Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Samstag, 11. August

Schreibknast, im Garten sitzend. Wie so eine Romanautorin. Zwischendurch Prokrastonation via putzen. Der Durchzug der vergangenen Tage hat gefühlt die halbe Straße durch meine Wohnung geweht. Saugroboter Johnny war kurz davor, einen Betriebsrat mit sich selbst als Vorsitzendem zu gründen.

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Alexander hat sich von meinen Erlebnissen in Bergamo inspirieren lassen und verbringt dort ein Wochenende. Fühle mich wie irgendwas zwischen Hipster-Influencer und Reiseverkehrskauffrau.

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Aus Juli Zehs „Unterleuten“. Ich mag es, wie sie den Figuren Charakter verleiht.

Eine halbe Seite aus "Unterleuten"

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Gestern wieder 2.000 Meter geschwommen, Sturmedition. Dabei vier im Wasser treibende Blätter, drei Äste und diverses Kleingekröse eingeatmet. In mir wird ein Baum wachsen. Sehr qualvoll, dieses Schwimmen, wenn ich kurz vorher nur drei Knäckebrote esse. Auf den ersten 1.000 Metern war das Knäcke noch nicht verfügbar, 800 Meter lang gab es mir Power, und auf den letzten 200 Metern war’s dann auch schon wieder vorbei. Mein Körper: ein schlichter Verbrennungsmotor.

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Gesehen: Kulenkampffs Schuhe – Filmmacherin Regina Schilling verwebt das Leben ihrer Kindheit und das ihres Vaters mit dem der Showmaster der Nachkriegszeit: Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Alexander, Hans Rosenthal. Eine beeindruckende Dokumentation über das Nachwirkungen des Krieges, das Totschweigen der Vergangenheit, die Gefühle in Nachkriegsfamilien und die Rolle des Fernsehens.

Gelesen„Sie leben in einer völlig anderen Welt“ – Der Elitenforscher Michael Hartmann darüber, was Eliten sind, wie viele Menschen in Deutschland zur Elite gehören und dass die Eliten sich von der normalen Bevölkerung entfernen.

P.S.: Die Installation steht noch.

Mittwoch, 8. August

Am Morgen um 6 Uhr bin ich von einem gewaltigen Donner erwacht: Gewitter! Ich hüpfte aus dem Bett, um den nicht wasserfesten Tisch auf der Terrasse ans Haus zu ziehen. Doch nach dem Donner war auch schon wieder Schluss. Es fielen acht Tropfen Regen in drei Reihen. Fertig.

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Ich habe den Start eines Projekts vorbereitet und dabei meine Erfahrungen mit gelungenen Aufttakttreffen aufgeschrieben, neudeutsch: Kick Off.

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Im Zuge der European Championships habe ich die Schwimmwettbewerbe im Fernsehen angeschaut und die Zeiten und Schwimmstile mit meinen Zeiten und meinem Schwimmstil verglichen. Fazit: Ich habe noch Luft nach oben.

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Skulptur in der Küche installiert. Ich nenne sie: Der gute Wille.

Kärcher Fensterreiniger, auseinandergebaut, an der Steckdose

Das Feuilleton schreibt:

„Der gute Wille“ kommt beiläufig daher: Er greift die Alltagssprache auf und spielt mit dem Duktus des Gewöhnlichen. Gleichzeitig ist seine Darbietung ästhetisch überzeugend: Das fröhliche Gelb signalisiert Tatkraft, während die zerstückelte Anordnung die Gebrochenheit eines Menschen im neuen Jahrtausend versinnbildlicht, zerrissen zwischen dem eigenen Anspruch und dem Wunsch nach Muße, zerrieben zwischen den Mühlen des Perfektionismus und der Erwartungshaltung einer Gesellschaft, die nur das Einwandfreie und Makellose kennt.

Die Leere des Wasserbehälters: ein Zeichen des inneren Vakuums, aber auch des Sichwidersetzens gegen einen mittels Automatisierung durchgetakteten Alltag.

Die Aggressivität des auf den Betrachter zeigenden Schlauches: ein Auch-Du-bist-Gemeint an einen ebenso fiktiven wie realen Addressaten; das Einbeziehen des Außenstehenden in ein Wir der gemeinsamen Verantwortung.

Das Daliegen des Wischers, wie ein Tiger auf dem Sprung: die Möglichkeit, jederzeit einzugreifen in den Zeitenrhythmus des Schmutzes und des Vergehens; gleichzeitig eine Ikone aktiver Tatenlosigkeit. Letzteres kann durchaus als politisches Zeichen verstanden werden, als  Aufbegehren gegen das Müssen, als Wunsch nach Natürlichkeit im artifiziellen Alltag der Großstadt.

„Der gute Wille“ ist noch mindestens bis zum Wochenende im Dortmunder Süden zu sehen. Eintritt gegen ein Spaghettieeis.

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Gelesen: Lydia ist blind und formuliert Wünsche an die Bedienung in Restaurants. (via Frau Kaltmamsell)

Dienstag, 7. August

Krieg am Vogelimbiss:

Vogelimbiss - Vogel sitzt auf Futterstation und hackt auf heranfliegenden Konkurrenten ein

Vogelimbiss - Vogel sitzt auf Futterstation und hackt auf heranfliegenden Konkurrenten ein

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Vorteile der Hitze:

  • kein Unkraut in den Balkonfugen
  • Ich muss nicht Rasen mähen.
  • keine Nacktschnecken
  • Wäsche trocknet noch während des Aufhängens.
  • optimale Hefeteig-Wohlfühltemperatur
  • Die Thorstis denken, sie seien in Südspanien.
  • Ich bin braun wie nie und sehe fantastisch aus.
  • Eis. Es gibt mehr Gründe denn je für Eis.
  • Und für Getränke mit Eiswürfeln. Suze zum Beispiel. Oder Gin.
  • Freibad
  • Es ist inzwischen so heiß, dass niemanden mehr interessiert, was man anhat. Hier fahren die Leute im Bikini durch die Straßen, es ist alles egal.

Was ich einzig nicht verstehe: Wie kann man als Gastronom noch Nulldrei ausschenken? Wenn mir der Kellner mit Nulldrei kommt, denke ich: „Wottsefak, ist das etwa Nulldrei? Was erlauben Wirt?!“ Bringt mir Krüge. Ach was, Eimer.

Ich werde erfinderisch mit dem, was ich trinke. Weil: immer nur Wasser – das macht mich nicht an. Also koche ich mir jeden Tag drei Kannen Tee, die ich kalt stelle: Kräuterzeug mit irgendwas mit Lemongrass, dazu frische Minze, Eiswürfel rein. Außerdem im Sortiment: Saftschorlen, Zitronenwasser, Wasser mit Holundersirup, Gurkenwasser (grenzwertig). Alkoholfreies Pils, immer gut, besonders am Abend. Wassermelone. Wenn das alles durch ist, wieder Tee.

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1.750 Meter geschwommen – mit dem Rosa Bänkchen als Schwimmbegleitung. Danach ein Calippo gekauft. Maximales Freibadfeeling. #twitterschwimmen

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Gelesen: What Do 90-Somethings Regret Most?

Am Ende sind es die Beziehungen zu anderen Menschen, die uns glücklich machen.

Put simply, when I asked one person, “Do you wish you accomplished more?” He responded, “No, I wished I loved more.”

Gelesen: Generation Angst – mit ihr haben wir nicht gerechnet! über die Millenials und ihre Erwartungen an die Arbeitswelt. Ich finde solche Befragungen nur semi-aufschlussreich. Denn es ist methodisch fragwürdig, hypothetische Erwartungen zu etwas abzufragen, das die Befragten nicht oder nur bedingt kennen. Wenn man mich fragte: „Wie würdest du gerne im All leben?“, hätte ich gerne einen Schwerelosspielplatz und einen coolen Ausguck. Wenn ich dann tatsächlich im All lebte, würde ich wahrscheinlich antworten: „Klo mit Spülung.“ Oder whatever. Was ich damit sagen will: Ich kann nur bedingt sagen, was ich brauche und was mir wichtig ist, wenn ich noch nicht in der Situation war, nach der ich gefragt werde.

Hätte man mich mit 22 Jahren gefragt, was meine Wünsche an die Arbeitswelt sind, wären mir andere Dinge wichtig gewesen, als mir jetzt wichtig sind. Meine Perspektiven und die Bedürfnisse haben sich in den vergangenen 20 Jahren verändert, mein Horizont hat sich erweitert, ebenso hat sich mein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten vergrößert  – und mit allem haben sich meine Vorstellungen vom Arbeiten verändert. Was ich einzig aus dem Artikel mitnehme: Die Befragten möchten gerne Perspektive, Entwicklung und ein gutes Miteinander. Das ist jetzt nicht so außergewöhnlich und sehr gut nachvollziehbar.

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Sonntag, 5. August

Ins Sauerland gefahren. Dort habe ich zunächst Oma und Opa und noch ein paar andere Leute gegossen – Auftrag von Vattern. Danach fuhr ich weiter zur Tante und zum Onkel.

Friedhofsaussicht:

Friedhofsaussicht: Berg runter mit Grräbern, dahinter berg rauf mit Häusern

Bei der Tante war ich zum Mittagessen. Sie hatte „Erotisches Hähnchen“ gekocht – wobei niemand weiß, was an dem Gericht erotisch ist. Es heißt einfach so: ein Rezept aus einer Frauenzeitschrift. Aus meiner Sicht besteht die Erotik vor allem aus einer großen Menge Sahne, mit der das Hähnchen überbacken wird, und aus Spätzle, die meine Tante dazu reicht. Nach der Mahlzeit hatte ich das Gefühl, nie wieder etwas essen zu können.

Spoiler: Am Abends ging’s dann aber schon wieder.

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Der eigentliche Anlass meiner Reise war ein sportlicher: Die Kalendergirls haben ihr erstes Testspiel in der Vorbereitungssaison 2018/2019 bestritten – bei mir in der sauerländischen Heimat.

Die Kalendergirls haben mir ein Abschiedsgeschenk gemacht. Denn ich bin nun endgültig aus dem aktiven Spielgeschäft ausgestiegen – aus Altersgründen und aus Gründen der zunehmend steigenden Erholungsdauer, die ich nach einem Spiel benötige. Die liegt nämlich mittlerweile bei einer Woche, was im Raum-Zeit-Kontinuum nicht passt, da ja nur zwei Tage nach dem Spiel schon wieder Training ansteht, und zwei Tage nach dem Training ein zweites Training.

Sie lesen richtig: Die Kalendergirls trainineren nun zweimal pro Woche. Das liegt daran, dass sie in der vergangenen Saison doch noch aufgestiegen sind – etwas überraschend durch eine Regelung für Zweitplatzierte, die so komplex ist, dass ich sie an dieser Stelle nicht wiedergeben kann. Jedenfalls haben wir alten Veteraninnnen die Mannschaft seit ihrer Gründung zwei Ligen hochgespielt, und genau das war das Ziel. Also kann ich aufhören.

Die Mannschaft hat mir zum Abschied ein T-Shirt geschenkt:

T-Shirt-Aufdruck: Miss September bis Mai

Für Handballmuggels: Die Saison geht immer von September bis Mai.

Rückseite:

T-SHirt-Aufdruck: Vom Kalendergirl zum super Co-Trainer

Ich werde unseren Trainer nun ein wenig unterstützen – denn so ganz loslassen geht nicht. Ab und an muss ich einfach einen Ball in der Hand haben, sonst trübt sich meine Seele ein und ich werde schwermütig.

Dazu hat mir die Mannschaft noch ein weiteres Geschenk gemacht: eine Stoppuhr. Wenn es etwas zu stoppen gibt, muss ich nun nicht mehr mit meinem Handy stoppen – zum Beispiel die Zeit, in der die Damen sich im Unterarmstütz befinden, um sich eine sensationelle Rumpfstabilität zuzulegen.

Die Torfrau sagte mir, es habe in der Mannschaft eine Diskussion darüber gegeben, wie viele Runden so eine Stoppuhr für eine Co-Trainerin stoppen können muss. Sie selbst habe für drei Runden plädiert. Mehr Trainingsintensität müsse schließlich nicht sein. Die Stoppuhr, die ich nun bekommen habe, kann 500 Runden stoppen. Die Torfrau ist bedrückt.

Eigentlich wollte ich in den kommenden drei Trainingseinheiten nichts machen, was man stoppen muss. Angesichts dieses wunderbaren Geschenks habe ich meine Meinung nun geändert. Tja. 

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Im Anschluss ans Spiel war ich zwei Kilometer schwimmen. Eine gute Performance. Ich bin sicher, es lag am erotischen Hähnchen. Eine gehaltvolle Mahlzeit aus Fett und Kohlenhydraten vier Stunden vor dem Sport, und es geschehen Wunder.

Circa-Zeiten der Bahnhofsuhr am Schwimmeisterhäuschen:

500 Meter: 11 Minuten
1.000 Meter: 23 Minuten
1.500 Meter: 36 Minuten
2.000 Meter: 51 Minuten

Ich bin also immer eine Minuten langsamer geworden. Hat sich auch so angefühlt. Anfangs war ich alleine auf der Bahn, hinterher waren wir zu Viert. Die ein oder andere Wartezeit, um den anderen überholen zu lassen – oder bevor man selbst überholen kann – summiert sich dann auf. Es war mir aber auch ganz recht, bei der Wende ein bisschen verschnaufen zu können. Auf den letzten Bahnen wusste ich die Arme kaum noch über den Kopf zu kriegen.

Es ist übrigens erstaunlich, wie ganzkörpermuskelkaterig so ein Schwimmmuskelkater sein kann. Warum ist das so? Werden beim Schwimmen die tiefen Muskelgruppen angesprochen, die ich sonst nicht brauche? Ich fühle jedenfalls eine umfassende Anstrengung vom Hals bis in die Zehen. Wunderbar.

Samstag, 4. August

„Von Profis lernen“, dachte ich mir in den vergangenen beiden Tagen – erinnerte mich an meine Zeit in Italien und lebte einen mediterranen Tagesrhythmus: Am Freitagmorgen Arbeit, dann eine ausgedehnte Siesta mit einer Schwimmeinheit im Freibad, Mittagessen und leichte Ruhe, ab 17 Uhr wieder zurück an den Schreibtisch.

Das war hervorragend. Und vor allem: Die Schwimmerbahn war erfreulich leer. Nur drei weitere Schwimmer waren dort, die allesamt schwimmen konnten und nicht nur aufs Wasser einprügelten. Friedlich und gleichmütig zogen wir unsere Bahnen, bis es dann doch voller wurde. Bis dahin hatte ich aber immerhin 1.800 Meter geschafft, davon mehr als die Hälfte im Kraul. Das genügte.

Danach saß ich noch am Beckenrand auf einer Bank, ließ mich von der Sonne trocknen und beobachtete das Geschehen. Ins Schwimmbad nehme ich kein Handy mit. Es ergibt sich dann eine erfreulich meditative Stimmung vor dem Hintergrund von Schreien, Rufen und dem Geruch von Freibadpommes.

Heute Morgen hatte ich dann ausgedehnten Muskelkater im Schultergürtel. Das war wohl der Kilometer mit den Paddles, den ich dort spürte. Gutes Gefühl.

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Ein bisschen über Phoenix West Fahrrad gefahren.

Panoramaaufnahme: Phonixhalle

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Zu meiner Offenbarung, dass ich Gitarre spielen könne, bekam ich diverse Nachrichten – unter anderem diese:

„Du kannst Gitarre spielen? Du hast also einen Garten, einen Pool, einen Grill, Fackeln und könntest dabei Gitarre spielen. Und das erfahre ich jetzt erst?!“

Ich antwortete:

„Ich bin eine Frau voller Geheimnisse. Abgesehen davon ist der Pool kaputt. Und ich muss erst wieder üben.“

Daraufhin:

„Okay, ich besorge einen neuen Pool, bringe Wein mit und du übst, ja? Niveau Mundorgel genügt. Deal?“

Deal.

Die erstbesten Noten, die ich in meinem Notenordner gefunden haben, sind die von Mason Williams: Classical Gas. Nach einigen Durchgängen erinnern sich meine Finger tatsächlich wieder – nach so vielen Jahren. Verrückte Sache. Der Mittelteil macht noch Probleme. Aber das wird wieder.

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Gelesen: Mayim Bialik hat diesen Sommer vier Hochzeiten und einen Todesfall erlebt und schreibt sehr schön darüber. Ich mag sie ja ohnehin.

Sonnenliegenlektüre:

11Freunde: Bundesliga-Sonderheft

Donnerstag, 2. August

Das Gartenoffice ist wieder eröffnet. Das macht Freude.

Gartenoffice

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Neue Podcastfolge veröffentlicht. Hier geht’s zum Blogbeitrag. Thema: Sprache und Kommunikation in der Veränderung – mit Fragetechniken und Methodiken der Gesprächsführung.

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Nachgereicht: Bild von der Insektentränke. Den Stein habe ich aus den Abbruzzen mitgebracht, er stammt von der Wanderung zur Eremitenkirche.

Insektentränke: Schale mit Wasser und einem Stein drin. Auf dem Stein: zwei Wespen

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Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert. Und selbstständig. Weil ich gesetzlich versichert bin, wird mir mindestens einmal monatlich mit entsetztem Unterton mitgeteilt: Das müsse aber doch nicht sein. Ich könne mich doch privat versichern, das sei preiswerter bei besseren Leistungen und überhaupt sei ich damit privilegierter. Ich schreibe meine Antwort jetzt mal auf, dann kann ich sie nämlich immer kopieren und verlinken.

Erstens ist die private Krankenversicherung mitnichten besser, was Prämien und Versorgung angeht – langfristig gesehen, in Hinblick auf meine nächsten zwanzig Lebensjahre, auf steigende Beiträge bei sinkenden Einnahmen. Damit schießt man sich nämlich selbst ins Knie. Merkt man nur leider erst, wenn es zu spät ist.

Zweitens bin ich ein großer Anhänger des Solidaritätsprinzips. Ich bin nämlich im Grunde meines Herzens eine linke Socke und finde es gut, wenn diejenigen, die mehr leisten können, mehr beitragen. Sogar, wenn ich selbst davon betroffen bin. Verrückt, ne?

Drittens engagiere ich mich ehrenamtlich in einer Serviceorganisation, die Geld für bedürftige Menschen sammelt. Wie kann ich da gleichzeitg dem Solidarsystem Geld entziehen, damit ich privilegierter bin? Das wäre doch bigott, und man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Spiel nicht bis zum Ende durchspiele, auch in Unterzahl.

Viertens halte ich die Leistungen unses gesetzlichen Gesundheitssystems schlicht und ergreifend für gut.

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Am Abend gedacht: Ich könnte mal wieder Gitarre spielen. Also habe ich mir die Klampfe genommen und ein gemütliches Plätzchen gesucht. Die Gitarre war sehr verstimmt (Worüber bloß? Das Wetter?), und als ich sie stimmte, riss auch noch die tiefe E-Saite. Aber – haha. Wohlweislich hatte ich vor einigen Monaten mal einen Satz Saiten bestellt – falls es mich überkommen würde mit dem Spielen und falls genau dann eine Saite reißen würde. Das nenne ich Vorausschau! Also schnell eine neue Saite aufgezogen.

Gitarre: Saite aufziehen

Danach war es allerdings schon 22.30 Uhr, und ich war müde. Also klampfte ich noch ein bisschen rum, stellte fest, dass ich mal wieder üben müsste und befand, dass es zunächst an der Zeit sei, ins Bett zu gehen.

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Grafik angeguckt: In Deutschland brauchen Menschen aus Niedrigverdienerfamilien sechs Generationen, um sich an ein ein durchschnittliches Einkommensniveau heranzuarbeiten. Schlechter sieht’s nur in sechs anderen Ländern aus, darunter Kolumbien, Indien und Südafrika. Dänemark liegt vorn mit zwei Generationen, gefolgt von Finnland, Norwegen und Schweden.

Gelesen: Cheer up, Deutschland! Der Economist über das Land des Pessimismus.

Gelesen: I built my own pancreas. Wie Diabetes-Erkrankte Open-Source-Development betreiben und die Geräte zur Überwachung ihres Blutzuckers verbessern.

Gelesen: Herr Buddenbohm hat unter der Überschrift „Leichtes Gepäck“ ein schönes Sammelsurium zusammengeschrieben, unter anderem zu Unterschenkeln und zur Wanderplanung mit Sohn II und überhaupt.

Christian und ich reden über Sprache in Veränderungsprozessen

Der Sommerpodcast – aufgenommen in kurzen Hosen, bei offenen Fenstern und einer leichten Brise.

Unser Thema ist: Sprache in Veränderungsprozessen. Warum ist die Sprache in Veränderungsprozessen wichtig und was macht eine gute Sprache aus? Welche Rolle spielen Fragen? Duzen oder Siezen?

Wir reden 45 Minuten übers Reden und stellen konkrete Frage- und Gesprächstechniken vor. Mit dabei:

  •  die goldene Regel: Sagen, was man tut. Tun, was man sagt.
  • die Methode des Zusammenfassens
  • eine Möglichkeit, mit Einwänden umzugehen
  • ein Dortmunder Charterflieger mit Pauschaltouristen aus Castrop-Rauxel

Zum Weiterlesen:

Die Folge gibt’s wie immer bei Podigee und bei Soundcloud – und als mp3 zum Download. Außerdem könnt Ihr den Podcast bei iTunes abonnieren.

Mittwoch, 1. August

Nach meiner kleinen Sommer- und Schaffenspause läuft das Business wieder an.

Arbeit #1: Gestern war Christian da, und wir haben eine neue Podcastfolge aufgenommen. Thema: Sprache und Kommunikation in der Veränderung. Das Aufnehmen hat sich nach einer guten und auch konkreten Folge angefühlt; aber vielleicht habe ich das Gefühl nur, weil wir uns langsam eingegroovt haben und nicht mehr wie Rehe im Scheinwerferlicht vor dem Mikro sitzen. Heute Abend geht das Ding online. Entscheiden Sie selbst.

Arbeit #2: Außerdem habe ich den Juli-Newsletter fertig gemacht und auf den letzten Drücker rausgeschickt. Am Abend des 31. war es dafür wohl Zeit. Das Thema: Großraumbüros. Johannes hat den Newsletter gelesen.

Wie immer ist gleichzeitig der Newslettertext vom vergangenen Monat online gegangen. Es geht ums gute Formulieren. Mit dabei: die drei häufigsten Fehlern beim Schreiben, Tipps für gute E-Mails und der Kreislauf des Missverständnisses zwischen Laien und Experten.

Arbeit #3: Bald startet ein tolles und spannendes Beratungsprojekt. Das ist alles sehr wunderbar.

Arbeit #4: Am Wochenende war ich in Berlin und habe mir dort Schauplätze meines Buches angeschaut. Ich bin vergangene Woche also, mit einem kleinen Zwischenstopp im Ruhrgebiet, von der Champagne bis durch nach Berlin gefahren. Das war zwischenzeitlich ein bisschen anstrengend. Mein besonderer Dank geht an alle Autobahnraststätten, die eisgekühlte Kaffeegetränke verkaufen.

Ich schreibe ja über das Leben von Käthe Paulus. Sie hat ihre zweite Lebenshälfte in Berlin verbracht. Auf dem Flugplatz Staaken hat sie Motorflugunterricht genommen. Ihr Fluglehrer Paul Engelhardt ist auf dem Flugplatz Johannistal umgekommen. Sie hat in Berlin-Reinickendorf gewohnt, in der Gotthardtstraße 4 und hat dort während des Ersten Weltkriegs Fallschirme in Serie produziert  – die ersten Paketfallschirme.

Ich war in Staaken, Johannistal und in Reinickendorf, habe mir die Örtlichkeiten angeschaut und erspürt, wie es wohl damals gewesen sein muss dort auf den Flugplätzen oder in den Wohnungen.

Berlin-Johannistal: das ehemalige Flugfeld - heute ein Landschaftspark

Der Flugplatz Johannistal ist heute ein Landschaftspark. Ich bin etwa eineinhalb Stunden auf dem Gelände herumgelaufen – sehr hübsch und auch ganz aufschlussreich, wenn man ein bisschen Fantasie hat und sich in die Zeit um 1910 zurückdenkt.

Als ich dort herumlief, waren es 33 Grad, und es gab keinen Baum und kein Strauch. Als ich danach in einen auf 20 Grad herunterklimatisierten Netto (mit Hund) ging, um mir etwas zu trinken (noch mehr zu trinken) und eine Packung Buttermilch zu kaufen, musste ich mich kurz an einem Kartoffelnetz festhalten. Zu große Temperaturschwankungen sind wohl nichts für mich.

Berlin: Engelhardtstrasse

Die Straßen in der Umgebung sind nach Fliegern und Fliegerinnen benannt, und weil ich inzwischen Einiges gelesen habe, bin ich auf viele bekannte Namen gestoßen.

Von Johannistal bin ich nach Reinickendorf gefahren, einmal quer durch die Stadt, knapp am Christopher Street Day vorbei, und war entzückt, dass es Paulus‘ Wohnort noch gibt und dass ich ihn mir ausführlich ansehen konnte.

Berlin-Reinickendorf

Ich saß etwa eine halbe Stunde im Innenhof des Hauses, habe den Ort auf mich wirken lassen und bin dann noch durch die Umgebung gestreift.

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Wetter #1: Im Garten habe ich zwei Wasserstellen aufgestellt – zwei kleine Blumentöpfe, randvoll mit Wasser und mit einem Stein drin. Kaum fülle ich das Wasser auf, kommen Bienen angeflogen und trinken. Faszinierend. Morgens außerdem trinkend gesichtet: Meise, Amsel, Taube, Eichhörnchen. Sie scheinen es nötig zu haben.

Wetter #2: Es ist ein bisschen paradox, aber das Schwimmen ist bei diesem Wetter quasi unmöglich. Das Freibad ist schon früh am so Morgen voll, dass auf den Schwimmerbahnen Nahkampf herrscht. Es sind sechs, sieben, acht Leute auf jeder Bahn unterwegs, alle unterschiedlich schnell. Ich überhole, werde überholt, wir treten uns und stoßen zusammen. Unabsichtlich, alle finden es doof und keiner kann’s ändern, deshalb: grmpf.

Ein bisschen wundere ich mich dabei über Menschen, die mit stoischem Selbstverständnis und aufgesetzter Sonnenbrille senkrecht auf der Schwimmerbahn treiben. Also, ich für meinen Teil käme mir ja komisch zwischen all den kraulenden Leuten vor, die mich überholen und meinetwegen beim Überholen jedesmal fast kollidieren. Aber ich bin vielleicht auch anders.

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Gehört (in der ZEIT-Audio-App – das Killerfeature, dessetwegen ich das Digitalabo der ZEIT habe): Kann das gut gehen? (€) Über den Spagat von Patchworkfamilien.

Gelesen: Die betrogene Geliebte. Über einen Mann, eine Frau, noch eine Frau, Kinder und die Abhängigkeit vom Gefühl des Verliebtseins.

Zehn Bemerknisse zu einer Hochzeit auf einem französischen Landsitz

30. 07. 2018  •  19 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Es muss Dezember oder Januar gewesen sein, jedenfalls wurde ein Geburtstag in Essen gefeiert, als das Brautpaar, das zu diesem Zeitpunkt noch kein Brautpaar war, dem Freundeskreis mitteilte, das es eins werden wolle. Später verkündete das Brautpaar dann, dass es die Hochzeit etwas unkonventioneller als üblich gestalten wolle, weniger Kirche, mehr Schloss, weniger Zeremoniell, mehr Feier und Cocktails.

So begab es sich, dass 35 Menschen sich auf den Weg nach Pleurs in der Champagne machten, um drei Tage lang auf einem französischen Landschloss zu residieren und dem Brautpaar mit Wein, Gin und kleinen Mahlzeiten zu huldigen. Und mit einem Gummieinhorn.

Pleurs: Blick auf die Tafel in den Schlosshof

Ich möchte es nicht beschönigen: Die Szenerie war wie gemalt, das Wetter fantastisch, die Gesellschaft illuster, die Getränke eiskalt und der Pool erfrischend kühl.

Zehn weitere Bemerknisse:

EINS Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an ein Leben auf einem Schloss gewöhnt. Schon am zweiten Morgen war es, als habe ich niemals woanders gewohnt. Die Erhabenheit des Ortes legt sich wie selbstverständlich aufs Gemüt, der Gang wird aufrechter, der Blick fester, und die Schultern spannen sich, während man morgens ans Fensters des Gemachs tritt und durchs Sonnenlicht auf die Ländereien hinabblinzelt, von der Küche steigt der Duft frischen Kaffees auf.

Pleurs: Zimmer

Pleurs: Blick aus dem Fenster auf den Pool

ZWEI Des Weiteren lebt so ein Schlossleben vom Stilbruch: Die Star-Wars-Matratze neben dem Himmelbett, mit Badelatschen durch die Halle schlappen, das Schwimm-Einhorn neben der Marmorstatue – es waren die kleinen Dinge, die der Sache Pfiff gaben.

DREI Der Westfale bleibt Westfale, auch auf dem Schloss: Am Freitag haben wir für 35 Leute Gemüse geschnibbelt und auf dem großen Gasherd Suppe gekocht. Bei uns wird noch selbst angepackt, egal wie royal die Umstände sind.

Porree schneiden in royaler Kulisse

Pleurs: Küche

VIER Der französische Supermarkt war für mich, was Lavendel für Insekten ist: Mit der Aufmerksamkeitsspanne eines umhertrudelnden Schmetterlings stolperte ich von der Mango-Vinaigrette, vorbei an den Rosenblütenkeksen, zum Panaché und der Maronencreme, weiter zu den Waffeln zum Auftoasten, hin zum Petit-Marseillais-Regal, vor Ergriffenheit leise weinend.

FÜNF Der Abend der Feier: Der Regisseur des ZDF-Herzkinos hätte sich mit einem weißen Tüchlein Tränen des Entzückens aus dem Augenwinkel getupft. Die lange Tafel im Schlosshof, gesäumt von zwei Brunnen, der knirschende Kies, die untergehende Sonne, die weißen, im Wind wehenden Tischdecken, die Champagnerkühler und das Brautpaar, das die Treppe in die Halle hinabschritt – pilcheresker ging es nicht.

Pleurs: Halle

SECHS Das die Treppe hinabschreitende Brautpaar gab es auf Antrag von Little R, vier Jahre alt, die mit Harry- und-Meghan-haften Vorstellungen nach Frankreich gereist war und bereits vor Wochen ein Schreiten mit anschließendem Kuss am Fuß der Treppe eingefordert hatte, was auch so vonstatten ging. Die Herzkino-Redakteurin hätte die Szene herausgestrichen – „zu dick aufgetragen“, „wir werden unglaubwürdig“, „wir müssen die Leute mehr in der Lebensrealität abholen“. Doch wir haben die Schlosssache komplett durchgespielt, weil: wenn schon, denn schon.

SIEBEN Komplett durchgespielt haben die Jungs auch die Klamottenfrage: Der Bräutigam hatte um festliche Kleidung gebeten und selbst viel Zeit auf seinen Smoking verwendet – von den Schuhen über die Jacke bis hin zu den geknöpften Seidenhosenträgern, und es war fürs Frauenauge ausgesprochen erfreulich, dass alle anwesenden Herren es ihm nachgetan hatten. Es war meine erste Hocheitsfeier, auf der die Männer herausgeputzter waren als die Frauen. Sehr adrett.

Pleurs: Tafel

ACHT Die Braut hatte, um den Wein- und Nahrungskonsum abzuschätzen, vier Listen angefertigt: die Liste der Vieltrinker, die Liste der Vielesser, die Liste der Wenigesser und die Liste der Wenigtrinker. Zwei Listen waren ziemlich leer. Sie dürfen raten, welche.

Frühstück

NEUN Was auf den Bildern nicht zu sehen ist, sind die Bremsen und Mücken, die das Schloss, das von Wasserläufen umgeben ist, bebrummten – und mit dem Schloss die Gäste. Über der Feier lag eine Glocke Antibrumm forte, wir nannten es auch Eau de Pleurs – ein Duft, der entfernt an alte, in der Sonne liegende Bahnschwellen erinnert.

Pleurs: Wasser am Schloss

Pleurs: Schloss mit Hibiskus im Vordergrund

ZEHN Vier Tage auf einem französischen Landschloss sind wie zwei Wochen Urlaub: Ich habe in der Zeit nichts mitgekriegt und mich auf der Rückfahrt gefragt, ob wir noch eine Regierung haben und was es mit Mesut Özil auf sich hat, habe mich aber entschlossen, dem nicht weiter nachzugehen. Die Rückkehr ins Vorstadtleben erforderte denn auch einen Tag der Akklimatisierung, an dem ich im Garten saß, Suze trank und versonnen Dompfaffen beobachtete. Weil das in Dortmund nicht so schön ist, hier die Schwesterszene aus Pleurs:

Pleurs: Poolszene im Panorama

Freitag, 13. Juli

Um 7.30 Uhr stand ich am Beckenrand im Freibad. Absurde Zeit. Das Wasser war auch noch sehr kalt. Keine Sonne, keine Wärme.

Dann, auf wundersame Weise: eine Superperformance. Ich bin 2,5 Kilometer geschwommen – und von den 50 Bahnen 25 gekrault. Einfach so! Halleluja. Es ist über mich gekommen. Ich hab’s raus.

Zeit: 24 Minuten für 1000 Meter. 50 Minuten für 2000 Meter. Danach ausschwimmen. Verrückt.

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Im Anschluss zur Kollegin, Vorbereitung der kommenden Woche, Telefonate. Sehr gute berufliche Entwicklungen derzeit. Tolle Projekte und Ideen. Ich bin entzückt.

Arbeitseis:

Arbeitseis

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Der Verlagsvertrag ist da, und jetzt ist es offiziell: Ich werde tatsächlich ein zweites Buch schreiben. Ein ganz anderes als das erste: eine Romanbiograhie. Und zwar die Geschichte von Käthe Paulus, der Erfinderin des Paketfallschirms. Das Buch wird im Insel Verlag erscheinen. Die Veröffentlichung ist für den Herbst 2019 geplant. Ich freu mich wie’n Schnitzel!

Deshalb war ich übrigens im Februar, auf meinem Weg nach Italien, in München: Weil ich unter anderem in der Bibliothek des Deutschen Museums recherchiert habe. Ballontechnik, Fallschirmtechnik, Fluggeschichte. Hach. Ich bin ganz raschelig.

BalloKopien: Theoretische Grundlagen der Ballonführung



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