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Samstag, 3. März

3. 03. 2018  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Ein Tag in Nebel und Regen.

Heute Morgen erwachte ich, und es prasselte aufs Dach. Das Dach sieht aus dem Bett so aus. Das war das erste, was ich heute morgen sah:

Holzsparren, Ziegelsteine

Das Haus hier ist von 1200, und seither war da offenbar kein Dachdecker mehr dran. Obwohl es keine Dämmung gibt, ist es erstaunlich warm. Relativ gesehen.

Als ich aus dem Fenster blickte, sah ich: nichts.

Dach mit dickem Nebel

Ich wohne in der historischen Altstadt von Montefiascone auf einem Hügel. Eigentlich habe ich eine Aussicht. Schätze ich. Also: Man weiß es nicht. Gestern Abend, bei meiner Ankunft, war es ja auch dunkel.

So sieht das Haus von außen aus – es ist die erste Tür rechts:

Haus in der Altstadt: Alte Steine, Holztür

So sieht es von innen aus – das Wohnzimmer:

Wohnzimmer

Die Säcke im Kamin sind Holzpellets für den Pelletofen rechts. Er heizt das Haus – beziehungsweise das Untergeschoss. Im Obergeschoss gibt es keine Heizung. Im Schlafzimmer ist es daher frisch. Das finde ich aber nicht schlimm. Ich schlafe bei 16 Grad sehr gut. Einzig das Bad könnte wärmer sein.

In Quattro Castella war das Bad warm, aber das Duschwasser kalt. Hier in Montefiascone ist das Bad kalt, aber das Duschwasser warm. Nun denn.

Die Treppe ins Obergeschoss:

Steintreppe ins Obergeschoss

Mittags hörte es auf zu regnen. Ich beschloss, den Ort zu erkunden und einen Supermarkt zu suchen. Mir fehlten Brot und Milch, außerdem Toilettenpapier, Batterien und irgendwas, das ich in den nächsten zwei Tagen kochen könnte. 

Montefiascone liegt 95 Kilometer nordwestlich von Rom und ist ein Titularbistum. Die Stadt stammt aus dem 9. Jahrhundert und gehörte lange zum Kirchenstaat. Im 12. und 13. Jahundert gab es hier einen Papstsitz, den Rocca dei Papi, den Felsen der Päpste, den man heute noch besichtigen kann.

Dort gibt es einen Garten, vom dem aus man einen Rundumblick in die Umgebung hat. Theoretisch.

Garten der Päpste: Bäume im Scherenschnitt vor Nebel

Es war ein bisschen knifflig, sich zu orientieren. Denn ich konnte zwar in die Straßen hineinsehen, aber nicht wieder hinaus – wegen des Nebels. Die Orientierung an Landmarken, Aussichtspunkten und großen Gebäuden fehlte.

Denn die großen Gebäude, etwa die Kirchen Santa Margherita oder San Flaviano konnte ich auch nicht sehen. Die Fassaden sind zu hoch, und der Nebel war zu dick – sie waren nur Schatten. So streifte ich ziellos durch die Gassen und genoss einfach die gespentische Szenerie.

Montefiascone, Gasse im Nebel


Montefiascone, Platz im Nebel

Es gibt hier – gefühlt – genauso so viele Kirchen wie Einwohner. Ständig bimmelt irgendwo eine Glocke.

Es war übrigens tatsächlich so menschenleer, ich habe nicht an irgendwelchen Leuten vorbeifotografiert. Es gab einfach keine Leute. Ich bin in der Altstadt vielleicht zehn Menschen begegnet, davon acht auf dem Platz, wo die Tabaccheria ist. Es war aber auch kurz nach dem Mittag. Da ist eh nie etwas los, und ich glaube, dass bei diesem Wetter einfach niemand auf die Straße geht.

Montefiascone, Gasse mit Lampe im Nebel

Die Luft war wie Dampfsauna bei zehn Grad. Sie war unglaublich feucht, meine Nase lief und lief. Das war bestimmt gut für die Atemwege.

Es duftete allerdings auch sehr gut. Ich kann den Frühling riechen. Und es fühlte sich nach der Kälte der Emilia Romagna sehr warm an.

Montefiascone, Häuser mit Büschen im Nebel

Danach machte ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt. Die Supermärkte liegen außerhalb der alten Stadtmauern, den Hügel hinunter.

Ich hatte keine Lust, mein Auto zu nutzen. Das wäre auch übertrieben umständlich gewesen: Vom Parkplatz in der Altstadt raus, einmal um die Altstadt, den Berg hinunter und dann wieder zurück. Da konnte ich auch zu Fuß gehen.

So pittoresk das auch alles ist: Der Rückweg war beschwerlich. So sah’s auf der Hälfte des Weges aus, als ich mich umgeblickt habe:

Montefiascone, Straße

Stellen Sie sich zu dem Bild vor: Zehn Kilo Getränke im Rucksack, weitere fünf Kilo Einkäufe am Arm und ein sanfter Regen, der in den Nacken läuft. Nachdem ich das Stadttor durchschritten hatte, dann nochmal das:

Montefiascone, durch das Stadttor

Wo das Bild zu Ende ist, ist der Aufstieg leider noch nicht zu Ende. Mit dem Herz-Kreislauf-Training war ich danach also durch.

Zur Belohnung gab’s Kaffee – mit frisch gekaufter Milch:

Moka-Kanne und Milch auf dem Gasherd

Die Milch im Topf passt genau in die Elefantentasse. Wie praktisch.

Ich schmiss den Pelletofen an. Der Rest ist Sofa.

Kommentare

3 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Roop Kaur sagt:

    Danke für die schönen Bilder. Die Decke im alten Haus sieht genauso aus wie in unserem Haus in Indien, Balken und Ziegel. Das stammt allerdings aus den 70ern, aber die Bauweise scheint erprobt zu sein.

  2. Elfe sagt:

    Meine italienische Schwiegertante macht den Kaffee auch immer so, zum Frühstück gab’s dazu biscotti. Außerdem hat sie das tollste Abspülsystem, das ich hier in Deutschland noch nie gesehen hatte: Beim Abspülen öffnet man die Schranktür oberhalb der Spüle, stellt Teller und sonstiges auf dem Gitter ab und lässt nach unten offen abtropfen. Schrank zu und fertig.

  3. Anna sagt:

    Nun bin ich unbekannterweise bei Ihrem schönen Reisebericht hängen geblieben, mit meinem Morgencappuccino in der Hand. Und sofort möchte ich nach Italien! Ich erinnere mich noch an ein paar Tage im März, die ich als Vorhut einer Studentenexkursion in Umbrien verbracht habe, völlig in Nebel gehüllt. Tag und Nacht habe ich geseufzt, weil es sich so anfühlte, als würde der Nebel nie wieder den Blick auf die umbrischen Täler frei geben, und hektische Mails an die Uni geschrieben, die Studenten doch bitte anzuweisen, Wollpullis und dicke Jacken einzupacken. Und dann, am Tag der Ankunft, Sonnenschein. Sonnenschein, der uns 10 Tage nicht mehr verließ. Und niemand wollte meine Nebelgeschichten mehr glauben…
    Ach, ich freue mich auf ihre weiteren Berichte!
    Herzliche Grüße

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