Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Freitag, 8. Februar

8. 2. 2019 6 Kommentare Aus der Kategorie »Allgemein«

Zustand | Mittelschwerer Männerschnupfen mit Niesattacken, Augenbrennen, Halskratzen und allgemeiner Verelendung.

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Uniforme Tage | Nur Arbeit zurzeit, was das Leben einfach macht. Die Tage sind gleichförmig, ich mache mir keine Gedanken um nichts, außer tagsüber beim Kunden natürlich. Dort mache ich mir Gedanken um Vieles, dafür werde ich ja bezahlt. Das Rahmenprogramm aber ist einfach: Ich stehe morgens auf, Morgentoilette, Brote schmieren, Kaffee in einen Thermobecher füllen, ins Auto setzen, in den Stau stellen. Abends: in den Stau stellen, variable Erledigungen (einkaufen, tanken, Dinge), dann Abendtoilette, ins Bett.

Gestern gestaltete sich der Abend ein bisschen anders, ich traf Jawl, und wir aßen Sushi. Das war schön.

Ich empfinde Gleichförmigkeit durchaus positiv. Ich mag Phasen, in denen das Leben geordnet ist, vorausgesetzt, es ist nicht zu lange am Stück zu geordnet; dann ist es wieder unbefriedigend. In dieser Woche mochte ich es, dass ein Tag dem anderen glich. Schon nächste Woche wird das nämlich nicht so sein, übernächste Woche auch gar nicht und danach auch nicht. Ich werde mitunter in anderen Städten weilen, manchmal auch dort erwachen, und ich werde dann blinzelnd und tastend gewahr werden, wo ich gerade bin – das ist bei wechselnden Schlaforten nämlich nicht immer einfach. Das Unstete ist dann auch schön, vorausgesetzt, es nicht zu lange am Stück zu unstet.

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Digitale Notizen | Danke für die vielen Hinweise zu den digitalen Notizen. Das war super. Es hat sich für mich ein Bild ergeben, das so aussieht: iPad und Pencil, dazu eine noch auszuwählende Notizen-App.

Danke auch für die Tipps zu den analogen Notizen und zu Tools wie digitalem Papier und Rocketbook. Ich habe das durchaus in Erwägung gezogen. Unter Berücksichtigung aller Variablen und Kenntnis meiner Schwächen und Arbeitsweisen ist die Anschaffung eines iPads allerdings die passendere Lösung für mich.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten, was den Praxistest anbelangt. Zunächst muss ich nun den Beschaffungsprozess in meinem Unternehmen in Gang setzen; die Kollegin im Einkauf ist nicht immer die flotteste, zumal sie in den kommenden Wochen wieder viel unterwegs ist.

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Worüber ich letztens nachdachte | Wenn ich in mich hineinfühle, entdecke ich dort eine tiefe Zuneigung zum Lebensabschnittsverschönerer. Das ist nicht verwunderlich; wir sind, legt man die Maßstäbe gesetzteren Alters zugrunde, noch immer frisch verliebt.

Was ich dort in mir – neben einer großen Freude – auch fühle, ist eine Melancholie, schon so viel im Leben dieses Menschen verpasst zu haben; ich überlege, wie es wäre, ihn früher kennengelernt zu haben.

Dieser Gedanke ist mir ungewohnt, denn ich habe mich noch nicht oft verliebt; ich neige nicht zum schnellen Verlieben; seit ich aus dem Jungmädchenalter raus bin, waren es nur wenige Male. Als junge Frau habe ich, in Zuneigung zu einem ebenso jungen Mann, mit dem ich dann viele schöne Jahre verbracht habe, dazu naturgegeben keine Überlegungen angestellt, weshalb ich das Gefühl des Verpassens und Zuspätkommens nun erstmalig empfinde.

Natürlich ist es ein Gefühl, das keine Antwort kennt. Denn hätte ich den Mann, für den ich jetzt so große Zuneigung empfinde, früher kennengelernt, wäre ich nicht dieselbe gewesen wie heute; auch er wäre nicht derselbe gewesen wie der, der er jetzt ist. Insofern wäre unser Kennenlernen ein anderes gewesen; vielleicht hätten wir niemals Zuneigung füreinander empfunden – so anders wären wir beide gewesen. Dennoch bleibt ein irrationales Gefühl von Trauer um etwas, das ich verpasst habe; es wird nur durch die Freude darüber aufgewogen, diesen Menschen nach und nach entdecken zu dürfen und mit ihm Gegenwart und Zukunft zu teilen.

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Albert Schweitzer des Tages | Passend zum vorausgehenden Absatz:

Sich kennen will nicht heißen, alles voneinander zu wissen, sondern Liebe und Vertrauen zueinander haben und einer an den andern glauben. Ein Mensch soll nicht in das Wesen des andern eindringen. […] Alle müssen wir uns hüten, denen, die wir lieben, Mangel an Vertrauen vorzuwerfen, wenn sie uns nicht jederzeit in alle Ecken ihres Herzens einblicken lassen. Es ist ja fast so, daß wir, je näher wir uns kennen, einander um so geheimnisvoller werden.

aus: Schweitzer, Albert (1966): Die Ehrfurcht vor dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten. München. Beck. 10. Auflage, S. 74

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Gelesen | Berührend: Wenn die Eltern gemeinsam aus dem Leben scheiden

Kommentare

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  1. Alexandra sagt:

    “Warum sind wir uns nicht früher begegnet?”, diese ähnliche Fragestellung hat mich auch mal beschäftigt.

    Aber wir sind damals überein gekommen, dass es keinen falschen Zeitpunkt gibt – früher wären wir achtlos weiter gegangen oder schreiend davon gelaufen.

    1. Vanessa sagt:

      Wahrscheinlich.

  2. Kaltmamsell sagt:

    Beruhigend zu erfahren, dass sich auch woanders der Einkauf durch Zähheit auszeichnet. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass es extrem schwer ist, hierfür gutes und bezahlbares Personal zu bekommen. Es ist ein Kreuz.

  3. Anna sagt:

    Ich hab gerade die ganze Eltern-Exit-Geschichte gelesen. Traurig. Schön. Danke dafür.
    Und auch traurig, dass wir diese Chance, jemanden auf den letzten Weg zu begleiten, wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist, hierzulande nur bei Hund und Katz’ haben…

    1. Vanessa sagt:

      Ich mag die Geschichte. Und die Entscheidung. Ich stelle es mir sehr schön vor, mit dem geliebten Menschen im Arm gemeinsam sanft zu sterben, wenn es an der Zeit ist.

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