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Mein Leben als Bridget Jones, Kapitel 370

21. 04. 2011  •  43 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

So ein Rückenleiden, Sie kennen das sicherlich, lässt selbst die kleinsten Dinge zur Herausforderung werden.

Mein Leiden ereilte mich ja nun im Bad, wo ich, frisch der Dusche entstiegen, stand, wie die Götter mich schufen. Um nun zum Arzt zu gehen, musste ich mich zunächst ankleiden – alles andere wäre mir unangenehm gewesen, auch wenn mir im Allgemeinen wenig peinlich ist.

Das profanste Kleidungsstück ist in solch einem Fall zugleich das schwierigste: der Schlüpfer. Krumm wie eine welkende Tulpe stehe ich im Schlafzimmer, eine frisch Aloe-Vera-gecremte Blume mit kaltem Tau auf der Stirn. Mit der linken Hand stütze ich mich am Kleiderschrank ab, die rechte fischt den ersten erreichbaren Slip aus der Schublade, schüttelt ihn aus und hält ihn in die Luft wie der Dompteur den brennenden Feuerreifen. Mein linkes Bein nimmt Anlauf, stößt beherzt zu … doch, ach – verpasst, das Loch.

Der nächste Versuch endet ebenso. Beim dritten verheddern sich drei Zehen im Stoff, und ich stürze fast aufs Bett. Ein würdeloses Schauspiel, während die Morgensonne durch die Gardinen scheint und die Szenerie in blasshelles Frühlingslicht taucht.

„Größere Löcher, weniger Stoff“, denke ich, im Ansatz verzweifelt. Mit klammen Fingern durchsuche ich die Strings und finde schließlich dieses glänzend-weinrote, maximal pornöse Teil mit der dicken, schwarzen Schleife über der Poritze. Uninteressant, wie es in meine Schublade kommt – nur so viel: Es hat etwas mit Junggesellenabschied, nicht aber mit Erotik zu tun.

Beinahe behende steige ich ein – ich muss ja nur ein schmales Band überwinden.

Und nun, liebe Leser, stellen Sie sich bitte vor, wie ich mit der grazilen Verve einer anlandenden Robbe, in einem glänzend-roten, mit einem großen Tüllpropeller besetzten Ritzenputzer bäuchlings auf die Liege des fast 70-jährigen Chirotherapeuten krabbele, während dieser, in seiner Professionalität über alle Leibwäsche erhaben, taktvoll schweigt.

Nein, mir ist nichts peinlich. Es gibt für alles, was ich tue und trage, gute Gründe.

Kommentare

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  1. zimtapfel sagt:

    Ich weiß ja, diese Geschichte ist unter bösen Schmerzen entstanden. Dennoch hat mich das Lesen derselben gerade vor Lachen fast vom Stuhl fallen lassen.
    (Das ist es wohl, was Sie wollen, was? Das Ihre Leser sich beim Lesen ähnliche Verrenkungen zuziehen? Ha! Hab ich es durchschaut!)

    1. damenwahl sagt:

      Danke für den Lacher! Ich erkenne mich selbst in allen Details wieder, wenn ich Hexenschuss habe, könnte es aber nie so in Worte fassen – schon gar nicht im akuten Fall, da bin ich nämlich ein heulendes Bündel Elend. Ihnen von Herzen gute Besserung (mir helfen Wärmflaschen auf den Rücken, Stufenlage mit Koffer unter den Beinen und zwischendurch spazierenschleppen).

    2. Nessy sagt:

      Mein sonniges Gemüt schafft es auch bei solchen Begebenheiten immer noch, den humoristischen Aspekt in der Geschichte zu finden. Ein Geschenk, für das ich dankbar bin.

      @Frau Damenwahl: Das Spazierengehen tut wirklich gut. Stabile Seitenlage mit Kissen ist auch hervorragend.

    3. juppi sagt:

      …ein Geschenk, für das auch ich dankbar bin!!

  2. Ponder sagt:

    Liebe Frau Nessy,

    weiter gute Besserung – und herrlich geschrieben auch noch :) – und der etwas ältere Chiropraktiker hat im Lauf seines Lebens bestimmt schon peinlichere Momente überstanden, immerhin war sowohl der Schlüpfer (ein viel zu selten benutztes und sehr schönes Wort !) frisch als auch Sie frisch gewaschen :)

    Viele Grüße,

    Der Ponder

    1. Nessy sagt:

      Das denke ich mir auch immer: Was Ärzte täglich alles zu sehen bekommen – da bin ich bestimmt nicht die peinlichste Gestalt. Und duften tue ich allemal. Wie ein Blümchen.

  3. asinus canus sagt:

    Auch meinerseits gute Besserung! Und herzlichen Dank für Ihre tollen Schilderungen, die mir jedesmal mindestens ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Heute war es sogar mehr ein Grinsen, verknüpft mit einem leisen Seufzen.

  4. Sei’nse mal froh, dass Sie nix mit Bunnybommel am Hintern im Wäscheschrank haben. Das hätte den Chiropraktiker seine Approbation wegen Verletzung der Schweigepflicht gekostet.

    1. Nessy sagt:

      Geben Sie mal „Tüllpropeller“ bei der Blogsearch ein. Wenn Sie etwas finden, ist es mein Chiropraktiker.

    2. jpr sagt:

      Das wäre jetzt auch mei Tipp gewesen. Ärzteblogs gibts ja auch ne ganze Menge. Da haben Sie mit der Alterswaehl aber vermutlich doch noch Glück. Sollte man sich in Zukunft seinen Mediziner danach aussuchen, dass er kein Internet hat?

  5. Kai sagt:

    „maximal pornöse Teil“ … Danke, mein Ostern ist lachend gerettet.

  6. Martin sagt:

    Welch Wortwahl, großes Kino.

    Aber gleichzeitig ein sehr sehr voyeuristischer Blick in ihr Schlafzimmer nebst Kleidungsbestandteilen. Woran Sie uns alles teilhaben lassen, ts ts ts…;-)

    1. Nessy sagt:

      Glauben Sie mir: Es ist alles unspektakulärer, als Sie denken. Aber denken Sie ruhig.

  7. to sagt:

    cooler blog.
    gute grüße von to von zzzeitkritik

  8. URi sagt:

    „Und nun, liebe Leser, stellen Sie sich bitte vor, wie…“

    Im Allgemeinen habe ich ja eine recht gute Fantasie. Aber diesmal muss ich passen. Könnte man das nicht mit einem Foto belegen. Du knipst doch sonst auch so gerne ^-^

    1. Nessy sagt:

      Das möchten Sie nicht sehen. Ich verspreche es Ihnen.

  9. Vanilla sagt:

    Ach, das kenne ich, ich hab das mal aus versehen getan, auf meinem Schlüppi stand aber „Return to Paradise“ … und die Bezeichnung Schlüppi hatte das Teil auch nicht verdient … na ja, passiert.

    1. Nessy sagt:

      //*lacht. Genau. Passiert.

  10. der_emil sagt:

    Auweia … Ich such gerade den NOT-AUS-Schalter für mein Kopfkino. Die Senderkennung des NDR (lange her) will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.

  11. vienna-beads sagt:

    Da kommen plötzlich Erinnerungen hoch, als ich mit einem Hauch von schwarzem Nichts unter dem hinten offenen und zu engen Spitalskittel in der Unfallambulanz zu verschiedenen Untersuchungen gehen mußte, nachdem mich ein Auto angefahren hatte …..

    Seither prüfe ich jedes Wäschestück morgendlich sehr kritisch auf Spitalstauglichkeit.

    Ich wünsche Ihnen baldige Besserung! So ein Rückenleiden ist ja wirklich wie Hölle auf Erden!

    1. Nessy sagt:

      Meine Oma sagte immer, der Schlüppi müsse stets sauber und ansehnlich sein – falls ein Notfall eintrete. Welchen Notfall Sie genau meinte, weiß ich bis heute nicht.

  12. Liebe Frau Nessy,
    kann es sein, dass ihr hoher Fahrradsattel nicht so gut für ihre Wirbelsäule ist?
    Ich habe das Foto ihres Fahrrades gerade entdeckt. Ein Freund von mir bekam durch vieles sportliches Fahrradfahren große Rückenprobleme.
    Gute Besserung

    1. Nessy sagt:

      Meinen Sie? Ich bin aber am Tag selbst und am Tag zuvor gar kein Rad gefahren. Außerdem kann ich doch auf meinem Cannondale nicht sitzen wie auf einer Harley.

  13. Ponder sagt:

    Erstaunlich – Frau Nessy, Sie haben ein neues Wort geprägt. Den Begriff „Tüllpropeller“ findet Google aktuell genau zweimal, beide Treffer in Ihrem Blog. Ich musste auf die Anmerkung weiter oben einfach nach dem Blog ihres Chiropraktikers suchen – gibt’s aber nicht. Schade …

    Herzlichen Glückwunsch !

  14. Wer beim lesen deines Tatsachenberichtes lacht der hat keine Probleme mit den Knochen.
    Gute Besserung + Frohe Ostern
    Mrs. Jones

  15. nolensvolens sagt:

    Habe schlimme Ambivalenparese. Wünsche Frau Nessy dringend weiterhin eindrücklich beschreibare Erlebnisse, aber nur solche, die nicht so wehtun.

  16. anima sagt:

    *pruuust* Aber nur wegen dem Propeller über dem Steiß – ich schwöre. Sind Sie wenigstens genauso hold errötet, wie das nichts von Schlüpfer, dass Sie am Leibe trugen? ;-)

    Gute Besserung und erträgliche Feiertage. So eine ISG-Blockade ist eklig – ich kann es Ihnen nachempfinden. Zu viel Chiropraktik tut den Bändern allerdings auch nicht gut.

    1. Nessy sagt:

      Ich war die ganze Zeit über errötet. Der Schmerz trieb mir die Hitze ins Gesicht. Das bisschen zusätzliche Propellerröte fiel nicht mehr auf.

  17. juppi sagt:

    und was ist derweil mit der Vorbereitungsvorbereitung?
    Ruht die etwa? Was wird der Trainer dazu sagen? (Hoffentlich hat er Verständnis. Ist ja quasi eine Sportverletzung…)

    1. Nessy sagt:

      Die Vorbereitungsvorbereitung ruht. Heute erstes, leichtes Jogging mit Jederzeit-Umkehr-Option.

  18. Dana sagt:

    Herzlichen Dank (wieder einmal) für diesen Lacher! Allein die Vorstellung an den Gesichtsausdrucks des Chiropraktikers beim Anblick Ihres Höschens…herrlich! In solchen Geschichten kann ich mich immer sehr gut wiederfinden (hätte ich einen Blog, ich könnte ihn allein mit solchen Geschichten am Leben erhalten). Letztes Schmankerl: ich stieg, um etwas vom Küchenschrank zu holen, auf die Arbeitsplatte, blieb beim Heruntersteigen mit dem Fußloch des Schlafanzuges am Griff des unteren Küchenschranks hängen und fiel dann, Bein am Griff hängend, rückwärts von der Platte.
    Gute Besserung!

    1. Nessy sagt:

      Uuuuh! Das hört sich aber weit schlimmer an als meine Gymnastikübung. Ich hoffe, es ist nichts passiert. Sie hätten sich den Hals brechen können.

    2. Dana sagt:

      Das ist das Kuriose bei meinen Stunts: ich habe mich bislang (toitoitoi) noch nicht ernsthaft dabei verletzt. Ich führe es darauf zurück, dass ich Jahre und Jahre der Übung habe und immer weiß, wie ich mich krümmen oder abrollen muss. Es ist vielleicht ein Kompromiss meines Körpers: ok, Du bist zwar wahnsinnig tollpatschig, aber dafür lasse ich Dich immer gut abrollen ;) (Blaue Flecken allerdings ausgenommen. Damit könnte ich Wände tapezieren)

  19. hodyshoran sagt:

    Haha, dachte ich waere der einzige mit Bridget Jones Komplex. Habe die Dame gleich am Anfang zur Schutzpatroninen meines Blogs ernannt und nehme seit dem regelmaessig Ihre Hilfe beim Zusammenfassung der Nahrungsaufnahme in Anspruch.

    P.S.: Sorry fur die fehlenden Umleite, bin gerade in Kolumbien…

  20. Wildkatze sagt:

    Super geschrieben, habe gut gelacht. In manchen Situationen spricht nichts gegen einen richtigen Schlüpfer ;) Nun aber: gute Besserung!!!

  21. Robart sagt:

    Kann ich gerade sehr gut nachempfinden. Nur bis zum Chiropraktiker hab ichs noch nicht geschafft. Aber die kleinen Widrigkeiten mit Slip, Socken und Hose hab ich gerade auch. Wirklich heftig wars am Anfang, als ich abends nicht wusste, wie ich mich ins Bett legen sollte und morgens nicht, wie ich wieder raus komme.

  22. Mocca sagt:

    Das hat mir den Tag hinreichend versüßt. Ich danke. Und lache immernoch.

  23. Frank sagt:

    Großartig!

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