Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Tag 25 auf La Gomera: Adiós

28. 1. 2020 10 Kommentare Aus der Kategorie »Expeditionen«

Abreise | Abschied von M, vom Eremitenhäuschen, von der Stille. Fahrt nach San Sebastián. Den Mietwagen abgegeben. Zeit bis zur Abfahrt der Fähre. Ich lief durch die Stadt, aß ein Bocadillo, kostete einen Barraquito – wie man hört, eine Spezialität auf den Kanaren: Kaffee, Kondensmilch, Likör. Vier von zehn Punkten.

Ich setze mich auf eine Bank am Strand. Dann lege ich mich auf eine Bank am Strand.

Am Wasser versucht sich ein Mann am Handstand. Er hockt sich hin wie in den Startblock, lange, sehr lange, er sammelt sich, dann wirft er die Beine hoch, vergebens. Wieder vergebens. Neuer Anlauf. Hinstellen, Startblock, Beine hochwerfen. Er hält den Handstand. Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. Er fällt um. Stellt sich wieder hin. Wischt seine Hände an seinen Shorts ab. Hockt sich wieder in den Startblock. Er tut dies eine Stunde lang. Es ist meditativ.

Am späten Nachmittag gehe ich zum Fährterminal. Das Gepäck kommt in Schließfächer. Ein Wägelchen fährt es aufs Schiff.

Im Fährterminal sitzt ein Pärchen. Die Beiden fallen mir auf, weil er ein T-Shirt mit einem Aufdruck trägt. 

Sie ist dick, sehr dick, die Füße quillen aus den Schuhen, von ihre Armen hängt das Fleisch hinab. Er ist hager mit Hörgeräten, die Haare ein Kranz, die Füße in Turnschuhen. Sie sind beide jenseits der 70. Auf seinem T-Shirt steht: “Old Guys’ Club.”

Sie telefoniert mit irgendwem, Britisch. Er pellt derweil eine Mandarine, sehr sorgfältig macht er das, zieht jedes weiße Fädchen ab, legt es in die Mandarinenschale, reiht dann die freigepulten Stücke auf seinem Oberschenkel auf. Dann lehnt er sich zurück und beginnt zu essen, vorwärts vom Schritt bis zum Knie, eine Spalte, dann die zweite. Bei jeder Mandarinenspalte schließt er kurz die Augen.

Sie beendet ihr Telefonat. Er hält ihr stumm eine weitere Mandarine hin. Sie sagt etwas, nimmt sie und pellt sie. Dann gibt sie ihm die gepellte Frucht und er macht die Feinarbeit, zieht die weißen Fäden ab, legt sie in die Schalen, reiht die Stückchen auf ihrem Oberschenkel auf.

Dann essen sie gemeinsam die Mandarinen, von vorne nach hinten, und mittendrin, sie sind beide noch nicht am Knie, schauen sie sich an, lächeln und küssen sich.


Tschüss, bis dann | Adiós, La Gomera.

Insel vom Schiff aus, davor ein Segelboot

Overflow | Auf Teneriffa, in Los Christianos, Sinnesoverflow. Überall Blinki-Blinki, Musik, Menschen, die Sirenen der Ambulanz unter dem Balkon.

Geschnitztes Balkongeländer, darunter Straße, Lichter, Autos, drumherum Hochhäuser
Kommentare

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  1. Alexandra sagt:

    Angenehme Nachtruhe wünsche ich!

  2. Alban Meier sagt:

    Schade, ist Dein Urlaub schon wieder durch. Beim Lesen bin ich immer selber gedanklich ein bisschen in den Ferien und geniesse mit.
    Gute Heimreise!

    1. Vanessa sagt:

      Gut angekommen. :)

      Es war schön, nach Hause zu kommen. Die Zeitspanne bis zum nächsten Urlaub könnte allerdings kürzer sein.

  3. Pat sagt:

    Hotel Reveron, gute Wahl! Schöne Heimreise!

    1. Vanessa sagt:

      Nur Briten dort. Vor allem Herren im mittleren Alter mit ihrer Mutter.

  4. Sehr gerne und mit Spannung jeden Tag mit verfolgt.
    Schade, dass man dorthin fliegen muss.

  5. Ulrike sagt:

    Vielen Dank für den ausfürlichen Reisebericht und die Verlinkungen. Ich reise so gern mit.

    Gute Heimreise und Ankommen zu Hause.
    Ulrike

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