Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Expeditionen«

Bemerknisse zu einem Urlaub auf einer Insel

10. 11. 2017  •  12 Kommentare

1 Ein Orkan auf einer Insel ist ein besonderer Orkan. Wenn die Gischt wie Schnee über die Promenade weht, wenn der Wind das Wasser auf den Strand drückt, wenn die Möwen trudeln und die Menschen schwanken, prickelt es im Gesicht und im Herzen.

Norderney: Orkan Herwart wirbelt Gischtflocken auf

2 Es gibt immer einen guten Grund, Milchreis zu essen. Allerdings gibt es auch immer einen Grund, statt Milchreis zu essen über den Strand zu laufen, um nach ausreichend Umherlauferei festzustellen, dass es jetzt zu spät für Milchreis ist und das Abendessen naht.

Norderney: Orkan Herwart weht Gischt an den Strand

3 Die Weiße Düne ist nicht weißer als andere Dünen.

4 Seeluft in Kombination mit ausgedehnten Spaziergängen ist nicht nur eine Garantie für tiefen, sondern auch für frühen Nachtschlaf. Gerüchteweise gelingt es einigen Menschen, auf Norderney Kneipen zu besuchen und gesellig zu sein. Ich habe das versucht, habe eine Lokalität aufgesucht und einen Cocktail bestellt. Fast wäre ich über dem Glas eingenickt. Mit letzter Kraft konnte ich mich ins Ferienbett schleppen, wo ich anschließend traumlos zehn Stunden durchschlief.

Norderney : Panoramablick am Strand

5 Muschelsammeln geht immer. Wenn man dort hingeht, wo wenig Leute sind, findet man außerdem ganz viele große, heile Muscheln, die man mit nach Hause nehmen kann, wo sie zuerst in der Küche herumliegen, dann in den Garten wandern und dort von Eichhörnchen durcheinandergebracht werden.

Norderney: Strand im Sonnenuntergang vor dem Regen

6 Wenn man auf dem Deich steht, während es regnet, steht man auf dem Deich, während es regnet. Keine Pointe. Wenn der Wind dabei den Regen waagerecht gegen die Beine treibt, bleibt immerhin eine Körperseite trocken.

Norderney: Auf dem Deich vor dem Regen

8 Voraussetzung zur Eröffnung einer Fahrradvermietung ist eine hingebungsvoll ausgelebte Griesgrämigkeit mit leichtem Hang zum Menschenhass.

9 Wenn man dann Fahrrad fährt und es eigentlich bergab geht, wenn man aber trotzdem treten muss, um nicht umzufallen, hat man wohl Gegenwind.

10 Aussichtsdüne. Auch so eine Erfindung, die ganz gut ist. Fast so gut wie Frieseneis.

Norderney: Panoramablick von der Aussichtsdüne

Der Weg zum Ende der Insel

1. 11. 2017  •  13 Kommentare

Wenn man auf Norderney mit dem Fahrrad aus dem Zentrum hinausfährt, fährt man zunächst durch Dünen. Mit Menschen. Vielen Menschen. Sie sind auf dem Weg zur Weißen Düne, das ist ein Lokal an einem Badestrand, ein sehr beliebtes Lokal.

Hinter der Weißen Düne kann man weiterfahren. Dann kommt man zum Norderneyer Leuchtturm. Dort ist es schon leerer. Wenn man noch weiter fährt, acht Kilometer vom Zentrum entfernt, erreicht man an den Parkplatz Ostheller. Dort sind nur noch sehr wenige Menschen.

Vom Parkplatz Ostheller aus kann man nur zu Fuß weitergehen: sechseinhalb Kilometer bis zum Ende der Insel. „Schwer begehbar“, steht unter der Wegbeschreibung. Ich gehe den Weg trotzdem – oder deswegen – sehr gern.

Schon wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt, weitet sich die Landschaft zu einer irischen Butterwerbung.

Norderney Ostende: In den Dünen, Wasserflüsse

Norderney: Weg durch die Dünen zum Wrack, Wasserfluss

Wer heute mit Turnschuhen kommt, hat es schwer: zu viel Wasser. Wer mit Wanderschuhen kommt, auch. Denn: zu viel Wasser. Der Wanderweg:

Norderney Ostende, überfluteter Wanderweg

Es ist der 1. November, und ich denke: Och nö jetzt. Nö. Zehn Grad. Zehn! Schneidender Wind. Da möchte ich nicht barfuß laufen.

Norderney, Füße mit Schlick

Hilft aber alles nix.

Durchs Schlickwasser schlurfe ich zunächst wie eine Rentnerin bei der Kneipp-Kur. Auf der Wiese mache ich den Pingiun: Der Schlamm ist glatt, so ganz ohne Profilsohle. Aber er ist kaum kalt. Es ist sehr angenehm zu gehen, meine Füße sind warm. Nur längere Strecken im Wasser sind frisch. Vielleicht bin ich eine Ente.

Ich denke: Was ein Glück, das alles hier. Der Wind, die Natur. Und: Im Thalasso-Badehaus im Ortszentrum gibt’s das gegen Geld – original Norderneyer Schlick-Packung ab 49 Euro pro Anwendung.

Ich gehe die Strecke bis zum Ostende barfuß, denn es lohnt nicht, die Schuhe wieder anzuziehen: immer wieder Wasserläufe und kleine Seen, durch die ich wate.

Nach eineinhalb Stunden: das Wrack.

Norderney Ostender: Wrack

Es beginnt zu regnen. Aber ey, ganz ehrlich: Ich bin seit mehr als einer Stunde von den Knien abwärts nackt. Im November. Kurz vor Weihnachten! What the fuck is Prasselregen?! Bütterken raus, jetzt wird Mittag gemacht.

Was ich an diesem Ort besonders mag: die Einsamkeit. Ein, zwei andere Menschen sind mit mir dort. Doch niemand möchte viel reden. Wir nicken uns zu und genießen, dass sonst niemand hier ist.

Der Rückweg führt über den Strand. Acht Kilometer, auf denen mir sechs Leute entgegen kommen. Acht Kilometer Gegenwind.

Norderney, Ostende: Strand

Auf der Hälfte des Weges, im Sand neben mir plötzlich: eine Robbe.

Robbe am Strand

Ich sehe sie an. Sie sieht mich an. Sie kratzt sich am Bauch. Ich winke. Sie legt sich wieder hin.

Auf dem Rückweg vom Parkplatz halte ich mit dem Fahrrad am Leuchtturm. Hinter der Theke steht Käpt’n Iglo.

„Moin“, sagt er.
„Moin“, sage ich.
„Was Warmes?“, fragt er.
„Einen Milchkaffee“, sage ich.
„Hab ich mir doch gedacht“, sagt er.

Regenbogenwollmenschen

31. 10. 2017  •  6 Kommentare

Ein Regenbogen aus Wolle. In kleinen Ringeln, von der Hüfte, beide Beine hinab bis zu den Knöcheln.

Wir sitzen um Regionalzug durch Ostfriesland. Der Waggon ist voll. Babys weinen. Kinder rennen durch den Gang. Eltern schimpfen. Familien möchten in die Ferien.

Der Regenbogen gehört zu einer Dame, und zu der Dame gehört ein breites, flaches Hinterteil. Es ist vollständig mit dem Regenbogen bewollt, streckt sich mir auf Augenhöhe entgegen und verstaut eine Packung Käse in einem Einkaufstrolley. Die Maschen sind weit. Die Dame trägt keinen Schlüpfer, ich kann nicht nicht hingucken. Mit dem Käse verstaut sie ein Brettchen und Messer, eine Packung Margarine, Brot, hartgekochte Eier und eine kleine Obstplantage im Trolley. Alles hat sie vorher gemeinsam mit ihrer ebenfalls wolligen Begleitung zubereitet: hat Brot geschnitten und mit Käse belegt, hat das Obst zerlegt und die Eier gepellt. Der Duft reifer Bananen und eines ebenfalls sehr reifen Harzer Rollers durchweht nun das Abteil. Kleine Kinder würgen leise.

Später, auf der Fähre auf die Insel, sehe ich sie wieder, die Wollmenschen. Unten Regenbogen, oben Regenbogen, auf dem Kopf eine Wollwolke, an den Füßen Ringelsocken und Sandalen. Um sie herum Funktionsjacken und Matschhosen, Fleecemützen und Gore-Tex-Hanschuhe. Die beiden sind aus der Zeit gefallen. Oder aus dem Ort. Sie belegen sich das nächste Brot. Der Duft weht herüber. Das Schiff beginnt zu schaukeln.

Morgen kommt Orkan Herwat.

Eine Expedition nach Dangast

11. 09. 2017  •  11 Kommentare

In der vergangenen Woche reiste ich nach Dangast.

Dangast: Künstlerpfad am Strand, Panoramabild

Ich fuhr dorthin, um das Barcamp Dangast zu besuchen. Und um aufs Meer zu schauen.

Man munkelt über die Nordsee, dass sie oft nicht dort sei, wo sie sein sollte, besonders dann, wenn man sie braucht. Das kann ich so nicht bestätigen: Sie war stets zur Mittagszeit anwesend, wenngleich nur kurz.

Zum Ausgleich und für ein nichtsdestotrotz umfassendes Nordseegefühl sandte der Meeresgott große Mengen Regen und Wind. Das Wasser malte Rinnen und Furchen in den Sand, und als ich sicher war, dass aller Sand in den Jadebusen und von dort nach England und weiter nach Grönland und von dort nach Kanada fließen werde, hörte es auf zu regnen und die Sonne schien.

Dangast: Strand nach Regen

Am Donnerstag mietete ich mir ein Fahrrad und fuhr erst in die eine, dann in die andere Richtung, immer am Deich entlang. Am Deich entlangfahren ist wie schwimmen – zu Beginn sehr langweilig: Ich fuhr und fuhr, es ging geradeaus, Seeschwalben stürzten durch die Luft, der Deich war links, die Kühe waren rechts, es kam eine Biegung, und nach der Biegung ging es weiter geradeaus. Den Kühen folgte Mais, und dem Mais folgte Wiese. Der Deich blieb immer Deich, mal mit Schafen, mal ohne. Ich trat und trat, es nieselte weich in mein Gesicht, ich dachte nicht mehr ans Ziel, denn das Ziel war ohnehin willkürlich, und nach einer Zeit war es einfach nur schön. So wie beim Schwimmen, wenn man irgendwann vergisst, die Bahnen zu zählen.

Als ich keine Lust mehr hatte, den Deich links zu haben, drehte ich das Fahrrad um und fuhr wieder zurück. Das Seltsame war, dass ich, auch wenn der Deich nun rechts war, wieder Gegenwind hatte. „Mikroklima“, sagten mir die Einheimischen später. „Kannste nix machen.“

Ich fuhr zurück nach Dangast und noch ein Stück weiter, legte mich auf einen Steg in die Salzwiesen, drehte das Fahrrad wieder um, fuhr zurück und setzte mich an den Strand, trank Milchkaffee und Cola, und plötzlich war die Sonne wieder da.

Dangast: Am Stand mit Milchkaffee und Cola

Am Freitag begann das Barcamp.

Auf einem Barcamp treffen sich Menschen. Was sie dort machen, stimmen sie ab: Jeder kann ein Thema mitbringen, und wenn genug Leute sagen, dass sie das Thema interessant finden, sprechen sie eine Stunde lang darüber. Manchmal zeigt jemand etwas, manchmal stellt er eine Frage, und es gibt auch Leute, die nur zuhören.

Dangast, Barcamp: Sessions Tag 2

Erstaunlicherweise ist immer ausreichend Interessantes dabei. Erstaunlicherweise sind die Menschen, die auf Barcamps gehen, sehr freundlich. Und erstaunlicherweise lerne ich immer etwas – meist über Dinge, von denen ich vorab noch nie etwas gehört habe. So war es auch diesmal.

Falls Ihnen diese Argumente nicht ausreichen, um das Barcamp in Dangast im kommenden Jahr zu besuchen: Die Aussicht aufs Meer war verdammt nicht übel.

Dangast, Barcamp: Ausblick

Das auf dem Foto, genau auf zwölf Uhr, sind Frank und Djure. Sie haben das Barcamp moderiert.

Während meiner Zeit in Dangast wohnte ich übrigens in einer heimeligen Pension: ein altes Herrenhaus mit Kieseinfahrt und Bauerngarten, die Fassade mit Efeu berankt, das Haus von Bäumen umsäumt. Die Dielen knarzten. Die Decken waren hoch und die Türen schwer.

Die Freundlichkeit der Pensionswirtin zum Maßstab genommen, wird sie irgendwann in einer fernen Nacht, wenn das Meer gegen den Deich schwappt und sie ihre Gäste wieder einmal besonders hasst, während der Mond durch die Sprossenfenster scheint und der Wind die Bäume biegt, mit einer Axt durchs Haus gehen und jeden ihrer Besucher in einer einzigen, fließenden Bewegung im Schlaf enthaupten. Vielleicht.

Etwas anderes: Sonnenuntergang.

Dangast Strand: Panorama bei Sonnenuntergang

Wenn ich am Meer bin, denke ich jedesmal: Am Meer wohnen, das wäre schön. Vielleicht mache ich das eines Tages, an einem Ort, an dem es nicht nur Meer, sondern auch Berge gibt. Denn in den Bergen wohnen, das wäre auch schön.

Bis dahin fahre ich öfter mal hin, in die Berge und ans Meer.

Pizzeria in Strandnähe

6. 09. 2017  •  12 Kommentare

Sie setzen sich an den Nebentisch: Er, sie und ein Junge.

Er, ein Mann so mittelalt, wie es sonst nur Gouda ist, Haarkranz, Herrensandale und kariertes Hemd. Die Haare rasiert er sonst kürzer, das sieht man. Doch im Urlaub sind sie gewachsen, einige Millimeter nur, und schon sieht er plötzlich seinem Vater ähnlich. Sie hat lange, dicke Haare mit mehr Grau als Schwarz, Fleecepullover, Trekkinghose. Eine Frau mit der Aura von Sandelholz. Neben ihr sitzt der Junge: kein Kind mehr und auch noch kein Erwachsener, schlaksig, seine Augen blicken ins Leere. Es strengt ihn an, keine Sandburgen mehr zu bauen; er hält aus, den ganzen Urlaub schon.

Sie blättern in der Karte, und der Mann sagt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“ Er sagt Bruschedda, mit Sch wie Schürfwunde und zwei D.
Sie sagt: „Sicher“, und fragt den Jungen: „Und du? Wieder Prosciutto?“
„Jo“, antwortet der Junge und rutscht mit dem Hintern näher an die Kante des Stuhls. Er liegt nun halb und fläzt sich unter den Tisch.
Der Mann fragt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“
„Hab ich doch gesagt“, sagt sie und blättert weiter in der Karte.
„Was hast du gesagt?“
„Dass wir Bruschetta nehmen.“
„Also ja.“
„Hab ich doch gesagt.“
Schweigen.
„Du musst dann aber auch was mitessen“, sagt er, und zu dem Jungen: „Im Restaurant sitzt man ordentlich.“ Pause. „Willst du auch Bruschedda?“
„Was isn das?“, fragt der Junge.
„Brot mit was drauf.“
„Nee.“
„Also nicht.“
„Nee.“
„Aber nicht, dass du hinterher doch was willst.“
„Will ich nicht.“
„Nu setz dich mal richtig hin“, sagt sie und knufft dem Jungen den Ellbogen in die Rippen.

Der Junge stützt sich mit beiden Händen auf die Stuhlfläche und schiebt sich hoch. Er legt einen Arm auf den Tisch und tippt mit dem Zeigefinger auf die Zinken seiner Gabel. Der Griff wippt auf und ab.
„Dich kann man auch nirgendwo mit hinnehmen“, sagt der Mann.

Die Kellnerin kommt. Er sagt: „Für mich einmal die 36. Dann noch die 12 und was nimmst du, Schatz?“
„17.“
„Und einmal die 17. Und vorweg zweimal Bruschedda.“
Die Kellnerin sammelt die Karten ein und geht.

Sie fragt: „Wieso jetzt zweimal Bruschetta?“
„Er isst auch was mit“, sagt der Mann.
„Ich hab gesagt, ich will kein Brot“, sagt der Junge.
„Am Ende nimmst du doch was.“
„Nehme ich nicht.“
„Ist ja egal jetzt.“

Sie schweigen. Draußen biegt der Wind die Bäume.

„Morgen müssen wir dann mal sehen“, sagt er. „Wie das Wetter wird.“
„Sehen wir dann ja“, sagt sie.
„Ob wir dann nochmal an den Strand gehen oder doch was anderes machen.“
Der Junge wippt mit der Gabel. Der Mann langt über den Tisch, greift die Gabel und legt sie neben seine eigene. „Damit ist jetzt Schluss“, sagt er.
„Lass ihn doch“, sagt die Frau.

Der Mann lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor dem Körper. Der Junge fläzt sich wieder unter den Tisch und verschränkt ebenfalls die Arme. Der Wind heult. Die Frau faltet Knicke in ihre Serviette.
Nach einer Weile sagt der Mann: „Ich rauch‘ noch eine, bevor das Essen kommt.“ Er steht auf und geht den Gang hinunter. Die schwere Tür schlägt hinter ihm ins Schloss.

„Er nervt“, sagt der Junge.
Sie schweigt und faltet.

Schickt mich auf Weltreise!

17. 08. 2017  •  20 Kommentare

In drei Monaten um die Welt:

Weleda schickt einen Blogger oder eine Bloggerin auf die Reise.

Von farbenprächtigen Granatapfelhainen in Italien bis hin zu malerischen Gärten in 1.200 Meter Seehöhe in Argentinien wirst du auf der Weleda Weltreise viele schöne und beeindruckende Orte kennenlernen. […]

Führe interessante Interviews, fotografiere Plantagen und lasse dich vom Lavendelduft betören. Werde Teil von Weleda, erstelle faszinierende Storys und teile dein Abenteuer.

Ich habe mich beworben – und brauche Eure Unterstützung. Denn bei der Auswahl der Landesfinalisten zählen die online gesammelten Stimmen. Mit ihnen komme ich in die Endausscheidung der letzten Sechs.

Screenshot von meiner Kandidatenseite

Screenshot von meiner Kandidatenseite bei „Weleda Global Garden“

 

Gewinne ich und reise als deutsche Vertreterin um die Welt, schreibe und publiziere ich für Weleda – und nehme Euch mit auf die Reise! Im Weleda-Blog, hier, auf Instagram, bei den Gärtnerinnen, auf Twitter und auf Facebook.

Jetzt für tolle Kännchengeschichten abstimmen!

*

Around the world in three months! The company Weleda pays a blogger to travel around the world to visit the Weleda Global Gardens. Groves of pomegranates in Italy and picturesque gardens in 1.200 metres above sea level in Argentina: I’ll have the opportunity to stroll through fascinating gardens around the world.

But first I need your support: Vote for me to become one of the best six candidates in Germany!

If I win and if I travel around the world as the German represantative, I’ll write and publish for Weleda (in English) and take you with me on a wonderful journey! Of course I’ll also publish here in my blog, on Instagram, on my garden blog, on Twitter and Facebook.

Your vote for Vanessa’s stories

Zehn Bemerknisse zu einer Reise von Dortmund über Bern nach Heidelberg

21. 02. 2017  •  18 Kommentare

1. Wenn ich wegfahre, stelle ich sehr oft fest: Überall ist es schöner als in Dortmund. Das drückte beim Blick auf die Berner Alpen ein bisschen auf die Stimmung. Ansonsten war die Stimmung aber großartig – ist ja logisch, bei dieser Aussicht:

Oberhalb des Gurtendorfs bei Bern mit Blick auf die schneebedeckten Alpen

2. Von dieser Einschätzung bezüglich Dortmund sind natürlich die Menschen im Ruhrgebiet ausgenommen. Sie sind einmalig und die eigentliche Schönheit des Zuhauses. Und der Dortmunder Fußballverein. Der ist auch super, logisch. Aber sonst ist das Berner Stadtpanorama etwas schöner als das Dortmunder. Ganz bisschen.

Bern: Stadtpanorama

3. Was die Stimmung bei einer Reise in die Schweiz eindeutig und immer hebt, ist, neben der Landschaft, dem Reisen an sich und der Reisebegleitung, das Berndeutsche. Welch schöner Dialekt. So freundlich und harmonisch, so melodiös.

4. Bahnfahren ist immer noch die beste Art zu reisen, vor allem, wenn man alleine reist. Die Reise an sich wird offenkundig, das Wegzurücklegen und damit das Ziel des Reisens als solches. Außerdem kann man, wenn man sieben Stunden dasitzt, jede Menge tolle Dinge tun, zum Beispiel aus dem Fenster sehen und zuschauen, wie die Wolken vom Rheintal aufsteigen.

Rheintal

5. „Für drei Tage in die Schweiz? Dann hast du ja nichts vom Urlaub!“ Wenn man den Hinweg und den Rückweg, also das Fahren an sich, ebenfalls als Urlaub empfindet, sind es doch wieder drei volle Tage und dann habe ich sehr viel davon. Außerdem muss ich regelmäßig andere Luft atmen, auch wenn es nur für kurz ist.

6. Es ist mit leichter Hand möglich, 75 Schweizer Franken und damit den Gegenwert einer achttägigen Rainbow-Tours-Busreise nach Lloret de Mar (inklusive 1 Freigetränk) in eine Handvoll Schokolade zu investieren. Nicht so leichte Hand, sondern der gesamte, zur Verfügung stehende Bedürfnisaufschub ist allerdings vonnöten, diese Schokolade nicht an Ort und Stelle zu vertilgen.

7. Der Bedürfnisaufschub macht es, einmal installiert, dann allerdings möglich, die Hälfte des Schokoladeneinkaufs nach Deutschland zu importieren und Freunden bereitzustellen, die sich sehr freuen, weshalb wiederum ich mich freue. (Die andere Hälfte der Schokolade ist notwendig, die körperliche und emotionale Energie zu dieser Leistung aufzubringen.)

8. Das Neckartal rund um Heidelberg ist ergreifend hübsch. Bislang war es eine Gegend, an der ich nur vorbeigefahren bin, da ich mich noch nicht in einem Alter befinde, in dem ich Weinwanderungen oder Flusskreuzfahrten unternehme.

Heidelberg: Philosophenweg, Aussicht

9. Wie gut, dass ich nun Freunde im Neckartal wohnen habe. So kann ich das Thema „Weinwanderungen“ vorzeitig in Angriff nehmen. Vielleicht auch nur Wein, ohne Wanderung. Naja gut. Ein bisschen Wanderung. Auf dem Philosophenweg, sinnierend.

10. Heidelberg kann Kuchen und Apfelstrudel und überhaupt alles, was glücklich macht. Insofern ist wandern tatsächlich nicht schlecht, zur Kompensation.

Aufregung im Einkaufszentrum

30. 01. 2017  •  14 Kommentare

Es ist eines dieser Einkaufszentren im Ruhrgebiet. Ladenketten, Bäckereien und untendrin ein Supermarkt, downtown in der Fußgängerzone; ein Ort für Teenager auf Sinnsuche zwischen Lippenpflege und Skinny Jeans.

Ich sitze an einem der Eingänge in einem Bäckerei-Café und überbrücke die Zeit zwischen zwei Terminen mit Milchschaum und Brainstorming, so wie man es von Menschen in Berlin annimmt, nur dass meine Aussicht nicht die efeuberankten Altbauten eines Szenekiez sind, sondern ein Schuhladen, der für Winterstiefelschlussverkauf ab 19,90 Euro wirbt und in dessen belüftetem Eingangsbereich eine winzige Verkäuferin in der Warmluft steht.

Mein Blick auf sie wird durch vier silberhaarige Damen unterbrochen, die, jede einen Kakao und ein Stück Butterstreusel vor sich, ihre gesundheitliche Situation besprechen. Es geht um Hüften, Eierstöcke und die Serviceleistungen von Krankenhäusern in kirchlichen Trägerschaften, wobei man sich einig ist, dass evangelisch besser als katholisch, katholisch aber immerhin besser als städtisch ist, zumindest was das Nachmittagsgebäck in Orthopädie und Gynäkologie angeht.

Plötzlich Aufruhr: Polizei und Feuerwehr betreten die Szenerie und laufen ins Einkaufszentrum. Blaulicht flimmert in den Scheiben. Großes Hallo. Die Damen erheben sich leicht aus den Sesseln, so wie es ihre Hüften eben zulassen, und wenden sich der Fensterfront zu. Die Schuhverkäuferin dreht nur leicht den Kopf. Es scheint etwas Besonderes vor sich zu gehen, aber so wirklich gibt es nichts zu sehen. Das Geschehen findet um die Ecke statt.

Etwa zwanzig Minuten später kommen Frauen in Kitteln ins Café, auf der Kleidung das Emblem einer Drogeriekette. Ein junger Mann, heißt es, habe mit Reizgas um sich gesprüht, nichts Schlimmes, aber in diesen Zeiten weiß man ja nie. Die Verkäuferinnen werden mit Gratis-Kaffee versorgt. Die Silberdamen sind beim außerplanmäßigen zweiten Kakao, der Butterstreusel ist aufgegessen, aber es ist alles so aufregend. Noch aufregender wird es, als zwei Feuerwehrleute und ein Notarzt das Café betreten, junge Männer, die sich in warmem Tonfall erkundigen, ob noch jemand Hilfe benötige.

Die Damen erheben sich erneut und synchron in ihren Sesseln, setzen sich leicht um und lassen sich wieder sinken; es ist etwas deutlich Lorioteskes in dieser Geste. Ihr Blick ist nun nicht mehr gemeinschaftlich aus dem Fenster, sondern auf die Einsatzkräfte gerichtet. Eine der Frauen ergreift eine Serviette und fächelt sich Luft zu.

„Alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragt der Notarzt. Er hat braunes, lockiges Haar und erfüllt alle Voraussetzungen für eine Krankenhaus-Vorabendserie.

„Und wie, Herr Doktor“, antwortet sie. „Und wie.“

Wandern auf Teneriffa – kleiner Ratgeber mit Fotos

1. 01. 2017  •  5 Kommentare

Ein bisschen Wandercontent.

Für Leute, die auch gerne wandern. Und für Leute, die anderen gerne beim Wandern zugucken. Ist ja ein Serviceblog hier.

Wanderungen und Erlebnisse auf Teneriffa:

Osten:
Küstenwanderung bei Puertito de Güimar
(Rother-Wanderführer Teneriffa, Tour Nr. 11)

Länge: 7 Kilometer
Reine Gehzeit: 2 Stunden
Höhenmeter: 150 Meter im Auf- und Abstieg

Jeder Wanderurlaub braucht eine Einstiegswanderung. Wegen Klima und überhaupt – man muss sich ja erstmal gewöhnen. Ans Urlauben. Ans Rumlaufen. Ans gute Wetter. An alles.

Eigentlich ist es keine richtige Wanderung, sondern mehr ein Spaziergang.

Weg auf Vulkanfläche mit Kakteen

Das Spazierwandern nahe Güimar führt durch Lavafelder am Meer entlang. Auf der Lava wachsen Kandelaberkakteen. Sie sind sehr groß. Man kann sich daneben stellen und staunen. Und Fotos machen, die man dann zu Hause seinen Eltern zeigt. „Guckt mal, wie groß die Kakteen sind!“ Großes Hallo.

Auf dem Weg kommt irgendwo ein Erklärschild zu den unterschiedlichen Vegetationszonen im Küstenstreifen. Es gibt außerdem viele Geckos, die aufgescheucht umherlaufen und dann unter Steinen verschwinden. Den Geckos möchte ich immer zurufen: Leute! Bleibt doch einfach auf Eurem Stein sitzen. Dann bemerkt Euch auch niemand. Niemand! Aber so!

Der Blick geht links in die Berge, rechts aufs Meer. Als ich das Foto mache, habe ich das Meer im Rücken. Sie hören das Rauschen auch, ne?

Vulkanfläche mit grünen Sträuchern

Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung ist Puertito de Güimar. Das ist ein kleiner Küstenort mit einem zentralen Platz, an dem es Tapas-Bars gibt, in denen die Leute Sachen durcheinander essen, zum Beispiel Runzelkartoffeln mit Mojo und kleine Fische mit Kopf. Dabei telefonieren sie laut. Ziemlich prima. Und es gibt eine Eisdiele mit wirklich cremigem Eis.

Die kleine Wanderung lässt sich gut mit einem Besuch bei den Pyramiden von Güimar vereinbaren. Thor Heyerdahl hatte die Terrassenbauten als Forschungsobjekt für sich entdeckt. Sie sind nach dem Sonnenstand ausgerichtet. Er fand das ominös und meint, dass sie von den Ureinwohnern Teneriffas, den Guanchen stammen. Andere sagen, dass ein paar Bauern einfach ein paar Steine aufeinander gestapelt haben, um Partys darauf zu feiern.

Pyramiden von Güimar

Im Museum von Güimar kann man Einiges mehr über Thor Heyerdahl erfahren und wie er mit einem Papyrusboot über den Atlantik segelte. Es gibt außerdem einen Garten mit Giftpflanzen. Falls Sie dahingehend ein Projekt planen, Züchtung oder Nutzung, sei der Besuch wärmstens empfohlen.

Das Schönste an der Wanderung: der Weg am Meer entlang.

***

Westen:
Ums Santioago-Tal (Rother Nr. 28)

Länge: 11,2 Kilometer
Reine Gehzeit: 4 Stunden
Höhenmeter: 500 Meter im Auf- und Abstieg

Dies ist eine der Wanderungen, die mit einem steilen Anstieg beginnen, und danach lange die Höhe halten. Im letzten Drittel des Weges geht man wieder ins Tal zurück. Wanderungen mit diesem Höhenprofil sind die besten: Am Anfang quält man sich, aber danach ist es über eine lange Strecke ziemlich toll.

Der Rother-Wanderführer ist bisweilen blumig in seinen Beschreibungen. Da steht dann sowas wie „leichte Wanderung mit sportlichen Einlagen“. Die sportlichen Einlagen, darauf können Sie wetten, sind mehr als einlagig, und danach ist man reif für ein Eis.

Ernst wird es aber erst, wenn Rother gerade nicht blumig umschreibt, sondern die Dinge beim Namen nennt – in diesem Fall: „steil ansteigende Dorfstraße Calle La Rosa“.

Steil ansteigende Dorfstraße zwischen Häusern

Die Autos hatten Unterlegkeile vor den Reifen.

Hinter der Straße geht es eineinhalb Stunden knackig berghoch. Beim Berghochgehen finde ich es nicht entscheidend, wie steil es ist, sondern wie der Weg beschaffen ist. Je kleiner die Schritte sind, die man machen kann, desto besser. Je unregelmäßiger und größer die Schritte, desto schlechter. Am blödesten ist, wenn man mit hüfthohen Schritten über Felsen steigen muss.

Hier geht das Bergauflaufen prima. Im Wanderführer steht, der Weg führe „gemütlich bergan (mitunter etwas verwachsen)“, und das stimmt im Großen und Ganzen. Die Fläche links ist der Weg:

Steiniger, steil ansteigender Steig

Überall wachsen große Brokkolanten. In Wirklichkeit heißen sie nicht Brokkolanten, sondern Balsam-Aeonium, aber der Name passt gut. Riesenbrokkolis.

Nach 500 Höhenmetern habe ich einen tollen Ausblick auf Tamaimo – das Dorf, in dem wir losgegangen sind. Die Insel am Horizont ist La Palma.

Blick auf Tamaimo, Meer im Hintergrund

Es geht noch ein bisschen bergauf, dann führt der Weg auf einem Pfad den Berg entlang. Das Santiago-Tal öffnet sich. Die Sonne scheint. Das ist sehr schön.

Links das Dorf: Arguyao; geradeaus Tamaimo, und rechts auf dem Weg geht es nach Santiago del Teide.

Blick ins Tal, Straße windet sich, im Hintergrund das Meer

In Santiago del Teide gibt es eine Schule, deren Schulhofmauer mit Minions und Peppa Wutz bemalt ist. Große Freude! Bilder ans kleine Patenkind!

Der Weg führt auf der anderen Seite des Tals zurück.

Dass Bergablaufen leichter ist als Bergauflaufen, ist  ja einer der großen Irrtümer des Wanderns. Der Rückweg geht bei dieser Wanderung zwar weniger steil bergab als der Hinweg bergauf. Am nächsten Tag hatte ich trotzdem Muskelkater in Hintern und Beinen.

Blick ins Tal, Rückweg

Der Hinweg führte oben über die gegenüberlegende Bergkette.

Das Schönste an der Wanderung: der Blick ins Tal und aufs Meer. Auf dem Rückweg aufs Meer zulaufen.

***

Süden:
Auf den Roque del Conde (Rother Nr. 38)

Länge: 5,2 Kilometer
Reine Gehzeit: 3,5 Stunden
Höhenmeter: 500 Meter im Auf- und Abstieg

Da oben, rechts auf der flachen Fläche – das ist der Gipfel. Dort geht’s hin:

Roque del Conde von unten

Doch zuerst geht’s bergrunter. Das ist immer verdächtig. Wenn es runter geht, muss man auch wieder rauf, und wenn man schon sieht, wie weit rauf, ist ein Einstieg bergab ein Zeichen deutlichen Ungemachs. Wir durchqueren also erstmal einen Barranco.

Danach geht’s geschmeidig bergan (von links nach rechts):

Blick aufs Meer

Ich stapfe vor mich hin und genieße die schöne Aussicht. Nach einer Stunde kommt ein kleiner Sattel, und wir haben zum ersten Mal einen freien Blick auf die Küste.

Panorama: Auf der Hälfte, rechts geht's weiter bergauf

Rechts geht es weiter den Berg hoch. Auf dem Foto sieht das ganz fluffig aus. Doch zum Größenvergleich: Der weiße Punkt oberhalb des Kaktus ist der Mitwanderer – und der Weg führt erstmal um den Berg herum, bevor man den Gipfel erreicht. Da kommt noch ganz viel Uff.

Oder in Zahlen: Es folgen 300 Höhenmeter auf einer Länge von zwei Kilometern. Mehr als 100 Höhenmeter pro Kilometer heißt immer: großes Herz-Kreislauf-Bootcamp! Schön, dass uns Gleitschirmflieger begleiten. Erst einer, dann drei, dann fünf.

Aufstieg mit Blick aufs Meer

Der Rother-Wanderführer sagt: „mittelschwere Wanderung“ auf „teilweise auf steilem Pfad“. So sieht er dann aus, der „steile Pfad“:

Kraxeln

Beim Abstieg greife ich ab und zu dankbar in einen Ginsterbusch, um mich nicht lang zu machen. Aber Obacht: Ein Kaktus ist kein Ginsterbusch. #fuerSiegetestet

Der Rundumblick auf dem Gipfel entschädigt für alle Mühen:

Gipfelglück: Blick auf den Nationalpark mit Teide

Sogar mit Gipfelkreuz! Naja … Gipfelrohr. Video von der Ankunft auf dem Plateau. 

Zurück geht’s auf dem gleichen Weg wie hin. So sieht das dann aus, wenn das Ziel – das Dorf – nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt ist, aber ein Barranco im Weg ist. Der gezackte Weg ist der Weg zum Eis.

Rückweg: Erst runter, dann wieder hoch

Das Schönste an der Wanderung: der Rundum-Blick auf dem Gipfel.

***

Nationalpark:
Arenas Negras und Altas de Guamaso (Rother Nr. 70)

Länge: 12,3 Kilometer
Reine Gehzeit: 3,5 Stunden
Höhenmeter: 350 Meter im Auf- und Abstieg

Diese Wanderung ist relativ schlicht: unspektakuläres Höhenprofil, kein Gipfel. Trotzdem ist sie ziemlich super, denn sie ist eine ideale Wanderung, um die Cañadas zu genießen. Die Caldera de Cañadas ist ein vulkanischer Einsturzkessel im Zentrum Teneriffas. Er hat einen Durchmesser von 17 Kilometern. Es ist, als ob man auf dem Mond spazieren geht.

Die Wanderung ist eigentlich zwei Wanderungen: eine Runde durch die Arenas Negras, eine zweite Runde um einen kleinen Berg. Das Ganze beginnt auf 2030 Metern. Der höchste Punkt liegt auf knapp 2300 Metern. Das ist noch nicht wahnsinnig hoch, trotzdem schlauchen die Steigungen mehr als auf Meereshöhe.

Karge Landschaft, Blick auf Teide

Das Schöne an der Wanderung: Man hat die ganze Zeit den Teide im Blick. Außerdem gibt es Canyons, Krusten, Furchen und schroffe Vulkanlandschaft zumn Sattsehen.

Arenas Negras

Es weht ein ambitionierter Wind, und wenn man in kurzer Hose läuft und sich vorher die Beine eingeschmiert hat, ist man hinterher schön bepudert.

Im zweiten Abschnitt geht’s auf einem Weg über den Wolken an einem Berghang entlang. Ich habe mich wie ein Englein gefühlt – nur nicht ganz so beschwingt.

Steiniger Weg über den Wolken

Sentero 14: Schild über den Wolken

Blick von oben auf die Küste

Weil die Wanderung am Berggasthaus von El Portillo startet, gibt es die Möglichkeit einzukehren. Oder sich ein Eis auf die Faust zu kaufen, um sich damit auf einen Stein zu setzen und versonnen ins Tal zu blicken.

Das Schönste an der Wanderung: die Weite der Landschaft und die Wolken.

***

Zwei Wanderungen, die ich nicht in diesem Jahr, sondern vor sieben Jahren machte, als ich schon einmal auf Teneriffa war, möchte ich auch erwähnen. Denn sie sind Klassiker.

Westen:
Masca-Schlucht (Rother Nr. 26)

Länge: 8,4 Kilometer
Reine Gehzeit: 6 Stunden
Höhenmeter: 650 Meter im Auf- und Abstieg

Die Wanderung auf Teneriffa: den Barranco de Masca hinunter. Eine sehr imposante Schlucht: Steilwände, Wasserläufe und Berge, die sich zum Meer hin öffnen. Sobald man hineinsteigt, bleibt die Zivilisation draußen. Hier kann man nur zu Fuß durch.

Ein paar Italiener sind seinerzeit in Flip Flops hinunter geschlappt, eine dreiköpfige Familie hat mich joggend überholt – ich hingegen habe mich in Wanderschuhen gut ausgestattet gefühlt. Denn die Tour ist nicht ohne: Man muss über Felsen klettern, und es zeigt sich mal wieder, dass Bergabgehen keine so tolle Sache ist, wenn man nicht weiß, wo man den Fuß hinsetzen soll. Mehrmals stand ich vor einem Rätsel, wie es weitergehen sollte.

Die meisten Touristen gehen nur hinunter, aber nicht wieder hinauf. Vom Strand unten fährt ein Boot ab – allerdings muss man vorab Fahrkarten buchen. Ich bin seinerzeit wieder hinauf gelaufen. Das ging ziemlich gut und war sogar deutlich weniger beschwerlich als der Abstieg. Kann man also machen.

Nationalpark:
Auf die Montaña Blanca (Rother Nr. 77)

Länge: 18,5 Kilometer
Reine Gehzeit: 7 Stunden
Höhenmeter: 800 Meter im Auf- und Abstieg

Die anstrengendste Wanderung, die ich bislang unternommen habe. Aufstieg von 2000 auf rund 2800 Meter, kein Baum, kein Strauch, der Weg steil, ein irrer Fallwind, und auf dem Rückweg zogen Wolken ein, so dass die Orientierung schwierig wurde und wir hoppigaloppi heim rannten. Tolle Sache für Leute, die über eine gute Kondition verfügen, die Höhe gut abkönnen und denen Wind nichts ausmacht. Allen anderen rate ich ab.

Von der Montaña Blanca aus kann man über die Altavista-Hütte auf den Teide aufsteigen. Das sind dann noch 1.000 Höhenmeter. Wer vor Sonnenaufgang losgeht und bis 9 Uhr den gehnehmigungspflichtigen Pfad zum Teide-Gipfel wieder verlassen hat, braucht keine Erlaubnis des Nationalparks. Das ist ein schönes Projekt, an das ich mich in diesem Jahr aber nicht herangetraut habe.

17 Bemerknisse zu einer Reise nach Teneriffa

29. 12. 2016  •  13 Kommentare

1. Es braucht nicht viel zum Glücklichsein. Wärme, Meer, Berge. Frisches Baguette, Manchego und ein bisschen Salami. Ein kaltes Getränk. Ein gutes Buch. Ach ja, und: Meer. Erwähnte ich die Berge schon? Und das Meer?

2. Das Meer. Es ist am schönsten, wenn es windig ist. Die Farbe, der Geruch, das Tosen der Wellen, die spritzende Gischt. Toll. Ich kann mir das lange anschauen. Dasitzen, auf einem Stein, zusehen, wie die Wellen ankommen, wie sie brechen, wie sie mal über die Steine rollen, gegen sie schlagen, sie verschlingen, sie verschonen.

Teneriffa: Porís de Abona, Strand

3. Die Wärme. Erstaunlich, was Sonne mit Menschen macht. Alles ist viel wärmer, und damit meine ich nicht nur die Luft, nicht nur die Haut. Es ist das Leben. Es ist leichter, es ist herzlicher, es ist angefüllt mit Freude. Nein, nicht nur, weil Urlaub ist. Vielleicht liegt es auch an der Siesta. Man sieht die Wärme richtig:

Teneriffa: Wanderung auf den Roque de Conde, Rückweg

4. Die Pflanzen: alles riesig. Die Weihnachtssterne: mannshohe Büsche. Die kleinen Zimmerpflanzen von Ikea: bis zum Bauchnabel. Lustige Dickblattgewächse. Ficusse wie Eichen. Kakteen wie Häuser. Und eine Würgefeige wie aus Avatar.

Teneriffa, Botanischer Garten. Würgefeige

5. Bananen. Ich finde es ja immer super, die Dinge, die bei uns im Supermarkt liegen, in freier Wildbahn zu sehen.

Im Bananenwald

6. Im Urlaub schmecken sie viel besser. Weil im Urlaub alles anders schmeckt. Natürlich kann es auch an der vorab zurückgelegten Wegstrecke liegen. Denn die traditionelle kanarische Stützbanane gibt es erst nach der Hälfte des Wanderweges. Dann schmeckt sie besonders gut.

Teneriffa: Banane vor Palmenkulisse

7. Feigen!

Feigen am Baum

8. Nach der Wanderung gibt es ein Eis, das muss so, das steht in der von mir noch zu verfassenden Allgemeinen Wanderbibel. Der spanischen Eismarke Kalise gehört in diesem Zusammenhang ein Orden verliehen: für die Evolution des Sandwich-Eises. Statt einer harten, hellen, styroporesken Strukturwaffel begleitet eine weiche, glatte Kakaowaffel den Inhalt und wertet das schnöde Sandwich-Eis erheblich auf. Geschmack, Mundgefühl – hamma. Geradezu Kunst. Ich empfehle das Werk „Kubanito“.

Teneriffa: Kubanito-Eis

9. Pinke Mützen sind bei jeder Wanderung hilfreich. Bei Wind halten sie warm. Denn auch wenn die Hose kurz ist, fegt’s oben oft heftig um die Ohren. Und man ist inmitten des schwarzen Vulkangesteins immer zu finden. Deshalb: mehr pinke Wandermützen.

Pinke Wandermütze

10. Wolken, ne: super. Von oben. Das ist wirklich erhebend: über den Wolken laufen, atmen, sein. Diese Fluffigkeit. Wie sie fließen. Wie sie sich in die Berge schieben. Wie sie sich in Fetzen verlieren und zu Kissen sammeln. Wie sie in den Wald hinein kriechen.

Teneriffa: Wolken kriechen in den Wald

11. Ganz oben über den Wolken, auf 3.600 Metern Höhe, sieht man, wie der Horizont sich biegt. Großartig. Abgesehen davon ist es kalt. Und sehr, sehr windig. Wenn man fünf Schichten übereinander zieht, geht’s – auch wenn man sich dann wie ein Wanderklops fühlt.

Teide: Auf 3.600 Metern Höhe knapp unter dem Gipfel - Blick nach unten

12. Die erstaunlichste Erfahrung: Was die Höhe mit mir macht. Es fühlte sich an, als hätte ich leicht einen sitzen. Ging es bergauf, war das Kraxeln überraschend anstrengend. Wie das Herz dann von innen gegen die Rippen hämmert – spooky. Auf Meereshöhe wird die Luft mit 1.000 mbar in unsere Lungen gepresst, auf 3.600 Metern nur noch mit 650 mbar, ich hab’s nach der Expedition nachgelesen, um sicher zu gehen, dass ich mir meine Benommenheit nicht eingebildet habe.

Teide: Blick auf La Gomera und La Palma

13. Die Städte auf Teneriffa sind hübsch hässlich: Santa Cruz können Sie sich knicken. Puerto de la Cruz ist schon netter. Es ist auch zugebaut, es gibt auch viele Ecken, die nicht so schön sind, aber die Stadt hat Charakter. Die Hanglage, das viele Grün, die Altstadt – das ist alles einladend.

Teneriffa, Puerto de la Cruz: Altstadt

14. Schonmal so ein Graffiti gesehen? Hamma, ne? Gibt es Puerto de la Cruz, irgendwo in der Altstadt. Man geht dort entlang, der Blick schweift in Richtung Häuserwand, und dort ist das:

Puerto de la Cruz: Graffiti

15. Manchmal ist das Leben ja Loriot: Ab zum Strand, 30 Kilometer Weg. Auto parken. Liege aussuchen. Die hier am Rand? Oder lieber eine in der Mitte? Mit Schirmchen? Ach, lieber die hier vorne, nah am Wasser. Liege mieten. Liege einstellen: halb hoch, zum Lesen und Schlummern. Handtuch ausschütteln. Handtuch ausbreiten. Frei machen. Klamotten ins Schirmchen hängen. Einschmieren. Und als ich mich gerade gebettet habe und das Buch raushole, zack: Wolke vor der Sonne. Und noch eine Wolke. Wind. Regen. Aus dem Nichts! Das ist doch Truman Show!

16. In Spanien gibt es diese Seniorenspielplätze: Trainingsgeräte, die irgendwo herumstehen. Manchmal sieht man dort tatsächlich Leute turnen – warum auch nicht. Ich mache das auch, das ist prima: Man kann mit den Beinen schlenkern und fühlt sich gut. Besonders mit dieser Aussicht:

Frau Nessy von hinten auf einem Seniorenspielgerät am Meer

17. Fliegen. Auch wenn ich schon 40-, 50-, vielleicht 60-mal geflogen bin: Ich finde es weiterhin faszinierend. Ich möchte auch jedesmal einen Fensterplatz. Die Wolken, die Welt von oben, die Berge, die Meere, die Risse in der Oberfläche, das Erkennen aller Strukturen – Wahnsinn.

Teneriffa von oben

Weil das hier ein Serviceblog ist, folgt demnächst noch eine Übersicht der Wanderungen. Mit Fotos von der schönen Aussicht, ohne dass Sie selbst hochkletten müssen.



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