Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Broterwerb I| Heute hatte ich ein Date bei der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, genauer an der Fakultät für Betriebswirtschaft, Studiengänge „Management und Medien“.

Das war spannend, denn zwischen 1999 und 2003 habe ich hier einen ordentlichen Batzen Zeit verbracht. Den Osteingang der Uni habe ich noch wiedererkannt, sonst hat sich alles rundherum verändert: Wo früher Felder waren, steht heute ein ausuferndes Wohngebiet. Es gibt Straßen, die es früher nicht gab. Die Wege sind nun anders. Auch auf dem Campus hat es rege Bautätigkeit gegeben. Wahnsinn. Die Stadt München hat sich über Felder und Wiesen bis nach Neubiberg ausgedehnt.

Und es wird weiter gebaut: Gegenüber der U-Bahn-Haltestelle Neuperlach-Süd, Enthaltestelle der U5 (Protipp: hier parken und in 15 Minuten bis in die Innenstadt zum Odeonsplatz fahren) ist schon lange ein riesiger Büropark. Nun bebauen sie auch den Park & Ride; wer pendeln möchte, muss nun weiter weg parken. Irre.

Broterwerb II | Ich habe eine Buchung für den Juli 2020 erhalten. Sehr cool.

Ich werde an der Medienakademie Ruhr ein zweitägiges Seminar zum Innovationsmanagement geben. Wenn Sie interessiert sind, schauen Sie im Herbst dort mal vorbei. Dann ist das Jahresprogramm 2020 online.

***

Gesprächsfetzen I | In der Straßenwirtschaft hinter mir sitzen er und sie. Kein Paar, nur Freunde; man erkennt es schon nach wenigen Sätzen. Sie führen ein Gespräch über Dies und Das. Sie sind beide jung; sie ist gerade erst in den Job eingestiegen. Er kann nicht viel erfahrener sein, auch wenn er mehrfach betont, er sei „sowas wie der Geschäftsführer in dem Laden“, nicht wirklich, aber de facto mache er „all die Geschäftsführersachen, die wichtig sind“.

„Kein Mann will eine Frau, die mehr arbeitet als er“, sagt er. Sie sagt, sie sei noch in der Probezeit, außerdem gefalle ihr der Job. Deshalb arbeite sie gerne.

„Wenn ich zig scheißtausend Sachen zu tun habe, und es ist niemand da, wenn ich abends heim komme – dafür brauch‘ ich keine Freundin“, sagt er. Sie sagt, sie wolle sich erstmal im Arbeitsleben zurechtfinden.

Eine Freundin, die mehr verdiene, sei einfach ungeil, sagt er. „Wenn dein Freund dich irgendwann nicht mehr f\cken will, weißt du, woran es liegt.“

Gesprächsfetzen II | Auf dem Bahnsteig sitzt eine Frau und telefoniert. Sie telefoniert sehr laut. Sie brüllt fast. Jedes zweite Wort, das sie brüllt, ist „Arschloch“. Allerdings die liebevolle Art von Arschloch, sie sagt: „Du bist so ein Arschloch, ey, ich liebe dich, du Arschloch.“

Dann sagt das andere Ende etwas. Sie legt den Kopf schrägt, presst das Handy ans Ohr. Es ist ein sehr großes Handy in einer goldenen Schale. Sie sagt: „Du bist so eifersüchtig, Arschloch.“

Die U-Bahn kommt. Wir steigen ein. Sie setzt sich in einen Vierer. Es ist noch ein weiterer Vierer zwischen uns. Dennoch höre ich sie deutlich. „Du hörst mir nie zu, du Arschloch. Ich hab‘ dir gesagt, nie wieder. Aber du sagst, doch, und dann haben wir es gemacht und jetzt ist alles wie vorher, du Arschloch.“

Vielleicht reden sie übers Heiraten, vielleicht über die Anschaffung eines Haustiers, vielleicht über eine Anmeldung im Fitnessstudio.

„Wenn ich sowas noch einmal mit dir mache, dann machen wir es richtig, du Arschloch. Dann machen wir es ernst.“

Pause.

„Okay. Morgen um Acht.“ Sie legt auf. „Arschloch.“

***

Gefangen in Heidelberg | Nachzutragen ist noch eine Begebenheit aus Heidelberg. Ich war gefangen.

Am Montag ging die Turnfreundin zur Arbeit. Ich blieb in ihrer Wohnung in Heidelberg, eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Ich früchstückte zunächst, genoss die Aussicht vom Balkon und arbeitete dann. Für den späten Nachmittag verabredeten wir uns in der Stadt.

Als es an der Zeit war, packte ich meine Siebensachen, zog die Wohnungstür hinter mir zu und ging zur Haustür. Die Haustür: abgeschlossen. Der Weg zurück in die Wohnung: versperrt; ich hatte keinen Schlüssel.

Mmmh.

Fenster: keine.
Fluchtwege: keine.
Wäschekeller: auch kein Fenster.

Mmmh.

Ich klingelte bei den Nachbarn: niemand da.

Mmmh.

Ich rief die Freundin an: „Ich befinde mich in einer misslichen Situation.“

Sie fing sofort an, in den Hörer zu schreien: „… habe ich ihnen extra noch gesagt!! … jedesmal!! … Rentner!!! … schließen immer ab!! … wir werden alle irgendwann verbrennen!! …“ Und: „Ich rufe sie an. Bleib, wo du bist!“

Wo sollte ich auch hin?

Eine geraume Zeit später, ich hatte mich auf der Treppe eingerichtet, tauchte eine verrentete Organistengattin in der Haustür auf. „Ich dachte, es wäre niemand im Haus. Da schließe ich lieber alles gründlich ab.“

***

Besonderheit | Ich aß heute besonderes Eis: Lillet Berry und Milchschnitte. Außerdem hatte ich einen Probierlöffel „Augustiner Bräu“.

Lillet: 5 /10 Punkte
Milchschnitte: 9/10
Augustiner Bräu: 10/10

Kommentare

7 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Frau Irgendwas ist immer sagt:

    Die Eissorten!!! Gut das ich noch nicht gefrühstückt habe, boa, also ich finde schon allein das Lesen … grenzwertig. Aber machen Sie sich nix draus, das schreibt die Frau der jedes jemals gegessene Eis viel zu zuckrig-klebrig war.
    Die verrentete Organistengattin sehe ich direkt vor mir.

    1. Vanessa sagt:

      Das Bier-Eis war wirklich lecker. Sehr frisch.

  2. Frau L. sagt:

    Schön zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin, die in Treppenhäusern gefangen war. Ich besuchte einen Bekannten, wollte morgens abreisen, er unweckbar schlafend. Ich ziehe die Wohnungstür hinter mir zu und stehe vor verschlossener Haustür. Im Haus wohnten die sich im fortgeschrittenen Seniorenalter befindlichen Vermieter. Leider akut aushäusig. Es gab zwar ein Fenster, dieses besaß aber einen reinen Zierzweck und wäre nur durch einschlagen zu öffnen gewesen. Auch Sturmklingeln an Wohnungstür und Telefon weckten den Bekannten nicht auf. Zwischenzeitlich klingelte außen sogar der Mittagsmenu-Bringdienst, der allerdings auch keinen im Außenbereich versteckten Schlüssel finden konnte. Ich sah mich aussichtslos gefangen, bis ich im Treppenhaus eine Tür, von der ich dachte, sie führe in eine Abstellkammer, öffnete und feststellte, dass sie in den Treppenaufgang zur (derzeit) unvermieteten Ferienwohnung des Hauses führte. Und tatsächlich! In der Tür zur Ferienwohnung steckte ein Schlüsselbund mit zwei Schlüsseln von denen mir einer die Haustür öffnete. (Das alles im Übrigen ohne Kaffee und Frühstück.)

    1. Vanessa sagt:

      Ich freue mich, dass ich eine Mitstreiterin habe. Ich kam mir etwas doof vor.

  3. Eine meiner tiefsten Ängste ist es, irgendwo versehentlich eingeschlossen zu sein. Deshalb schließe ich nach Möglichkeit nichtmal Klokabinen ab. Und käme nie auf die Idee, die Wohnungstür oder Haustür von innen abzuschließen. Ich hab weniger Angst vor Dieben als vor Bränden.

    1. Vanessa sagt:

      Nun, klaustrophobisch bin ich nicht. Gleichwohl halte ich Brände ebenso für gefährlicher als Diebe.

  4. jpr sagt:

    Eine Freundin, die mehr verdiene, sei einfach ungeil, sagt er.

    Wie oft „Einwaende“ sich dann doch einfach auf simple Status-Angst herunterkochen finde ich auch immer noch beeindruckend. Wir brauchen vermutlich noch ein paar mehr Generationen, die das mit der Gleichheit sauber leben, bis sich das abstellt.

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