Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Die Bildungsbandscheibe wird fünf

7. 02. 2013  •  36 Kommentare

Herzlichen Glückwunsch, lieber Bandscheibenvorfall!
Heute wirst du fünf Wochen alt.

//*singt leise

Heute kann es regnen,
stürmen oder schneien,
denn du strahlst ja selber
aus bis in mein Bein.
Heut ist dein Geburtstag,
darum grummel ich
wärst du nicht geboren
wär ich beweglich

Wie blöd, dass du geboren bist,
ich hätte dich sonst nicht vermisst.
Wir blöd, dass wir beisammen sind,
schere dich schnell fort, Geburtstagskind!

Liebe Bildungsbandscheibe, Deine Geburt war sehr schmerzvoll. Vier lange Tage lag ich in den Wehen, bis sich eine zaghafte Erleichterung einstellte. Die Freude nach der Niederkunft blieb deshalb bislang aus. Aber lass uns nicht darüber schweigen: Postpartale Depressionen kommen in den besten Familien vor.

Derzeit arbeiten wir beide voller Zuversicht an unserem Zusammenleben. Wir wollen uns lieben lernen, Gefühle füreinander entwickeln. Täglich beturne ich dich zärtlich. Am liebsten magst du es, wenn ich dich spazieren führe. Dann schläfst du ein und bist für mehrere Stunden still. Inzwischen hast du es sogar gern, wenn es schneller voran geht. Seit vergangener Woche sind wir schon viermal gejoggt. Heißa, das macht Spaß, nicht wahr?

Auch wenn sich unsere Beziehung seit deiner Ankunft deutlich entspannt hat, leidest du bisweilen unter Koliken, gerade nachts. Aber hey: Jede Bandscheibe kann schlafen lernen. Das kriegen wir Zwei schon in den Griff.

Ich freue mich, dass Du in dem kleinen Piriformis einen Freund gefunden hast. Über den renitenten Racker müssen wir allerdings noch einmal reden. Ich habe das Gefühl, dass dir der Umgang mit ihm nicht gut tut.

Zu deinem fünften Geburtstag schenke ich dir ein neues Rezept voller Krankengymnastik. Faszien kneten, Triggerpunkte drücken, Popo dehnen – das ist wie Pekip, nur schöner.

Viel Spaß damit, liebe Bildungsbandscheibe – und alles Gute!

Meine guten Wünsche
haben ihren Grund:
ich werde nun ganz schnell
glücklich und gesund.
Dich fortgehn zu sehen,
ist was mir gefällt,
Tränen gibt es schon
genug auf dieser Welt.

//*geht summend ab

Ein paar Gedanken zu Frau Schavan

6. 02. 2013  •  112 Kommentare

Frau Schavan ist ihren Doktortitel los.

Diesem Beitrag möchte ich vorausschicken: Wenn ihre Dissertation akademischen Qualitätsansprüchen nicht genügt und auch nie genügt hat, ist das einer Bildungsministerin unwürdig. Es liegt mir fern, schlampiges wissenschaftliches Arbeiten zu verteidigen. Trotzdem möchte ich ein paar Dinge zu bedenken geben.

Als ich Anfang vergangenen Jahres beim Guttenplag die Arbeit von Karl Theodor zu Guttenberg ansah, musste ich schallend lachen. Ich habe zu dem Zeitpunkt noch selbst an meiner Dissertation gearbeitet, und was Herr zu Guttenberg da fabriziert hatte – nun ja, jeder Zweitsemesterstudent konnte erkennen, dass keine Nachlässigkeit dahintersteckt. Offensichtlicher und umfänglicher kann man eine Täuschungsabsicht wohl nicht dokumentieren.

Auch bei Frau Schavan habe ich mir die Dokumentation (pdf) der Plag-Leute angeschaut. Der Fall ist anders gelagert als bei zu Guttenberg. Die, sagen wir mal, Ungenauigkeiten sind bei weitem nicht so dreist, nicht so eklatant, auch wenn sie, endend beim unvollständigen Literaturverzeichnis, letztendlich zur Aberkennung des Titels geführt haben.

Wer heute an einer Dissertation arbeitet, hat zahlreiche elektronische Möglichkeiten, seine Literatur und seine Gedanken zu verwalten. Trotzdem sind mir in meiner eigenen Arbeit Fehler unterlaufen. So steht im Text an einer Stelle die Quelle „Müller 2010“, im Literaturverzeichnis aber „Müller 2011“. Das sollte nicht passieren, kann eigentlich bei korrekter Anwendung von Literaturverwaltungssoftware auch nicht passieren. Aber irgendwann während der mehrjährigen Arbeit an diesem 250-seitigen Dokument es ist passiert. Mein Doktorvater hat es bemerkt und mich dafür abgewatscht – und meine Korrekturleser gleich mit. Richtig so.

Was ich aber damit sagen will: Ich halte es für praktisch unmöglich, Fehler komplett zu vermeiden. Ich möchte deshalb nicht wissen, welche Unsauberkeiten selbst dem redlichsten Doktoranden 1979 durchgegangen sind, als noch mit Zettelkästen und Schreibmaschine gearbeitet wurde.

Nochmal: Ich möchte damit mitnichten Plagiatoren verteidigen, auch nach mehreren Jahrzehnten sind. Ich möchte lediglich einordnen.

Meine Dissertation ging durch eine Plagiatssoftware. Das ist Standard; die Abgabe in gebundener wie auch in elektronischer Form ist obligatorisch. Bei Frau Schavan war es das damals nicht; die Plagiatsfeststellung war und ist ungleich schwieriger.

Umso mehr verblüfft es mich, dass sich jemand die Dissertation dieser Frau vornimmt, einer langjährigen Politikerin, die nunmehr 57 Jahre alt ist und deren Arbeit vor 33 Jahren entstanden ist. Solch eine Arbeit zu prüfen, 35, 40, 50 Jahre alte Literatur zu beschaffen, jede Fußnote zu vergleichen und zusätzlich all jene Textstellen zu kontrollieren, die keine Fußnote haben – das ist ein Vollzeitjob. Für Wochen. Wer macht sowas? Und warum? Cui bono?

Meine Einschätzung zu Herrn Guttenberg war seinerzeit: Jeder, der täuschen möchte und es auch tut, stellt sich, selbst wenn ich ihm wohlwollend an Debilität grenzende Blödheit unterstelle, nicht so dumm an wie Herr zu Guttenberg. Solch ein plumpes Kopieren fabriziert man nicht selbst.

Und ein Plagiatsjäger, der sich ohne Verdachtsmoment die Mühe macht, eine 33 Jahre alte Dissertation herauszukramen (ausgerechnet diese!) und sie bis ins Detail zu prüfen, macht das nicht als Freizeitvergnügen. Er macht es auch nicht aus einem übermäßigen Gerechtigkeitsempfinden heraus – sondern weil es einen Zweck hat. Für ihn oder für Dritte.

Hätte Annette Schavan übrigens vor 33 Jahren einen Menschen getötet, wäre der Totschlag seit drei Jahren verjährt.

Das Akupunktur-Massaker

4. 02. 2013  •  42 Kommentare

„Oh mein Gott!“, sagt die Arzthelferin, blickt mich mit weit aufgerissenen Augen an und schlägt die Hände vor den Mund. „Wie sehen Sie denn aus!“

Gute Frage, wie sehe ich aus!? Ich fasse mir mit der flachen Hand ins Gesicht und blicke auf meine Handfläche. Blut. Überall Blut.

„Ich hole schnell was“, sagt sie und rauscht davon. Mich dünkt, sie ist leicht panisch.

Ein dicker, roter Tropfen fällt von meinem Kinn und breitet sich behäbig auf dem Stoff der Behandlungsliege aus. Ich halte die Hand unters Gesicht. Es tropft und tropft.

Die Arzthelferin kehrt zurück. „Als hätte Ihnen jemand den Schädel gespalten“, sagt sie und drückt mir einen Tupfer aufs Haar. Mit einem Lappen wischt sie mir übers Gesicht, eifrig wie ein Fensterputzlehrling. „Was hat der Doktor bloß mit Ihnen gemacht?“

Es nennt sich Akupunktur.

Sie hält inne, tritt einen Schritt zurück, wiegt den Kopf von links nach rechts und betrachtet mich mit vorgerecktem Kinn. „Naja“, sagt sie. Noch einmal zückt sie den Lappen und rubbelt meine Wange. „Vielleicht gehen Sie besser auf unsere Patiententoilette und machen das selbst. Bevor Sie wieder auf die Straße treten, meine ich. Obwohl – es ist ja bald Karneval.“

Ich ziehe mir meine Schuhe an und gehe aufs Gästeklo. Im Spiegel läuft ein Splatter-Movie: Auf meiner Wange klebt krustiges, dunkel geronnenes Blut, die Haare in der Stirn sind rot verfilzt.

Da sage noch einer, mein Qi fließe nicht.

Heute mal was anderes: Linktipps

3. 02. 2013  •  20 Kommentare

Ein paar Sachen zum Woanderslesen und -hören:

Der Kinderdoc bei Radio Fritz
So also hört er sich an, der Kinderdoc. Ich komme auch in dem Interview vor. Circa ab Minute 44:35.

Dass das Interview ausgerechnet mit den Google-Suchanfragen eröffnet wird, finde ich übrigens ausgesprochen verfehlt.

Lampiongarten: Geschichte eines einwöchigen Twitterentzugs
„Wenn man auf Facebook die Leute zu hassen beginnt, mit denen man zur Schule gegangen ist, dann verliebt man sich auf Twitter in völlig Fremde, so besagt einer der meistzitierten Tweets. Ich habe diese Fremden vorerst abgeschaltet.“

Ganz netter Erfahrungsbericht, auch wenn ich kein Problem damit hätte, ohne Twitter zu leben. Habe ich mir im Urlaub schon mehrfach bewiesen. Es ist überaus erstaunlich, wie wenig man wirklich verpasst, wenn man zwei Wochen offline ist, egal ob partiell oder komplett.

Der Sachspendenmarkt bei kinderarmut.de
Ein Link, den ich vor Weihnachten über Twitter bekommen habe. Ich weiß leider nicht mehr, von wem. Hier können sich Leute melden, die eine Sachspende oder Lebensmittel benötigen. Ihre Bedürftigkeit wird überprüft, Spender melden sich und schicken den Inserenten, was sie brauchen. Habe ich gemacht. Kann ich empfehlen.

Marco Maurer auf Zeit Online: Ich Arbeiterkind
„Jetzt stehen wir im Schulsekretariat. Vanessa, Wolfgang, ich – und die Direktorin, nennen wir sie Margarete Bäumler, eine energische Frau Anfang sechzig. Sie sagt, sie könne unseren Besuch nicht gutheißen. Wir sollten den Schülerinnen keine Flausen in den Kopf setzen. Abitur? Studium? »Wir sind eine Schule, die für die Lehre ausbildet, das war schon immer so«, sagt Frau Bäumler. Und dann sagt sie fast denselben Satz, den meine Mama vor 20 Jahren von Herrn Proksch zu hören bekam: »Alles andere ist nichts für sie.«
»Sie«, das sind ihre Schülerinnen.“

Marco Mauro über seinen Weg zum Abitur, zum Studium und zur Zeit. Ich erkenne mich in vielem wieder, auch wenn ich eine geradlinigere Schullaufbahn hatte.

Super Bunny
„Mein Mann, der größte Karnevalist in der Familie, ist dabei unübertroffen in seiner Kreativität der Kostümwahl. Auch dieses Jahr verneige ich mich ehrfürchtig:“

In der Tat preiswürdig.

Michael Bohnert
„Als Fechter- oder Boxerstellung wird eine für Brandtodesfälle typische Körperhaltung bezeichnet, die aus der hitzebedingten Schrumpfung der Sehnen und der Muskeln resultiert. Wenn diese auf Temperaturen von mehr als 60 °C erhitzt werden, kommt es zur Eiweißdenaturierung, welche mit einer Verkürzung der Muskelfasern und der Sehnen einhergeht. An der isolierten Sehne kann eine Verkürzung von bis zu 60 % auftreten.“

Immer wieder interessante Ausführungen von Michael Bohnert, Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Würzburg.

Wie der Staat unbequeme Steuerfahnder kaltstellt
„Einst brachte Wehner dem Staat Millionensummen ein, indem er hinterzogenes Steuergeld aufspürte. Heute arbeitet er in Fulda als Fahrlehrer. Wie konnte es in einem Rechtsstaat so weit kommen? Wer das begreifen will, muss sich mit der Geschichte der einst schlagkräftigsten Steuerfahndung Deutschlands befassen, die am Finanzplatz Frankfurt illegale Geldströme entdecken und Steuerhinterziehung in den Banken verfolgen sollte.“

Wenn sie stimmt, wie sie dort aufgeschrieben wurde, ist das eine unfassbare Geschichte.

Herzdamengeschichten: Der Erikativ und mein Liebesleben
„Die schon legendäre Disney-Übersetzerin Erika Fuchs (1906 bis 2005) prägte diese besondere Verbform im Deutschen maßgeblich. Eine Form, bei der das Wort, welches die Handlung beschreibt, auf den Stamm verkürzt wird: “kreisch”.“

Der Eintrag ist schon ein paar Tage alt, aber er hat eine gewisse Inkubationszeit. Lesen Sie ihn einfach. Dann wissen Sie schon.

Lieblingstweets im Januar

1. 02. 2013  •  17 Kommentare

https://twitter.com/KaeptnEmo/status/296338330721857536

Und zu guter Letzt ein Tweet für alle kleinwüchsigen, passionierten Badewannenschwimmer, damit Sie endlich verstehen, warum in Gottes Namen ich keine Badeperlen, Badekugeln oder Schaumölbäder brauche:

Die Sammlung gibt’s wie immer bei Frau Anne.



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