Draußen nur Kännchen
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Trainingsauftakt bei den Kalendergirls

13. 07. 2016  •  5 Kommentare

Die Vorbereitung auf die neue Saison läuft. Wir sind jetzt nicht mehr die unterste, sondern die zweitunterste Liga. Da braucht es das passende Rüstzeug, um im harten Spielbetrieb zu bestehen.

Erstmal haben wir uns neue Socken bestellt. Sportsocken mit dem Vereinslogo drauf – für die Dynamik. Denn manch eine Spielerin trägt noch die Socken vom Altverein, das geht natürlich nicht. Im Training gerade noch, aber nicht im Spiel – da leidet die Moral.

Hosen und Pullis brauchen wir auch neue – und ein Warmmachshirt. Damit wir nicht nur unten, sondern auch oben einheitlich aussehen – das macht Eindruck beim Warmlaufen und wirkt direkt viel professioneller. Wir haben ein paar Trainingseinheiten lang debattiert, welche Hose und welcher Pulli es denn nun sein sollen. Dann haben wir eine weitere Trainingseinheit lang die Klamotten anprobiert. Ich habe beschlossen, nicht nur eine, sondern direkt zwei Schlumperbuxen  Sporthosen zu bestellen, einmal in Grau, einmal in Schwarz, dann bin ich variabel im Penny bei meinen Sondereinheiten Kraft-Ausdauer. Allerdings bestellt die Herrenmannschaft auch ein Set – ein anderes. Jetzt müssen wir nochmal überlegen. Solch wichtige Entscheidungen sollte man nicht übers Knie brechen.

Am Sonntag hatten wir dann Trainingslager. Früher war Trainingslager zwei Tage Bootcamp in Ostwestfalen, an deren Ende wir uns, nach vier Trainingseinheiten, zwei Testspielen und drei Tuben Finalgon als krönenden Höhepunkt von einer Drittligatruppe, die zum Aufwärmen eine Herde Kühe gewürgt hat, haben verdreschen lassen.

Heute ist Trainingslager: 45 Minuten lockeres Werfen, 45 Minuten Spielzüge einüben, ein Stück Nusskuchen, danach ein Testspiel. Mehr ist auch nicht notwendig, den Rest regelt die Erfahrung.

Die Erfahrung war am Wochenende leider ein bisschen müde – nachdem sie tags zuvor sechs Stunden Gartenarbeit verrichtet und dabei unter anderem acht Farne aus- und wieder eingegraben hat. Wussten Sie, wie tief Farne wurzeln? Sie werden überrascht sein.

Der Gegner jedenfalls … nun, wir dachten zunächst, die zehnte Jahrgangsstufe der angrenzenden Realschule mache sich auf den Weg zu ihrer Abschlussfahrt. Als die Mädels dann aber nicht in den Bus nach Lloret de Mar stiegen, sondern sich umzogen, war klar: Die wollen zocken. Gegen uns. „Aaaach!“, meinte ich. „Keine Sorge! Es ist noch niemand zum Sieg gerannt! Dazu gehört auch spielerisches Geschick.“ Am Ende sind sie dann doch zum Sieg gerannt – mit strammen Tempogegenstößen in den letzten zehn Minuten.

Wie gut, dass wir bald die neuen Dynamiksocken haben.

Das kleine Wochenendglück

11. 07. 2016  •  9 Kommentare

Am Samstag war ich im Baumarkt.

Bummeln im Baumarkt ist besser als Bummeln in der Innenstadt. Die Menschen sind in tatkräftiger Welterneuerungsstimmung und verteilen sich auch, wenn sie viele sind, angenehm gleichmäßig zwischen Holzzuschnitt, Pfettenankern und Zierteichpflanzen.

Außerdem gibt es im Baumarkt immer etwas  Interessantes zu entdecken: modular erweiterbare Werkbänke, saisonale Blühstauden, neue Exzenterschleifer – Produkte, in denen man sich als fantasiebegabte Kundin rettungslos verliert, für Stunden. Allein die vielen Brausearmaturen, mit denen man sich in die Bäder dieser Erde träumen kann!

Ich kann also auch einfach mal so in den Baumarkt fahren.

Gerade am Samstag ist es im Baumarkt ausnehmend super. An keinem anderen Tag ist das Publikum so gemischt:

In einem Gang der sensible Erstanstreicher mit Beratungsbedarf im Dispersionsfarbensegment. Eine Reihe weiter die Laienfliesenlegerin nach VHS-Kurs-Erfahrung, aber ohne eigenen Gummirakel. Wieder zwei Gänge weiter, kurz vor dem Außengelände, eine Kleinfamilie in diskursiver Auseinandersetzung zwischen Motivtapeten und herablassend augenrollendem Präpubertier. An der Hauptkasse: die alliterative Quengelwarenzielgruppe „humorvoller Hobbyhandwerker“ vor dem Namenszollstockregal – auf der Suche nach dem eigenen Ich.

Mein Lieblingsbaumarkt ist so riesig, dass man ihn am besten durchquert, indem man mit dem Einkaufswagen Anschwung nimmt, sich auf den Griff stützt und dann in schwebendem Dreisprungschritt durch den Hauptgang elft.

https://www.instagram.com/p/BHpFrbUjxm-/

 

Leider war am vergangenen Wochenende nicht der erhoffte Schlussverkauf, was bedauerlich, aber nicht weiter schlimm war. Denn just in dem Moment, in dem ich den Baumarkt betrat, fiel mir siedend heiß ein, dass ich ja schon seit Wochen und nunmehr sehr dringend ein neues Handschüppchen brauchte (Sollbruchstelle in der Kelle nach drei Jahren Garteneinsatz!). Wie gut, dass ich mich auf den Weg gemacht hatte.

Mit so einem Schüppchen ist es natürlich nicht getan: Einzugrabende Pflanzen sind auch wichtig, als Initiationsritus fürs Werkzeug und überhaupt – seelischer Ausgleich. Blumen holen mich ja nochmal ganz anders ab. Ein emotionales Feuerwerk, so eine Gartenabteilung.

Weshalb ist das erzähle? Deshalb:

Hier also ist er, der Report: Schüppchen und Blumen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass mein Lieblingsbaumarkt im Foyer einen Kartoffelbrötchenbäcker hat, der sich auch hervorragend aufs Waffelhandwerk versteht: Ohne enttäuschende Sortimentsvariationen backt er warme, eckige Waffeln, die zuverlässig eine leidenschaftliche Neun auf der internationalen Waffelskala erreichen. Waffel-Champions-League!

Blumen, Werkzeug, Waffeln. Was braucht es mehr fürs kleine Wochenendglück!

Integrative Obstarbeit

8. 07. 2016  •  9 Kommentare

Die Obst- und Gemüseabteilung ist gut besucht. Es ist Freitag, das Wetter ist gut, die Leute wollen grillen. Sie kaufen Salat und was sie sonst noch brauchen können – Tomaten, Gurken, Paprika und dererlei Dinge. Mancher auch Obst. Die Erdbeeren sind in den letzten Zügen.

Die zwei Männer betreten die Abteilung sehr bedächtig. Sie schlurfen hinein und bleiben stehen, Seite an Seite. Als sie sich umsehen, der eine nach links, der andere nach rechts, stehen sie Rücken an Rücken aneinander – zwei Ritter vor dem Angriff der Zuchhiniarmee.

Die Zwei, sie haben nackte Füße und tragen lederne Schlappen und einen Rock. Oder nein, das ist kein Rock, es sieht nur so aus. Das ist eine Art Gewand – ein etwas schmuddeliges Gewand, darüber eine Weste. Ihre Haare sind schwarz, ihr Bart auch. Sie sind sehr hager und unverkennbar nicht von hier, doch woher sie kommen, das kann man nur ahnen.

Die Leute starren sie an, eingefroren in der Bewegung, ihre dünne Plastiktüte haltend, vorgebeugt im Griff nach einer Birne. Zwei, vielleicht drei Sekunden geht das so, in denen die Obstabteilung stillsteht – dann setzt die Zeit wieder ein, die Birne kommt in die Tüte, die Tüte zur Waage, der Aufkleber auf die Tüte, die Tüte in den Einkaufswagen.

Die beiden Männer – sie beobachten einen Augenblick das Treiben, nehmen sich dann einen Apfel, gehen zur Waage, starren aufs Display mit dem Nummernfeld, starren auf den Apfel und wieder aufs Display und nehmen den Apfel ratlos in die Hand.

„Darf ich mal“, fragt eine alte Frau ohne Fragezeichen, wummst ihre Wassermelone aufs Blech, drückt die Drei und die Eins und „Eingabe“, das Klebeetikett surrt heraus, und sie wuchtet die Melone zu den Erdbeeren in den Wagen.

Die beiden Männer blicken sich an, legen ihren Apfel zurück auf die Waage, drücken die Drei und die Eins und „Eingabe“, das Klebeetikett surrt heraus, und die Frau sagt ohne zu atmen: „Dat is’n Apfel, keine Melone, dat is’ne andere Nummer, dat kennt’a nich‘ woll, kommt ma‘ mit, dat is’n bissken kompliziert hier.“

Sie marschiert voran, mit dem Arm die Männer resolut hinter sich herwinkend. Die Zwei schluffen hinterdrein. Die Alte nimmt ihnen den Apfel aus der Hand, hält ihn gegen die anderen Äpfel, hält ihn vor das Schild mit der Zweiundzwanzig, sagt: „Twäntituu“, die Drei gehen wieder zur Waage, Zwei, Zwei und „Eingabe“, und sie drückt dem Linken den etikettierten Apfel in die Hand, während der Rechte lächelt und wild nickt und etwas sagt.

„Wat braucht’a noch?“, fragt die Oma, wirbelt mit der Hand über dem Kopf, die Obstabteilung durchkreiselnd, die Augenbrauen hochgezogen.

Sie etikettieren noch einen Apfel und zwei Bananen und zwei Feigen, die Männer lächeln und nicken und sagen Dinge, die Frau sagt „Wan!“ und „Fortifoar!“ und „Twäntituu ägän!“ und „Habt’a getz verstanden, woll?“ Dann schiebt sie mit ihrer Wassermelone von dannen, und ich höre sie murmeln: „Na bitte, dat war dann wohl Intigrazjon.“

Double feature: Lieblingstweets im Mai und Juni

4. 07. 2016  •  2 Kommentare

Twitterlieblinge 05 und 06/2016:

Wie ich einmal in Island war, wo die Leute sehr freundlich sehr wenig sagten

3. 07. 2016  •  30 Kommentare

Es ist schon etliche Jahre her, da war ich mal auf Island.

Jökullsalon

Ich bin einmal drumherum gefahren, in einem Hyundai Accent. Wir hatten damals nicht so viel Geld – also ein bisschen schon, deshalb konnten wir uns die Reise leisten, aber nicht genug, um ein Auto zu mieten, das offroad fuhr.

Wir fuhren also nicht ins Hochland, sondern nur über die Ringstraße, die zu dem Zeitpunkt zu 80 Prozent geteert war – einmal um die Insel und mal ein bisschen nach links, mal ein bisschen nach rechts.

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Wir setzten einige Male hart auf, in einer Baustelle, auf einem Pass und auf Nebenstraßen, aber der Wagen erwies sich als sehr robust. Die Steinschläge machten dem Auto nichts aus, sondern es nur schöner, und als wir mal steckenblieben, ließ er sich leicht anschieben.

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Wir waren also in diesem Wagen unterwegs, meistens 200 bis 300 Kilometer am Tag, beginnend in Reykjavík, und dann im Uhrzeigersinn rundherum. Der Reiseveranstalter spendierte uns einen unteramdicken Island Atlas, einem Straßenatlas, 450 Seiten. Jede Seite widmete sich einem Kilometer Wegstrecke – mit einem Kartenausschnitt und Beschreibungen der touristischen Höhepunkte.

Die meisten Kilometer auf Island sehen ungefähr so aus:

Snaefellsness mit Schafen

Möglicherweise fragen Sie sich nun, in Hinblick auf den Atlas: Was gibt es da bitte zu beschreiben? Eine ganze Seite pro Kilometer!

Viel. Der Isländer schätzt sein Land, und man muss nur genau hinschauen, dann entdeckt man sie auch, die kleinen Kostbarkeiten. Auszüge aus dem Reiseatlas des Islenska Bókautgáfan, des Isländischen Buchverlags, 1996:

Haedarsteinn, großer Stein am südlichen Ende der Passhöhe. (S. 17)

Tjarnheidi, Grasfläche östlich von Fúlakvísl, zwischen Hvítárnes und Kjalhraun. (S. 389)

Island lehrt seine Besucher: Es sind die Details, auf die es im Leben ankommt.

Stóll, sehr schöner Berg, an dem sich das Tal gabelt. (S. 336)

Manchmal hat ein Berg Bewohner. Im Atlas steht dann „der Sage nach“ oder „laut Überlieferung“; überlesen Sie diese Zusätze einfach – dann macht alles Sinn.

Fanntófell (901 m), Hyaloklastitberg. Laut Überlieferung einst Wohnstätte von Trollen. (S. 391)

Búrfell (536 m), Berg und gleichnamiger Bauernhof. Der Gipfelkrater ist mit einem kleinen See gefüllt. Der Sage nach soll dort ein Ungeheuer wohnen. (S. 143)

Álfaborg (dt. Elfenburg), Felshügel, von dem der Fjord Borgarfjördur seinen Namen ableitet. Galt als Wohnort von Elfen. Freizeitgebiet. (S. 365)

Anfangs dachten wir, wenn wir auf einen Straßenabschnitt schauten: Da kommt gleich ein kleines Städtchen. Kam aber nicht. Sondern es kam nur ein Bauernhof. Größere Höfe sind größer eingezeichnet, das sieht auf dem Papier dann aus wie eine Ortschaft.

Es gibt keine Hütte, die nicht Erwähnung findet:

Dagverdareyri. Hof. Seit fast zwei Jahrhunderten von der gleichen Familie bewohnt. Eine Zeitlang stand hier eine Heringfabrik. (S. 337)

Hrappsstadir, Bauernhof. Hier ging zur Sagazeit das bösartige Gespenst Hrappur um. (S. 207)

Krossavík, historischer Hof auf der Ostseite von Vopnafjördur. Hier wohnten Geitir und sein Sohn Porkell, von denen in der Vopnfirdinga Saga berichtet wird. Um 1800 Wohnsitz des Bezirksvorstehers Gudmundur Pétursson. (S. 371)

Kross, Bauernhof und Pfarrhof bis 1920. Hier kam es 1417 zu tödlichen Auseinandersetzungen, die ein längerwährendes Nachspiel hatten. (S. 121)

Welches Nachspiel, das steht dort leider nicht, obwohl die Geschichte an dieser Stelle natürlich erst interessant wird.

Verlassener Hof bei Höfn

An einem Tag – wir sind zur Hälfte um die Insel rum -, steht im Reiseführer, dass es auf dem Weg einen Elchbauernhof gebe. Die Betreiber, heißt es, freuten sich, wenn man vorbeischaue.

Elche, wie wunderbar, denken wir, und biegen nach rechts von der Ringstraße in ein Tal ab. Nach zehn rumpeligen Kilometern überqueren wir einen Wasserlauf und parken vor dem Wohnhaus. Außer uns ist niemand da. Der Wind ist frisch, und ich fühle mich unwohl. Das ist alles sehr privat hier, sehr untouritisch – auch wenn kein Zweifel besteht, dass wir richtig sind. Einen anderen Hof gibt es nicht, nicht im Umkreis von 30 Kilometern.

Die Tür des Wohnhauses öffnet sich, und ein junger Mann tritt heraus. Ich sage auf Englisch: „Hallo“, und mich erklärend: „Im Reiseführer steht, Sie haben Elche und man könnte sie besuchen.“

Der Mann deutet mit dem Daumen über seine Schulter, den Berg hinauf, und nickt. Entgegen dem Text im Reiseführer freut er sich ausgesprochen verhalten über unseren Besuch.

„Die Elche sind da oben?“, frage ich.
Wieder nickt er wortlos. Ich schaue den Berg hinauf, sehe aber nichts. Der Mann ist nicht viel älter als ich. Er steht da und schaut mich an. Ich fühle mich weiterhin unwohl. Wieso sagt er nichts? Von ferne blökt es.
„Schafe haben Sie auch?“, frage ich, die Gelegenheit ergreifend, dem Gespräch etwas Schwung zu geben.
Er nickt und steckt die Hände in die Hosentaschen. Sehr ostwestfälisch steht er nun da, mit derselben ausgelassenen Offenheit. Die Luft ist feucht und tief gesättigt. Blöken.
„Ja, äh“, sagte ich. „Haben Sie denn viele Schafe?“
Bedächtig sagt er: „Five thousand.“
Fünftausend! Halleluja. „Jaaaa …“, sage ich. „Das sind … viele.“
Er blickt über den Hof, vor sich und hinter sich. Der Wind ist frisch. Wir ziehen alle die Schultern hoch. Blöken.
„Und, äääh“, fahre ich fort. Ich möchte Interesse zeigen. „Wie fangen Sie die im Herbst ein? Mit Pferden?“
„No. Motorbike.“ Er reckt das Kinn vor – in Richtung eines Quad, das auf der Wiese parkt, ein paar Meter den Hang hinunter.
„Natürlich“, sage ich. „Motorbike, ist ja klar. Als Tourist, da denkt man … uhmm … wie auch immer.“
Blöken. Ob ich nochmal nach den Elchen fragen soll? Schließlich sind wir deshalb hier, und es ist weit und breit kein Elch zu sehen. Aber vielleicht besser nicht. Vielleicht sollten wir lieber wieder fahren.

Ich rege mich gerade zum Aufbruch, als er, sich dem Wohnhaus zuwendend, sagt: „Come in.“ Wir schauen uns an. Das können wir jetzt schlecht ablehnen – und gehen hinterher. Wir treten durch die Tür, er streift die Schuhe ab, wir streifen die Schuhe ab, und gehen in die Stube. Sie ist warm, meine Wangen röten sich. Mir ist das alles fürchterlich unangenehm. Jetzt stehe ich auch noch hier im Haus.

Auf einer Bank sitzt eine Frau, älter als der junge Mann. „My mother“, sagt er, und wir geben uns die Hand.

Es ist gemütlich hier, Holzbänke, ein großer Tisch, ein paar Vitrinen mit Elchdingen darin: Taschen, Felle, Haarspangen, lederne Messerscheiden. Die Mutter steht auf, geht in einen Nebenraum und kommt mit einem Tablett zurück: Teekanne und Teetassen. Sie schenkt ein. Der Sohn und sie hocken uns gegenüber und sehen uns an.

Jetzt sitzen wir hier, denke ich. Sie lächelt, und ich lächle zurück. Er lächelt auch. Immerhin ist es wohl okay, dass wir hier sitzen. Aber trotzdem. Wenn sie doch nur etwas sagen würden.

Schlürfend trinken wir Tee, er ist heiß, schmeckt komisch, aber okay. Sie schaut mich wieder an und lächelt, dann macht macht sie mit der Hand einen Kreis um ihren Kopf, deutet auf mein Gesicht und sagt etwas.

„Face beautiful“, sagt der Sohn. „And hair.“
Ich sage: „Oh. Danke.“ Und lächle.
Sie lächelt auch. Dann sitzen wir weiter da.

Irgendwann ist die Tasse leer. Ich bin ganz froh, denn so angenehm ist mir das alles immer noch nicht, trotz Lächeln und Kompliment. Wir stehen auf, ich sage: „Danke“. Und nochmal: „Danke. Auch für den Tee.“ Die beiden begleiten uns in die Diele. Wir ziehen unsere Schuhe an und sind wieder draußen.

„Tschüß“, sage ich, und die beiden sagen auch etwas. Die Mutter, sie lächelt jetzt sehr einnehmend – mit dem Mund, mit den Augen und mit dem Herzen. Ich schäme mich, dass ich mich so unwohl fühle, dass ich so doofe Fragen gestellt habe, dass ich ihr nichts abgekauft, nur ihren Tee getrunken habe.

„Bye“, sagen wir und steigen ins Auto. Als wir vom Hof fahren, winken die beiden. Wir winken uns, bis wir uns nicht mehr sehen.

Island, dieses überwältigende Stück Erde. Ich habe seither nichts Beeindruckenderes gesehen als diese Natur –  obwohl ich seither viele Länder besucht und viel anderes Erstaunliches erlebt habe.

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Besuchen Sie dieses Land, wenn Sie können. Fahren Sie drumherum und mitten rein, entdecken Sie Wiesen, Hügel und Kurven, Elfe und Trolle.

Erleben Sie Wasserfälle über Wasserfälle – die Sie schon aus vielen Kilometern Entfernung hören, so mächtig sind sie. Essen Sie Skyr. Erfühlen Sie die warme Erde. Baden Sie unter Regenbögen in heißen Töpfen und schwimmen Sie im Freien, ohne zu frieren. Duschen Sie im Schwefeldunst.

Blicken Sie in Vulkankrater und eisblaue Seen und fahren Sie mit dem Boot aufs Nordmeer. Fahren Sie mit dem Amphibienfahrzeug auf den Jökulsárlón und stehen Sie am Strand neben Brocken klaren Eises, das der Gletscher über tausende von Jahren so dicht gepresst hat, dass es auch bei 20 Grad nicht taut.

Aber vorher, heute Abend, drücken wir Islands Fußballern die Daumen, ja? In meinem damaligen Reiseführer (Quack, Ulrich: Island. Reisehandbuch. Iwanowskis Reisebuchverlag. 4. aktualisierte Auflage 2001), heißt es im Kapitel „Island Sportlich“:

Natürlich kann man von solch einem Land keine fußballerischen Wunderdinge erwarten, doch verzeichnen die Berichterstatter immer wieder aufsehenerregende Erfolge auch auf internationalem Parkett. (S. 190)

!!!!!   Hu   !!!!!

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P.S.: Man kann Island auch mit dem Rad durchqueren – oder darüber lesen, wie jemand es tut. Empfehlung!



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