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Wann machen die Leute das alles?

4. 06. 2014  •  40 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Oft frage ich mich: Wann machen die Leute das alles?

Zum Beispiel fernsehen. Dokus und Filme, Let’s dance und Shopping Queen. Vor der Arbeit muss ich mich kämmen und frühstücken, nach der Arbeit ist es plötzlich 23 Uhr, dabei kam doch dieser Film, ach, verpasst, schade. Im Ergebnis sehe ich an Werktagen nie fern, es ist unmöglich, ich schaffe es einfach nicht.

Vielleicht mache ich etwas falsch. Zehn Stunden am Tag Arbeit, mit Pause, Hin- und Rückweg, danach Sport (der Rücken!) oder einkaufen (kein Brot und kein Klopapier mehr da!), Wäsche waschen, aufhängen, abhängen oder Blumen gießen, Spülmaschine, bügeln, zu Abend essen möchte ich auch, auch mal einen Freund treffen oder eine Freundin, mich um die Tante kümmern und den Vater sehen, und die Zeit, tic tac tic tac – kaum bin ich zu Hause, kaum komme ich zur Ruhe, ist es auch schon soweit, ins Bett zu gehen, denn man nächsten Tag ruft die Arbeit wieder, und weil ich es satt habe, spätestens ab Mittwoch bleiernd müde zu sein, gehe ich um elf ins Bett, sonst bin ich völlig im Eimer, und am nächsten Tag, tic tac tic tac, geht alles von vorne los.

Es ist eine sehr grundsätzliche Müdigkeit, die ich fühle, wenn ich müde bin.

Zum Beispiel Kino. Ein Film läuft an und ich denke: „Den will ich sehen!“, doch finde ich einen Tag, an dem a) mich jemand begleitet (alleine, nein, da versuche ich’s lieber erstmal weiter mit fernsehen), b) nicht die unmittelbare Gefahr besteht, dass ich bei „Licht aus“ sofort einschlafe und ich c) nicht für das Wohlbefinden turne (turnen möchte!), ist er auch schon wieder raus aus dem Programm.

Samstag ist der beste Tag, wirklich, ganz ohne Ironie. Samstag ist mein Lieblingstag. Dann haben die Geschäfte geöffnet, dann kann ich in den Baumarkt fahren oder zu dm, meine Hose vom Schneider abholen, zur Post gehen und etwas in die Reinigung bringen – ohne zu hetzen, ohne gleich irgendwo sein zu müssen, etwas tun zu müssen, Verpflichtungen zu haben. Am Samstag darf ich Krach machen, Rasen mähen zum Beispiel – denn am nächsten Tag ist schon wieder Sonntag, da geht das nicht, da darf man nur leise durchwischen.

Zum Beispiel Ausflüge. Gerne würde ich mal wieder nach Hamburg und Stuttgart, an die See, nach München, wandern. Aber es bleiben nur zwei Tage in der Woche, und von den zwei Tagen ist mindestens einer schon auf die nächsten acht Wochen verplant – gerne verplant, mit Freunden und bei Verwandten, außerdem: Am Samstagmorgen nach München, am Sonntagabend wieder zurück, das ist Humbug, danach bin ich nur völlig durch – und Urlaub? Urlaub ist so knapp, zu knapp, ich brauche (möchte!) die Tage für längeren Abstand, für zwei Wochen am Stück, um komplett rauszukommen, weg, fort, in die Natur, um mich wirklich zu erholen.

Ganz zu schweigen vom Schreiben, von den Worten und den Geschichten, die in meinem Kopf sind, die raus wollen, es aber nicht schaffen, nicht zwischen Arbeit und Brot kaufen, Rückenturnen und Wäsche waschen, nicht an den kleinen, an den winzigen Sonntagen. All die Sätze, die Langeweile und Muße verlangen, sie liegen da, sie springen in mir herum, doch sie sind wie Wein, wie Käse, sie möchten reifen, sie sind wie Kinder, sie wollen ausprobieren, lernen, groß werden, brauchen Raum, brauchen Stunden, Tage für sich.

Wann machen die Leute das alles? Fernsehen, Kino und Ausflüge, Fotosafaris, im Café sitzen, basteln und handwerkern, Kinder großziehen, Fahrradtouren, für Marathons trainieren und Yoga, Rezepte nachkochen, all diese Serien gucken, dem Regen zusehen und in der Sonne liegen. Musizieren. Schreiben. Wer sind diese Menschen, die am Ende des Jahres noch zehn Tage Urlaub übrig haben?

Vielleicht gibt es zwei Systeme, irgendwas mit Zeitdilatation und Erdrotation, Längenkontraktion oder unterschiedlichem Sonnenlauf.

Kommentare

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  1. Eva Maria sagt:

    Werte Frau Nessy: diese Frage ist (sic: war!) mir sehr vertraut. Passen Sie auf sich auf – denn „Hinter dem Burnout liegt das Paradies ….“ (http://www.youtube.com/watch?v=MDL9MQZmJBk)

  2. Croco sagt:

    Keine Ahnung!
    Was entspannt, ist ein Festplattenrekorder, aber mehr weiß ich auch nicht.

    1. Frau Nessy sagt:

      Und dann? Dann will man es ja trotzdem irgendwann ansehen. Wenn ich schaue, schaue ich ja nur schon aus Mediatheken, itunes und DVD, weil es dann, wenn es läuft, grad nicht geht oder ich (Prioritäten!) wichtigere Dinge vorziehe (Freunde). Nur die Zeit für unwichtere Dinge kommt irgendwie nie; ich komme von der ersten Prioritätenebene irgendwie nicht runter.

  3. Man kann natürlich zwei Sachen gleichzeitig machen, zum Beispiel beim Bügeln fernsehen oder beim Fernsehen stricken. Einfach. Ein anderer Trick besteht darin, sich Kinder zuzulegen: dann nämlich NIMMT man sich plötzlich die Zeit für Radtouren, Bastelarbeiten oder Ausflüge ins Museum. Weil das alles plötzlich wichtig erscheint und einen gültigen Grund hat ausser dem persönlichen Vergnügen (das sonst nicht genügend zu zählen scheint), denn man will ja den Kindern was Gutes tun und ihnen die eigenen Interessen nahebringen. Andererseits tut sich da nicht einfach eine Zeitblase auf, aus der man sich bedienen kann, damit der Tag mehr als 24 Stunden hat. Man muss die Zeit schon da nehmen, wo sie sich gerade aufhält, also zum Beispiel beim Bügeln oder Staubwischen, das man dann kurzum sein lässt. Man reduziert Botengänge auf das Notwendige, geht nicht in die Reinigung und in den Supermarkt nur einmal die Woche – und Blumengiessen ist auch nicht drin. So kommt schon einiges an Zeit zusammen, die dann nach Lust und Laune ausgegeben werden kann. Ach ja: oft ist man auch, wenn man Kinder hat, zu zweit. Da kann man sich die Arbeit teilen…

    1. Frau Nessy sagt:

      Die Sache mit den Kindern würde das Zeitproblem natürlich auf einen Schlag lösen, zumindest für die Wochen des Mutterschutzes und der Elternzeit. Danach folgten, aus Gründen, die ich jetzt nicht erläutern kann, viel größere Probleme. Abgesehen davon, dass die Kinderfrage ohnehin nicht einfach ist (aus Gründen, die ich jetzt nicht erläutern kann. Es hat nichts mit „Ich müsste zurückstecken“ oder anderem egoistischen Kram zu tun).

  4. flyhigher sagt:

    Vielen Dank für diesen Eintrag. Ich dachte, ich bin ein Einzelexemplar, der die Zeit ständig davonzurinnen scheint.
    Ich habe ebenso nicht die geringste Ahnung, wo die Anderen (wer sind die überhaupt?) die Zeit und Energie hernehmen, ins Kino zu gehen, abends sich noch mit Freunden zu treffen, und was weiß ich noch alles. Ich bin, wenn ich von der Arbeit komme, derart fix und alle, dass ich mich schon gewaltig überwinden muss, noch Sport zu treiben. Da kommt mir manchmal das Wetter zwischen Mai und Oktober zuhilfe, denn wenn es passt, fahre ich mit dem Rad zur Arbeit, was bedeutet, dass ich meinen Sport dann schon mal erledigt habe.
    Um halbwegs gesund leben zu können, muss ich abends für den nächsten Tag vorkochen. Das nimmt gut und gerne eine bis eineinhalb Stunden in Anspruch. Morgens stehe ich dann um halbsechs auf, um das Essen wärmen und abfüllen zu können, und noch rechtzeitig den Bus zu erwischen. Wenn ich um halbsechs aufstehen muss, hab ich wenig Ambitionen, mir bis 22:00 Uhr einen Film anzusehen. Da schlaf ich vorher ein.
    Einkaufen gehe ich einmal pro Woche, Samstag vormittag, ich wüsste nicht, wann ich das sonst erledigen sollte. Und wenn das Wetter am Wochenende mitspielt, müssen wir zusehen, dass wir die lästige Pflicht schnell erledigen können (incl. Haushalt putzen), damit wir zur Kür (Radtour, Bergwandern) übergehen können.
    Schön zu wissen, dass es noch andere gibt, denen die Zeit abhanden kommt.

    1. Frau Nessy sagt:

      Diese Leute, die Freitagsabends auf die Piste gehen: trinken, tanzen bis in die Nacht – das geht gar nicht mehr, schon allein, weil Samstag ja der einzige Tag ist, an dem ich Dinge mal entspannt erledigen kann (und auch will), wie oben geschrieben. Wenn ich dann bis Nachmittags komatös bin, nee.

  5. helmer sagt:

    Brückentage, Frau Nessy! Das ist das Geheimnis. Ein Tag investieren und 4-Tage-Städtereise oder Konzert oder Kinobesuche unterbringen ohne hinterher totatl geflasht zu sein.

    1. Frau Nessy sagt:

      Am vergangenen Wochenende hatte ich einen Brückentag; ich habe das Wochenende sehr genossen.

      Am nächsten Brückentag muss ich arbeiten. Damit die Kollegen auch Brückentage haben.

  6. Anne sagt:

    Die Frage wird doch im Text gleich beantwortet: Prioritäten. Die sehen halt bei jedem Menschen anders aus. Ich frag mich nämlich immer, wann die ganzen Leute das mit diesem Sport schaffen, vor allem Mannschaftssport, wo man ja auch mal öfter als ein mal die Woche hin muss und dann auch noch zwischendrin an Wochenende irgendwo auf ein Turnier oder so. Ich kapier nicht, wie man das schafft.

    Aber das liegt halt daran, dass ich andere Prioritäten habe und zum Beispiel relativ großen Wert drauf lege, mir die Wochenenden nicht so vollzuplanen und eben dann doch mal öfters auf der Couch liege und zugegebenermaßen eher sinnlose Dinge tu.

    Oder eben seit drei Wochen montags erst nach acht nach Hause komme, weil ich da jetzt Klavierunterricht habe. Andere Leute gehen da ins Fitnessstudio. Das sollte ich zwar auch, aber das ist eben eine andere Sache, oder eben die selbe Sache, weil die Prioritäten anders sind.

    Ich nehme zum Beispiel auch mal einfach so ein paar Tage Urlaub, ich muss da nicht unbedingt wegfahren. Da hab ich dann auch mal eine Woche Urlaub und bleibe Zuhause, auch schön. Aufs Jahr gerechnet fehlt mir die dann natürlich für richtigen Wegfahrurlaub, aber damit kann ich leben.

    Beruhigend habe, ich habe mich immer gefragt, wie schafft die Frau Nessy das mit dem ganzen Sport und den Büchern und allem. Jetzt weiß ich, die schafft das nur, weil sie dafür andere Sachen nicht tut.

    1. Frau Nessy sagt:

      Ja, natürlich, Prioritäten.

      Aber nehmen wir den Sport: Ich mache ja schon keinen Mannschaftssport mehr, weil ich das dreimal pro Woche nicht schaffe, vor allem nicht zu festen Zeiten, ohne Flexibilität. Also gehe ich ins Fitness-Studio, zweimal pro Woche. Einmal davon allerdings morgens vor der Arbeit, weil sonst schon wieder ein Abend weg wäre, an dem ich erst um 22 Uhr nach Hause käme. Sport kann ich auch nicht sein lassen, denn sonst explodiert irgendwas im Rücken und ich krieg Bluthochdruck; mein Körper kann nur mit Bewegung, sonst wird er krank.

      Die Bücher lese ich ausschließlich auf dem Weg von und zur Arbeit und eine halbe Stunde vor dem Einschlafen.

      Natürlich, Prioritäten. Das sind der Sport und die Freunde. Aber wie kann es sein, dass die Zeit dann schon zu Ende ist und andere Leute noch so viel haben?

  7. Claudia sagt:

    Mein Fazit aus ein paar Jahren so wie oben beschrieben, ich arbeite nicht mehr in Vollzeit .
    Ja, das bedeutet weniger Geld, aber es bedeutet auch mehr Zufriedenheit und mehr Dinge die ich gerne tun möchte. Unterm Strich war es für mich und meine Gesundheit die richtige Entscheidung.

    1. Frau Nessy sagt:

      10 Stunden Arbeit (8 Stunden, 1 Stunde Pause, 2 x ½ Stunde Hin- und Rückweg), 7-8 Stunden Schlaf, 2 Stunden für die notwendigsten Dinge (Körperpflege, Frühstück und Abendessen, die Totalvermüllung vermeiden), bleiben noch 6 Stunden, von denen man eine bis zwei für Dinge reservieren muss, die irgendwann ebenfalls unvermeidlich sind (Brot und Milch einkaufen, uups – plötzlich alle Schlüppis im Wäschekorb). Bleiben zwei. Tja. Ja. Sie haben sich da schon den größten Zeitbatzen rausgesucht.

  8. Curima sagt:

    Tja, die Zeit ist schon sehr knapp, wenn man vollzeit arbeitet. Das ist leider so. Ich verstehe ja wiederum nicht, wie man sich nach der Arbeit noch zu irgendwas AUßER Seriengucken oder im Internet rumdödeln aufraffen kann. Also in der Zeit, wo du einkaufst, Sport machst, kochst und aufräumst, liege ich aufm Sofa, hab ne Pizza bestellt und guck 3 Stunden DVD. Das macht weder schlanker noch fitter noch reicher und die Wohnung sieht bei dir bestimmt auch besser aus. Also insofern ist dein Plan vermutlich irgendwie besser…

    1. Frau Nessy sagt:

      So habe ich das noch nicht gesehen. Ich fühle mich direkt ausgeglichener.

  9. Dagger sagt:

    Meine Rede.

  10. Julia-Maria sagt:

    Ich hätte gerne 48h-Tage. Dann könnte ich nach der Arbeit all das tun, wovon oben im Blog geschrieben wird. Ich habe so viele Ideen, die unbedingt rausmöchten – und dann ist es schon wieder später Abend. Liebe Frau nessy, Sie sprechen mir aus der Seele. Ich musste lernen, viel mehr Dinge zu machen, die mir gut tun statt mich mit Hetzerei aufzuhalten. Bügeln habe ich deshalb komplett aus meinem Leben gestrichen – und das klappt wirklich gut! :)

    1. Frau Nessy sagt:

      Ich bügel auch nur das Nötigste, Sport-Shirts ganz sicher nicht. Bei Blusen wird es aber tatsächlich schwierig.

  11. fuchsiawoll sagt:

    „Die anderen“ sind das Problem. Es gibt keinen, der alles schafft. Nur den einen, der noch Yoga macht, und die andere, die zum Klavierunterricht geht. Einen, der Serien kuckt und einen der Freitags abends um den Block geht. Aber keine und keiner macht alles!

    1. Frau Nessy sagt:

      Und ich bin die eine, die Sport macht. Vielleicht sollte ich auch einfach weniger Blogs im Feedreader haben, in denen die Menschen Ausflüge machen, basteln und handwerkern, Dann kommt er mir nicht so vor, als hätte ich für all das keine Zeit. Und weil ich dann keine Blogs mehr lese, habe ich direkt 20 Minuten mehr Zeit, um einen Ausflug zu machen.

    2. jpr sagt:

      Ich denke das, zusammen mit der Antwort von Frau Anne ergibt zusammen ein vollständiges Puzzelbild. Jeder hat mehr zu tun als früher, eben weil man sich weiterbewegt im Leben und neue Dinge tun kann und darf, die dann mit den anderen konkurrieren. Und jeder legt nach Seinen Prioritäten fest, was nun einen Anteil bekommt und was nicht. Aber alles machen, was man vielleicht wollte – das word niemand können – da sind sich ja auch die Stimmen die Sie hier sammeln einig.

  12. Sarah sagt:

    Mal was liegen lassen hat sich bei mir bewährt. Wäsche abhängen? Ich kann mich auch direkt vom Wäscheständer bedienen. Durchwischen? Aber ich will lieber die neue Folge von Game of Thrones gucken.
    Ich habe gelernt, wenn man seinen eigenen Perfektionismus runterschraubt, bleibt viel mehr Zeit für schöne Dinge.

    1. Frau Nessy sagt:

      Wenn Perfektionismus mein Problem wäre, dann hätte ich keins. Warum wird einem eigentlich immer Perfektionismus unterstellt, nur weil man die Kleidung, die man auf der Arbeit anzieht (und das sind immerhin 5 von 7 Wochentage), vorher bügelt? Arbeitete ich auf dem Bau, täte ich das sicher nicht. Meinen Freizeithoodie bügel ich bestimmt nicht.

  13. Charlie sagt:

    Ja, das kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir persönlich würde es vermutlich reichen, mir das smartphone abzunehmen und den PC wegzuschliessen oder zumindest den Router abzuschalten und den Fernseher zu sperren. Dann hätte ich wohl Zeit für alles mögliche und unmögliche. Gebügelt wird nur noch für höchst wichtige Anlässe. Meine Arbeit wird auch nicht schlechter, weil meine Bluse den lässig-trendigen Crinkle-Look aufweist. Putzen könnte man zuhause deutlich mehr, aber andererseits……von Zeit zu Zeit mal Besuch einladen, dann lohnt es sich auch. Abgesehen davon besitze ich einen Staubsaugerroboter und den würde ich nicht mehr hergeben. Es gibt sogar auch Wischroboter……. ich hadere noch, aber schön wärs schon!

  14. Ponder sagt:

    Mir geht’s ganz, ganz genauso – ist glaube ich tatsächlich zum einen eine Frage der Prioritäten und zum anderen eine Folge des aktiven Konsums von viel „Netz“ in Form von Blogs, Links, Blogrolls und allem, was nur einen Link weit entfernt darauf wartet entdeckt zu werden. Dass die meisten der Menschen, die da so bloggen vermutlich nur dieses eine Hobby einigermassen intensiv betreiben muss man sich vermutlich dauerhaft und immer wieder vor Augen führen. Nur – wenn man selbst erst ein Blog mit tollen Kochrezepten, dann eins mit Wohnideen, dann eins über Programmierung von Mikrorechner, über 3D-Drucker und dann noch dreissig andere über viele, viele andere tolle Themen liest wird der Tag sicher zu kurz.

    Ich versuche (weitgehend erfolglos) mich über die Entdeckungen im Netz zu freuen und nicht bei allen tollen Sachen sofort das „Boah, muss ich auch mal machen“-Gefühl aufkommen zu lassen. Klappt nicht :/ – wenn da jemand ein Geheimrezept hat, nur her damit. Noch kritischer wird’s dann mit Familie und Kind, für die will ich ja auch noch Zeit aufwenden – und nicht schlafen ist auch keine Lösung :(

    Viele Grüße,

    der Ponder

  15. Republikflüchtling sagt:

    Wenn’s finanziell langt, ist „Teilzeit“ das Zauberwort. Ich arbeite jetzt seit 16 Jahren maximal 80%. Zuerst gab’s nichts besseres als eine 50%-Stelle, aber als meine damalige Chefin mir nach einem halben Jahr eine Vollzeitstelle als „wundervolle Nachricht“ verkaufen wollte, habe ich dankend abgelehnt (das hat sie übrigens nicht verstanden).
    Aus meiner Zeit in Deutschland kann ich mich erinnern, dass der Unterschied beim Nettoeinkommen zwischen 75% und 100% arbeiten nicht der Rede wert war – allerdings bei zugegebenermassen eher gutem Einkommen. Und man braucht einen Job, wo Teilzeit geht. Also tageweise. Vor den Kindern habe ich immer 3 Wochen gearbeitet und hatte dann eine Woche frei. Jetzt habe ich ein- oder zwei freie Tage pro Woche.
    Nicht gut ist jeden Tag weniger Stunden arbeiten. Das läuft nach meinen Beobachtungen oft auf weniger Geld bei fast gleicher Arbeitszeit raus.

  16. apostelchen sagt:

    Meine Liebe Nessy,
    ich hatte beim Lesen des Blogs eher immer das Gefühl,dass sie GANZ viel „nebenher“ noch machen ,daher verwundert mich dieser Text etwas.
    Und woher kommt diese (gefühlte)Unzufriedenheit?-weil die anderen „mehr“ haben und weil sie gefühlt „weniger“ oder ist da eine persönliche eigene Unzufriedenheit losgelöst von den Menschen da draußen?
    Ich glaube man hat immer Phasen wo man aktiver und weniger aktiv ist ganz nach dem eigenen Rhythmus.Nach all dem was man schon so lesen konnte,haben Sie glaube ich ein ganz gutes Körpergefühl und wissen wann was dran ist.

  17. paula sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich stehe jeden halb 6 auf, fahre dann 1:15 Std. auf Arbeit, sind hin und zurueck 2,5 Std., bin mit Pause knapp 9 Std. auf Arbeit und falle um wenn ich endlich wieder zu Hause bin. Im Moment bin ich sp fertig dass ich es nicht mal zum Sport (Ruecken) schaffe. Freitag arbeite ich nur 7 Std., gehe noch zur Physio und mache dann Waesche und raeme auf. Mein Mann geht einkaufen, ich danke ihm. Danach lege ich mich meist hin und schlafe, wache dann irgendwann auf, esse, dusche und das war es. Der einzige Tag fuer nette Sachen und was unternehmen und ausspannen ist Samstag. Sonntag nur das noetigste und ganz viel schlafen und Montag geht der ganze Stress von vorn los. Hab keine Ahnung wie andere das machen. Mir fehlt einfach die Zeit. Teilzeit kann ich nicht arbeiten, da dienstlich nicht moeglich. Ja es ist alles nicht so einfach

  18. C. Araxe sagt:

    Prioritäten zu setzen wurde da und dort ja schon erwähnt. Das allein ist es aber aus meiner Sicht nicht oder trifft es vielmehr zu kurz. Denn wenn ich erst einmal überlegen muss, was mir wichtig ist, haut das soundso nicht hin. Wenn ich allerdings etwas unbedingt machen will, ist die Zeit auch da, ohne groß zu überlegen. Gut, dann ist es eben manchmal etwas weniger Schlaf, aber das macht man ja nicht jeden Tag. Und wenn doch (kann man sich ja manchmal nicht aussuchen, weil es eben sein muss), dann macht man eben nach drei Tagen oder so einen richtig ruhigen Abend. Das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben, bleibt natürlich dennoch. Aber, um das noch mal kurz zusammenzufassen : wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und wo ein Wille ist, ist auch Energie. So geht’s jedenfalls mir.

  19. Herr Pilimpi sagt:

    moin liebe nessy!
    6 uhr arbeitsbeginn (freiwillig, weil ich sonst uffe autobahn nicht mehr durchkomme)
    jeden tag insg. 130 km fahrt wg. arbeit
    15 uhr arbeitsende
    heimfahrt
    auf dem weg nach hause erledigungen
    zu hause überfallen mich die kinder: hausaufgaben kontrollieren, nachhilfeaufgaben kontrollieren, erklären, etc. p.p.
    die kinder nach dort und da fahren
    die kinder von hier und dort abholen
    nochmal fahren, weil was vergessen
    nochmal fahren, weil noch was einkaufen
    bürokram
    aldi-liste abarbeiten
    essen machen
    essen
    hasen ausmisten
    mit puber-tieren-den rumschlagen
    alles fünfmal sagen und auffordern

    und was dem tag sonst noch so bereithält

    und dann sitzen die übergewichtigen kardiologen vor einem und sagen „treiben sie mehr sport!“

    und dann sitzen die übergewichtigen internisten vor einem und sagen „sie müssen abnehmen!“

    und dann stelle ich auch noch selbst den anspruch an mich und mache mir damit das leben schwer, dass ich an der fernuni studieren will

    und die wochenende sind alle auch verplant – oft mit unliebsamen dingen

    und dann schaue ich auf die uhr und es ist 2300 – und schon bin ich eingeschlafen ….

    und am nächsten tag beginnt mein groundhog-day erneut: „und täglich grüßt das murmeltier!“

  20. Mathilde sagt:

    Ach, eigentlich kann ich mich ja nur anschließen. Meistens bekomme ich auch nicht alles Leben in den Tag hineingequetscht, wie ich es gerne hätte. Vor allem, weil es ja nicht nur um’s Abhaken von einzelnen Tagesordnungspunkten geht, sondern manches (nachdenken, sinnieren, träumen) auch mehr Zeit braucht. Andererseits so wie es gerade ist, ist mir jedenfalls nicht langweilig. Und das ist ja auch mal was.

  21. Uwe sagt:

    Den lieben Gott mal nen guten Mann und die Küche schmutzig zu lassen wäre auch eine Möglichkeit.

    Familienbedingt ist meine Frau nun schon seit Anfang März nicht da. Sie ist „Nur“-Hausfrau und so hat sie Zeit, sich um die Wohnung zu kümmern. Nun, jetzt sieht die Wohnung eben nicht mehr ganz so aufgeräumt aus.
    Mein Tagesablauf (Readers Digest Version):
    5:30 aufstehen, Duschen, etc. und zur Arbeit
    16:00 Feierabend und nach Hause (übrigens je eine Stunde Fahrzeit hin und zurück)
    bleiben also rund 7 Stunden übrig, denn vor Mitternacht gehe ich selten ins Bett. Die 5 Stunden Schlaf reichen mir, am Wochenende wird eben mal länger gepennt.
    Da ich in der Kantine esse, reicht mir abends ein belegtes Brot oder ein Cheesburger vom Mc. Also auch kein Kochen und damit kaum Geschirr. Den Rest macht dann die Spülmaschine. Gewaschen wird erst, wenn der Schrank wirklich leer ist. Die Waschmaschine läuft auch ohne mein zutun, nur das Bügeln kostet mich unglaublich viel Zeit, weil ich es nicht kann :-) Aber das passiert nur alle 3 oder 4 Wochenenden. Staub saugen und/oder durchwischen tu ich nur, wenn es (wirklich) schmutzig ist (kenne da Leute, die machen das nach Fahrplan, tststs).
    Also, ich kann mich über mangelnde Freizeit nicht beklagen (mir mangelt es im Moment nur an meiner Frau, seufz). Ich treff mich mit Kumpels auf ein Bierchen, oder schaue TV oder setz mich in den Garten und lese (und das auch, wenn eigentlich mal wieder der Rasen gemäht werden müsste. Der bekommt dann eben noch eine weitere Woche zum Wachsen). Das oben genannte, sporadische Wohnung putzen verlege ich sowieso auf den späteren Abend, so habe ich noch etwas vom Tag.
    Ist sicher nicht jedermanns Ding, aber für mich isses ok.

  22. MArgret sagt:

    Ein heißer Tipp: Putzfee. Wenn Du das Geld auch nur halbwegs übrig hast (sind so circa 100 bis 120 € im Monat bei zwei Stunden wöchentlich), die absolut beste Möglichkeit. Meine schafft in drei Stunden (großer Haushalt) das, was ich in 8 schaffe. Und schon hab ich 8 Stunden Zeit gespart. Sport mach ich auch nur 1x Woche, aber das ist ja individuell. Bügeln ist auch was, was man wirklich super einsparen kann. Oder Du bringst die Blusen in die Reinigung zum Mangeln. oder die Putzfee macht’s :-). Putzen (Außerhalb der der Putzfeezeit) wird auch überbewertet, die Kinder machen’s hier ohnehin gleich wieder dreckig.

  23. Croco sagt:

    Hab mir das nochmal überlegt.
    All das mach ich überhaupt nicht. Ich arbeite 75% und hab so meistens jedenfalls, einen freien Tag.
    An dem erhole ich mich, oder bügle und mach all das, was an Arbeit im Haushalt und im Garten übrig ist.
    Internet oder Fernsehen, beides geht Abends nicht.
    Am Wochenende sind meist die Korrekturen dran, das ist sehr viel bei mir , und eben Sachen wir Sport, spazieren gehen, einkaufen für die nächste Woche.
    Unser Gelände ist riesig, muss auch joch versorgt werden , und je nach Jahreszeit ist roden, ernten, graben angesagt.
    Ich muss all die anderen Aktivitäten nicht haben.
    Verreisen ist auf die Urlaubszeit des Mannes beschränkt. Das reicht aber auch.
    Wochenendausflüge stressen mich so, dass es sie eben nicht gibt.
    Unter der Woche mach ich abends nichts ausßer Haus.
    Ich muss um 6:30 Uhr aufstehen und fit sein.
    Ich glaube nicht ,dass irgendein Mensch das volle Programm aushält und sich noch erholen kann von und für die Arbeit

  24. Raven sagt:

    Die „Anderen“ haben vielleicht nur ein Hobby (Fernsehen) und nichts weiteres? Sie haben jemanden der ihnen die Wäsche wäscht und das Essen kocht? Sie haben eine Halbtagsstelle? Eine Zweizimmerwohnung und kein ganzes Haus mit Garten? Vielleicht verschwenden sie keine Zeit in sozialen Netzwerken? Tja, aber wenn man die „Anderen“ mal fragen würde, wie sie das bloß machen, haben die sicher keine Zeit. ;-)

  25. alex sagt:

    Meine Nachbarn haben eine sehr große Sat-Schüssel auf (nicht an, neben oder über!!!) ihrem kleinen Balkon. Ich nehme mal an, dass die dann fernsehen, wenn z.B. ich das Draußensein auf MEINEM kleinen Balkon genieße. Mehr weiß ich auch nicht…

  26. Wie sie da „Erdrotation“ anbieten als Erklärung, da wird mir alles klar.
    Bei mir heißt sie bloß Erdkrümmung.
    Die Erklärung für alles. Die 42-Alternative.

    nebenbei: ich weiß keine Antwort auf Ihre Fragen, kann aber jede einzeln sehr gut nachvollziehen.

  27. Birgit K. sagt:

    Sehr interessanter Artikel und viele interessante Kommentare. Das Thema beschäftigt offensichtlich ganz viele Menschen, klar ist, dass es kein Patentrezept für jeden gibt. Ich arbeite auch nur 75 %, da mein Mann einen ziemlich stressigen Job hat und es ansonsten wirklich chaotisch bei uns wäre. Ich habe mir allerdings inzwischen jeden Perfektionismus abgewöhnt, ignoriere Gedanken wie: was sollen denn die Nachbarn denken, wenn die Fenster schmutzig sind, im Vorgarten das Unkraut wächst und ich eine Fertigpizza in den Ofen schiebe. Die Pflicht ist mein Job, da kann ich nichts dran ändern, aber die Kür ist meine Freizeit und da suche ich mir selber aus, wie ich sie verbringe. Und das kann mal Hausarbeit sein, Serien gucken oder im Internet lesen, aber ich lasse mir von niemandem sagen, was richtig und was falsch ist. Das entscheide ich alleine und damit ist der erste Schritt zu mehr Zeit geschafft!

  28. jpr sagt:

    Das mit dem Samstag als besten Tag kann ich nachvollziehen und dann doch wieder nicht. Klar ist es *der* Tag um alles mögliche und dem Rest zu erledigen, andererseits fühle ich mich immer um einen Tag des Wochenendes betrogen. Aber Sie hatten da ja mal so einen Plan mit dreitägigen Wochenenden.
    So lange die nicht Realität sind, kann ich Ihre Überlegungen absolut nachvollziehen und bekräftigen, wobei ich denke, dass klar zu sehen ist, dass eben Erwerbsarbeit den größten Brocken aus dem Tag beisst – und ich habe nichtal wirklich Arbeitsweg. Die nicht Realisierung der Automatisierungsgewinne ist, denke ich, einer der größten gebrochenen Versprechen wie die Zukunft wird – ohne dass ich eine schlüssige Erklärung hätte, warum das so ist (zumindest nicht ohne Verschwörungstheorien).
    Meine „Lösung“ für das Problem ist: machen, wonach man sich gerade fühlt, ohne sich über das, was man hat liegenlassen ärgert. Dann hat man vielleicht irgendeine Serie nicht gesehen, aber ist das schlimm, wenn man stattdessen einen schönen Abend mit Freunden hatte? Oder man schreibt einen Behördenbrief zwischen Tür und Angel, weil man eben dringend noch im Büro etwas erledigen musste und nun zufrieden mit sich selbst ist, oder oder oder… Ich denke so lange man gern tut, was man tut verliert man wenig. Aber wenn sich das ändert sollte man etwas andern.

  29. Tonari sagt:

    Willkommen im Club. Hier ähnliche Situation. Blogzeit geht zu Lasten des Lesens von Büchern oder des Sportelns. Das wäre wegen Rücken aber nötig.
    Putzen fällt immer mal aus, weil Ausflüge fürs Seelenheil unverzichtbar sind. Das schlechte Hausfrauengewissen bleibt. Nach dem Joballtag bin ich für abendliche Aktionen in Sachen Haushalt einfach zu platt.
    Nobelpreis für praktikable Lösungsvorschläge …

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