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Sportive Frauen, die durchs Wasser pflügen

12. 08. 2014  •  17 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Die Freistilstaffel ist ein zauberhaftes neues Schwimmblog.

Ich selbst schwimme zwar sehr gerne und – so viel Eigenlob darf sein – auch durchaus gut, zumindest ausdauernd und in jeglichen Gewässern angstfrei, ich schwimme jedoch äußerst selten. Das bringt mich direkt zu einer Frage, die bei der Freistilstaffel aufgeworfen wird:

„Wo sind denn all die sportiven Frauen, die durchs Wasser pflügen?“

Für mich kann ich sie klar beantworten: im Fitti. Und früher: in der Handballhalle. Selten allerdings im Schwimmbad, höchstens im Sommer im Freibad. Dann zwar durchaus für einen bis drei Kilometer mit Schwimmbrille und Sportanzug im 50-Meter-Becken, niemals aber im Winter im Hallenbad.

Das hat zwei Gründe.

1. Mein eigenes Mittelmaß

Ich habe nie richtig schwimmen gelernt – im Sinne von Technik, Schwimmverein, Leistungssport. Ich kann mich gut über Wasser halten, erreiche auch passable Kilometerzeiten (das Beste war 22 Minuten/km), kann aber nur mäßig kraulen. Die Eleganz, die einem gelernten Schwimmer zueigen ist, geht mir also völlig ab. Mein Schwimmstil ist am treffendsten mit „Der Zweck heiligt die Mittel“ zu beschreiben.

Das hat zur Konsequenz, dass gleichzeitig trainierende, vor Ehrgeiz strotzende und lautlos durchs Wasser gleitende Triathleten mich in der Sportlerbahn absichtlich umpflügen und anrempeln, um mir zu signalisieren: Hau ab, Mädel, lern erstmal schwimmen. In den anderen Bahnen ist allerdings aufgrund diverser Hindernisse – zuvorderst der quer zum Beckenrand treibende Olympiakader von Helsinki 1952 – an schwimmen nicht zu denken, und weil ich nirgends hingehöre, fühle ich mich fürchterlich unwillkommen.

2. Die Umstände

Schwimmbad ist warm, stickig, schwül. Bin ich fertig mit Schwimmen, gehe ich duschen, und ich habe mich noch nicht ganz abgetrocknet, da kann ich schon wieder duschen. Eine Jeans ist kaum übers Bein zu kriegen, das Haar baumelt nass aufs Shirt, die Haartrockner fönen mir eine Tonsur, das Oberteil klebt mir an der Brust.  An ein „Vor-dem-Büro-schwimmen-gehen“ ist nicht zu denken, denn ich sehe auch zwei Stunden, nachdem ich das Wasser verlassen haben, noch aus wie frisch aus dem Becken gezogen. Schonmal versucht, in der Hallenbad-Umkleide ein leichtes Tages-Make-Up aufzutragen? Genauso gut können Sie einen Karpfen schminken.

Abends schwimmen gehen? Keine Chance, bei Hallenbadöffnungszeiten bis 19 Uhr, ein einziges städtisches Bad immerhin bis 21.30 Uhr, aber das liegt weder nahe an meiner Arbeit noch nahe an meinem Wohnort. Also gehe ich ins Fitnessstudio. Dort fühle ich mich dann auch nicht fehl am Platze, denn dort ist der Durchschnitt die Norm.

Es gibt noch eine weitere Frage, die die Freistilstaffel aufwirft – oder vielmehr: Sie stellt eine Theorie auf.

„Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sind.“

Dieser Hypothese, liebe Genderfreundinnen und -freunde, widme ich mich dann in meinem nächsten Beitrag.

 

 

Kommentare

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  1. Chris sagt:

    Auch wenn die Schminkproblematik bei mir wegfällt, kann ich das doch nachvollziehen. Und das „zu warm“ ist besonders im Winter schlimm, wenn man sich eigentlich gleich noch wärmer anziehen muss. Von den Problemen mit Mützen und nassen Haaren mal abgesehen.

    1. Frau Nessy sagt:

      Ja. Es ist ständig zu warm, beziehungsweise zu feucht. Im Sommer sowieso. Und im Winter ist es wie im Tropenhaus im Zoo.

  2. Indica sagt:

    Oh, vielen Dank für die Anregungen und Überlegungen bei Ihnen im Kännchencafé! Ich bin extrem gespannt, was Sie in Ihrem nächsten Beitrag dazu zu sagen haben!

    Hmm, hmm, aber ich schwimme doch auch nur ganz normal hausfrauenmäßig und noch nicht einmal besonders schnell. Allerdings lasse ich mich auch so überhaupt nicht von den Pseudo-Triathleten beeindrucken in der Bahn.

    Und unter Klebrigkeit in der Umkleide, etc. leide ich glücklicherweise ebenfalls nicht.

    Öffnungszeiten und Erreichbarkeit sind allerdings ein echtes Thema – bin kürzlich nach Marzahn gefahren, um ordentlich schwimmen gehen zu können. Weil: Sonst gerade alles zu wegen Sommer. Und Zeiten bis 19 Uhr sind eine Zumutung, zeigt es doch, dass bei den Betreibern, also zumeist den Kommunen, der Fokus allenfalls noch auf Schul- und Vereinsschwimmen liegt.

    1. Frau Nessy sagt:

      Bis 19 Uhr ist für Leute, die dann erst Feierabend haben, halt schlecht. Und selbst 21.30 Uhr ist blöd, wenn man erst eine halbe Stunde Anfahrt hat, dann umziehen, dann schwimmen – das ist ja alles nur Gehetze. Wir in der Großstadt haben es da ja noch gut. Auf dem Land gibt es allemal ein Lehrschwimmbecken, manchmal nicht einmal mehr das.

    2. genau. und dann wundern sich die Leute, dass Kinder in der fünften Klasse sind, die nicht schwimmen können.
      Wie sollten sie es können?
      Man kann nicht alles den Lehrern aufhalsen und die Eltern haben ja unter diesen Bedingungen keine Zeit, es mit ihnen zu üben.

  3. Herr Banger sagt:

    Ich glaube, unserer Generation ist es gemein, dass zu unserer Zeit Brustschwimmen noch als die Basis aller Fortbewegung im Wasser gelehrt wurde, während das Kraulen eher Zusatzwerk war.
    Und so plage ich mich auch mit denselben (oder ähnlichen) Umständen; der Kraulstil ist bei mir nur rudimentär abrufbar und ich fürchte auch, dass ich das Alter überschritten habe, wo ich das noch lernen könnte. Jedenfalls sehen jegliche Versuche von mir diesbezüglich aus, als würde ich im Wasser einen Veitstanz aufführen.
    Die wirklich schwimmbare Zeit in meiner Stamm-Badeanstalt ist genau zwischen 7:00 und 8:00 Uhr morgens, da sind hauptsächlich Schwimmer da, die sich mit ihrem Umfeld arrangieren und die anderen weder umpflügen noch durch ihr Herumtreiben aufhalten.
    Ab 8:00 Uhr kommen dann die Omas mit ihren vor Haarspray klebenden und stinkenden Betonhelmfrisuren, die ungeduscht ins Wasser steigen und dann wie die Sektkorken plaudernd herumtreiben, und zwar immer auf den Bahnen, auf denen sie schon seit ihrer Jugend treiben, egal, wer sich bereits dort befindet. (Kleiner Tipp, wenn man gerade einen fiesen Tag hat und einen alles nervt: Was diese Damen partout nicht abkönnen, ist Wasser oberhalb der Halslinie. Zu dumm, wenn es beim hektischen Ausweichmanöver ein wenig spritzt, nech…)
    Aber immerhin bleibt mir dann anschließend noch genug Zeit, mich ausgiebig zu duschen (die letzten 10 Bahnen schwimmt man bekanntermaßen unter der Brause) und in aller Ruhe anzuziehen, ohne dabei wieder vom Schweiß nass zu werden. Wobei letzteres eh schwieriger ist, weil der Umkleidebereich in althergebrachter Sparsamkeit eher kühl gehalten wird.
    Aber was gar nicht geht, sind die Wandhaartrockner, die nur von oben pusten. Würde ich die benutzen, sähe ich aus wie Karlchen Doof, deshalb nehme ich mir einfach immer meinen kleinen Reisefön mit.

    1. Frau Nessy sagt:

      Schön geschrieben.

      Ja, ich bin die Generation Brustschwimmen. Sehr schade. Ich würde mir schon noch zutrauen, Kraul richtig zu lernen, aber dazu müsste man ja schwimmen gehen – zu den genannten Öffnungszeiten und unter den beschriebenen Umständen, und da schließt sich der Kreis wieder.

  4. Ponder sagt:

    “Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sind.”

    Ich glaube, das ist eine Theorie, die durchaus noch etwas Vertiefung brauchen kann – ähnliches kann ich auch im lokalen Fitti beobachten. Wobei die normalen Turn-Gruppenstunden (Bauch / Beine / Po, Stepaerobic, Core Training, Zumba und wie sie alle heissen) fast ausschliesslich von Frauen bevölkert werden und es dabei doch ziemlich heftig zur Sache geht, fitnessmässig (ich habe neulich in einer Tae Bo-Stunde nicht nur ein Drittel der Männer gestellt, sondern auch noch grandios den Motorik-Versager gegeben) . Die Ächzer und Stöhner an den Geräten und im Freihantelbereich mit den tonnenschweren Gewichten sind aber tatsächlich fast ausschliesslich Kerle.

    Viele Grüße,

    der Ponder

    1. Frau Nessy sagt:

      Ich glaube, es geht hier eher um die Art des Sports. Bauch/Beine/Po ist nicht unanstrengend; selbst Rückenschule kann einen ganz schön fertig machen – Bauchübungen erst recht. Aber sie führen einen doch selten an seine körperlichen Grenzen. Zudem schaut frau bei Zumba ja noch grazil aus.

    2. energist sagt:

      Die Aerobicturnerei sollte man nicht unterschätzen. Mit den diversen „Power“-Spielarten kriegt man auch den härtesten Kerl zum Aufgeben.

      Aber diese, nennen wir sie Gender Gap :D, zwischen den verschiedenen Sportarten ist in der Tat sehr gut sichtbar. Woran mag das liegen?

    3. Ponder sagt:

      Ich glaube, da kommt etwas anderes in Spiel, nämlich das „Ziel“ des ganzen rumsportelns – Während der übliche Freihantel-Ächz-und-Stöhn-Kandidat eher riesige Muskelgebirge auftürmen will haben, so meine Beobachtungen bisher, die Frauen eher ein drahtig-schlankes Erscheinungsbild als Ziel. Und da sind Kraftausdauer-Geschichten wie Aerobic, Core Training, Iron Cross usw. nunmal eher geeignet als Eisenpumpen bis die Sehnen krachen.

      Reinhängen bis es weh tut geht ja nun sowohl bei reinem Krafttraining als auch bei Kraft-Ausdauer-Sachen, und das beobachte ich auch bei beiden Geschlechtern. Die engagierten gehen komplett fertig aus dem Fitti raus und sind wirklich oft da anzutreffen.

      Viele Grüße,

      der Ponder

    4. mom sagt:

      Also nein, Frau Nessy, heftiger Einspruch.
      Ich gehe 3x pro Woche zum zumbieren (um präziser zu sein: ich hüpfe hochmotiviert hin und schleppe mich dann nach Hause), springe dann umringt von 30-50 Frauen jeden Alters herum und schwöre, dass dabei niemand grazil aussieht. Tendenziell kraftvoll, manchmal sexy, das ja. Grazil, nein. Und am Ende der Stunde wie Hochofenarbeiterinnen gegen Schichtende: rot im Gesicht, mit Schweißperlen allerorten und nassen Haarsträhnen, die ins Gesicht hängen. Scheint aber jedem egal zu sein, vielleicht, weil der Frauenanteil 95% beträgt und man sich nicht so sehr als „schön“ präsentiere muss?

  5. zu animalisch, schwitzig und kompetitiv muss ich ja was sagen. Dringend.
    Es muss die richtige Sportart sein, dann gehe ich an meine Grenzen und auch mal darüber hinweg.
    Als ich noch meinen Garten hatte (klingt jetzt wie „damals, als wir Kinder waren, sorry…), bin ich oft erst mit Einbruch der Dunkelheit dort weggefahren, im Sommer also entsprechend spät und dann war ich von oben bis unten voller Erde, verschwitzt und hungrig wie ein Wolf. Oder zwei. Und der Garten hatte mein Tagwerk ergebnisreich abbekommen.

    Es ist Typsache (bzw Typinsache), ob man sich so richtig reinknien möchte, und keine Frage des Geschlechts.
    Gleichwohl ich auch bei uns im Fitti die Spezies beobachte, die eher quatscht als schwitzt. (Da es ein reines Frauenfitti ist, sind das naturgemäß nur Frauen.)

    1. Ponder sagt:

      Orrr, den Typus Fitti-AnschauerInnen hab ich ja auch gefressen. Gucken pikiert, wenn irgendwo eine Schweissperle zu sehen ist, benutzen die Maschinen notfalls auch ohne eingestelltes Gewicht oder fahren auf dem Ergometer ganze 11,5 Watt über 10 Minuten und quatscht dabei, als würden sie grade neue fittiweite Bestleistungen aufstellen. Und ich sitze daneben, schwitze wie ein Springbrunnen und frage mich, was genau die da eigentlich wollen. Mein Beruhigungsmantra ist dann immer „immerhin bewegen sie sich überhaupt … immerhin bewegen sie sich überhaupt …“

      Orrrrrr!

      Trotzdem viele Grüße,

      der Ponder

    2. Frau Nessy sagt:

      Es sind schon manche Frauen, die Wellnessturnen machen, während der männliche Fitnessstudiobesucher dazu neigt, sich lachhaft zu übernehmen. Ich habe noch keine Frau gesehen, die zu viel aufgelegt hat, mit großem Zauber das Gerät besteigt und dann mühselig zwischen Sitz und Hebel hängt.

  6. jpr sagt:

    Aus eigener Erfahrung finde ich, dass das mit dem sich gegenseitig totschwimmen geht, oder vielleicht dann eine Frage der Uhrzeiten ist. Ich schwimme auch „nur“ Brust, wenn ich gehe, simpel weil ich mich damit wohler fuehle – auch wenn ich mein Kraul fuer ebenfalls ganz okay halte (ich finde da aber schon das nur eine komische Haltung, ich bin so flotter unterwegs als so mancher der da rumkrault). Aber eben, wenn man dort zu den flotteren gehoert geht es hier prima auf, aber ich versuche auch im Timing genau dann zu gehen, wenn die Fruehschwimmfanatiker gerade gehen und die Aquafitnesskurse noch nicht da sind. Ein enges Fenster, aber es existiert und nicht nur das: es passt auch prima mit dem „noch eben vorm Buero“ hervorragend zusammen – nichts startet den Tag besser, als noch eben zwei Kilometer unter das Badehosenbaendsel zu schieben.

    Das schwierigere Publikum find ich da die Spielzuegliebhaber, wie ich sie nenne, die noch Flossen und Handflossen und Brettchen und Kniezusammenhalterchen und sonst noch alles ausser Badeentchen mitbringen muessen und dann jeweils stundenlang das Bahnende blockieren, waehrend sie das eine Gebimmsel gegen ein anderes tauschen.

    Vielleicht auch in diesem Zusammenhang kann ich die Beobachtung, dass Schwimmen ein Herrensport waere nicht wirklich bekraeftigen. Im Gegenteil fuehle ich mich meist eher, wie Herr Ponder beim Zumba: der einzige Wal zwischen lauten Delphinen.

    Nur das mit dem Klima, nun, das ist – sagen wir schwierig. Es ist doch immer subtropisch, und waehrend die rundum Waerme im Winter eigentlich noch ganz genehm ist, fuehlt man sich im Sommer doch erst wieder richtig wohl, wenn man wieder draussen steht. Vielleicht muesste man doch mal ueber die Installation einer Windmaschine sprechen mit den richtigen Personen.
    Ich werde jedenfalls sicher wieder auf der Matte stehen, wenn „mein“ Bad naechste Woche nach der Renovierung wieder oeffnet, denn eins muss man auch sagen: wenn Sie einen Ort suchen um in Ruhe zu schwimmen – nichts eignet sich dafuer so gut, wie ein Hallenbad an einem Sommer-Samstagnachmittag.

    1. jpr sagt:

      Was ich allerdings in der Tat vermisse: ein Mess- und Anzeigesystem, dass fuer die einzelnen Bahnen die durchschnittliche Geschwindigkeit misst und dann allen Personen die mehr als plus oder minus 15% dieses Durchschnitts machen signalisiert, dass sie doch nach rechts oder links auf die naechstschnellere oder -langsamere Bahn wechseln sollten. Also quasi noch Verkehrsregelung. Das waers…

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