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Pieter Webeling: Das Lachen und der Tod

27. 07. 2015  •  5 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lektüre«

Buch gelesen:

Pieter Webeling: Das Lachen und der Tod

 

Darum geht’s:

Ernst Hoffmann ist Komiker, Holländer und Halbjude* Jude. Er wird in ein Konzentrationslager in Polen deportiert. Dort erleidet er ungeheure Qualen und beobachtet ungekannte Grausamkeiten – bis sein Humor ihm ein besseres Leben verschafft: Er darf vor SS-Offizieren auftreten. Oder besser gesagt: Er muss.

Es ist kein Vergnügen. Jeder Witz muss wohl überlegt sein, und das, was er darbietet, wird ein eigener Überlebenshumor, eine Lagerhumor, eine Mischung aus Zynismus, Verachtung und ab und an ein wenig vorsichtiger Ironie.

Und? Gut?

Dieses Buch überschreitet Grenzen. Ich habe schon viele Bücher über den Holocaust gelesen, alle haben Grausamkeiten beschrieben. „Das Lachen und der Tod“ geht einen Schritt weiter. Es beschreibt Gräuel, wo andere Bücher aufhören, und ist deshalb ungeheuer wichtig.

Doch das Buch ist nicht nur schonungslos. Es ist auch warmherzig.

Es ist unfassbar, wie ein Mensch nach Erlebnissen, wie Ernst Hoffmann sie machen musste, weiterleben kann. Aber es geht wohl. Das macht Hoffnung.

Lesen Sie das Buch. Erwarten Sie das Schlimmste, das Menschen Menschen antun können. Und erwarten Sie das Beste, das ein Buch zu tun vermag: bewegen.

*Hinweis in den Kommentaren

*

Das Buch wurde mir zur Rezension zur Verfügung gestellt. Ich rezensiere nur Bücher, die ich mir auch gekauft hätte.

Kommentare

5 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Danke für diesen Buchtipp. Ich werde Ihre Empfehlung ganz bestimmt beherzigen, und mir dieses Buch kaufen.

  2. Noga sagt:

    „Halbjuden“ gibt es nicht. Das ist ein Konstrukt der Nazis. Dass dieser Sprachgebrauch sich immer noch hält. ist schlimm genug.
    Aber eine Aussage wie „Erwarten Sie das Schlimmste, das Menschen Menschen antun können“ toppt das noch. Denn das Schlimmste, was Menschen in Konzentrationslagern angetan wurde, ist so schlimm, daß es dafür keine Worte gibt.

    1. Nessy sagt:

      Danke für den Hinweis zum Begriff „Halbjude“. Ich habe mich dazu belesen. Das war mir so nicht bekannt. Ich habe es im Text korrigiert.

      Was den zweiten Kritikpunkt angeht, stimmen wir inhaltlich ohne Frage überein. Was schlagen Sie für eine Formulierung vor, um darzustellen, dass die Geschichte – ja, das Schlimmste darstellt, was Menschen, Menschen antun können?

  3. martin III. sagt:

    So ganz kann ich Nogas Sichtweise nicht teilen. Sicher, „Halbjude“ ist Nazi-Terminologie und auch heute noch abwertend, aber letztlich sind die Menschen damals nach solchen Klassifizierungen unterschiedlich behandelt worden, wer darüber berichten will wird an solchen Begriffen kaum vorbei kommen. Und für den Leser ist es auch in der Kurzzusammenfassung sicher nicht uninteressant ob da jemand deportiert wird der sich selbst vorher womöglich nie als Jude gesehen hat (spekulativ, ich habe das Buch nicht gelesen).

    1. Nessy sagt:

      Dass der Vater des Protagonisten kein Jude war, ist für die Handlung in der Tat wesentlich.

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