Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Tag Zwei auf La Gomera: Ein Rundgang

5. 01. 2020  •  4 Kommentare

Liegefortsetzung | Den Morgen brachte ich damit zu, noch einmal ausführlich den Liegeplatz “Hängematte” zu testen. Er kam gestern zu kurz, und ich möchte meine Sache gründlich machen.

Ich verbrachte den Vormittag also schaukelnd und lesend. Ich las “Das Geburtstagsfest” von Judith W. Taschler zu Ende. Ein gutes Buch, prima runterzulesen, wenngleich kein leichtes Thema: Es geht um Kambodscha und die Roten Khmer, um Schuld und um Trauma, um Familiengeschichte und um die Frage, wie viel Schweigen das Miteinander verträgt. Das alles erzählt Judith Taschler mit einer handvoll Figuren, darunter Kim und Tevi, die als Kinder nach Österreich kamen, ohne Besitztümer, aber dennoch mit einem großen Rucksack.

Ich unterbrach zuweilen mein Lesen, um die Wolken zu beobachten. Sie kamen übers Haus getrieben, sehr klein, sehr dünn. Einmal sah eine Wolke aus wie eine Ameise, mit sechs Beinen, die nach links und rechts auseinandertrieben und sich auflösten. Aus dem verbleibenden Ameisenkörper wurde eine Katze. Die Katze bekam erst ein Loch im Bauch, dann löste auch sie sich auf. Dasselbe geschah mit einem Drachen, einem Hund, dem Berliner Fernsehturm und anderen Wolken. Eine sah aus wie Donald Trump. Auch er löste sich auf. Es war beruhigend, der allgemeinen Auflösung zuzusehen.


Unterm Baldachin | Heute Nacht bin ich mehrmals aufgewacht, weil die Palmen so laut rauschten. Es hörte sich wie Regen an, doch es war kein Regen. Der Wind pfiff ums Haus, schüttelte die Palmwedel und das Pfeifen hörte sich mal wie ein Ozeandampfer, mal wie ein Teekessel an.

Bevor ich einschlief, verstand ich, warum ein Moskitonetz über dem Bett hängt. Die erste Mücke erwischte ich im Flug. Die zweite auf frischer Tat. Ihre Kumpels sirrten dennoch weiter an meinem Ohr, und so entfummelte ich das Moskitonetz, legte mich darunter, und schon war Ruhe.


Dorfcheck | Am Nachmittag des heutigen Tages fühlte ich mich bereit, die Umgebung mit einem Spaziergang zu erkunden. Ich ging einmal um den Berg.

Pfad hinauf, führt rechts um einen Felsen herum

Mein Reiseführer weiß über den Ort, in dem ich wohne:

Hier ist rein gar nichts los

Terrassenfelder stapeln sich zu Dutzenden Berg hinauf. […] Durch menschenleeres Gelände verläuft eine Piste von Tazo nach Alojera. Nach starken Regenfällen kommt es in diesem Gebiet manchmal zu Erdrutschen.

Dumont Reise-Taschenbuch La Gomera, S.147f.

Hier sind sie, die Terrassenfelder – der weiße Punkt oben rechts ist das Häuschen, in dem ich wohne:

Panoramaaufnahme von Terrassenfeldern, darüber blauer Himmel mit vereinzelten Wolken, in der Ferne das Meer

Das Internet weiß außerdem, dass es in diesem Gebiet 12.000 Palmen gibt. Sie werden dafür verwendet, Palmenhonig herzustellen.

Ich ging um den Berg, stieg zwischen den Häusern auf, traf wieder auf eine Piste, ging die Piste weiter, erreichte eine Anhöhe und stieg wieder hinab, bis ich zurück an meinem Häuschen war.

Auf dem Wege entdeckte ich, dass direkt in meiner Nachbarschaft eine Irin “Wholistic Healing” betreibt. Ich ging näher an das Schild heran und las, dass es sich um eine Massage handelt, die alles löst: Muskeln und Gedanken und Seele, und ich finde, dass sich das ganz gut anhört.

Straße mit Palmen, daneben ein selbst gemaltes Schild "Wholistic Healing". Daneben ein weiteres Schild: "Playa".

Dem Schild zum Playa werde ich demnächst auch folgen, irgendwann. Ich möchte nichts überstürzen.

Tag Eins auf La Gomera und eine etwas längere Anreise

4. 01. 2020  •  8 Kommentare

DUS – TFS – La Gomera | Mit dem Januar beginnt meine Auszeit. Ich werde den Monat fast vollständig auf La Gomera verbringen, um zu lesen, zu wandern, zu schreiben und in die Gegend zu gucken.

Die Anreise nach La Gomera dauerte 13 Stunden. Erst fuhr mich eine Freundin zum Bahnhof. Vom Bahnhof aus fuhr mich die Deutsche Bahn zum Flughafen. Am Flughafen stieg ich in ein Flugzeug.

Flugzeug im Regen, aus dem Bus fotografiert. Davor ein Mann in neongelber Jacke.

Beim Einsteigen ins Flugzeug waren viele Menschen sehr schlecht gelaunt, weil sie sich untereinander im Weg standen und es ihnen nicht schnell genug ging.

Mit dem Flugzeug flog ich nach Teneriffa.

Auf Teneriffa fuhr mich ein Taxifahrer zum Hafen. Am Hafen musste ich drei Stunden warten, denn die Fähre legte erst um 19 Uhr am Abend ab. Ich ging zum Strand. Das machte das Warten schöner.

Strand, Palmen

Ich aß Tapas, beguckte die Menschen, las in meinem Buch und ließ mich von der Sonne bescheinen. Am Abend bestieg ich die Fähre nach La Gomera.

Seite eine Fähre, Aufschrift "RED.OLSEN". Dahinter ein weiteres Schiff.

Ich stand oben an Deck, Musik dudelte, Autos fuhren unter mir aufs Schiff. Lkws bugsierten sich rückwärts auf verschiedene Spuren des Autodecks.

Von der Fähre aus sah ich den Hafen von Los Cristianos. Mein Aioli-schwangerer Atem trieb Mücken in die Ohnmacht.

Hafen im letzten Licht. Beleuchtete Häuse, Laternen auf dem Kai.

Angekommen auf La Gomera, zerrte ich meinen Koffer zum Hotel in San Sebastián, nahm die Zimmerkarte in Empfang, kaufte mir noch ein Brot und ein Getränk, setzte mich aufs Zimmer und schlief ermattet ein, während Andere über Verbrechen talkten.


Tag Eins auf La Gomera | Heute Morgen weckte mich der Wecker, denn ich wollte pünktlich den Mietwagen abholen. Ich war noch fürchterlich müde, aber die Welt war bunt und sonnig.

Blick auf einem Fenster auf bunte Häuser an einem Berghang. Die Sonne scheint.

Ich frühstückte, checkte aus, zerrte meinen Koffer zurück zum Hafen und übernahm dort den Mietwagen.

Weil ich in den Bergen wohne, dreißig Minuten vom nächsten Supermarkt entfernt und auch sonst von nur wenig Zivilisation umgeben, kaufte ich in San Sebastián erstmal einen Kofferraum voll ein: Wasser, Milch, Saft, Brot, Butter, Müsli, Obst, Gemüse, Nudeln und all das Zeug, was man für eine Lebensmittel-Erstausstattung braucht. Allerdings benötigte ich zwei Runden durch enge Gassen, um zu erkunden, wo denn der ausgeschilderte Supermarkt ist. Von außen war das nämlich nicht erkennbar: Er ist nur durch eine Passage erreichbar, es gibt auch keinen Outdoor-Parkplatz, der Hinweise geben könnte, lediglich eine Tiefgarage, deren Einfahrt sich Camouflage-artig ins Straßenbild einfügt. Die Tiefgarage ist die engste Tiefgarage Spaniens, dessen bin ich mir sicher. Ich war heidenfroh, nur einen Corsa zu fahren. Ein- und Ausparken gelang in – ich übertreibe nicht – zwölf Zügen. Zwischendurch war ich sicher, für den Rest meines Lebens zwischen einem Pfeiler und einem Renault verweilen zu müssen. Die Servolenkung beantragte noch bei der Ausfahrt ein Sabbatical.

Danach verließ ich San Sebstián. Blick auf die Hauptstadt der Insel, im Hintergrund Teneriffa:

Blick von einem Aussichtspunkt in die Weite: karge Berge, eine Stadt am Meer, im Hintergrund die Insel Teneriffa.

Rund eine Stunde fuhr ich in Kurven über die Insel, überholte Radsportler, wurde von Einheimischen überholt, fuhr durch Nebelwald und durch Vulkangestein, bis ich nach Epína kam. Dort bog ich auf einen breiten, rumpeligen Feldweg ab. Für die sechs Kilometer zum Ziel brauchte ich fast eine halbe Stunde, so holprig, ausgewaschen und uneben war die Straße. Dafür, liebe Leute, gibt es SUVs. Und nur dafür.

Dann kam ich an dem kleinen Studio in den Bergen an. Die Tür stand offen, ich ging durchs Tor auf die Terrasse. Nice, sagt man wohl.

Überdachte Terrasse, Blick auf Berge, dahinter das Meer, eine Hängematte baumelt im Sonnenschein.

Als ich gerade begonnen hatte auszuladen, kam die Vermieterin M, eine sehr schöne, ältere Dame. Sie wohnt direkt neben mir, wie in einem Reihenhaus, nur in viel kleiner.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit, die verschiedenen Möglichkeiten zu testen, wo man an diesem Ort zu liegen kommen kann. Die erste Möglichkeit ist das Bett:

Füße, dahinter eine Terrassentür, dahinter grüne Berge und Sonnenschein.

Die zweite Möglichkeit sind die Liegen vor dem Bett. Dort lag ich auch, habe aber kein Foto gemacht.

Die dritte Möglichkeit sind die Sonnenliegen neben dem Haus. Dort ist es am Nachmittag sehr schön, wenn die Sonne schon weiter im Westen steht.

Terrasse, Sonne, Blick aufs Meer

Die vierte Möglichkeit, zu liegen zu kommen, ist die Hängematte. Sie erwies sich als ausgesprochen gemütlich, zumal sie an ein Geländer grenzt, mit dem man sich Anschwung geben kann. Dort werde ich in den nächsten Tagen länger liegen.

Heute ging die Sonne unter, kaum hatte ich mich niedergelassen.

Händematte, im Hintergrund Sonnenuntergang

Abends kochte ich mir Nudeln. Dann begann ich zu bloggen. Das Internet hier ist vorhanden, aber nicht das schnellste. Videos abspielen geht manchmal, manchmal auch nicht. Fotos hochladen dauert.

Während ich diesen Beitrag schrieb, hörte ich Podcasts, darunter einen BR-Talk mit dem SAP-Personalchef Cawa Younosi, der als Teenager aus Afghanistan floh und mit nichts in Deutschland ankam. Beeindruckende Biografie und gute Ansichten.

Jahresende und Jahresanfang

1. 01. 2020  •  4 Kommentare

Jahresende | Gestern habe ich mich erneut angekleidet und bin Silvester feiern gegangen.

Wir haben uns Burger gebaut und haben Blokus gespielt. Das habe ich letztens von meiner Wunschliste geschenkt bekommen; ein großartiges Spiel. Es hat lediglich eine einzige Regel: “Lege alle Deine Plättchen ab, aber nur Ecke an Ecke.” Ich liebe es, wenn Spiele so einfach sind.

Außerdem schauten wir in die Zukunft. Im Knallbonbon war die Ziffer Drei. Außerdem habe ich die abgebildeten Dingsis gegossen.

Ziffer Drei aus Plastik, daneben undefinierbare Zinngussteile.

Um Mitternacht tranken wir Prickelndes, schwenkten Wunderkerzen und schauten versonnen aufs Feuerwerk.


Rückblick | Es hat in diesem Internet Tradition, einen Jahresendfragebogen auszufüllen. Dann mache ich das auch mal. Blick zurück ins Jahr 2019:

Wofür bist du dankbar?

Dass ich in den vergangenen drei Jahren nur zwei kleine Erkältungen hatte und ansonsten pumperlgesund bin. Dass meine Lieben ebenso gesund sind. Dass ich viele sehr tolle Menschen um mich habe. Für eine prima Scheidung. Dass ich lieben kann. Dass ich arbeiten darf, woran ich Freude habe. Dass ich damit Geld verdiene.

Was war im vergangenen Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

Mit Freunden zusammensein. Schwimmen. Im Garten sitzen und den Dompfaffen zugucken. Sex. Die Reihenfolge kann variieren.

Was war dein größter Fehler? 

Die Frage hört sich so anklagend an. Fehler sind dazu da, um gemacht zu werden und daraus zu lernen. Aber einen größten Fehler? Gibt’s nicht. Ich habe mir in der zweiten Jahreshälfte die Arbeit zu eng getaktet. Dass möchte ich im kommenden Jahr anders machen.

Wann warst du glücklich?

In sehr vielen Momenten. Wenn ich anderen Menschen etwas geben konnte. Im Beisammensein mit Freunden. Wenn Ideen funktioniert haben. Beim Schwimmen. Wenn ich etwas gelernt habe. Mit C und den Jungs. Wenn ich nach einem anstrengenden Tag im weichen Bett lag. Wenn die Sonne schien und ich frei hatte. Auf dem Schatöchen. Nach einem heißen Tag unter der Dusche. Bei Spaghettieis. Und in vielen anderen Situationen.

Was hat sich verändert?

Mehr Sicherheit.

Vorherrschendes Gefühl 2019?

Das krieg ich schon irgendwie hin.

Worauf bist du stolz?

Ich tue mich schwer damit, auf etwas stolz zu sein. Ich mache nichts Besonderes und kann nichts Besonderes. Wenn ich in etwas gut bin, ist das nur ein Ergebnis von … ja, was? Dem Mut, es einfach zu tun, Fokus, etwas Talent, etwas Fleiß, stetiger Verbesserung.

Vielleicht bin ich stolz darauf, dass ich irgendwie klarkomme. Denn mehr ist es ja nicht, das Leben: Man versucht, irgendwie klarzukommen und dabei glücklich zu sein.

Mit wem hättest du gern mehr Zeit verbracht?

Mit vielen Menschen. Ich habe sehr viel Zeit mit Arbeiten verbracht – und gefühlt noch mehr mit dem Pendeln zwischen Städten. Sie fehlte für Freunde, fürs kleine Partymädchen, fürs großen Patenkind, für vieles.

Haare länger oder kürzer?

Etwas kürzer, glaube ich. Ich halte das nicht nach.

Was hast du zum ersten Mal gemacht?

In Weimar gewesen. Mehrere hundert Meter durchgekrault. In Brandenburg gewesen. Die Methodik meiner Dissertation bei einem Kunden angewendet. Vor 80 Führungskräften gesprochen. Mit Lego-Serious-Play gearbeitet. Einen Buchfink gestreichelt. Und viele, viele andere Dinge.

Worauf hättest du gut verzichten können?

Mit der Arbeit am Anschlag und dazu Liebeskummer from hell. Wie eine Kerze, die an zwei Enden brennt. Ich konnte nur atmen. Und an manchen Tagen nicht einmal das. Drei Monate tieftraurig und dazu (und auch deswegen) unendlich erschöpft.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich. Aber mit neuer Brille.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Geschäftlich: mehr Einnahmen, höhere Beiträge, deutlich höhere Kosten. Privat habe ich mir Terrassenmöbel gekauft. Außerdem habe ich gut gelebt, gut gegessen, beim Einkaufen nicht auf den Preis geachtet. Das empfinde ich als großen Luxus.

Die teuerste Anschaffung?

Geschäftlich: iPad pro mit Apple Pen. Seither täglich im Einsatz. Außerdem ein iPhone XR. Privat: Schatöchen für mich und Andere, Kleidung.

Das beeindruckendste Buch?

“Tausend Zeilen Lügen” von Juan Moreno. Unglaublicher Spannungsbogen. Sehr pointiert. Auf vielen Ebenen lehrreich und aussagekräftig, nicht nur, was den Journalismus, sondern auch was unsere Gesellschaft betrifft. Insgesamt habe ich 2019 zu wenig gelesen.

Der beeindruckendste Film?

“Der Junge muss an die frische Luft”, das Portrait des jungen Hape Kerkeling.

Magst du dein Leben?

Ja. Sehr.

Mit welchen Sätzen lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

L’unica goia al mondo è cominciare.
È bello vivere perché vivere è cominciare,
sempre, ad ogni istante.
Quando manca questo senso
– prigione, malattia, abitudine, stupidità , –
si vorebbe morire.

– Cesare Pavese

Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen.
Es ist schön zu leben, weil Leben Anfangen ist,
immer, in jedem Augenblick.
Wenn dieser Sinn fehlt
– Gefängnis, Krankheit, Gewohnheit, Dummheit -,
möchte man sterben.

– Cesare Pavese


Bilder geguckt | Herr Giardino war neujahrsspazieren.

Gelesen | Warum Obdachlose nicht in Notunterkünfte gehen

Gelesen | Kerstin Hoffmann und ihr Mann Ulrich Heister setzen sich regelmäßig zusammen und machen als Paar eine Vision von ihrem gemeinsamen Leben. Was es damit auf sich hat und wozu das gut ist.

Weihnachtliches Saunieren, leichte Verwahrlosung und hemmungsloser Müßiggang

29. 12. 2019  •  8 Kommentare

Dolce far niente | Am 20. Dezember habe ich den Wecker ausgestellt. Seither wache ich auf, wenn ich aufwache, und inzwischen, nach mehr als einer Woche, steuere ich mehr und mehr auf eine leichte Verwahrlosung zu. Nur Sozialkontakte ermutigen mich, mich anzukleiden und das magische Dreieck zwischen Bett, Sofa und Kühlschrank zu verlassen. Ich sah Sissi und eine Dokumentation über die neue Seidenstraße, las ein Buch, hörte Musik, pflegte aber im Wesentlichen die Kunst des Nickerchens. Man soll nicht meinen, dass es nach elf Stunden Nachtschlaf noch möglich ist, tagsüber ein Auge zuzutun. Es bedarf jedoch nicht einmal großer Anstrengung. Es passiert einfach.


Heiligabend | Ein Grund, mich anzukleiden, war Heiligabend. Ich schaffte es, ein Mahl zuzubereiten. Es gab traditionell Fondue.

Gedeckter Tisch mit Kerzen. Darauf Tomate-Mozzarella, ein Fonduetopf, Gurkensalat und Fleisch.

Zuvor hatte ich Fenster geputzt, bei Regen und Sturm. Wenn es mich packt, dann packt es mich. Dann darf ich es nicht aufschieben, dann muss ich die Fenster putzen, jetzt und hier, denn das nächste Packen wird erst in vielen Monaten über mich kommen.

Es stellte sich überdies heraus, dass es durchaus praktisch ist, bei Regen Fenster zu putzen. Denn die Fenster sind bereits nass, ich musste die Nässe nur gut verteilen, mit Spüli mischen und abziehen. Danach war alles sauber. Nur der Wind war hinderlich, aber irgendwas ist ja immer. Das Ergebnis ist jedenfalls zufriedenstellend, auch nach Betrachtung am nächsten Morgen. Lassen Sie sich also nichts einreden, was Fensterputzbedingungen angeht.


Erster Weihnachtstag | Am ersten Weihnachtstag kleidete ich mich ebenfalls an. Diesmal, um spazieren zu gehen. Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem ich Spaziergänge mache, schlendernd, mit taxierendem Blick. Nur die Hände habe ich noch nicht hinter dem Rücken verschränkt – das mindert meine Spaziergeh-Credibility natürlich. Doch es ist unpraktisch, die Hände zu verschränken. Man verliert so schnell das Gleichgewicht.

Ich betrachtete den Strukturwandel in meinem Kiez, die weißen Kästen, frisch gebaut, und die bunten Arbeiterhäuser, abblätternd oder neu angestrichen, dazu Schilf und Graffiti, Baustellen und BVB. Die Trinkhalle ums Eck hatte geschlossen. Der Wind pfiff.


Zweiter Weihnachtstag | Einen weiteren Tag später, es war der zweite Weihnachtstag, beschloss ich, mich nur zwecks Anfahrt anzukleiden. Ich verbrachte den Tag saunierend, schwitzend, schlafend, lesend, schwitzend, schlafend, essend, schwitzend.

Bis tief in den Abend hinein war ich im Aqualand und erlebte Aufgüsse des Todes, Colonia Super Spezial mit vier Durchgängen. Gestandene Männer stiegen mit zusammengekniffenen Augen und aufgeblasenen Backen vom Holz und atmeten erst aus, als sie draußen im Dunst standen. In Schwaden stieg die Hitze von ihren Körpern auf. Schnaufend übergossen sie sich mit Kälte, prusteten wie Walrösser und strichen sich in großen Bewegungen die Nässe von den Bäuchen.

Rundes Gebäude mit bunter Fassade, davor Lichterketten, Beschriftung "Aqualand"

Sitzen blieben nur die Russen. Breitbeinig saßen sie auf den obersten Bänken, Filzhüte auf den Köpfen. Goldketten schwer wie Schiffsschrauben schmiegten sich ins Brusthaar; die Schnauzbärte borstig und dicht wie Baumarktschrubber. Wenn der Saunameister seine Fahne schwenkte und die feuchte Hitze gegen die Körper schlug, hoben sie ihre Arme, segnend wie der Pfarrer in der Christmette, die Augen geschlossen, das Kinn gehoben, der Schweiß troff von ihren Achseln. Zwischen den Aufgüssen legten sie die Hände in den geöffneten Schritt und warteten auf die nächste Runde.

Am Abend dröhnte dazu Musik aus den Boxen. Luis Fonsi schrie “Espacito!” in die Menge nackter Leiber, es gab Aufguss mit Slibowitz, die Russen klatschten und schunkelten, die Bänke bebten. Wenn es nach ihnen ging, könnte es acht, zehn und mehr Durchgänge geben.


Zwischen den Jahren | Am Samstag kleidete ich mich an, um den Kochstammtisch zu besuchen. Freunde hatten eingeladen. Es gab Reibeplätzchen mit Zwiebeläpfeln, Lammkeule mit Möhren und Buchweizen und zum Nachtisch ein Schoko-Kirsch-Küchlein mit Portweineis. Erst um 2:30 Uhr war ich wieder daheim. Man hält erstaunlich lange durch, wenn man tagsüber ausgiebig Nickerchen macht.

Anwesende Kinder beschäftigten sich undigital mit Webrahmen und Bügelperlen, die niemand bügeln musste. Stattdessen half Wasser. Es war friedlich und schön und lecker.


Gelesen | Charly Kühnast hat zusammengeschrieben, welche Geschichte der Ausdruck “Zwischen den Jahren” hat.

Gelesen | Gebt den Kindern einen Grund zum Lernen. Einblick in die Unterrichtsstrategien in Neuseeland.

Weihnachtsbereit

23. 12. 2019  •  3 Kommentare

Oh du fröhliche | Ich habe Josef gefixed. Bin jetzt weihnachtsbereit.

Josef-Figur, daneben Sekundenkleber

Letzter Arbeitstag | Um 8 Uhr erwacht. “Wenn ich schon wach bin, kann ich auch einkaufen fahren”, dachte ich mir. Und fuhr einkaufen. Das war sehr schlau. Denn nach mir brach das Inferno los.

Auf dem Heimweg fuhr ich erst hinter dem Bus her. Dann hinter dem Müllwagen. Den Müllwagen konnte ich nicht überholen – Straße zu eng, zu viele parkende Autos. Die Leute hinter mir hupten, setzten zum Überholen an, stellten dann fest, dass sie nicht überholen können, kamen dann nicht mehr vor und nicht zurück. Auf der Gegenfahrbahn: ebenfalls Versuche, sich vorbeizuquetschen, über den Bürgersteig zu fahren, alles scheiterte. Die Müllmänner wuchteten derweil mit beeindruckender Dynamik Tonnen über die Gehwege. Ich summte “Last Christmas”.

Unglaublich, wie unentspannt die Menschen waren. Alle verrückt.

Einkaufskorb mit Limo, 11 Freunde, Burata, Blumenkohl, im Hintergrund Orangen.

Daheim großes Auspacken. Anschließend ausgiebiges Frühstück.

Danach arbeitete ich die letzten Dinge weg, schrieb Rechnungen, füllte Leistungsnachweise aus, buchte Belege, tätigte Überweisungen, sortierte Papier aus, schredderte es, brachte es fort, legte Kundenordner an, sortierte die Inhalte, buchte Belege, heftete Zeug ab und bedruckte Umschläge für meine Neujahrskarten.

Weihnachtsstern, Nikolausfigur, bedruckte Umschläge

Dann war 18 Uhr.

Feierabend. Licht aus. Weihnachten.

Mit Schwung und Schwein

22. 12. 2019  •  2 Kommentare

Zeit des Beisammenseins | Es begab sich dieser Tage, dass ich ins Jahr 1985 zurückreiste, auf eine Kegelbahn im Keller einer Dortmunder Eckkneipe.

Wir kegelten munter und talentfrei, sogar zwei Tannenbäume. Nur alle Neune gelangen uns nicht, egal wie wir es anstellten.

Tags darauf war ich erneut gesellig – in einem Garten in Oberhausen. Die Adventszeit ist ja die Zeit des Beisammen. “Sehen wir uns vor Weihnachten noch?”, wird ab Ende Oktober gefragt. Was sich einrichten lässt, wird eingerichtet; Terminsuche Wochen im Voraus, damit wir im Dezember doch noch zusammenkommen, im Jahresendspurt, erschöpft und bereit, sich mit allem zu betrinken, was gereicht wird.

Wir grillten, tranken Apfelpunsch, alkoholfrei wegen der Autofahrerei, und besprachen das Jahr in beide Richtungen, in die Vergangenheit und ins Voraus.

Wiederum tags darauf – oder nein, zwei Tage darauf, war ich zum dritten Mal in einer Woche gesellig. Ich erschrottwichtelte eine wadenhohe Blecheule.

Das Schrottwichteln folgt einer Tradition, der wir seit mehreren Jahren pflichtbewusst nachkommen. Teil dieser Tradition sind eine Viererpackung BVB-Weihnachtskugeln – ein Klassiker, der Jahr um Jahr treu wieder eingebracht wird. Doch diesmal die Wende: Bedingt durch neue Teilnehmer haben die Kugeln nun endlich, nach Jahren des Vagabundenlebens, ein Zuhause bei Menschen gefunden, die sie lieben. In 2020 werden wir sie nicht wiedersehen. Ein Moment der Rührung.

Am späteren Abend tauschte ich die Eule gegen eine Zipfelmütze. Einen weißen Porzellanhahn integrierten wir in die Dekoration des italienischen Restaurants. Er passte sich wunderbar in ein Ensemble aus Weinflaschen und Weihnachtsengeln ein. Das wird frühestens im Januar jemandem auffallen.

Den heutigen Tag verbrachte ich auf dem Sofa, ausgenommen einer kurzen Episode, in der ich sonntagsspazierte – einmal um den See.

Blick über Schilf auf den See, dahinter weiße Gebäude

Rohrfrei | Ich würde gerne Geistreicheres verbloggen, irgendwas, was die Menschheit weiterbringt. Szenen, die das Ruhrgebiet malt. Weisheiten, die das Leben schreibt. Wissenswertes, das fehlt.

Doch mein Hirn ist verstopft wie ein Duschabfluss. Die Haare des Jahres hängen in den Löchern, Shampooreste verkleben sie zu einem fettigen Knäuel. Das Wasser staut sich in der Duschtasse und macht Ränder auf die Keramik.

Gut, dass bald Urlaub ist. Rohrreiniger für Hirn und Seele.


Elternabend und Sex | Beim jawl las ich vom Hashtag #elternabendundsex. Darunter sammeln sich Sätze, die sowohl auf einen Elternabend als auch auf Sex zutreffen. Das ist wirklich ganz, ganz pubertärer Humor; das sollten Sie auf keinen Fall lesen.

https://twitter.com/quotes_bundy/status/1207925673488211968

Mehr Wortbeiträge drüben auf Twitter.


Kurz vor Licht aus | Morgen noch ein Arbeitstag mit Buchhaltung. Leistungsnachweise ausfüllen, Rechnungen schreiben, Überweisungen tätigen, Umschläge für die Neujahrskarten bedrucken und neue Kundenordner erstellen.

Danach schreibe ich noch ein paar Tage lang Neujahrskarten. Dann mache ich das Licht aus und erst im Februar wieder an.

T minus 4

17. 12. 2019  •  3 Kommentare

Dritter Advent | Am Samstag habe ich all meine Kraft, meine Geduld und meinen Gleichmut zusammengerafft und bin in die Innenstadt gefahren. Zielobjekte: Wanderhose, Wanderweste, Weihnachtsgeschenke. Und Waffel.

Anschließend fast pünktliches Eintreffen zum Fußballgucken. Viernull. Erfolg auf ganzer Linie.


Am See | Vollmond über “Wurst mit Soße”.


T -4 | Das Leben geht stramm auf Weihnachten zu – und damit stramm auf Urlaub und Auszeit und Müßiggang und eine Zeit ohne Wecker. Das wird großartig. T -4 Tage.

Bis verbringe ich noch Zeit mit einem Kunden, werde weihnachtskegeln und lange nicht getroffene Menschen sehen. Fühle mich bereits ansatzweise entspannt.

Morgenröte und Kundenstimmen

11. 12. 2019  •  Keine Kommentare

S26 nach Teltow | Heute Morgen gab’s einen Himmel in Sonderedition:

Foto aus der S-Bahn heraus auf Morgenröte

Warum das so leer ist? Weil in Lichterfelde-Ost alle Berufschüler ausstiegen und außer mir niemand nach Teltow weiterfahren wollte. Ich hatte kurzfristig Sorge, im Betriebshof abgestellt zu werden. Dann entdeckte ich noch einen Mitreisenden.


Kundenstimmen | Ich habe einige meiner Kunden gefragt, ob sie mir eine Referenz für meine Website geben und mir etwas zu unserer Zusammenarbeit sagen mögen. Das haben sie mit Freude getan. Hier ist das Ergebnis.

Ich habe außerdem meine Terminseite aktualisiert, auch wenn für 2020 noch nicht viele Seminar-, Vortrags- oder Weiterbildungstermine draufstehen. Aber meine Auszeit steht drauf (yay!).


Gönnung | Auf dem Weg heim habe ich heute einen großartigen, kleinen Laden hier in Friedrichshain entdeckt, und ich bin ein bisschen eskaliert. Jedenfalls habe ich jetzt einen traumhaft weichen neuen Hoodie, eine neue Kette, neue Ohrstecker und Socken mit Einhörnern, die ich sehr ernsthaft auf Geschäftsterminen tragen werde.


Oaaar, ey | Wie ich einmal auf Twitter in eine Massenmention geriet und nun seit Tagen Teil einer Konversation bin, die mich weniger interessiert als die Ventralzahnanzahl der gemeinen Sägegarnele. Wie ich in diesem Zusammenhang die Funktion “Unterhaltung stummschalten” kennen und schätzen lernte.


Umgetrunken | Sie sehen: den Holzmarkt am Ostbahnhof in Berlin.

Was Sie nicht sehen, sind Menschen. Weil der Holzmarkt leider nur am Wochenende geöffnet hat. Schade. Das sah nämlich richtig toll aus dort.

Wir mussten also woanders unseren Adventsumtrunk machen. War auch schön.


Angeguckt und runtergescrollt | The Deep Sea. Wo sind in welcher Tiefe welche Tiere und wie sehen sie aus? Spoiler: Es geht ganz schön tief runter.

Gelesen | In Finnland dominieren nun junge Frauen die Politik. Das Parlament hat Sozialdemokratin Sanna Marin zur neuen Ministerpräsidentin gewählt. Die Mehrzahl der Ministerien wird von Frauen geleitet. Die Politikwissenschaftlerin Elina Penttinen sagt: “Was jetzt passiert, ist einfach gerecht.”

Gelesen | Was Deutschland von richtigen Fahrradstädten lernen kann: unter anderem leuchtende Radwege, schwebende Kreisel und kluge Ampeln.

Gelesen | Lovers in Auschwitz, Reunited 72 Years Later. He Had One Question. Ergreifend.

Verrückte Nahverkehrspreise, Sofasonntag, eine Keynote und ein Dank

9. 12. 2019  •  8 Kommentare

Broterwerb I | Am Freitag hielt ich eine Keynote. Titel: “Was Veränderung mit uns macht. Einsichten und Erkenntnisse aus drei Perspektiven”. Ich teilte meine Erfahrungen als Mitarbeiterin, Führungskraft und Beraterin und erzählte von den Dingen, die mir geholfen haben, Veränderung zu initiieren und Menschen zu verstehen, die mit Wandel konfrontiert sind.

Vanessa mit Headset (Selfie)

Das Feedback nach dem Vortrag war prima. Im Nachgang kamen auch noch total schöne Rückmeldungen per Mail. Das hat mich sehr gefreut.


Hoch die Hände! | Danach Wochenende. Eine Freundin kam nach Berlin. Weil sie vor 15 oder noch mehr Jahren zuletzt in Berlin war, machten wir Touri-Programm: Bundestag, Kanzleramt, Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal, Potsdamer-Platz und all das, dazwischen ein bisschen Bergmannkiez, Kaffee und Apfelstrudel und an den Abenden leichte alkoholische Getränke.

Die Hackeschen Höfe waren hübsch wie immer:

Innenhof, bunt und beleuchtet, mit einem Tannenbaum

… und sogar noch ein bisschen hübscher, weil doll dekoriert.

Innenhof mit viel, sogar sehr viel Weihnachtsdeko, vor allem Lichterketten und Weihnachtskugeln

Auf unserem Weg begegneten wir auch der tapfersten Dahlie Berlins: Irgendwo in Mitte trotzt sie dem Dezember und blüht, was das Zeug hält.

Blühende rosa Dahlie vor einer Reihe Mehrfamilienhäuser

Sofasonntag | Am Sonntag brachte ich die Freundin zum Bahnhof, sank danach ermattet aufs Sofa, klemmte mir eine Wärmflasche in den Rücken und schaute die Mediathek leer. Guter Film: Du bist dran – Beziehungsdrama mit Lars Eidinger und Ursina Lardi. Auch ganz guter Film, wenngleich deutlich flacher: Eine Klasse für sich – Hans Löw und Alwara Höfels machen ihr Abitur nach. Verliebt auf Island war so schlicht, dass ich zwischendrin eine Stunde einnickte und der Handlung danach dennoch nahtlos folgen konnte.

Abends war ich zum Adventsumtrunk in Kreuzberg eingeladen. Die ersten Kilometer ging ich zu Fuß. Blick auf den Ostbahnhof:

Nächtliches Berlin, Blick über Bahngleise in Richtung Fernsehturm

Doch mit der Zeit begann es zu nieseln. Ich stieg auf einen E-Roller und rollerte den Rest des Weges – und am Abend auch zurück. Das war sehr prima.

Dort war auch die Kundin vom Freitag. “Du musst kommen! Ich habe noch ein Geschenk für dich!” (Irgendwie bin ich irgendwann oft beim Du mit meinen Kund:innen).

Jedenfalls: Die Toffifee-Sache wird zu einem Selbstläufer.

Im Bild auch: der Umtrunkspunsch, alkoholfrei. Dazu gab es auch sehr köstlichen weißen Glühwein.


Broterwerb II | Heute hatte ich in Teltow zu tun und musste schon früh dort sein. Deshalb stand ich um 05:20 Uhr auf und machte mich auf den Weg über Ostkreuz und Südkreuz raus nach Brandenburg.

Auf dem Hinweg stieg ich erstmal in die falsche Bahn, dachte an der Haltestelle Plänterwald: “Häh?”, und hatte am Baumschulenweg dann die Erleuchtung, dass das so nicht richtig sein konnte. Erfreulicherweise kam ich von dort aus ebenfalls zum Südkreuz – zwar mit Stellwerksstörung vor Tempelhof, aber was solls. Auf dem Rückweg dann Polizeieinsatz und wiederum ausfallende S-Bahnen. “Da kriegste heute ein sehr authentisches Bild”, meinte meine Begleitung.

Erstaunlich übrigens, dass eine Viererkarte von Berlin nach Teltow, also zweimal hin, zweimal zurück, nur 13,20 Euro kostet. Im Ruhrgebiet bezahle ich die Summe schon für einen einzelnen Hinweg – bei vergleichbarer Strecke. Als ich am Ticketautomaten stand, habe ich zunächst abgebrochen und andere Leute vorgelassen, weil ich dachte, das könne nicht sein. Ich sah im Handy nach. Aber der Preis war tatsächlich der Preis. Für vier Fahrten von je 30 Kilometern Länge! In ein anderes Bundesland! Verrückte (und tolle) Welt.

Auf dem Rückweg übermannte mich starke Müdigkeit, weshalb ich mir nur noch Schrippen kaufte und danach ins Appartment stiefelte. Am Abend der großartige Film Zeit des Erwachens – warme Empfehlung.


<3 | Danke an alle, die mir Appartmenttipps gegeben haben. Ihr seid super! Das wird mir im kommenden Jahr helfen.

Kill the Konferenzkekse, Berlin-Edition

5. 12. 2019  •  14 Kommentare

Broterwerb in Berlin | Gestern bin ich nach Berlin gereist.

Der Weg hat die Schwächen deutscher Infrastruktur aufgezeigt. Von meiner Wohnung zum Hauptbahnhof – also rund sechs bis sieben Kilometer – habe ich 50 Minuten gebraucht. Seit diese Baustelle oben an meiner Straße abgebaut ist, fährt der Bus dort nämlich nur alle 20 Minuten. Er kam dann noch zu spät, die Stadtbahn war auch strubbelig, und den ICE habe ich nur bekommen, weil er seinerseits Verspätung hatte. Beim Bäcker am Hauptbahnhof dieser 600.000-Seelen-Stadt herrschte blankes Chaos, als gleich mehrere auswärtige Reisende mit Karte zahlen wollten. Beim eintreffenden ICE fehlte dann Waggon 26, was während der Fahrt nach Berlin wiederholt eine Überreizung der Zusteigenden zur Folge hatte. WLAN ging auch nicht.

Das ist alles für sich genommen kein Drama. Ich bin gut ans Ziel gekommen, habe Musik gehört und war glücklich. Es offenbart aber doch sehr deutlich, wo der Entwicklungsstau ist.

In Berlin angekommen genoss ich zunächst ein ausgesprochen launiges und plauschiges Geschäftsessen bei einem Inder in Steglitz. Zum Schluss erhielt ich eine Einladung zu einem Adventsumtrunk am Sonntagabend. Was will man machen!

Danach Weiterfahrt nach Friedrichshain. Dort Bezug des gemieteten AirBnB-Appartments, dem man anmerkt, dass es nur zur Geldschneiderei da ist: Okaye IKEA-Einrichtung, aber eigentlich kümmert sich niemand – wackelnde Klinken, hängende Türen, das kekst mich maßlos an. Dazu lieblose Kommunikation ausschließlich auf Englisch und die tägliche (!) Ermahnung per Standard-Nachricht, ich solle mich bitte leise besaufen und nicht in den Hof aschen. Das war mein letzter AirBnB-Aufenthalt in Berlin; dieses Modell, das an anderen Orten gut funktioniert, ist in dieser Stadt offenbar krank.

Der im Inserat beworbene “stunning garden view”:

Zwei Orchideen auf einer Fensterbank, draußen ein wuchernder Rhododendron.

Nichtsdestotrotz: gute Gegend. Ich brauche eine neue Lösung, nicht in einem Hotel wohnen zu müssen, wenn ich länger in Berlin bin.

Heute Morgen um 8 ging ich über die Frankfurter Allee zum Kunden.

Bürgersteig auf der Frankfurter Allee, Blick nach Westen

Immer wieder beeindruckend, diese riesigen Arbeiterpaläste.

Der heutige Tag war prima und wurde von einem hervorragenden Catering begleitet (Barrista-Kaffee, aber was für welcher!). Ich überlege, eine neue Blogkategorie aufzumachen: Kill the Konferenzkekse. Nach der Toffifee-Freude in Frankfurt gab es heute nämlich eine Nougatkugel-Etagere.

Von oben fotografiert: bunte Kugeln in Silberpapier auf einer Etagere.

Mit solch liebevollen Kleinigkeiten holt man mich ja tief im Herzen ab.

Auf dem Rückweg schaufensterte ich an der aktuellen Sargmode vorbei. In der Hauptstadt segelt man stilecht über den Styx.

Abends sehr leckeres Sushi vom kleinen Imbiss nebenan. Holladiewaldfee, war das großartig. Das spielte in einer ganz anderen Liga als das Dortmunder Phoenixsee-Standard-Sushi. Das war unerwartet.

Sushi-Platte

Gedanken | Derweil ist eine weitere Anfrage für 2020 bei mir eingetrudelt. Sehr spannend! Von einer ebenso spannenden Persönlichkeit.

Das ist alles verrückt. Ich mache das, was im Angestelltenverhältnis niemand von mir hören wollte: Ich beobachte, wie Menschen handeln. Ich sehe Strukturen. Ich sage, was ich denke.

Okay, es kommt bei meinen Aufträgen schon noch weitere Leistung dazu. Aber verblüffend ist dennoch, dass das, was vorher niemand von mir hören wollte, was ich aber nicht aufhören konnte wahrzunehmen und woran ich deshalb verzweifelt bin, in einer anderen Arbeitsform Anklang findet.


Advent, Advent | Ein Lichtlein brennt.


Gelesen | Vielleicht werden sie sogar noch besser. Olli Fritsch über Borussia Mönchengladbach.

Gelesen | Einfach mal loslassen. Alle reden davon, man müsse loslassen: Sorgen, Liebeskummer, Kränkungen, Beziehungen. Warum festhalten auch nicht allzu schlecht ist.

Gehört | Seit wann wir für die Arbeit brennen. Ein 20-Minuten-Stück über die Geschichte von Arbeit und dem Gedanken der Selbstverwirklichung.



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