihm. Ich bin ohnehin im Homeoffice, er an vier von fünf Tagen. Da bietet es sich an, gemeinsam zu arbeiten, die soziale Kontrolle ist auch gut für die Disziplin.

Heute ging ich vorm Coworking laufen, neue Wege im Münsterland erkunden. Erst zu den Hühnern. Sie freuten sich enthusiasisch, als ich kam. Die Freude ließ allerdings direkt wieder nach, als sie merkten, dass ich kein Futter dabei habe. Fühlte mich gedisst. Durch die Felder, am Schrottplatz vorbei, durchs Industriegebiet und dann wieder heim. Das war eine gute Morgenrunde, fünf oder sechs Kilometer.


Der Friseur unter den Dönerbuden | In Haltern gibt es die Dönastie. Ich vermute, der Besitzer war vormals Friseur mit einem Laden namens “Haarmonie”, “Haargenau” oder “Kamm back”.

Auf Instagram rief das Bild ungeahnte Kreativität bei meiner Followerschaft hervor. Liebe Döner-Startups – hier eine Namensauswahl für Euer Business:

  • Dönerteller Versace
  • Dönerwellen
  • Dönamit
  • Dönamisch
  • Dönerlittchen!
  • Volle Dönung
  • Dön Quichotte
  • Dein Tag wird döner

Ergänzungen nach Veröffentlichung des Beitrags:

  • Dönheitsideal
  • Dönübungen

Gelesen | Die Rezensionen zu dieser bezaubernden StiefeletteFrau Novemberregen regt sich über ihren Versicherungsvertreter auf. Unter anderem deshalb hege ich eine erhebliche Skepsis gegenüber Versicherungsvertretern. Gefolgt von Gebrauchtwagenhändlern und Zahnärzten mit Affinität zu IGeL-Leistungen.

Gehen, laufen, Broterwerb

17. 11. 2020  •  3 Kommentare

Durch die Gegend laufen | Ich habe mir Herbstwinter-Schuhe zum Durch-die-Gegend-Laufen gekauft. Hohe Schnürschuhe, mit denen ich durch Laub und Matsch gehen kann und in die nicht sofort Schnee reinfällt, sollte es Schnee geben. Am Wochenende habe ich sie eingelaufen: keine Blasen, alles sofort super, sehr komfortabel.

Gestern war ich dann wieder laufen, also: joggen. Ich habe schon mehrmals in meinem Leben mit dem Laufen angefangen, so ungefähr 25-mal. Ich langweile mich fürchterlich beim Laufen; ich weiß schon nach 500 Metern nicht mehr, an was ich denken soll. Meist tut mir irgendwas weh, und wenn nichts weh tut, denke ich, dass mir bestimmt ganz bald etwas weh tun wird, auf jeden Fall bevor ich wieder zu Hause bin. Selbst wenn das nicht passiert – dann kommt ein Berg, ich bin außer Puste und finde das so unverschämt frustrierend, dass mir danach vor lauter Ärger etwas weh tut. Ich hatte noch nie Glückshormone beim Laufen, in 30 Jahren nicht.

Nachdem ich also vor drei Wochen wieder mit dem Laufen begann, habe ich – wie bei jedem der 25 Mal zuvor – sehr gelitten. Gestern allerdings war es ganz hervorragend. Ich bin ohne Pause eine Stunde durchgelaufen. Das Telefonino zeigte acht Kilometer. Das glaube ich allerdings nicht: Es war sicher weniger. Nichtsdestotrotz: überraschend. Gefühl heute: müde Beine, aber nicht desolat.


Broterwerb | Ich habe etwas zu guten Briefings aufgeschrieben: Wie man Menschen gut und kompakt die Infos gibt, die sie brauchen, um gute Arbeit zu machen. Für den Fall, dass ich diejenige bin, die die Infos erhält, habe ich aufgeschrieben, welche Fragen ich stelle. Christian hat ergänzend aufgeschrieben, wie wichtig ein Rebriefing ist – also die schriftliche Zusammenfassung dessen, was man verstanden hat. Voll unterschreiben kann ich besonders diesen Satz:

Denn wenn Menschen kommunizieren, dann gibt es divese Fallen und eine davon ist, dass man hört was man möchte. Auf beiden Seiten.


Auch Broterwerb | Ich habe mich auf eine Ausschreibung beworben. Bitte drücken Sie mir die Daumen. Ich fühle mich vor sowas schlimmer als vor einer Klassenarbeit – und danach schlimmer als nach der Abiklausur. Weil ich mir sicher bin, bestimmt etwas vergessen oder falsch gemacht zu haben.


Broterwerb zum Dritten | Am 1. Dezember bin ich wieder bei Pro Content und gebe ein Seminar. Der Titel: “Stress, Selbstbehauptung und Umgang mit Konflikten”. Teilnehmende sind Volontärinnen und Volontäre, also Berufsanfänger nach dem Studium. Auf Twitter habe ich nachgefragt, was Menschen zu diesem Thema bewegt und habe sehr gute Antworten für die Vorbereitung bekommen (im Thread zum Tweet). Ich werde berichten, welche Schwerpunkte ich setze. Am Ende landet sicher auch das ein oder andere im nächsten Newsletter (hier abonnieren).


Gelesen | Die Familiengeschichte von Maori Kunigo in sechs Tweets |

Warum ich einen Hirsch kraulte und weitere Bemerknisse zur #aktuellenSituation

13. 11. 2020  •  5 Kommentare

Hirsch kraulen | Hach ja. Herbst, ne. Wäre eine schöne Jahreszeit, wenn danach nicht diese ganzen usseligen Monate kämen. Wenn es nach mir geht, können wir ab Montag sechs Wochen Winter machen, knackig kalt, minus Zehn oder so. Ab dem 1. Januar machen wir ohne Umweg mit Schneeglöckchen und Krokussen weiter und überspringen die matschige, graue und dunkle Zeit.

#WegenderaktuellenSituation treffe ich Menschen weitestgehend draußen. Gestern fuhr ich nach Witten und traf eine Handballveteranin. Wir gingen im Wald umher, zum Wildgehege und drumherum. Ich streichelte einen Hirsch. Er hielt still und wirkte angetan.

Ich kannte den Ort nicht, obwohl ich praktisch nebenan wohne: Hohenstein in Witten. Es gibt ein Wildgehege und einen Streichelzoo, einen Spielplatz, es stehen ein Karussel und ein Büdchen mit Mandeln dort. Ich kenne mich ja mit Kindern bekanntermaßen nicht aus, bin ja nur Partytante, aber ich denke, dass es fetzt, gerade mit den kleineren.

Falls Sie sich fragen, was das für ein Phallus-artiges Denkmal ist: Das hat die Turngemeinde Witten für Louis Berger dort hingenagelt. Louis Berger war Mitbegründer des Vereins, Industrieller und Parlamentarier im Preußischen Landtag. Er setzte sich für die Eisenbahnverbindung von Wengerohr nach Wittlich ein, weshalb eine ehemalige Bahntrasse in Wittlich heute „Louis-Berger-Weg“ heißt.

So. Jetzt wissen Sie das. #bildungsblog


Walk & Talk | Heute habe ich auch zweimal Leute getroffen. Beide Male gingen wir um den See, weshalb ich insgesamt zehn Kilometer spazieren gegangen bin. #OhnedieaktuelleSituation hätten wir wahrscheinlich nur irgendwo gesessen, gegessen, Kaffee getrunken. Es ist also nicht alles schlecht. Das werde ich auf jeden Fall beibehalten.

Chronistenpflicht, Bild vom See:

Blick auf die Hafenpromenade am Phoenixsee: Im Vordergrund Schilf, dann See, in der Ferne moderne, weiße, kastenförmige Häuser

Konsum | Es zeichnet sich ja nun ab, dass ich mich auch in den nächsten Monaten entweder zuhause aufhalten oder durch die Gegend latschen werde. Deshalb habe ich Anschaffungen getätigt oder plane den Erwerb:

  • neue Jogginghose (heute bestellt, alte war löchrig)
  • neue Laufleggins; vielleicht wird es auch eine Sofaleggins, das wird sich erweisen (mit der Joggingbuxe bestellt)
  • Optimierung des Online-Meeting- und Webinar-Settings durch eine Ringleuchte, einen Stoff-Hintergrund und sechs Klemmzwingen zum Befestigen desselben am Billy (bestellt)
  • zwei Alltagsjeans (zwei vorhandene sind kaputt gegangen von zu viel Latschen und Fahrrad fahren; bestellt, anprobiert und passt, bezahlt)
  • Bücher für lange Winterabende (im Einzelhandel erworben)
  • neue Winterstiefel mit robuster Sohle zum Durch-die-Gegend-Gehen in matschigen Monaten (zeitnahe Sichtung im Einzelhandel geplant)
  • Erwerb eines Studiolink-Accounts zur Remote-Podcastaufnahme (beizeiten)

Falls Sie sich fragen, warum ich einen Stoffhintergrund kaufe; schließlich kann man in Zoom und MS Teams Hintergründe einstellen: Alles richtig, aber dolle ist das nicht. Je nachdem, wie man den Kopf bewegt, fehlt einem mal eine Gesichtshälfte oder es sieht aus wie in alten Filmen, wenn die Figuren Auto fahren.


Corona-Soforthilfe | Jetzt steht fest: Solo-Selbstständige sollen eine Einmalzahlung von 5.000 Euro als Corona-Soforthilfe bekommen. Menschen wie ich bekommen also – sofern sie keine Einnahmen haben – ab Dezember maximal 714 Euro pro Monat, für sechs Monate. Davon sind dann Krankenkasse, Miete/Immobilie, Strom, Heizung, Telefon, Lebenshaltung, Versicherungen und eventuelle Kredite zu zahlen. Nicht zu reden von einer Familie, für die man sorgt. Wer das nicht hinkriegt, kann Grundsicherung beantragen.

Die meisten Solo-Selbstständigen – insbesondere aus der Kulturbranche, aber auch viele Kolleg:innen, die vom Kontakt mit Menschen leben, Veranstaltungen moderieren oder Workshops geben – sind #wegenderaktuellenSituation ohne eigenes Verschulden in finanzielle Not geraten. Sie waren bis März erfolgreich am Markt tätig. Sie kommen derzeit an die Grenzen ihrer Ersparnisse oder haben sie bereits erreicht. Bei den meisten, Christian schrieb gestern darüber, ist immer noch nicht klar, ob sie die 9.000 Euro, die im Frühjahr flossen, behalten dürfen. Denn der Staat hat nachträglich festgelegt, dass das Geld nur für Betriebskosten ausgegeben werden darf; Solo-Selbstständige wie Christian oder ich haben aber kaum Betriebskosten, weil wir entweder zuhause am Schreibtisch oder bei Kunden arbeiten; wir unterhalten keine Büros und besitzen keine Lagerhallen oder Maschinenparks. Wir verkaufen unser Wissen und Können, keine produzierten Waren. Was also wegbricht, ist das komplette Einkommen. Einzelunternehmer dürfen das Geld aber nicht nutzen, um Essen zu kaufen oder Miete zu zahlen – im Gegensatz zum Arbeitnehmer, der Kurzarbeitergeld erhält.

Zur Klarstellung: Um mich geht’s hier nicht; ich bin safe, hatte und habe Einkünfte und Rücklagen. Trotzdem rege ich mich über die Ignoranz auf, mit der wir Einzelunternehmer behandelt werden – zumal Finanzamt, Krankenkasse und Kammern immer sofort auf der Matte stehen, sobald sie Geld wittern, und dabei in einem Tonfall kommunizieren, dass man sich in Nordkorea wähnt. Es scheint, als halte die Politik uns Solo-Selbstständige allesamt für Hallodris, die ein bisschen an ihrem Hobby werkeln, Gras rauchen und Mandalas ausmalen.

Warum kein Kurzarbeitergeld auf Basis eines Unternehmerlohns?


Geguckt | Du kannst alles sein, was du willst – auch ein Delfin



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