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Rückenfit

2. 01. 2014  •  11 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Am Montag ruft mich meine Freundin an. Ob ich Lust habe, mit zum Rückenfit-Kurs zu gehen. Im Fitti. „‚Ne Stunde lang Rückenturnen, bisschen Cardio, dann schön in die Sauna.“

Ich überlege kurz. Denn die Sache ist: Ich bin schon vor zwei Tagen im Fitti gewesen. Ausgeschlafen, abgefrühstückt und ausgeruht, gänzlich im Ferienflow, habe ich eine zweieinhalbstündige Glanz-Performance hingelegt und mich mal so richtig austrainiert – weshalb ich arg Muskelkater habe, vor allem in den Beinen, wahrscheinlich wegen des Sprungkrafttrainings. Aber nun ja. Rückenfit. Das könnte grad noch gehen. Ich sage also zu.

Die Vorturnfrau ist eine kleine, biegsame Yogalehrerin, die nebenberuflich in Rücken macht. Zunächst gehen wir auf der Stelle. Ich komme mir immer sehr dämlich vor, wenn ich auf der Stelle herumgehen soll, „schön die Knie anziehen und die Arme aktiv mitnehmen“ – das hat etwas von Herzsportgruppe. Die Turnfrau macht nun Ausfallschritte nach links und nach rechts. Ich tue es ihr nach, was soll ich auch sonst machen – mitgehangen, mitgefangen. Ich kann mir selbst dabei zusehen, denn wir turnen vor einer Spiegelwand, es hat etwas von Ballettschule. Für Nilpferde. Mit X-Beinen. Aber während ich mich noch bemühe, eleganter auf der Stelle zu trampeln, geht’s auch schon tiefer in die Knie.

O-ha! „Hallo-ho!“, ruft mir nun das Sprungkrafttraining von vor zwei Tagen zu.
„Hier bin ich! Huhu!“, ruft es aus meiner Oberschenkelinnenseite, direkt aus dem Adduktor. Genauer gesagt ruft es nicht – es BRÜLLT, ABER HALT DICH FEST! Ein Feuer brennt in meinen Beinen!

Wir nehmen jetzt Gewichte zur Hand und laufen weiter auf der Stelle, es geht immer noch nicht um den Rücken. Wir steppen und steppen, machen nun einen Ausfallschritt nach vorne, gehen tief in die Knie, legen das Gewicht einmal auf der Erde ab und heben es wieder auf. „Hallo-ho!“, ruft mir mein Oberschenkel jetzt von seiner Vorderseite aus zu, noch drei, noch zwei, welch Brennen!, welch Reißen!, noch einen, ALTER SCHWEDE! Wechsel zur anderen Seite.

Ich schaue nach rechts zur Freundin, die freudig schnauft. Ja, merkt sie denn nichts? Wir haben Rückenfit gebucht, kein Beine-Po-Programm! Das ist Betrug am Kunden, was hier passiert!

Wir lockern uns. Dann geht’s auch schon weiter, wir machen eine seltsame Schrittkombination, Vor, Seit, Rück, Seit, herrje, ich bin doch hier nicht im Bronze-Tanzkurs! Ich brauche drei Runden, um die Schrittfolge zu schnallen.

„Und jetzt das Ganze noch einmal weiter unten! Schön in die Knie gehen!“, flötet die Vortanztante. Ich bekomme erste Krämpfe im linken Adduktor. Die 50-jährige Mutti vor mir schwingt weiter locker aus der Hüfte.

Der nächste Tag ist Silvester. Ich kann mich zwar nicht zum Bodenfeuerwerk hinabbeugen, aber eins ist sicher: Mit strafferen Schenkeln bin ich noch nie ins neue Jahr gerutscht.

Kommentare

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  1. juniwelt sagt:

    Machmal ist einfach nicht das drin im Kurs, was drauf steht…hatte ich auch schon, inklusive interessanter Überraschungen…

    1. Nessy sagt:

      Solange ich nicht Zumba machen muss …

    2. juniwelt sagt:

      Das wäre in der Tat Höchststrafe, auch für mich

  2. zimtapfel sagt:

    Ganz eindeutig ein Fall für den Verbraucherschutz! Lassen Sie sich das nicht bieten, Frau Nessy!

    1. Nessy sagt:

      Und die straffen Schenkel erst! Das ist gar nicht gewollt!

  3. ck sagt:

    „Das könnte grad noch gehen.“ Da wusste ich, wie der Artikel enden wird.

    Vor nunmehr 16 Jahren habe ich mir das auch mal gedacht, als mich meine damalige LAG mit zum „Bauch, Beine, Po“ ins Fitnessstudio nahm. Ungefähr 15 knackige Mädels – und ich. Nach 45 Minuten haben die Mädels der Vorturnerin applaudiert und sind freudestrahlend raus gehüpft. Nach weiteren 15 Minuten habe ich es endlich geschafft, aufzustehen.

    Ich war danach nicht mehr bei „Bauch, Beine, Po“.

    1. Nessy sagt:

      Ja, man unterschätzt das, doch, doch.

  4. wiycc sagt:

    Liebe Frau Nessy, mein Mitleid hält sich eher in Grenzen, beneide ich Sie doch sehr um den straffstschenkeligen Jahreswechsel ever. Was mich betrifft, müßte ich nämlich sagen, mit schlafferen Schenkeln bin ich noch nie ins neue Jahr ge.. äh chillt.
    Und Bodenfeuerwerk machen ja auch die Anderen für einen mit.

    1. Nessy sagt:

      Das machen dann die im neunten Monat schwangeren Gastgeberinnen für mich. So sieht’s aus.

  5. wiycc sagt:

    Oha, das ist in der Tat hart.
    (Dennoch, wenn der Schmerz nachläßt, werden’s Muskeln. ;) )

  6. Susann sagt:

    Na super. Aber man kann sich immer gut rausreden. Oh, kannst du mal… bei mir geht nichts.
    Muskelkater hatte ich schon lange nicht mehr. Muss wohl mal wieder doller machen im Fitti.
    Schönes Neues!
    LG Susann

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