Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Schickt mich auf Weltreise!

17. 08. 2017  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

In drei Monaten um die Welt:

Weleda schickt einen Blogger oder eine Bloggerin auf die Reise.

Von farbenprächtigen Granatapfelhainen in Italien bis hin zu malerischen Gärten in 1.200 Meter Seehöhe in Argentinien wirst du auf der Weleda Weltreise viele schöne und beeindruckende Orte kennenlernen. […]

Führe interessante Interviews, fotografiere Plantagen und lasse dich vom Lavendelduft betören. Werde Teil von Weleda, erstelle faszinierende Storys und teile dein Abenteuer.

Ich habe mich beworben – und brauche Eure Unterstützung. Denn bei der Auswahl der Landesfinalisten zählen die online gesammelten Stimmen. Mit ihnen komme ich in die Endausscheidung der letzten Sechs.

Screenshot von meiner Kandidatenseite

Screenshot von meiner Kandidatenseite bei „Weleda Global Garden“

 

Gewinne ich und reise als deutsche Vertreterin um die Welt, schreibe und publiziere ich für Weleda – und nehme Euch mit auf die Reise! Im Weleda-Blog, hier, auf Instagram, bei den Gärtnerinnen, auf Twitter und auf Facebook.

Jetzt für tolle Kännchengeschichten abstimmen!

*

Around the world in three months! The company Weleda pays a blogger to travel around the world to visit the Weleda Global Gardens. Groves of pomegranates in Italy and picturesque gardens in 1.200 metres above sea level in Argentina: I’ll have the opportunity to stroll through fascinating gardens around the world.

But first I need your support: Vote for me to become one of the best six candidates in Germany!

If I win and if I travel around the world as the German represantative, I’ll write and publish for Weleda (in English) and take you with me on a wonderful journey! Of course I’ll also publish here in my blog, on Instagram, on my garden blog, on Twitter and Facebook.

Your vote for Vanessa’s stories

#WMDEDGT: August 2017

6. 08. 2017  •  6 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Gestern war der 5. des Monats. Der Tag für:

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (#WMDEDGT)

Eine Initiative zur Förderung des Tagebuchbloggens – Idee von Frau Brüllen.

8:15 Uhr

Ich erwache von prasselndem Regen. Ich versuche, wieder einzuschlafen, denn heute ist Ausschlaftag: Ich habe nichts vor und könnte theoretisch bis abends um 18 Uhr im Bett liegen bleiben. Doch mein Körper möchte nicht mehr schlafen. Ich lausche noch eine Stunde dem Regen. Dann stehe ich auf.

9:15 Uhr

Frühstück mit frischem Milchkaffee und Brötchen. Anschließend packe ich Audios von den Texten online, die ich am Vortag bei der Lesung gelesen habe. Zusätzlich spreche ich noch den Käse-Text ein.

10:30 Uhr

Zucchiniverwertungsprojekt. Die Zucchinis in meinem Garten haben mal wieder ein Eigenleben angenommen und zur Welteroberung angesetzt. Zucchini Eins ist Arnold-Schwarzenegger-unteramdick und genauso lang. Zucchini Zwei etwa die Hälfte.

Ich backe Zucchinimuffins (weniger Zucker, keine Nüsse, dafür Schokostreusel):

Zucchinimuffins

Dann mache ich Zucchinisalat.

Zucchinisalat

Danach mache ich Zucchinipuffer.

Zucchinipuffer

Von den Muffins und den Puffern friere ich das meiste ein – Vorratshaltung für schlechte Zeiten. Eine Portion ist für meine Tante und meinen Onkel: Sie essen die Puffer gerne, es ist meiner Tante aber mittlerweile zu aufwändig, sie selbst zu machen. Bei meinem nächsten Besuch bei ihnen werde ich sie mitnehmen.

15:30 Uhr

Ich stecke eine Maschine Wäsche ein, grille mir ein Steak, esse dazu Zucchinisalat und gucke Shopping Queen mit unsympathischen Kandidatinnen. Der Staubsaugerroboter saugt das Chaos in der Küche weg.

17:30 Uhr

Nickerchen.

18:30 Uhr

Duschen. Wäsche aufhängen.

19:30 Uhr

Einweihungsparty. Bei jemandem, den ich erst kurz kenne. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich kommen darf. Ich lerne neue Leute kennen – und Leute, die ich erst kurz kenne, besser kennen. Sehr schön.

Auch schön: Wir gucken Fußball. Dortmund, Spieltag – da wird Fußball geguckt, egal was es sonst noch zu feiern gibt. Die Jungs spielen gut, verlieren aber. Macht nix. Wir sind guter Dinge.

01:30 Uhr

Huch, schon halb Zwei. Heimreise.

02:00 Uhr

Licht aus. Gute Nacht!

Special Audio Feature: Lesung

5. 08. 2017  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lektüre«

Gestern habe ich auf Einladung des Ladies‘ Circle 63 gelesen: aus meinem Buch und dem Kännchenblog.

Aussicht vom Lesetisch aus ins Café

Das Ganze fand in Dortmund  im schönen Café Oma Rosa statt. Der Erlös ging an Kinderlachen e.V.: Wir haben insgesamt 300 Euro erlöst. Danke an alle, die dabei dazu beigetragen haben!

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, hier die meine Bloglesetexte als Audio. Das sind Probendateien: Wenn ich übe, nehme ich mich dabei auf.

Senminuten

Spät am Abend in der kleinen Pizzabude im Vorort.

Krieger, grüß‘ mir die Sonne!

Wie ich Yoga machte.

Auf der Suche nach der Hefe

Backhefe – das unverstandenste Produkt im Supermarkt.

Der mit dem Käse spazierte

Eine Begegung am Fluss.

Diesen Text habe ich nicht gelesen. Nach der Lesung kam Initiatorin Melli zu mir kam und sagte: „Warum hast Du den Käse nicht gelesen? Ich hätte so sehr den Käse gehört!“ Hier deshalb nun nachträglich: Käse.

Schaufahren der Schiffsmodellbaugruppe

31. 07. 2017  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Anrainer«

Ich habe einen Faible für Stilbrüche – Dinge, die nicht zueinander passen, aber doch so inszeniert sind, als seien sie Eins. Das geht mir bei Kleidung so, bei Architektur und bei Menschen – und beim Zusammenspiel zwischen Menschen und ihrer Umgebung.

Vielleicht mag ich ihn deshalb so, den See in meiner Nähe: Weil Menschen sich dort, wo alles stylish geplant ist, ihre Nischen schaffen. Man muss nur genau hinsehen.

Da ist also dieses frisch angelegte Hafenareal: Bürogebäude mit Glasfassaden, die in der Sonne glitzern. Eisdielen und ein Steakrestaurant. Cafés mit Decken gegen kühle Sommerabende. Ein Straßenpflaster, das frei von Fugenunkraut und Kaugummiresten ist.

Etwa zweihundert Meter davor, neben dem Schotterweg, der den See umrandet, befindet sich ein Holzsteg, eher breit als lang, von der Größe einer Reihenhausterrasse. Jeden Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr sitzen dort Männer auf Klappstühlen, der Rücken rund, auf dem Schopf eine Kapitänsmütze, die Augen starr aufs Wasser gerichtet, eine Fernsteuerung zwischen den gespreizten Knien. Sie sind zumeist älter, es sind aber auch jüngere Männer dabei: Männer, die auf eine Art und Weise jung sind, als seien sie immer schon alt gewesen.

Es ist die Schiffsmodellbaugruppe Phoenixsee, die sich dort, ungeachtet futuristischer Glasbauten, Apérol trinkender Frühstückspärchen und der vorbeijoggenden Freestyle-Outdoor-Trainingsgruppe jede Woche und zusätzlich an Feiertagen zum gemeinsamen Schaufahren trifft. Schaufahren, das heißt: Auf dem Wasser ziehen ihre Schätze surrend Kreise. Es sind Boote und Jollen, Kutter, Segler und Schlepper, Container- und Schlachtschiffe, darunter originalgetreue Nachbauten und natürlich die Seenotrettung. Manche der Boote machen Fahrgeräusche, andere haben blinkende Lämpchen, wieder andere gleiten lautlos gegen schlafende, auf den Wellen wippende Enten, die blinzend hochschrecken.

Ab und an lenken die Männer – es sind ausschließlich Männer – ihr Boot an den Steg, beugen sich vor und nehmen es aus dem Wasser. Dann begutachten sie es von unten und von der Seite, klopfen hier und streicheln da und setzen es wieder in den See. Das ist meist der Beginn eines Gesprächs mit dem Nebensitzer: Daumenstrich über den Rumpf, ein Wort zum Sitznachbarn, und schon sind sie im Fachdiskurs über Laufbleche, Relingstützen und Digitalsounds für Kran- und Windengeräusche.

Dreihundert Meter weiter befindet sich der Yachtclub Phoenixsee: ein mit Metallzaun eingerüstetes Areal, in dem Segelboote neben einem Toilettencontainer stehen. Davor sind ebenfalls Stege: lange Holzwege, an denen weitere Boote vertäut sind. Bei gutem Wind steigen Menschen in Schwimmwesten ein und segeln über den See: 500 Meter nach links bis zum Bürohafen, 400 nach rechts bis zur Abraumhalde – ganz mondän, wenngleich der Radius weltumspannender sein könnte, aber was will man machen.

Dazwischen also sitzen sie, die Modellbau-Schaufahrer auf ihren Klappstühlen: vor Glasfassaden und vorbeilaufenden Funktionskleidungssportlern, im Rücken eckige Niedrigenergiehäuser, vor sich die Brotbox mit Klappstulle. Menschen, die allem um sie herum trotzen und die mich seltsam glücklich machen.

Die Lieblingstweets seit … längerem

30. 07. 2017  •  1 Kommentar  •  Aus der Kategorie »Lieblingstweets«

Die Twitterlieblinge habe ich ein bisschen vernachlässigt. Deshalb jetzt: eine Sammlung.

Zumba immer montags und mittwochs

24. 07. 2017  •  14 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Als ich zuletzt über Spinning bloggte, kam die Sprache auf Zumba. Ich möge das doch bitte mal ausprobieren, das sei sicherlich sehr spaßig – zumindest lohnend für eine anschließende Berichterstattung, schrieben Menschen in die Kommentare.

Ich habe nachgesehen: Mein Fitti bietet tatsächlich Zumba an, immer am Montagabend und am Mittwochabend. Die Ankündigung im Kursplan ist vielversprechend:

Dieses Workout verbindet Elemente aus verschiedenen Tanzstilen zu heißer lateinamerikanischer Musik. Alle Schritte und Drehungen sind für jeden einfach zu erlernen und bringen die Stimmung im Kursraum zum Kochen.

Kochen, das ist ja so ein Buzzword für mich – kochen ist gut, denn kochen bedeutet am Ende auch: essen.

In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Saisonvorbereitung im Sauerland, es muss Ende der 90er gewesen sein. Ich war gerade einmal 19 Jahre alt und auf dem Höhepunkt meiner körperlichen Leistungsfähigkeit, als der Trainer ankündigte: „In der nächsten Einheit machen wir etwas Besonderes. Zur nächsten Trainingseinheit kommt eine Aerobic-Trainerin.“

Haha, Aerobic!, dachten wir, die wir seinerzeit mehrmals pro Woche über Sauerländer Hügel kilometerweit durch den Wald rannten. Das wird superlustig.

Es dauerte nur etwa 20 Minuten ab Start der Aerobiceinheit, bis wir das Ganze nur noch mittellustig fanden. Einerseits war es anstrengender als gedacht, andererseits erforderte es eine Koordinationsleistung, die uns vollständig abging.

Denn die Rechenleistung in meiner Großhirnrinde ist auf zwei parallele Prozesse begrenzt, weshalb ich zwar Arme und Beine gleichzeitig bewegen kann, aber nicht zur Musik. Das ist beim Handball ja auch nicht gefordert: Da genügt es, Arme und Beine zwar irgendwie mit einem gemeinsamen Ziel, aber arhythmisch und ohne jede Grazie zu bewegen.

Ich war beim Aerobic also entweder mit den Armen oder mit den Beinen im Rhythmus – oder Arme und Beine waren im Rhythmus, dann aber nur miteinander und nicht zur Musik. Den anderen Mädels ging es ähnlich: In der Gruppe mussten wir ausgesehen haben wie die Augsburger Puppenkiste in dreifacher Schlupp-vom-grünen-Stern-Geschwindigkeit.

Wenn ich die Zumba-Ankündigung richtig verstehe, geht es dabei sowohl um Arme als auch um Beine als auch um heiße lateinamerikanische Musik. Sie dürfen sich also gemeinsam mit mir auf ein außerordentliches Erlebnis freuen.

Ich lasse Sie wissen, wenn ich dort war.

Wie ich unversehens auf ein Spinning-Rad geriet und deshalb nun samstags immer früh aufstehe

16. 07. 2017  •  20 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Neulich hieß es in der Whats-App-Gruppe der Handball-Veteraninnen:

Hallo Mädels, wir haben für Samstag noch Räder frei. Mag jemand? Viertel nach neun ist Beginn.

Die Handball-Veteraninnnen sind Damen, mit denen ich allesamt Handball gespielt habe. In der Whats-App-Gruppe verabreden wir uns regelmäßig zum Essen und Klönen. Eine der Veteraninnen ist nun Trainerin, und ihre Mädels gehen in der Vorbereitung zum Spinning. Wenn Räder frei sind, können die Veteraninnen auffüllen.

Ich antwortete auf obigen Beitrag:

9.30 Uhr ist schmerzhaft früh. Möchte ich nur mal sagen.

Ich wollte damit lediglich auf die Abwegigkeit des Vorschlags hinweisen: Spinning am Samstagmorgen um 9:30 Uhr an einem Ort, der am anderen Ende der Stadt liegt. Das heißt nämlich: 7:30 Uhr aufstehen – vor solch absurd anstrengenden Sportarten muss man vorher ein Brot essen -, Kontaktlinsen ins Auge stecken, anziehen, durch die Gegend fahren (mit Autobahn!), um bei dröhnender Musik mit den Füßen auf ein Standrad gekettet zu werden. Eine bizarre Idee.

Los Nessa! Nicht lange zögern! Wir können anschließend bei mir frühstücken!

Frühstück! Bei der Veteranin mit der Schaumkaffeemaschine und den holländischen Schokostreuseln!

Ich sitze also am folgenden Samstag um kurz nach Sonnenaufgang mit Augen, verquollen wie Donatella Versace nach der achten Oberlid-OP, in einem winzigen Raum auf einem Standrad. Draußen scheint die Morgensonne. Hier drinnen dröhnt Musik. Ein Tüp mit Waden von der Größe eines Babypandabären brüllt: „Vier! Drei! Zwei! Und up!“

Und als ob das nicht genügt: Der Tüp hat eine Nebelmaschine.

„Wir bleiben im Rhythmus! Seid ihr alle wach?“
//*ppfffffffft

Chinareise im Jangtze-Delta, August 2005: 32 Grad, 97 Prozent Luftfeuchtigkeit, 100 Prozent Smog. So ist Spinning im Juli 2017, in einem Panic Room mit Nebelmaschine.

„Und jetzt eine schnelle Runde. Vier Minuten Sprint! Davon zwei Minuten aus dem Sattel! Vier! Drei! Zwei! …“

Sprints sind völlig ungeeignet für meine Beine. Meine Beine sind für langes Ausschreiten gemacht. Oder für schnelles Laufen an Land. Aber nicht für Roadrunner-artige Umdrehungen an einer winzigen Kurbel. Erstaunlich, wie schnell manche Menschen ihre Beine bewegen können. Diese kleine Person vor mir zum Beispiel – die Beine, eine rotierende Scheibe.

„Noch zwanzig Sekunden!“
Zwanzig?!
„Noch fünfzehn!“
Nebelmaschine, Lasershow, dazu AC/DC.
„Die hintere Reihe auch! Ein bisschen schneller.“
Ich geb dir gleich schneller. Mach mal die Augen zu, dann siehste, was schnell ist. Ich glaube, es hackt.
„Noch zehn!“
Für dich vielleicht.
„Fünf!“
Alta.
„Und setzen.“
Na endlich.
„Nicht langsamer werden!“
Nicht???
„Aktive Erholung!“
Wie das gehen soll, habe ich noch nie verstanden.
„Und nochmal! Vier! Drei! Zwei! Und up!“
Pass mal auf, du Kasper.
„Nochmal fünfzehn Sekunden Vollgas!“
Was halt so Vollgas ist, ne.
„Seid ihr bereit?“
Nee.
„Fünfzehn!“
Moment! Eben ware es fünfzehn! Jetzt müssen es zehn sein!
„Zehn!“
Du lügst doch.
„Fünf!“
Meine Oberschenkel sind das Fegefeuer.
„Setzen. Widerstand raus. Und erholen.“

Spining ist auch deshalb völlig absurd, weil ich bei keiner anderen Sportart so bizarr viel schwitze. Mir tropfen die Niagara-Fälle vom Körper.

„Jetzt kommt ein schöner, langgezogener Berg. Ein Berg, der euer Herz erfreuen wird.“
Moment. Ich dachte, wir erholen uns.
„Widerstand rein.“

Das Problem mit Spinning, besonders mit Spinning morgens um 9:30 Uhr ist: Danach fühle ich mich zwar wahnsinnig straff. Ich möchte aber auch umgehend ein kleines, mit Crème fraiche gefülltes Schwein essen. Auf Toast. Überbacken mit einer Käsekruste. Zum Glück gibt es Frühstück mit Schaumkaffee. Und Schokostreusel.

Nächste Woche wieder.

#WMDEDGT: Juli 2017

5. 07. 2017  •  7 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Der liebe Herr Jawl hat es vorgemacht. Doch eigentlich kommt es von Frau Brüllen:

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (#WMDEDGT)

Eine Initiative zur Förderung des Tagebuchbloggens. Heute auch mit mir und dem Beweis, wie unaufregend mein Leben ist.

6:00 Uhr

Wecker. Das ist irre früh. Es mag Leute geben, die das anders sehen. Aber für mich: mitten in der Nacht. Hilft aber nichts. Also auf, auf! Ich richte mich her, mache mir ein Brötchen und packe mich ins Auto auf die A1.

8:00 Uhr 

Ankunft beim Kunden.

11 Uhr:

Nachricht in der Whats-App-Gruppe der Handballveteraninnen (die allesamt doch wieder spielen). Es sind Plätze beim Spinning der Verbandsliga-Mädels frei: Samstag, 9:30 Uhr. Ich schreibe, dass 9:30 Uhr an einem Samstagmorgen eine völlig irrationale Zeit für Spinning ist. Am Ende bin ich dabei. Fragen Sie mich nicht, wie das immer passiert. Vielleicht, weil eine Sportskameradin mir ein anschließendes Frühstück avisiert.

12:00 Uhr

Mittagspause. In der Kundenkantine gibt es Seelachsfilet mit Gemüsereis und Dillsauce. Fisch ist büschn trocken. Zum Nachtisch spendiert mir meine Gesprächspartnerin ein Eis. Das ist hervorragend.

16:00 Uhr

Abfahrt beim Kunden. Ich muss zu Hause noch Dinge tun, die ich beim Kunden nicht tun kann. Kein Stau auf dem Weg zur Autobahn. Das ist sensationell und bisher kaum dagewesen.

17:00 Uhr

Ich bin zu Hause und arbeite noch etwa eine Stunde von daheim, um den morgigen Tag vorzubereiten.

18:00 Uhr

Wäsche einstecken. Wäsche abnehmen. Balkon gießen. Nachbarbalkon gießen wegen Urlaub. Tomaten gießen. Schnadegang durch den Garten. Altpapier wegbringen.

19:00 Uhr

Noch ein Telefontermin.

19:30 Uhr

Feierabend. Ich esse Cornflakes mit Milch, beobachte Vögel und Eichhörnchen. Wäsche falten. Wäsche wegräumen. Koffer packen. Auto mit Arbeitsgeraffel packen. Denn morgen habe ich einen beruflichen Termin mit Übernachtung.

20:30 Uhr:

Warten, dass die Wäsche fertig gewaschen ist und ich sie aufhängen kann. Dabei bloggen. Doch noch was arbeiten, weil ich etwas vergessen habe.

21:00 Uhr

Wäsche aufhängen. Zähne putzen.

21.30 Uhr:

Bett.

Warum es mich nervt, dass angefeindet wird, wer mit dem Auto fährt

12. 06. 2017  •  25 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Konsumwelt«

In den letzten Monaten lese ich viele Artikel zum Thema Mobilität, Parkgebühren, autofreie Innenstädte, Fahrverbote. Und natürlich über Staus.

Vor allem das Stauproblem bewegt mich, denn ich stehe derzeit selbst viel drin. In NRW sind fast ein Drittel aller deutschen Staus. Es nimmt absurde Züge an. Für eine Strecke von Dortmund nach Essen, das sind rund 40 Kilometer, benötigte ich zuletzt eineinhalb Stunden, für eine Fahrt von Dortmund nach Düsseldorf, die eigentlich eine Stunde dauert, benötigte ich zweieinviertel Stunde. In beiden Fällen hatte ich Termine – beim letzten kam ich trotz doppelt angenommener Anfahrtszeit eine Viertelstunde zu spät.

Was soll die Lösung sein? Die eigentliche Reisezeit zukünftig mal drei nehmen – und den Großteil seiner wertschöpfenden Arbeitszeit auf der Autobahn verbringen?

Bahnfahren!, rufen Sie jetzt, nicht wahr? Nun – wenn ich in meiner Region Ruhrgebiet/Rheinland nur von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof fahren möchte, ist alles in Ordnung. Doch ich wohne nicht neben dem Hauptbahnhof – und mein Ziel ist auch selten das Ibis-Hotel.

Nehmen wir also die Fahrt zum Termin nach Düsseldorf: Um zum Hauptbahnhof zu gelangen, steige ich in den Bus, von dort steige ich in die Stadtbahn um, von der Stadtbahn steige ich am Dortmunder Hauptbahnhof in den Regionalexpress und fahre mit ihm nach Düsseldorf. Am Hauptbahnhof Düsseldorf steige ich wieder in eine Stadtbahn um – und von der Stadtbahnhaltestelle gehe ich noch gute zehn Minuten zu Fuß zum Zielort. Das ergibt eine reine Wegzeit mit dem ÖPNV von 2 Stunden 30 Minuten – wohlgemerkt, wenn alle Anschlüsse pünktlich und reibungslos funktionieren, was auf dieser Strecke eigentlich nie passiert. Preis für Hin- und Rückfahrt: fast 60 Euro.  Es muss nicht erwähnt werden, dass dieselbe Rechnung nach 20 Uhr, also bei geringerer Taktung, deutlich ungünstiger ausfällt, der Preis aber gleich bleibt.

Menschen, die auf dem Land leben, lachen ohnehin laut auf, wenn sie die Worte „Bus und Bahn“ hören.

Während ich also im Stau stand, machte ich mir Gedanken. Denn es macht mich wütend, dass alleinig dem Autofahrer die Schuld daran gegeben wird, dass er Auto fährt. In vielen Artikeln in Kommentarspalten und in der öffentlichen Diskussion schwingt die Haltung mit: Der Autofahrer ist ignorant. Der Autofahrer ist eine Umweltsau. Der Autofahrer müsste nur mal weniger bequem sein. Soll er doch Rad fahren! Soll er doch Bahn fahren!

Seltsam finde ich, dass alle Kritiker stets nur im Kontext „Verkehr“ argumentieren – und die Lösungen für Verkehrsprobleme lediglich in Verkehrslösungen sehen. Doch liegt die Ursache für unsere Verkehrsprobleme nicht woanders?

  1. Die Arbeit ist immer weniger planbar. Conti-Schichten, Früh-, Spät-, Nachtarbeiten, Bereitschaftszeiten, spontane Mehrarbeit, Zeitverträge, Zeitarbeit, Aushilfsverträge. Das alles führt dazu, dass Menschen keine Fahrgemeinschaften bilden, dass sie pendeln und dass sie – weil der Vertrag befristet ist – dem Arbeitsplatz erstmal nicht hinterherziehen.
  2. Beide Partner sind erwerbstätig. Weil sie es müssen, weil sie es wollen und weil sie es wollmüssen – weil ein Einkommen zwar ausreichen könnte, wenn man zu Viert auf 60 Quadratmetern wohnte; weil jedoch im Falle einer Trennung einer der Partner sofort in Hartz 4 und damit in Armut rutschte – von Armut im Alter ganz zu schweigen. Zur Arbeit müssen sie hinkommen, vor allem, wenn sie als Erzieher*in, in der Pflege oder im Einzelhandel in Schichten, in Teilzeit oder als Aushilfen arbeiten.
  3. Flexibel kollidiert mit starr. Der Arbeitnehmer soll flexibel sein. Die Kinderbetreuung ist es nicht. Das Kind muss pünktlich abgeholt werden, der Chef wünscht aber noch eine spontane Besprechung. Und dann noch auf den Bus warten, der zu spät kommt, wo eh immer alles so knapp ist?
  4. Der Alltag hat sich verdichtet. Die Schlagzahl auf der Arbeit ist hoch: just in time, Service-Level-Reaktionszeiten, immer weniger Personal. Der Vertrag ist befristet, das Unternehmen wird umstrukturiert. Die Kinder müssen von der Betreuung abgeholt werden, die Mutter ist dement, der Schwiegervater braucht Hilfe im Haushalt. Die Steuererklärung ist überfällig, der Antrag für die Pflegestufe auch, im Keller ist die Wand nass. Der Gatte muss nächste Woche auf Dienstreise – ausgerechnet, wo die große Tochter eine Zahn-OP hat. Und jetzt das Auto stehen lassen und über nicht ausgebaute Radwege 15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit und zurück fahren? Oder das Doppelte der Wegzeit in Kauf nehmen, um mit Sack und Pack in der unklimatisierten Bahn zu sitzen?
  5. Immer mehr Lastverkehr. Der Personenverkehr hat zwischen 1991 und 2015 zwar um ein Drittel zugenommen – der Güterverkehr aber um zwei Drittel (Quelle). Weil es immer mehr Güter gibt, aber auch, weil diese Güter längere Wege zurücklegen. Wenn man sich durch bilaterale Güterstromanalysen hindurchwühlt, stellt man zum Beispiel fest, dass die Güterströme zwischen den europäischen Ländern allesamt immens zugenommen haben. Woran das liegt? Keine Ahnung. Meine Vermutung: Öffnung des europäischen Binnenmarktes und preiswertere Produktionsorte. Güter durch die Lande zu karren ist eben preiswerter als einen Standort in West-Europa zu unterhalten (oder Güter zu lagern). Dafür fahren immer mehr Menschen mit der Bahn, auch wenn es sich auf der Straße nicht so anfühlt. Wer mal zu Stoßzeiten im RE1 durchs Ruhrgebiet fahren möchte: Bon voyage im Viehtransport.

Wenn wir das Verkehrsproblem lösen möchten, müssen wir gesamtwirtschaftliche Themen lösen. Das ist politisch, nicht indivuell. Ein bisschen mehr Fahrrad zu fahren, mag im Einzelfall richtig und hilfreich sein. Aber die große Herausforderung löst es nicht.

Praktische Hinweise zum Thema Manspreading von einer großen Frau

9. 06. 2017  •  22 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Das Thema Manspreading ist grad mal wieder aktuell: Männer, die sich so breitbeinig hinsetzen, dass sie zwei Sitzplätze benötigen – oder Nebensitzer an die U-Bahn-Wand verweisen. Viele Frauen bringt das auf die Palme.

Dazu möchte ich einige praktische Hinweise geben:

Männer sind im Durchschnitt größere Menschen als Frauen. Größere Menschen haben längere Beine. Lange Beine sind hilfreich beim Laufen, Fahrradfahren oder Rudern. Sie sind nicht hilfreich beim Sitzen.

Auf normalen Stühlen liegen die Beine langer Menschen nur mit dem hinteren Teil – und damit zu höchstens einem Drittel – auf der Sitzfläche auf. Manchmal gar nicht, denn Langbeinige haben nicht nur lange Oberschenkel, sondern auch lange Unterschenkel, länger als das Stuhlbein. Die fehlende Auflage ist bei längerem Sitzen unangenehm. Deshalb verschränken langbeinige Menschen die Beine oft unter der Sitzfläche und legen dort einen Fuß auf die Ferse des anderen. Oder sie klemmen die Füße hinter die Stuhlbeine. Dadurch sitzen sie oberhalb der Sitzfläche automatisch breitbeinig.

Langbeinige machen das auch, weil es ihnen an alternativen Sitzhaltungen mangelt. Beine auszustrecken, geht oft nicht. Denn dann okkupiere ich den Tanzbereich des Gegenübers. Oder es gibt ein Hindernis, wie zum Beispiel bei Tischen, die in der Mitte einen Sockel haben. Apropos Tisch: Beine übereinander schlagen geht auch nicht. Wenn ich auf einem Stuhl mit Tisch sitze, ist die Tischplatte nicht hoch genug, damit die Beine darunter passen. Mein Unterschenkel plus der darübergeschlagene Oberschenkel des anderen Beins sind höher als die Tischkante. Deshalb kann ich am Tisch sitzend nicht die Beine übereinander schlagen. Das gilt auch für Vierertische in der Bahn.

Damit sind wir bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Die DIN-Norm 33402 befasst sich mit den Körpermaßen des Menschen. Sie hat Einfluss auf Beinraum- und Fußraumtiefen, Abstützhöhen und Sichtgeomtrie. 90 Prozent der deutschen Frauen sind zwischen 1,53 und 1,72 Meter groß, 90 Prozent der deutschen Männer zwischen 1,65 und 1,85 Meter (Quelle). Ich bin eine der restlichen zehn Prozent, sogar eine der zehn Prozent bei den Männern.

Öffentliche Verkehrsmittel sind für den Durchschnitt gemacht, für den Durchschnitt aus dem durchschnittlichen Mann und der durchschnittlichen Frauen. Also für Menschen um die 1,70 Meter mit durchschnittlich langem Ober- und Unterkörper (Durchschnittsgröße deutscher Männer: 1,80 Meter).

Wenn ich ÖPNV fahre, mache ich Manspreading. Es geht nämlich nicht anders. In Sitzreihen kann ich entweder nur breitbeinig sitzen oder die Beine zusammennehmen und in den Gang richten. Denn es gibt einfach nicht genug Beinraum. Im Gang sind die Beine dann im Weg, die Leute treten dagegen (autsch!). Außerdem tut auf längeren Fahren der Rücken weh, denn ich verdrehe mich ja in der Hüfte. Also breitbeinig.

Im Vierersitz habe ich keinen Sitz vor mir, aber mir sitzen Leute gegenüber, die ebenfalls Beine haben. Damit beide ihre Beine unterkriegen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Einer schließt sie, der andere öffnet sie. Der, der sie geschlossen hat, steht in den Manspreading-Beinen des anderen – perfekt. Nur nicht für den Nebensitzer.
  2. Alternativ öffnen beide die Beine leicht und machen das Reißverschlussverfahren: Seins, meins, seins, meins. Das ist etwas schicklicher.

Das ist sogar vonnöten, wenn der Gegenüber kürzere Beine hat, also normal groß ist: Öffentliche Verkehrsmittel sind nämlich nicht einmal dafür gemacht, dass nur einer lange Beine hat. Ist ja auch logisch: Der durchschnittliche Beinraum im Vierersitz ist für zwei durchschnittliche große Menschen gemacht. Ist einer durchschnittlich groß, der andere aber größer, passt es schon nicht. Außerdem müssen Menschen auch aufstehen und sich hinsetzen, das heißt, es gibt einen Bewegungswinkel. Oft hat mindestens einer von beiden eine Tasche – oder einen Hund oder fährt seinen Tannenbaum spazieren, was auch immer. (Die Sache mit dem Gepäck ist für Verkehrsunternehmen, so scheint es mir, übrigens eine vollkommen irre, allenfalls theoretische, insgesamt ziemlich surreale Idee – aber das ist ein anderer Blogbeitrag.)

Was ich damit sagen möchte: Es ist nicht immer Manspreading. Manchmal ist es nur einfach schwierig, anders zu sitzen. Oder auf Dauer unbequem. Solange insgesamt genug Platz für alle da ist, verdrehe ich mir nicht aus vorauseilendem Gehorsam den Rücken. Sondern manspreade. Das heißt ja nicht, dass man sich nicht arrangiert, wenn jemand zusteigt.



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