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Archiv der Kategorie »Lektüre«

Bücher 2014 – 2

11. 05. 2014  •  4 Kommentare

Gelesen im März und April, analog und auf dem Kindle:

Kerstin Signe Danielsson. Roman Voosen. 
Später Frost. Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss.
Ein neues, skandinavisches Ermittlungsduo aus dem Süden Schwedens – und richtig gut. Ingrid Nyström ist endlich mal eine normale Kommissarin ohne Neurosen, mit Familie und einem schlechten Gewissen, wenn sie viel arbeitet. Stina Forss – okay, sie ist extravagant. Die beiden haben noch eine Handvoll Kollegen, mit denen sie gemeinsam ermitteln. Der erste Fall: Ein Schmetterlingszüchter wird tot in seinem Gewächshaus gefunden. Das Ganze ist recht undurchsichtig, denn der alte Mann lebte zurückgezogen und unauffällig. Ein klassischer Kriminalfall, der gut unterhält. Deshalb habe ich auch direkt das zweite Buch gelesen:

Kerstin Signe Danielsson. Roman Voosen. 
Rotwild. Der zweite Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss.
Auf einer kleinen Insel im See wird die Leiche eines Mannes gefunden, von Pfeilen durchbohrt. Nyström und Forss finden schnell heraus, dass er nach Vorbild des Heiligen Sebastian getötet wurde. Ansonsten bekommen sie den Fall nicht zu packen – bis ein zweiter Mann stirbt. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, aber nicht die schwedische. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Als Leser kommt man zwar irgendwann drauf, aber die Story bleibt trotzdem gut und beleuchtet ein spannendes Kapitel europäischer Geschichte.

Als ich das Buch gerade ausgelesen hatte, besichtigte ich zwei Tage später übrigens die Kathedrale von Cádiz. Dort, welch Zufall, hing in einer Seitenkapelle ein Bild des Heiligen Sebastian:

Der Heilige Sebastian in der Kathedrale von Cádiz

Rebecca Gablé. Das Haupt der Welt.
Ein neuer Gablé. Die historischen Romane von Rebecca Gablé lese ich gerne, weil sie unterhaltend und spannend sind: Die Geschichte ist meist gut komponiert, man lernt etwas über geschichtliche Ereignisse, es gibt Gut und Böse, Liebe und Enttäuschung, und am Ende ist immer alles prima. Über das „Haupt der Welt“ bin ich jedoch etwas enttäuscht. Die Geschichte ist zwar klassisch, sie spielt im Brandenburg des 10. Jahrhunderts: Ein junger Mann (Tugomir, Prinz der Heveller) wird seines Status‘ und seiner Heimat beraubt, verliebt sich in der Fremde, muss Kriege und Erniedrigung erdulden und erringt zum Schluss, soviel kann ich ohne Spoiler vorwegnehmen, Ehre für sich und sein Volk. Doch die Figuren wollten nicht so recht in meinem Kopf entstehen. Statt ihrer steht die geschichtliche Handlung im Vordergrund; detailverliebt wird eine Schlacht nach der anderen geschlagen. Das ist ermüdend. Das Positive am Buch: Von der Zeit zwischen 900 und 1100 wusste ich bislang nichts und habe viel über deutsche Geschichte erfahren.

Ralf Heimann. Die tote Kuh kommt morgen rein.
Ralf Heimann ist Redakteur bei der Münsterschen Zeitung und Vater des Blumenkübel-Phänomens. In seinem Buch „Die tote Kuh kommt morgen rein“ wird sein Alter Ego als Redakteur in die Münstersche Provinz versetzt. In 20 kleinen Geschichten, die locker durch eine Rahmenhandlung verbunden sind, gibt er wieder, was ein Redakteur in der Provinz so alles erlebt. Für Nicht-Journalisten ist das Buch wahrscheinlich nicht ganz so unterhaltsam, wer aber schonmal für eine Lokalredaktion auf dem Land gearbeitet hat, wird sich und die Stereotypen dort wiederfinden. Ein Buch, das den Lokaljournalismus karikiert, ihn aber nicht vorführt.

Kajsa Ingemarsson. Das große Glück kommt selten allein.
(Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner)
Den ersten Ingemarsson fand ich gut: ein klassisches Frauenbuch zwar, aber doch einigermaßen tiefgründig und gut erzählt. Von diesem Buch lassen Sie jedoch besser die Finger. Die Handlung: Stella Friberg ist eine gefeierte Bestsellerautorin, schön, reich und von vielen beneidet. Doch dann geht es mit ihrem neuen Roman nicht voran, ihr Freund ist plötzlich schwul und ihre Wohnung steht unter Wasser. Der gut aussehende Monteur Johnny kommt vorbei … Muss ich mehr sagen? Es war schlimm, wirklich schlimm.

Michael Kumpfmüller. Die Herrlichkeit des Lebens.
Das letzte Lebensjahr von Franz Kafka: Als Dichter ist er nur Eingeweihten bekannt. Er hat Tuberkulose, erholt sich an der Ostsee. Dort lernt er die 25-jährige Dora Diamant kennen. Der Leser begleitet die beiden ein Jahr lang bis zu Kafkas Tod. Die Geschichte wird mal aus seiner, mal aus ihrer Sicht erzählt. Kein erzählerisches Feuerwerk, sondern leise und behutsam. Ein gutes Buch – auch wenn es mich nicht vom Stuhl riss.

Charlotte Link. Im Tal des Fuchses.
Matthew und Vanessa Willard halten an einem Rastplatz. Er führt kurz den Hund aus, da verschwindet sie spurlos. Der Leser weiß sofort, wer es war. Trotzdem ist die Geschichte ungemein spannend, denn bis fast zum Schluss ist nicht klar, ob Vanessa noch lebt. Ein klasse konstruierter Thriller, der mich sehr gut unterhalten hat.

Martin Pistorius. Als ich unsichtbar war.
(Deutsch von Axel Plantiko)
Mit zwölf Jahren wird Martin krank: Er verliert seine Sprache und die Kontrolle über seinen Körper, fällt quasi ins Wachkoma. Für Eltern und Pfleger ist er fortan nur noch eine Hülle, die sie säubern und füttern müssen. Doch sein Geist ist vollkommen klar. Erst die Pflegerin Virna bemerkt nach etlichen Jahren, dass er zielgerichtet reagiert und sich mitteilen möchte. Die Geschichte ist nicht fiktiv: Martin Pistorius ist heute verheiratet und arbeitet als Webdesigner. Ich sag’s mal platt: krass. Wirklich krass.

Kjersti A. Skomsvold. Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich.
(Deutsch von Ursel Allenstein)
Ein ganz kleines, kurzes Buch: Mathea Martinsen ist fast hundert Jahre alt und lebt am Stadtrand von Oslo. Ihr Mann, ein Statistiker, den sie liebevoll „Epsilon“ nennt, ist gestorben – für sie ist er aber noch sehr lebendig. Denn außer ihm hat sie nichts: keine Kinder, keine Freunde, keinen Kontakt irgendwohin. Ihr Leben richtet sich nach dem Nachrichtensprecher und nach den Ohrenwärmern, die sie strickt. Ein verschrobenes, aber herzwerwärmendes Buch, das allein den Gedanken Matheas folgt, die keinesfalls Mitleid erregend sind.

Eva Stachnik. Der Winterpalast.
(Deutsch von Peter Knecht)
Warwara Nikolajewna kommt als Waise in den Winterpalast. Kanzler Bestuschew, ein gewiefter Politiker, weiß ihre Unvoreingenommenheit und Naivität zu schätzen und bildet sie als Spionin aus. Es sind die Zeiten der Kaiserin Elisabeth Petrowna; die Kaiserin holt  die junge Sophie von Anhalt-Zerbst – die spätere Katharina die Große – an den Hof, um sie mit ihrem Neffen zu vermählen.  Warwara wird die engste Vertraute Katharinas auf dem Weg zur Macht. Die Autorin Eva Stachnik erzählt die Geschichte in geschäftsmäßigem Ton mit Distanz zu den Figuren: Nie wird es tränenreich emotional, nie romantisch, immer bleibt die Erzählerin über den Dingen. Das hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich mir direkt die Fortsetzung kaufte:

Eva Stachnik. Die Zarin der Nacht.
(Deutsch von Peter Knecht)
Die Fortsetzung, in der, rückblickend vom Totenbett Katharina der Großen, ihre politische und private Lebensgeschichte erzählt wird, kann leider nicht mit dem ersten Teil mithalten. Der erste Abschnitt des Buches, rund 100 Seiten, ist redundant zum „Winterpalast“ – nur, dass die Geschichte noch einmal aus Sicht Katharinas und nicht Warwaras erzählt wird. Langweilig. Danach gibt es etliche Zeitsprünge, Katharina bleibt fremd, und die distanzierte Erzählweise nervt nun, weil es keine sympathische Handlungsträgerin mehr gibt.

Stephan Thome. Fliehkräfte.
Thomes „Grenzgang“ fand ich super, deshalb nun „Fliehkräfte“. Darum geht’s: Hartmut ist Professor für Philosophie und hat alles erreicht – beruflichen Erfolg, eine funktionierende Ehe, Kinder. Doch es kriselt: Seine Frau ist nach Berlin gezogen, um sich beruflich zu verwirklichen, und hat ihn zurückgelassen. An der Uni fühlt er sich fremd, seit die Bologna-Reformen laufen. Er will sich noch einmal verändern. Stephan Thome erzählt sehr nah an der Hauptfigur. Das gefällt. Ich konnte mich trotzdem nicht so richtig mit Hartmut anfreunden. Es ist mir auch zu viel Reflexion und zu wenig Handlung im Buch. Es fehlt der Spannungsbogen. Es ist kein schlechtes Buch, die Geschichte ist nicht schlecht erzählt. Vielleicht bin ich nur einfach nicht die richtige Leserin.

Pia Ziefle. Suna.
Ich nehme es direkt vorweg: super. Ein tolles Buch. Am Anfang war ich skeptisch: Ist das nun so eine gefühlsduselige „Frisch gebackene Mutter auf der Suche nach ihrer Identität“-Geschichte? Aber nein: Sie ist toll. Pia Ziefle erzählt mit Hilfe der Protagonistin Sophie die Geschichte ihrer eigenen Familie – die Mutter aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Vater eine Liebschaft aus Anatolien, aufgewachsen ist sie bei deutschen, sehr bürgerlichen Adoptiveltern. Pia Ziefle erzählt weise und klug, gefühlig, aber nicht gefühlsduselig.

 

Raketenmänner: Die Gewinner

8. 03. 2014  •  9 Kommentare

Eine leicht untersetzte, unrasierte Glücksfee hat „Stop“ gerufen, während ich durch die E-Mails scrollte, die ich für jeden Kommentar im Kännchencafé bekomme.

Die Stop-Rufe sind:

Herzlichen Glückwunsch zu einem Exemplar der „Raketenmänner“!

Raketenmänner: Buchverlosung

5. 03. 2014  •  148 Kommentare

Achtung, es gibt etwas zu gewinnen! Und zwar:

Frank Goosen: Raketenmänner

Kiepenheuer & Witsch hat mir das Buch zur Rezension geschickt – und gleichzeitig angeboten, dass ich drei Exemplare verlose.

Frank Goosen bin ich bislang zweimal begegnet: einmal beim Hören seines Kabarettprogramms „A40“, ein weiteres Mal beim Lesen seines Buchs „So viel Zeit“. Die A40-Nummern fand ich so lala, was aber eher an mir als an Herrn Goosen liegt, denn ich habe grundsätzlich ein Problem mit Kabarett-Komplettprogrammen – einfach, weil niemand durchgehend 90 Minuten lang super sein kann und zwischendrin quasi naturgegeben Ernüchterung eintritt.

„So viel Zeit“ war nach der So-lala-A40-Erfahrung eine Überraschung für mich. Die Geschichte gefiel mir gut. Der Stil gefiel mir gut. Das war rund und prima, und Lesen kann ich sowieso besser als hören.

Nun die „Raketenmänner“. Kurzgeschichten. Auf Kurzgeschichten kann ich normalerweise gar nicht. Kurzgeschichten sind immer irgendwie unvollständig, der Ejaculatio praecox unter den schriftlichen Werken: Man hat sich gerade eingegroovt, da ist es abrupt vorbei. KiWi diente mir also „Raketenmänner“ an, und ich dachte erstmal: Nun ja –  was soll’s, her damit, ist ja für umme.

Lange Vorrede, kurzes Fazit: „Raketenmänner“ ist richtig gut – weil es Erzählungen sind, die sowohl alleine für sich als auch im Zusammenhang mit den anderen Geschichten im Buch stehen können. Es sind kurze Episoden aus dem Leben von Männern: Sie heißen Riedel, Frohnberg, Sabolewski, sie stehen in der Mitte ihres Lebens, manchmal auch etwas weiter vorne oder hinten, sie betrügen ihre Frau, sie werden von ihrer Frau betrogen, sie werden gekündigt oder eröffnen einen Laden – und irgendwo dazwischen begegnen sie sich.

Was ich an Goosen mag, ist seine nüchterne, zweckmäßige Erzählweise. Er beschränkt sich auf Beschreibungen und lässt Raum für eigene Vorstellungen. Keinen der Männer lernt man als Leser näher kennen und doch meint man zu verstehen, was sie für Typen sind.

Wer gerne eines der drei Exemplare gewinnen möchte, schreibe bitte bis Samstagmorgen (8. März), 9 Uhr, in die Kommentare diese Beitrags:

Ja, ich will.

Am Wochenende lose ich aus. Im Falle eines Gewinns schreibe ich Ihnen eine Mail, frage Sie nach Ihrer Postadresse, schicke Ihre Adresse an Kiepenheuer & Witsch, und die Volontärin dort schickt Ihnen das Buch.

Bücher 2014 – 1

19. 02. 2014  •  13 Kommentare

Die ersten Bücher des Jahres – von Januar bis Mitte Februar:

Bücher 2014 - 1

Swetlana Alixijewitsch. Eine Chronik der Zukunft.
(Deutsch von Gabba-Maria Braungardt)
Swetlana Alixijewitsch hat im vergangenen Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen. Aus Interviews macht sie Dokumentarliteratur; für „Eine Chronik der Zukunft“ hat sie mit Menschen gesprochen, die nahe Tschernobyl wohnen oder wohnten, mit Witwen toter Liquidatoren, mit Bauern und Wissenschaftlern. In Monologen erzählen lässt sie die Leute erzählen, wie es damals, 1986, war, welche Wendung ihr Leben genommen hat und was sie über den Unfall denken. Es sind spannende, ernüchternde und erschreckende Dokumente.

Adriana Altaras. Titos Brille.
Untertitel des Buches ist: „Die Geschichte meiner strapaziösen Familie“. Adriana Altaras wohnt in Berlin, hat zwei Söhne und einen westfälischen Ehemann und ist Jüdin. Ihre Familie stammt vom Balkan, ihr Vater Jakob war Partisan um Tito und später Professor für Radiologie in Gießen, die Verwandtschaft verschlug es nach Italien.  Mit Witz, Ironie und Leichtigkeit erzählt sie von ihrer Familie und von deren Vergangenheit; die Verfolgung, die insbesondere die Elterngeneration der Alataras‘ erfahren haben, holt diese immer wieder ein. Adriana Altaras erzählt in leisen Tönen von Flucht und Lageraufenthalten; gleichzeitig erzählt sie mit Augenzwinkern von der Melodramatik, mit der ihre Familienmitglieder ihre Geschichte heute zelebrieren, und von jüdischen Tradition, die sie an den Rand des Wahnsinns treiben. Das Buch ist herzerwärmend, wunderbar.

Tana French. Grabesgrün.
(Deutsch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)
In einer archäologischen Ausgrabungsstätte wird ein Mädchen gefunden, aufgebahrt auf einem Opferaltar. War es einer der Archäologen? In der Familie des Mädchens gibt es Ungereimtheiten: Die Schwester der Toten ist oft krank, der Vater hat eine dunkle Vergangenheit. In dem kleinen irischen Ort sind vor Jahrzehnten außerdem schon einmal Kinder verschwunden – Ermittler Rob war damals mit ihnen befreundet. Gemeinsam mit seiner Kollegin bohrt er tief in der Geschichte des Dorfes. Das Buch beginnt vielversprechend, ist am Ende okay. Was penetrant nervt, ist, dass die Kommissare ständig rauchen und trinken. Sie sollten sich mal ’ne Auszeit und ’nen Entzug gönnen. Anregung an die Krimiautoren dieser Welt: Bitte mal Ermittler ohne psychische Störungen, Akohol- und Nikotinprobleme erfinden.

Arno Geiger. Der alte König in seinem Exil.
Ein bewegendes Buch: Arno Geiger erzählt von seinem Leben mit dem demenzkranken Vater. Geigers Verhältnis zu ihm war in der Vergangenheit nicht einfach, jetzt, wo der Vater krank ist, näher er sich ihm wieder an. Er erzählt anrührend und feinfühlig, in vielen Szenen, wie die Demenz Besitz von seinem Vater ergreift, wo sein Charakter verwischt und wo er bestehen bleibt, wie der Vater versucht, seine Würde zu bewahren, wie der Sohn nochmals Freundschaft mit ihm schließen kann. Ein tragisches Buch, ein komisches Buch, ein ganz tolles Buch.

Kajsa Ingemarsson. Es ist nie zu spät für alles.
(Deutsch von Stefanie Werner)
Nina, Ellinor und Miriam wohnen in einer Straße in einer kleinen, schwedischen Stadt. Die Eine wurde gerade von ihrem Mann verlassen, der Anderen fällt als Hausfrau die Decke auf den Kopf, die Dritte ist allein erziehend und ficht Kämpfe mit ihrem pubertären Sohn aus. Dann bekommen alle Drei eine neue Nachbarin, die ziemlich mysteriös ist. – Ein nettes Buch; wobei „nett“ nicht despektierlich gemeint ist, sondern wirklich: nett. Seicht, aber nicht anspruchslos, ein bisschen spannend, ein bisschen nachdenklich machend. Kein großer Wurf, aber rundum okay und unterhaltend.

Siri Hustvedt. Der Sommer ohne Männer.
(Deutsch von Uli Aumüller)
Das Buch stand schon länger auf meiner Liste, ich habe es aufgrund des Titels aber lange Zeit gemieden: Er klang zu sehr nach Frauen-Selbstfindungs-Geschichte-nach-böser-Männerenttäuschung – sowas vertrage ich nicht gut. Wider Erwarten ist „Der Sommer ohne Männer“ aber kein seichtes Schnulli-Buch. Es geht zwar tatsächlich um das Thema „Frau in der Mitte des Lebens wurde von Mann wegen einer Jüngeren verlassen“, aber die Geschichte ist nicht mitleidig, nicht triefend, nicht unerträglich seicht, sondern entspannt und selbstbewusst. Man kann sie also gut lesen.

Charlotte Link. Die Täuschung.
Peter möchte mit seinem Freund segeln gehen und verschwindet spurlos. Seine Frau Laura macht sich auf die Suche nach ihm. Schon bald findet die Polizei seine Leiche, ebenso die einer Frau. Auf den ersten Blick gibt es keine Verbindung zwischen den beiden. Laura nimmt Kontakt zu Peters Segelfreund auf und Bekannten vor Ort auf. Die Geschichte ist ganz prima, jedoch etwas langatmig erzählt. Die letzten 200 Seiten arbeiten nur noch einem erwartbaren Finale entgegen. Deshalb: eher nicht lesen.

Eva Lohmann. Acht Wochen verrückt.
Mila hat Depression. Als es nicht mehr weitergeht, begibt sie sich in eine Klinik. Eva Lohmann erzählt, wie Mila sich zurechtfindet, wie sie das Verhältnis zu ihren Eltern aufarbeitet und wie sie ihre Mitpatienten wahrnimmt. Die Geschichte hat gute Ansätze, letztendlich ist es aber eher eine Soap als eine tiefere Auseinandersetzung mit Depressionen oder dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik.

Monika Maron. Endmoränen.
Hach ja, Monika Maron. Schwierig. Aber auch gut. Ich möchte die Protagonisten immer schütteln, sie wachrütteln, ihnen zuschreien: „Leb endlich!“ So auch bei „Endmoränen“. Die Geschichte: Johanna, um die 50, hat ein Sommerhaus im Nirgendwo, genauer gesagt in Basekow, was sich ähnlich anhört und auch irgendwie das Gleiche ist. Sie lebt davon, Biografien zu schreiben. Als sie das zu DDR-Zeite tat, bestand die Herausforderung darin, etwas in der Biografie zu verstecken, was man nicht erwähnen durfte, etwas Kritisches, etwas Verfängliches. Doch die DDR ist passé, nun kann alles gesagt werden, und Johanna tut sich schwer mit ihrem Beruf. Und mit Achim, ihrem Mann, der im Erstwohnsitz in der Stadt bleibt und zu dem sie die Beziehung verloren hat. Monika Maron erzählt fein und leise; es passiert nicht viel in diesem Buch. Das macht aber nichts, gerade das macht die Stimmung aus. Auch wenn die Lethargie der Hauptperson mich wuschig macht.

Bücher 2013 – 5

7. 01. 2014  •  9 Kommentare

Gelesen im Dezember:

Bücher 2013 - 5

Simon Beckett. Obsession.
(Deutsch von Andree Hesse)
Ben ist mit Sarah zusammen. Sarah hat einen autistischen Sohn, Jacob. Als Sarah stirbt, entdeckt Ben, dass Sarah ihn direkt nach der Geburt aus dem Krankenhaus entführt hat. Er muss Jacob deshalb seinem leiblichen Vater übergeben, einem Typen, wie man ihn auf RTL2 sieht. Das Buch hat auf Amazon nur zweieinhalb Sterne – zurecht. Die Story ist uninteressant, geht nicht ans Herz und am Ende ist man nur froh, dass es vorbei ist.

Chevy Stevens. Never Knowing – Endlose Angst.
(Deutsch von Maria Poets)
Von Chevy Stevens habe ich Anfang des Jahres schon „Still Missing – Kein Entkommen“ gelesen und war gefesselt: ein echt spannender Thriller. Deshalb nun „Never Knowing“. Die Geschichte: Sarah ist adoptiert. Als ihre eigene Hochzeit bevorsteht, macht sie sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern und findet heraus, dass ihr Vater ein Serienmörder ist. Er wurde nie gefasst, bekommt natürlich prompt mit, dass es Sarah gibt, und nimmt Kontakt zu ihr auf. Das war auch schon die ganze Story, die sich dann über 500 endlos lange Seiten hinzieht. Ich dachte immer, dass das Ganze irgendwann doch mal eine spannende Wendung nehmen muss, aber Fehlanzeige.

Ursula Niehaus. Die Seidenweberin.
Köln im Mittelalter: Fygens Vater stirbt, sie muss zum Onkel und wird von dort aus direkt weiter nach Köln in die Lehre geschickt – zu einer Seidenweberin. Die Seidenweberin ist eine hartherzige Frau, die Fygen quält. Doch das Mädchen geht trotzdem seinen Weg. Die Geschichte ist die Standardgeschichte eines historischen Romans, aber dennoch gute Unterhaltung. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass bestimmte Spannungsbögen länger durchgehalten werden – die Schwierigkeiten, in die Fygen gerät, lösen sich immer ein bisschen zu schnell -, aber alles in allem ist das Buch eine gefällige Lektüre.

Peter Stamm. Sieben Jahre.
Alex ist mit Sonja verheiratet. Sonja ist eine Frau, wie Mann sie sich wünscht: intelligent, zauberhaft, hübsch. Er trifft sich aber auch regelmäßig, schon seit dem Studium, mit Iwona. Sie ist spröde und wortkarg und nimmt Peters Zudringlichkeit kühl hin. Dann wird sie schwanger. Das gesamte Buch über geht es nur um diese Dreiecksbeziehung oder besser gesagt: um Peters Verhältnis zu den beiden Frauen. Am Anfang denkt man noch: Der Arsch! Aber ach, es ist kompliziert. Lesenswert.

Bücher 2013 – 4

3. 12. 2013  •  22 Kommentare

Gelesen im September, Oktober und November:

Bücher 2013-4

Pierre Assouline. Das Bildnis der Baronin.
(Deutsch von Maja Ueberle-Pfaff)
Die Geschichte der Rothschild-Dynastie – erzählt von betty Rothschild, die nach ihrem Tod nur noch als Portrait existiert. Von der Wand aus verfolgt sie die Geschichte des berühmten Bankhauses und der gesamten jüdischen Familie von 1886 bis nach dem Zweiten Weltkrieg. In Frankreich ist das Buch ein Bestseller – hier hingegen wenig beachtet. Ich fand es manchmal etwas spröde, aber dennoch gut zu lesen.

Giulia Carcasi. Das Wörterbuch der Liebe.
(Deutsch von Claudia Franz)
Ein ganz kleines Buch – nur 128 Seiten. Es geht um Diego, Professor für Sprachwissenschaft, einen Kontrollfreak mit dementer Mutter. Im Zug lernt er Antonia kennen und lieben, die am Ende des Buches eine ganz andere ist, als sie zu sein vorgibt. Das Schöne in dem Buch ist das, was nicht gesagt wird. Der Leser muss sich vieles selbst erschließen. Sowas finde ich ja immer spannend.

Tracy Chevalier. Zwei bemerkenswerte Frauen.
(Deutsch von Anne Rademacher)
Die Geschichte von Elizabeth Philpot und Mary Anning – beides historische Figuren und beides Fossiliensammlerinnen. Aufgrund gesellschaftlicher Zwänge muss die unverheiratete Elizabeth Philpot London verlassen. Sie zieht mit ihren Schwestern in den Küstenort Lyme Regis. Dort entdeckt sie ihre Leidenschafts für Fossilien und lernt Mary kennen. Das Mädchen sucht ebenfalls Fossilien – und macht schließlich einen erstaunlichen Fund. – Mary Anning gilt als eine der ersten Paläontologinnen. Sie war vergleichsweise ungebildet und erschloss sich alles selbst. Die führenden männlichen Wissenschaftler boteten sue zu Lebzeiten aus. Was auf den ersten Blick langweilig klingt (Fossilien!), lässt sich sehr gut lesen. Die Geschichte wird in ruhigem Ton erzählt. Mir hat sie gefallen.

Luca di Fulvio. Das Mädchen, das den Himmel berührte.
(Deutsch von Katharina Schmidt und Barbara Neeb)
Der zweite Roman von Luca di Fulvio – nach „Der Junge, der Träume schenkte„. Er wurde mir angekündigt mit „mittelmäßig“und „nicht so gut wie der erste“. Mir jedoch hat er gefallen: ein klassischer historischer Roman ohne intellektuellen Anspruch, der aber sehr ordentlich unterhält. Hauptfiguren der Geschichte sind der jüdische Arzt Isacco und seine Tochter Guiditta, außerdem der Straßenjunge Mercurio und seine Gefährtin Benedetta. Alle vier schlagen sich in Venedig durch. Es geht um Freiheit, Rache, Liebe – die klassischen Themen für Historienschmöker.

Rebecca Gablé. Der dunkle Thron.
Eines der Bücher, das ich zum zweiten Mal gelesen habe – nicht, weil es so toll ist, sondern weil ich schlicht vergessen hatte, dass ich es schon einmal gelesen habe und es mir deshalb auf den Kindle lud. Ich hab’s trotzdem zu Ende gelesen. Denn genauso wie der di Fulvio unterhält diese Geschichte sehr solide. Stichworte zur Handlung: vierter Teil der Waringham-Saga nach „Das Rad der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“ und „Das Spiel der Könige“; es ist die Zeit Henry Tudors (Heinrich VIII.), der junge Earl Nick of Waringham gerät in die Mühlen der Politik und der Reformation. „Der dunkle Thron“ ist nicht der beste Waringham-Roman, aber trotzdem flüssig zu lesen.

Paolo Giordano. Il corpo umano. 
(noch keine deutsche Übersetzung)
Eine fiktive Geschichte über den Militäreinsatz in Afghanistan. Im Mittelpunkt: die italienischen Soldaten René, Cederna, Ietri und Egitto, die in einem Außenposten stationiert sind. Zunächst passiert nichts; die Männer langweilen sich fürchterlich dort in der Steinwüste, beschäftigen sich mit sich selbst und ihren Kameraden, ehe es zu einem Einsatz kommt, bei dem einige von ihnen sterben. Das Buch ist beklemmend und schonungslos – eine Geschichte, in der es keine Helden gibt. Giordano schafft es sehr gut, Stimmungen zu erzeugen: die Langeweile, die Launenhaftigkeit der Männer, die Angst, die Ernüchterung. Lesenswert.

Donna Milner. Der Tag, an dem Marilyn starb.
(Deutsch von Sylvia Höfer)
Von Donna Milner habe ich bereits „River“ gelesen – „Der Tag, an dem Marily starb“ ist wieder ein Familienroman. Er plätschert – wie schon „River“ – munter dahin. Es geht um die junge Ethie, deren Mutter stirbt – und um die zwei Brüder und den Vater, die allesamt anders mit diesem Ereignis umgehen. Mit dem Tod des einer Frau sieht sich der Vater mit seiner und ihrer Vergangenheit konfrontiert – und dem Geheimnis, das er seit seinem Einsatz im Vietnamkrieg hütet. Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht des Kindes als auch des Vaters erzählt und nicht kitschig, weshalb ich es gut weiterempfehlen kann.

Charlotte Link. Die letzte Spur.
Das Buch stand lange bei mir im Regal; ich hatte immer im Kopf, Charlotte Link schriebe schlimme Schnulzenromane. Tatsächlich ist „Die letzte Spur“ ein spannender Krimi: Mauerblümchen Elaine Dawson verschwindet auf dem Weg zu einer Hochzeit. Fünf Jahre später rollt die Braut und Journalistin Rosanna Hamilton den Fall auf und macht sich die auf Suche nach Elaine. Die Geschichte nimmt einige Wendungen. Man weiß nie, wem man trauen kann – kurzum: gute Unterhaltung.

Beate Rothmaier. Atmen, bis die Flut kommt.
Konrad und Paule lieben sich. Dann wird Paule ungewollt schwanger. Sie bekommt das Kind – ein Mädchen. Sie nennen es Lio. Lio ist behindert. Paule lässt Konrad allein mit ihr zurück. Das Buch erzählt die Jahre bis zu Lios Volljährigkeit, es erzählt von Konrads Leben und der Beziehung zwischen Vater und Tochter. Mein Problem mit der Geschichte: Ich könnte Konrad pausenlos in den Hintern treten. Er ist Comiczeichner, kann mehr schlecht als recht davon leben, dazu noch das Kind, das besondere Zuwendung braucht. Die ganze Zeit über lässt er sich hängen, improvisiert sich durch den Alltag, lebt und leidet in seiner Situation, ohne sie zu verändern – sowas macht mich rammdösig.

Beim Betrachten des Bildes ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass wir einen umzugsbedingten Todesfall zu beklagen haben. Das Kännchencafé gedenkt in großer Dankbarkeit des Bücherhundes. Ruhe in Frieden, kleiner  Dekohund.

Links – mit Lego und Fernweh

7. 11. 2013  •  3 Kommentare

Ein Portrait der britischen Kriegsreporterin Christiane Amanpour. Titel: „In my job, it’s just like being a man – but better„. Sie erklärt, welche Vorteile sie als weibliche Kriegsreporterin gegenüber Männern hat.

Der Designer und Programmierer Robby Leonardi hat seinen Lebenslauf im Stile eines „Jump & Run“-Games gestaltet.

Ein ZEIT-ONLINE-Thema über die Karl-Marx-Allee in Berlin.

Sven erklärt die Bus- und Bahn-Preise in Hamburg. Sofern das möglich ist.

Eine Mutter verwandelt den Mittagsschlaf ihres Kindes in traumhafte Abenteuer.

Die Autocorrect-Funktion, ein Quell steter Freude: 25 lustige Autocorrect-Fails aus dem angelsächsischem Raum (via @journelle).

Frau Nuf hat ihre Kinder mit Lego nachgebaut.

Falls Sie Fernweh haben: „Reisedepeschen“ ist ein ganz toller Reiseblog.

Das Problem mit dem Lesebändchen nach Ende des Buches

22. 10. 2013  •  44 Kommentare

Frau Isabel hat etwas über Lesebändchen geschrieben.

Genauer gesagt hat sie dem Lesebändchen eine Liebeserklärung gemacht. Außerdem macht sie Werbung für eine käuflich zu erwerbende Lesebändchen-Extension.

Ich mag Lesebändchen auch sehr gern. Lesebändchen ersparen die Anwendung eines externen Lesezeichens, das ich, während ich lese, immer irgendwo hinlegen oder anderweitig ins Buch stecken mus.

Für Bücher ohne Lesebändchen – also für die meisten Bücher – habe ich zwei Lesezeichen im Einsatz: eins aus Pappe mit dem Motiv eines Prinzen und einer Prinzessin und dem Schriftzug „Happy End“. Ein zweites magnetisches, das man um eine Seite legt, mit einem Gecko drauf.

Nicht immer passen die von mir verwendeten Standard-Lesezeichen zum Buch, das sie gerade begleiten – was mich nicht an ihrem Gebrauch hindert, aber dennoch auf unbestimmte Weise an mir nagt. Lesebändchen sind da neutraler. Außerdem: Das Gefühl, ein Lesebändchen zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten, es einzulegen und dabei langsam an ihm herunterzustreichen – ja, das ist Bucherotik.

Eine große Frage stellt sich jedoch nach Beendigung eines Buches. Denn: Wohin dann mit dem Lesebändchen? An den Anfang? Ans Ende? In die Mitte?

Bücher 2013 – 3

12. 09. 2013  •  11 Kommentare

Lektüre im Juni, Juli und August:

Bücher 3 - 2013

Catrin Bernsteiner. Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung.
Die Geschichte von Fred Eisenbogen und Sandra Schläpple: Sie ist eine chaotische Gärtnerin, er ein überkorrekter Finanzbeamter. Sandra hat einen Vater, der gerne bescheißt, Fred soll eine Steuerprüfung bei ihr im Hause machen. Natürlich steht Fred auf Sandra, und es kommt zu Verwicklungen. – Meine liebe Kollegin hat das Buch auch gelesen und fand es „schrecklich“, weil „furchtbar, furchtbar seicht“. Dem kann ich mich nicht anschließen: Es ist zwar furchtbar seicht, aber nicht furchtbar schrecklich. Halt etwas Vorhersehbares, bei dem man nicht nachzudenken braucht. Aber manchmal will man ja genau das. Eine Lektüre für Strand, Bus oder Bahn.

Mark Haddon. Der wunde Punkt.
George Hall ist Familienvater jenseits der 50. Die Kinder sind aus dem Haus: Die Tochter heiratet zum zweiten Mal, der Sohn ist schwul und hat endlich einen festen Partner. Seine Frau geht fremd. Eines Tages entdeckt er an seiner Hüfte einen dunklen Fleck. Eine hypochondrisches Drama beginnt. – Die Idee ist prima, die Geschichte hat Humor und schwankt zwischen Kömödie und Tragödie. Die Idee trägt allerdings nicht immer, das Buch hat ein paar Längen. Deshalb auch hier: ein hübsches Buch für Bus, Bahn und Strand.

Dr. med. Kinderdok. Babyrotz & Elternschiss.
Der liebe Herr Kinderdok hat sein Blog zu einem Buch ausgeweitet – das ist ja jetzt in. Das Buch enthält aber nicht einfach nur die Blogbeiträge, sondern behandelt, thematisch geordnet und ausführlicher einzelne Themen aus der Praxis: Filofax-Eltern, Väter, Helferinnen, Pharma-Vertreter, impfen, Homöopathie. Der Kinderdok macht das gut: Er plaudert munter dahin, man erfährt etwas über die Organisation einer Kinderarztpraxis und über die verschiedenen Elterntypen, die dort auflaufen. Wie auch das Blog lebt das Buch von den Extremen und der Zuspitzung, das heißt: Die normalen, vernünftigen Eltern kommen nicht so oft vor, dafür die unterschiedlichen Spezialtypen. Insgesamt eine nette (wirklich und im Wortsinne nette) Lektüre. Bus, Bahn, Strand.

Sue Reindke. Spam.
Auch die liebe Sue ist unter die Buchautorinnen gegangen: Sie hat mit bewundernswerter Akribie Spam gesammelt, katalogisiert und stellt ihn nun in seiner ganzen Pracht aus. Das Buch hat fast schon kulturhistorischen Wert: Während der Lektüre kam mir immer mal wieder der Gedanke, das Spam-Autoren (genauso wie die Autoren von Heftchenromanen) eine grob unterschätzte Spezies sind. Mein liebsten Stellen im Buch sind die, in denen Sue den Spammern antwortet und in eine Korrespondenz mit ihnen tritt. Leider macht sie das nur ein paarmal (oder hat nur ein maarmal Antwort erhalten). Das hätte gerne auch noch häufiger passieren können.

Sarah Stricker. Fünf Kopeken.
„Meine Mutter war sehr hässlich. Alles andere hätte mein Großvater ihr nie erlaubt.“ Das sind die ersten beiden Sätze des Buches. Großartige erste Sätze, wie ich finde. Die Geschichte: Eine Erzählerin erzählt das Leben ihrer Mutter. „Doofsein kannst du dir mit dem Gesicht wenigstens nicht erlauben“, hat deren Vater ihr einst gesagt. Daraufhin wurde die Mutter ein Wunderkind, machte alle stolz, in der Schule, musikalisch, bei der Berufswahl. Die Familie führt ein Geschäft. Die Mutter steigt ein. Zieht nach der Wende mit nach Berlin. Lernt einen Mann kennen – und eine große Liebe, allerdings in Person eines Nachbarn. Die Geschichte ist behutsam und poetisch erzählt, sehr schön. Bisweilen allerdings hätte ich mir etwas mehr Handlung und etwas weniger Geschwafel gewünscht.

Julia Stuart. The Matchmaker of the Perigord. (Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette)
Guillaume Ladoucette ist Friseur in einem 33-Seelen-Dorf. Als das Geschäfts nicht mehr läuft, sattelt er um und eröffnet eine Partnervermittlung. Er beginnt, die Singles unter den 33 Einwohnern miteinander zu verkuppeln. Gleichzeitig kehrt seine Jugendliebe ins Dorf zurück – und möchte auch Kundin werden. Die ganze Geschichte ist äußerst charmant und sehr liebevoll erzählt. Ich bin nur ab und an mit den Namen durcheinander gekommen.

*

Auf dem Kindle:

Linda Castillo. Pray for silence. (Blutige Stille)
Die gesamte Familie Plank wurde ermordet. Die zwei Töchter der Familie wurden übel zugerichtet. Die Familie gehört zur amischen Gemeinde in Painters Mill, Ohio. Dort ermittelt Polizeichefin Kate Burkholder nun in ihrem zweiten Fall und macht sich auf die Suche nach dem Motiv und dem Mörder. Solider Thriller – wie auch schon Band 1 der Kate-Burkholder-Reihe. Macht man nichts falsch mit.

Ken Follet. Winter of the World. (Winter der Welt)
Zweiter Teil der Jahrhundert-Saga. Es geht um die Kinder derer, die im „Sturz der Titanen“ auftraten. Die nächste Generation erlebt die Machtergreifung durch Hitler und den nächsten Krieg. Die Geschichte wirkt, im Gegensatz zum ersten Band, ein wenig bemüht: Jede Figur hat ihre Rolle, schließlich muss es Widerständler, Kommunisten, Juden, stramme Nazis, Gut und Böse geben. Das ist alles ziemlich stereotyp. Nichtsdestotrotz ist „Winter der Welt“ eine gute, unterhaltsame und auch lehrreiche Erzählung. Entsprechend werde ich auch den dritten Teil lesen.

Susann Pásztor. Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts.
Mila, eine hibbelige Frau in mittleren Jahren, besucht ein buddhistisches Schweigeseminar, muss drei Tage lang den Mund halten und meditieren. Sie erfährt etwas über das, was ihr so schwerfällt: das Loslassen. Im Anschluss an das Seminar nimmt sie Simon mit, fährt ihn in sein Hotel in der Stadt – und bleibt bei ihm. Die beiden verleben drei überraschende, leidenschaftliche Tage miteinander. Dann gehen sie auseinander – das Buch aber geht weiter. Die Geschichte ist ein typisches Frauenbuch, aber nicht schlecht. Eine hübsche Lektüre.



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