Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Eine Expedition nach Dangast

11. 09. 2017  •  10 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

In der vergangenen Woche reiste ich nach Dangast.

Dangast: Künstlerpfad am Strand, Panoramabild

Ich fuhr dorthin, um das Barcamp Dangast zu besuchen. Und um aufs Meer zu schauen.

Man munkelt über die Nordsee, dass sie oft nicht dort sei, wo sie sein sollte, besonders dann, wenn man sie braucht. Das kann ich so nicht bestätigen: Sie war stets zur Mittagszeit anwesend, wenngleich nur kurz.

Zum Ausgleich und für ein nichtsdestotrotz umfassendes Nordseegefühl sandte der Meeresgott große Mengen Regen und Wind. Das Wasser malte Rinnen und Furchen in den Sand, und als ich sicher war, dass aller Sand in den Jadebusen und von dort nach England und weiter nach Grönland und von dort nach Kanada fließen werde, hörte es auf zu regnen und die Sonne schien.

Dangast: Strand nach Regen

Am Donnerstag mietete ich mir ein Fahrrad und fuhr erst in die eine, dann in die andere Richtung, immer am Deich entlang. Am Deich entlangfahren ist wie schwimmen – zu Beginn sehr langweilig: Ich fuhr und fuhr, es ging geradeaus, Seeschwalben stürzten durch die Luft, der Deich war links, die Kühe waren rechts, es kam eine Biegung, und nach der Biegung ging es weiter geradeaus. Den Kühen folgte Mais, und dem Mais folgte Wiese. Der Deich blieb immer Deich, mal mit Schafen, mal ohne. Ich trat und trat, es nieselte weich in mein Gesicht, ich dachte nicht mehr ans Ziel, denn das Ziel war ohnehin willkürlich, und nach einer Zeit war es einfach nur schön. So wie beim Schwimmen, wenn man irgendwann vergisst, die Bahnen zu zählen.

Als ich keine Lust mehr hatte, den Deich links zu haben, drehte ich das Fahrrad um und fuhr wieder zurück. Das Seltsame war, dass ich, auch wenn der Deich nun rechts war, wieder Gegenwind hatte. „Mikroklima“, sagten mir die Einheimischen später. „Kannste nix machen.“

Ich fuhr zurück nach Dangast und noch ein Stück weiter, legte mich auf einen Steg in die Salzwiesen, drehte das Fahrrad wieder um, fuhr zurück und setzte mich an den Strand, trank Milchkaffee und Cola, und plötzlich war die Sonne wieder da.

Dangast: Am Stand mit Milchkaffee und Cola

Am Freitag begann das Barcamp.

Auf einem Barcamp treffen sich Menschen. Was sie dort machen, stimmen sie ab: Jeder kann ein Thema mitbringen, und wenn genug Leute sagen, dass sie das Thema interessant finden, sprechen sie eine Stunde lang darüber. Manchmal zeigt jemand etwas, manchmal stellt er eine Frage, und es gibt auch Leute, die nur zuhören.

Dangast, Barcamp: Sessions Tag 2

Erstaunlicherweise ist immer ausreichend Interessantes dabei. Erstaunlicherweise sind die Menschen, die auf Barcamps gehen, sehr freundlich. Und erstaunlicherweise lerne ich immer etwas – meist über Dinge, von denen ich vorab noch nie etwas gehört habe. So war es auch diesmal.

Falls Ihnen diese Argumente nicht ausreichen, um das Barcamp in Dangast im kommenden Jahr zu besuchen: Die Aussicht aufs Meer war verdammt nicht übel.

Dangast, Barcamp: Ausblick

Das auf dem Foto, genau auf zwölf Uhr, sind Frank und Djure. Sie haben das Barcamp moderiert.

Während meiner Zeit in Dangast wohnte ich übrigens in einer heimeligen Pension: ein altes Herrenhaus mit Kieseinfahrt und Bauerngarten, die Fassade mit Efeu berankt, das Haus von Bäumen umsäumt. Die Dielen knarzten. Die Decken waren hoch und die Türen schwer.

Die Freundlichkeit der Pensionswirtin zum Maßstab genommen, wird sie irgendwann in einer fernen Nacht, wenn das Meer gegen den Deich schwappt und sie ihre Gäste wieder einmal besonders hasst, während der Mond durch die Sprossenfenster scheint und der Wind die Bäume biegt, mit einer Axt durchs Haus gehen und jeden ihrer Besucher in einer einzigen, fließenden Bewegung im Schlaf enthaupten. Vielleicht.

Etwas anderes: Sonnenuntergang.

Dangast Strand: Panorama bei Sonnenuntergang

Wenn ich am Meer bin, denke ich jedesmal: Am Meer wohnen, das wäre schön. Vielleicht mache ich das eines Tages, an einem Ort, an dem es nicht nur Meer, sondern auch Berge gibt. Denn in den Bergen wohnen, das wäre auch schön.

Bis dahin fahre ich öfter mal hin, in die Berge und ans Meer.

Pizzeria in Strandnähe

Sie setzen sich an den Nebentisch: Er, sie und ein Junge.

Er, ein Mann so mittelalt, wie es sonst nur Gouda ist, Haarkranz, Herrensandale und kariertes Hemd. Die Haare rasiert er sonst kürzer, das sieht man. Doch im Urlaub sind sie gewachsen, einige Millimeter nur, und schon sieht er plötzlich seinem Vater ähnlich. Sie hat lange, dicke Haare mit mehr Grau als Schwarz, Fleecepullover, Trekkinghose. Eine Frau mit der Aura von Sandelholz. Neben ihr sitzt der Junge: kein Kind mehr und auch noch kein Erwachsener, schlaksig, seine Augen blicken ins Leere. Es strengt ihn an, keine Sandburgen mehr zu bauen; er hält aus, den ganzen Urlaub schon.

Sie blättern in der Karte, und der Mann sagt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“ Er sagt Bruschedda, mit Sch wie Schürfwunde und zwei D.
Sie sagt: „Sicher“, und fragt den Jungen: „Und du? Wieder Prosciutto?“
„Jo“, antwortet der Junge und rutscht mit dem Hintern näher an die Kante des Stuhls. Er liegt nun halb und fläzt sich unter den Tisch.
Der Mann fragt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“
„Hab ich doch gesagt“, sagt sie und blättert weiter in der Karte.
„Was hast du gesagt?“
„Dass wir Bruschetta nehmen.“
„Also ja.“
„Hab ich doch gesagt.“
Schweigen.
„Du musst dann aber auch was mitessen“, sagt er, und zu dem Jungen: „Im Restaurant sitzt man ordentlich.“ Pause. „Willst du auch Bruschedda?“
„Was isn das?“, fragt der Junge.
„Brot mit was drauf.“
„Nee.“
„Also nicht.“
„Nee.“
„Aber nicht, dass du hinterher doch was willst.“
„Will ich nicht.“
„Nu setz dich mal richtig hin“, sagt sie und knufft dem Jungen den Ellbogen in die Rippen.

Der Junge stützt sich mit beiden Händen auf die Stuhlfläche und schiebt sich hoch. Er legt einen Arm auf den Tisch und tippt mit dem Zeigefinger auf die Zinken seiner Gabel. Der Griff wippt auf und ab.
„Dich kann man auch nirgendwo mit hinnehmen“, sagt der Mann.

Die Kellnerin kommt. Er sagt: „Für mich einmal die 36. Dann noch die 12 und was nimmst du, Schatz?“
„17.“
„Und einmal die 17. Und vorweg zweimal Bruschedda.“
Die Kellnerin sammelt die Karten ein und geht.

Sie fragt: „Wieso jetzt zweimal Bruschetta?“
„Er isst auch was mit“, sagt der Mann.
„Ich hab gesagt, ich will kein Brot“, sagt der Junge.
„Am Ende nimmst du doch was.“
„Nehme ich nicht.“
„Ist ja egal jetzt.“

Sie schweigen. Draußen biegt der Wind die Bäume.

„Morgen müssen wir dann mal sehen“, sagt er. „Wie das Wetter wird.“
„Sehen wir dann ja“, sagt sie.
„Ob wir dann nochmal an den Strand gehen oder doch was anderes machen.“
Der Junge wippt mit der Gabel. Der Mann langt über den Tisch, greift die Gabel und legt sie neben seine eigene. „Damit ist jetzt Schluss“, sagt er.
„Lass ihn doch“, sagt die Frau.

Der Mann lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor dem Körper. Der Junge fläzt sich wieder unter den Tisch und verschränkt ebenfalls die Arme. Der Wind heult. Die Frau faltet Knicke in ihre Serviette.
Nach einer Weile sagt der Mann: „Ich rauch‘ noch eine, bevor das Essen kommt.“ Er steht auf und geht den Gang hinunter. Die schwere Tür schlägt hinter ihm ins Schloss.

„Er nervt“, sagt der Junge.
Sie schweigt und faltet.

#WMDEDGT: September 2017

5. 09. 2017  •  5 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Gestern war der 5. des Monats. Der Tag für:

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (#WMDEDGT)

Eine Initiative zur Förderung des Tagebuchbloggens – Idee von Frau Brüllen. Sie sehen heute: einen Homeoffice-Tag im Leben einer Selbstständigen.

08:00 Uhr

Der Wecker klingelt. Weil ich gestern entweder kränklich oder einfach nur unendlich müde war, habe ich mir eine Stunden mehr Schlaf gegönnt. Hoch lebe das selbstbestimmte Arbeiten!

Das Ergebnis ist sensationell: Nach mehr als neun Stunden Schlaf fühle ich mich gesund und frisch. Es lohnt sich doch immer wieder, auf seinen Körper zu hören.

Ich stehe auf, frühstücke gemütlich in der Küche, schaue dabei eine Doku über ein Riesenkreuzfahrtschiff, lese meine Mails, stelle einen gesponserten Beitrag im Gärtnerinnenblog online und führe Korrespondenz mit Kunden.

9:30 Uhr

Am 18. und 19. September bin ich als Referentin im Journalistenzentrum Haus Busch in Hagen. Ich mache den Ablaufplan für das Seminar und sende ihn an den Auftraggeber.

10:30 Uhr

Gestern fragte Frau Rabe auf Twitter:

Ich schreibe und male einen Brief ans Rabenkind.

11:00 Uhr

Ich hole mein Fahrrad aus dem Keller, um zur Postfiliale in den Stadtteil zu fahren. Dort liegt ein Paket für mich, und der Brief möchte ja auch auf die Reise. Vorher muss ich die Reifen aufpumpen. Ich bin eine große Niete im Reifenaufpumpen. Immer geht erst alle Luft raus, bevor irgendwas reingeht.

11:15 Uhr

Ich radel um den See ins kleine Stadtteilzentrum und hole mein Paket ab. Ich schicke meinen Brief ans Rabenkind ab (85 Cent für 28 Gramm nach Norwegen), und bummel etwas durch die Läden.

12:30 Uhr

Mittagessen. Ich brate mir Nudeln vom Vortag auf und schaue beim Essen eine Doku über Familienhelfer.

13:30 Uhr

Ich bereite meine Inhalte und Folien für das Seminar im Haus Busch vor. Es geht um die Planung von Inhalten über verschiedene Medienkanäle. Es haben sich Teilnehmer*innen aus der Unternehmenskommunikation und aus Zeitungsverlagen angemeldet. Ich muss also auf beide Gruppen eingehen.

Ich werde Methoden zur Entwicklung guter Inhalte zeigen, zur integrierten Kommunikation und zum Projektmanagement, außerdem Best-Practice-Beispiele. Zudem werden die Teilnehmer*innen an beiden Nachmittagen die Gelegenheit haben, die Methoden zu üben – an Projekten und Themen aus dem eigenen Hause. Ich finde es immer wichtig, dass die Teilnehmer*innen aus einem Seminar etwas mitnehmen, das sie direkt anwenden oder mit dem sie sofort weiterarbeiten können.

16:30 Uhr

Gartenpause. Ich mähe den Rasen und schneide allerlei Zeugs zurück, das schon verblüht ist. Außerdem harke ich Beete auf und ernte eine Riesenzucchini.

Riesenzucchini vor Beet

Riesenzucchini vor gemähtem Rasen vor geharktem und fast abgeernteten Beet

 

17:30 Uhr

Call for papers der WoMenPower in der Hannover Messe im April 2018. Ich fülle das Formular aus und gebe zwei Sessionvorschläge ab:

  • Von Egoshootern zu Teamplayern – Methoden für starke, diverse Teams
  • Sich selbst entlasten durch zielgerichtete Führung

18:30 Uhr

A’mdessn: Sushi aus dem Supermarkt und Wassermelone mit Feta. Dabei schaue ich eine Doku über Menschen, die nach Ghana ausgewandert sind.

19:30 Uhr

Für einen weiteren Call for papers gestalte ich zwei Seminarankündigungen und schicke sie an den Ansprechpartner. Unter anderem biete ich mich als Referentin an, um Unternehmen für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiv zu machen und diese im Betrieb zu halten.

21.00 Uhr

Wäsche bügeln. Feierabend.

September (mit Sommerrückblick)

2. 09. 2017  •  7 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Meine Pläne für den September:

  • Einen 50. Geburtstag feiern, mit Partyhütte
  • Zum Barcamp nach Dangast fahren
  • Aufs Meer gucken
  • Die Handballsaison einläuten
  • Kunden glücklich machen
  • Darmstadt und Heidelberg besuchen
  • Eine „Wer-bin-ich?“-Balkonparty feiern
  • Den Garten herbstfit machen
  • Einen 51. Geburtstag feiern, ohne Partyhütte
  • Die Grillsaucen verbrauchen
  • Mehr schlafen
  • Gesund bleiben

Was schön war am Sommer:

  • Viel gearbeitet. Gut gearbeitet.
  • Homeoffice im Garten
  • Freunde. Sind immer schön. Diesen Sommer besonders.
  • Zucchinipuffer
  • Leute mit Zucchinipuffern glücklich gemacht
  • Selbst angebaute blaue Kartoffeln geerntet
  • Leute mit blauen Kartoffeln glücklich gemacht
  • Die Anmut der Kalendergirls
  • Heidelberg mit Inge
  • Stammtisch mit der Torfrau, dem Björn und den Leuten aus’m Dorf
  • Mal wieder gelesen
  • Terrassenbesuche bei abendlichem Schummerlicht (bei mir)
  • Terrassenbesuche bei abendlichem Schummerlicht (bei anderen)
  • Limetten-Pfefferminz-Limonade
  • Gesund geblieben

Schickt mich auf Weltreise!

17. 08. 2017  •  20 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

In drei Monaten um die Welt:

Weleda schickt einen Blogger oder eine Bloggerin auf die Reise.

Von farbenprächtigen Granatapfelhainen in Italien bis hin zu malerischen Gärten in 1.200 Meter Seehöhe in Argentinien wirst du auf der Weleda Weltreise viele schöne und beeindruckende Orte kennenlernen. […]

Führe interessante Interviews, fotografiere Plantagen und lasse dich vom Lavendelduft betören. Werde Teil von Weleda, erstelle faszinierende Storys und teile dein Abenteuer.

Ich habe mich beworben – und brauche Eure Unterstützung. Denn bei der Auswahl der Landesfinalisten zählen die online gesammelten Stimmen. Mit ihnen komme ich in die Endausscheidung der letzten Sechs.

Screenshot von meiner Kandidatenseite

Screenshot von meiner Kandidatenseite bei „Weleda Global Garden“

 

Gewinne ich und reise als deutsche Vertreterin um die Welt, schreibe und publiziere ich für Weleda – und nehme Euch mit auf die Reise! Im Weleda-Blog, hier, auf Instagram, bei den Gärtnerinnen, auf Twitter und auf Facebook.

Jetzt für tolle Kännchengeschichten abstimmen!

*

Around the world in three months! The company Weleda pays a blogger to travel around the world to visit the Weleda Global Gardens. Groves of pomegranates in Italy and picturesque gardens in 1.200 metres above sea level in Argentina: I’ll have the opportunity to stroll through fascinating gardens around the world.

But first I need your support: Vote for me to become one of the best six candidates in Germany!

If I win and if I travel around the world as the German represantative, I’ll write and publish for Weleda (in English) and take you with me on a wonderful journey! Of course I’ll also publish here in my blog, on Instagram, on my garden blog, on Twitter and Facebook.

Your vote for Vanessa’s stories

#WMDEDGT: August 2017

6. 08. 2017  •  6 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Gestern war der 5. des Monats. Der Tag für:

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (#WMDEDGT)

Eine Initiative zur Förderung des Tagebuchbloggens – Idee von Frau Brüllen.

8:15 Uhr

Ich erwache von prasselndem Regen. Ich versuche, wieder einzuschlafen, denn heute ist Ausschlaftag: Ich habe nichts vor und könnte theoretisch bis abends um 18 Uhr im Bett liegen bleiben. Doch mein Körper möchte nicht mehr schlafen. Ich lausche noch eine Stunde dem Regen. Dann stehe ich auf.

9:15 Uhr

Frühstück mit frischem Milchkaffee und Brötchen. Anschließend packe ich Audios von den Texten online, die ich am Vortag bei der Lesung gelesen habe. Zusätzlich spreche ich noch den Käse-Text ein.

10:30 Uhr

Zucchiniverwertungsprojekt. Die Zucchinis in meinem Garten haben mal wieder ein Eigenleben angenommen und zur Welteroberung angesetzt. Zucchini Eins ist Arnold-Schwarzenegger-unteramdick und genauso lang. Zucchini Zwei etwa die Hälfte.

Ich backe Zucchinimuffins (weniger Zucker, keine Nüsse, dafür Schokostreusel):

Zucchinimuffins

Dann mache ich Zucchinisalat.

Zucchinisalat

Danach mache ich Zucchinipuffer.

Zucchinipuffer

Von den Muffins und den Puffern friere ich das meiste ein – Vorratshaltung für schlechte Zeiten. Eine Portion ist für meine Tante und meinen Onkel: Sie essen die Puffer gerne, es ist meiner Tante aber mittlerweile zu aufwändig, sie selbst zu machen. Bei meinem nächsten Besuch bei ihnen werde ich sie mitnehmen.

15:30 Uhr

Ich stecke eine Maschine Wäsche ein, grille mir ein Steak, esse dazu Zucchinisalat und gucke Shopping Queen mit unsympathischen Kandidatinnen. Der Staubsaugerroboter saugt das Chaos in der Küche weg.

17:30 Uhr

Nickerchen.

18:30 Uhr

Duschen. Wäsche aufhängen.

19:30 Uhr

Einweihungsparty. Bei jemandem, den ich erst kurz kenne. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich kommen darf. Ich lerne neue Leute kennen – und Leute, die ich erst kurz kenne, besser kennen. Sehr schön.

Auch schön: Wir gucken Fußball. Dortmund, Spieltag – da wird Fußball geguckt, egal was es sonst noch zu feiern gibt. Die Jungs spielen gut, verlieren aber. Macht nix. Wir sind guter Dinge.

01:30 Uhr

Huch, schon halb Zwei. Heimreise.

02:00 Uhr

Licht aus. Gute Nacht!

Special Audio Feature: Lesung

5. 08. 2017  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lektüre«

Gestern habe ich auf Einladung des Ladies‘ Circle 63 gelesen: aus meinem Buch und dem Kännchenblog.

Aussicht vom Lesetisch aus ins Café

Das Ganze fand in Dortmund  im schönen Café Oma Rosa statt. Der Erlös ging an Kinderlachen e.V.: Wir haben insgesamt 300 Euro erlöst. Danke an alle, die dabei dazu beigetragen haben!

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, hier die meine Bloglesetexte als Audio. Das sind Probendateien: Wenn ich übe, nehme ich mich dabei auf.

Senminuten

Spät am Abend in der kleinen Pizzabude im Vorort.

Krieger, grüß‘ mir die Sonne!

Wie ich Yoga machte.

Auf der Suche nach der Hefe

Backhefe – das unverstandenste Produkt im Supermarkt.

Der mit dem Käse spazierte

Eine Begegung am Fluss.

Diesen Text habe ich nicht gelesen. Nach der Lesung kam Initiatorin Melli zu mir kam und sagte: „Warum hast Du den Käse nicht gelesen? Ich hätte so sehr den Käse gehört!“ Hier deshalb nun nachträglich: Käse.

Schaufahren der Schiffsmodellbaugruppe

31. 07. 2017  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Anrainer«

Ich habe einen Faible für Stilbrüche – Dinge, die nicht zueinander passen, aber doch so inszeniert sind, als seien sie Eins. Das geht mir bei Kleidung so, bei Architektur und bei Menschen – und beim Zusammenspiel zwischen Menschen und ihrer Umgebung.

Vielleicht mag ich ihn deshalb so, den See in meiner Nähe: Weil Menschen sich dort, wo alles stylish geplant ist, ihre Nischen schaffen. Man muss nur genau hinsehen.

Da ist also dieses frisch angelegte Hafenareal: Bürogebäude mit Glasfassaden, die in der Sonne glitzern. Eisdielen und ein Steakrestaurant. Cafés mit Decken gegen kühle Sommerabende. Ein Straßenpflaster, das frei von Fugenunkraut und Kaugummiresten ist.

Etwa zweihundert Meter davor, neben dem Schotterweg, der den See umrandet, befindet sich ein Holzsteg, eher breit als lang, von der Größe einer Reihenhausterrasse. Jeden Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr sitzen dort Männer auf Klappstühlen, der Rücken rund, auf dem Schopf eine Kapitänsmütze, die Augen starr aufs Wasser gerichtet, eine Fernsteuerung zwischen den gespreizten Knien. Sie sind zumeist älter, es sind aber auch jüngere Männer dabei: Männer, die auf eine Art und Weise jung sind, als seien sie immer schon alt gewesen.

Es ist die Schiffsmodellbaugruppe Phoenixsee, die sich dort, ungeachtet futuristischer Glasbauten, Apérol trinkender Frühstückspärchen und der vorbeijoggenden Freestyle-Outdoor-Trainingsgruppe jede Woche und zusätzlich an Feiertagen zum gemeinsamen Schaufahren trifft. Schaufahren, das heißt: Auf dem Wasser ziehen ihre Schätze surrend Kreise. Es sind Boote und Jollen, Kutter, Segler und Schlepper, Container- und Schlachtschiffe, darunter originalgetreue Nachbauten und natürlich die Seenotrettung. Manche der Boote machen Fahrgeräusche, andere haben blinkende Lämpchen, wieder andere gleiten lautlos gegen schlafende, auf den Wellen wippende Enten, die blinzend hochschrecken.

Ab und an lenken die Männer – es sind ausschließlich Männer – ihr Boot an den Steg, beugen sich vor und nehmen es aus dem Wasser. Dann begutachten sie es von unten und von der Seite, klopfen hier und streicheln da und setzen es wieder in den See. Das ist meist der Beginn eines Gesprächs mit dem Nebensitzer: Daumenstrich über den Rumpf, ein Wort zum Sitznachbarn, und schon sind sie im Fachdiskurs über Laufbleche, Relingstützen und Digitalsounds für Kran- und Windengeräusche.

Dreihundert Meter weiter befindet sich der Yachtclub Phoenixsee: ein mit Metallzaun eingerüstetes Areal, in dem Segelboote neben einem Toilettencontainer stehen. Davor sind ebenfalls Stege: lange Holzwege, an denen weitere Boote vertäut sind. Bei gutem Wind steigen Menschen in Schwimmwesten ein und segeln über den See: 500 Meter nach links bis zum Bürohafen, 400 nach rechts bis zur Abraumhalde – ganz mondän, wenngleich der Radius weltumspannender sein könnte, aber was will man machen.

Dazwischen also sitzen sie, die Modellbau-Schaufahrer auf ihren Klappstühlen: vor Glasfassaden und vorbeilaufenden Funktionskleidungssportlern, im Rücken eckige Niedrigenergiehäuser, vor sich die Brotbox mit Klappstulle. Menschen, die allem um sie herum trotzen und die mich seltsam glücklich machen.

Die Lieblingstweets seit … längerem

30. 07. 2017  •  1 Kommentar  •  Aus der Kategorie »Lieblingstweets«

Die Twitterlieblinge habe ich ein bisschen vernachlässigt. Deshalb jetzt: eine Sammlung.

Zumba immer montags und mittwochs

24. 07. 2017  •  14 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Als ich zuletzt über Spinning bloggte, kam die Sprache auf Zumba. Ich möge das doch bitte mal ausprobieren, das sei sicherlich sehr spaßig – zumindest lohnend für eine anschließende Berichterstattung, schrieben Menschen in die Kommentare.

Ich habe nachgesehen: Mein Fitti bietet tatsächlich Zumba an, immer am Montagabend und am Mittwochabend. Die Ankündigung im Kursplan ist vielversprechend:

Dieses Workout verbindet Elemente aus verschiedenen Tanzstilen zu heißer lateinamerikanischer Musik. Alle Schritte und Drehungen sind für jeden einfach zu erlernen und bringen die Stimmung im Kursraum zum Kochen.

Kochen, das ist ja so ein Buzzword für mich – kochen ist gut, denn kochen bedeutet am Ende auch: essen.

In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Saisonvorbereitung im Sauerland, es muss Ende der 90er gewesen sein. Ich war gerade einmal 19 Jahre alt und auf dem Höhepunkt meiner körperlichen Leistungsfähigkeit, als der Trainer ankündigte: „In der nächsten Einheit machen wir etwas Besonderes. Zur nächsten Trainingseinheit kommt eine Aerobic-Trainerin.“

Haha, Aerobic!, dachten wir, die wir seinerzeit mehrmals pro Woche über Sauerländer Hügel kilometerweit durch den Wald rannten. Das wird superlustig.

Es dauerte nur etwa 20 Minuten ab Start der Aerobiceinheit, bis wir das Ganze nur noch mittellustig fanden. Einerseits war es anstrengender als gedacht, andererseits erforderte es eine Koordinationsleistung, die uns vollständig abging.

Denn die Rechenleistung in meiner Großhirnrinde ist auf zwei parallele Prozesse begrenzt, weshalb ich zwar Arme und Beine gleichzeitig bewegen kann, aber nicht zur Musik. Das ist beim Handball ja auch nicht gefordert: Da genügt es, Arme und Beine zwar irgendwie mit einem gemeinsamen Ziel, aber arhythmisch und ohne jede Grazie zu bewegen.

Ich war beim Aerobic also entweder mit den Armen oder mit den Beinen im Rhythmus – oder Arme und Beine waren im Rhythmus, dann aber nur miteinander und nicht zur Musik. Den anderen Mädels ging es ähnlich: In der Gruppe mussten wir ausgesehen haben wie die Augsburger Puppenkiste in dreifacher Schlupp-vom-grünen-Stern-Geschwindigkeit.

Wenn ich die Zumba-Ankündigung richtig verstehe, geht es dabei sowohl um Arme als auch um Beine als auch um heiße lateinamerikanische Musik. Sie dürfen sich also gemeinsam mit mir auf ein außerordentliches Erlebnis freuen.

Ich lasse Sie wissen, wenn ich dort war.



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