Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Sonntag, 21. Juli

22. 07. 2019  •  2 Kommentare

Hinterherblogging | Ich hänge etwas mit dem Tagebuchbloggen. Am Sonntagabend bin ich im Hof versackt – mit Menschen aus München, Bielefeld und Berlin. Danach ergriff mich eine plötzliche Müdigkeit, die das Bloggen unmöglich machte.

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Die Suche nach Groß-Glien | Ich wohne hier in Klein Glien. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach Groß Glien.

Klein Glien ist wirklich klein. Einmal geblinzelt beim Autofahren, schon ist man hindurch. Die Erwartungen an Gross Glien waren: zweimal blinzeln.

Tatsächlich ist Groß Glien … weg.

Steine an einem Feld

Bereits seit dem Jahr 1420 ist Groß Glien wüst und verlassen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden noch einmal eine Schäferei, danach ein Hof für Ackerbau und Viehzucht errichtet. Schließlich lebten 42 Menschen hier – bis die Einwohnerzahl wieder sank. 1931 wurden die Gebäude abgerissen. Vor wenigen Jahren wurden die Überreste der Kirche (Bild) aus dem Bewuchs geborgen.

In der Umgebung ist das Töpfercafé Schmerzwitz.

Gutshof Schmerwitz: Renovierter Gutshod, gepflasterter Hof, Biergartenbestuhlung, Blumenkübel

Es hält monumentale und gleichzeitig köstliche Kuchenstücke vor. Man denkt danach, nie mehr etwas anderes essen zu können – und auch zu wollen.

Auch Gut Schmerwitz war einst eine Wüstung, genauso wie Groß Glien. Es wurde ebenfalls als Schäferei wiederlebt – blieb dann aber erhalten.

Töpfercafé von innen: hözerne Tische und Stuhle, große Korblampen, weißes Fachwerk

Das Gut gehörte der Familie Brandt von Lindau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet.

Das Gut war anschließend unter anderem Zentralschule der Deutschen Volkspolizei und anschließend Zentralschule für Kampfgruppen „Ernst Thälmann“.

Seit dem Jahr 2000 ist es wieder in privatem Familienbesitz.

Weg zurück durch den Wald …

Alter Laubbaum inmitten von Nadelwald, verunschenes Licht

und über Felder.

Weg, der an einem abgeernteten Feld entlangführt. Die Sonne scheint, blauer Himmel und kleine Wölkchen

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Monokultur | Es gibt hier Felder. Sehr viele Felder. Sehr viele, sehr große Felder. Beeindruckend große Felder.

Kornfeld bis zum Horizont

Die Wikipedia weiß: “Die durchschnittliche Betriebsfläche ist mit 238 Hektar im deutschlandweiten Vergleich sehr groß. Großbetriebe mit über 1.000 Hektar bewirtschaften über 70 % der brandenburgischen Ackerflächen.”

Kornfeld von links nach rechts bid zum Horizont, in der Mitte ein Baum

Gleichzeitig ist Brandenburg führend beim ökologischen Landbau (gleiche Quelle), bei mir auch gleich ums Eck:

Maisfeld mit Blumen drin

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Gewitter | Am Samstagabend kam ein Gewitter über Klein Glien. Blitze über Blitze, Wind und eine Stunde lang peitschender Regen.

Blick auf dem halb geöffneten Fenster. In der Ferne ein weißes Haus gegen dunkelblauen Gewitterhimmel

Das Wasser drückte sich durch die Holzfenster und nässte die Fensterbank.

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Gelesen | Ein lehrreicher Twitter-Thread über die Geschichte des Pipimachens im All, gefunden bei der Kaltmamsell.

Freitag und Samstag, 19. und 20. Juli

20. 07. 2019  •  8 Kommentare

Rast | Ankunft in Brandenburg.

Panorama in Brandenburg: links die tief stehende Sonne, Maisfeld, rechts eine baumbestandene Straße

Hier bleibe ich ein paar Tage. Coworking & Recreation. Ein bisschen Arbeit, ein bisschen mehr Urlaub.

Ich bin zu Gast im coconat, einem Coworking Space irgendwo im Nirgendwo bei Bad Belzig, im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Gebäude des Gutshofs von außen
Foyer, Schild: "Relax and get some work done". Dazu eine Diskokugel

Sechs Leute haben das hier gegründet, haben einen Gutshof instand gesetzt, Platz für 40 Menschen geschaffen, Arbeitsräume und Schlafräume eingerichtet, schnelles WLAN in die Provinz gebracht und sich auch sonst allerlei ausgedacht, um das Leben schön zu machen.

Hof mit Steine auf Stein, dafür bunte Stühle und Pflanzen
Springbrunnen mit Schaukel
Zelt, aufgespannt zwischen Bäumen

Eine Sehenswürdigkeit der Gegend habe ich schon erkundet: Ich war auf Brandenburg zweithöchstem Berg, der sich direkt hinter dem Haus befindet: der Hagelberg, 200 Meter.

Blick vom Hügel hinunter auf gelbe Kornfelder

Das war relativ schnell erledigt. Für Historiker: Wissenswertes über die Schlacht bei Hagelberg.

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Gartenhaus | Zuvor, am Freitagvormittag, war ich noch in Weimar unterwegs. Ich besuchte Goethes Gartenhaus.

Blick durch ein hohes, weißes Holztor auf ein kleines, graues, weinbranktes Haus

Ich muss zugeben, dass die Themen “Goethe” und “Schiller” es während meiner schulischen Bildung verpasst haben, ins Langzeitgedächtnis überzugehen. Natürlich haben wir uns im Deutschlunterricht mit Werken beschäftigt, ich hatte ja sogar Deutsch-Leistungskurs. Aber ich erinnere nichts, gar nichts.

Durch diese dunkle Gasse muss er kommen. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Fest gemauert in der Erden, steht die Form, aus Lehm gebrannt. Das war also des Pudels Kern!

Es ist alles ein Nebel, auch das Drumherum. Wann haben sie gelebt? Mit wem? Der Goethe mit Charlotte von Stein. Oder war’s Christiane Vulpius? Welche zuerst oder hat er mit beiden gleichzeitig …?

Das Gartenhaus deckte es auf: erst Charlotte, platonisch, dann Christiane. Woraufhin Charlotte verschnupft war, obwohl sie mit Freiherr von Stein verheiratet war und mit ihm sieben Kinder hatte.

Blick ins Haus: Bibliothek, Schreibtisch

Mehr als 1.770 Briefe und Zettelchen schrieben sich Goethe und Christiane Charlotte. Das ist stattlich. Hätte es damals schon WhatsApp gegeben – was hätten sie dann erst zustande gebracht! Terrabytes von Daten! Und die ganzen Selfies!

Beleuchteter Treppenabgang

Ich begegnete auch dem Erlkönig wieder, in seiner originalen Form. Ich musste ihn einst auswendig lernen, in frühen Jahren, in der fünften oder sechsten Klasse.

Erlönig in Goethes Handschrift

Macht man das heute eigentlich noch in der Schule, Gedichte auswendig lernen?

Weil es regnete, sah ich von einem auschweifenderen Spaziergang ab. Bevor es nach Brandenburg ging, wollte ich noch zur Gedenkstätte Buchenwald, neun Kilometer vor Weimar auf dem Ettersberg.

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Buchenwald | Weimar hat eine reiche Geschichte, in die eine wie in die andere Richtung. Kunst, Musik, Literatur auf der einen Seite, Politik und Nationalsozialismus auf der anderen Seite.

Hitler wollte Weimar zur Gauhauptstadt machen und erfreute sich schon früh an der Stadt mit ihrer so vorbildhaft deutschen Geschichte. Während des zweiten Reichsparteitags der NSDAP 1926 wurde hier die Hitlerjugend gegründet. Es gab nationalsozialistische Aufmärsche. Vor dem Hotel Elephant, das Hitler nach nationalsozialistischem Stil neu aufbauen ließ, feierten die Weimarer ihn.

Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es lag vor den Toren der Stadt auf dem Berg im Wald. 56.000 Menschen starben hier, durch Krankheit und Erschöpfung, sie wurden erschossen oder überlebten auf andere Weise nicht. Die Möglichkeiten zu sterben waren unerschöpflich.

Egal, wo und wie oft ich Orte wie diesen besuche: Es ist mir unverständlich. Wie kann der Mensch so unmenschlich werden? Welche Mechanismen sind es, die eine Gruppe Allmacht über die Andere erlangen lassen; welche Vorgänge sorgen dafür, dass diese Macht aufs Abartigste eskaliert? Wie kann es geschehen, dass der Mensch alles Mitgefühl verliert und zum Menschenquäler wird? Wer wäre ich gewesen, hätte ich damals gelebt?

Heute streifen Leute über das Gelände, Alte und Junge, Familien und Gruppen. Das KZ ist eine weite Ebene auf der Bergkuppe. Die Umrisse der Baracken liegen auf der Erde, als Steine, als Mauerreste, als fahrige Markierungen. Es geht Wind. Das Gras wiegt sich. Der Himmel ist wolkenverhangen. Die Uhr über dem Appellplatz zeigt Viertel nach Drei, Uhrzeit der Befreiung am 11. April 1945. Im schmiedeisernen Tor die Inschrift: “Jedem das Seine”.

Die Besucher tragen Trekkingschuhe. Manche eine Regenjacke. Mutter und Sohn stehen vor der Genickschussanlage. “Hast du gehört, was die Frau gerade gesagt hat? Wie sie hier die Menschen erschossen haben?” – “Ja, Mama.”

Einige Besucher führen einen Rucksack mit Proviant mit sich. Andere gehen ins Museumscafé und bestellen zwei Wienerle mit Senf. Im Gebäude nebenan läuft der Film mit den Tausenden Toten, Vorführung für eine der Jugendgruppen, die hier zahlreich mit Bussen vorfahren.

Es ist nicht erwünscht, auf dem Gelände Fotos zu machen und sie ohne Genehmigung zu veröffentlichen. Deshalb gibt’s hier keine.

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Gelesen | Elizabeth Strout: Bleib bei mir.

Buch: Elizabeth Strout, Bleib bei mir

Ein wunderbar leises Buch über ein Dorf, dessen Pfarrer seine Frau verliert – eine Frau, die anders war. Er ist nun alleine mit den Kindern, in der Langsamkeit seiner Trauer wird er vom Leben überholt. Die Organistin will eine neue Orgel, der Lehrer träumt von einer anderen Frau, die Haushälterin verschwindet. Alles passiert in einem ruhigen Fluss – und am Ende … ach, lesen Sie selbst.

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Metabene | Aus der losen Reihe “Orte an denen Blogbeiträge entstehen”:

Eine Holzplatte in einer Nische vor einem geöffneten Fenster, darauf ein MacBook, in der Ferne dunkle Wolken.

Donnerstag, 18. Juli

18. 07. 2019  •  1 Kommentar

Technischer Halt | Auf der Fahrt von München nach Weimar gab’s heute einen technischen Halt in Kinding, Altmühltal.

Silbernes Auto mit aufgeklappter Motorhaube

Mein Auto sagte: “Ölstand prüfen.” Ein gelbes Warndreieck leuchtete auf.

Weil ich weiß, dass gelbe Leuchten keine roten Leuchten sind und ich nur bei roten leuchten sofort anhalten muss, fuhr ich erstmal weiter, suchte mir eine Ausfahrt und steuerte eine Tankstelle an. Gegenüber der Tankstelle, welch eine Freude, befand sich auch ein Autoschrauber.

Ich prüfte zunächst selbst den Ölstand. Das Auto hatte Recht. Es musste Öl rein. Um sicherzugehen, ob nicht ein Marder irgendwas durchgefressen hatte, bat ich den Mechanikus von gegenüber, mal reinzuleuchten. Das tat er – und füllte auch gleich Öl nach. Danke an das Landes-Team.

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Weimar | Am Nachmittag Ankunft in Weimar. Dort ins Hotel und rasch zur Stadtführung, die um 16 Uhr auf dem Marktplatz startete und über das Schloss zum Herderplatz führte.

Herderplatz: Bunde Fassaden, verspielte Giebel.

Eineinhalb Stunden Weimar im Schnelldurchlauf. Leider sprach die Stadtführerin leise, auch der Stimmverstärker nützte wenig. Schiller, Goethe, Liszt, Goldenes Zeitalter, Silbernes Zeitalter, Herder, Bauhaus, Weimarer Republik, Nationalsozialismus – kein leichter Stoff. Wenn die Umgebung dann noch laut ist und nur Sprachfetzen ankommen … schwierig.

Schillerhaus: Gelbes Haus mit türkisen Fensterläden, davor ein Baum.

Nach einer Stunde ließ ich mich zurückfallen, verschwand in eine Gasse und machte meinen eigenen Rundgang.

Goldene Verzierungen an einer türkis-weiß-gelben Fassade. Über der Haustür eine Girlande: "Just married."

Hübsche Stadt. Ein bisschen truschig, ein bisschen alternativ, mit jungen Eltern, Kindern in Lastenrädern und erstaunlich vielen Hutverkaufsstellen. Dazu Kulturtouristen und Jugendgruppen.

Fassade des Eingangs zum Stadtschloss.

Übrigens sieht man hier überall Gingko: Gingko-Pflanzen, Gingko-Shops, Gingko-Appartments, Gingko-Tinkturen. Hat irgendwas mit Goethe zu tun.

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Biebereis | Eissorten des Tages: Schoko und Mango.

Mittwoch, 17. Juli

17. 07. 2019  •  7 Kommentare

Broterwerb I| Heute hatte ich ein Date bei der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, genauer an der Fakultät für Betriebswirtschaft, Studiengänge “Management und Medien”.

Das war spannend, denn zwischen 1999 und 2003 habe ich hier einen ordentlichen Batzen Zeit verbracht. Den Osteingang der Uni habe ich noch wiedererkannt, sonst hat sich alles rundherum verändert: Wo früher Felder waren, steht heute ein ausuferndes Wohngebiet. Es gibt Straßen, die es früher nicht gab. Die Wege sind nun anders. Auch auf dem Campus hat es rege Bautätigkeit gegeben. Wahnsinn. Die Stadt München hat sich über Felder und Wiesen bis nach Neubiberg ausgedehnt.

Und es wird weiter gebaut: Gegenüber der U-Bahn-Haltestelle Neuperlach-Süd, Enthaltestelle der U5 (Protipp: hier parken und in 15 Minuten bis in die Innenstadt zum Odeonsplatz fahren) ist schon lange ein riesiger Büropark. Nun bebauen sie auch den Park & Ride; wer pendeln möchte, muss nun weiter weg parken. Irre.

Broterwerb II | Ich habe eine Buchung für den Juli 2020 erhalten. Sehr cool.

Ich werde an der Medienakademie Ruhr ein zweitägiges Seminar zum Innovationsmanagement geben. Wenn Sie interessiert sind, schauen Sie im Herbst dort mal vorbei. Dann ist das Jahresprogramm 2020 online.

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Gesprächsfetzen I | In der Straßenwirtschaft hinter mir sitzen er und sie. Kein Paar, nur Freunde; man erkennt es schon nach wenigen Sätzen. Sie führen ein Gespräch über Dies und Das. Sie sind beide jung; sie ist gerade erst in den Job eingestiegen. Er kann nicht viel erfahrener sein, auch wenn er mehrfach betont, er sei „sowas wie der Geschäftsführer in dem Laden“, nicht wirklich, aber de facto mache er „all die Geschäftsführersachen, die wichtig sind“.

„Kein Mann will eine Frau, die mehr arbeitet als er“, sagt er. Sie sagt, sie sei noch in der Probezeit, außerdem gefalle ihr der Job. Deshalb arbeite sie gerne.

„Wenn ich zig scheißtausend Sachen zu tun habe, und es ist niemand da, wenn ich abends heim komme – dafür brauch‘ ich keine Freundin“, sagt er. Sie sagt, sie wolle sich erstmal im Arbeitsleben zurechtfinden.

Eine Freundin, die mehr verdiene, sei einfach ungeil, sagt er. „Wenn dein Freund dich irgendwann nicht mehr f\cken will, weißt du, woran es liegt.“

Gesprächsfetzen II | Auf dem Bahnsteig sitzt eine Frau und telefoniert. Sie telefoniert sehr laut. Sie brüllt fast. Jedes zweite Wort, das sie brüllt, ist „Arschloch“. Allerdings die liebevolle Art von Arschloch, sie sagt: „Du bist so ein Arschloch, ey, ich liebe dich, du Arschloch.“

Dann sagt das andere Ende etwas. Sie legt den Kopf schrägt, presst das Handy ans Ohr. Es ist ein sehr großes Handy in einer goldenen Schale. Sie sagt: „Du bist so eifersüchtig, Arschloch.“

Die U-Bahn kommt. Wir steigen ein. Sie setzt sich in einen Vierer. Es ist noch ein weiterer Vierer zwischen uns. Dennoch höre ich sie deutlich. „Du hörst mir nie zu, du Arschloch. Ich hab‘ dir gesagt, nie wieder. Aber du sagst, doch, und dann haben wir es gemacht und jetzt ist alles wie vorher, du Arschloch.“

Vielleicht reden sie übers Heiraten, vielleicht über die Anschaffung eines Haustiers, vielleicht über eine Anmeldung im Fitnessstudio.

„Wenn ich sowas noch einmal mit dir mache, dann machen wir es richtig, du Arschloch. Dann machen wir es ernst.“

Pause.

„Okay. Morgen um Acht.“ Sie legt auf. „Arschloch.“

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Gefangen in Heidelberg | Nachzutragen ist noch eine Begebenheit aus Heidelberg. Ich war gefangen.

Am Montag ging die Turnfreundin zur Arbeit. Ich blieb in ihrer Wohnung in Heidelberg, eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Ich früchstückte zunächst, genoss die Aussicht vom Balkon und arbeitete dann. Für den späten Nachmittag verabredeten wir uns in der Stadt.

Als es an der Zeit war, packte ich meine Siebensachen, zog die Wohnungstür hinter mir zu und ging zur Haustür. Die Haustür: abgeschlossen. Der Weg zurück in die Wohnung: versperrt; ich hatte keinen Schlüssel.

Mmmh.

Fenster: keine.
Fluchtwege: keine.
Wäschekeller: auch kein Fenster.

Mmmh.

Ich klingelte bei den Nachbarn: niemand da.

Mmmh.

Ich rief die Freundin an: “Ich befinde mich in einer misslichen Situation.”

Sie fing sofort an, in den Hörer zu schreien: “… habe ich ihnen extra noch gesagt!! … jedesmal!! … Rentner!!! … schließen immer ab!! … wir werden alle irgendwann verbrennen!! …” Und: “Ich rufe sie an. Bleib, wo du bist!”

Wo sollte ich auch hin?

Eine geraume Zeit später, ich hatte mich auf der Treppe eingerichtet, tauchte eine verrentete Organistengattin in der Haustür auf. “Ich dachte, es wäre niemand im Haus. Da schließe ich lieber alles gründlich ab.”

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Besonderheit | Ich aß heute besonderes Eis: Lillet Berry und Milchschnitte. Außerdem hatte ich einen Probierlöffel „Augustiner Bräu“.

Lillet: 5 /10 Punkte
Milchschnitte: 9/10
Augustiner Bräu: 10/10

Dienstag, 16. Juli

16. 07. 2019  •  4 Kommentare

MUC | Heute fuhr ich von Heidelberg nach München, eine angenehme Fahrt, kaum Stau. Pause am Rasthof in Greding, dort einen Kaffee, dann Weiterfahrt.

In München arbeitete ich zunächst ein bisschen im Hotel: Terminvorbereitung für morgen; ein Rest war noch zu tun. Ich ruhte etwas. Danach fuhr ich in die Innenstadt zum Odeansplatz und ging von dort über den Viktualienmarkt ins Glockenbachviertel.

Dort traf ich auf den Alten Südlichen Friedhof.

Allee mit Bäumen, links und rechts große Grabsteine

Er entstand im 16. Jahrhundert, damals außerhalb der Stadttore, als Pestfriedhof. Im 19. Jahrhundert war er einige Zeit lang der einzige Münchener Friedhof. Deshalb gibt es dort einige prominente Namen, darunter den Maler und Apotheker Carl Spitzweg und die Brauerei-Ikone Joseph Pschorr (Hacker Pschorr).

Grab der Familie Pschorr

Die letzten Bestattungen auf dem Südfriedhof fanden 1944 statt. Das ganze Areal steht nu unter Denkmalschutz.

Grabsteine, Bäume, Farne, Lens Flares

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HD | Die eineinhalb Tage zuvor verbrachte ich in Heidelberg, Besuch bei der Turnschwester. Ankunft am Sonntagabend, Absacker auf dem Balkon mit Blick auf Ziegelhausen.

Mond, darunter Häuser in der Dämmerung in hügeliger Landschaft

Am gestrigen Montag zunächst Arbeit bis zum Nachmittag, danach der traditionelle Gang vom Köpfel über den bewaldeten Neckarhang und den Philosophenweg hinunter nach Heidelberg.

Blick durch Wald auf Heidelberg im Neckartal
Blick in Baumkronen, durch die Sonne scheint

Unten in der Altstadt: ein leichtes Getränk, danach ein indisches Essen mit der Turnschwester.

Fein.

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Dortmund bewirbt sich als iCapital 2019, als Europäische Innovationshauptstadt.

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Gelesen und angeguckt | Ein Multimedia-Stück der Hessenschau: Wie stressig ist pendeln?

Gelesen | Frauen bekommen weniger Geld von Investoren, wenn sie gründen. Ihre Ideen werden unterschätzt, abgetan, sie werden eher als unerfahren und ungeeignet eingestuft.

Während junge Frauen von den Investoren oft als unerfahren eingestuft wurden, galten junge Männer als erfolgshungrig und aufstrebend. Vorsicht wiederum wurde bei Gründerinnen als hemmende Angst ausgelegt, bei Männern dagegen als wünschenswerte Besonnenheit.

Angehört | Podcaster Malik spricht fast vier Stunden lang mit Patricia Cammarata (dasnuf.de) übers Bücherschreiben, über Kinder und Medien, über Geburten, über Männer und Frauen und über das Leben.

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Ausblick | Morgen noch ein Tag in München. Am Donnerstag Weiterfahrt. Lassen Sie sich überraschen.

Donnerstag, 11. Juli

12. 07. 2019  •  10 Kommentare

Verknautschung | Letztens habe ich festgestellt, dass ich auf Fotos zunehmend älter aussehe.

Früher, zu Zeiten der Analog-Fotografie, als man nur alle Jubeljahre Bilder machte, haben Menschen den eigenen optischen Verfall wahrscheinlich nicht mitgekriegt; da kam lediglich irgendwann der Tag, an dem man plötzlich alt war – nach dem 80sten Geburtstag von Onkel Erich, auf dem die Familie nach langer Zeit mal wieder Fotos knipste, die sie Monate später, nachdem der Film voll war, entwickelt hat. Auf diese Fotos schaute man dann, nachdem man sich jahrelang nicht durch die Augen Dritter gesehen hatte, und dachte: “Himmelherrgott, was ist mit mir passiert?”

Ich werde irgendwie knautschig und knittrig, genauer kann ich das nicht beschreiben.

Letztens saß ich dabei, als zwei mir bekannte Frauen sich übers Liften unterhielten. Sie griffen sich an den Kiefer, schoben die Haut ihrer Wangen hoch und sagten: Hier, genau hier, müsse dringend etwas gemacht werden. Mir war bis anhin nicht aufgefallen, dass dort Bedarf besteht, ich sah mir die Wangen genau an und entdeckte nichts. Aber wenn sie es sagen, wird es wohl stimmen.

Bei mir müsste man Einiges tun: sowohl Einiges anheben als auch Einiges absaugen. Wenn es abgesaugt wäre, müsste man das Verbleibende zusammenraffen, und weil Gerafftes Falten wirft, müsste man danach mit einem Glätteisen drübergehen. Nachdem man mit dem Glätteisen drüber war, müsste man ein Serum hineinspritzen, damit es nicht sofort wieder knittert – und wer weiß, was danach nötig wäre. Eins zöge das andere nach sich, das wäre ein Fass ohne Boden. Ich habe schonmal eine 40 Jahre alte Wohnung saniert – da offenbarte jeder Handgriff weitere Handgriffe: Unter der Tapete war nochmal eine Tapete und nochmal eine Tapete und als die Tapete schließlich weg war, fiel der Putz ab. Am Ende war die ganze Bude entkernt; Heimwerker kennen das. So stelle ich mir das mit dem Liften vor. Also lasse ich das lieber, denn ich bezweifle, dass ich abgesaugt, angehoben, gerafft, geglättet und gespritzt glücklicher bin. Glück ist ja eher eine Sache des Innendrinn als des Außenrum; das steckt im Fundament, nicht in der Tapete.

Ich bin trotz fortschreitenden äußeren Verfalls weiterhin neugierig, werde sogar immer neugieriger. Je mehr ich sehe und lerne, desto mehr weiß ich, was ich nicht weiß. Ständig höre ich irgendwo etwas, lese mich dann ein, fahre irgendwo hin, jemand erzählt mir Sachen, und ich denke: Spannend, darüber musst du mehr erfahren. Gleichzeitig finde ich es wundervoll, schon das ein oder andere erlebt zu haben. Das lässt mich mit Gelassenheit auf Ereignisse blicken. Es ist sehr erfreulich, Dinge souverän einordnen zu können. Die schwankenden Aufregungskurven meiner 20er- und 30er-Jahre, diese grotesken Ausschläge auf der inneren Dramatikskala fehlen mir überhaupt nicht. “Ach ja, das hatten wir schonmal”, denke ich jetzt, ducke mich, lasse den Sturm über mich hinwegziehen, und schon ist wieder Sonnenschein.

Auch Menschen finde ich zunehmend spannend, fand ich immer schon spannend; aber jetzt, wo ich mehr und mehr in mir ruhe, kann ich viel besser Leute aushalten, die mich früher in Rage brachten. Das ermöglicht ganz neue Austausche.

Während also das Außen zunehmend verknautscht, wird das Innere immer aufgeräumter. Das gefällt mir; lieber so als umgekehrt.

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Broterwerb | Den Tag verbrachte ich im Home Office. Die Fahrt zum Kunden ersparte ich mir: Dort waren am heutigen Tage viele Ansprechpartner nicht da – was zu tun war, erledigte ich von daheim, per Telefon und Chat und GoTo-Meeting. Die moderne Technik macht ja vieles möglich. Das finde ich immer noch großartig.

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Gelesen | Wenn Jawls Frau verreist, wird sie gefragt, ob sie für ihn vorkocht. Im Jahr 2019. Das ist skurril.

Gelesen | Frau Novemberregen berichtet, wie sie Abteilungen in fernen Ländern steuert, indem sie immer die gleiche Tabelle weiterleitet.

Schauen Sie übrigens auch mal bei Frau Joriste vorbei. Sie tagebuchbloggt seit einiger Zeit ebenfalls.

Mittwoch, 10. Juli

10. 07. 2019  •  4 Kommentare

Broterwerb | Mäßige Stausituation auf der Hinfahrt, nur auf dem Autobahnzubringer, kurz vor der Baustelle und auf dem Autobahnwegbringer. Also das Übliche und nicht erwähnenswert.

Ich habe den “Alles gesagt?”-Podcast mit Jutta Allmendinger gehört. Der Beginn ist hölzern, auch Frau Allmendinger wirkt sperrig, es wird dann besser und sogar sehr launig – dranbleiben! Ich finde es weiterhin unpassend, dass in dem Format standardmäßig zwei baugleiche Männer interviewen; die ZEIT vergibt damit Chancen. Eine weibliche Fragestellerin oder zumindest eine Kombination aus unterschiedlicheren Männern (alt/jung, mit/ohne Migrationshintergrund etc.) würde dem Format gut tun. Frau Allmendinger hält den Herren ein paarmal den Spiegel vor.

Unerfreuliches Staugeschehen auf der Rückfahrt. Zubringer zur A1, auf der A1, Bundesstraße nach Hause – alles unschön. Ich weiß, ich weiß, ich bin Teil des Problems. Nur: Was machen? Auf meiner Route funktioniert kein ÖPNV (2 Stunden für die einfache Strecke), fürs Fahrrad ist es zu weit (50 Kilometer hin und 50 zurück), mit dem Auto dauert es sowohl morgens als auch abends zwischen 45 Minuten (fast nie) und eineinhalb Stunden (ziemlich oft). Das Auto ist also immer noch die beste aller Lösungen, wenn man Zug- und Busfahren nicht zum Selbstzweck betreiben möchte.

Der Allmendinger-Podcast ist fünf Stunden lang; ich habe in den vergangenen zwei Tagen, während ich herumstand, jede Minute gehört. Danach, passend zur Situation: Mobilitätsforscher Andreas Knie im Interview bei Jörg Thadeusz.

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Lesungsfazit | Am Abend war Circleabend mit gemeinsamer Manöverkritik zur Lesung vom Wochenende: Wir sind zufrieden. Die Rückmeldungen waren positiv. Von 96 angemeldeten Gästen sind 85 gekommen – das ist sensationell für eine Veranstaltung an einem sonnigen Sommerabend, bei der man nicht vorher bezahlen muss. Danke an alle, die da waren!

Gleichzeitig haben wir Verbesserungsvorschläge eingesammelt: mehr Einstieg, besserer Getränke-Service, Hintergrundmusik nach der Lesung und ein paar weitere, kleine Dinge. Es gibt immer etwas zu optimieren.

Wie viel wir an das Kinderkrebsprojekt Fruchtalarm spenden können, steht noch nicht fest: Wir warten noch auf die Rechnung der Location. Erst dann können wir eine abschließende Summe nennen. Wir haben auf jeden Fall Überschuss, den wir weitergeben können.

Fazit und Beschluss: Auch im nächsten Jahr soll es wieder eine Lesung geben.

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Gelesen | “Die sind nicht mal mehr bereit, von Hamburg nach Frankfurt am Main zu ziehen” – Ein Headhunter echauffiert sich, dass jüngere Generationen nicht mehr bis Mitternacht arbeiten wollen. Wie unverschämt aber auch.

Im wahren Leben erlebt die Generation ja oft Folgendes: Sie arbeitet für ein Unternehmen, engagiert sich, macht Überstunden, bringt Ideen ein, dann wird das Team aufgelöst, der befristete Vertrag endet sang- und klanglos – oder der Chef wechselt und will nichts mehr von vorherigen Vereinbarungen wissen: “Jetzt müssen Sie sich erstmal beweisen”. Als Frau darf man glücklich sein, nicht schwanger zu werden, denn dann ist die Perspektive eh im Eimer.

Wenn Wertschätzung, Bezahlung und die fachliche Herausforderung stimmen, wenn Job und Persönlichkeit gemeinsam betrachtet werden, habe ich nie Probleme mit dem Engagement von Leuten – egal welchen Alters. Mich alarmiert es, wenn Leute nur für ihren Job leben und keine Freizeit kennen; das bringt im Arbeitsumfeld meiner Erfahrung nach mehr Probleme mit sich, als es löst – auch bei Führungskräften.

Gelesen | Wieso die Flüchtlingssituation im Mittelmeer so kompliziert ist. Ich finde das gar nicht kompliziert: Man darf Menschen nicht ertrinken lassen. Was die privaten Seenotretter angeht, hat der Tagesspiegel einen differenzierten Kommentar.

Gelesen | The Gifts of Fatness. Es ist tatsächlich so: Körperfülle und die Reaktionen darauf lassen einen Charakterschweine leichter erkennen. In manchen Businesskontexten erledigt das bisweilen auch allein das Frausein.

Gelesen | Computerwissenschaftler Chris Boos über Digitalisierung in Deutschland: “Uns geht es viel zu gut”. Seiner These, dass ein gemeinsames Ziel für den Fortschritt braucht, schließe ich mich an. Er nennt das autonome Fahren. Ich würde das Ziel weiter fassen: eine Mobilität, die maximal angenehm und minimal zerstörerisch ist. Passend dazu: Wo Estland Deutschland abhängt.

Dienstag, 9. Juli

9. 07. 2019  •  Keine Kommentare

Broterwerb | Ein Tag beim Kunden. Anreise mit mittlerem Staugeschehen. Abreise mit mäßigem Staugeschehen. Beim Kunden selbst kein Stau, nicht einmal in der Kantine, wo es Gnocchi mit Zucchini und Kirschtomaten gab.

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Bilder | Die sonstigen Ereignisse waren überschaubar. Deshalb Fotos aus dem Garten:

Wiese, in der Mitte ein kreisrundes Stück nicht gemäht, am Rand gemäht.

Ich lasse einen Teil des Rasens wachsen. Er verdient seinen Namen ohnehin nicht. Das ist Wiese, wilde Wiese, Klee und anderes Zeug. Also kann ich es auch wachsen lassen. Das freut die Bienen.

Klee in der Wiese

Schon nach zwei Wochen tummeln sich ein Haufen Bienen und Erdhummeln in dem Stück Wiese. Mal sehen, was noch kommt und wächst.

Die Thorsten erröten derweil in kurzer Folge: 40 Grad im Gewächshaus, dazu regelmäßig ein großer Schluck Wasser – das gefällt.

Rote und grüne TOmaten im Gewächshaus

Die Hummeln behummeln nicht nur die Wiese, sondern auch den Lavendel. Bienen, große Hummeln, kleine Hummeln, Schmetterlinge – keine andere Pflanze erbringt eine größere Integrationsleistung.

Hummeln an Lavendel, Großaufnahme

Blick von der Terrasse:

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Coach Reflection Day | Heute kam der 2019er-Termin für den Coach Reflection Day raus: Freitag, 18. Oktober. Weil der letztjährige CoRe-Day super war, habe ich mich sofort angemeldet.

Montag, 8. Juli, und die Tage zuvor, beginnend mit einem Pokalfinale

8. 07. 2019  •  6 Kommentare

Freitag | Ein Sommerabend in Oberhausen. Tief stehende Sonne, rote Asche, ein Fußballplatz des Betriebssportskreisverbandes.

Die BSG Dellerheide zu Gast bei der BSG Holzmann. Vor der Umkleide werden Würstchen gegrillt. Zwanzig Minuten vor Anpfiff bauen die Spieler ein Tor auf. Zehn Minuten später das zweite. Niemand läuft sich warm. Warmlaufen steht in keiner guten Tradition. Wer vor Anpfiff läuft, verschießt sein Pulver schon, bevor es losgeht.

Was mir die Kalendergirls waren, ist für C die BSG Dellerheide. Altherrenfußball auf dem Ascheplatz. Sechs Männer auf dem Kleinfeld. Diese Saison: eine verlorene Meisterschaft. Am Freitagabend: die letzte Chance auf einen Titel – das Pokalfinale.

Um 19:45 Uhr Anpfiff.

Es staubt. Die Sonne steht tief. Hier wird noch volle Möhre gegen den Ball getreten; kein Streicheln, kein Lupfen, kein Schnibbeln. Es wird gebolzt, was das Hüftgelenk hergibt.

Zur Halbzeit steht es 3:0 für Dellerheide. Die gegnerischen Fans murmeln etwas von “einfach nur Bewegung tut auch gut”. Zum Abpfiff steht es 9:0. Pokalsieg.

Was hängen bleibt, ist Fußballweisheit: „Du kannz nich’ da spielen, wo andere stehen. Aber wenn’de da bis’, wo keiner is’, is’ da auch keiner.“

Der junge Andi Möller hätte es nicht schöner formuliert.

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Samstag | Lesungstag! Vormittags lege ich letzte Hand an die Texte und lese Probe. Am Nachmittag holen Moderatorin Steffi und ich Herrn Buddenbohm vom Bahnhof ab.

Die Sache wird durch den Umstand erschwert, dass Dortmund am Wochenende ein Pokémon-Hotspot ist. 100.000 Gäste sind in der Stadt. Überall laufen Menschen mit Smartphones herum, also: noch mehr Menschen mit noch mehr Smartphones, außerdem mit Rucksäcken, an denen Plüschfiguren baumeln. Zeugnisse des Wahnsinns finden sich auch in der Bahnhofshalle, Anonymisierung von mir.

Maximilian hat nur ein Hotelzimmer jottwehdeh gefunden, kurz vor Castrop-Rauxel, in einem Stadtteil namens Bövinghausen. Der war mir vorher noch nicht untergekommen; man lernt nie aus.

Im Gegensatz zu Hamburg ist es warm in Dortmund. Es hat 25 Grad – das sind locker 15 Grad weniger als eine Woche zuvor, als ich auf weichem Asphalt in Frankfurt stand. Aber es ist deutlich wärmer als in Hamburg, wo er losfuhr.

Wir fahren zur Stehbierhalle für örtliche Folklore, für eine Apfelschorle und ein Alkoholfreies.

Danach siedeln wir zum Lesungsort um, bauen auf, warten und posieren für dokumentarische Zwecke.

Maximilian Buddenbohm, Vanessa und Steffi

Es kommen allerlei Leute aus dem Internet. Das ist sehr wundervoll.

Ich habe mich jeden einzelnen gefreut, deshalb sollte ich niemanden hervorheben; aufgrund seiner zurückgelegten Entfernung tue ich es dennoch: Die Anwesenheit von Herrn Giardino (Twitter) hat mein Herz besonders berührt.

Bei Joriste kann man ein bisschen was über die Lesung lesen. Gegen 22 Uhr wurden wir Zwei als Letzte aus der Halle gefegt. Das war super.

Fotos gibt’s beim Dortmunder Ladies’ Circle auf Facebook.

Ein dickes Dankeschön nochmal an Maximilian, der extra aus Hamburg angereist ist – und an Moderatorin Stefanie Opitz, die gewohnt souverän durch den Abend führte.

Wer möchte, kann auf dem Buddenbohmschen Blog lesen, wie es am nächsten Morgen war, weit draußen, viertel vor Castrop-Rauxel.

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Sonntag | Den Sonntag verbringe ich inhäusig. Ich putze.

Vor einigen Wochen hat mich bedauerlicherweise meine Hausfee verlassen. Sie war die Erste ihrer Branche, die über eineinhalb Jahre hinweg konstant super war. Diese Qualität haben auch andere Menschen bemerkt, Menschen außerhalb der Branche; sie haben sie fest angestellt, in der Gastronomie. Deshalb putzt sie nicht mehr. Jetzt geht die Suche wieder von vorne los.

Bis ich jemanden Neues habe, muss ich selbst ran, habe allerdings wenig Zeit dazu. Deshalb fällt die Tätigkeit im Alltag ausgesprochen oberflächlich aus – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich einen totalen Putzwahn bekomme, weil der sich sammelnde Mikrodreck zu äußerst unangenehmem Makrodreck geworden ist und Dinge plötzlich fies werden.

Zudem habe ich vor einigen Tagen den Fehler gemacht und auf den Küchenschrank gefasst. Ich erinnere nicht mehr, warum ich dort oben herumtastete; jedenfalls fühlte es sich nach einer zweiten Welt an. Einer klebrige Welt. In den vergangenen Tagen musste ich viel an diese Welt denken; es ließ mir keine Ruhe.

Ich steige also auf eine Leiter, um die Welt genauer zu betrachten, und sehe, dass die Klebrigkeit auch Vorteile hat: Nicht nur ich, sondern auch Fruchtfliegen bleiben auf meinen Schränken haften; meine Küche ist eine riesige Fruchtfliegenfalle. Das ist nicht schlecht – unterm Strich aber kein Argument, um die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Also sauge und wische, räume und feudele ich, steige auf die Leiter und schrubbe alle Küchenschränke von oben – und wenn ich schonmal dabei bin, auch die Vitrinen im Wohnzimmer, und wenn ich schonmal im Wohnzimmer bin, sortierte ich dort Bücher aus, viele Bücher. Danach ordne ich den Rest des Regalbestands um; der steht nämlich plötzlich uninspiriert und unkoordiniert auf den Brettern. Als ich dann sehe, dass auch der Kleiderschrank eingestaubt ist – von innen -, sortiere ich Kleidung aus. So kommt eins zum Anderen, ich rödele sechs Stunden lang.

Anschließend ist Abend, ich setze mich aufs Sofa, baue einen Lego-Roboter auseinander, damit die Bonusjungs ihn wieder zusammenbauen können, sortiere Unterlagen, hefte sie ab, falte Wäsche und gehe ins Bett.

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Montag | Noch in der Welle des gestrigen Aktionismus arbeite ich heute zwölf Punkte meiner nie leer werdenden To-Do-Liste ab:

  • Ich schreibe ein Angebot für eine sehr schöne Aufgabe.
  • Ich erstelle die Fotodokumentation des Storytelling-Seminars.
  • Ich trage mich als Veranstalterin mit einem Vortrag bei der #diwodo, der Digitalen Woche Dortmund, ein.
  • Ich hake bei einem Kunden zu einem offenen Angebot nach.
  • Ich erledige meine Umsatzsteuervoranmeldung fürs zweite Quartal.
  • Ich frage einen Termin bei einer Finanzberatung für Frauen an – zwecks Beratung zur Altersvorsorge für Selbstständige.
  • Ich telefoniere mit einer ehemaligen Studentin, die meinen Rat sucht.
  • Ich fahre ins Fitnessstudio und turne.
  • Ich bringe die aussortierte Kleidung zur Caritas-Sammelstelle in den Norden der Stadt – nicht Bövinghausen, aber genauso jottwehde.
  • Ich mähe Rasen.
  • Ich repariere die Jalousie an der Terassentür.
  • Ich buche eine Unterkunft für einen Besuch bei Freunden. Alleine passte ich dort bislang immer aufs Gästebett; jetzt bin ich zu Viert, da geht das nicht mehr.

Letztens habe ich darüber nachgedacht, wie Menschen es schaffen, Netflix und Serien und all dieses Zeug, Tanz- und Gesangswettbewerbe und so weiter, im Fernsehen zu schauen. Ich kann es mir nicht erkären. Und ich habe noch nicht einmal Kinder.

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Gelesen | Der Narkosedoc schreibt etwas über den Abschied auf der Intensivstation.

Gelesen | Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat Gesprächsstrategien gegen Rechts.

Gelesen | Die Fußballspielerin Kathrin Längert antwortet auf Leserkommentare zum Frauenfußball.

Gelesen | Catharina Bruns kritisiert, wie die Gesetzgebung Selbstständigkeit und Scheinselbstständigkeit beurteilt.

Dienstag, 2. Juli

2. 07. 2019  •  2 Kommentare

Broterwerb | Zwei Tage Seminar im Haus Busch zur crossmedialen Planung und Konzeption von Geschichten.

Haus Busch, Herrenhaus

Die Leute kamen bunt gemischt aus der Privatwirtschaft, aus der Verwaltung und von Non-Profit-Organisationen, außerdem waren zwei Vertreter journalistischer Publikationen dabei. Ich habe verschiedene Methoden gezeigt, wie man Ideen für gute Geschichten findet – auch ohne selbst der kreativste Geist zu sein. Wir haben Kampagnen- und Inhalteplanung über verschiedene Kanäle gemacht, auf aktuelle Nutzungszahlen geguckt, es gab Games in Concert und allerlei Best-Practice-Beispiele.

Zum Glück hatte es sich von Sonntag auf Montag abgekühlt. Das machte das Arbeiten angenehm.

Grüße an die Blogleserin!

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Entwicklungen | Die Frau, die immer meine Gmail-Adresse benutzt, um sich irgendwo anzumelden, ist jetzt Mitglied in einem australischen Fitnessstudio. Bis anhin fuhr sie dort nur mit Uber rum. Es scheint, als plane sie, eine längere Zeit down under zu verbringen.

Auch in diesem Fall: Grüße!

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Gelesen | Anne-Kathrin Gerstlauer, ehemalige Studentin in meiner Lehrredaktion, über Personalpolitik beim Kölner Stadt-Anzeiger.

Gelesen | Kurzportrait der Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete. Beeindruckende Frau.

Angeguckt | Dayton, Ohio, war eine Vorzeigestadt der USA: boomende Wirtschaft, Wohlstand, Erfindergeist. Jetzt liegt die Stadt im Rust Belt am Boden. Eine ZDF-Doku über “Das vergessene Amerika”.



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