Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Lektüre«

„The Help“

9. 08. 2011  •  22 Kommentare

Ein Lesetipp zwischendurch:

Kathryn Stockett. The Help.
Die Geschichte von Aibileen und Minny, zwei schwarzen Haushälterinnen im Mississippi der 60er Jahre – und die Geschichte von Skeeter Phelan, einer Weißen, die beschließt, die Erlebnisse der maids in einem Buch zu erzählen. Stoff dafür ist reichlich vorhanden, denn Aibileen, Minny und ihre Kolleginnen ziehen zwar die Kinder ihrer weißen Arbeitgeber groß, waschen, putzen und bedienen sie, dürfen allerdings nicht einmal die Toilette der Hausherren benutzen, weil sie „schwarze Krankheiten“ übertragen könnten. Doch keine der Frauen traut sich, den Mund aufzumachen und von den subtilen Demütigungen zu berichten.

Klingt schwierig und spaßbefreit? Ist es aber nicht. Das Buch ist voller Witz und Herzenswärme.

Ich habe allerdings noch keine deutsche Übersetzung gefunden. Man kann es aber auch nicht wirklich übersetzen, denn Aibileen und Minnie – zwei der drei Perspektiven der Geschichte – sprechen in breitem Pidgin-English-Südstaaten-Dialekt:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=rw1bN_tUtYE&w=480&h=390]

So, wie es sich anhört, ist es auch geschrieben. Für Nicht-Muttersprachler ist es deshalb anfangs ein bisschen schwierig zu lesen, aber es lohnt sich dranzubleiben. 90 Prozent der Atmosphäre und Authentizität erwachsen aus der reduzierten, stimmungsvollen Sprache der maids.

Die dritte Perspektive ist die von Skeeter („Wasserläufer“), die ihren Spitznamen ihrer Größe von 1,80 Meter und ihrer dürren Gestalt verdankt. Zunächst gehört sie noch zum Club der jungen, weißen, gut situierten Frauen in Jackson, Mississippi, die nichts anderes im Sinn haben, als einen Mann zu ehelichen, Kinder in die Welt zu setzen und gut auszusehen; nur ihre Mutter ist in Sorge, weil sie noch Single ist. Doch nach und nach wird Skeeter, ohne dass sie es beabsichtigt, zur Bürgerrechtlerin.

Das Buch wurde verfilmt. Der Trailer trifft die Stimmung des Buches ziemlich gut:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=l0dWCXCjX9o&w=480&h=303]

US-Start: August 2011.

Ein neuer Beitrag mit Hund

30. 07. 2011  •  30 Kommentare

Ein Krimi, ein Historienroman – und zweimal Anderes:

Bücher: Erlösung, Hiobs Brüder, Jugend ohne Gott, Die Besteigung der Eiger Nordwand unter einer Treppe

Jussi Adler-Olsen. Erlösung.
Eien Flaschenpost mit einem Hilferuf erreicht Carl Mørck und seinen Assistenten Assad vom Sonderdezernat Q. Ein entführter Junge hat sie geschrieben. Sein Kidnapper hat es auf Kinder aus streng gläubigen Familien abgesehen, um seine eigene Vergangenheit zu rächen. Die Geschichte ist okay; die Passagen mit der Sichtweise des Kidnappers haben jedoch Längen. Tragend ist wie immer nicht die Story, sondern sind die verschrobenen Ermittler in ihrem Kellerbüro. Meine Lieblingsfigur ist und bleibt Assad.

Rebecca Gablé. Hiobs Brüder.
Losian, ein Mann ohne Gedächtnis, und Simon, ein Teenager mit Fallsucht, stranden als Gefangene auf einer Insel für Irre. Gemeinsam mit Gefährten können sie entkommen. Losian findet sein Leben wieder, Simon baut sich ein neues auf und schon bald gelangen beide in Berührung mit der großen Politik. Eine nette Geschichte, die allerdings erst nach 300 Seiten richtig an Fahrt aufnimmt. Bis dahin: durchhalten.

Ödön von Horváth. Jugend ohne Gott.
Die Zeit des Nationalsozialismus: Der Ich-Erzähler, ein Lehrer, lehnt die Ideologie ab, passt sich aber dennoch an. Inhaltlich sicherlich ein wichtiges Buch. Mit dem unpersönlichen Stil kam ich jedoch nicht zurecht: Es gibt keine packende Geschichte und keine Figuren, denen ich als Leser nahe bin. Die Kinder werden nur mit Buchstaben benannt – schwierig.

Max Scharnigg. Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe.
Nikol kommt nach Hause und findet vor der Tür seiner Wohnung, die er gemeinsam mit seiner zwangsgestörten Freundin bewohnt, fremde Herrenschuhe. Verwirrt lässt er sich unter der Haustreppe nieder – und bleibt dort einfach wohnen. Im seinem Kopf schreibt er einen Text über die Besteigung der Eiger-Nordwand und lernt Schmuskatz kennen, der im Erdgeschoss wohnt und ehemals Gletscherfotograf war. Die Geschichte ist völlig absurd; muss man mögen. Mir hat’s gefallen, auch wenn die Symbolik der Nordwand absehbar war.

Bücher aus Britannien

2. 07. 2011  •  24 Kommentare

Juchhu! Post!

Bücher aus Great Britain

Leihgabe aus einem fernen Land

„Einschreiben“ schallte es sonor durch den Hausflur – und kurz danach stand ein verschwitztes gelbes Männchen vor meiner Wohnungstür. „Einschreiben“, hechelte es noch einmal und drückte mir einen großen Umschlag der „Royal Mail“ in die Hand.

Wie aufregend! Post aus Übersee! Darin: drei Bücher, Shortbread und eine Packung Yorkshire Tea für glückliche Stunden mit der Lektüre.

Vielen Dank, Frau Charlotte!
Ich werde versuchen, nicht zwischen die Seiten zu krümeln.

Vier Bücher

15. 06. 2011  •  22 Kommentare

Wer viel Bahn fährt, kann viel lesen.

Bücher Juni 2011: Maxim Leo, Dave Nichols, Amos Oz, Malte Welding

Maxim Leo. Haltet Euer Herz bereit.
Der Autor erzählt die Geschichte seiner Familie. Er portraitiert drei Generationen von DDR-Bürgern: die kriegserfahrenen Großeltern und Gründer der DDR, ihre Kinder und ihre Kindeskinder. Auf Ebene der Großeltern ist das Buch sehr ausführlich und hat Längen, danach wird es (zu) knapp. Trotzdem gut. Ein persönlicher Blick auf einen Staat und eine Erklärung für manche deutsch-deutschen Fragen der heutigen Zeit.

David Nicholls. Zwei an einem Tag.
Emma und Dexter. Zwei Menschen, die sich mögen, die sich vielleicht lieben. Ein Blick in ihr Leben, immer am 15. Juli, zwanzig Jahre lang, von ihrem College-Abschluss 1998 bis ins Jahr 2008. Die Geschichte ist ein wenig eindimensional und die Sprache einfallslos. Es fehlt der letzte, überzeugende Kniff, der aus der Geschichte mehr macht als ein rührseliges Frauenbuch. Aber dennoch: Ich habe es gerne gelesen. Eine solide Sache.

Amos Oz. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis.
Ein Buch, das ich schon lange einmal lesen wollte – und eins, das ich nach 100 Seiten wieder weggelegt habe. Es mag sein, dass es ein „großer erzählerischer Entwurf“ oder ein „einmaliges Dokument der Geburtsstunden des Staates Israel“ (kuksdu) ist. Ich fand es fade, langatmig und ziellos.

Malte Welding.
Frauen und Männer passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte.
Ein Sammelsurium von Wissen, Halbwissen, Nichtwissen und strammen Behauptungen über Sex, Liebe und das ganze Zeug. Plattitüden und Banalitäten ohne roten Faden, dafür aber mit einem wahren oder erfundenen „Bekannten“ für jedes Klischee. Belanglos.

Das könnten Sie auch mal lesen

28. 05. 2011  •  51 Kommentare

Vier Bücher, vier Empfehlungen:

Bücher: Benioff, Franzen, Morgan, Rosenfeld

David Benioff. Stadt der Diebe.
Die Strolche Lew und Kolja sollen im ausgehungerten Leningrad des Jahres 1942 zwölf Eier auftreiben: Die Tochter eines Obersts möchte auf ihrer Hochzeit einen Kuchen haben. Als Gegenleistung werden sie nicht erschossen. Ein Road Movie durch die belagerte Stadt beginnt. Brutalität, Gewalt, Witz und Irrsinn begleiten die Geschichte. Abstoßend und fesselnd zugleich.

Jonathan Franzen. Freiheit.
Patty und Walter Berglund, ihre Kinder Joey und Jessica. Eine typische Familiengeschichte nach Franzen, in der wenig passiert, den Figuren hingegen viel Raum gegeben wird. Ich bin zwiegespalten: Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, aber die Charakterstudien sind wirklich gut. Geschmacksache.

Morgan Callan Rogers. Rubinrotes Herz, eisblaue See.
Florine ist 11, als ihre Mutter verschwindet. Der Verlust klafft in ihr wie eine offene Wunde. Doch mit der Zeit nehmen das Leben und die Pubertät ihren Lauf. Kein besonderes Buch: Die Sprache ist einfach, die Handlung auch. Trotzdem hat es mich gepackt.

Astrid Rosenfeld. Adams Erbe.
Ed Cohen lebt in Berlin und hat ein Modelabel. Sein Großonkel Adam Cohen lebte 1938 ebenfalls in Berlin – bis er den Spuren einer verschollenen jüdischen Freundin folgt und verschwindet. Ed liest seine Geschichte und führt sie zu Ende. Eine traurige Erzählung, die mich allerdings fröhlich zurückgelassen hat. Ein prima Buch.

Glaube, Liebe, Zeitmaschine

25. 03. 2011  •  14 Kommentare

Die ersten Bücher des Jahres 2011:

Fernanda Eberstadt: Liebeswut
Businessfrau Gwen und Puppenspieler Gideon sind grundverschieden und verlieben sich dennoch. Auf die große Leidenschaft folgen Ernüchterung und Sprachlosigkeit. Eine desillusionierende Geschichte mit entmutigend viel Wahrheit, dazu zwei Portraits mit großartiger Charakterzeichnung.

Ildefonso Falcones: Die Pfeiler des Glaubens
16. Jahrhundert: Hernando wächst in Andalusien auf, dem Zentrum des Glaubenskriegs zwischen Christen und Muslimen. Er stellt sich dem Kampf und gerät zwischen die Fronten. Ein historischer Roman, der einen Blick auf ein Stück europäische Geschichte wirft, das mir bislang wenig bekannt war. Allerdings kommt die Geschichte recht eindimensional daher. Eine komplexere Erzählweise hätten dem Buch gut getan.

William Kowalski: Eddies Bastard
Eddie landet kurz nach seiner Geburt bei seinem Opa, ausgesetzt in einem Korb. Der verbitterte Alte zieht den Buben auf – mit ungeschickter, aber ehrlicher Liebe und viel gebratener Mortadella. Eine gefällige Geschichte, der ich gerne folgen mochte.

Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit
Eine Zeitmaschine macht es möglich: den Eingriff in die Vergangenheit und die Veränderung der Zukunft. Doch es ist alles nur ein Bluff. Ein phantastischer Roman, der beim näheren Hinsehen allerdings nicht phantastisch, sondern plump ist. Der erste Teil ist noch nett und leidlich fesselnd, beim zweiten schlägt die große Langeweile durch.

Das Beste kommt zum Schluss

31. 12. 2010  •  27 Kommentare

Zuletzt gelesen in 2010:

Kluun. Mitten ins Gesicht
Ein Mann begleitet seine Frau durch die Krebskrankheit – bis zum Tod. Erst denke ich: Himmel, was ein pubertäres Arschloch. Am Ende habe ich geheult. Das emotional stärkste Buch des Jahres 2010.

Tom Rachmann. Die Unperfekten
Die Geschichte vom Niedergang einer internationalen Zeitung in Rom. Ein Sammlung kleiner Erzählungen über den Korrespondenten, den Nachruf-Schreiber, die Chefredakteurin, den Verleger – und eine Handvoll weiterer Akteure. Dicht, menschlich, eindringlich, überraschend, desillusionierend. Das eindeutig beste Buch des Jahres 2010.

Robert Seethaler. Die weiteren Aussichten
Ein Mann, sein Fisch und seine Mutter. Dann tritt Hilde in sein Leben. Eines der schlechtesten Bücher des Jahres 2010: Eine Geschichte, die nicht trägt, und ein Erzählstil, der nicht über Hauptsätze hinauskommt.

Vorsätze für das I. Quartal 2011:

Falcones, Franzen, Palma und endlich mal der Kehlmann

Aktuelles Projekt:

Roger Willemsen: Die Enden der Welt

Auf dem Nachtschrank

„Ich dachte damals auch, wenn man reise, bis man irgendwo einmal das Ende der Welt berührt zu haben glaubt, dann erreicht man vielleicht auch einen neuen, andersartigen Zustand des Ankommens. (…) Könnte es nicht sein, dass nicht die Reisenden sich bewegen, sondern dass vielmehr die Welt unter ihren Füßen Fahrt aufnimmt, und sie sich gleich bleiben?“

Dieses Buch lese ich mit einem Bleistift in der Hand, denn es ist ein poetisches Werk voller Sätze, die ich gerne anstreichen möchte. Eigentlich ist mir Roger Willemsen niemals groß aufgefallen, nicht positiv, nicht negativ, es gibt ihn einfach und er macht sein Ding. Während ich jedoch dieses Buch lese, hege ich den Wunsch, die Reisen gemeinsam mit ihm unternommen zu haben, so passioniert, aber auch so gelassen berichtet er von seinen Enden der Welt.

Weil es so gut zum Jahreswechsel passt, ein zweites Zitat:

„Während ich ihn beobachte, die Augen ohne Reflex, die bewegungsarme Mimik und Gestik, das verhuschte Lächeln, das sich in seinem Gesicht verläuft und irgendwo versickert, denke ich:
Alle Fragen haben es zur Antwort gleich weit.“

Einen guten Start ins neue Jahr.

Achtung, nicht lesen!

30. 10. 2010  •  19 Kommentare

Jussi Adler Olsen. Schändung:
Ein junges Geschwisterpaar wird ermordet. Eine gewaltbereite Clique verhätschelter Internatsschüler gerät in Verdacht. 20 Jahre später nimmt Carl Mørck sich des Falles an. – Nach „Erbarmen“ ging ich voller Freude ans Buch und wurde enttäuscht. Die Hauptperson: nicht nachvollziehbar psychopathisch. Die Handlung: konstruiert. Die Ermittler: gehen unter. Note: 4. (Christine Westermann fand es allerdings gut – falls Sie eine andere Meinung lesen möchten.)

María Cecilia Barbetta. Änderungsschneiderei Los Milagros:
Eine Mädel, das in einer Schneiderei arbeitet. Ein anderes, das kommt, um sich ein Hochzeitskleid fertigen zu lassen. Ein experimentelles Buch mit vielen Bildern. Doch die Handlung und die Charaktere verlieren sich im Anspruch der Autorin. Gute Idee, zu viel gewollt. 4. (Andere halten den Roman aber für bildende Kunst oder sind völlig hingerissen.)

Alina Bronsky. Scherbenpark:
Sascha, eigentlich Alexandra, Russlanddeutsche, wohnt im Ghetto, ist aber ziemlich schlau. Ein Buch über ihre Gefühle, ihr Leben und ein bisschen auch über Verliebtsein. Gut zu lesen, aber mit dem Schicksal ein bisschen dick aufgetragen. 2-. (Andere Rezensionen sind durchwachsen.)

Antonio Garrido. Das Pergament des Himmels:
Würzburg 799. Theresa will Pergemantmacherin werden, ihr Vater gerät jedoch in ein Komplott, sie muss fliehen und rettet am Ende das Abendland. Guter Ansatz für einen spannenden historischen Roman voller Verflechtungen. Aber die Story und die Charaktere sind eindimensional und ohne Überraschungen. Gegen Ende kann man’s kaum noch aushalten. 4. (Andere Meinungen fallen durchmischt aus.)

Nele Neuhaus. Schneewittchen muss sterben:
Taunus. Ein Skelett auf einem stillgelegten Flughafen, eine Frau, die von einer Brücke gestoßen wird. Ein Fall, der in die Vergangenheit führt. Gutes Provinz-Setting, aber schlecht geschrieben: Die Autorin gibt dem Leser ständig vor, was er zu denken hat, hantiert mit Adjektiven, die keinen Raum für eigene Interpretationen lassen. Das nervt. 4. (Andere finden das Buch spannend und voller Wendungen.)

Leider kann ich Ihnen heute also nichts empfehlen. Aber ich kann Sie immerhin warnen. Ist ja auch was.

Gelesen: Freundschaft, Liebe und viel Tod

19. 09. 2010  •  11 Kommentare

Seit meinem letzten Lektüreüberlick sind fast zwei Monate vergangen. Hier neue Tipps und Warnungen für und vor Büchern.

Jussi Adler Olsen. Erbarmen:

Eine Nachwuchspolitikerin verschwindet. Kommissar rollt fünf Jahre später den Fall wieder auf. Minus: Erfolgreiche Frau mit behindertem Bruder – sehr stereotyp. Plus: Guter Plot. Wendepunkte zur richtigen Zeit. Sympathisches Ermittlerduo, freue mich auf mehr. Gesamtnote: 2.

Harry Cauley. Bridie und Finn – Die Geschichte einer Freundschaft:

Finn, ein Einzelgänger, freundet sich mit Bridie an, die neu in die Klasse kommt. Das Leben zu Zweit beginnt. Minus: Manchmal etwas rührseelig. Plus: Liebevoll erzählte Geschichte, kein typisches Ende. Gesamtnote: 2.

Volker Kutscher. Der stumme Tod:

Berlin in den 30er Jahren. Filmsternchen kommen reihenweise zu Tode. Minus: Story ohne Raffinessen. Plus: der kühle Erzählstil. Gesamtnote: 3-.

Rolf Lappert. Nach Hause schwimmen:

Waisenjunge muss mit dem Unbill des Lebens, seiner Körpergröße und dem Tod klarkommen. Minus: Die Rahmenhandlung. Schicksalsschläge in Serie. Plus: Konsistente Story. Ein Protagonist mit Herz. Stimmungsvolle Erzählung. Gutes Setting. Gesamtnote: 2+.

Cody McFadyen. Das Böse in uns:

Jemand tötet Frauen und pflanzt ihnen ein Kreuz unter die Haut. FBI Agentin Smoky Barrett ermittelt. Minus: Typischer Serienmörderkram. Plus: Nichts. Gesamtnote: 4.

Andromeda Romano-Lax. Der Bogen des Cellisten:

Die Lebensgeschichte des Cellisten Feliu Delargo in Anlehnung an das Leben Pablo Casals. Minus: Längen im zweiten Teil. Plus: Ein opulentes Erzählstück. Einblicke in die spanische Geschichte. Gesamtnote: 2+.

Jan-Philipp Sendker. Das Herzenhören:

Ein Buch über Liebe: Tochter bekommt die Geschichte ihres Vaters erzählt, der in Birma aufwuchs, früh an Grauem Star erkrankte und sich das Leben mithilfe des Mädchens Mi Mi eroberte. Minus: Längen im Mittelteil. Plus: Einblick in ein unbekanntes Land. Gesamtnote: 2.

Markus Zusak. Der Joker:

Ed findet Spielkarten mit Botschaften in seinem Briefkasten. Er handelt – und verändert Leben. Minus: Man merkt halt, dass es ein Jugendbuch ist. Die Sprache ist einfach, der Plot hat nur eine Ebene. Plus: Das Rätsel wird tatsächlich erst am Ende gelöst. Gesamtnote: 2-.

Gelesen: Freundschaft, Einsamkeit und ein langer Marsch

7. 07. 2010  •  Keine Kommentare
Dave Eggers. Weit gegangen.
Valentino Achak Deng ist ein kleiner Junge im Sudan. Als sein Dorf Marial Bai von Murahilin-Kriegern überfallen wird, flieht er. Er geht viele hundert Kilometer zu Fuß bis nach Äthiopien, lebt dort einige Jahre in einem Flüchtlingslager, wird auch dort vertrieben, geht zu Fuß nach Kenia, lebt dort zehn Jahre in einem weiteren Lager – und landet schließlich in den USA, wo er nie richtig ankommt.

Das Leid, das er auf seinem Weg erlebt, beschreibt Autor Dave Eggers auf 770 Seiten – und es ist unfassbar. Valentino ist sechs oder sieben, als er sieht, wie seine Nachbarn erschossen werden oder in ihren Häusern verbrennen. Er lebt Tage und Wochen ohne mehr als zwei Handvoll Wasser und ein paar Wurzeln. Er erlebt, wie seine Freunde sich unter einen Baum setzen und sterben, vor Hunger und Erschöpfung, von einem Moment auf den anderen – weil sie es so wollen, weil sie nicht mehr können.

Das Buch hilft, den Konflikt im Sudan zu verstehen. Es hilft, die Kultur zu verstehen. Und es hilft, das Denken eines Menschen zu verstehen, der über Jahre nichts anderes erlebt hat als Gewalt, Hunger, Angst und die Sehnsucht nach einer Familie.

Jeffrey Eugenides. The Virgin Suicides.
Deutsch: Die Selbstmord-Schwestern. Die Lisbons haben fünf Töchter: Lux, Mary, Bonnie, Therese und Cecilia. Letzte schneidet sich erst in der Badewanne die Pulsadern auf und stürzt sich Wochen später aus dem Fenster.

Die verbliebenen Mädels pubertieren unter der Beobachtung der Nachbarschaftsjungen gewaltig – bleiben für sie aber fern und unergründlich. Die Wir-Erzähler beschreiben die Mädchen das ganze Buch über praktisch von der anderen Straßenseite aus, bleiben auf Distanz und liefern letztendlich keine Begründung dessen, was in der Pseudoidylle der amerikanischen Vorstadt in dem nun kommenden Jahr geschieht.

Das Buch ist hoch gelobt – meinen Geschmack trifft es jedoch nicht. Die beobachtende Distanz, die zweifelsohne gewollt und das entscheidende Stilmittel der Geschichte ist, liegt mir einfach nicht. Ich kam das ganze Buch über nicht in die Geschichte rein und fand weder einen Zugang zur Handlung noch zu den Charakteren.

Khaleid Hosseini. Tausend strahlende Sonnen.
Mariam lebt in Kabul. Ihre Familie stirbt bei einem Bombenanschlag auf ihr Haus. Sie wird dem Schuhmacher Raschid zur Frau gegeben und lebt fortan mit seiner Erstfrau Laila in einem Haushalt.

Wie schon im „Drachenläufer“ verknüpft Khaled Hosseini die Geschichte seiner Protagonisten mit den Geschehnissen in Afghanistan, verwebt die Vergangenheit und Politik des Landes mit den Schicksalen. Das mutet zunächst etwas pathetisch an, ist es aber nicht. Das Buch lässt sich ebenso wie der Vorgänger gut lesen.

Eshkol Nevo. Wir haben noch das ganze Leben
WM-Finale 1998. Frankreich – Brasilien. Churchill, Juval, Amichai und Ofir, alle um die dreißig und Freunde seit Jugendtagen, gucken Fußball und beschließen, bei der nächsten WM Bilanz über ihr leben zu ziehen. Dazu schreiben sie jeweils drei Erwartungen an das Leben auf einen Zettel.

Juval erzählt die Geschehnisse der folgenden vier Jahre aus der Ich-Perspektive. Liebe, Tod, Lebensfreude und Melancholie begleiten die vier Männer. Am Ende werden alle Erwartungen erfüllt – nur anders, als sie gemeint waren.

Ein toller Roman, dessen Erzähler sich am Ende selbst entlarvt.

Hauke Trinks. Leben im Eis.
Untertitel: Tagebuch einer Forschungsreise in die Polarnacht. Hauke Trinks ist Extremforscher, Abenteurer und Einhandsegler. Er ist außerdem Physikprofessor an der Uni Hamburg-Harburg und bricht auf eine einjährige Fahrt ins Norspolarmeer auf, um dort zu erforschen, wie vor vielen Millionen Jahren Leben im Eis entstand.

Trinks beschreibt die einsame Fahrt von Hamburg nach Spitzbergen und seine Zeit im Eis, in der ihn nur zwei Hunde begleiteten. Seine Tage sind gekennzeichnet von Robbenjagd, kargen Mahlzeiten, seinen Bemühungen, sich der vielen Eisbären zu erwehren – und natürlich seinen Forschungen.

Das Buch ist nicht unbedingt eine literarische Erfüllung, aber trotzdem spannend. Ich kann nach dem Lesen jedenfalls sagen, dass ich dort oben wahrscheinlich jämmerlich erfroren und verhungert wäre.

Ab sofort erzähle ich besser einzeln von den Büchern, die ich gelesen habe. Dann ist es nicht immer so viel auf einmal. Aktuell: Harry Cauley – Bridie und Finn: Die Geschichte einer Freundschaft.

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