Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ich komposte jetzt alles weg

8. 5. 2020 9 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Projektarbeit | Diese Zeit bringt es mit sich, dass Raum für häusliche Aktivitäten bleibt. Weder privat noch geschäftlich bewege ich mich viel außer Haus; das Heim wird Zentrum des Seins.

Nachdem ich im Februar schon ein Update der Terrassen- und Balkontür vorgenommen hatte – die KfW hat die Fördersumme nach Upload der Rechnung im Zuschussportal übrigens anstandslos überwiesen; so ein einfaches Antrags- und Auszahlungsverfahren habe ich noch nie erlebt. -, nachdem die Türen also neue Beschläge haben, nachdem vor den Teichbecken im Garten nun ein kleines Beet ist, war der Kompost dran.

Im Garten hatte ich bislang einen traditionellen Kompost: vier Drahtgitter, zusammengesteckt – dort schmiss ich Grasschnitt, Blumenschnitt und Gemüsereste rein.

Kompost mit Erde, Hölzchen, Blumen, Zwiebelresten

Das kompostierte sehr ordentlich. Allerdings erforderte das Entnehmen der Komposterde beschwerliche Graben, umschichten ging auch kaum, und nachdem die Gitter sich nicht mehr gut ineinanderstecken ließen, brauchte es eine neue Lösung.

Ich recherchierte, verglich, analysierte die Marktsituation und landete beim Trommelkomposter. Der Trommelkomposter ist eine Trommel (ach was!), die auf einem Gestell hängt. Man kann sie drehen und mit der Schubkarre drunterfahren, kann die Erde rückenfreundlich nehmen, und Mäuse oder Ratten haben keinen Ort, um sich zu wärmen oder sich ein Heim zu suchen. Der Komposter ist schwarz. Er hat einen Thermoeffekt und soll, Produktwerbung, alles, was nicht von selbst wieder rausspringt, in sechs Wochen wegkomposten. Nun denn.

Ich bestellte das Dingen. Vatta und ich bauten es auf.

Obwohl der Komposter aus einer überschaubaren Anzahl an Teilen besteht, führte der Zusammenbau zu gewissen Spannungen zwischen mir, Vatta und dem Gerät. Denn sowohl Vatta als auch ich sind bei derlei Angelegenheiten auf Loriot’sche Weise ungeduldig, gleichzeitig perfektionistisch (Vatta), passtschon (ich) und störrisch (Komposter).

Wir verfügen über technisches Verständnis, daran mangelte es nicht. Die Schwierigkeiten entstanden aus der Tatsache heraus, dass es sich um einen angloamerikanischen Komposter handelt, dessen Aufbau Gerätschaften in Maßstäben erforderte, wie wir nicht im Sortiment hatten: 11er- und 13-er Schlüssel, 3er-Metallbohrer. Gleichzeitig fehlte es der Anleitung an Ikea’schem Pfiff; sie war zudem nur auf Englisch, Spanisch und Französisch formuliert. Ich übersetzte Vatta also, was ich verstand, wir schauten uns ein Erklärvideo auf Youtube an, einer von uns suchte ständig seine Lesebrille, die andere Werkzeuge, die sie gerade noch in der Hand hatte.

Wir fluchten uns selbst und den Komposter an, hantierten in Ermangelung zweier 13er-Schlüssel mit zwei Rohrzangen, die Stimmung war bedrohlich unausgeglichen, nix drehte sich, es floss Blut, wir vergaßen die Unterlegscheiben, nach fest kommt ab. Die Nachbarn beobachteten das Schauspiel derweil über den Gartenzaun. Sie sitzen eher selten auf ihrer selbstgebauten Terrasse. An diesem Nachmittag verweilten sie hingegen sehr ausdauernd dort, holten sogar nochmal Getränke nach.

Am Ende wurde alles gut. Da ist er nun, der Trommelkomposter:

Trommelkomposter neben Gartenhäuschen

Das Fassungsvermögen beträgt 300 Liter. So sieht er von innen aus:

Aufgeklappter Deckel, Grasschnitt vor schwarzen Hintergrund

Festmahl | In den Tiefen des alten Kompost befanden sich fünf Schubkarren beste, feinste Erde, die Vatta siebte und im Garten verteilte – gemeinsam mit Kleingetier, das sich in solch einer Komposterde befindet.

Die Amseln gingen steil. Für sie war Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Sie drehten völlig durch. Wie im Rausch pickten sie Asseln, Larven und Würmer weg und saßen danach überfressen rülpsend im Buschwerk.

Erdbeerpflanzen an Komposterde

Corona-Service | Frau Mutti näht hübsche Masken und verkauft sie.Westfleisch in Coesfeld zählt 129 Covid-19-Erkrankungen unter Mitarbeitenden. Ein Schlachtbetrieb in Pforzheim hat 270 Erkrankte. Beide Organisationen lassen ihren Betrieb weiterlaufen. Der Kreis Coesfeld sieht Westfleisch als „systemrelevant“ an. Ich persönlich würde statt „systemrelevant“ eher die Worte „Kapitalismus“, „Klüngel“ und „Lobbyismus“ verwenden. Aber was weiß ich schon. | Masken wie Unterhosen tragen | Egal, ob sie „Abwrackprämie“ oder „Corona-Prämie“ heißt: Sie ist Mist, auch wirtschaftlich. | Schule wie, wann, in welchem Rhythmus: Was sagt eigentlich ein Expterte dazu – ein Kind?

Kommentare

9 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Alexandra sagt:

    Danke! Großartig!

  2. Pippilotta sagt:

    Sieht beeindruckend aus! Aber wie komen die Kleinstlebewesen und Kompostwürmer, die es zum Kompostieren braucht, nun in die Trommel? Regenwurmtreppe?

    1. Pippilotta sagt:

      Ups:… kommen…

    2. Vanessa sagt:

      Ich habe einen Eimer Komposterde aus dem alten Kompost untergemischt. Dort sollte genug Getier drin sein.

  3. Frau Irgendwas ist immer sagt:

    Ich sehe die Amseln live vor mir, herrlich!
    Und der Komposter weckt gerade Gelüste …
    Grüße aus dem feiertagsbedingt ruhigen Berlin!

  4. jpr sagt:

    Grossartige Aufbaustory, danke fuer das nachtraqegliche Teilhaben lassen. Der Kompostmixer schaut auch so aus, als waere er den Aufwand wert gewesen und koennte – falls Sie doch noch einmal Anbauten planen – durchaus auch als Betonmixer doppeln, gute Zukunftsplanung also.
    Nur beim Werkzeug bin ich ueberrascht. Ich dachte Produkte dieser Machweise zeichnen sich immer noch durch zoellige Schrauben und den regen Gebrauch von Bruchteilen aus. 6 3/8″ als Angabe ist dann ja etwas, wo man als metrisch verwoehnter Mensch erst einmal doof schaut.

    1. Vanessa sagt:

      Betonmixer kommt in Frage. Und auch, wenn die Partnerschaft mal nicht so glücklich verläuft und man mal etwas Größeres komposten will.

    2. jpr sagt:

      Gut geplant ist halb gewonnen, Sie denken das richtig (Ich denke zumindest spontan an Loriot, aber Advent ist ja noch eine Weile hin)

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