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Vier Bücher

15. 06. 2011  •  22 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lektüre«

Wer viel Bahn fährt, kann viel lesen.

Bücher Juni 2011: Maxim Leo, Dave Nichols, Amos Oz, Malte Welding

Maxim Leo. Haltet Euer Herz bereit.
Der Autor erzählt die Geschichte seiner Familie. Er portraitiert drei Generationen von DDR-Bürgern: die kriegserfahrenen Großeltern und Gründer der DDR, ihre Kinder und ihre Kindeskinder. Auf Ebene der Großeltern ist das Buch sehr ausführlich und hat Längen, danach wird es (zu) knapp. Trotzdem gut. Ein persönlicher Blick auf einen Staat und eine Erklärung für manche deutsch-deutschen Fragen der heutigen Zeit.

David Nicholls. Zwei an einem Tag.
Emma und Dexter. Zwei Menschen, die sich mögen, die sich vielleicht lieben. Ein Blick in ihr Leben, immer am 15. Juli, zwanzig Jahre lang, von ihrem College-Abschluss 1998 bis ins Jahr 2008. Die Geschichte ist ein wenig eindimensional und die Sprache einfallslos. Es fehlt der letzte, überzeugende Kniff, der aus der Geschichte mehr macht als ein rührseliges Frauenbuch. Aber dennoch: Ich habe es gerne gelesen. Eine solide Sache.

Amos Oz. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis.
Ein Buch, das ich schon lange einmal lesen wollte – und eins, das ich nach 100 Seiten wieder weggelegt habe. Es mag sein, dass es ein „großer erzählerischer Entwurf“ oder ein „einmaliges Dokument der Geburtsstunden des Staates Israel“ (kuksdu) ist. Ich fand es fade, langatmig und ziellos.

Malte Welding.
Frauen und Männer passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte.
Ein Sammelsurium von Wissen, Halbwissen, Nichtwissen und strammen Behauptungen über Sex, Liebe und das ganze Zeug. Plattitüden und Banalitäten ohne roten Faden, dafür aber mit einem wahren oder erfundenen „Bekannten“ für jedes Klischee. Belanglos.

Kommentare

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  1. Ach nee, schön wieder das entzückende Hündchen. Wollen Sie mich neidisch machen?

    1. Nessy sagt:

      Das Hündchen wohnt auf dem Nachtschrank und wacht darüber, dass keiner der Figuren aus den Geschichten wegläuft.

  2. Therese sagt:

    Malte Welding habe ich auch gelesen. Kann Ihre Einschätzung nur unterstreichen, liebe Frau Nessy. Ich fragte mich beim lesen oft: Ist dies wirklich ein Problem von Männern und Frauen oder sollte Herr Welding einfach nur Berlin verlassen? Kulturpessimistisch. Und zum Teil unmenschlich, da reflektierter Umgang einfach mal vielen Menschen abgesprochen wird. Aber nett für unters Kopfkissen, las sich schnell weg.

    1. jpr sagt:

      Da kann ich auch nur zustimmend nicken. Haeufig macht sich der Eindruck breit dass der Eindruck aus dem eigenen Erfahrungshorizont genommen und fuer allgemeingueltig erklaert wird („ich sehe nichts anderes, also muss es ja ueberall so sein“). Ist mir insbesondere auf der sich durchziehenden These von „eigentlich muss in den aktuellen Zeiten ja jeder zum Narzissten werden, oder er vereinsamt“ aufgefallen.
      Fazit: Tut nicht weh, wenn man’s gekauft hat, tut aber auch nicht weh wenn nicht.

    2. Nessy sagt:

      Ich habe ehrlich gesagt keine sich durchziehende These entdecken können. Entweder gibt es keine oder ich habe sie in dem ganzen Geschwurbel übersehen. Letzteres kann gut sein.

      Wenn das Buch wenigstens provokativ wäre. Aber nichtmal das.

    3. féizào sagt:

      Ja, so ähnlich gehts mir auch. Mir hatte die Leseprobe so gefallen, aber je länge ich dran lese (seit Wochen, zwischendurch gabs schon ne Menge andere Bücher), desto weniger gefällts mir.

      Er labert einfach über alles und ich kapier nicht, was er will. Eindeutig Fehlkauf!

  3. zimtapfel sagt:

    Die beiden ersten klingen ja doch ganz ansprechend für wenn mir mal wieder der Lesestoff ausgeht.
    Den Amos Oz sehe ich, wenn ich jetzt den Kopf hebe, drei Meter weiter im Bücherschrank stehen. Habe ich damals immerhin zuende gelesen, weil ich über das Thema eigentlich fast alles einigermaßen lesbare lese, musste mich hier aber auch ganz schön durchbeißen. Langatmig, dröge und ohne richtigen roten Faden, das stimmt wohl.
    Nummer vier ist so eins, das bei mir allein schon wegen des Titels komplett durchs Raster fällt. *grusel*

    1. Nessy sagt:

      Wäre es bei mir auch, allerdings hat Frau Franzi unlängst einige Zitate aus dem Buch gebracht, die mich ansprachen. Aber wie sich gezeigt hat, waren diese fünf Sätze schon alles, was sich zu lesen lohnte.

  4. Jessica sagt:

    Ich melde mich für den Buchtausch an. Ich hätte gerne David Nicholls: Zwei an einem Tag. Was kann ich Ihnen gutes tun?

    1. Nessy sagt:

      Ich bedaure. Ein real-life-Dings ist in diesem Café bis auf Weiteres nicht verfügbar.

  5. antagonistin sagt:

    Das Buch von Amos Oz fade, langatmig und ziellos?

    Kann ich nicht nachvollziehen, ich fand es wundervoll in seiner Vielschichtigkeit. Es zeigt die Verwobenheit von persönlicher Lebensgeschichte und Erinnerungsarbeit mit der israelischen Geschichte, und es ist ganz stimmig voller Brüche, Identitätsfragmente und suchendem Erzählen. Das Buch ist nicht gefällig, nicht leicht zu lesen, aber es ist – nach meinem subjektiven Erleben – ein narratives Meisterwerk. Und vielleicht braucht es Israel-affine LeserInnen mit Begeisterung für freies Assoziieren …

    Hätte ich eine persönliche Liste mit 10-20 Meisterwerken der Weltliteratur, so wäre „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ eines davon. Dass Oz wegen dieses Buches für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, scheint mir berechtigt. Ich weiß, Geschmack ist immer subjektiv, aber ich wollte zumindest eine Gegenstimme ins Feld führen. :-)

    1. Nessy sagt:

      Bitte, bitte, nur zu. Es soll sich ja jeder selbst ein Bild machen können.

      Vielleicht muss ein Buch so sein, um zum Literaturnobelpreis vorgeschlagen zu werden. Vielleicht bin ich einfach keine Literaturnobelpreisbuchleserin.

    2. zimtapfel sagt:

      Ich gestehe ganz offen: Nobelpreisautoren (oder Nobelpreisverdächtige) finde ich meistens eher ziemlich unlesbar. Habe es zum Beispiel vor ein paar Jahren mal mit diesem Orhan Pamuk (?) versucht, der den Preis damals bekommen hatte. Einer der sehr seltenen Fälle, in denen ich ein Buch unbeendet weggelegt habe. Brrrr… Mir ist das oft ein Rätsel, nach welchen Kriterien dieser Preis vergeben wird. Eine fesselnde Schreibe kanns nicht sein.

    3. damenwahl sagt:

      Gerade mal überlegt, welche Nobelpreisträgerbücher ich wirklich mochte (so, daß ich sie ein zweites Mal lesen würde oder gelesen habe): GG Marquez, Thomas Mann, Henryk Sienkiewicz (weil ich historisches mag) und Nagib Mahfuz. Angesichts der langen Liste bei Wikipedia kam ich mir mal wieder erschreckend ungebildet und ahnungslos vor, weil ich nur so wenige kannte.

    4. antagonistin sagt:

      Bitte keine Ablenkung durch Festbeissen an der Nobelpreisthematik. Nicht dass das noch umdefiniert wird in ein Ich-lese-grundsätzlich-nix-was-Mainstream-ist-und-einen-Preis-bekommen-hat. ;)
      (Ich finde zum Beispiel Günter Grass unlesbar, das würde das Nobelpreiskommitee kaum bestätigen.)

      Mit ging es eher darum, die benannte „Ziellosigkeit“ als das eigentlich Grandiose an dem Buch aufzuzeigen…

  6. Veronika sagt:

    Wenn Sie es noch einmal versuchen wollen, mit dem einmaligen Dokument der Geburtsstunden des Staates Israel, dann schlage ich „Exodus“ von Leon Uris vor. Wenn denn nicht eh schon gelesen…

    1. Frau-Irgendwas-ist-immer sagt:

      Ja, dieser Buchempfehlung schließe ich mich vorbehaltlos an.

      Und von Herrn Oz empfehle ich: Wie man Fanatiker kuriert: Tübinger Poetik-Dozentur 2002 (edition suhrkamp) – klein, fein und hochaktuell.

      Ansonsten würde ich Frau Nessy gerne um ein Ganzkörperbild des Nachttischwachhundes bitten – sieht sehr interessant aus das Tier!

    2. Nessy sagt:

      Danke für die Tipps. Das Thema an sich finde ich schon interessant.

      Der Hund bekommt im nächsten Literaturbeitrag einen Ganzkörperplatz – um dem Wunsch seiner Fans Rechnung zu tragen.

  7. Hey.. wie kommts das du soviel bahn fährst..?

    1. Nessy sagt:

      Es sind die Umstände, Herr Einmannblogger.

  8. arborette sagt:

    … das mit dem „viel bahn – viel buch“ kann ich bestätigen … bin aber zur zeit der lebende beweis, dass man so ein buch auch einfach als ellenbogen-aufstütz-und-kinn-auf-handfläche-ableg-fläche* nutzen kann, um stundenlang aus dem fenster zu schauen … haben sie schon „das orchideenhaus“ von lucinda riley gelesen? … ich mag normalerweise keine bücher, die gerade jetzt und hier von jedem gelesen werden – aber bei diesem buch bin ich schwach geworden … und? schön isses :-)

    * = hiobs brüder, rebecca gable

    1. Nessy sagt:

      „Hiobs Brüder“ nutze ich auch gerade – allerdings in der vorgesehenen Form, nicht als Kopfstütze. :o)

      „Das Orchideenhaus“ klingt ein bisschen schnulzig. Ich hab’s mir trotzdem mal auf die Merkliste gesetzt.

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