Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Klappernde Störche und sonst nichts Besonderes

24. 3. 2024 7 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Klappern | Die beiden Störche in der Nachbarschaft sind noch da und klappern und klappern. Sie klappern, wenn ich einschlafe. Sie klappern morgens. Sie klappern nachts. Als wir am Freitag spät nach Hause kamen, war es 0:36 Uhr, als wir im Bett lagen (ich weiß das so genau, weil ich auf den Radiowecker schaute): Die Störche klapperten.

In der Nachbarschafts-Whats-App-Gruppe wurden heute dann Bilder eines störchlichen Liebesaktes geteilt.

Der Storch ist übrigens ganz schön groß und hungrig, wenn er über den Garten fliegt. //*guckt zu den Meerschweinen


Gruß | Im Garten blüht die Magnolie. Auch die Wildtulpen blühen und haben sogar Bienenbesuch. Ein Gruß geht raus an Herrn Buddenbohm, den Zuschauer aus arktischen Regionen.

An den Bäumen am Straßenrand sehe ich es nun auch schon deutlich grünen. Im Dorf blühen die Kirschbäume.

Weiß blühender Baum unter blauem Himmel. Im Hintergrund ein Edeka-Schild.

Der Frühling kommt also, danach wird es Sommer werden. Der immer gleiche Kreislauf, wunderbar.


Motivation und Lebensalter | Berufsbedingt habe ich mich diese Woche intensiv mit Motivationspsychologie befasst – ein wirklich weites Feld mit vielen Modellen und Theorien. Motivation von Menschen ist eine komplexe Sache; es wirken viele Faktoren ineinander und miteinander – und dann kommt noch die Individualität des Einzelnen dazu. Im Training fragte mich der Kunde, ob sich Motivation mit Alter verändere. Ich hatte Erinnerungsfetzen im Kopf, aber Details musste ich nochmal nachlesen. Die Studienlage*:

  • Ältere Mitarbeiter:innen sind in der Regel motivierter. Die Forschung erklärt das mit Selektionsmechanismen: Man hat bereits vorher ausgewählt, Wechsel angestrebt, die Tätigkeit aktiv verändert, ist vielleicht in die aktive Altersteilzeit gewechselt.
  • Ältere Mitarbeiter:innen sind stärker intrinsisch motiviert – suchen interessante Herausforderungen, schätzen Teamarbeit und Autonomie in der Suche nach Lösungen; extrinsische Motivatoren wie Prestige, Titel und Status verlieren an Bedeutung.
  • Der Wunsch nach Generativität nimmt zu, also der Weitergabe von erworbenen Erfahrungen.
  • Generell nimmt die Wichtigkeit von Arbeitsbeziehungen mit dem Alter ab.

Meine Erfahrung ist ja, dass ältere Mitarbeiter:innen genauso viel (oder auch mal wenig) motiviert sind wie junge. Auch erlebe ich ältere Menschen ebenso veränderungsbereit wie jüngere; es kommt vielmehr auf die individuelle Biographie an: Wer wenig Veränderungserfahrung hat, ist eher skeptisch, egal wie alt oder jung er ist.

Gerade Menschen, die in ihren Leben schon Brüche und Krisen mitgemacht haben oder bei denen sich schlichtweg die Arbeitsanforderungen ein paarmal verändert haben, erlebe ich gelassen und konstruktiv, was Veränderungen angeht. Widerstände und Gegenargumente haben oft eine Berechtigung und speisen sich aus Erfahrungen der Vergangenheit.

*Kehr, Strasser, Paulus: Motivation und Volition im Beruf und am Arbeitsplatz; in Heckhausen/Heckhausen (Hrsg.): Motivation und Handeln, 2018


Leibesübung | Ansonsten passiert hier entweder nichts, die Dinge passen nicht hierhin oder sie wären zu kompliziert oder sind schlichtweg uninteressant. Eines kann ich noch berichten: Am Mittwochmorgen war ich Radfahren. Ich bin dreiunddreißig Kilometer durch Feld und Flur gefahren, einfach so. Es war warm, ich radelte erst in die Stadt, um einer Bekannten Vergessenes vorbeizubringen, und dann ins Nachbardorf zum Hof Hagedorn, um zu schauen, wie weit der Bau des Hofcafés gediehen ist. Vor dem Café parkte eine Autoparade, innendrin frühstückten Rentner und Menschen mit Kindern; das Café ist offenbar fertig. Dann fuhr ich durch den Wald Richtung Dülmen, eine schnurgerade, asphaltierte Straße parallel zur Autobahn – ich kam gut voran. In Dülmen betrachtete ich einen sehr gelungenen, neuen Spielplatz und fuhr dann wieder heim, über Wirtschaftsstraßen die Bahnstrecke entlang. Das war eine angenehme Ertüchtigung.


Viel gelesen, immer mal wieder zwischendurch. Blättern Sie durch oder springen Sie drüber.

Gelesen | Teresa Bücker schreibt in ihrem Newsletter über die gesunkene Geburtenrate. Bis zum Jahr 2000 enthielten die Ergebnisse der Geburtenstatistik nur Angaben für die Väter, welche zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet waren. Männliche Fertilität wird kaum untersucht. Eine Studie hat dies getan und festgestellt: In der Kohorte der 50-Jährigen sind heute mehr kinderlose Männer als kinderlose Frauen; wenn Männer Kinder zeugen, zeugen sie mitunter mit mehreren Frauen Kinder, während andere Männer gar keine Kinder zeugen.

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani bespricht die Studie in mehreren Posts auf Instagram. Kernaussagen:

  • Die Geburtenziffer sei in den 2010ern hauptsächlich aufgrund von Migration gestiegen – in Ostdeutschland auch ein ganz klein wenig, nachdem dort die Geburtenzahl nach der Wiedervereinigung eingebrochen sei.
  • Kinderlosigkeit sei kein neues Phänomen: Auch im 18. und 19. Jahrhundert seien zwanzig bis dreißig Prozent der Frauen kinderlos gewesen. Frauen, die Kinder bekamen, hatten hingegen durchschnittlich mehr als fünf Kinder.
  • Der eigentliche Geburtenrückgang habe sich in den 1960er Jahren vollzogen, als diejenigen Frauen, die Kinder bekommen, nicht mehr fünf bekamen, sondern nur noch ein bis zwei im Schnitt.
  • Die Zahl der kinderlosen Frauen sei seit langem konstant bei etwa 20 Prozent. Wenn wir also von Geburtenrückgang sprechen, dann von der Entscheidung von Müttern und Vätern gegen das (meist) zweite oder dritte Kind – etwa aus wirtschaftlichen Gründen, weil kein Wohnraum vorhanden ist, weil die Betreuungssituation unzureichend ist, weil die beruflichen Nachteile zu groß sind, weil die Beziehung instabil ist – oder anderes.

Kinderlosigkeit, so El-Mafaalani, werde zu Unrecht problematisiert:

Kinderlose Menschen sind heute nicht etwa ein Problem, sondern notwendig zum Erhalt der gesamten gesellschaftlichen Infrastruktur. Würde die Geburtenrate ab heute deutlich steigen, stünden wir vor dem Kollaps. Weil: Wir bräuchten umso mehr KITA- und Schulplätze (wir haben jetzt schon zu wenig). Mehr Mütter (und hoffentlich Väter) wären durch Elternschaft gebunden. Arbeitsmarkt und Sozialstaat stehen schon wegen der in den Ruhestand gehenden Baby Boomer unter extremen Druck. Ohne Kinderlose (und späte Eltern) würde z.B. das gesamte KITA- und Schulsystem zusammenbrechen. Das lässt sich auf andere Teile der Infrastruktur übertragen.

Aladin El-Mafaalani auf Instagram

Gelesen | Interview mit dem Sozialwissenschaftsprofessor Arthur C. Brooks über Glück, Freundschaften, Karriere und den eigenen Verfall [SZ, €]

Glück ist nicht die Folge von Erfolg, sondern die Voraussetzung. Nur wer glücklich ist, kann auch erfolgreich sein. Nicht umgekehrt.

Gelesen | Prophylaxe und Propaganda [SZ, €]. Ein Lesestück über Gernot Mörig, ein Düsseldorfer Zahnarzt, der im vergangenen November Rechtspopulisten und Rechtsextreme, Funktionäre der AfD und der Werteunion, mit Martin Sellner zusammenbrachte, dem ehemaligen Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich. Ein Blick in die Netzwerke rechtsnationaler, deutscher Gutverdiener.

Gelesen | Boeing: Absturz einer Ikone [SZ, €]. Management-Summary:

Allein in den vergangenen zehn Jahren hat Boeing Aktien im Wert von 40 Milliarden US-Dollar zurückgekauft, um damit den Kurs des Papiers zu stützen. Gleichzeitig hat der Konzern 22 Milliarden Dollar per Dividende an die Anteilseigner ausgeschüttet. Zum Vergleich: Ein neues Flugzeugmodell zu entwickeln, kostet rund 15 Milliarden Dollar. Das sagt viel aus über die Prioritäten der einstigen Industrieikone.

Gelesen | Datenanalyse: Diese Menschen wählen AfD [ZEIT, €].


Passierschein A38 | Nun fällt mir doch noch etwas ein, das ich hier aufschreiben kann. Ich war nämlich ganz ergriffen.

Ich muss demnächst zum Bürgerbüro. Mein Personalausweis läuft ab, und im Zuge dieser Angelegenheit beantrage ich gleich einen neuen Führerschein mit; der alte rosa Lappen läuft ja irgendwann aus, 2026, glaube ich. Ich buchte mir also online einen Termin. Dabei klickte ich mich durch den Zoo der Verwaltungsvorgänge; es wäre noch einiges mehr möglich. Die Ersterteilung einer Fahrgastbeförderung. Abmeldung ins Ausland. Ein Quell der Lebensentscheidungen!

Dann sah ich: „Ausstellung einer Lebensbescheinigung“. Daneben stand: „Dauer: 5 Min.“ Ein Kribbeln erfasste mich, zusammen mit einem Moment der Rührung. Vor zwölf Jahren verbrachte ich einen Vormittag damit, diesem Passierschein A38 nachzujagen, und hier in Haltern gibt es das 2024 als Standardauswahl. Fünf Minuten Aufwand. Fünf! Nicht zu fassen.


Schweine | Drinnenschweine am Schlechtwettertag.

Drei Meerschweine im Stall - eins auf 9 Uhr, eins auf 12 Uhr, eins auf 3 Uhr. Zwei fressen, eins glotzt.
Kommentare

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  1. Vinni sagt:

    Das rechte Schwein guckt ein bisschen wie schlechtes Gewissen, als fürchte es, bei schlimmen oder peinlichen Dingen ertappt zu werden. *g*

    1. Vanessa sagt:

      Das recht Schwein schielt etwas. Deshalb guckt es je nach Blickwinkel böse, träge oder blöd. Ich denke, wir tun im Unrecht. Auch wenn er nicht der Schnellmerker ist, so ist er doch herzensgut.

  2. tonia sagt:

    Liebe Vanessa Giese, vielen Dank für Ihr regelmäßiges Bloggen.

    Aus den letzten beiden Einträgen nehme ich viele Anregungen und Assoziationen mit, u.a. zu Motivation und Führung, sowie Veränderungsbereitschaft. Ich habe eine Kollegin, die stolz darauf ist, in ihrem über vierzigjährigen Leben das Haar stets von derselben Friseurin geschnitten bekommen zu haben. Das spielt für unsere Arbeit im Prinzip keine Rolle, aber es sagt etwas aus über ihre Vorliebe für Kontinuität und korreliert mit der „Skepsis“ gegenüber Neuem im beruflichen Kontext.

    Ich war lange Jahre liiert mit einem Wirtschaftswissenschaftler, der zu Boeing und der Praxis von stock buybacks geforscht hat. Ich wüsste zu gern, ob im verlinkten Artikel auf seine Arbeit Bezug genommen wird. Vielleicht kann ich den Artikel in der SZ in der Bibliothek finden. Auch danke ich für die Zusammenfassung bezüglich der Forschung zu Kinderlosigkeit. Interessante Perspektiven! Vielen Dank für all die Inspiration aus Ihren Gedanken, den beschriebenen Begegnungen und den geteilten Quellen!

    1. Vanessa sagt:

      40 Jahre bei derselben Friseurin, wow! Man mag wenig Veränderungsbereitschaft darin erkennen, aber es steckt ja auch Treue, Loyalität darin, die beiden scheinen gute Absprachen treffen zu können. Wären wir in einem Veränderungsprozess, weil sich das Friseurwesen als solches verändert oder die Friseurin in Rente geht und eine neue gesucht werden muss, würde ich erstmal zuhören, was Ihre Kollegin bewegt, immer zur gleichen Friseurin zu gehen. Es stecken möglicherweise Bedürfnisse hinter, die über das reine Frisurenherstellen hinaus gehen.

      Skepsis empfinde ich übrigens als eine ganz natürliche Reaktion, wenn sich etwas ändern soll. Freundliche Skepsis ist das Maximum, das ich zu Beginn eines Veränderungsprozesses erreichen kann. Eine Aussage wie: „Ich Zweifel, ob es gut wird, aber ich schaue es mir mal an“, ist die 10 von 10.

      Ich kann nochmal schauen, was in dem Boeing-Text stand. Aber das Zitat war, glaube ich, schon so ziemlich alles, was zu dem Thema im Artikel stand.

    2. tonia sagt:

      Ja, es ist sicher der beste Ansatz, alle Seiten der Medaille anzuschauen und nicht zu urteilen. An die Friseurgeschichte musste ich bei dem Satz „Wer wenig Veränderungserfahrung hat, ist eher skeptisch, egal wie alt oder jung er ist.“ denken. Denn wer 40 Jahre lang dieselbe Friseurin aufsuchen kann, hat wahrscheinlich nie den Wohnort gewechselt. Und das könnte ein Indiz für „wenig Veränderungserfahrung“ im individuellen Lebenslauf sein. Muss natürlich nicht, es könnte diverse Szenarien geben, bei denen vielleicht die Friseurin die einzige Konstante war. Hätte ich einen externen Blick, wäre ich da hoffentlich offener und neugieriger. Als Betroffene bin ich da leider schneller im Urteilen… Aber ich bin froh über den Gedankenanstoß und Sie haben Recht: Beständigkeit und damit eine gewisse Verlässlichkeit sind auch Teil ihrer Qualitäten.

      Vielen Dank für Ihre Reaktion!

  3. Coco Lores sagt:

    Ich hab den Artikel von vor 12 Jahren samt Kommentaren gelesen und bin jetzt sehr gespannt auf meine ausstehende Klärung des Rentenkontos. Da ich letztes Jahr durch familiäre Umstände eine neue Geburtsurkunde bekam (neuer Name und somit quasi neue Identität inklusive), sagte man mir beim Amt schon, dass ich nun EIGENTLICH auch kein einziges gültiges Zeugnis mehr habe. Herrje. Vielleicht sollte ich allein dafür wieder mit dem Bloggen anfangen.

    1. Vanessa sagt:

      Ich sehe Potential für alles auf dem Kontinuum von „Kein Problem, wir regeln das eben kurz“ bis hin zu einem monatelangen Amtsvorgang.

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