Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Der Geruch des Sommers. Trinkgeld und die Vorhabensplanung. Warten auf eine Muse.

10. 07. 2020  •  2 Kommentare

Überwindung | Der Tag begann mit einem Freibadschwumm. Das war erst kalt, dann wurde mir wärmer. Das war es sehr schön. Es lohnt doch jedesmal, sich zu überwinden. Außerdem riecht die Haut nach dem Schwimmen so schön nach Duschgel und Creme und einem Rest Chlor. Der Geruch des Sommers.


Broterwerb | Schreibarbeit. Draußen Regen, Dompfaffen, Meisen, Wind, Sonne, Regen. Warten auf die Muse, die mich küssen kommt. Oder wer auch immer sich berufen fühlt.

Aufgeklappter Laptop, Esstisch, Blick in den Garten, eine enzündete Duftkerze, Blumenstrauß

Sabbatical-Mood | Es begibt sich, dass ich meinen Wecker nun auf kurz nach Acht stehen habe. Ich halte das für eine gute Zeit, um angemessen ausgeschlafen zu sein und gleichzeitig nicht zu viel vom Tag zu verpassen. Tatsächlich gelingt das auch: Ich wache morgens erholt auf, deutlich erholter, als wenn ich wie sonst um 6:30 Uhr aufstünde, obwohl die Schlafdauer die gleiche ist.

Ich mag es zudem, ohne Termine in den Tag zu starten, was nicht heißt, dass ich herumtrödelte, sondern einfach nur, dass ich keinen Druck verspüre, etwas zu tun, was mich wiederum sehr motiviert, etwas zu tun – und sei es nur, erstmal schwimmen zu gehen.


Trinkgeld und Vorhabensplanung | Haben Sie vielen Dank für die Spenden, die Sie in meinen Hut geworfen haben. Ich habe mich sehr gefreut! Ich werde sie mir aufsparen für den nächsten Reiseausflug, den ich unternehme. Sie sollen ja auch etwas von Ihrer Zuwendung haben.

Auch wenn ich derzeit keine großen Unternehmungen plane – Sie wissen schon: Pandemie und so -, wird es bis zum Jahresende bestimmt irgendwo ein verlängertes Wochenende geben; wenn nicht mehr so viele Sommerurlauber unterwegs sind, an einen Ort, der hinreichend langweilig ist, dass ich seine Unaufgeregtheiten, Seltsamkeiten und kleinen Wunder in Einsamkeit entdecken kann.


Corona-Service | Christian beschwert sich über das sprachliche Framing der Corona-Maßnahmen, über “danach” und “aber mal endlich”: Dringende Bitte um eine andere Geschichte | Covid-19 könnte Hirnschädigungen provozieren, so britische Beobachtungen an Patienten mit milden Verläufen. Die Patientinnen und Patienten erlitten vermehrt Schlaganfälle, Psychosen und Entzündungen des zentralen Nervensystems. | Touristen schleppen das Corona-Virus vermehrt nach Griechenland ein. Während es im Juni weniger als zehn registrierte Covid-19-Fälle gab, waren es zwischen dem 1. und 8. Juli mehr als 500. | Fünf Irrtümer über die Covid-Impfung

Gelesen | Die Frau, die alles kann. Natürlich darf man Dinge nicht können. Viel zu oft meint “Kann ich nicht” allerdings: Traue ich mir nicht zu. Will ich nicht. Ist mir zu mühsam. Ist außerhalb meiner Komfortzone.

Angeguckt | Im Aquarium von Kyoto hängt ein Flowchart der Liebesbeziehungen, Seitensprünge und Neubeziehungen der Pinguine. | Hunde vor und nach dem Hundefriseur. Diese Melancholie in den Augen.

Besuch, der sehr gut den Garten dekorierte

9. 07. 2020  •  7 Kommentare

Begegnung | Am Mittag im Supermarkt, zwischen Joghurt und Knack & Back. Ein Rentner.

“Hömma, Sie sind doch bestimmt ‘ne dolle Hausfrau. Wenn da ‘Kartofelpuffer’ drauf steht, sind dat doch Reibeplätzken, oder?”
“Sind es.”
“Wusst’ ich doch. Dat mit der Hausfrau. Und den Plätzken.”

An der Kasse treffen wir uns wieder.

“‘N schönes Kleid hasse an.” Wir sind jetzt beim Du. “Hast aber viel im Wagen. Krisse Besuch?”
“Kriege ich.”
“Gut, dass dat getz widda geht. Obwohl. Bei manchen war’s auch gut, dasse wegblieben.”


Gartendeko | Der erwähnte Besuch:

Kleiner, braun-weißer Hun in Farn vor Gewächshaus

Meilenstein | Ich habe mir eine Mailadresse für Newsletter eingerichtet und für alle Newsletter, die ich bekomme, die Abo-Adresse geändert. Jetzt kriege ich alle Newsletter nur noch auf eine Newsletter-Mailadresse. Bin begeistert. Wurde auch Zeit.


Gelesen | Bayerns buckligster RadwegMänner in Not: Warum Sigmar Gabriel für Clemens Tönnies gearbeitet hat (Das Geld war es nicht) – €. Wortgewandte Analyse von Bernd Ulrich mit einem wahren Kern.

Es ist da aber noch etwas anderes Angenehmes, ja Verführerisches an Gabriels Ausstrahlung, etwas, das sich nicht so leicht benennen lässt. Versuchen wir es so: Angenommen, man hätte einen Neffen, der ein paar Dummheiten gemacht hat, aber eigentlich ein guter Junge ist und dringend eine Lehrstelle sucht; oder man hätte selber ein paar Dummheiten gemacht und bräuchte kurzfristig, sehr kurzfristig 50.000 Euro, also nur leihweise und, wenn es geht, ohne Zinsen; oder man hätte eine komplizierte Krankheit, und die Koryphäe auf diesem Gebiet hat keinen Termin mehr frei: Dann – das Gefühl jedenfalls vermittelt Gabriel einfach durch seine Art, die Welt zu sehen und zu erzählen –, dann könnte man bei ihm anklopfen.

Und weiter:

[…] das mit dem Helfen wiederum kann Gabriel zwar gut, er kann es aber schlecht sein lassen.  Zum Beispiel wenn Clemens Tönnies anruft. Und Hilfe braucht. Wegen der Chinesen, des drohenden Frühlings, der kranken polnischen Wildschweine und der Afrikanischen Schweinepest, die Deutschland bedroht und damit den Export … ach, es ist kompliziert. Wobei, so kompliziert ist es nun auch wieder nicht, weil das Zuchtschwein (viel zu eng) genetisch dem Wildschwein (viel zu mobil) ähnelt wie auch dem Menschen (viel zu nah), weswegen es auf dem Felde der industriellen Massentierhaltung, der Zerlegung und weltweiten Zirkulation zwangsläufig immer wieder zu regionalen oder auch globalen Seuchen im Dreieck Hausschwein-Wildschwein-Mensch kommen muss. So was kommt von so was, es fällt nicht vom Himmel. 

Ein Beitrag, der gut beschreibt, wie wenig böswillig die Motive der Gabriels und Amthors sind, wie es eigentlich nur darum geht, etwas Gutes zu tun (in den eigenen Augen), wie man tatsächlich nichts Illegales tut, doch moralisch daneben greift (in den Augen anderer), sich das dann erklärt und keine Schlüsse daraus ableitet.

Geguckt | Den Film Sommerfest in der ARD Mediathek. Das Ruhrgebietsklischee wird tot geritten, aber die Liebesgeschichte ist schön (Trailer).

Nichts passiert und doch sehr hübsch

7. 07. 2020  •  20 Kommentare

Garten am Morgen | Hübsch grad.

Die Sonnenblume kratzt an der Zwei-Meter-Marke. Vielleicht mache ich in ein paar Wochen den Jack und klettere an der Blume hoch in die Wolken.

Bei den Gurken und Tomaten wird’s jetzt auch langsam was.


Neues von der Namensvetterin | Meine Namensvetterin, die immer meine E-Mail-Adresse benutzt, hat Shisha-Zubehör bestellt – an eine Adresse im Ruhrgebiet. Das wirft nun mehrere Fragen auf: Lebt sie nicht mehr in Australien? Oder handelt es sich um eine neue Protagonostin mit meinem Namen? Warum bestellt sie die Bazooka in Grün und alles andere in Pink? Wenn die Bestellung netto 34,17 Euro kostet, brutto 39,64 Euro, es sich allesamt um Artikel zu 16 Prozent Mehrwertsteuer handelt, mit der Differenz von 5,47 Euro aber tatsächlich nur 13,8 Prozent abgeführt werden – wo ist der Denkfehler?

[Edit: In geistiger Umnachtung – siehe Kommentare]

Ich werde die E-Mail mit der Bestellbestätigung ausdrucken, ein liebes Kärtchen beilegen, auf die Gefahren des Rauchens hinweisen und eine Gruß an die Lieferadresse senden. Der Beginn einer wundervollen Brieffreundschaft. Die Australierin hat seinerzeit ja leider nicht reagiert. Der hatte ich irgendwann ihre Mahnungen nach New South Wales geschickt. So undankbar, die Leute.


Broterwerb | Ich habe meinen Newsletter versendet. Es geht um die Eisenhower-Matrix. Ich finde sie Murks, vor allem für Führungskräfte, und erkläre, warum. War wohl nicht so schlecht:

Wenn Sie auch tolle Newsletter bekommen möchten: Hier entlang.


Hals  | Diese seit Jahren zunehmende Erwartung, von jeglichem Ungemach frei zu sein – auf Kosten Anderer. Auf dem Fahrradweg parken, damit man nicht 300 Meter weit laufen muss. Mit dem Auto in die Stadt fahren, weil man den ÖPNV als ranzig empfindet. Drei Flugreisen im Jahr unternehmen, weil man auch wirklich mal ausspannen möchte. Keine Maske im Geschäft tragen, weil es darunter so stickig wird.

Dieses wehleidige Gejammer der Privilegierten – ich krieg’n Hals. Setzt eure Masken auf, Desirée und Frank-Dieter! Und wenn ihr schwitzt: Denkt halt an was Kaltes.


Sonnenbrandstatus | Cervelatwurst.


Gelesen | Die Wutbürger von der B96 bei Bautzen. Puuuh. | Hadley Freeman über Tom Hanks, seine Covid-19-Erkrankung, die Schauspielerei und warum er so nett ist. “Wisdom from a guy like me? I wouldn’t give that on a bet. Because I’m the answer on Jeopardy I have some wisdom somewhere?” | Ich sag’s ja schon immer: Schlafen ist ein Wundermittel. | Klimageschichtlich ist der Mensch Nutznießer eines einmalig schönen, ruhigen Frühlingstags. Jetzt ändern sich ganze Klimazonen und Lebensbedingungen. Passend dazu: Dramatische Dürre in Europa – die Grundwasserspiegel sinken drastisch. | Die Berliner Friedrichstraße wird ab August autofrei. | Der Tagesspiegel hat ein interaktives Stück gemacht: Solche Straßen will Berlin – mit Blick auf die unterschiedliche Möglichkeiten, Radwege zu realisieren.

Bild | Mit den Eltern durch den McDrive

Corona-Service | Wie Virologe Anthony S. Fauci und seine Kolleginnen sich aktuell verhalten  | Masken sind also die neuen Kondome: “[…] men are less likely than women to wear face masks because they view the masks as embarrassing. According to the study, men are more likely than women to agree with the idea that wearing a mask is ‘shameful, not cool, a sign of weakness and a stigma’.” | Mike Krüger und die Wiederbelebung eines Klassikers.Für die nächste “Kreuzfahrt ins Glück” schippert Florian Silbereisen Corona-bedingt nach MeckPom. Knutschen darf auf dem Dampfer nur, wer auch privat ein Paar ist. | Carola (44, fünf Kinder) zieht nach 100 Tagen ein Corona-Fazit. Auch die Familienmitglieder kommen zu Wort.

Geguckt | I, Tonya – Film über die Eiskunstläuferin Tonya Harding (Trailer). Die Älteren erinnern sich an ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan, die Eisenstange und das zertrümmerte Knie. Guter Film mit ein paar Längen, vor allem die Erzählform gefiel mir – die kommentierten Rückblicke.

Ein Ausflug in die Weinberge und andere Bemerknisse

6. 07. 2020  •  10 Kommentare

Feierlichkeit | In der vergangenen Woche war ich auf einem Geburtstag, so richtig mit Menschen – nicht vielen, aber Menschen, die ich lange nicht gesehen hatte. Das war schön. Die älteren Leserinnen erinnern sich an den Ort, an dem die Portugiesen Silvester feierten: bei der Torfrau und Björn, wie sie hier im Kännchencafé heißen. Schon vor dem ersten Gang waren wir bei den schlüpfrigen Themen, ohne Alkohol – das ist immer eine Garantie für eine besonders gute Sause.

Im späteren Verlauf erinnerten die Torfrau, der Flügelflitzer und ich uns an unsere Handballzeit in Essen. “Wisst ihr noch”, sagte die Torfrau, “mein letztes Spiel?” Natürlich wissen wir. In der Zeitung stand: “[Torfrau] konnte nicht mitspielen, weil sie sich beim Aufwärmen verletzt hat.” Die Geschichte war ein kleines bisschen anders. Die Torfrau hatte einen Kasten Gemischtes für ihr Ausstandsbierchen gekauft, und als sie den Kasten aus dem Auto hob, um ihn zur Halle zu bringen, hat sie sich den Rücken verrenkt. Auch irgendwie aufwärmen.

Irgendwann fragte mich Björn, wie mein Verhältnis zu Eseln sei. Er kommt öfter mit zusammenhanglosen Fragen um die Ecke. Deshalb antwortete ich zunächst so etwas wie “Jaja, gut, gut.” Doch er ließ nicht locker, und es steht die Idee von Eselwandern in Frankreich im Raum. Allerdings ist das 1.000 Kilometer weit weg, und das hält mich dann doch eher ab.


Wassersport | Ich schwomm wieder, in der vergangenen Woche in Dortmund und gestern in Bammental. Das war sehr prima.

Freibadbahnen von der Seite, wolkiger Himmel

Ich mache ja Sport, weil es so schön und meditativ ist, aber auch, damit ich nicht auseinanderfalle. Denn so langsam beginnt in mir alles zu schlackern, dehnt sich aus, verschwindet von seinem Platz und findet sich andernorts im Körper wieder ein, verhakt sich dort oder beginnt zu knirschen – oder es zieht sich unschön zusammen, verzwirbelt sich und reißt mit sich, was dranhängt, um es gegeneinander auszuspielen. Dagegen braucht es etwas, das mit der richtigen Spannung die Dinge am Platz hält – eine Muskulatur, die den Körper liebevoll umarmt, während über die Jahre alles an ihm wie ein müder Teenager auf seinem Platz herunterrutscht und in einer allgemeinen, zur Schau getragenen Erschöpfung erschlafft.

Nach dem Schwimmen fühle ich mich immer ganzheitlich angespannt und straff; ich fühle die Anspannung sogar dann noch, wenn ich längst wie Buddha auf meinem Handtuch sitze und vor mich hin trockne.


Ausflug | Am Wochenende fuhr ich ins Badische, die Turnschwester besuchen. Wenn ich bei der Turnschwester ankomme, ist es meist später Nachmittag. Stets werde ich mit einem Aperitif begrüßt. Ich möchte Alkohol keinesfalls verherrlichen, aber das ist wirklich ein wundervolles Ritual – zumal ich nach dem ersten Glas immer schon leicht einen sitzen habe.

Weinglas mit heller Flüssigkeit, Eiswürfeln, Orangenscheibe, daneben eine Orchidee

Im Bild sehen Sie das Getränk “Inge”: Crémant, Kastaniensirup und – ja, was noch? Weiß ich gar nicht. Jedenfalls ganz wunderbar.

Danach gestanden wir uns ein, dass wir sehr müde sind, und legten uns erstmal hin. Das macht Freundschaft aus: keine Fassade, sich einfach zunicken und erstmal halbe Stunde pennen.

Am nächsten Tag waren wir voller Tatendrang, packten Getränke in unsere Rucksäcke und marschierten los. Ziel: die Höhengaststätte Weißer Stein in Dossenheim.

Panoramabild über die Ebene von Schriesheim, Dossenheim. Felder, Schäfchenwolken, Sonne

Bemerknisse:

  • Weinberge machen etwas her. In Sachen Weinberge könnte sich das Ruhrgebiet auch mal etwas überlegen. Hügel sind ja vorhanden.
  • Der Wilde Westen ist in Dossenheim.
  • Die E-Bike-Dichte unter Mountainbike-Fahrern: deutlich über 50-Prozent-Marke. Es gilt: Je mehr Bolide das Fahrzeug, desto ausstaffierter der Herr, der es fährt.
  • Gipfelpommes schmecken nochmal besser als normale Pommes.
  • Burgruinen sind auch schmuck.

Tour: Von Schriesheim zum Weißen Stein und wieder zurück, 16 Kilometer, 500 bis 600 Höhenmeter. Das war in etwa so.

Abends Ausklang auf dem Marktplatz.


Hummer | Am nächsten Tag erstmal Frühstück, dann Freibad. Das Wetter war bedeckt, es war auch weitere Bedeckung vorausgesagt, weshalb wir nur kurz schwimmen wollten.

Doch dann kam die Sonne raus, wir hingen länger auf der Wiese rum als geplant, die Sonnencreme hatten wir zuhause vergessen, und weil wir seit unserem 16. Lebensjahr nichts dazugelernt haben, sahen wir danach aus, wie wir aussahen.

Auf dem Nachhauseweg trug ich ein gelbes Kleid, und ich nannte mein Erscheinungsbild “Hummer in Safransoße”.


Gelesen | Kurt von Sarah Kuttner.  Klappentext:

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, die neu lernen müssen, wie man lebt. 

Gutes Buch, habe ich in einem runtergelesen. Es hätte noch tiefer und eindringlicher sein können. Andererseits ist es so auch gerade gut für den Sommer.

Ein Sabbatical startet (noch nicht)

1. 07. 2020  •  Keine Kommentare

Broterwerb | Tag Eins meines Schreib-Sabbaticals. Gestern endete der Vertrag beim Kunden. Ich war noch einmal dort, machte Übergaben, überbrachte einen kleinen Dank, gab meine Hardware ab und verabschiedete mich. Heute ist nun der erste Tag von mindestens zwei Monaten, in denen ich nur minimal gegen Geld arbeiten werde.

Bis es allerdings richtig los geht mit der Entspannung, den Alphawellen und der Kreativität, muss ich noch einige Dinge tun. Zum Beispiel alle offenen Leistungen abrechnen. Denn ab heute gilt die neue Mehrwertsteuer, und es ist praktikabel, die zurückliegenden Leistungszeiträume zu 19 Prozent einmal komplett abzurechnen, so dass ich nicht mit unterschiedlichen Leistungszeiträumen zu unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen auf einer Rechnung hantieren muss.


Podcast | Außerdem telefonierte ich mit Moni Eckey Lourenço. Moni ist Visual Artist und macht mir ein Logo für meinen Podcast. Denn ich werde demnächst wieder podcasten, in einem neuen Podcast mit neuem Format. Ich möchte Interviews führen mit Menschen, die ich spannend finde. Ich bin ja wahnsinnig neugierig, finde potentiell alles interessant, von Alpakazucht bis Zwerchfellhochstand, und wenn ich mich unterhalte, denke ich oft: Das müsste man eigentlich podcasten! Also mache ich das in Zukunft einfach mit den Menschen (wenn sie wollen).


Nochmal Broterwerb | Teil 3 meiner kleinen Serie zur Remote-Arbeit: Wie informeller Austausch zustande kommt. Außerdem: Impulse zur Führung aus dem Homeoffice.


Yeah! | Es regnet ergiebig. Endlich.

Garten, verregnet

Reparatur | Am Morgen kam ein Dachdecker, um sich das Gewächshaus anzusehen. Das Dach muss professionell gemacht werden – es regnet rein, seit immer schon, und alles laienhafte Rumdoktorn bringt nichts. Es braucht eine dauerhafte Lösung, damit sich die Konstruktion nicht irgendwann auflöst. Deshalb hole ich zwei Angebote ein.

Der Dachdecker kam auf die Minute pünktlich und schlug ohne Hinweis meinerseits das gleiche vor wie der Erstbestellte. Die Lösung scheint also klar. Jetzt bin ich mal gespannt auf den Preis.

Der Regen war sehr förderlich für die Problemerkennung: Es tropfte wie in einer Tropfsteinhöhle. Der Dachdecker meinte, es sei sehr gut fürs Geschäfts, dass es nun nach vielen Wochen endlich mal regne. Die Leute säßen nun in ihren Häusern und bemerkten, dass es tropfe; sein Telefon stehe an Tagen wie diesen nicht still. Er brummte dabei zufrieden – wie ein Kippteddy.


Gelesen | Über die Geduld

Gehört | Jörg Thadeusz im Gespräch mit Ulrich Mathes. Was für eine großartige Folge! Die beiden fordern sich das ganze Gespräch über heraus und haben mich sehr gut unterhalten.

Gelesen | Das Wort “Webinar” ist eine eingetragene Marke. Droht Abmahnung bei Verwendung? So schnell nicht.

Corona-Service | Fucking Tired Lockdown Mummy, eine Adaption der Raupe Nimmersatt| Frau Fragmente hat aufgeschrieben, was sie zu Covid-19 verstanden hat und welches Verhalten sie daraus für sich ableitet  | Das thüringische Greiz war ein Corona-Hotspot, das örtliche Krankenhaus überfordert: Ein Krankenhaus am Rande des Wahnsinns (€)

Ein Geschenk, Gefriemel und Mental Load mit Patricia

29. 06. 2020  •  6 Kommentare

Broterwerb | Als Geschenk für meine Zeit beim Kunden – am morgigen 30. Juni war ich 20 Monate dort im Vertrag – schenkte mir das Team in der vergangenen Woche eine riesige Pelargonie und bedankte sich für meine Arbeit.

Balkon: Zahlreiche Blumen am Balkongeländer, auf dem Boden eine große Pelargonie

Ich bin immer noch sehr gerührt.

Auf meine letzten Arbeitstage bearbeitete ich die ausstehenden Audios nach. Das Format, das ich bei dem Kunden produziere – ich habe da vieles gemacht, unter anderem das -, also das Format ist eigentlich schnell zu realisieren und bedarf wenig Arbeit. Wenn man allerdings sieben Folgen vorproduziert, weil man ja dann weg ist, summiert sich die wenige Arbeit pro Folge dann doch auf zwei Tage – zumal wir im Schlusspurt ein Experiment gewagt und ein Doppelinterview über Microsoft Teams aufgenommen haben. Wir mussten das, weil … ach, egal. Ergänzen Sie hier irgendwas mit VPN undsoweiter. Jedenfalls – Fazit dieses Experiments: nicht empfehlenswert. Schlechte Tonqualität, sehr dumpf. Ich hatte in der Nachbearbeitung alle Hände voll zu tun, habe dann, wo ich schonmal dran war, etliche “Äähs” und “Uuuuhms” rausgeschnitten – irgendwann erkennt man die “Äääähs” ja ganz ohne Hören optisch in der Tonspur. Außderdem habe ich Gedankenpausen und Redundanzen entfernt, das Ganze von 17 auf 12 Minuten gestrafft und mich selbst nachvertont. Am Ende war es dann einigermaßen annehmbar – es klingt nun immerhin, wie wenn Heiner aus Bilmerich bei Antenne Unna anruft, um sich die Scorpions zu wünschen.

So sah es vorher aus:

Und so sieht es jetzt aus:

“Gefriemel” sagt man im Ruhrgebiet dazu.


Buchrezension | Patricia Cammarata hat ein Buch über Mental Load geschrieben, über die Last der Verantwortung in einer Partnerschaft. Auch wenn die Ausführung von Arbeiten – beispielsweise in der Kindererziehung oder im Haushalt – gleich verteilt ist, liegt meist mehr Verantwortung bei einer der Partner, meist bei den Frauen. Sie denken an Impftermine und ob den Kindern die Schuhe noch passen, ans Geschenkebesorgen für Geburtstage, sie stehen auf den Anruflisten der Schulen, entwickeln Ideen für Freizeitaktivitäten, koordinieren den Besuch bei den Schwiegereltern und denken daran, dass Shampoo und Waschmittel bald alle sind. Aber muss das so sein?

Patricia schreibt, wie sie in die Mental-Load-Falle rutschte und hinausfand. Sie beginnt bei sich – wie sie begonnen hat, weniger Perfektion und Seinlassen auszuhalten. Dann schildert sie Möglichkeiten, die Verteilung der Mental Load in der Partnerschaft auszuhandeln.

Vielleicht fragen Sie sich, warum das Buch für mich interessant ist. Schließlich habe ich keine Kinder und auch keine Partnerschaft mit Zusammenwohnen und all den Dingen, die Mental Load erst so richtig spannend machen. Das ist wie mit der Raumfahrt: Ich muss nicht Astronautin sind, um mich dafür zu interessieren.

Einige Aspekte des Buches fand ich besonders spannend. Zum Beispiel der Perfektionismus des Instagram-tauglichen Mutterseins mit stets hübsch dekorierter Wohnung und Kindergeburtstagen aus dem Katalog. Denn Perfektionismus geht mir völlig ab; er ginge mir auch ab, wenn ich Kinder hätte, da bin ich mir sicher; ich bin inzwischen auch selbstbewusst genug, Kommentare Dritter passiv-aggressiv zu ignorieren. Was ich allerdings gut nachvollziehen kann, ist Patricias Erklärung, dass man es weder fürs Kind noch für den Besuch macht, sondern einzigfür sich selbst – um Anerkennung und Wertschätzung zu erhalten.

Wir machen das, weil das ganze fucking Mental Load, die Aufgaben, die Strapazen der Baby- und Kleinkinderzeit endlich mal gelobt und gehuldigt werden müssen. Aber niemand huldigt uns. Niemand feiert uns. Deswegen feiern wir uns selbst.

Raus aus der Mental-Load-Falle, S. 48

Das leuchtet mir ein.

Für die Partnerschaft und das Aushandeln von Verantwortung schlägt sie Projektmanagementmethodik vor – unter anderem das Auflisten aller Verantwortungen, das Sichten mit dem Partner und das Gespräch über die individuellen Rollen im “Projekt”. Das finde ich sehr einleuchtend, denn die Organisation und Koordination des Familienalltags ist letztendlich nichts anderes als Projektmanagement: Man muss alle Handlungsstränge im Blick behalten, vorausplanen und Risiken minimieren. Im Job ist das ganz normal und wird als umsichtig gewürdigt.

Ich höre auch oft, dass es unnötig zeitaufwändig, ja, erbsenzählerisch sei, soche Listen zu machen. Dass es Zeit und Energie koste, die Dinge so detailliert zu besprechen, bestreite ich gar nicht. Das ist so. Ich gebe aber zu bedenken, dass es im Berufsleben völlig normal ist, ein solches Projekt-Kick-Off zu machen. Vor allem dann, wenn sich ein Projekt über mehrere Jahre (womöglich Jahrzehnte!) erstreckt. Nie würde jemand auf die Idee kommen und sagen: “Hier: Wir haben 130.000 Euro Budget, das Projekt läuft jetzt über 18 Jahre – viel Spaß, wird schon.”

Raus aus der Mental-Load-Falle, S.89

Mehr noch als Listen braucht man eigenständig denkende Projektmitglieder – und nicht Menschen, denen man sagen muss, was sie zu tun haben, die dann die angwiesene Handlung erledigen und den restlichen Teil der Prozesskette einfach unbeachtet lassen. Auch dazu hat Patricia etwas aufgeschrieben.

Ein prima Buch, zu empfehlen – auch wenn ich nicht weiß, ob die Lektüre bei Betroffenen wirklich das Problem löst. Das ist wahrscheinlich sehr individuell.

Was mir einzig gefehlt hat: der fehlende Kopplungsbindestrich auf dem Cover. (*brummt unzufrieden)


See-Pause | Heute Nachmittag ging ich mit der Dorfnachbarin eine Runde um den See. Wir aßen Eis, guckten Küken, ließen uns Wind um die Nase wehen und gingen wieder heim.

Danach setzt ich mich nochmal an den Schreibtisch. Das war eine gute Pause.


Corona-Service | Während sie schläft – das Dossier der aktuellen ZEIT (€). Beeindruckende Reportage von Amrai Coen und Malte Henk. Der Text umfasst die Zeitspanne von März bis Mai 2020 aus der Perspektive einer schwer an Covid-19 erkrankten Frau und ihrem Umfeld. Ich konnte nicht aufhören zu lesen. | Uruguay – eine Oase im Zentrum der Pandemie. Das Land hat den ältesten Sozialstaat Lateinamerikas – und die niedrigsten Infektionszahlen des Kontinents.

Gelesen | Der durchschnittliche deutsche Neuwagen hat 156 PS. Schaut man nur die Monate Januar bis Mai 2020 an, liegt die PS-Zahl höher: bei 166. Der Anteil der Kleinwagen sinkt. PS-stärkere Autos werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unser Straßenbild der Zukunft prägen, so die Meinung im Text. Ich habe Zweifel. Oder Hoffnung – wie man’s nimmt.

Gartentag, Fleisch zählen, Umherlauffotos

27. 06. 2020  •  2 Kommentare

Gartentag | Heute waren für Dortmund Gewitter angesagt. Ich freute mich auf einen Tag auf dem Sofa, mit Blick in den Regen. Ich freute mich aufs Sitzen auf dem überdachtem Balkon, Petrichor riechend. Ich freute mich aufs Rumhängen mit Netflix.

Aber: Es gewitterte nicht. Statt auf dem Sofa saß ich auf der Terrasse und sah, was ich alles tun konnte. Und tat es.

Ich reparierte den tropfenden Wasseranschluss im Gewächshaus.

Wasserhahn im Gewächshaus, Hanf, Rohrzange, Fermit

(Noch nicht befriedigend. Ich werde wohl mal in den Baumarkt fahren müssen. Aber immerhin besser als vorher.)

Ich zog Strippen durchs Gewächshaus, damit sich die Gurken an ihnen festhalten und die Tomaten an ihnen anlehnen können.

Gurken in Gewächshaus

Ich beschnitt die Tomaten und geizte sie aus, damit sie weniger Blätter und mehr Tomaten produzieren.

Ich mähte den Rasen.

Hand am Rasenmäher

Ich kletterte in den Kirschbaum und pflückte die restlichen Kirschen.

Ich pflückte Johannisbeeren.

Dabei hörte ich die Bundesligakonferenz auf WDR 2.

Am Ende des Tages gab es Gemüsepasta in Senf-Sahnesoße und ein Bierchen.

Schüssel mit Pasta und eine Flasche "Stauder Bierchen"

Toller Tag.


Fleischgedanken | Im Zuge des Tönnies-Skandals las ich die Zahl: Der durchschnittliche Deutsche isst 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Oder wie Samira El Ouassil feststellt:

Ein erwachsener Mensch in Deutschland isst im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr, das heißt, ein Mensch frisst jährlich im Grunde einen anderen […]

Too pig to fail – Anleitung zum Wurstigsein

60 Kilo – das ist viel. Aber ist es das wirklich? Ich habe das für mich mal nachgerechnet. Um keine Schönfärberei zu betreiben, habe ich jeweils zu meinen Ungunsten aufgerundet.

Ich frühstücke gerne mit Aufschnitt auf dem Brot. Ich kaufe einmal in der Woche an der Fleischtheke Wurst ein, meist drei Sorten je 100 Gramm, das sind dann 300 Gramm. Ich runde mal auf 400 Gramm auf, um nicht zu optimistisch sein, schließlich ist zwischendurch ja auch Ostern und Weihnachten, und es kommt mal Besuch. Dann sind das 400 Gramm mal 52 Wochen – gleich 20,8 Kilo Aufschnitt im Jahr.

Nun die Hauptmahlzeiten. Gefühlt esse ich wenig Fleisch. Es gibt Wochen, in denen ich gar kein Fleisch zum Mittag oder Abend esse. Meist esse ich einmal in der Woche Fleisch, selten zweimal – es kommt darauf an, wie oft ich auswärts unterwegs bin. Auch hier wieder: Keine Schönfärberei, schließlich ist Grillsaison. Deshalb gehen wir mal von zweimal pro Woche aus, großzügige 200 Gramm. Das wären wieder 400 Gramm mal 52 Wochen – gleich 20,8 Kilo Fleisch im Jahr zu den Mahlzeiten. Insgesamt also 41,6 Kilo Fleisch.

Das ist zwar weniger als der Durchschnitt. Doch dafür, dass ich gefühlt wenig Fleisch esse, esse ich ganz schön viel Fleisch. Selbst wenn ich nicht zu meinen Nachteil, sondern zu meinen Vorteil runde, und es am Ende nur 30, vielleicht 32 oder 34 Kilo Fleisch pro Jahr sind, ist das immer noch Einiges.

Ich schaue mal, dass ich das reduziert kriege. Dieses Wochenende gibt es schonmal kein Fleisch zu den Hauptmahlzeiten. Für die kommende Woche habe ich auch nichts gekauft.


Dortmund | Gestern machte ich einen Abendspaziergang. Weil Menschen mir jüngst sagten, dass sie sich gerne die Bilder ansehen, die ich beim Umherlaufen mache – hier Bilder vom Umherlaufen:

Schürener Feld – B236 Stadtkrone Ost – Werkssiedlung Sommerberg – Phoenixsee – DRK-Ausbildungszentrum. Das DRK-Zentrum erinnert mich immer an das Rathaus in Hill Valley. Fun Fact: Die Uhr steht.


Corona-Service | Küstenorte stellen sich auf Touristenmassen einAbstand halten in einem Pariser Café | Langer, guter Text: Aus dem Inneren einer Corona-Klinik. Die GEO-Journalistin Vivian Pasquet und der Fotograf Daniel Etter verbrachten während des Corona-Shutdowns vier Wochen im Universitätsklinikum Bonn. Sie begleiteten Mediziner, Krankenhaushygieniker und Patient*innen im komplexen Kampf gegen SARS-CoV-2. | Das erste Kreuzfahrtschiff ist wieder unterwegs. | Der neue Kita-Alltag: Wenn die Nase läuft, geht nichts mehr

Schlussprint. Ein Käfer kam zu Besuch.

25. 06. 2020  •  7 Kommentare

Broterwerb | Schon wieder Vizefreitag. Wie die Zeit vergeht.

In dieser Woche brauchte ich etwas Schlaf, es ließ sich nicht vermeiden. Ich mag die Wärme, aber sie macht mich leicht matschig. Wenig Schlaf kann ich dann schlechter verdauen. Also ging ich immer zeitig zu Bett, zumal ich auch früh aufstehen musste. Dreimal fuhr ich zum Kunden, das ist einmal mehr als in den vergangenen dreizehn Wochen. War schön.

Ich steuere schnurstracks auf meine Juli-August-Auszeit zu, in der ich den Sommer genießen und mich wieder meinem Buchprojekt widmen werde. Bis dahin möchte ich sorgfältig abschließen, was ich beenden kann, und übergeben, was offen ist. So nahm ich in dieser Woche sechs Audiofolgen für die interne Kommunikation beim Kunden auf. Ich hatte dieses Format angestoßen, weil es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schwer fällt, sich Zeit freizuräumen und Blogbeiträge fürs Intranet zu formulieren. Die Leute machen ja eigentlich andere Jobs, sind IT-Architekten, IT-Produktmanager oder Technische Berater und habe damit auch alle Hände voll zu tun. Also schlug ich vor, eine Reihe von Audiobeiträgen zu produzieren. Zehn bis zwanzig Minuten über das Thema reden, in dem man Expertin ist – das geht leicht von der Hand, vor allem, wenn jemand Fragen stellt. Viel leichter und schneller, als vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen und all das Wissen, das man zum Thema hat, in Sätze zu pressen.

Damit habe ich noch bis Dienstag zu tun: Nachbearbeitung, Transkripte für die Barrierefreiheit, Texte für die Veröffentlichung – damit der Kunde die Folgen nach und nach in seinem Intranet veröffentlichen kann. Dann ist erstmal Zäsur.


Besuch | Ich hatte ein riesiges Brummsummsel im Garten. Nein, nicht riesig. Gigantisch! //*breitet Arme aus

Ein Hirschkäferweibchen? Es lag auf dem Rücken und brummte kreiselnd durch die Gegend. Ich stupste es zurück in die Bauchlage und war fasziniert.


Die Kirschen sind reif | Mein Kirschbaum hat reichlich geblüht und auch reichlich Früchte bekommen. Doch dann wurde es zu trocken. Es regnete über viele Wochen nicht. Deshalb fällt die Ernte mager aus. Aber ich freue mich über alles, was da ist.

Morgen gibt es Kirschpfannkuchen.


Gelesen | Was macht eigentlich Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst? Spoiler: Neuer Look.

Gesehen | So hört sich ein zufrieden schmatzendes Baby-Eichhörnchen an

Gelesen | Frau Novemberregen schreibt über sich selbst und beschreibt dabei, quasi als Kollateralschaden, mich:

Frau Fragmente hat Pläne und Ziele, ich hingegen nutze Gelegenheiten. Dass die Gelegenheiten sich bieten, führe ich teilweise selbst herbei, allerdings keine vorab definierten Gelegenheiten, sondern allgemein irgendwelche Gelegenheiten. Ich breche einfach Strukturen auf und schaue dann, was da so herumliegt und was ich daraus machen könnte. Deshalb mag ich Veränderungen so an sich, als Prinzip. 

Vom Sofa hoch ist keine Auferstehung – und andere Begebenheiten

21. 06. 2020  •  20 Kommentare

Die Woche | Diese Woche war die 14. Corona-Woche, und sie ging so dahin: Am Montag hielt ich das erste Präsenzseminar seit Coronabeginn, im Anschluss war ich vier Tage im Homeoffice – in unterschiedlicher Intensität für drei verschiedene Kunden.

Wohlfühlhöhepunkt war das Schwimmen im Elsebad in Schwerte. Die Aushänge vor dem Eingang:

Schaukasten mit Zetteln "Vom Sofa hoch ist keine Auferstellung", "Gute Nachrichten! Bereits gekaufte Tickets behalten auch nach der Machtübernahme der neuen Weltordnung am 15.5. ihre Gültigkeit."

Inzwischen haben auch die Dortmunder Freibäder geöffnet. Während ich in Schwerte einfach hinfahren kann, meinen Eintritt wie gewohnt bei Betreten des Bades entrichte und nach Abschluss des Besuchs einen Zettel ausfülle, von wann bis wann ich dort war, setzt die Sportwelt Dortmund auf einen personalisierten Online-Ticketverkauf. Heute war ich in meinem Stammfreibad in Wellinghofen – das lief reibungslos.

Die Bahnen sind in beiden Freibädern doppelt so breit wie sonst, die Anzahl Personen im Becken ist begrenzt. Es darf nur geschwommen werden – chillen, toben oder spielen ist auf den Bahnen nicht erlaubt. Die drei Male, die ich inzwischen im Freibad war, war es jedesmal nur mäßg voll; man konnte sich sehr gut aus dem Weg gehen. Ich finde die breiten Bahnen sogar besser als die normalen: Man kann sich einfacher überholen; die üblichen Kraulstrampler und Wasserschläger haben mehr Platz. Alles sehr komfortabel.

Das heutige Freibadeis nach zweieinhalb Kilometern Schwumm:


M4MvsCovid | Die Geschehnisse im Kreis Gütersloh rufen es uns neu ins Gedächtnis: Corona ist nicht vorbei. M4MvsCovid hat deshalb ein anschauliches Video für Medizinerinnen und Mediziner produziert – Thema: Donning & Doffing, das An- und Ausziehen der Schutzausrüstung. Denn die meisten Infektionen bei medizinischem Personal geschehen beim Auskleiden.

Wir danken ganz, ganz doll Ella Poulahalec und ellafilm für die Postproduktion – und Sportkommentatorin Claudia Neumann für die Vertonung.


Abendspaziergang | Eindrücke von gestern.


Demnächst Kartoffelsack | Mein Lange-Frauen-Dealer Long Tall Sally (LTS) macht dicht. Das ist ein Desaster. Menschen in Normgröße können das wahrscheinlich nicht nachvollziehen. Deshalb skizziere ich mal das Klamottenangebot im Segment “Langgrößen” jenseits von LTS:

  • Krepp
  • Rüschen
  • opulente Blumenmuster (“fröhliches Floralprint”), bevorzugt Mohn
  • “Animalprint” – gerne Tiger, Zebra, Schlange
  • knisterndes Polyester
  • Riesen-Reißverschlüsse, Typ “Industrierolltor”, an Hosentaschen, Blazertaschen oder auch völlig ohne Funktion
  • Strickkleidung “Grafikdesign 1986”
  • wallende Leinenblusen
  • “interessante Knopfdetails”
  • “flott”, “frech”, “pfiffig”

Ich frage mit seit Jahren, was in den Designern vorgeht. Wohin, glauben sie, gehe ich mit einem Blazer, auf dem riesige Mandarinen aufgedruckt sind? Großmarkt, RTL Tutti Frutti?

“Wir würden Sie gerne als Speakerin engagieren. Eine Frage haben wir allerdings noch: Warum haben Sie Mandarinen an?”
“Symbol meiner befruchtenden Vorträge.”
“Wir melden uns.”

Ich möchte: schlichte Blazer, schlichte Stoffhosen, einfarbige Blusen, Blusen mit zartem Muster. Was man halt im Job so anzieht, wenn man nicht gerade Hundefriseurin in Berlin-Marzahn ist (“Chico Bello”) oder Kraft aus Kristallsteinen verkauft. Das kann doch nicht so schwierig sein!

Liebevoller Hinweis: Bitte schreiben Sie mir keine Tipps in die Kommentare, wenn Sie kleiner als 1,80 Meter sind. Ich höre oft: “Guck mal bei [Markenname], die haben die Hosen auch in Langgrößen” oder “Bei [Markenname] fallen die Ärmel immer sehr lang aus.” Doch Langgrößen von Marken, die nicht auf Langgrößen spezialisiert sind, sondern die ihr Standardsortiment nur auch eine Nummer länger verkaufen, sind in Wahrheit nicht lang. Die Langgrößen bei Hosen meinen dort die Beinlänge 34 inch. Bei spezialisierten Angeboten wie LTS fängt das Sortiment hingegen bei 36 inch erst an; ich benötige 36 bis 38. Lange Ärmel genügen leider auch nicht. Das ganze Kleidungsstück, besonders Blusen und Blazer, müssen länger proporioniert sein; sie brauchen in allen Abschnitten – von Schultern bis Brust, von Unterbrust bis Saum – mehr Länge, damit Taille, Abnäher, Knöpfe und Taschen dort sitzen, wo sie hingehören. Sonst ist die Brusttasche knapp unterm Kinn und die Taille auf Höhe der Brüste.

Auf Twitter wurden mir einige Alternativen zugetragen. Ich liste sie hier mal für Betroffene auf (#serviceblog), wohl wissend, dass auch viel Flottes und Pfiffiges dabei ist: Tall Berlin, I love tall, Egue, Businessmode Köln und Weingarten Damen Long. Manomama hat Jeans bis 36 inch, ebenso s.Oliver. Boden hat ebenfalls Langgrößen; die Kleider sitzen bei mir super, Hosen sind mir zu kurz.


Vögel | Im Nistkasten an meiner Terrasse wohnt ein Zaunkönigpaar mit ihren Jungen. Aus dem Kasten quietscht und fiept aus fortwährend; Vadda und Mudda Zaunkönig fliegen ein und aus und füttern ununterbrochen.

Ich mag Familie Zaunkönig sehr.

Wenn ich frühstücke, sind auch immer mit dabei: Grünfink und Dompfaff, außerdem die üblichen Meisen. Ich lieb’ das so.

Üppiger gewachsener Garten. Im Hintergrund Gewächshaus. Davor Kirschbaum. Im Baum hängt eine Futterstation, auf der zwei Vögel sitzen.

Beschwerde | Der Mann in meinem Leben meinte dieser Tage, als wir bei einer Terrassenpizza im Garten saßen, er habe jetzt mal gründlich meinen Blog durchgelesen und ihm sei aufgefallen, dass er darin nicht vorkomme. Dabei seien wir doch damals schon gemeinsam in der Sauna gewesen.

Ich antwortete, dass ich niemals Menschen ungefragt im Blog auftauchen lasse; wenn er dies ausdrücklich wünsche, sei das natürlich kein Problem. Allerdings, ergänzte ich, müsse er mir dazu einen Namen nennen, mit dem er auftreten wolle. Er sagte: „Der Göttliche.“

Terrassentisch mit Pizzakartons, Flasche Bier, Salat, im Hintergrund Garten mit einer Fackel

Wir gehen nochmal in die Findungsphase.


Serviceblog| Sie erinnern sich an meinen Thermokomposter, ja? Ich habe ein Kompost-Update für Sie. Ergebnis nach sechs Wochen:

Blick in den Thermokomposter: Erse mit einigen Ästen, etwas Gras

Faszinierend. Ich bin beeindruckt.


Corona-Service | Der lange Weg zur Corona-App | Das Tönnies-Desaster | Pflegende, Ärztinnen, Ärzte und weitere Menschen, die in der Medizin tätig sind, erzählen, wie die Pandemie sie und ihre Arbeit verändert: Wir sind auf Station. | Freizeitbeschäftigung im nächsten Lockdown: Solo-Bier-Pong

Gelesen | Immer das Gleiche in Dortmund. Oliver Fritsch analysiert die Vize-Meisterschaft des BVB

Durchgeblättert | Dieser Fotograf macht ehrliche Hochzeitsfotos

Angeguckt | Nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und schauen Sie sich dieses Eichhörnchenvideo an. Sie werden es nicht bereuen:

Montag – ein Tag ohne Strandkleid und Schlappen, dafür mit echten Menschen

15. 06. 2020  •  5 Kommentare

Broterwerb | Heute erstes Präsenzseminar seit Corona-Beginn: Projektmanagement für Volontärinnen und Volontäre. Heute also kein Strandkleid, keine Shorts, keine Schlappen.

Ich war zunächst etwas unsortiert und musste mich erstmal erinnern, was es für solche Anlässe braucht: Laptop und Netzteil, VGA-Adapter, Timer, Klebezettel, Moderationskoffer – ich hatte mir am Wochenende schonmal alles rausgelegt, damit ich nichts vergesse.

Das Seminar war dann sehr angenehm. Ich empfand es als deutlich weniger anstrengend als einen Remote-Workshop. Sehr viel weniger anstrengend. Warum das so ist – darüber muss ich noch nachdenken.


Aus dem Fenster gelehnt | Herr Fischer schreibt über Schule, Lehrerinnen, Computer und Digitalisierung. Anlass ist die Kolumne von Markus Feldenkirchen, der zur Corona-Krise feststellt:

Nirgendwo fiel es Verantwortlichen schwerer, sich flexibel und kreativ auf eine neue Lage einzustellen. […] Die eigentlichen Versager sitzen in den Ministerien, Behörden und Schulleitungen. Das aktuelle Maß an Verantwortungslosigkeit bei gleichzeitiger Teilnahmslosigkeit würde sich in jedem Zeugnis verheerend niederschlagen. 

Nichts gelehrt

Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und sage: Eine Infrastruktur zu entwickeln, die digitalen Unterricht ermöglicht, ist keine Raketenwissenschaft. Es gibt ausreichend Vorbilder im In- und Ausland, von denen wir lernen können. Es gibt ausreichend Lehrerinnen, Schüler und Eltern, die Ideen haben. Es ist nicht allzu schwierig, sich das anzugucken.

Ich sage nicht, dass sowas schnell geht. Ich sage auch nicht, dass es wenig Arbeit ist. Es ist viel Arbeit; es wird dauern, das ganze Bild zu bekommen: Was brauchen Schulen? Was brauchen Familien? Welche Kontexte müssen wir beachten, sozial und rechtlich, regional, organisatorisch und technologisch? Was ist sinnvoll? Was ist hilfreich? Was ist praktikabel? Aber am Ende wird es einen Kern, eine sinnhafte Idee geben.

Natürlich: Auch die Umsetzung ist nicht trivial. Die Anforderungen an eine digitale Plattform sind sicherlich umfangreich. Komplexer wird allerdings, die Infrastruktur vor Ort zu schaffen – mit den vielen, sehr vielen sozialen, organisatorischen, personellen Fragen, die damit zusammenhängen; Technik ist da das Kleinste. Es braucht Ressourcen, um die Idee digitaler Unterrichtsformen allen an Schule Beteiligten nahe zu bringen und sie zu befähigen, zeitlich und fachlich.

Gleichzeitig bin ich mir sicher: Es ist keine Magie. Es ist eine Frage der Haltung: “Ja, wir wollen das. Wir verstehen digitale Werkzeuge und digitale Bildung als Teil unserer Kultur. Wir unterstützen sie auf allen Ebenen.” Daraus folgt die Entscheidung, Geld und Manpower in diese Idee zu stecken. Viel Geld. Richtig viel Geld.

Fünf Jahre – in dieser Zeitspanne könnte man schon Einiges bewegen. Wenn man will. Klar ist aber auch: Das ist kein Projekt, das irgendwann aufhört. Unterricht entwickeln, Schulen ausstatten, die digitalen Werkzeuge betreuen und gestalten – das wird dann ein normaler Teil der Arbeit am Schulsystem.


Serviceblog | Eine Studie zu Familienblogs von Prof. Helen Knauf, Professorin für Bildung und Sozialisation im Kindesalter am Fachbereich Sozialwesen an der FH Bielefeld.


Gemüse-Update | Ich habe das Gemüsebeet aufgeräumt:

Gemüsebeet, dahinter Staketenzaun

Der fertige Salat ist raus, geerntet, fast schon weggegessen; ich habe nochmal nachgepflanzt. Die Möhren, die Lauchzwiebeln, Kürbis und Zucchini gedeihen. Die Kohlrabi sind zu groß fürs Schutznetz und haben deshalb neue Aufpasser: Alu-Tauben. Den Trick habe ich in den Kleingärten im Kiez gesehen.



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