Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Die Lieblingstweets im April und Mai

30. 05. 2014  •  4 Kommentare

Twitter-Lieblinge 04 und 05/2014:

 

Perlen des Nahverkehrs, Folge 429

26. 05. 2014  •  5 Kommentare

„Alta, isch hab voll Kopfschmerzen heute.“
„Wegen Sonne, oder was?“
„Nee. Wegen denken. Immer, wenn isch viel denken muss, habe isch voll Kopfschmerzen.“
„Krass. Dann hast du ja in der Schule ständisch Schmerzen.“
„Nee, in Schule nie. Nur immer, wenn isch Computer zocke.“

Wie mich Herr Beetlebum zum Groupie machte

23. 05. 2014  •  3 Kommentare

Er hat geschafft, was vor ihm weder den Backstreet Boys noch New Kids on the Block noch Thomas Godoj gelungen ist: Ich bin zum Groupie geworden.

Denn wer rechnet denn mit sowas? Der Web-Comic-Gott! Bei mir in Dortmund! Vater des Nomster (R.I.P.), Frauenkenner, Alltagsheld und Profibartträger! Leibhaftig! Am Donnerstag beim Science Slam im Ruhrgebiet.

„Johannes Kretzschmar!“, rief der Moderator. Und plötzlich stand er da auf der Bühne.

„Beetlebum!“, rief ich, spontan euphorisch und zart aufgeregt.
Die Freundin neben mir schaute mich an.
„BEETLEBUM!“, rief ich nochmal, diesmal in Versalien. Ich wedelte mit dem Arm erklärend in Richtung Bühne.
„Hä?“
„Der Typ!“, rief ich. „Da vorne!“, und wedelte wilder. „Johannes Kretzschmar! Beetlebum!“
„Wat is‘ mit dir? Du hattest doch nur ein Mädchenbier.“
„Das ist Beetlebum! Sag bloß, du kennst Beetlebum nicht?“
„Nö.“

Nun gut. So muss es Raspberry-Pie-Besitzern gehen, wenn sie anderen Menschen von ihrem Hobby erzählen.

Erwartungsgemäß performte Herr Beetlebum hervorragend, kickte alle Herren mit Heimvorteil aus dem Rennen und gewann das Ding.

Normalerweise bin ich ja nicht so der Autogramm-Typ. Ich habe mir noch nie von irgendwem eins geben lassen. Nun gut, ich war in meiner Jugend auch lediglich auf einem – tief durchatmen jetzt – Pur-Konzert. Und einmal bei Joe Cocker. Bei beiden bot sich das nicht so richtig an, die Sache mit der glühenden Anbetung, den Autogrammen und dem Groupietum, auch wenn Joe Cocker ebenfalls Profibartträger ist.

Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass Herr Beetlebum ein wenig, sagen wir, überrumpelt war. Kann natürlich sein, dass ich etwas aufgekratzt wirkte. Wenn ich verzückt bin, bin ich immer etwas neben der Spur. Kenner wissen, was ich meine.

Am Samstag besuche ich übrigens eine Hochzeit. Da ist so ein „Fuck Yeah!“-Tattoo auf dem Arm auf jeden Fall passend.

Beetlebum malt Frau Nessy

[Bericht der Lokalzeit Dortmund]

 

Holzarbeit

22. 05. 2014  •  1 Kommentar

Peggy hat mir einen Stock zugeworfen:

Hand aufs Herz – wieso bloggst du?
Aus Freude am Aufschreiben. Weil ich Dinge, an denen ich Freude habe, gerne teile. Und natürlich aus Geltungsdrang. Ist doch logo.

Woher nimmst du die Zeit dafür?
Ich lasse andere Dinge. Fernsehen zum Beispiel – tue ich werktags eigentlich nie und am Wochenende auch nur sporadisch.

Wie sieht deiner Meinung nach die ideale Arbeitswelt aus?
Ich glaube: Die gibt es nicht. Es wird immer Tage geben, an denen man keine Lust hat zu arbeiten. Es gibt viele Jobs, die sich für die, die sie tun, nicht wesentlich verbessern lassen – Jobs, die aber trotzdem jemand machen muss. Wichtig ist, dass alle Menschen, die arbeiten (müssen), davon leben können – und dass sie freundlich und menschlich behandelt werden. Damit wäre schon viel gewonnen.

Bist du/wärst du lieber selbständig oder angestellt?
Ich bin angestellt und zurzeit glücklich damit.

Stadt oder Land?
Ich wohne im Vorort einer Großstadt und empfinde das als optimal. Ich möchte nicht komplett auf dem Land wohnen – eine größere Stadt möchte ich in der Nähe haben. Ich schätze einfach die Infrastruktur und die kurzen Wege; dass ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und auch problemlos einen ICE-Bahnhof erreiche. Im Gegenzug mag ich es, dass mein Vorort ein eigenes kleines Dorf ist und er deshalb, trotz dass er eigentlich Großstadt ist, so kuschelig ist.

All-inclusive oder Abenteuerurlaub?
Eher all inclusive, wobei ich in meinem letzten Urlaub in Ferienhäusern unterwegs war – das war ideal. Backpacking möchte ich nicht machen. Ich fühle mich besser, wenn zu Beginn eines Urlaubs schon ein paar Dinge organisiert sind – ich möchte Zeit zum Erholen haben und sie nicht darauf verwenden, Unterkünfte zu suchen.

Dein Lieblingsbuch?
Ich habe nicht wirklich das eine Lieblingsbuch. Ich lese recht viel und treffe immer wieder auf neue, tolle Bücher. Es ist ja auch so, dass das Buch, das ich gerade lese, zu meiner augenblicklichen Stimmung passen muss. Lesen im Urlaub ist etwas anderes als Lesen auf dem Weg zur Arbeit, mal bin ich auf Liebe eingestimmt, mal auf Krimi, mal ist mir nach dem Anspruchsvollerem – mit Gesellschaftskritik, kunstvoller Schreibe und allem Schnokus -, oft möchte ich aber auch nur gut unterhalten werden.

Körper, Geist, Seele – was ist dein Rezept, um mit dir selbst in Einklang zu kommen?
Sport und Garten, zwei Tätigkeiten, bei denen ich an nichts anderes denke als an das, was ich gerade tue.

Angenommen eine Fee gewährt dir drei Wünsche. Was möchtest du sein, tun oder haben?
Gesundheit für mich. Gesundheit für meine Familie und Freunde. Mehr brauche ich nicht.

Siggi’s Hütte

19. 05. 2014  •  19 Kommentare

Mannschaftsfahrt mit den Handballmädels. Nach Willingen im Sauerland.

Im Sauerland sind viele Berge. Deshalb hat die Reiseleitung angeordnet: „Mittags: Hüttenbesteigung!“ Wir sind schließlich eine Sportmannschaft. Wir müssen im Training bleiben. Bei uns herrscht Disziplin.

Wir packen Energieriegel (Dreemy Mini Schokomix), Obst (Valensina-Bonbon-Schnaps) und isotonische Getränke (jeder zwei Radler) ein, hängen uns unsere Pinnchen um den Hals und stapfen los.

Nun ja: Die Sache mit dem Pinnchen ist ein bisschen peinlich; bleibt es selbst, wenn man irgendwann betrunken ist. Aber irgendwie ist es auch praktisch. Denn kaum sind wir aus dem Haus, ruft Mimi: „Obstpause!“, und schenkt uns Valensina ein. Ihr ist daran gelegen, dass die Pulle schnell leer wird: Sie ist die jüngste und muss sie tragen.

Nach dreimal Obst und einmal Isotonisch erreichen wir die Gondelstation. Speedy ist schon da. Sie hat Kreuzband, ist Taxi gefahren und darf mit der Seilbahn hoch. Sie hat außerdem ein Ticket für Jenni (Innenbanddehnung) gekauft, eins für Rosi (allgemeines Missempfinden) und eins für Kinga (hat nur Adiletten dabei). Wir anderen gehen zu Fuß den Ettelsberg hinauf zu Siggi’s (sic!) Hütte. Ein Kilometer Aufstieg, 240 Höhenmeter, das sollte machbar sein. Wir marschieren los.

50 Meter hinter der Gondelstation ruft Mimi zum vierten Mal: „Obstpause!“, und zückt die Flasche. Doch die Reiseleitung winkt diesmal rigoros ab. Disziplin, Mädels, Disziplin! Erst Sport, dann Schnapstransport! Wir stapfen weiter den Hügel hoch. Er ist steiler als gedacht. In Serpentinen windet er sich hinauf. Wir schnaufen.

Nach 500 Metern gibt es die ersten Ausfälle: Kirstens Wade verhärtet sich. Sie muss dehnen. Lulu zeigt auf den Becher um ihren Hals und japst: „Alta! Mein Herz schlägt bis ins Pinnchen!“ Tatsächlich: Das Ding hüpft sanft, aber merklich auf ihrem Brustbein auf und ab.

„Das ist schlimmer als Bootcamp.“
„Warum hat mir keiner gesagt, dass ich den Everest besteigen muss?“
„Ich will wieder runter.“

Doch die Reiseleitung bleibt hart. Mit uns geht’s nur hoch! Wo wir sind, ist oben!

„Jemand Obst?“
„Halt’s Maul, Mimi! Wir wandern!“

Wir durchsteigen die Heide. Rechts von uns seilen sich lautlos die Kabinen den Berg hinauf. Kirsten und Lulu blicken sehnsüchtig den Gondeln nach. In einer von ihnen sind vier von uns, die jetzt glücklicher sind. Immerhin: Bald wird die Steigung sanfter. Wir atmen durch.

„Wie weit ist es noch?“
„Wenn du so weiternölst, sprinten wir gleich mal kurz an.“
„Jemand Obst?“
„Mund zu, Mimi!“

In einer Biegung steht eine Männergruppe. Einer der Typen lehnt an einem Baum und göbelt ins Gras. Sie bieten uns Chili-Schnaps an. Wir lehnen dankend ab und erhöhen das Tempo.

Nach 200 Metern: technischer Halt. Alle haben Schweiß auf der Stirn und inzwischen ihre Pullis um die Hüften. Kirsten dehnt stöhnend ihre Wade.

„Wat is mit Obst, Mimi?“
„Eben durfte ich nicht …“
„Timing, Mimi! Du brauchst ein besseres Timing! “

Nach 45 Minuten erreichen wir Siggi’s Hütte. Schon auf 100 Metern sehen wir die Menschen – hunderte von Leuten, darunter etliche nackte Ärsche: Männer, die an Bäumen stehen. Frauen, die ungeniert vor Büschen hocken.

Auf dem Gipfel haben Speedy, Jenni, Rosi und Kinga schon Anschluss gefunden – an Grohni. Grohni heiratet bald und ist eine Torwand. Er trägt ein grünes Gewand; wenn er die Arme ausbreitet, baumelt Stoff mit zwei Löchern an ihnen herab. In seinem Schritt ist ein weißer Kreis mit der Aufschrift „Foul“ aufgenäht. Zwei Schuss: 1 Euro. Die meisten schießen ihm in die Eier.

Robert kommt. Er trägt eine Zimmermannshose und ein kleines, buntes Hütchen. Wir bitten ihn, ein Gruppenfoto zu machen und rufen dabei „Liebeeeeeer Robeeeeeeert!“ Er lächelt debil. Zwölf Weiber! Heute ist sein Glückstag.

Fünf Typen in Bayern-Trikot sehen das und wollen auch ein Gruppenfoto haben. Kirsten nimmt das Handy entgegen, wir stellen uns hinter sie.

„Sagt: ‚Kirsteeeeen!'“, ruft sie den Bayern zu.
Sie gröhlen: „Kirsteeeeeeen!“

Kirsten stellt die Kamera auf Selfie und macht vier Fotos von uns. Dann gibt sie das Handy zurück.

Nach zwei Bier fahren wir wieder runter. Es ist schon halb fünf. Heute Abend ist Pokalfinale. Bis dahin müssen wir noch duschen, grillen, Tippspiel. Das ist alles durchgeplant. Wir sind schließlich eine disziplinierte Sportmannschaft.

 

Thorsten & Friends

18. 05. 2014  •  9 Kommentare

Der Garten! Er steht inzwischen voll im Saft. Ich möchte jeden Tag sechsmal hineinspazieren, um ihm beim Wachsen zuzusehen.

Das Gemüsebeet, das im April noch schüchterne Pflänzchen verwaltete, ist explodiert.

Gemüsebeet im Mai

Der kräftige Regen und der dicke Hagel haben allerdings ihre Opfer gefordert: Zwei Romana-Salate und ein Lollo Bionda haben den Survival-of-the-Fittest-Wettbewerb verloren und befinden sich nun in einer besseren Welt auf dem Kompost.

Die Kohlrabi erweisen sich als die robustesten Gesellen im Beet und zeigen schon eine schöne Knolle:

Kohlrabi im Mai

Nebenan streckt Magold seine Fühler aus der Erde. Außerdem konnte ich die ersten Stachelbeeren begrüßen. Auch die Kirsche, die ich im vergangenen Herbst kräftig gestutzt habe, trägt:

Kirschen, noch grün

Unterm Kirschbaum geht es wild zu. Ich liebe Gänseblümchen und finde es toll, sie im Garten zu haben.

Blumen unterm Kirschbaum

Davor wohnen einige Erdbeeren:

Blühende Erdbeerpflanzen

Die erste Rose blüht:

Die erste Rose blüht

In zwei Teichbottichen, die ich von den Vorbesitzern übernommen habe und erstmal so belassen habe, wie sie sind, habe ich eine der schönsten Überraschungen erlebt. Dort blühen gerade Schwertlilien:

Gelbe Teichblume

An diesem Wochenende ist Thorsten nach draußen gezogen. Er hat, dank Torfrau A.  und Familie „Cedric Pascal“ erstmals ein eigenes Häuschen auf dem Balkon:

Thorsten im Mai - im eigenen Gewächshaus

Die Nachbarskatze hat heute Nachmittag übrigens eine Fledermaus gefangen und ist damit feierlich durch meinen Garten defiliert. Die Beute flatterte noch.

Wie ich wegen Jürgen fast in Dornbüschen verendete

13. 05. 2014  •  15 Kommentare

Im Nachhinein hat es mich nachdenklich gestimmt.

Ausgerechnet einen Tag nach Ostern wäre ich fast in Dornbüschen verendet. Wo Dornen in der Bibel doch so ein großes Thema sind (2. Mose 3, 2ff.), vor allem an Ostern (Matthäus 27, 29ff.; Markus 15,16ff.).

Es begab sich also zu der Zeit, dass Frau Nessy in Andalusien war, um Rast zu halten von der alltäglichen Mühsal. Sie beschloss, einen Marsch zu machen, denn sie hatte gehört, in der Gegend der Alpujarra gebe es erquickliche Wege. Und so begab sie sich auf eine Reise in die Berge.

Irgendwo hinter Capileira

In den Bergen begann sie am ersten Tag ihren Weg im dritten Dorf, dass da hieß Capileira. Sie stieg hinab und wieder hinauf und erreichte das zweite Dorf, dass da hieß Bubión. Und es war ihr nicht genug; so ging sie weiter und stieg stracks hinab ins erste Dorf. So erreichte sie Pampaneira.

Capileira, Bubión und Pampanieira

Von dort sollte sie der Weg in einen Talgrund führen, in dem sie auf einen Fluss traf, der aus den Bergen kam. Sie erfreute sich an dem Fluss und an dem Anblick der Dörfer und begann alsdann den Aufstieg auf der anderen Talseite. Denn wo es einen Hinweg gibt, da gibt es auch einen Rückweg.

Doch siehe, der Rückweg war versperrt. Sie deutete die Zeichen, die da zeigten in einen Dornbusch und suchte nach dem Weg, doch der Dornbusch war der Weg. So ging sie hindurch und vergoß ihr Blut und verfluchte Jürgen, der ihr den Weg hatte weisen sollen.

Gefährliche Kratzer von Dornen

Am zweiten Tag besuchte sie erneut das dritte Dorf und ging in Richtung des Berg Mulhacén, der den Namen des Abu l-Hasan Ali trägt, was die Menschen einst Muley Hacén aussprachen und der ein Herrscher war. Dort traf sie wieder auf den Fluss, den sie überquerte und dessen Lauf sie folgte in Richtung der Quelle. Dabei kam sie an Gehöften vorbei, die in dieser Gegend Cortijo heißen. Sie erkannte die Gehöfte an ihren Feldern und Dreschplätzen und an den Weiden, auf denen sie ihr Vieh gehalten hatten.

Feld irgendwo hinter Capileira

So begab es sich, dass sie ein Dorf erreichte, das da hieß La Cebadilla. La Cebadilla war wüst und leer, denn sie hatten das Land verlassen und waren an Orte gezogen, die weniger einsam waren.

La Cebadilla

Sie betrachtete das Dorf und stieg hinab in die Häuser, um zu sehen, wie sie gelebt hatten in der Einöde, in der sie das Wasser bändigen und zu Strom machen, so wie James B. Francis es ihnen gelehrt hatte. Und siehe: Sie hatten gut gelebt.

Verlassenes Haus in La Cebadilla

Sie verweilte und nahm Brot und Wasser, aß von dem Brot und trank von dem Wasser. Dann folgte sie dem Weg, der sie an den Ort führte, an dem sie ihren Marsch begonnen hatte. So kehrte sie zurück nach Capileira.

In der Sierra Nevada

Tour 1
Durch die Schlucht des Poqueira
Hinweg: PR-A 70 „Pueblos del Poqueira“
Rückweg: „Sendero Local La Atalaya“
6 Stunden Gehzeit, 900 Höhenmeter, 11 km

Tour 2
Von Capileira zum Oberlauf des Poqueira
PR-A 23 „Acequias del Poqueira“
3 Stunden Gehzeit, 350 Höhenmeter, 9 km

 

Bücher 2014 – 2

11. 05. 2014  •  4 Kommentare

Gelesen im März und April, analog und auf dem Kindle:

Kerstin Signe Danielsson. Roman Voosen. 
Später Frost. Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss.
Ein neues, skandinavisches Ermittlungsduo aus dem Süden Schwedens – und richtig gut. Ingrid Nyström ist endlich mal eine normale Kommissarin ohne Neurosen, mit Familie und einem schlechten Gewissen, wenn sie viel arbeitet. Stina Forss – okay, sie ist extravagant. Die beiden haben noch eine Handvoll Kollegen, mit denen sie gemeinsam ermitteln. Der erste Fall: Ein Schmetterlingszüchter wird tot in seinem Gewächshaus gefunden. Das Ganze ist recht undurchsichtig, denn der alte Mann lebte zurückgezogen und unauffällig. Ein klassischer Kriminalfall, der gut unterhält. Deshalb habe ich auch direkt das zweite Buch gelesen:

Kerstin Signe Danielsson. Roman Voosen. 
Rotwild. Der zweite Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss.
Auf einer kleinen Insel im See wird die Leiche eines Mannes gefunden, von Pfeilen durchbohrt. Nyström und Forss finden schnell heraus, dass er nach Vorbild des Heiligen Sebastian getötet wurde. Ansonsten bekommen sie den Fall nicht zu packen – bis ein zweiter Mann stirbt. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, aber nicht die schwedische. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Als Leser kommt man zwar irgendwann drauf, aber die Story bleibt trotzdem gut und beleuchtet ein spannendes Kapitel europäischer Geschichte.

Als ich das Buch gerade ausgelesen hatte, besichtigte ich zwei Tage später übrigens die Kathedrale von Cádiz. Dort, welch Zufall, hing in einer Seitenkapelle ein Bild des Heiligen Sebastian:

Der Heilige Sebastian in der Kathedrale von Cádiz

Rebecca Gablé. Das Haupt der Welt.
Ein neuer Gablé. Die historischen Romane von Rebecca Gablé lese ich gerne, weil sie unterhaltend und spannend sind: Die Geschichte ist meist gut komponiert, man lernt etwas über geschichtliche Ereignisse, es gibt Gut und Böse, Liebe und Enttäuschung, und am Ende ist immer alles prima. Über das „Haupt der Welt“ bin ich jedoch etwas enttäuscht. Die Geschichte ist zwar klassisch, sie spielt im Brandenburg des 10. Jahrhunderts: Ein junger Mann (Tugomir, Prinz der Heveller) wird seines Status‘ und seiner Heimat beraubt, verliebt sich in der Fremde, muss Kriege und Erniedrigung erdulden und erringt zum Schluss, soviel kann ich ohne Spoiler vorwegnehmen, Ehre für sich und sein Volk. Doch die Figuren wollten nicht so recht in meinem Kopf entstehen. Statt ihrer steht die geschichtliche Handlung im Vordergrund; detailverliebt wird eine Schlacht nach der anderen geschlagen. Das ist ermüdend. Das Positive am Buch: Von der Zeit zwischen 900 und 1100 wusste ich bislang nichts und habe viel über deutsche Geschichte erfahren.

Ralf Heimann. Die tote Kuh kommt morgen rein.
Ralf Heimann ist Redakteur bei der Münsterschen Zeitung und Vater des Blumenkübel-Phänomens. In seinem Buch „Die tote Kuh kommt morgen rein“ wird sein Alter Ego als Redakteur in die Münstersche Provinz versetzt. In 20 kleinen Geschichten, die locker durch eine Rahmenhandlung verbunden sind, gibt er wieder, was ein Redakteur in der Provinz so alles erlebt. Für Nicht-Journalisten ist das Buch wahrscheinlich nicht ganz so unterhaltsam, wer aber schonmal für eine Lokalredaktion auf dem Land gearbeitet hat, wird sich und die Stereotypen dort wiederfinden. Ein Buch, das den Lokaljournalismus karikiert, ihn aber nicht vorführt.

Kajsa Ingemarsson. Das große Glück kommt selten allein.
(Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner)
Den ersten Ingemarsson fand ich gut: ein klassisches Frauenbuch zwar, aber doch einigermaßen tiefgründig und gut erzählt. Von diesem Buch lassen Sie jedoch besser die Finger. Die Handlung: Stella Friberg ist eine gefeierte Bestsellerautorin, schön, reich und von vielen beneidet. Doch dann geht es mit ihrem neuen Roman nicht voran, ihr Freund ist plötzlich schwul und ihre Wohnung steht unter Wasser. Der gut aussehende Monteur Johnny kommt vorbei … Muss ich mehr sagen? Es war schlimm, wirklich schlimm.

Michael Kumpfmüller. Die Herrlichkeit des Lebens.
Das letzte Lebensjahr von Franz Kafka: Als Dichter ist er nur Eingeweihten bekannt. Er hat Tuberkulose, erholt sich an der Ostsee. Dort lernt er die 25-jährige Dora Diamant kennen. Der Leser begleitet die beiden ein Jahr lang bis zu Kafkas Tod. Die Geschichte wird mal aus seiner, mal aus ihrer Sicht erzählt. Kein erzählerisches Feuerwerk, sondern leise und behutsam. Ein gutes Buch – auch wenn es mich nicht vom Stuhl riss.

Charlotte Link. Im Tal des Fuchses.
Matthew und Vanessa Willard halten an einem Rastplatz. Er führt kurz den Hund aus, da verschwindet sie spurlos. Der Leser weiß sofort, wer es war. Trotzdem ist die Geschichte ungemein spannend, denn bis fast zum Schluss ist nicht klar, ob Vanessa noch lebt. Ein klasse konstruierter Thriller, der mich sehr gut unterhalten hat.

Martin Pistorius. Als ich unsichtbar war.
(Deutsch von Axel Plantiko)
Mit zwölf Jahren wird Martin krank: Er verliert seine Sprache und die Kontrolle über seinen Körper, fällt quasi ins Wachkoma. Für Eltern und Pfleger ist er fortan nur noch eine Hülle, die sie säubern und füttern müssen. Doch sein Geist ist vollkommen klar. Erst die Pflegerin Virna bemerkt nach etlichen Jahren, dass er zielgerichtet reagiert und sich mitteilen möchte. Die Geschichte ist nicht fiktiv: Martin Pistorius ist heute verheiratet und arbeitet als Webdesigner. Ich sag’s mal platt: krass. Wirklich krass.

Kjersti A. Skomsvold. Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich.
(Deutsch von Ursel Allenstein)
Ein ganz kleines, kurzes Buch: Mathea Martinsen ist fast hundert Jahre alt und lebt am Stadtrand von Oslo. Ihr Mann, ein Statistiker, den sie liebevoll „Epsilon“ nennt, ist gestorben – für sie ist er aber noch sehr lebendig. Denn außer ihm hat sie nichts: keine Kinder, keine Freunde, keinen Kontakt irgendwohin. Ihr Leben richtet sich nach dem Nachrichtensprecher und nach den Ohrenwärmern, die sie strickt. Ein verschrobenes, aber herzwerwärmendes Buch, das allein den Gedanken Matheas folgt, die keinesfalls Mitleid erregend sind.

Eva Stachnik. Der Winterpalast.
(Deutsch von Peter Knecht)
Warwara Nikolajewna kommt als Waise in den Winterpalast. Kanzler Bestuschew, ein gewiefter Politiker, weiß ihre Unvoreingenommenheit und Naivität zu schätzen und bildet sie als Spionin aus. Es sind die Zeiten der Kaiserin Elisabeth Petrowna; die Kaiserin holt  die junge Sophie von Anhalt-Zerbst – die spätere Katharina die Große – an den Hof, um sie mit ihrem Neffen zu vermählen.  Warwara wird die engste Vertraute Katharinas auf dem Weg zur Macht. Die Autorin Eva Stachnik erzählt die Geschichte in geschäftsmäßigem Ton mit Distanz zu den Figuren: Nie wird es tränenreich emotional, nie romantisch, immer bleibt die Erzählerin über den Dingen. Das hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich mir direkt die Fortsetzung kaufte:

Eva Stachnik. Die Zarin der Nacht.
(Deutsch von Peter Knecht)
Die Fortsetzung, in der, rückblickend vom Totenbett Katharina der Großen, ihre politische und private Lebensgeschichte erzählt wird, kann leider nicht mit dem ersten Teil mithalten. Der erste Abschnitt des Buches, rund 100 Seiten, ist redundant zum „Winterpalast“ – nur, dass die Geschichte noch einmal aus Sicht Katharinas und nicht Warwaras erzählt wird. Langweilig. Danach gibt es etliche Zeitsprünge, Katharina bleibt fremd, und die distanzierte Erzählweise nervt nun, weil es keine sympathische Handlungsträgerin mehr gibt.

Stephan Thome. Fliehkräfte.
Thomes „Grenzgang“ fand ich super, deshalb nun „Fliehkräfte“. Darum geht’s: Hartmut ist Professor für Philosophie und hat alles erreicht – beruflichen Erfolg, eine funktionierende Ehe, Kinder. Doch es kriselt: Seine Frau ist nach Berlin gezogen, um sich beruflich zu verwirklichen, und hat ihn zurückgelassen. An der Uni fühlt er sich fremd, seit die Bologna-Reformen laufen. Er will sich noch einmal verändern. Stephan Thome erzählt sehr nah an der Hauptfigur. Das gefällt. Ich konnte mich trotzdem nicht so richtig mit Hartmut anfreunden. Es ist mir auch zu viel Reflexion und zu wenig Handlung im Buch. Es fehlt der Spannungsbogen. Es ist kein schlechtes Buch, die Geschichte ist nicht schlecht erzählt. Vielleicht bin ich nur einfach nicht die richtige Leserin.

Pia Ziefle. Suna.
Ich nehme es direkt vorweg: super. Ein tolles Buch. Am Anfang war ich skeptisch: Ist das nun so eine gefühlsduselige „Frisch gebackene Mutter auf der Suche nach ihrer Identität“-Geschichte? Aber nein: Sie ist toll. Pia Ziefle erzählt mit Hilfe der Protagonistin Sophie die Geschichte ihrer eigenen Familie – die Mutter aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Vater eine Liebschaft aus Anatolien, aufgewachsen ist sie bei deutschen, sehr bürgerlichen Adoptiveltern. Pia Ziefle erzählt weise und klug, gefühlig, aber nicht gefühlsduselig.

 

Der Versuch, Afrika zu fotografieren

10. 05. 2014  •  6 Kommentare

Es war schon reichlich spät, als ich, aus Marbella kommend, den Berg nach Tarifa hinabfuhr.

Tarifa – das ist die südlichste Stadt Festland-Spaniens, westlich von Gibraltar. Hier treffen sich Mittelmeer und Atlantik. Hier ist es immer windig – und hier ist die Straße von Gibraltar nur 14 Kilometer breit. Ich bog also um die Ecke und sah Afrika. Sehr nah. Von Tarifa aus kann man den Leuten dort in die Suppe gucken – nun ja, fast.

Sie fragen sich nun, warum Sie kein Foto davon sehen. Wie gesagt, ich war schon spät, außerdem war ich am Aussichtspunkt irgendwie vorbeigerauscht. Aber was sollte es: Ich würde noch eine Woche in der Gegend verbringen. Es würde sich also noch eine Gelegenheit ergeben.

Tarifa im Nebel

Wenn Sie an dieser Stelle stehen, sollten Sie Marokko sehen können – glasklar und zum Greifen  nah. Wie Sie allerdings sehen, sehen Sie nichts.

Deshalb können Sie sich auch direkt wieder umdrehen. Tarifa selbst nämlich sieht im Nebel ziemlich spooky aus:

Tarifa im Nebel

Besonders, wenn Sie sich die Geschichte des Ortes dazu vorstellen: Wikinger, Piraten, Fatimiden aus Marokko – sie alle kamen regelmäßig vorbei, um Tarifa und seine Schiffe zu überfallen. Im Jahre 710 führte der Berber Tarif abu Zura (daher der Name der Stadt) 500 Mann gegen den Ort – das erste Vordringen der Mauren nach Andalusien. Mehr als 580 Jahre später, 1292, eroberten katholische Spanier die Stadt zurück – nordafrikanische Meriniden belagerten sie prompt. Da ließ sich keiner die Butter vom Brot nehmen.

Damit kommen wir zur Festung von Tarifa. Die ist ziemlich hübsch und ziemlich alt, ungefähr aus dem Jahr 960:

Die Festung von Guzman el Bueno in Tarifa

In dem Ding wohnte Guzmán el Bueno. Guzmán war ein irrer Typ: Er spielte 1292 die Geschichte von Abraham und Isaak nach, als die Meriniden bei ihrer Belagerung seinen Sohn gefangen nahmen. Wenn Guzmán nicht die Stadt freigebe, brüllten sie ihm zu den Festungsmauern hinauf, werde man den Bub töten. Guzmán warf ihnen als Antwort ein Schwert von der Brüstung – als Werkzeug.

Aber genug der Geschichte! Von seiner Festung hatte Guzmán einen hübschen Blick über die Stadt:

Tarifa, Blick über die Dächer der Stadt

… und zum Punta de Tarifa, dem wirklich allersüdlichsten Punkt des spanischen Festlandes:

Punta de Tarifa

Und was ist nun mit Afrika? Nix. Es ist immer noch da – nur habe ich es während meines Urlaubs nie wieder gesehen.

Barranco Oscuro

6. 05. 2014  •  15 Kommentare

Der Wein, den Inocencio mir schenkt, ist eine Offenbarung. Noch niemals zuvor habe ich einen so leckeren Rotwein getrunken: trocken, fruchtig und sehr voll im Geschmack.

Der Wein stamme aus dem Barranco Oscuro, sagt Innocencio und zuckt mit den Schultern. Ein kleines Weingut sei es, das seine Freunde dort haben, nur ein paar Hektar. Allerdings das höchst gelegene Weinanbaugebiet Europas. Die Luft sei dort sehr gut. Und der Boden. Trotzdem: Der Preis für die Flasche sei nicht hoch. Die Winzerei, sagt er mir und greift sich ans Herz, sei „una pasión, una religión“, verstehst du?

Ich frage ihn, wo ich den Wein kaufen könne. Inocencio wirft seinen Arm geradeaus: dort drüben, hinter dem Berg. Dahinter sei noch ein Berg und noch einer. Dort einmal rechts runter Richtung Meer, so gelange man in das Tal. Dort könne ich kaufen. Er macht eine schlangenhafte Bewegung mit seinem Hand: „Una hora“, eine Stunde über gewundene Straßen, dann sei man da.

Einige Tage später beschließe ich spontan, dort hinzufahren. Der Weg ist tatsächlich sehr ländlich. Hier ist nichts, hier sind nur Olivenbäume – viele Olivenbäume. Später lese ich, ich finde den Link nicht mehr, dass in dieser Gegend 60 Millionen Olivenbäume stehen: eine der Hauptanbauregionen Spaniens.

Olivenbäume in der Alpujarra

Das Weingut ist leicht zu finden, denn rundherum ist sonst nichts. Dieses Haus muss es also sein, es besteht kein Zweifel. Ich fahre auf den Hof, Kies knirscht unter den Reifen. Grillen zirpen. Paletten mit Weinflaschen stehen neben Gärtanks. Ein Hund bellt und kommt auch schon angerannt. Groß und schwarz ist er und wedelt mit dem Schwanz. Sein kleiner, weißer Kompanion rennt hinterdrein, will gestreichelt werden. Als Wachhunde sind sie ein Totalausfall.

Ich mache mich auf den Weg übers Gehöft und suche Menschen, den Eingang, eine Klingel. Doch: nichts. Ich beschließe, ein wenig zu warten. In der Sonne ist es warm und angenehm. In der Ferne höre ich einen Trecker. Die beiden Wachhunde finden derweil eine Heuschrecke und knuffen sie. Vielleicht kommt ja bald jemand, der mir Wein verkaufen möchte.

Zwei gefährliche Wachhunde

Etwa eine halbe Stunde vergeht. In der Ferne, in den Weinbergen, steht ein Auto. Vielleicht der Winzer? Er klettert in den Rebstöcken herum. Ich könnte hinfahren und ihn fragen.

Ich steige also ins Auto, holpere ein Stück den Wirtschaftsweg hinauf, steige dann aus, gehe zu Fuß. Doch als ich an dem Auto ankomme, ist von dem Winzer keine Spur. Ich gehe ein wenig nach links und nach rechts und beschließe zu warten.

Die Landschaft ist wirklich einzigartig hier: karge Berghänge, leichter Wind im Schatten des schneebedeckten Mulhacén, dem höchsten Berg auf der Iberischen Halbinsel. Plötzlich, auf dem Gehöft: Bewegung. Ich sehe ein Auto, einen Menschen. Er bewegt sich. Soll ich wieder runterfahren? Ich komme mir vor wie bei „Hase und Igel“. Leider bin ich der Hase.

Bodega Barranco Oscuro

Ich laufe und fahre wieder hinunter zum Weingut. Doch dort: nichts. Wieder: vollkommene Leere und Stille. Das Auto ist fort. Ich warte noch eine halbe Stunde. Dann fahre ich.

Den Wein finde ich später, wie soll es anders sein, nur zwei Kilometer von meiner Berghütte entfernt, in einer kleinen Weinhandlung in Lanjarón.



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