Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ostertage, Ferien und Löwenzahn

4. 4. 2024 7 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Behind the scenes | Bevor ich zum Erzähltippen der Ereignisse komme, noch ein kurzer Blick hinter die Kulissen des Gastbeitrags aus Barcelona: Was Sie beim Lesen des Textes nicht hören, sind die Flüche, die der Reiseleiter ausstieß, während er die Zugfahrt buchte. Fortwährend stöhnte es von der anderen Seite des Schreibtischs, gespickt mit wüsten Beschimpfungen; dazwischen Geräusche, wie wenn jemand auf einen Tisch haut.

Die Buchung einer Zugreise quer durch Europa mit einem Kind, das – je nach Zuggesellschaft und Ticketart – Ermäßigungsanspruch hat, gestaltete sich nervenaufreibend. Buchung über die Deutsche Bahn, über die einzelnen Eisenbahngesellschaften der Länder oder Buchung eines Interrail-Tickets? Zig Möglichkeiten, die zunächst in eine Sackgasse führten.

Der Reiseleiter buchte nämlich Interrail. Auf einem Interrail-Ticket kann das Kind kostenlos mitfahren. Um mit dem Ticket im Eurostar und im TGV zu fahren, brauchten die beiden allerdings eine Platzreservierung. Abgesehen von den unerfreulichen Zusatzkosten für die Reservierung, die das ansonsten günstige Interrail-Ticket dann doch erheblich verteuerten, bekamen die beiden erst gar keine Reservierung: Alle Züge waren voll, hieß es auf den Buchungswebseiten; das Kontingent für Menschen mit Interrail-Ticket – offenbar nicht allzu groß – war erschöpft. Auch ein Verschieben der Reise nach vorne oder nach hinten brachte keine positiven Ergebnisse. Nun hatten der Reiseleiter und K3 also ein Ticket, durfte aber nicht damit fahren. Er gab das Interrail-Ticket wieder zurück (gegen Gebühr), und buchte nach weiteren Recherchen („Das kann doch alles nicht wahr sein!“ //*Tisch-Hau-Geräusch) normale Fahrkarten. Fügen Sie an dieser Stelle weitere wilde Flüche ein.


Währenddessen | Während der Reiseleiter und K3 in Barcelona weilten, vergnügten K1, K2 und ich uns daheim. Das örtliche Hallenbad feierte 50-jähriges Jubiläum und lud zur Feierwoche mit Badespaß. Im Becken schwammen Matten, Poolnudeln, Luftreifen und eine aufgeblasene Hindernisstrecke, die Kinder konnten eine Kletterwand hinauf, und es gab die Möglichkeit, sich in einen Ball einschließen zu lassen und darin über das Wasser zu laufen. Letzteres allerdings nur theoretisch, das Laufen war eine äußerst wackelige Angelegenheit. Die Kinder machten den Hamster im Rad, rannten einen Schritt, kippten um, standen wieder auf, kippten beim nächsten Schritt sofort wieder um und so fort. Nach drei Minuten zog der Bademeister an der Leine, der Ball mitsamt Kind kam zurück zum Beckenrand, und heraus stiegen Jungen und Mädchen, die erschöpft um eine Fanta bettelten.

An den nachfolgenden Tagen hatten die Kinder sich anderweitig verabredet. Sie sind in einem Alter, in dem sie eigene Pläne haben. Meine Aufgabe bestand darin, mir zu merken, wo sich welches Kind befindet, es abzuholen und woanders hin zu bringen.

Am Gründonnerstag holten wir den Reiseleiter und K3 aus Wuppertal ab. Die Bahnstrecke nach Hause war wieder einmal gesperrt – dank des Umbaus des Autobahnkreuzes Kaiserberg, der nur noch schlanke sechs Jahre andauern wird.


Sommerbereitschaft hergestellt | Die Terrasse ist frühlingsfrisch, die Möbel sind ausgepackt und die Blumenkübel arrangiert. Ich bin sommerbereit.

Terasse im Abendrot - mit Möbeln, Blumentöpfen und frisch geputzt

Gelesen | Raul Montanari: La vita finora. Lehrer Marco lässt sich in die Provinz versetzen, in ein Bergdorf bei Mailand. Die Sitten sind archaisch, das Böse ist allgegenwärtig: Es erscheint in Person des Vermieters, der über das Dorf herrscht, es manifestiert sich in einer Gruppen Jugendlicher und zeigt sich im Nachbar Marcos, einem Kriegsverbrecher aus dem ehemaligen Jugoslawien. Marco sucht seine Rolle in diesem System voller Eigendynamik, und im Laufe der Geschichte verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse. Ein gutes Buch, gerne gelesen.


Ostern | Symbolbild Osterkaffee:

Eine Aufgeklapptes Waffeleisen, daneben ein Bienenstich. Im Hintergrund eine Fensterbank mit Tulpen.

Schweine | Am Karsamstag, alle waren wieder daheim, unternahmen wir einen Fahrradausflug zum Waldspielplatz. Es sind nicht einmal zwanzig Kilometer hin und zurück, aber die Strecke ist ausreichend, um sich etwas Bewegung zu verschaffen und etwas anderes zu sehen als nur die eigenen vier Wände. Wir wählten den Weg am Kanal entlang; hier in Haltern gibt es den Wesel-Datteln-Kanal. Immer, wenn ich in quere, denke ich an den Sachkundeunterricht in der Grundschule, in dem wir in einem roten Mäppchen Arbeitsblätter zur Heimatkunde sammelten, unter anderem die Flüsse und Kanäle der Bundesrepublik. Das Brettspiel „Deutschlandreise“, damals noch mit DDR, das wir in der Familie ausgiebig spielten, tat sein Übriges zur geographischen Bildung. Seither bin ich bestens informiert über die Flüsse des Landes und die Straßen der Binnenschifffahrt, über den Rhein-Herne-Kanal, Datteln-Hamm, Wesel-Datteln und Dortmund-Ems, über die Verortung von Rhein, Mosel, Neckar, Donau und Elbe.

Am Kanal entdeckten wir den ersten blühenden Löwenzahn. Während der Reiseleiter an der Schleuse in Flaesheim Kinderfragen zu Schleusentechnik und Wasserwesen beantwortete, pflückte ich eine Handvoll.

Löwenzahn in einer Hand, dahinter ein Fahrrad an einem Kanal

Die Schweine waren entzückt. Löwenzahn ist das Allergrößte für sie, noch besser als das Kerngehäuse der Paprika. Löwenzahn sind die Trüffel der Wiesen und Wege.

Drei Meerschweine mit Löwenzahnblättern im Maul
Kommentare

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  1. FrauZimt sagt:

    Oh, das Bahnreisenbuchungsfluchen kann ich mir sehr gut vorstellen und nachvollziehen, bin ich doch dieser Tage selbst fleißig am planen und reservieren, bei mir wird es eine Tour von Hamburg nach Schottland, das könnte ich natürlich per Flug auch deutlich billiger, bequemer und schneller haben, aber nö. Aber wie oft ich beim Versuch an irgendwelche Infos zu bekommen oder etwas zu reservieren dachte, ey, das ist doch anscheinend gewollt das das so kompliziert ist da ranzukommen. Gebt uns klar nachvollziehbare Bahnverbindungen europaweit mit einfach zu bedienenden Buchungsplattformen und wir fliegen nie wieder irgendwo hin!

    1. Sabine sagt:

      Wir wollen im Herbst wieder mit dem (Nacht-)Zug nach Rom fahren, als vierköpfige Familie bitte im eigenen Abteil und nicht über drei verteilt. Weil es uns nicht möglich schien, das bei einer selbst durchgeführten Buchung sicherzustellen, haben wir bereits beim letzten Mal über eine Bahnagentur gebucht und werden das auch dieses Mal wieder so machen. Manchmal gewinnt Mensch den Eindruck, die wollen einfach keine Passagiere.

  2. Daniel sagt:

    In dem Blick der Meerschweinchen liegt sehr große Dankbarkeit und Freude :-)

    1. Vanessa sagt:

      Im Herzen lieben sie jeden, der ihnen Futter bringt.

  3. Philine sagt:

    Ich liebe Bahnfahren, ich werbe für Bahnfahren, aber ES MUSS BESSER WERDEN.
    Daher vor dem Rant der ultimative Fernstrekcentip: https://www.seat61.com/

    Ich hab für eine Fahrt von 250km (Brüssel-Dortmund) für die 8jährige hin und zurück 7 Fahrscheine gebraucht.
    Schnaube noch immer vor Wut, dass ich für das Kind separat (und nciht günstig) buchen muss, wenn die mitreisende Erwachsene ein Deutschladnticket hat. Liebe die Niederländer (und andere) dafür, dass man eni Kind, das dazu gebucht wird für einen marginalen Betrag (2EUR) mitbucht. Und die Belgier, dafgür dass das Kind auf JEDEM Ticket kostenlos mitfährt. Nicht nur, wie in DE im Fernverkehr (augenroll). Die Tickets waren übrigens über 4 verschiedene Apps verstreut, nicht zuletzt, weil die GrenzStrecke DE-BE bei den Deutschen 7,50 und den Belgiern 5EUR kostet.

    Ohne Herrn Seat61 und den Verweis auf die unterschiedlichen Plattformen hätte ich noch mehr als 2h gebruacht um Brüssel-Tarragona (SPanien) zu buchen.

    Was ärgerlich bleibt: Dank des EU Fahrgastrechtepaket, haben wir auch dann Fahrgastrechte, wenn wir bei mehreren Betreibern gebucht haben. Das lehnen die aber ab und behaupten, „es wäre ja nicht ihr problem, wenn Betreiber A Versopätung gehabt hätte, darum…“ und Betreiber A sagt dann „nö, die Mehrkosten zahlen wir nicht, weil die habt ihr ja bei B gekauft“. Is übrigens illegal

    1. Vanessa sagt:

      Tolle Website für Fernstrecken, besonders durch die Zusatzinformationen wie „Obere Etage buchen, alle Sitzplätze <60 sind oben" - woher soll man das sonst wissen?!

      Es ist wirklich zum Mäusemelken. Dabei wäre es durchaus komfortabel, Bahn zu fahren. Ich empfinde Flugreisen mittlerweilse als ziemlich anstrengend - und viel schneller sind sie obendrein nicht, wenn man nicht direkt neben dem Flughafen wohnt. Zuhause los, früh dort sein, dann die Massen an Menschen, das Warten, die Enge im Flieger ... um unterm Strich drei oder vier Stunden schneller zu sein als mit dem Zug (wenn's nicht gerade auf die Kanaren geht). Ich bin immer mehr dabei, den Weg als Teil der Reise zu begreifen.

    2. Philine sagt:

      Möchte noch werben für politischen Willen. Kinder überall mitreisen lassen für 1EUR gibt es in einigen Ländern. Natürlich ist es im Vergleich zu anderen Ländern toll, dass Kinder <14 auf der Fernstrecke gratis mitfahren, aber ich will das auch im Regionalverkehr und ich will auch mein Kind alleine reisen lassen während es bezahlbar ist.

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