Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Dienstag, 16. Januar

Matt erwacht. Das Hotelzimmer war irre warm.

Das ist das zweite Hotel innerhalb von zwei Monaten, in dem es total heiß ist. Warum tun Hotels das? Warum lässt sich das nicht regulieren? In Bonn war ich in einem Hotel, das noch Rippenheizungen hatte, es aber unterbunden hat, dass man die Temperatur am Thermostat einstellt. Es war unerträglich warm. Um das Fenster dauerhaft zu öffnen, war es zu laut.

Als Hotel verkaufe ich guten Schlaf. Wie kann ich da am Wesentlichen sparen?

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Einen Workshop für Gründerinnen und Gründer im Lokaljournalismus gehalten.

Workshop

Unter anderem haben wir gemeinsam überlegt, was es braucht, um die schlechteste lokale Plattform der Welt zu starten. Darüber haben wir uns den Bedürfnissen der Nutzer*innen genähert.

Beispiel: Eigenschaft eines schlechten Angebots wäre es, immer nur ein und dieselbe Meinung oder Sichtweise abzubilden. Warum ist das schlecht? Menschen haben das Bedürfnis, überrascht zu werden, neue Perspektiven zu bekommen und etwas zu lernen.

Andere Bedürfnisse sind, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Selbstwirksamkeit zu spüren, einfache Bedienbarkeit – und so weiter.

Workshop: schlechteste lokale Plattform

Der Verkehren ins Gegenteil hilft, Abstand von der eigenen, manchmal festgefahrenen Idee zu bekommen und sich nochmal intensiv den Bedürfnissen der potentiellen Kunden und ihrem Anspruch an mein Produkt zuzuwenden.

Danach haben wir beispielhaft zwei Fragen formuliert („Wie helfe ich den Menschen, Neues zu lernen?“ / „Wie schaffe ich Gemeinschaft?“) und entlang dieser Fragen Ideen entwickelt. So haben wir das große Vorhaben auf Teilaspekte heruntergebrochen, die die Gründer nach und nach angehen können.

Wir haben auch über Kundensegmente und mögliche Partner gesprochen, über das Erstellen von Businessplänen und über Beratungsbedarf. Die Leute haben weitere Methoden zur Ideen- und Produktentwicklung kennengelernt, die sie auch ohne mich weiter nutzen können. Am Ende hatten die Teilnehmer*innen einen Eindruck, wo sie Unterstützung brauchen und können die Startphase nun besser planen.

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Passend zum Lokal-Thema habe ich auf der Rückfahrt einen Eins-zu-Eins-Talk mit dem Dorfladenbesitzer Andreas Auer gehört. Er führt den „Ladenbergen“, also einen Laden in Bergen, einer Ortschaft im Chiemgau. Interessant, was er da alles auf die Beine stellt und mit welcher Haltung und Gemütsruhe er erzählt.

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Ich habe eine Namensvetterin, die so heißt wie ich. Sie hat eine E-Mail-Adresse beim gleichen Anbieter, allerdings ohne Punkt zwischen Vor- und Nachnamen. Das vergisst sie regelmäßig, wenn sie ihre E-Mail-Adresse angibt, und ich bekomme ihre Post. Ich war schon Teil ihrer Lerngruppe, ihrer Vorbereitungsgruppe fürs Referat und kenne einige ihrer Online-Bestellungen. Zuletzt war es lange ruhig. Nun bewirbt sie sich bei Unternehmen, und was soll ich sagen? Ich freue mich, dass die Unterlagen angekommen sind und dass es mit der Karriere vorangeht.

Montag, 15. Januar

Nicht viel zu bloggen heute. Mittags Kundentermin in Heidelberg. Danach Termin im Rheinhessischen. Danach Fahrt nach Düsseldorf. Jetzt Hotel, weil morgen: Kundenworkshop.

Vielleicht wundern Sie sich, warum ich mir ein Hotel in Düsseldorf nehme, wo ich doch in Dortmund wohne und morgens fahren könnte. Der Grund ist: Wenn ich vor 6 Uhr aufstehe, bin ich absolut unzurechnungsfähig. Leider müsste ich das, um sicher pünktlich zu sein, denn der Verkehr zwischen Dortmund und Düsseldorf ist zur Pendlerzeit total irre. Weil ich mein eigener Arbeitgeber bin und selbst bestimmen kann, welche Kosten ich mir genehmige: Frühaufstehvermeidungs- und Gute-Laune-Kosten sind sinnvolle Kosten, weil sie mich besser machen und gesund halten.

Das Bett ist sehr groß und weich und ruft schon.

Hotelbett, groß

Samstag und Sonntag, 13. und 14. Januar

Morgens nach Wiesbaden gefahren und dort mit der Lauchröllchenbäckerin und der Heidelberger Turnschwester gebruncht. Empfehlung: Mathilda.

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Danach Wiesbaden erkundet: Altstadt, Kurhaus, Kurpark. Alles sehr mondän.

Wikipedia sagt, das Kurhaus in Wiesbaden sei einer der „prunkvollsten Festbauten Deuschlands“. Man mag es glauben.

Wiesbaden: Kurhaus von innen

Der Kurpark ist im Januar erwartungsgemäß trist, was mehr am Januar liegt als am Kurpark. Entlang des Parks: Villa an Villa. In den Villen arbeiten Rechtsanwälte an Rechtsanwälte. Ganz Wiesbaden scheint aus Rechtsanwälten zu bestehen.

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Danach Fahrt nach Mainz zum ZDF, das sportstudio besuchen. Die Freundin arbeitet dort und fragte vor einigen Wochen, ob ich mal kommen, ihr beim Arbeiten zusehen und die Kollegen kennenlernen wolle, von denen sie immer erzählt.

Ich schaue mir im Studio die Sendung an und lerne die Leute kennen, die allesamt so sympathisch sind wie angekündigt. Nach der Aufzeichnung trinken wir noch eine Cola, danach geht’s heim. Ein langer, runder Abend. Um 2:30 Uhr liege ich in Heidelberg auf der Schlafcouch.

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Am Sonntagmittag zarter Sonnenschein in Ziegelhausen.

Heidelberg: Blick auf Ziegelhausen mit ein bisschen Sonne

Ich werde aufs Land und in den Wald gefahren – so weit hinein, dass ich mir sicher bin: Gleich kommt Räuber Hotzenplotz aus dem Tannenwald. Wir erreichen einen Ort, in dem es keinen Handyempfang gibt, nicht für Telefon und schon gar nicht für LTE. Ich werde Menschen vorgestellt; wir trinken Espresso und Apferlschorle und essen Geschnetzeltes.

Fragen Sie mich nicht, wie ich diese Sachen immer erfahre und wie es dazu kommt, dass die Leute mir all diese Geschichten erzählen – ich weiß nun jedenfalls:

Vor Monaten wurde der Postbote des Ortes zuletzt gesehen. Man munkelt, er lebe aktuell in Vollpension in der Landesstrafanstalt, denn der Tag seines Verschwindens fällt mit dem Tag zusammen, an dem dieser Undercover-Polizeieinsatz war, der nur aufgefallen ist, weil der Huber Leopold, nachdem er bereits drei Kilometer mit zugefrorener Frontscheibe über die Landstraße fuhr,  sich dachte, dass es eine gute Idee sei, die Scheibe mal freizukratzen. Er fuhr rechts ran und kam direkt neben einem Polizisten zu stehen, den er allerdings beim Ranfahren nicht sehen konnte, weil ja die Scheibe dicht war. Der Huber Poldi stieg also aus seinem Wagen, den Eiskratzer in der Hand, und wie er sich erhob, stand er Auge in Auge mit diesem Bär von Mann mit Knarre und schusssicherer Weste und Knopf im Ohr, der ihm zuraunte: „Steigen’s bittschön wieder ein. Bis die Kirch‘ anfängt, sind wir wieder weg“, woraufhin der Poldi geräuschlos und in einer fließenden Bewegung zurück in sein Auto glitt und weiterfuhr, ohne die Scheibe freizukratzen. Er las dann später in der Presse, dass da dieser Polizeieinsatz war, bei dem es um Waffen oder um Drogen ging, das hat er vergessen; jedenfalls ist seither der Postbote weg.

Das eigentliche Problem an der Sache ist, und das ist auch der Grund, warum wir darauf zu sprechen kamen: Die Post verteilt nun ein Anderer, und er macht das dergestalt, dass die Familie Altmann alle Briefe bekommt, deren Empfängernamen mit A beginnen, die Familie Becker alle Briefe für Menschen mit B und so weiter, was natürlich ein unhaltbarer Zustand ist, denn jetzt müssen die Altmanns und die Beckers und alle Anderen von A bis Z durchs Dorf rennen und den Job des Postboten zu Ende machen. Ein wirres Durcheinandergelaufe, wie man sich vorstellen kann. Allerdings muss man sagen, dass auch vorher nicht alles rund lief, denn der Postbote, der jetzt nicht mehr Postbote ist, hat die Briefe bisweilen einfach bei den Leuten ins parkende Auto geworfen, deren Scheibe wegen des Hundes ein Stückerl unten war, wobei sich im Nachhinein herausstellte, dass der Halter des Wagens doch nicht mit dem Empfänger des Briefes übereinstimmte.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Biber, der Dämme baut, die den Bach stauen. Der Bach überflutet dann die Felder des Bauern. In dem Bach badet ab und an die Fischerin, die Fischer Leni, bei Sonnenaufgang, nackt und mit langem Haar wie eine Nymphe, aber das ist eine andere Geschichte, die jetzt den Rahmen sprengt. Der Bauer möchte den Biber am liebsten tot sehen. Der Biber steht allerdings unter Naturschutz und hat außerdem Fans im Ort, weshalb ein Streit entbrannt ist, der dazu führte, dass der Bauer einen Betonpoller gegossen und auf den Feldweg gestellt hat. Jetzt können die Leute, die den Biber mögen, aber den Bauer nicht, nicht mehr über den Feldweg fahren, obwohl sie müssen. Vielleicht wird deshalb irgendwann nochmal der Mann mit der schusssicheren Weste kommen – wir hoffen aber, dass nicht.

Ende des Tages.

Freitag, 12. Januar

300 Kilometer nach Süden gefahren. Dabei Instrumentalmusik gehört. Vielen Dank für die Tipps. Ich bin noch dabei, alles aufzuarbeiten. Ich habe mir Game-Musik runtergeladen. Außerdem noch ein bisschen Einaudi und Yann Tiersen.

Dabei bin ich auf Elijah Bossenbroek gestoßen.

Tolle Stücke. Und verdammt, der Mann sieht auch noch gut aus.

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Wie viele Menschen seit Jahren oder Jahrzehnten ein Leben leben, das sie nicht leben möchten. Die ein Familienleben leben, in dem sie sich seit Jahren nicht wohlfühlen. Die sich jahrzehntelang auferlegen, dass sie ihre Homosexualität nicht leben dürfen und sich damit quälen. Die am liebsten eine andere Arbeit machen würden (und finanziell und persönlich auch könnten), aber immer wieder Gründe finden, warum es nicht geht, und daran zerbrechen.

Mir ist aufgefallen, dass all diese Menschen (mehr Männer als Frauen), denen ich in der jüngeren und älteren Vergangenheit begegnet bin, starke Väter (seltener Mütter) hatten. Solche Väter, die sehr dominant sind, die viel verlangen, die wenig reden, schon gar nicht über Gefühle.

(Gedanken während der Autofahrt.)

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In Heidelberg angekommen. Im Gasthaus zum Klosterhof in Ziegelhausen zu Mittag gegessen.

Salat mit Apfelschorle und Brot

Anschließend bin ich über den Wald am Neckarhang und den Philosophenweg in die Stadt gegangen. Das sind circa sieben Kilometer und hat fast schon Tradition: Wenn ich früher ankomme, als die Freundin Feierabend hat, parke ich bei ihr vorm Haus und laufe in die Stadt, wo sie mich aufgabelt.

Auf dem Weg gibt’s schöne Blicke ins Neckartal. Bisschen grau halt:

Heidelberg

Außerdem stehen viele alte Bäume rum.

Baumwurzel am Hang

Auf dem Weg mehrmals Ihn und Sie überholt, mal war ich diejenige, die langsamer ging, mal waren sie langsamer, mal bin ich stehengeblieben und habe ins Tal geschaut, mal sie. Sie unterhielten sich den ganzen Weg. Ich verstand nicht, worüber, und hätte ohnehin nicht zuhören wollen. Ich spürte nur an ihren Gesten, an ihrer Mimik und an den Redeanteilen, wie sehr sie einander mögen – und wie gut sie einander zuhörten. Ich freue mich für die beiden. Das ist ein Geschenk.

 

Donnerstag, 11. Januar

Beim Dortmunder Unternehmerfrühstück gewesen. Das findet alle zwei Monate statt und ist kurz und knackig; immer richtet ein anderes Unternehmen ein Frühstück aus, Veranstalter ist die Wirtschaftsförderung.

Diesmal ging’s um Digitalisierung bei der Signal Iduna und unter anderem um deren Innovationshub „signal open studios“ in Berlin. Wir sind nicht so tief eingestiegen, dass ich mir eine Meinung bilden konnte; was mir allerdings gefiel, war die Haltung des Unternehmens, wenn es um Zukunft geht und darum, die Mitarbieter mitzunehmen. Selbst wenn man die üblichen Marketing- und Schönwetterrednerpunkte abzieht, bleibt da was übrig.

Kritik aus dem Publikum, so einen Hub in Berlin und nicht im Ruhrgebiet zu machen, wenn man ein Dortmunder Unternehmen ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Frischen Wind spürt man nicht, wenn man nur um die Ecke zieht. Denn dann kommt ständig der eigene Mief rübergeweht.

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Maximilian Buddenbohm schreibt über mittelgrobröhriges Schnittlauch und seine Anwendungsfälle. Wenn Sie das Wort „mittelgrobröhrig“ einmal getippt und alle Buchstaben an die richtige, ihnen zugedachte Stelle gebracht haben, können Sie auch schon Feierabend machen.

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Am Abend Training mit den Kalendergirls. Mit den gleichen Beschwerden gegangen wie gekommen. Das ist gut! Denn in meinem Alter gibt es die Möglichkeiten:

  • Mit mehr Beschwerden gehen als kommen: schlecht
  • Mit den gleichen Beschwerden kommen und gehen: super!
  • Mit weniger Beschwerden gehen als kommen: Wunderheilung \o/

Alles ist schon vorgekommen. Die mittlere Variante ist der Normalfall. Heute war zum Glück die Torfrau da. Sie hat manueltherapeutische Kenntnisse. Das war hilfreich. Es kribbelt nämlich in meinem kleinen Finger und an der Handaußenkante. Googelt man die Symptome, ergeben sich folgende drei Möglichkeiten: Hirntumor, Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose. Ich habe mich nach ausführlicher Lektüre und gezielten Selbsttests für Diagnose Nummer vier entschieden und wähle die Behandlungsmethode „Abwarten“.

Achtzig Prozent meiner Beschwerden verschwinden nämlich durch entschiedenes Abwarten. Weitere zehn Prozent durch Abwarten plus Blackroll. Die restlichen zehn Prozent durch Abwarten, Blackroll und Ibuprofen. Leider dauert es mittlerweile immer länger, bis Zipperlein abklingen, obwohl meine Restlebenszeit konsequent kürzer wird. Ich bemängele das.

Mittwoch, 10. Januar

Neue Termine gemacht: Vom 16. bis zum 23. Februar bin ich in München.

Ich besuche das Digital Media Camp des Media Lab Bayern. Außerdem bin ich bei 48forward, Eigenwerbung: „Future and Innovation Conference“ – wir werden sehen. Tickets gebucht, Unterkunft gebucht. Dazwischen und auf den Hinweg werde ich mir weitere Termine legen. Das passt perfekt.

Ich freue mich auf Gesellschaft. Für Spezi, Kaffeetrinken oder Abendessen. Mag wer?

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Wegen dieser Terminlage kann ich nun erstmal doch nicht „Gut gegen Nordwind“ im Theater sehen. Schade, schade. Vielleicht dann im April.

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Die Kaltmamsell schreibt über Großraumbüros:

Ich scheine der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein, der Großraumbüros wirklich mag.

Nein, wir sind zu Zweit. Mir geht es wie der Kaltmamsell: Ich neige nicht dazu, meinen Arbeitsplatz zu wohnzimmerisieren – weder mit Bildern noch mit Topfpflanzen noch mit, Gott bewahre, irgendwelchem Dekokram. Ich habe mich im Großraumbüro immer wohl gefühlt – eben weil man gut in die Zusammenarbeit kommt. Ich kann mich allerdings prima konzentrieren. Wer etwas von mir will, muss mich laut mit Namen ansprechen, sonst bin ich geistig woanders.

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Sandra ist in ein Herz-Reha-Aqua-Fitness mit Rentnern geraten.

Einer der drei Hans möchte wissen, warum Jürgen mich noch nicht vorgestellt hat. Ob er mich vielleicht nicht gesehen hätte. Jürgen bestätigt, dass er meine Anwesenheit wahrgenommen hat. Ich erkläre Hans, dass Jürgen vielleicht abwartet, ob ich nächste Woche wieder komme. Hans informiert Jürgen, dass, wenn ich nächste Woche nicht wiederkommen würde, niemand wüsste, wer ich bin.

Wenn ich keine Kundentermine habe, gehe ich gerne morgens in Fitnessstudio – statt wie sonst abends. Am Vormittag ist es leerer und ruhiger, und ich starte danach wach beschwingt in den Tag.

Morgens bin ich die Queen of Turngruppe. Denn wenn ich dem morgendlichen Herrentrüppchen dort Glauben schenken darf, bin ich optisch kurz vor Beachvolleyball, mit dem Leistungsstand einer Olympiaathletin. „Ihre Geschmeidigkeit möchte ich haben, junge Frau.“ Ersetzt acht Sitzungen beim Psychologen.

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Doktorarbeit, Reminiszenzen:

Der Mann hat übrigens literarisch herausragende Threads zum Weihnachtsurlaub mit seinen Eltern geschrieben, wirklich wundervoll.

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Sonst für einen Kundentermin in der kommenden Woche gearbeitet. Etliche neue Sachen frisch vorbereitet, das hat einiges an Zeit in Anspruch genommen. Passt aber gut zum Jahresanfang.

Dienstag, 9. Januar

Blogbeitrag auf der Jobwebsite veröffentlicht. Fußballtrainer Ismail Atalan hat kluge Worte über Mannschaften und deren Zusammenwirken gesagt: Die Seele des Teams. 

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Mit Jawl telefoniert wegen beruflicher Dinge. Gemeinsam beschlossen, dass es etwas ist, was ich selbst tun kann. Mit so einem Service verdient der Mann nix!

Oder doch? Ich empfehle ihn jedenfalls immer gerne weiter: Weil er jemand ist, der im Sinne des Kunden nachdenkt und Ideen hat, die mir nicht selbst einfallen müssen. Und weil er mir nicht unter allen Umständen etwas aufschwatzt.

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Buch zu Ende gelesen: Ein Monat auf dem Land von J.L. Carr. Richtig, habe ich erst vor zwei Tagen begonnen. Hat aber nur 156 Seiten.

Ein Monat auf dem Land (und ich)

Handlung: Ein Weltkriegsveteran und Restaurator nimmt einen Auftrag auf dem Land an und ist am Ende seltsam beseelt – von dem Ort, von seinen Menschen und von dem Glück, das er bei sich und seiner Arbeit gefunden hat. Nicht Besonderes, aber eine schöne Geschichte. Drei von fünf Sternen.

Im Bild sehen Sie meinen neuen Deluxe-Hoodie mit extra viel warmem Kragen und Superflausch. Erstanden in Varel in einem kleinen Laden. Da sag noch einer, die Leuten kauften nur noch im Internet.

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Wenn die Gartenbeleuchtung um 16 Uhr anspringt, ist es jetzt noch hell. Es geht aufwärts.

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Christian ist heute zehn Jahre auf Twitter und schreibt darüber.

Das Gute überwiegt. Vor allem dadurch, dass ich großartige Menschen kennen lernen konnte.

Das ist wirklich eine verrückte Sache: Wie viele Menschen ich inzwischen über das Blog und über Twitter kennengelernt habe. Also richtig kennengelernt, gesprochen, auch lange gesprochen, nicht nur mal eine gemeinsame Limo getrunken. Dabei sogar erstaunlich persönliche Gespräche geführt, schon nach sehr kurzer Zeit. Das ist fantastisch.

Für Außenstehende ist das allerdings unverständlich. „Wo übernachtest du?“ – „Bei Leuten aus dem Internet.“ – „Woher kennst du die?“ – „Aus dem Internet, von Twitter. Und vom Blog.“ – „Und du hast die noch nie vorher getroffen?“ – „Nein.“ – „Und dann triffst du die einfach?“ – „Ja.“ – „Und wenn die nicht nett sind?“ – „Ist mir noch nie passiert.“

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Die Nachbarfreundin-Ex-und-Wieder-Kollegin und Sommersemester-Seminarpartnerin hat mir gestern Ziegenkäse-Lauch-Röllchen mitgebracht, die sie erstmals gebacken hat. Großartig, so eine Versorgung. Ich lebe hier fast wie in einer Kommune: In der dritten Etage die Kreisläuferin mit dem Brotbäcker, Brötchenholer und Grillkönig, ums Eck die Nachbarfreundin mit den vegetarischen Köstlichkeiten und dem Bifteki-Meister. Und ständig bekochen wir uns.

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Sonst gearbeitet. Das Jahr beginnt langsam, das ist gut so. Es lässt Raum für Planungen, fürs Durchdenken, für Ideen. Ab kommender Woche die ersten Termine. Ich freue mich.

Montag, 8. Januar

Zumba ausprobiert. Es war … interessant.
Sie werden darüber lesen.

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Die Deutsche Botanische Gesellschaft hat die Alge des Jahres 2018 gekürt. Einen Tusch für das Klebsormidium, einem – ich zitiere aus der Pressemitteilung – „Pendler zwischen scheintot und Wiedererwachen“.

Ist die Alge mit der Gesamtsituation unzufrieden, stellt sie sich tot. Erst, wenn es aufs Wochenende zugeht es etwas zu Trinken gibt die Umstände sich bessern, erwacht sie wieder zum Leben. Klebsormidium, einer von uns.

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Der Garten denkt: Winter fällt aus. Er hat in den Frühjahrsmodus geschaltet. Schneeglöckchen, Krokanten, Tulpen und anderes Blühzeug starten zum Angriff. Auch der Schnittlauch kommt.

Garten im Januar: Lauter Grünzug kommt aus der Erde

Die Terrasse ist derweil grün vor lauter Regen. Vielleicht die Alge des Jahres. Unschön. Im Frühjahr werde ich sie kärchern müssen. Wie so ein Gartenrentner.

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Große Freude an diesem kleinen Video gehabt:

https://twitter.com/AMAZlNGNATURE/status/949718254846488576

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Die zauberhafte Sue verschickt ungefähr wöchentlich einen Newsletter. Titel: E-Mail für Dich. (Tipp: Melden Sie sich dafür an. Er ist toll.)

Im aktuellen geht es ums Starksein und ums Zartsein, und sie hat ein paar Dinge wunderbar auf den Punkt gebracht:

Wenige Dinge schmerzen so sehr wie die Erkenntnis, dass man auf einem toten Pferd sitzt und endlich absteigen muss, also sitzt man da einfach noch eine Weile und zieht den armen Gaul in Gedanken durch die Wüste. 

Wenn die Kapitulation zu viel Kraft kostet, ist Durchhalten zeitweise leichter, und von außen sieht das immer alles aus wie Stärke.

Starksein ist auch das Ergebnis vieler Stunden, Tage und Woche, in denen man vor Schwäche kaum gehen konnte, aber dann doch wieder aufgestanden ist.

Später geht Sue auf die FAZ-Artikel „Zarte Männer braucht das Land“ ein (den ich bewusst nicht gelesen habe, weil mir die Überschrift zu pauschalisierend war) und schreibt:

Das Land braucht nämlich weder mehr starke Frauen, noch zarte Männer, sondern die Erkenntnis, dass alle Menschen immer alles sind und in unterschiedlichen Momenten alles sein können.

Ja.

Samstag und Sonntag, 6. und 7. Januar

Die Kalendergirls gewinnen ihr Nachholspiel gegen TV Brechten mit 19:16. Schön war’s nicht, nur effizient. Damit sind wir nun gleichauf mit dem Spitzenreiter, 16:0 Punkte.

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Wieder im Fitnesstudio gewesen. Wieder hauptsächlich für Cardio und Rumpf, so wie ich es meistens tue. Die Performance wird besser.

Diesmal haben sie es geschafft, ein Sportprogramm auf einen der fünf Fernseher im Cardiobereich zu schalten. Zwar war es Skispringen, aber ich möchte nicht allzu kritisch sein. Denn seit ich dort hingehe, laufen arte und 3sat auf den Geräten. In einem Fitnessstudio! Das muss man sich mal vorstellen. Als wären wir im Programmkino. Vor Monaten hatte ich mehrmals angeregt, man könne doch auf einem Fernseher immer sport1 und auf einem anderen Eurosport laufen lassen. Fürs intellektuelle Publikum bleiben dann immer noch drei weitere Fernseher. Der Vorschlag stieß beim Personal seinerzeit auf so großes Unverständnis, das ich nicht mehr mit einer Trendwende gerechnet hatte.

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Einen Film angeschaut: Alles eine Frage der Zeit. Gefällige Romantik mit ein bisschen Tiefgang und Schauspielern, die ich in der Mehrzahl nicht kannte. Gut war: neue Gesichter zu sehen. Hauptdarsteller ist der Ire Domhnall Gleeson.

Außerdem ein Buch zu Ende gelesen: Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde. Drei Handlungsstränge auf drei Zeitebenen, die sich ergänzen. Ich habe es zu Weihnachten geschenkt bekommen und rasch runtergelesen. Sehr apokalyptisch. Im letzten Drittel etwas langatmig und vorhersehbar. Drei von fünf Sternen.

Jetzt auf dem Nachtschrank: Ein Monat auf dem Land von J.L. Carr. Klappentext:

Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Je näher er dem Meisterwerk hinter der Kirchendecke kommt, desto näher kommt er auch sich selbst. Und seinen Mitmenschen. Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe. Der Monat auf dem Land ist ein Monat der Heilung.

 

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Anlässlich des Fauxpas‘ einer Journalistin gab es auf Twitter den Aufruf, unter dem Hashtag #MeinGroessterFail seine persönliche kleine FuckUp-Geschichte zu schildern, was ich auch tat:

Was ich nur bei Facebook dazuschrieb: Die Produktion war im Eimer, weil ich während des Entwickelns mit dem Sportfotografen knutschte. Jetzt ist es raus.

(Wilde Zeiten!)

Verrichtungen

5. 01. 2018  •  22 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Die erste Woche des Jahres stand im Zeichen privater Verrichtungen. Diese Verrichtungen waren:

  • das Zuhause genießen
  • hausfräuliche Dinge tun
  • Sport
  • Eichhörnchen beobachten
  • Meise, Finken und Dompfaffen füttern
  • ausreichend Nachtschlaf

An Weihnachten beschwerte sich Vatta, dass niemand für ihn gebacken habe. Zumindest nicht das, was er bevorzugt: Berliner Brot. Seine Schwester hatte Spritzgebäck gebacken und seine Perle Vanillekipferl, aber eben niemand Berliner Brot. Und Kekse mit Marmelade auch nicht. Also habe ich Berliner Brot gebacken. Und Busserl. Und vom verbleibenden Eiweiß habe ich fluffige Makrönchen mit Quark hergestellt.

Weihnachtsplätzchen mit Marmelade und Makronen

Alles ohne Küchenwaage. Denn mit dem Mitbewohner ist im Sommer auch die Küchenwaage ausgezogen.

Weil ich nur nach und nach bemerke, was sonst noch so fehlt, ist mir erst gestern aufgefallen, dass ich auch keinen Dosenhöffner mehr besitze. Naja, Schraubenschlüssel und Hammer tun’s genauso.

Geöffnete Dose, daneben Hammer und Schraubenschlüssel

Der Exmitbewohner meinte übrigens, er habe den Dosenöffner nicht. Das sei ein Linkshänderdosenöffner gewesen, mit dem könne er eh nix anfangen. Aber wo ist er nur?

Vielleicht ist er in dieses Paralleluniversum ausgewandert, in dem all meine Haarspangen wilde Feste feiern.

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Ich kann mir wieder einen Bauernzopf flechten.

Bauernzopf

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Im Fitnessstudio sind Diegutenvorsätze™ am Start. Sie kommen immer am zweiten Januar, sind frisch ausstaffiert und bleiben in der Regel bis Karneval. Diegutenvorsätze™ turnen sehr, sehr ernsthaft – wobei die männlichen Neuturner in einer einzigen Einheit das Pensum des ganzen vergangenen Jahr absolvieren, während die Frauen bedächtig in sich hinein hörend auf dem Crosstrainer grooven, Stufe Eins, drei Watt, Konzentration auf Atemtechnik.

Für nächsten Montag bin ich zum Zumba verabredet. Aus Recherchezwecken.

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Gestern habe ich einen Ausflug nach Hörde Downtown gemacht. Im Buchladen habe ich diese Werbung entdeckt:

Postkarte: Gut gegen Nordwind

Im Theater im Dortmunder U werden „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ gegeben. Die Liebesgeschichte schlechthin. Also, für mich. Werde ich mir ansehen.

Ich habe mir außerdem eine neue Pudelmütze gekauft, weil der Wind auf dem Weg um den See so kalt pfiff und weil Pink ja nun auch nicht zu allem passt. Auf dem Nachhauseweg bin ich danach ausgerechnet dem Verein der Pudelfreunde Deutschland e.V. begegnet, Förderer und Bewahrer des deutschen Pudeltums.

Aufkleber: Verband der Pudelfreunde Deutschland e.V.

Ich war zart ergriffen angesichts dieser Fügung des Zufalls.

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Ich habe mir zwei neue Playlisten erstellt. Einmal „Instrumental“, weil ich beim Autofahren neuerdings gerne schöne Instrumentalmusik höre. Wenn Sie da Tipps haben: Immer her damit.

Außerdem „Electronic Swing“. Das wird meine Küchenpartys begleiten. Es ist schon der 5. Januar. So langsam wird es Zeit zum Anwaffeln.

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Na gut, ein paar berufliche Dinge habe ich auch gemacht. Zum Beispiel habe ich einen Zulassungsantrag an die Fernuni Hagen gestellt – für ein Einstiegsstudium. Zwecks Weiterbildung.

Brief an die Fernuni Hagen

Nach Studium an der HHU Düsseldorf und der TU Dortmund ist das meine dritte Immatrikulation. Ein dreifach Hip Hip Hurra auf das deutsche Hochschulwesen.



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