Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Kreise und ein Elefant, Fragen fürs Leben und Feierabende

17. 10. 2019  •  Keine Kommentare

Broterwerb | Anfang der Woche habe ich meinen Vortrag für die Digitale Woche vorbereitet. Am 5. November spreche ich in Dortmund darüber,

  • wieso Digitalisierung mehr ist als Technik,
  • welche Kultur Entwicklung ermöglicht und Ideen fördert,
  • welche Rolle Führung dabei hat und
  • warum ich in Kreisen denke und nicht in Organigrammen.

Ein Elefant wird auch vorkommen. Eintritt frei! Jeder ist willkommen! Es gibt Getränke. Bitte anmelden mit einer kurzen Mail an vg@vanessagiese.de – sonst gibt’s nicht genug Limo für alle.

Den Dienstag, Mittwoch und heutigen Donnerstag habe ich beim Kunden verbracht. Übernachtungscontent:

Kissen, Nachttisch, Buch von Arno Frank

Fragen über Fragen | Manchmal ereilen uns Veränderungen, die wir nicht wollen. Ich habe ein paar Fragen aufgeschrieben, die helfen, neue Perspektiven zu entwickeln.

Eingeweihte kennen den Text aus dem August-Newsletter.


Ein Feierabend | Abendspaziergang auf den Hügel, um den See, vorbei am Hafen, hinten rum am Spielplatz entlang und zurück über den Friedhof.

Links ein gelbes, großes Haus. rechts eine Alee aus Bäumen. Dämmerlicht.

Unterwegs gesehen: Menschen mit Kindern, ohne Kinder, mit Laufrädern und Inlinern, Jogger und Geher, Schlurfer und Stechschrittläufer, Eisesserinnen und Pizzaholer, Wasserpfeifenraucher, Instagram-Schönheiten (posierend), Entenfütterer, Boom-Box-Betreiberinnen, Gänse, Hunde und Kinderwagenschieberinnen.

Rauf auf den Hügel. Oben Freiluftturner. Eine Vorturnerin mit osteuropäischem Akzent. Strenger Ton, scharfer Blick. Aussicht:

Blick vom Hügel auf den Phoenixsee: lang gestreckter See, darum Neubauten.

Ein anderer Feierabend | Ich wurde bekocht. Mit Apfeltarte unter Blätterteighaube. Dazu Rotwein.

Apfelarte unter Blätterteighaube und Rotwein.

Gelesen | Sieht aus wie ein Penis und stinkt nach Aas: Die Stinkmorchel ist der Pilz des Jahres 2020. Premium-Wissenschaftscontent. #serviceblog

Der restliche Parship-Gin und der Mausindex

13. 10. 2019  •  12 Kommentare

Ausflug bis kurz vor Holland | Am Donnerstagabend fuhr ich an den Niederrhein, um den restlichen Parship-Gin zu trinken. Der lag nämlich im dortigen Kühlschrank, bei Katja, abgelegt vor knapp einem Jahr. “Den müssen wir nochmal irgendwann trinken”, sagte sie letztens. Das taten wir.

Landstraße mit einem Baum, links Felder. Trüber Himmel.

Katja Waldhauer macht Deeskalationstrainings, vor allem im sozialen Bereich. Ich empfehle sie wärmstens. Ihre Angebote im Detail.

Ich kraulte Hunde, wir sprachen übers Freiberuflerdasein und über Teamtrainings.

Auf dem Weg, den Sie auf dem Foto sehen, begrüßten mich bei der Ankunft zwei Rehe. Sie standen auf der Straße im Scheinwerferlicht und sahen mich an. Sie berieten sich, ob sie links oder rechts ins Feld sollten, trafen schlussendlich eine Entscheidung und hüpften ins Kraut.


Neues vom Rohr | Die Ursache für den Rohrbruch im Haus ist gefunden. Der Leck-Ortungsdienst musste zweimal ausrücken. Nun ist klar: Er liegt in der Wohnung über mir.

Der Gemeinschaftskeller, mein Keller und meine Garage sind nass. Nicht komplett, aber merklich. Am Montag kommt der Klempner.


Die Katze maust | Im Sommer hatte ich zwei, vielleicht auch drei Mäuse im Garten. Jeden Abend kamen Maus Eins und Maus Zwei hervor. Maus Eins lief um den Kirschbaum. Maus Zwei hatte ihr Revier am Zaun.

Ich hielt Rücksprache mit den Nachbarskatzen Moritz und Leo. Die Beiden sind gute Mitarbeiter; sie fangen öfters Mäuse. Doch in Bezug auf die konkrete Maussituation blieben sie viele Monate lang unter meinen Erwartungen.

Herbstgarten. Die Sonne scheint durch die Blätter des gelb-grünen Kirschbaums. Eine rennende Katze durchquert das Foto.
Leo im Sprint

Wir beriefen ein Teammeeting ein. Ich gab positives Feedback bezüglich ihrer Skills, sagte ihnen aber auch, dass ich bis zum November eine deutliche Leistungssteigerung erwarte, was den Mausindex im Garten betrifft. Gestern begegnete ich Leo, wie er eine Maus über die Wiese trug. Als wir uns sahen, hielt er kurz inne, die Maus baumelte schlaff in seinem Maul, wir nickten uns zu.

Das gleiche Personalentwicklungsgespräch, das ich mit Moritz und Leo geführt habe, habe ich auch mit meinem Apfelbaum geführt. Seine Performance liegt deutlich unter der Zielvereinbarung. Anzahl der Äpfel in 2018: 1. Anzahl der Äpfel in 2019: 0. Dabei war er auf einem guten Weg: Er hat Blüten produziert, und was das Thema “Äste und Blätter” angeht, zeigt er sich sehr motiviert. Nur an zählbarem Output mangelt es.

Ich habe ihm einen Eimer mit Äpfeln aus einem anderen Garten gezeigt, habe ihm gesagt: “Schau mal, so sehen die Dinger aus”, und habe den Eimer eine zeitlang neben seinem Stamm stehen lassen, als Gedankenanstoß.


Frühstücksplausch | Heute war ich etwas zermatscht, weil ich die halbe Nacht damit zugebracht habe, den Ironman Hawaii zu schauen – und doch auf der Hälfte des Marathons einschlief. So verpasste ich die wirklich guten Szenen, nämlich Haugs Überholmanöver und den Sieg von Anne Haug und Jan Frodeno.

Ich stand heute einigermaßen zeitig auf, denn meine Kollegin, Freundin und Nachbarin Stefanie kam zum Frühstück.

Frühstückstisch aus der Vogelperspektive.

In den vergangenen Wochen war sie für das ZDF bei der Leichtathletik-WM in Doha und hat Fotos und Geschichten mitgebracht. Auf ihrer Website hat sie einen Teil ihrer Eindrücke aufgeschrieben.


Wochenenendbackung | Ich habe nochmal Pflaumenkuchen gebacken. Vermutlich ist es der letzte Pflaumenkuchen des Jahres 2019. Natürlich mit Quark-Öl-Teig. Hier nochmal das Rezept:

  • 500g Magerquark
  • 15 – 16 Esslöffel neutrales Öl, zum Beispiel Rapsöl
  • 20 Esslöffel Milch
  • 2 Päckchen Vanillezucker
  • 2 Päckchen Backpulver
  • 200 Gramm Zucker
  • 800 Gramm Mehl
  • etwas Salz

Das Originalrezept sieht von allem weniger vor. Ich mag den Teig aber gerne dick und bin deshalb großzügig unterwegs. Außerdem lässt er sich in dieser Menge gut auf dem Blech verteilen.

Pflaumenkuchen vom Blech

Wer mag, kann mehr Zucker hineingeben. Ich finde es jedoch besser, wenn der Teig selbst nicht zu süß ist. Das lässt Raum für Zimt und Zucker, begleitende Sahne oder andere Freuden.

Bevor der Teig mit den Pflaumen in den Ofen kommt, nochmal Zucker drüberstreuen. Bei 160 Grad Umluft 30 bis 40 Minuten backen.


Gelesen | Webworker Christian schreibt über die Unselbstständigkeit altgedienten Managements, die in Person eines ehrenamtlich tätigen Rentners in seinem Leben aufschlägt.

An anderer Stelle schreibt er über den McDonald’s an der B1 in Dortmund:

Ein erfolgreicher Abend* endete also mit einem Burger im Auto mit Blick auf die B1. Die Liebste und ich haben da, als wir noch Freunde waren, viel Zeit verbracht und ich spreche diesem Parkplatz eine gewisse Mitverantwortung an der Entplatonisierung dieser Freundschaft zu.

Der spezielle Mäkkes ist wirklich eine Einrichtung, besonders für Menschen aus dem Sauerland. 1990er Jahre, vier Leute im alten Polo, nachts um Drei nach dem Soundgarden, dazu Punk-Musik. Das waren noch Zeiten. Und ja, Entplatonisierung; mittelbar.

Gelesen | Wissenschaftler haben Fledermäuse belauscht und festgestellt, dass sie vor allem miteinander reden, wenn sie genervt sind. Dabei sprechen sie über vier Sachen:

  • Sie streiten sich ums Essen.
  • Sie diskutieren ihren Schlafplatz aus.
  • Die Männer machen den Frauen Avancen, die diese allerdings nicht haben wollen.
  • Sie machen sich gegenseitig an, weil Einer zu nahe neben dem Anderen hängt.

Gelesen | Ich bin mit “The Great Nowitzki” durch. Ehrlich gesagt bin ich deutlich unterwältigt. Autor Thomas Pletzinger beschreibt jedes Spiel haarklein, er begleitet jede Regeung, jede Begebenheit, ohne dass ich als Leserin etwas Neues erfahre. Er hat keine Distanz zur Figur und zur Persönlichkeit Nowitzki, ordnet nicht ein, findet keine Haltung außer der des Fans. Eine stärkere Auswahl, weniger Szenen, dafür mehr Distanz hätten dem Buch gut getan.

Auch die asynchrone Dramaturgie macht es schwer: Thomas Pletzinger springt zwischen den Jahren und Ereignissen, und wer Dirk Nowitzkis Biographie nicht auswendig gelernt hat und die Chronologie der Ereignisse nicht auf den Unterarm tätowiert hat, verirrt sich in den Spielszenen, Trainingsstunden, An- und Abfahrten.

Die zweite Hälfte habe ich daher nur noch überflogen. Dabei ist mir immerhin dieser Ausschnitt untergekommen, dessen Aussage ich ganz gut finde.

Textausschnitt.
Thomas Pletzinger, “The Great Nowitzki”, S. 411

Gehört | Christin und ihre Mörder. Im Juni 2012 wird Christin Rexin in Berlin-Lübars ermordert (Wikipedia). Fünf Menschen werden für den Mord verurteilt. In acht Podcastfolgen arbeitet der RBB die Tat auf.

Gehört | Isabell Bogdans Laufen, gelesen von Johanna Wokalek. Die Handlung besteht ausschließlich aus der Innensicht der Läuferin. Es geht um Verlust, um den Suizid des Lebenspartners und ums Verlassenwerden, ums Trauern, ums Wieder-ins-Leben-Finden, ums Loslassen und irgendwie auch ums Laufen, aber nur (Wortspiel!) beiläufig. Die Gedanken der Protagonistin fließen dahin. Ich habe gerne zugehört. (Besprechung bei ZEIT Online, Besprechung beim NDR)

Hannover, dazu Kaffee, Rohrbruch und E-Scooter-Premiere

9. 10. 2019  •  2 Kommentare

Broterwerb | Zwei Tage Kundenworkshop in Hannover.

Blick auf Hannover: Allianz und Leibniz-Universität mit blauem Himmel

Das Hotelzimmer war im vierten Stock, bescherte mir einen wundervollen Ausblick – und dazu Fitnesseinheiten. Denn das Hotel hatte keinen Aufzug. Das war mit Koffer, Moderationsgepäck und Rucksack mit zwei Laptops … nun ja: belebend.

Im Workshop habe ich erstmals mit Lego Serious Play gearbeitet. Hat hervorragend funktioniert und die Erwartungen übertroffen: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben großartig zusammengearbeitet, sind über das Bauen tief ins Gespräch über Prozesse und Abläufe gekommen, konnten sich vom angestammten Denken lösen, haben ein gesundes Maß an Abstraktion gehabt und sind gleichzeitig in eine hilfreiche Detailtiefe gelangt. Ich bin verzückt.


Begleiterscheinung | Kaffee im Hannoveraner Lieblingscafé.

Tasse Milchkaffee mit einem Keks

Derweil Rohrbruch in Dortmund, Wasser im Keller. Ich koordinierte per Telefon beziehungsweise beteiligte mich aus der Ferne an den Tätigkeiten der Hausgemeinschaft und sorgte dafür, dass Menschen in meine Wohnung können. Alles nicht schön, wird aber wohl seinen Gang gehen.


E-Scooter-Premiere | Ich bin erstmals mit einem E-Scooter gefahren: Vom Hotel zum Abendessen, von der Calenberger Neustadt nach List und wieder zurück. Das war ausgesprochen komfortabel, praktisch, schnell und besonders auf dem Rückweg zigmal besser, als alleine durch die Straßen zu gehen. Bin ziemlich begeistert.

Der Geburtstag des Zahnarztes und Glückscurry 2.0

6. 10. 2019  •  9 Kommentare

About last night | Der Zahnarzt hatte Geburtstag und hat eingeladen. Eine Festivität, die jährlich mit gleichem Personal stattfindet, die stets ähnlich abläuft, und die jedesmal Freude bereitet.

Fladen, Weinblätter, Couscous-Salat, Frikadellen, Zaziki, Zucchinipuffer, diverse Pasten

Zu später Stunde wurden Langspielplatten aufgelegt – die Älteren unter uns erinnern sich an diese Kulturtechnik. Es gab Gitarrenmusik, und man munkelt, die Cocktails seien wieder gut gewesen.

Flaschen und Safttüten auf der Küchenanrichte, ein Cocktailshaker, ein Löffel, diverse Utensilien

Ich selbst musste fahren und hielt mich daher am Wasserglas fest.

Die Kaltmamsell kommentierte auf Instagram, sie wünsche sich einen Roman, der mit dem Satz “Der Zahnarzt hatte Geburtstag” beginnt. Ich überlege, welches Genre ich wählen soll. Haben Sie eine Assoziation?


Glückscurry 2.0 | Herr Jawl hat ein ähnliches Glückscurry-Rezept wie ich, nur ein bisschen anders. Auf meinen speziellen Wunsch ist der unter die Foodblogger gegangen und hat das Rezept verbloggt. Das werde ich demnächst mal dringend ausprobieren.

Auf Twitter gab es noch den Tipp, zerstoßene Cashewkerne und klein geraspelte Möhren unterzurühren. Dann wird es sämig.


45 Minuten zum Hören | Ich verweise noch einmal freundlich auf die aktuelle Generationen-Podcastfolge mit Christian (56), mir (41) und Christians Sohn Tibo (18).


Gelesen | Ein Portrait der Kettelerschule, einer Grundschule in Bonn. Sie wurde in mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Sie arbeitet mit Lernfamilien, in denen unterschiedlich alte und unterschiedlich kompetente Schüler und Schülerinnen gemeinsam lernen.

Erinnerungen an Uneinheit, ein Seminar zur Innovationskultur und ein Bild von Tante August

4. 10. 2019  •  1 Kommentar

Die Tage in Stichworten | Gearbeitet. Sport gemacht, mit Rudern. Rechnungen geschrieben. Hotel in Frankfurt gebucht. Geschlafen. Viel telefoniert. Belege gebucht und Umsatzsteuer gemacht. Friseur besucht. Wohnung angeheizt. Update auf iOS 13 gemacht und mich über die neue Optik des Carplay gefreut. Gelesen. Nach Münster gefahren und einen Absacker getrunken.


Broterwerb | Ich biete im kommenden Jahr ein zweitägiges Seminar zum Innovationsmanagement an. Termin: Juli 2020. Ich schrieb dem Veranstalter, der Medienakademie Ruhr, eine Ankündigung für seinen Kurskatalog. Inhalte des Seminars:

  • Schaffung einer Innovationskultur im Unternehmen
  • Entwicklung von kundennahen Produkten und Services
  • innovationsorientierte Führung
  • Innovationen messen und bewerten

Mehr demnächst auf der dortigen Website.

Wir sprachen außerdem Details fürs Projektmanagement-Seminar im kommenden November ab – ein Tag für Volontärinnen. Wir streifen die Grundlagen zur Projektarbeit: Grundsätze, Rollen und Rahmenbedingungen, Stakeholder- und Risikomanagement, Aufgaben der Projektleitung, hilfreiche Tools. Alles, was man als Anfängerin gut an Input gebrauchen kann.


Erinnerungen an Uneinheit | Gestern Tag der Deutschen Einheit, zum 29. Mal. 30 Jahre nach dem Mauerfall.

Ich war zweimal in der DDR, es muss um 1986 und 1988 gewesen sein, Besuch bei entfernten Verwandten. Ich erinnere die Fahrt durch das Niemandsland, die Förderbänder für die Reisepässe, die Blicke der Grenzbeamten, die Gewehre, das Auspacken alles Mitgebrachten. Ich erinnere die andere Welt jenseits der Grenze, eine Welt, gedämpft und verrußt; ein Ort, der andere Farben hatte, der sich anders anfühlte, der anders schmeckte und anders roch.

Ich erinnere den Kachelofen im Wohnraum, die Vanillehupferl, die die Großtante buk, die Datsche mit der Hollywoodschaukel, die ich mir nach Hause wünschte. Ich erinnere die Wohnung im Altbau mit dem Plumpsklo auf der Halbetage, das mir Freude bereitete: Es hatte einen Hebel, der die Klappe unter dem Hintern öffnete; ich fühlte mich beim Geschäft wie eine Rennfahrerin. Ich erinnere den Besuch im Restaurant, das bis auf uns leer war. Ich erinnere den Besuch im Kaufhaus, in dem eine Dose Mandarinen ausgestellt war, für 14 Mark. Daneben Jeans.

Ich war acht Jahre alt alt. Mit acht Jahren nahm ich die Dinge, wie sie waren. Und doch war mir die andere Welt unheimlich. Es waren nicht die fremden Waren, es war nicht die Kohleheizung, der Schwarzweiß-Fernseher, es war nicht das Plumpsklo, nicht die ratternde Straßenbahn; das alles nahm ich mit Neugier an.

Doch Kinder sind die Seismografen der Leerstellen, des Verschwiegenen und Unausgesprochenen. Ich empfand Bedrückung, wenn ich mich im öffentlichen Raum befand, ohne das Gefühl näher erklären zu können. Sie fand ihr Gegengewicht in der Unbeschwertheit des Familiären, beim Backen in der Küche, auf der Schaukel in der Datsche und im Wohnzimmer, als sich zehn Menschen auf sechs Möbelstücke quetschten, Limonade und Schnaps tranken und fette Wurst aßen.

Über viele Jahre gingen Pakete in den anderen Staat, mit Milka und Jacobs Krönung von West nach Ost, mit Spielsachen von Ost nach West. Ich erinnere das Stickset, die Strickliesl und das Plüschtier, und jedesmal, wenn ich ein Paket öffnete, entwich auch der Geruch Geras. Ein Geruch, wie viele Orte einen Geruch haben; wie U-Bahn-Schächte und Krankenhäuser ihn besitzen. Ein Geruch, auf den ich Jahre später, als es die DDR schon nicht mehr gab, noch einmal traf: in Moskau.


Gelesen | Zum Trost. Wie man Menschen beisteht, die Schicksalsschläge erlitten haben.

Gelesen | Monster im Kopf. Ein Mann hat Vergewaltigungsphantasien. Eine Therapie hilft ihm, damit umzugehen.

Gelesen | Ich habe versucht, über Geld zu reden. Und war nur mäßig erfolgreich. Ein Autor fragt sich, warum Deutsche so ein Problem damit haben, über ihr Gehalt zu sprechen.

Zwei, Zweihundert, Vierundzwanzig – und Drage

1. 10. 2019  •  2 Kommentare

Alltag | In den vergangenen zwei Tagen fünf Stunden Auto gefahren. Dabei 200 Kilometer zurückgelegt. Viermal sechs Baustellen durchfahren. Zwei Unfälle gesehen, beide Male fuhr ein Pkw beim Einfädeln in einen Lkw.

Beim Fahren habe ich Drage gehört, einen Podcast in sieben Teilen. Er erzählt das Verschwinden der Familie Schulze aus dem niedersächsischen Drage, rekonstruiert die Ermittlungsarbeiten zwischen 2015 und heute und reflektiert die Gefühlswelten der Angehörigen. Gut gemacht.

Sonst nichts erlebt. Auch mal schön.

Matratzenschoner

29. 09. 2019  •  16 Kommentare

Matratzenschoner | Regentage im Herbst verführen mich dazu, Dinge im Haushalt zu tun – solche Dinge, die, wendet man das Eisenhower-Prinzip an, weder dringend noch wichtig sind, die aber irgendwann dringend und wichtig werden: das Bett beziehen zum Beispiel.

Jedesmal, wenn ich mein Bett beziehe, denke ich über zwei Dinge nach: über meinen Matratzenschoner und und über meinen Matratzenschoner. Einer liegt unter, einer auf der Matratze. Beide habe ich mir vor nunmehr neun Jahren aufschwatzen lassen. Damals sagte die Verkäuferin zu mir, nachdem wir über die Matratze handelseinig waren: “Einen Matratzenschoner haben Sie sicherlich.”

Ich hatte bis anhin noch nie von Matratzenschonern gehört und beging einen Fehler, indem ich antwortete: “Uhm … weiß nicht. Nein?”

Sie sah mich an, als hätte ich ihr gestanden, jeden Morgen ein Katzenbaby im Schweineschmalzmantel zu verzehren. Sie verzog das Gesicht und sagte in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran ließ, dass ich seit Jahren etwas absolut Abartiges tat: “Dann nutzen Sie Ihre Matratze etwa so?”

Ich sah mich hilflos im Laden um, hoffte auf einen SEK-Einsatz, auf eine Kettenreaktion platzender Matratzenladen-Luftballons oder wenigstens auf einen zweiten Kunden. Doch nichts dergleichen. Stattdessen sagte die Verkäuferin: “Dann brauchen Sie auf jeden Fall die Grundausstattung.”

Seitdem besitze ich einen Matratzenschoner für auf die Matratze und einen Matratzenschoner für unter die Matratze, ich wasche die beiden regelmäßig, das ist alles wahnsinnig umständlich, ich lege sie danach stets wieder auf und bei jedem Bettenbeziehen frage ich mich, was der Quatsch soll, seit neun Jahren. Gleichzeitig traue ich mich nicht, meine Matratze, wie so ein Höhlenmensch, ohne diese beiden Auflagen zu benutzen. Ich stelle mir vor: Ich habe ein Date, das Date stellt sich als ein Matratzenverkäufer heraus, er ist sympathisch, ich nehme ihn mit nach Hause, habe keinen Matratzenschoner, er ist entsetzt, und unsere Zukunft endet, bevor sie beginnen konnte.


Backung | Foto eines Apfelkuchens an Herbstastern:

Apfelkuchen in der Sprinfgorm, daneben eine Blumenvase. Von oben fotografiert.

Gehört | Interview mit dem Soziologen Armin Nassehi über soziale Systeme, Wahlentscheidungen und darüber, dass wir große Streitthemen brauchen, damit sich Leute der Politik zuwenden.

Auf der Suche nach dem roten Nuppsi

27. 09. 2019  •  6 Kommentare

Broterwerb | Heute Homeoffice. Ich habe ein Inhouse-Seminar vorbereitet, das ich Ende Oktober im Rhein/Main-Gebiet halte. Es geht um Storytelling. Die Fragestellung ist, wie die Kommunikation näher, interessanter, menschlicher, weniger ingenieurwissenschaftlich gestaltet sein kann.

Erfahrungsgemäß haben Kunden in diesem Zusammenhang drei Probleme:

  • Durchblick. Alles zu viel: zu viele Kanäle, zu viele Themen. Wo anfangen? Was machen? Was lassen? In welcher Reihenfolge?
  • Geschichten finden. Storytelling schön und gut, aber wo bekomme ich die Geschichten her? Was macht gute Geschichten aus? Wie bringe ich spröde Themen gut rüber?
  • Ressourcen. Die Manpower ist endlich. Wie kriegen wir das trotzdem hin, über all die Medienkanäle?

Ich habe ein schönes Paket zusammengestrickt aus Zahlen, Daten, Fakten, Methoden für Unkreative, einfachen Regeln, einem Vorgehensmodell. Ich gebe Feedback zu den vorhandenen Publikationen; ich sage, was ich gut finde und was ich ohne viel Aufwand anders machen würde. Wir üben eine Menge, so dass nach den zwei Tagen sofort To Dos auf dem Tisch liegen und das Unternehmen weitermachen kann.

Wird gut, denke ich. Falls Ihr Beispiele für gute Kommunikation im Umfeld Ingenieurwissenschaften, IT und Wissenschaft kennt – schickt gerne einen Hinweis oder einen Link!


Freuden des Alltags | Ich bin übrigens Teil des Aktionsbündnisses “Toffifee statt Karamellkeks”.

Kaffeetasse von oben mit festem Milchschaum und einem Toffifee

Das Bild zeigt den festesten Milchaum zwischen Dortmund Köln. Wie Bauschaum.


2020 | Derzeit läuft hier schon die Akquise für 2020. Ich habe drei Kunden, die für nächstes Jahr Interesse an größeren Projekten angemeldet haben. Es ist alles noch vage und in der Schwebe, der Umfang ist auch unterschiedlich. Die Dinge werden sich voraussichtlich erst im Dezember entscheiden, eher wohl kaum, vielleicht sogar später.

In den vergangenen nun fast drei Jahren habe ich gelernt, dass selbstständig sein vor allem von drei Dingen geprägt ist:

  • von Unsicherheit,
  • von der Schwierigkeit, sich selbst und die Arbeit, die man hat, zu organisieren und zu koordinieren und
  • natürlich davon, jeden Kram selbst machen zu müssen, von der IT-Infrastruktur, Datenverschlüsselung und Website bis zur Hotelbuchung, Bestellung von Tonern und dem Ausdrucken irgendwelcher Zettelchen – Banalitäts- und Komplexitätsgrad jeweils von Null bis unendlich.

Ich müsste zum Beispiel mal meine Website umstricken. Meine Arbeitsschwerpunkte sind seit 2017, als ich angefangen habe, deutlich klarer geworden. Es sind: Zusammenarbeit entwickeln. Veränderungen begleiten. Geschichten erzählen. Das müsste auf der Website besser rüberkommen. Habe ich aber derzeit keine Zeit für.

Was wollte ich eigentlich sagen?

Nächstes Jahr. Es macht ein ungemein gutes Gefühl, dass ich Aussicht auf Aufträge habe. Gleichzeitig stelle ich fest, dass ich mich, falls die Aufträge eintreten, anders organisieren muss als dieses Jahr. Ich bin derzeit ziemlich urlaubsreif. Das ist nicht gut. Ich möchte ein Leben leben, von dem ich keinen Urlaub brauche.

(Natürlich möchte ich trotzdem Urlaub machen. Aber nicht, weil ich so fertig bin.)

Ich las irgendwo von dem Modell 6+1: sechs Wochen arbeiten, dann eine Woche ohne Termine. Seventh Week Sabaticals – das klingt sehr charmant und ist gut planbar. Es ermöglicht, jede sechste Woche mal durchzuschnaufen und nachzudenken, durchaus auch über Fragestellungen des Kunden. Das schließt sich ja nicht aus.

Doch wer weiß, was kommt. Vielleicht habe ich nächstes Jahr erstmal keine Aufträge, weil aus allen potentiellen Projekten nix wird. Dann haben sich diese Überlegungen eh erübrigt.

Wir werden sehen.

(Sie erlebten: määandernde Gedanken)


Raumfahrt | Die Lego-Rakete alleine zusammenzubauen, dauert ganz schön lange. Die meiste Zeit verbringe ich damit, das richtige Teil aus den vorhanden 1969 herauszusuchen.

Lego-Rakete: Das Unterteil, fertig zusammengebaut auf einem Tisch. Daneben noch viele lose Steine.

Obwohl ich die Teile sortiert habe, auch nach mir schlüssigen Kriterien, habe ich gestern viele, viele Minuten und immer wieder einen flachen 4er, einen roten Nuppsi, ein schwarzes Dingsi mit Spitze und diese glatten, kleinen Plättchen gesucht.

Ich wollte gestern nicht eher ins Bett gehen, bis ich die Triebwerke und Außenverkleidung fertig hatte. So wurde es dann 1 Uhr.


Gelesen | Extremwurm mit drei Geschlechtern entdeckt. Allein das Wort “Extremwurm”.

Angeguckt | Warum wir unsere Kindheitserlebnisse vergessen.

Gelesen | Der Bund stellt Fördermittel bereit. Die Kommunen rufen sie nicht ab. Warum das Abrufen nicht so einfach ist – ein Thread mit 29 Beteiligten. (via Miriam)

Die Rückkehr des Pfadfinders und eine Herausforderung

26. 09. 2019  •  2 Kommentare

Der Pfadfinder aus Italien | Sie erinnern sich vielleicht an S, den alten Pfadfinder aus der Emilia Romagna. Während meines geschenkten Monats wohnte ich bei ihm und seiner Frau auf dem Hof. Er enteiste mir mein Wasserrohr mit einem Crème-brullée-Brenner und erhielt Anrufe vom Bürgermeister.

S feiert in Kürze seinen 38. Hochzeitstag. Freunde von mir, das Ehepaar vom Schatöchen, sind derzeit bei ihm. Sie halfen ihm heute, ein Geschenk für seine Frau zu besorgen, vorbei an drei Juwelieren, in einem Roadtrip durch die Emilia Romagna. Ich war per WhatsApp ein bisschen mit dabei. Das war schön.


Herausgefordert | “Ich will dich nicht unter Druck setzen, aber andere Externe bringen sowas hier mit”, sagte der Kunde und deutete auf die Box mit Schweizer Schokoriegeln.

Ich warte nun ein bisschen. Damit er nicht denkt, er könne mich mit solch einer läppischen Bemerkung derart herausfordern. Aber dann!


Gelesen | Warum es ein Glas Wasser zum Kaffee gibt (via Buddenbohm)

Gelesen | Patricia schreibt über die Arbeit von Frauen und Männern in und an Beziehungen. Die Idee der “Emotional Labor” kannte ich bislang nicht. Der Begriff …

[…] kommt aus dem Umfeld der Dienstleistungsberufe, in denen v.a. Frauen arbeiten und ihre Gefühle unterdrücken müssen. Die meisten Studien dazu stammen aus dem Flugbegleiterinnen-Umfeld, wo z. B. Anzüglichkeiten und die Launen anderer Menschen weggelächelt werden müssen.

Was drastisch im Beruf klingt, ist auch Aufgabe vieler Frauen in der Familie. Frust runterschlucken, damit es läuft. Wut regulieren. Alles weglächeln und sich selbst immer wieder nachsteuern und sich Dinge schön reden. 

Das Nuf

Ja und … puh. So wahr.

Gelesen | Dieter kann nicht weg. Mely Kiyak, der deutsche Pauschalurlauber, Thomas Cook und die Pleite.

Gelesen | Storytelling und Datenjournalismus at its best: Zeit Online hat eine Woche lang die Mobilitätsdaten von fünf Freiwilligen aufgezeichnet, aufbereitet und ein Interview mit ihnen geführt: eine Pendlerin, ein Berater, ein Landbewohner, eine Mutter, eine Studentin. Ein Mobilitätsforscher ordnet die Ergebnisse ein. Er sagt: Nur 30 Prozent des Verkehrs in Deutschland sei Berufsverkehr. 70 Prozent der Strecken legten wir zurück, um einzukaufen oder Freunde zu sehen. Und: Wer mehr Geld habe, bewege sich mehr – Mobilität sei eine Frage des Einkommens.

Ein Nudelletter und ein Sparringspartner

23. 09. 2019  •  1 Kommentar

Nudelletter | Ich habe meinen September-Newsletter versendet. Das Thema: Nudeln.

Es geht um Nudeln, weil ich auf Twitter gefragt hatte, ob es Themenwünsche gebe, und daraufhin diese Nachricht erhalten hatte:

Twitter, Direct Message. Text: "Themenwunsch: Nudeln, Nudeln gehen immer."
Twitter, Direct Message

Wenn ich sowas lese, setzt bei mir sofort eine Assoziationskette ein, kleine und große Groschen fallen durch die Zahnräder meines Hirns und pling! – eine Idee. Je abseitiger die Assoziation, desto wahrscheinlicher ist es, dass mir etwas dazu einfällt.

Christian hat meinen Newsletter aufgegriffen und den Inhalt viel schöner zusammengefasst, als ich es könnte – mit „know the rules to break the rules“. Das ist nämlich die Quintessenz: die Regeln kennen, um sie zu brechen. Es geht also nicht nur um Nudeln, sondern auch um Rezepte, um das Experimentieren mit Rezepten und um die Frage, wann es welche braucht – und wann einen guten Koch, der improvisieren kann. Mehr in der Browser-Version des Newsletters.


Sparringspartner | Am Abend telefonierte ich mit Andreas. Andreas ist hier im Kännchenblog noch nicht aufgetaucht, er ist eine neue Personalie. Wir werden in Zukunft in einzelnen Projekten zusammenarbeiten.

Wir ergänzen uns fachlich und methodisch und werden aus einer Hand agieren. Das ist zum Vorteil unserer Kunden. Sie bekommen breitere Expertise, zwei Leute haben mehr zeitliche Ressourcen als einer allein, und unsere unterschiedlichen Blickwinkel schaffen bei komplexen Fragestellungen bessere Lösungen.

Wir starten natürlich nur dort zu Zweit, wo wir es vorher mit unseren Kunden abgesprochen ist. Darüber hinaus sind wir auch weiterhin allein in Projekten unterwegs.

Heute Abend sprachen wir ein Projekt ab, in dem ich uns gemeinsam anbieten werden. Mal schauen, was daraus wird.


Fitnesspause | Mitten am Nachmittag war ich heute im Fitnessstudio. Das ist das Großartige an Tagen im Home Office: Ich kann mir mein Leben einteilen, wie es passt.

Zwischen 15 und 17 Uhr ist im Fitti tote Hose, Parkplatz leer, Geräte leer, ich habe freie Auswahl, es sind außer mir nur sechs Rentner da. Zwei wurden gerade angelernt. Wir nickten uns stumm zu.


Gesehen | Unser Hirn ist, was es isst. Wie die Auswahl unseres Essens unser Denken und unser Verhalten verändert.

Gelesen | Das Opfer ist der neue Held:

Als Opfer können wir uns alle fühlen, wenn wir nicht verstehen, was uns ängstigt.

Gelesen | Mit Thomas Cook all inclusive um die Welt. Ich war vor ein paar Tagen drauf und dran, den Flug für meinen Januarurlaub zu buchen: einmal Condor hin und zurück. Gut, dass ich so entschlussschwach bin.



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