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Dienstag, 3. Juli

Heute ist mein Haushalt ausnehmend sauber, viel sauberer als sonst. Ich habe Bettwäsche gewaschen, gesaugt, gewischt und aufgeräumt – und das alles nur, weil ich meine Abschlussarbeit für die Fernuni Hagen fertigstellen musste. Eigentlich hätte ich auch noch den Terrassentisch streichen, die Fenster putzen und Rasen mähen können, aber dann habe ich mich doch rangesetzt und das Dingen fertig gemacht. Morgen geht es in die Post.

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Am Abend war ich schwimmen, konnte aber nur 500 Meter zurücklegen, weil meine Schwimmbrille kaputt ist. Das Gummi ist porös geworden und haftet nicht mehr richtig an der Schale. Alle zwei Bahnen lief mir die Brille voll, und trotz Reparaturversuche war nichts mehr zu retten. Ich habe mich dann auf die Wiese gelegt, habe den Problemen der benachbarten Teenie-Mädels zugehört und bin kurz eingenickt.

Ich habe mir jetzt die Zogg-Fusion-Brille bestellt, wie es hier jemand in auf Instagram empfohlen hat. Vielleicht sehe ich dann nach dem Schwimmen auch nicht mehr wie ein Pandabär aus.

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Die Nachbarn sind im Urlaub, und ich gieße ihre Balkonblumen. Immer, wenn ich die Aufgabe habe, ihre Balkonblumen zu gießen, sind es während des gesamten Zeit 30 Grad – egal, ob es April oder Oktober ist oder, wie jetzt, Juli. So war es bislang jedesmal. Vielleicht sollten die Nachbarn Anfang des Jahres ihren Urlaubskalender ins Web stellen, damit wir alle unsere Freibadbesuche, Kanutouren oder Zeltlager danach planen können. Dann kann Kachelmann einpacken.

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Gelesen: Franzi schreibt über digitale Gräben. Ich bin, genauso wie Franzi, immer wieder überrascht, wie groß die Gräben sind, wenn ich in sie hineinstolpere. Es gibt Menschen in meinem Alter (und jünger), die nicht täglich ihre Mails abrufen. Oder die grundsätzlich nicht auf Mails antworten, „weil das zu kompliziert ist“. Das Wissen darüber, wie Webseiten funktionieren, wie man Dokumente miteinander teilt oder wie man die Google-Suche effizient benutzt, ist erstaunlich wenig verbreitet – dafür gibt es Vorbehalte, Ängste, Kann-ich-nicht und Brauch-ich-auch-nicht. Bei Letzterem habe ich meine Zweifel, und ich frage mich, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn ein Teil der Menschen digital abgehängt wird – oder sich abhängen lässt.

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Heute habe ich nur etwa zehn Sätze gesprochen. Das war toll.

Kommentare

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  1. Kaltmamsell sagt:

    Auf deinen Schwimmbrillentest bin ich höchst gespannt. Alle meine bisherigen Versuch ergaben: Entweder Panda oder nicht wirklich dicht (ich will mich bitte beim Wenden mit Kraft vom Beckenrand abstoßen, ohne danach die Brille entleeren zu müssen).

  2. Herr Banger sagt:

    Nicht anständig sitzende Schwimmbrillen sind der Endgegner.
    Eigentlich sollten Sportgeschäfte Aquarien bereit stehen haben, in die man probeweise den Kopf samt Brille hineinstecken kann.

  3. ths sagt:

    Das hab ich vor ein paar Jahren auch schon mal festgestellt (als Kluft und nicht als Graben ;) ):

    https://tseeling.blogspot.com/2012/12/die-digitale-kluft-auf-dem-dorf.html

  4. Frau-Irgendwas-ist-immer sagt:

    Ich gebe gerne zu, auch ich verweigere mich einem Großteil der digitalen Welt.
    Und ja, ich weiß mir geht da sicher was verloren, aber das ist genauso meine Entscheidung wie die anderer Leute jeden Aspekt ihres Lebens digital zu teilen. Ich fühle mich wohl so und gut.
    *macht sich einen analogen Merkzettel um nicht zu vergessen der Bestfreundin heute eine Geburtstagskarte zu schreiben, so auf Papier und mit Briefmarke*

    1. Nihilistin sagt:

      Frau Irgendwas-ist-immer, ich glaube das will Ihnen auch niemand wegnehmen. Auch ich – als Digital-Aficionada – schreibe meine Einkaufszettel mit echtem Füller auf echtes Papier. Ich persönlich glaube, dass die beiden Seiten der Medaille nicht heißen „ich kommentiere jeden Pups auf InstaFacebookTwitterWhatsAppThreema“ gegen „mein Siemens S45 kann telefonieren, mehr brauch ich nicht“. Ich denke es geht eher darum, dass immer mehr Bereiche unseres Lebens aus unterschiedlichsten Gründen digitalisiert „werden“. Für die Firmen z.B. ist es absolutes Optimierungspotenzial, die Menschen immer mehr Dinge selbst erledigten zu lassen. Das kann man sicherlich einfach verweigern, aber ich fürchte damit schiesst man sich früher oder später selbst ins Knie. Das fängt bei teurerem Konto an, wenn man nicht online-bankt, geht über Probleme bei der Bürgeramts-Terminbuchung weiter und endet beim 50-%-off-Voucher für den Eiffelturm-Besuch, der einem entgeht. Das geht über zum Thema „Datenablage in der Cloud“, wenn die beiden Kinder den Kampf mit der Krankenkasse zum Thema „Pflegegrad der Eltern“ aus unterschiedlichen Wohnsitzen heraus verwalten wollen. Und es betrifft sicherlich noch 1000 Dinge, die ich hier nicht aufzählen kann oder vielleicht auch gar nicht kenne (moderne Onlinearbeit beim Studium z.B. ist nicht mein Focus).

      Insofern ist mir immer mein 88jähriger Papa Vorbild; ihm fällt vieles schwer, online bankt er dann doch nicht, aber er ist immer neugierig und aufgeschlossen für „das Internet“, weil er viele kleine Vorteile dort findet. Das fängt mit dem schnellen Wetterbericht per App auf dem Tablet an und hört bei seiner selbstgeschriebenen Blutdruckkurve im Excel auf, die er zum Termin immer seiner Ärztin mitbringt.

      Also: Niemand will Sie zwingen, aber vielleicht ist eine Portion mehr Neugier vielleicht doch manchmal nicht so schlecht.

  5. Katharina sagt:

    Ich habe mich letztens auch (aus Versehen ;-) in einer Diskussion mit 5 Müttern wiedergefunden, von denen 4 vehement alles was mit Computerspielen, SocialMedia etc. zu tun hat absolut ablehnten. Ich fand es sehr erschreckend! Vor allem, weil sie meiner Meinung nach, dadurch auch viel zu wenig Kenntnisse besitzen um ihren Kindern einen vernünftigen Umgang damit beizubringen.

  6. Pess sagt:

    Zitat Nihilistin:
    Also: Niemand will Sie zwingen, aber vielleicht ist eine Portion mehr Neugier vielleicht doch manchmal nicht so schlecht.

    Doch wir werden zunehmend gezwungen z.B. Onlinebanking zu machen – die Alternative 10 Euro Kontoführung/Monat etc. Wie soll eine alte Person noch zu Geld kommen, wenn es keine Bank und keinen Automaten in der Nähe gibt und sie nicht mehr Auto fahren können (Busse fahren schon lange nicht mehr). Viele Dinge erfährt man nur noch im I-Net. Viele Prozesse auf Arbeit übersieht keiner mehr, weil alles so kompliziert geworden ist. Die Börse ist ein undurchschaubares Dickicht – EGO – Schirrmacher lesen! Ich bin bekennender WHATSAPP Verweigerer, mit allen Konsequenzen! Die Staaten verlieren ihre Macht, durch die Macht von GOOGLE und Co. Die künstliche Intelligenz übernimmt die die Steuerung über uns – irgendwann knipst sie uns aus! Oder wir erleiden einen Kollaps, weil ohne Strom geht bald gar nichts mehr – nicht mal mehr das Festnetz (wer das überhaupt noch hat) um einen Notruf abzusetzen dank VoiceoverIP.

    1. Nihilistin sagt:

      Pess, Sie haben ja nicht unrecht mit den Themen, die Sie hier aufführen. Ich könnte da noch viel wahnwitzigere nachlegen, wie z.B. der unübertroffene Vortrag von David Kriesel zum Thema „Big Data“. Wenn man den zu Ende gesehen hat, traut man sich kaum noch irgendwas ins Netz zu schreiben.
      https://www.youtube.com/watch?v=-YpwsdRKt8Q

      Worum es mir geht ist das fast „bedingungslose“ Ablehnen von Entwicklung. Früher (TM) hieß Entwicklung: Wir fahren mit der Dampfeisenbahn statt mit der Pferdekutsche. Oder: Wir braten das Mammut, statt es roh zu essen. Heute hat Entwicklung halt viel mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz zu tun. Also „Cloud Storage“ ist quasi das Feuer des Neanderthalers. Beides hat Nachteile, das würde ich nie in Abrede stellen (aus dem gebratenen Mammut dürfte die moderne Massentierhaltung geworden sein).
      Wer also heute nur darüber schimpft, dass „alles so digital“ ist, schimpft im Prinzip auch über die Erfindung der Eisenbahn und die Bändigung des Feuers.

      Um so wichtiger, um Ihre Themen aufzugreifen, ist es, sich bekannt zu machen mit dem, was hier passiert (so gut man kann). Um dann auch gegen negative Auswüchse vorgehen zu können. Die Diskussion darüber, wie sich Digitalisierung negativ auf unser Leben auswirkt, braucht WISSEN. Das erlangt man nicht, in dem man permanent „Früher war alles besser/stressfreier/unkomplizierter“ wiederholt, sondern in dem man sich Wissen aneignet (jedeR so, wie er/sie kann), um mitreden zu können. Wie halt mein 88jähriger Papa, der es auch doof findet dass er VoIP hat, der aber immer das Neue versucht zu verstehen. Oder wie der CCC, der die Digitalisierung lebt, aber ihre negativen Auswüchse hart kritisiert.

      Disclaimer: Ich bin kein hipper digital Native, ich bin eine 51jährige Frau. Ich habe Multiplizieren noch mit Rechenschieber gelernt und bin gottesfroh, dass mein Smartphone heute einen Taschenrechner hat. Ich habe meine Vor-Diplomarbeit noch auf Schreibmaschine mit 4 Durchschlägen geschrieben und habe meine alte ERIKA-Schreibmaschine 1991 fröhlich im Metallhimmel abgegeben.

    2. ths sagt:

      Ich bin etwas überrascht, dass Sie mit dem Rechenschieber in der Grundschule gelernt haben. Ich bin genauso alt wie Sie und ich habe den Rechenschieber als Werkzeug nicht mehr in der Schule erlebt, sondern mir von meinem Vater aus Neugier erklären lassen (ein tolles Werkzeug, mit dem man auch wunderbar Logarithmen erklären kann – ich bin Mathematiker).

    3. AnJe sagt:

      Der Rechenschieber hat mich auch spontan fasziniert und ich bin sogar noch vier Jahre älter, habe den aber nur als „antikes Schulwerkzeug“ kennengelernt, gefühlt so ähnlich wie eine „Botanisiertrommel“.
      Meine Diplomarbeit habe ich übrigens bereits auf einem Computer geschrieben, 1986 waren die Dinger schon durchaus verbreitet. Vielleicht nicht privat, aber ich durfte den Bürocomputer abends und am Wochenende dafür benutzen.
      Ich amüsiere mich immer sehr, wenn sich Menschen über den Zwang zum Online-Banking echauffieren, der ihnen mehr und mehr die altüberlieferten Techniken einer handgeschriebenen Überweisung verwehrt, weil es immer weniger Banken gibt, wo man die noch abgeben kann. Ich bin jetzt kein Finanzhistoriker, aber ein „normales Girokonto“ für jedermann ist auch noch nicht soo lange normal. Mein Opa zumindest bekam seinen Lohn noch wöchentlich in bar und ein Girokonto hatten meine Großeltern bis zu ihrem Tod nicht, nur ein Sparbuch.
      Die Zeiten ändern sich, das ist natürlich wahr, das war aber schon immer wahr. Nur was genau ist daran so verkehrt? Ich zumindest möchte heute nicht mehr in den 60er Jahren leben, grusel, schüttel, nein, ganz bestimmt nicht. In den 70er übrigens auch nicht, genau genommen in gar keiner alten Vergangenheit, denn die moderne Technik hat nicht nur das komplizierte und bedrohliche Neuland hervorgebracht, sie hat auch enorm viele Alltagsbequemlichkeiten mit sich gebracht, die ich genau auf meinen Bedarf zugeschnitten auch mit großer Begeisterung nutze.

    4. Nihilistin sagt:

      ths: ich war ein DDR-Kind. Wir hinkten etwas hinterher. Taschenrechner (SR-102) kamen erst in der 8. Klasse – ca 1981 – auf den Schultisch. Gemocht habe ich den Rechenschieber leider nie (bin trotzdem Ingenieurin geworden) ;-)

  7. AnJe sagt:

    Ach, und ich muss noch was nachklappern, denn eigentlich waren es ja die „digitalen Gräben“ zu denen ich etwas sagen wollte.
    Denn mich fasziniert es maßlos, dass es die immer noch gibt.
    Dass es die vor 15 Jahren gab, das fand ich damals noch einigermaßen normal. Gehört halt nicht jeder zu den early adopters und natürlich muss man den Leuten etwas Zeit lassen, sich an neue Techniken zu gewöhnen.
    Obwohl ich schon vor 15 Jahren die Augen verdreht habe, wenn auf Elternabenden diskutiert wurde, wie man die Computerzeit der Kinder begrenzt., (was allerdings auch unfair ist, das als Einzelbeispiel zu erwähnen, denn ich habe eigentlich über alles, was damals auf den Elternabenden diskutiert wurde, die Augen verdreht. (Und nur zu meiner Ehrenrettung: Meine Kinder haben alle überlebt und alle ein gutes Abitur abgelegt, was von den Miteltern auf den damaligen Elternabenden überwiegend nicht erwartet wurde.))
    Dass aber heute, fünf Computergenerationen später, immer noch dieselben digitalen Gräben existieren, das fasziniert mich schon.
    Ob sich in unserer Gesellschaft wohl so etwas wie „digital Amish people“ herausbilden? Menschen, die ich, aus meiner Jahrgang 62 Rerspektive als „digital natives“ bezeichnen würde, die aber online banking genauso deutlich ablehnen wie Whatsapp und all diese gefährlichen, unkontrollierbaren Datenkraken, die alle nur unsere Seele stehlen wollen?

    1. Nihilistin sagt:

      „digital Amish people“ ist ein sehr griffiges Bild. Ich merke es mir mal für gelegentliche Anwendungen, danke. (Und ja, ich glaube es wird sie geben bzw. gibt es sie schon.

  8. Caramelia sagt:

    Ich finde das unglaublich beruhigend, dass jemand wie Sie – enorm erfolgreich, selbstbewusst, mit beiden Beinen im Leben und fest am Boden – bei so etwas wie einer Abschlussarbeit prokrastiniert und plötzliche Putzwut bekommt. Sehr sehr sympathisch, Danke, dass Sie das mit uns geteilt haben!

  9. adelhaid sagt:

    Meiner Meinung sind es nicht nur diejenigen, die sich der Digitalisierung gänzlich verschließen, weil brauchichnicht, interessiertmichnicht, früherwarallesbesser, sondern diejenigen, die sich _wieder_ abwenden. Also die jungen Leute (TM), die ihre mails nicht checken (an der Uni), die nur über FB miteinander kommunizieren (dort auch ihre ‚Nachrichten‘ ablesen), nicht wissen, dass es Suchmaschinen gibt (und auf der zweiten Seite auch noch Suchergebnisse stehen können), und Ergebnisse auch einordnen können. Hier versagt aus meiner Sicht die Schule. Es wird den Kindern die Kulturtechnik des Füllers beigebracht, aber internet literacy wird ihnen selbst überlassen. Das halte ich für fatal und bin davon überzeugt, dass an dieser Stelle ein Einfallstor für alles mögliche an Manipulationen kreiert wird.

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