Draußen nur Kännchen
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Freitag, 23. Februar

23. 02. 2018  •  21 Kommentare

550 Kilometer geradeaus gefahren. Allerdings – Überraschung – nicht nach Norden, zurück nach Dortmund. Sondern weiter in den Süden.

Ich bin in Italien, in der Emilia Romagna. Hier sitze ich grad:

La Barquessa: Wohnzimmer

Es ist ein Geschenk an mich selbst. Denn im kommenden Monat werde ich 40 Jahre alt, und das Schönste, was man einem Menschen – und auch sich selbst – schenken kann, sind Zeit und Erlebnisse.

Weil das Leben kurz ist, weil es in der Gegenwart stattfindet und nicht in der Zukunft, weil es genau diese Dinge sind, auf die ich im Alter glücklich zurückblicken werde, weil ich im vergangenen Jahr viel gearbeitet habe, weil wenn nicht jetzt, wann dann, schenke ich mir zu meinem 40. Geburtstag: den März. Ich werde den nächsten Monat in Italien verbringen, reisen, Projekte vorbereiten, mich über die Fernuni Hagen weiterbilden, Ideen entwickeln und Kraft schöpfen.

Begleiten Sie mich. Ich werde weiterhin jeden Tag bloggen und freue mich über Tipps. Ich starte hier zwischen Parma und Emilia Romagna. Das Appartment ist für eine Woche gebucht. Und dann: Mal schauen.

Ich bin übrigens ganz normal erreichbar. Per Mail, per WhatsApp, Threema und auch über meine Festnetznummern. Sie leiten aufs Handy weiter.

*

Heute morgen startete ich in München beziehungsweise: Murmansk. Kälte, Eis, Schnee. Ich schleppte meinen ganzen Kram ins Auto: ein mittlerer Koffer mit Wintersachen beziehungsweise Allwettersachen, ein kleiner Koffer mit Frühjahrs- und Sommerkleidung, ein Korb mit Arbeits- und Studienkram, ein Korb mit Schuhen. Nicht übermäßig viel für vier bis fünf Wochen, aber eben auch nicht so wenig. Von minus 10 bis plus 20 Grad kann hier im März alles passieren – und wird es wahrscheinlich auch, wenn ich die Wettervorhersagen anschaue.

Durch Deutschland und Österreich war es kalt und diesig. Über dem Brenner kam die Sonne durch.

Brenner mit Schnee und Sonne

Das Panorama war großartig. Gipfel, Sonne und Schnee. Dank Tempolimit von 110 und wenig Verkehr hatte ich Gelegenheit zu genießen. Ich machte mir Musik an und fuhr mit Freude durch diese wunderbare Landschaft.

In Bozen fuhr ich runter: Die Hälfte der Strecke, es war Mittag, ich hatte Zeit.

Bozen: Waltherplatz

Ich stieg aus dem Auto und: Frühling! Verrückt. Die Sonne war warm, die Leute saßen draußen, tranken Kaffee und Wein und ach – es war unglaublich.

Bozen, Marktstände

Als ich das Foto machte, lernte ich K und F kennen. Wo ich herkomme, fragten sie; was ich hier mache. K, ein Herr im mitteloberen Alter, wollte mich kurzerhand heiraten. Ich sei dann seine vierte Frau, aber das solle nichts heißen, die ersten drei seien halt Pech gewesen, wir müssten auch nicht sofort die Ehe eingehen, wir könnten auch erstmal mit dem Multivan bis nach Bari fahren und wieder zurück. Wir einigten uns zunächst auf einen gemeinsamen Prosecco.

F hat ein Hotel in der Gegend. K und F waren gestern zum Jubiläum beim Vögele: 25 Jahren, es ging bis in die Nacht. Mit ihm nach Bari, das solle ich mir wirklich überlegen; warum ich überhaupt im März reise – der Mai sei doch viel wärmer. Ich erzählte von meinem Geburtstag und dem geschenkten Monat, doch K ließ sich nicht abbringen. Ich versicherte ihm, dass ich über das Projekt Multivan nachdenken werde. F sagte, ich solle doch auf dem Rückweg zumindest in seinem Hotel vorbeischauen, dort sei es wirklich schön, ein Anruf ein paar Tage vorher genüge. Er sagte mir den Namen und gab mir die Nummer. Mal schauen: vielleicht tatsächlich.

Tisch mit drei Gläsern

Wir trennten uns, ich kaufte mir noch zwei Bällchen Eis, bummelte durch die Gassen und kehrte dann zum Auto zurück.

Südlich vom Gardasee wurde das Wetter zusehends schlechter und die Temperatur sank: Von zehn Grad auf sechs Grad und dann alle zehn Kilometer um weitere 0,5 Grad, bis es erst zu schneeregnen und dann zu schneien begann.

Gegen 17 Uhr fuhr ich von der Autostrada ab, und es war tiefer Winter. Ich durchquerte auf den folgenden 30 Kilometern so viele Kreisverkehre wie im ganzen Jahr 2017 nicht. Gegen 17:30 Uhr erreichte ich La Barquessa, mein Quartier für die nächsten sieben Tage, und als ich die Fahrertür öffnete, schob ich damit den Schnee beiseite – so hoch liegt er hier.

Qui è?“, rief es aus der Küche des Bauernhauses.
Sono io, Vanessa„, rief ich zurück.
Vanessa, benvenuto!“ Komm in die Küche, trink Mocca mit uns. Wie war die Fahrt? Ist es kalt in Deutschland? Was ein langer Weg! Die Torfrau A hat dich angemeldet – wie wunderbar. Wann ist sie eigentlich zuletzt hier gewesen? Und wie oft? Was sie tue, verfolge man auf Facebook, aber was sie dort schreibe, das wisse man natürlich nicht. Ob ich mal kurz übersetzen könne? Sie sei aber noch mit Björn zusammen, oder?

So saßen wir in der Küche, der Tisch in der Mitte des großen Raums, vor uns Mokatassen und Birnen und Biscotti. 

Bevor ich das kleine Appartment in der Scheune bezog, setzten wir gemeinsam das Auto um. Einer fuhr, einer schob, denn nichts bewegte sich, so hoch steckte es im Schnee. Nun steht es in der Scheune, ich habe ausgeladen und mich eingerichtet. An wegfahren war nicht mehr zu denken. So gab es nur ein kleines Abendessen mit Resten aus München.

Jetzt Tagesausklang mit McDreamy. Italienischgewöhnung mit Untertiteln.

Italiano con Greys, mit Untertiteln



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