Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Mittwoch, 5. September

Schreibknast.

Nach etlichen Tagen Durststrecke, des gezwungenen Satzsuchens und der ausgeprägten Unlust flossen heute wieder lockere Seiten in den Rechner. Manchmal muss sich das anstauen. Manchmal braucht’s eine Ortsveränderung.

MacBook auf Esstusch mit Kram drumherum

Ob es gut ist – keine Ahnung. Mir fehlt ein Gefühl für das, was ich da erzähltippe.

Aber immerhin habe ich nach einem kleinen Zeitsprung in der Handlung einen Anfang gefunden, wie es weitergeht – und eine Szene, von der aus ich fortfahre.

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Mein Parship-Text ist in der DONNA. Die Redaktion dort hat ihn leicht redigiert. Also nicht wundern, wenn Sie ihn lesen und ihn etwas anders in Erinnerung haben.

Donna: Cover

Donna: Doppelseite mit Geschichte

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Gelesen: Melanie Trump: Die stille Radikale. Wie die Frau des US-Präsidenten ihren Mann immer öfter brüskiert – und wie sie ihm gleichtut, wenn sie die Öffentlichkeit zu täuschen versucht.

Gelesen: So muss dat sein [€]. Portrait einer Auszubildenden im Einzelhandel.

Montag, 3. September

Fleiß- und Schreibknast. Buchhaltung, Umsatzsteuer, Blogeinträge für den Jobblog vorbereitet. Ich habe den Septembernewsletter begonnen, weil mir ein Thema vor die Füße fiel.

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Ich darf dieser Tage Geburtstagsgeschenke kaufen und Himmelherrgott – Schenken macht so grandios viel Spaß. Es ist viel besser, als selbst Geburtstag zu haben.

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Die Dortmunder Freibadsaison endet am 16. September. Dann schließt mein Stammfreibad. Ich habe mich deshalb online auf die Suche gemacht, wo ich danach schwimmen gehen kann, Sportschwimmen auf abgetrennten Bahnen. Es ist unmöglich, das herauszufinden. Das Online-Angebot der Stadt ist für die Tonne.

Mir ist bekannt: Es gibt in Dortmund das Südbad, das präferierte Bad für Sportschwimmer mit 50-Meter-Bahnen. Für das Südbad gibt es einen komplizierten Belegungsplan, der sagt, wann wie viele Bahnen von wem belegt sind. Wenn man den genau studiert, kann man theoretisch daraus schließen, wann dort öffentliches Schwimmen möglich ist. Aber heißt eine Drei-Bahnen-Belegung durch das Leistungszentrum, dass weitere drei Schwimmerbahnen für die Öffentlichkeit frei sind? Oder gibt es keine drei weiteren, abgetrennten Bahnen, und ich muss um umhertreibende Rentner herumschwimmen? Außerdem sind ständig Veranstaltungen, Schwimmwettbewerbe und Was-weiß-ich, an denen der Belegungsplan dann wiederum nicht gilt, weil die Veranstaltung den Belegungsplan obsolet macht.

Neben dem Südbad gibt es weitere Hallenbäder. Informationen zu diesen Hallenbädern finde ich unter sportwelt-dortmund.de. Allerdings sind dort bei Weitem nicht alle Bäder aufgeführt. Einige Bäder finde ich nur auf der Stadtseite dortmund.de, allerdings wiederum nicht alle, weil … keine Ahnung! Weil sie von einem Verein betrieben werden? Informationen zum Hallenbad im Stadtteil Aplerbeck finde ich zum Beispiel nur auf der Website der SG Süd. Es ist zudem unmöglich herausfinden, in welchem der versprengten Bäder 25- oder 50-Meter Bahnen vorhanden sind und ob überhaupt Bahnen abgetrennt sind, um sinnvoll zu schwimmen.

Das ist alles hanebüchen und eine kommunikatorische Katastrophe. Warum gibt es keine Datenbank über alle Dortmunder Bäder? Ich möchte bitte einsehen, wann ich als Dortmunderin wo schwimmen gehen kann: Wo muss ich hinfahren, wenn ich am Donnerstagabend schwimmen möchte? Oder am Samstag? An welchen Tagen, zu welchen Uhrzeiten kann ich in meinen umliegen Stadtteilen schwimmen?

Herrje.

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Gelesen: Weniger Aluminium, mehr Plastik – hanuta in neuer Aufmachung. Und: Bahlsen erhält ein neues Unternehmenslogo. Keksnachrichten holen mich emotional ab, selbst wenn es nur um die Verpackung geht.

Gelesen: Männer in Ostdeutschland. Ich habe keine Meinung zu Männern in Ostdeutschland. Ich habe auch keine Meinung zu Männern in Westdeutschland. Ich gebe die Beobachtung der Autorin nur so weiter.

Gelesen: „80% der Menschen interessieren sich einen Scheiß für irgendwas und machen alles mit“, Interview mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer. Das Interview hangelt sich an gesellschaftlichen Veränderungen und dem Klimawandel entlang. Die beschriebenen Mechanismen greifen aber auch im restlichen Leben, privat wie beruflich.

Die Vorstellung zu haben, dass, wenn man bestimmte Fakten präsentiert, daraus das erwünschte Handeln resultiert, ist eine irreale Vorstellung. So funktioniert das Leben nicht.

Das erlebe ich auch in Unternehmen: Das Management präsentiert Fakten – zur Marktlage, zu den Kunden, zu Verkaufszahlen – und denkt, nun sei der Belegschaft klar, warum Veränderung nötig ist, und alle tragen sie mit. Genau so funktioniert es nicht. Ich habe dazu mal geschrieben: Veränderung ist nicht logisch. 

Ist übrigens auch im Privatleben so. Menschen steigen auf die Waage, betrachten die Fakten, steigen seufzend wieder hinunter und essen weiter Chips.

Alles, was wir zunächst brauchen, ist eine Vorstellung davon, in welche Richtung wir sie verändern wollen.

Total wichtig: eine Vision. Keine, deretwegen man zum Arzt geht. Sondern eine, die real und in die Zukunft gerichtet ist. Ich kann das Alte nur loslassen, wenn ich eine Perspektive habe, wohin es gehen soll.

Und dann: konkreten Fragen formulieren und gemeinsam Ideen entwickeln. Positive Bilder schaffen. Am Beispiel Klimawandel:

Können wir uns eine Stadt ohne Autos vorstellen? Mit einer besseren und lebenswerten Infrastruktur?

Und dann: anfangen. Ausprobieren. Gucken, wie es sich anfühlt. Wieder verwerfen. Lernen. Verbessern. Es gut werden lassen. Nur, wenn ich handle, kann ich Erfahrungen auch unmittelbar erleben – und nicht nur die Theorie.

Das sind Praxisformen, bei denen Menschen erleben, dass eine andere Welt nicht nur möglich, sondern auch gut und machbar ist. Das können sie predigen, predigen, predigen, und es interessiert kein Schwein. Wir sind völlig übertheoretisiert.

Wenn ich als Beraterin in Unternehmen bin, ist mein Ziel immer: schnell in die Umsetzung kommen. Machen. Auch unter der Prämisse zu scheitern. Irgendwas lernt man immer, nimmt man mit in den neuen Versuch – meist sogar sehr viel. Der zweite Anlauf baut auf den ersten auf. Dann kommt meistens Dynamik rein, und die Sache wird mehr und mehr zum Selbstläufer. Die Menschen entwickeln Mut, spüren, dass sie etwas bewirken können, setzen sich auseinander, streiten sich, raufen sich wieder zusammen, bringen etwas voran, entwickeln eine gemeinsame Haltung.

Wie unterstütze ich meinen Chef und meine Chefin? – Christian und ich unterhalten uns.

Neue Folge von Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch. – mit einem Thema für Teammitglieder, Chefs und Chefinnen: Wie unterstütze ich meinen (neuen) Chef oder meine Chefin in seiner/ihrer Rolle?

Das Thema kommt von unserer Zuhörerin denkenfetzt. Sie hat uns konkrete Fragen mitgegeben:

  • Wie kann ich als Teammitglied meinem Chef/meiner Chefin helfen, in seiner/ihrer Rolle zu wachsen?
  • Ist das überhaupt mein Job?
  • Wie „pushy“ darf ich sein? Wann bin ich übergriffig?
  • Wie kommuniziere ich fehlende Kommunikation?

Ich habe diese Fragen an sieben Führungskräfte und auch Teammitglieder aus verschiedenen Branchen weitergegeben. Im Podcast diskutieren wir die Rückmeldungen und ordnen sie ein. Viel Spaß beim Zuhören!

Zum Weiterlesen:

Die Folge gibt’s wie bei Podigee und bei Soundcloud – und als mp3 zum Download. Außerdem könnt Ihr den Podcast bei iTunes abonnieren.

Sonntag, 2. September

Am Samstag: Ausflug in den Westfalenpark. Sommerfest des Dortmund Ladies‘ Circle, des Round Table, des Old Table und des Distrikts, außerdem Gründung des Tangent Club Dortmund. Das sind alles Serviceorganisationen, die sich für wohltätige Zwecke einsetzen: Frauen und Männer, jeweils in verschiedenen Altersklassen (erst ist man rund, dann ist man alt).

Florianturm, Gondelbahn, blauer Himmel

Wir haben beisammen gesessen, außerdem gab’s eine Bahnfahrt durch den Park (oben im Bild: Gondelbahn – die gibt’s dort auch). Wir haben das Kindermuseum mondo mio! besucht, das der Tangent Club mit Aktionen unterstützt. Ein ziemlich tolles Museum, in dem man alles anfassen und ausprobieren kann, auch wenn man schon erwachsen ist.

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Hansemann Beimer ist gestorben. Ich habe die Folge noch nicht gesehen wegen Kalendergirl-Training, anschließendem Duschen und Kochen und überhaupt – und werde sie morgen zelebrieren.

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Wer schonmal in unsere neue Podcastfolge reinhören und das Thema „Wie unterstütze ich mit meinen Chef/meine Chefin (mit Fingerspitzengefühl)?“  erkunden möchte, bevor morgen der offizielle Beitrag kommt: voilà.

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Der Sohn der Handballkollegin (3) trägt aktuell am liebsten rote Flamenco-Schuhe mit Absatz. Er hat uns darin zugewunken, als ich sie abholte. Ich habe ihm erstmal ausrichten lassen, dass ich die Schuhe sehr hübsch finde und sie ihm toll stehen (tun sie wirklich). Unpassende Kommentare kriegt er bestimmt genug.

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Gesehen: Die Mitte der Welt. Phil ist 17, kommt aus dem Feriencamp wieder. Ein Sturm ist über den Ort hinweggezogen, und irgendwas ist mit seiner Mutter und seiner Schwester passiert. Dann verliebt er sich in Nicholas. Schöne Bilder, toll gespielt. Ich habe mich wieder erinnert, wie schlimm die Pubertät war. Noch bis Mittwoch in der arte-Mediathek.

Gelesen: Er hat eine Frau ermordet und keinem davon erzählt [€]. 25 Jahre später gesteht er den Mord bei einer Verkehrskontrolle. Die Annäherung an eine Persönlichkeit.

Angeguckt: Insekten ganz nah. Spooky.

Freitag, 31. August

Heute wieder: professionelles Kaffeetrinken. Christian und ich habe eine neue Folge von Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch aufgenommen. Das Thema kam von unserer Zuhörerin denkenfetzt: Wie unterstütze ich meinen (neuen) Chef  oder meine (neue) Chefin in seiner/ihrer Rolle – vor allem, ohne übergriffig zu sein? Wie helfe ich ihm/ihr in den Sattel – und ist das überhaupt mein Job?

Ich habe vorher sieben Führungskräfte und Teammitglieder gefragt. Die Ergebnisse haben Christian und ich diskutiert.

Weil ich eine Rückmeldung per Sprachnachricht bekommen habe, habe ich sie als Audio reingeschnitten – beziehungsweise eine Frage daraus. Sollten wir öfters machen. Also, wenn Ihr wollt: Wortbeiträge, Kritik, Fragen, Statements gerne auch per Audio (Mailadresse).

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Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit C. Er ist regelmäßiger Bioladeneinkäufer ist. Wir sprachen über Biosupermärkte und deren Kassenbereich. Er schenkte mir das Satzfragment: „die Quengelware für den antroposophischen Oberstudienrat.“

Seither suche ich vergebens nach einer Gelegenheit, die Worte anderweitig unterzubringen.

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Gelesen: Anke Gröner hat Post von einer Leserin bekommen. Beatrix wohnt in Lößnitz, Sachsen, wurde in den 1970ern geboren und ist in der DDR aufgewachsen. Sie reflektiert die DDR-Vergangenheit und das demokratische Selbstverständnis in ihrer Heimat vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Chemnitz.

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Gute Nachricht der Woche: Christian (ein anderer Christian als oben, quasi Christian I.) ist den Älteren unter uns bekannt als Jawl. Nun bloggt er wieder regelmäßig. Juchhee!

Mittwoch, 29. August

Viele Ideen. Gutes Gespräch gehabt und danach noch mehr Ideen. Erfahrungen erzählt bekommen und noch weitere Ideen. Ich muss das alles mal ordnen.

Parallel dazu habe ich meinen August-Newsletter rausgeschickt. Wie immer, wenn die aktuelle Post rausgeht, geht auch der Text des Vormonats online: Der ideale Arbeitsplatz ist ein Manchmal-Großraum – über eine Studie zur Kommunikation in Großraumbüros, über Arbeitsplatzgestaltung und warum Menschen manchmal gut kommunizieren, auch wenn sie weniger reden.

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Entertainment: Im Juli gabs die wunderbare Lesung Porsche, Pölen, Pott, deren Teil ich sein durfte. Mitleser Hansbahnhof hat ein Audio online gestellt: seine Geschichte „Das F-Modell, die Frau, Ferdi und die Fahrt zum Rand der Verzweiflung“, in der er erzählt, wie er seine Frau, sein Kind und einen Haufen Gepäck in einen Porsche Oldtimer verfrachtet und nach England fährt. Spoiler: Es passieren Dinge. Viel Spaß beim Zuhören!

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Immer noch Reste von Todesschnupfen. Husten, Mattheit, nasale Erotikstimme. Es handelt sich bei den Krankheitserregern nachgewiesenermaßen um Keime aus Berlin, die per ICE ins Ruhrgebiet gelangten. Ich prangere das an.

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Chemnitz macht mich sprachlos. Die Nazis dort machen mich sprachlos. Die Menschen, die den Nazis zujubeln, machen mich sprachlos. Die Menschen, die den Nazis und denen, die ihnen zujubeln, schweigend zuschauen, machen mich sprachlos.

Noch sprachloser als all dieses Pack macht mich allerdings eine sächsische Innenpolitik und eine sächsische Polizei, die den Rechten seit Jahren tatenlos zusieht, die auffällig Nazi-freundlich agiertdie Journalisten öffentlich-rechtlicher Sender festhält, deren Beschäftigte an rechten Demos teilnehmen und die eine durch und durch zweifelhafte Haltung hat.

Was zur Hölle muss noch passieren? Diese ganze braune Mischpoke gehört – Achtung, Wortspiel – auf links gekrempelt und aufgeräumt. Dabei ist es mir egal, ob sie hellbraun, mittelbraun oder dunkelbraun ist. Haben wir eigentlich schon einen ARD-Brennpunkt zu dem Thema gesehen – mit Live-Schalte zur Pressekonferenz, in der unser aller Heimatminister gegrillt wird? Und in der die Bundesregierung Konsequenzen und konkrete Maßnahmen ankündigt, um das Nazi-Netzwerk und seine Unterstützer aufzudecken und zu verfolgen?

War eine rhethorische Frage.

Montag, 27. August

Das Wochenende war geprägt von zwei Dingen: einem Ausflug in den Taunus und Todesschnupfen.

Zunächst zum Ausflug: Der ging nach Idstein, genauer gesagt nach Hünfelden, zum Kloster Gnadenthal. Allerdings zu einem ganz und gar unreligiösen Thema: Design Thinking. Wobei Design Thinking für manche Leute bestimmt auch eine Religion ist, genauso wie Scrum. Auf mich trifft das aber nicht zu.

Design Thinking ist ein methodischer Ansatz zum Lösen von Problemen. Außerdem hilft es beim Entwickeln neuer Ideen, Produkte, Dienstleistungen oder Abläufe. Das Besondere am Design Thinking ist, dass es sehr nutzerzentriert ist, also stark vom Kunden ausgeht – beziehungsweise von demjenigen, für den das Produkt, die Dienstleistung oder der Prozess gemacht ist.

Die Hälfte der Design-Thinking-Phasen besteht deshalb daraus, erstmal das Problem zu verstehen – beziehungsweise zu verstehen, was aus Sicht des Nutzers besser sein könnte. Das klingt trivial, wenn man allerdings genauer hinsieht, ist es in Unternehmen oft so, dass es schon eine Lösung gibt, bevor überhaupt klar ist, was genau – also wirklich: ganz genau – die Herausforderung ist. Mit der Folge, dass die Lösung dann doch nicht passt und irgendwie passend gemacht werden muss, was einen Haufen Geld und Nerven kostet.

Design-Thinking-Workshop: Stellwände mit Schemata

Ein weiteres Charakteristikum des Design Thinking ist, dass man, wenn die Herausforderung dann klar ist, sehr offen Ideen sammelt und relativ schnell einen Prototypen erstellt. Der Prototyp ist nicht perfekt, sondern man lernt mit ihm. Ich werde dazu auf meiner beruflichen Website noch einen Beitrag schreiben.

Das Seminar hat die Innovationstrainerin Andrea Schmitt angeboten. Andrea hat mich während meiner Gründung gecoacht. Sie war eine von drei Coaches im start2grow-Gründungswettbewerb, hat meinen Businessplan bewertet und mir Tipps gegeben. Sie war die einzige der Dreien, die mein Vorhaben sinnvoll fand und mir Mut zusprach. Die beiden männlichen Coaches hielten mein Vorhaben für nicht erfolgversprechend.

Ich habe in Idstein übernachtet, das liegt ein paar Kilometer südlich. Idstein ist ausgesprochen schnuffig – mit Fachwerkhäusern und kleinen Läden und wahrscheinlich so, wie sich japanische Touristen Deutschland vorstellen.

Idstein

Ich hatte ein Hotel in einer schmalen Gasse, gegenüber einer Pizzeria mit Draußensitz. Die anderen Hotelgäste haben sich wegen der Lautstärke beschwert. Ich fand die Geräusche sehr prima, denn ich kann hervorragend bei Geräuschteppichen einschlafen, die mich nicht betreffen – wie dem Gemurmel von Pizza essenden Menschen.

Die Gegend dort im Taunus ist sehr nett: Idstein, Limburg, Bad Camberg – da kann man ruhig mal ein Wochenende verbringen. Es gibt kleine Städtchen mit kleinen Läden, ein bisschen Kultur, eine Landschaft zum Wandern und Fahrradfahren oder auch nur zum Dasitzen und Weintrinken.

Idstein: Burg

Idstein: Schiefes, blaues Haus

Ich war allerdings recht angeschlagen. Auf dem Weg nach Idstein hatte mich ein fieser Männerschnupfen ergriffen, der am ersten Seminartag ausdrucksstarke Niesanfälle choreographierte. Am Abend war ich völlig im Eimer und schlief schon in den ersten zehn Minuten des Bundesligaauftaktspiels ein. Über den zweiten Tag rettete ich mich dann irgendwie, und als ich am Sonntagmorgen daheim aufwachte, lag ich röchelnd danieder, mit tränenden Augen und einem Kopf, groß wie das Idsteiner Rathaus.

Pünktlich zum BVB-Saisonstart war ich allerdings wieder fit, und das 4:1 gegen Leipzig hat so ausreichend zur Genesung beigetragen, dass ich mich heute schon viel besser fühle.

Mittwoch, 22. August

Schreibknast.
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Ich könnte Ihnen an dieser Stelle mehr erzählen, aber irgendwie ist das auch langweilig, ohne das Buch und die Geschichte zu kennen und ohne Leidenschaft für die Geschichte zu empfinden. Stellen Sie sich also einfach vor, wie ich am Esstisch sitze.

Ich sitze und schreibe und tippe und manchmal halte ich inne und denke nach. Dann höre ich auf zu tippen und schaue in die Luft, gehe im Zimmer umher, gehe in die Küche, öffne den Kühlschrank, gucke hinein, es ist noch alles da, sogar vom Apfelkuchen gibt es noch vier Stücke. Ich könnte eine Limonade trinken, aber es ist erst 14 Uhr. Limonaden sind etwas für ab 16 Uhr, eine Nachmittagsversüßung; die Stützlimo, die mich bis zum Abendessen trägt. Ich schließe den Kühlschrank also wieder, gehe zurück an den Platz, setze mich und seufze. Es ist ein feuilletonistisches Seufzen, der Seufzer muss schließlich zur Tätigkeit passen, muss Schaffensdrang ebenso wie Zerfahrenheit ausdrücken. Ich seufze also, lege die Hände auf die Tastatur, und wie sie so daliegen, fällt ihnen etwas ein, und ich schreibe weiter.

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Als Ablenkung vom Schreiben habe ich den Kopf gelüftet und den Landschaftspark Duisburg-Nord besucht. Dort gibt es maximale Ruhrgebietsromantik: rostigen Stahl vor Sonnenuntergang. Mehr geht hier nicht.

Landschaftspark Duisburg-Nord

#serviceblog für Auswärtige: Der Landschaftspark ist das stillgelegte Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Ein ziemlich großes Ding, das abends beleuchtet ist und das man besteigen kann. Von oben gibt’s ein Supersonderpanorama von Duisburg bis nach Essen.

LaPaDu: Treppe, durch die die Sonne untergeht

Es gab seinerzeit fünf Hochöfen, von denen die ersten beiden bereits 1968 und 1970 abgerissen wurden. Der Rest blieb bis Anfang der 80er Jahre in Betrieb. Das Ganze gehörte Thyssen. Insgesamt 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen wurden hier produziert.

Ruhrgebiet: Sonnenuntergang vor Schloten

An solchen Orten wird mir immer ganz krass klar, wie umfassend der Strukturwandel ist, der im Ruhrgebiet immer noch vonstatten geht.

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Frauen sind bei der Unterbringung ihrer Habseligkeiten im Nachteil: Messung der Gender Gap bei Hosentaschen. Kein Wunder, dass wir Handtaschen brauchen.

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Die ZEIT hat eine Themensammlung zum Müll gemacht. Ich habe noch nicht einmal ansatzweise alles durchgelesen, aber es sieht nach einem interessanten Dossier aus.

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Gelesen: „Ich wollte mir einfach keine Blöße geben“. Ford-Vizepräsidentin Birgit Behrendt im Interview mit dem Handelsblatt. Sie spricht übers Verhandeln, über weibliche Bescheidenheit, über Stellenbesetzungen und über die Rollenverteilung mit ihrem Ehemann.

Gelesen: Krieg der Gefühle – Daniel Erk über den Rollenzwiespalt vieler/einiger/mancher/einzelner/werweißdasschon Männer, wenn es um das Engagement für die Familie geht  – und um ihren Anspruch an sich selbst, als Ernährer und als Führungspersönlichkeit im Job.

Rumgeklickt: Wo die Berliner herkommen. Gemeint sind die Bewohner der Stadt, nicht das Gebäck. Die meisten Berliner kommen, anders als gefühlt, nicht aus Baden-Württemberg, sondern aus Berlin. Platz zwei: Brandenburg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Niedersachen. Es gibt auch ein Städteranking.

Gelesen: How the internet has changed dating. Darauf einen Gin Fizz.

Montag, 20. August

Ich habe einen Apfelkuchen gebacken. Mit Äpfeln aus dem Garten.

Apfelkuchen mit Streuseln und Vanillepuddingfüllung

Was da aus dem Kuchen raushängt, ist Vanillepudding (Rezept von Penne im Topf).

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Ich habe außerdem das Auto in der Inspektion gehabt. Große Inspektion, einmal mit allem. Wenn ich meine Möbel verpfändet habe, werde ich wieder Lebensmittel kaufen können.

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Jobgebloggt: Warum Menschen Leerlauf brauchen. Ein Plädoyer gegen die Verdichtung der Arbeit, für mehr Muße in Organisationen. Mit guten Begründungen, die mehr sind als Wellness.

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Am Wochenende habe ich seltame Dinge gesehen, zum Beispiel potemkinsche Gabionen.

Metallzaun mit Folie, die mit Steinen bedruckt ist

Gefangene Steine sind ja per se fragwürdig. Offenbar gibt es aber nun Gabionen-Attrappen-Folie, die man sich an den Metallzaun fummeln kann. Dann sieht es so aus, als hätte man Steine im Käfig. Hat man aber gar nicht. Verrückte Welt.

Das Foto entstand auf dem Weg zu einer Geburtstagsparty, eine Mottoparty. Motto war: Helden der Kindheit. Ein willkommener Anlass, um sich ein DeLorean-T-Shirt zu kaufen, finden Sie nicht auch?

Weißes T-Shirt mit einer systematischen Zeichnung eines DeLorean

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Gelesen: Was Frauen wirklich das Herz bricht – über Gendermedizin beziehungsweise den Umstand, dass Frauen bei Erkrankungen bisweilen andere Symptome zeigen als Männer. Die Medizin geht allerdings bei vielen Erkrankungen vom männlichen Normalfall aus.

Beispiel Herzinfarkt: Frauen unter 55 Jahren werden – wie Carolyn Thomas – sieben Mal öfter mitten in einem Herzinfarkt von Ärzten nach Hause geschickt als Männer. Selbst wenn sie gründlich untersucht werden, dauert es deutlich länger, bis sie endlich ein Elektrokardiogramm oder ähnliche Diagnostik bekommen. Darin liegt die Krux:Der Grund, warum wir weibliche Herzinfarktsymptome wie Übelkeit, Müdigkeit oder Schulterschmerzen als „atypisch“ bezeichnen, meint Dusenbery, liege eben daran, dass die Mediziner die „typischen“ Symptome am Prototyp Mann lernen. Bei Frauen tendieren Ärzte nachweislich eher dazu, psychologische Ursachen zu vermuten: Stress, Überlastung, Angst. „Beruhigen Sie sich mal wieder“, ist ein Satz, den Frauen häufiger hören.

Die Frau als solche neigt halt mehr zur Hysterie und soll sich nicht so anstellen. Auf Twitter erzählten Frauen passende Erlebnisse dazu, zum Beispiel Katja und Frau Frosch. Auch auf Twitter: Die Begründung, warum Frauen oft aus klinisches Studien ausgeschlossen werden.

GelesenDas Anti-Pattern der Kunden-Lieferanten-Beziehung. Kunde und Lieferant sehen sich in der Regel als getrennte Einheiten, obwohl sie an einer gemeinsamen Sache arbeiten.

Im Kern kennzeichnet dieses Muster eine Trennung zwischen dem Kunden, der etwas will und dem Lieferanten der es innerhalb der vereinbarten Parameter Aufwand, Zeit und Qualität liefern soll. Dieses Muster führt dazu, dass viel Energie in die Vereinbarung und Verhandlung und bei Problemen in die Suche nach dem Schuldigen fließt. Anstatt gemeinsam Verantwortung für die bestmöglichen nächsten Schritte in Richtung Produkterfolg zu übernehmen, zieht dieses Muster einen Graben zwischen dem Kunden, der bestimmt was gemacht werden soll und dem Lieferanten, der bestimmt wie und womit es umgesetzt wird.

Die fruchtbarsten Kundenbeziehungen sind für mich immer diejenigen, in denen ich gemeinsam mit dem Kunden etwas entwickle und in denen wir uns beide in der Verantwortung sehen, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Wir sprechen natürlich über Ziele und Kosten – allerdings sind wir beide offen dafür, dass die Dynamik, die aus der gemeinsamen Arbeit entsteht, Inhalte auch verändern kann. Meist sind die beiderseitigen Ansprüche hoch. Diese Art von Zusammenarbeit führt zu tollen Ergebnissen, ist von Respekt geprägt und macht sehr viel Freude.

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Weiterer Lektüretipp, schon mit buchartigem Charakter, also eher etwas für eine kurze bis mittellange Auszeit mit einer Tasse Kakao: Herr Buddenbohm und Sohn I im Urlaub.

In dieser Reihenfolge zu lesen, weil chronologisch.

Donnerstag, 16. August

Am 21. und 22. September bin ich auf dem Barcamp Dangast. Djure und Frank haben ein Trailerchen gemacht. Freue mich schon! Rückblick: So war’s 2017.

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Sven kommuniziert mit Ärzten und Handwerkern nun per Postkarte. E-Mails sind schließlich totales Neuland für diese Branchen und werden grundsätzlich nicht beantwortet. Keine dumme Idee also.

Es ist mir unbegreiflich, warum nicht jede Praxis eine Online-Terminvereinbarung hat. Allerdings: Selbst wenn sie eine Online-Terminvereinbarung hat, funktioniert sie nicht, zumindest bei meinen Ärzten. Link kaputt, Timeout, keine Mobilversion. Man muss sich ans Telefon hängen, es bimmelt ewig durch, keiner geht ran, man versucht es nochmal und nochmal, dann nimmt jemand ab, man wird aber direkt wieder abgelegt, weil erst ein Patient abgefertigt werden muss – „Da müssen Sie nochmal zur Kontrolle kommen, Herr Müller-Friedrichhagen, der Zucker war wieder bei 290. Morgen um neun? Dann machen wir auch gleich den Langzeit-Blutdruck fertig, Geburtsdatum vierzehnte Neunte Zweiundvierzig ist richtig, ja?“ Datenschutz an Praxistheken ist ein eigenes Thema – und dann ist man wieder dran und kann um einen Termin verhandeln.

„Guten Tag, ich hätte gerne einen Termin zur Kontrolle. Am besten kann ich …“
„Dienstag, 13:30 Uhr.“
„Tut mir leid, am Dienstag um 13:30 Uhr kann ich nicht. Nächste Woche geht’s …“
„Dann Mittwoch, 16 Uhr.“
„Tut mir leid, am Mittwoch …“
„Wann können Sie denn?!1!11“
„Es kommt auf meine Kundentermine an. Nächste Woche …“
„Ich kann Ihnen dann nur noch Mittwoch in zwei Wochen, 10 Uhr, anbieten.“

Online wäre es einfacher. Und freundlicher. Wir alle hätten mehr Spaß im Leben.

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Ich erwäge die Anmeldung eines zweiten Promotionsvorhabens. Publikationstermin für 2021 geplant:

Giese, V. (2021): Konferenzkekse und ihr Einfluss auf die Erfolgsquote von Geschäftsabschlüssen. Eine qualitative Vergleichsstudie unter Berücksichtigung der Lambertz-Mischung. Dortmund. Eigenverlag.

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1.500 Meter geschwommen. Die Schwimmerbahnen waren vom Vereinstraining belegt. Die eineinhalb Kilometer waren also Projekt Rentnerslalom. Im kurzen Schnack mit dem Trainer erhielt ich die Info: Im Trainingslager schwimmen die Jugendlichen 12 bis 14 Kilometer am Tag. Hahaha.

Mein Trainingskonzept mit den Kalendergirls läuft falsch. In den letzten beiden Trainingseinheiten habe ich genauso viel trainiert wie die Mädels. Das kann so nicht weitergehen.

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Herr Paul tagebuchbloggt wieder. Juchhu!

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GelesenSchubsen Pinguine ihre Artgenossen ins Wasser, um zu testen, ob dort ein Feind lauert? (ZEITplus, €). Anwort: Nein, sie helfen lediglich ihren Kameraden, die sich nicht trauen, eine Kopfsprung zu machen, sich ein Herz zu fassen.

Gelesen, warum eine Schulstunde ausgerechnet 45 Minuten dauert. Das Deutsche Historische Museum hat es aufgeschrieben.



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