Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Mittwoch, 6. Februar

6. 02. 2019  •  29 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Ideen und Erfahrungen zu digitalen Notizen gefragt | Ich brauche die Weisheit der Crowd. Also: Eure Weisheit. Ich habe nämlich ein Problem.

Ich mache mir, wenn ich beim Kunden bin, Notizen. Viele Notizen. In Gesprächen, vor Gesprächen, nach Gesprächen, in Meetings. Ich skizziere Ideen, mache Sketchnotes und Mindmaps, schreibe Zitate auf, notiere mir alle möglichen Dinge, auch in bunt.

Ich mache mir auch andersnorts Notizen, zum Beispiel, wenn ich auf Fortbildungen und auf Barcamps bin, wenn ich Konzepte doer Vorträge vorbereite.

Das tue ich derzeit analog, in ein Notizheft. Beziehungsweise in mehrere Notizhefte. Oder auf Zettel.

Der Nachteil von Notizheften: Sie sind nie da, wo ich sie brauche. Sie sind nicht durchsuchbar. Ich kann die Notizen nicht verschlagworten und thematisch ordnen. Zettel verschwinden grundsätzlich.

Ich brauche also eine digitale Lösung. Eine, die mir handschriftliche Notizen ermöglicht, denn während ich mit der Hand schreibe, denke ich. Eine, die es mir außerdem ermöglicht, auch Dinge aufzumalen, denn ich skizziere viel. Und eine, die all das sinnvoll speichert, verfügbar und weiterverarbeitbar macht.

Ich bin bereit, dazu sowohl Hardware als auch Software anzuschaffen, zum Beispiel ein iPad und so einen Stift und irgendeine App. Ich nutze Apple. Das soll so bleiben.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Womit arbeitet Ihr?

*

Albert Schweitzer | Als Christian neulich schrieb:

Wir alle hören überall an jeder Stelle, dass wir uns selbst am wichtigsten sein sollen.

erinnerte ich mich an Albert Schweitzer, der mit seinem Werk „Die Ehrfurcht vor dem Leben“ schon seit längerem auf meinem Wunschzettel steht. Christians Text nahm ich zum Anlass, das Buch nun zu kaufen und zu lesen.

Schweitzer sieht den Menschen in Beziehung zu anderen Menschen:

Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.

aus: Schweitzer, Albert (1966): Die Ehrfurcht vor dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten. München. Beck. 10. Auflage, S. 111

Er ist gerade nicht der Meinung, dass jeder sich als Einzelner wichtig nehmen soll, sondern dass der Mensch die Verpflichtung empfinden möge, seine Aufmerksamkeit der Umwelt, den Menschen und allen Lebenwesen zuzuwenden. Nur so komme er in ein inneres Verhältnis zur Welt und zum Universum.

Demnächst gibt’s hier jetzt öfter mal den „Schweitzer des Tages“.

Ich beginne mit einem Zitat, das zur aktuellen Berichterstattung zum Klimaschutz, Greta Thunberg und den #FridaysforFuture-Demonstrationen passt:

Zu gern gefallen sich die Erwachsenen in dem traurigen Amt, die Jugend darauf vorzubereiten, daß sie einmal das meiste von dem, was ihr jetzt das Herz und den Sinn erhebt, als Illusion ansehen wird. […] Daß die Ideale, wenn sie sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen, gewöhnlich von den Tatsachen erdrückt werden, bedeutet nicht, daß sie von vornherein vor den Tatsachen zu kapitlurieren haben, sondern nur, daß unsere Ideale nicht stark genug sind.

aus: Schweitzer, Albert (1966): Die Ehrfurcht vor dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten. München. Beck. 10. Auflage, S. 78

Dienstag, 5. Februar

5. 02. 2019  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Hörstau | Heute morgen viel Stau. Ich habe auf der Fahrt den Verbrechens-Podcast der ZEIT gehört. Empfehlenswert: gute Geschichten, gute Länge, angenehmes Interviewformat.

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Duftereignisse | Um Weihnachten herum wurde seinerzeit gewichtelt, und ich habe ein Duschgel-Set erwichtelt. Es ist nicht ganz klar, ob es sich um ein Schrottwichtelgeschenk oder um ein richtiges Geschenk handelte, denn die Duftrichtungen waren Kokos, Mandel, Aloe Vera und Mandarine, alles sehr grenzwertig.

Ich nehme die Duschgels mit ins Fitnessstudio. Am späten Abend richten sie dort wenig Schaden an, denn bis zum Morgen ist der Duft wieder verflogen.

Die Kokos-Tube habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. Ich roch wie ein Makrönchen und war froh, als es vorbei war. Nun benutze ich Mandel, und als ich mich heute schäumte, brauchte ich ein bisschen, bis ich darauf kam, wonach ich nun rieche. Dann fiel es mir ein: Ich dufte wie ein Marzipanschwein.

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Vom Lernen und Arbeiten | Heute bin ich auf einen Artikel gestoßen, der schon etwas älter, aber dadurch nicht weniger aktuell ist: The Learning Curve is the Earning Curve (via Sven). Frei übersetzt: Die Lernkurve ist die Lohnkurve. Je höher die Bildung eines Menschen, desto größer ist seine Chance auf ein gutes Einkommen.

Den direkten Zusammenhang zwischen akademischem Erfolg und Verdienst halte ich allerdings für einen Trugschluss. Ich glaube eher, dass unabhängige Variablen eine Rolle spielen: Nicht der Abschluss bringt das Geld, sondern das, was zum Abschluss führt. Die Charaktereigenschaften, die einen Menschen zu einem Doktortitel führen, führen ihn auch zu einem guten Einkommen. Das sind Fleiß, Durchhaltevermögen, Selbstorganisation und Resilienz. Wir sollten außerdem nicht vergessen, dass viele erfolgreiche Menschen auch einen guten familiären Hintergrund haben: Unterstützung durchs Elternhaus, akademische Kultur und vorhandene Beziehungen.

Nichtsdestotrotz halte ich kontinuierliches Lernen für das wichtigste Kriterium für die persönliche und berufliche Entwicklung des Menschen und für seine Zufriedenheit. Arbeit ist eng mit der Persönlichkeit verknüpft; sie ist identitätsstiftend und gibt uns die Möglichkeit, uns selbst als wirksam wahrzunehmen. Wenn wir uns in der Arbeit entwickeln und unsere Möglichkeiten entdecken können, entwickeln wir uns auch als Ganzes.

Das heißt für Organisationen: gute Onboarding-Prozesse für neue Mitarbeiter schaffen; Menschen entwickeln und ihnen Raum für Entwicklung lassen; diejenigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen belohnen, die ihren Kollegen etwas beibringen.

Ich selbst habe ein Unternehmen immer verlassen, wenn es für mich keine Perspektive gab oder mir eine Weiterentwicklung versagt blieb. Ich schätze es sehr, dass ich in meiner Selbstständigkeit sehr viel lerne und immer neue Herausforderungen habe, für die ich mir Fähigkeiten aneigne.

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Gelesen | Sven beschäftigt sich mit gedrückten Franzbrötchen.

Gelesen | Franzi beschäftigt sich nochmal mit den Goldenen Bloggern. Im Beitrag ist ein Bild von mir, auf dem ich mich freue und Jana drücke (kein Zusammenhang zu gedrückten Franzbrötchen).

Gelesen | Anja Hartmann schreibt auch etwas über die Goldenen Blogger, aber eher auf der Meta-Ebene. Sie meint, die Gewinner und Gewinnerinnen hätten die Tugenden des digitalen Lebens:

Keine*r ist oberflächlich.

Jede*r ist engagiert.

Alle lieben ihr Publikum

Niemand verstellt sich.

Sie führt das in ihrem Beitrag näher aus.

Montag, 4. Februar

4. 02. 2019  •  7 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Schreibknast | Ein Tag, der Käthe Paulus gewidmet ist.

Ich benutze zum Schreiben nun seit geraumer Zeit das Programm Scrivener. Das ist ein Textverarbeitungprogramm, in dem ich den Text kapitel- und abschnittsweise organisiere, in dem ich zudem Notizen verwalte – und auch Recherchedokumente.

Das sieht dann so aus – oben der Romantext, unten das Recherchematerial:

Um nicht zu spoilern, habe ich Kapitel- und Absatznamen, die einen Rückschluss auf die Handlung zulassen, im Screenshot verwischt. Das sind nämlich keine realen Überschriften, sondern nur interne Beschreibungen, die mir helfen, mich in der Handlung zu orientieren.

Ich glaube, das Ganze wird zu lang, und ich werde mich im Lektorat von etlichen Seiten Text trennen müssen. Doch für mich ist es einfacher, erstmal runterzuschreiben, was mir in den Sinn kommt und was ich für dramaturgisch relevant halte. Ich habe nämlich, abgesehen davon, dass die Biographie als Rahmen natürlich feststeht, nur einen vagen konzeptionellen Plan; es gibt eine genaue Vorstellung von den Figuren, aber Handlungsdetails entwickeln sich oftmals erst beim Schreiben. Das ist auch für mich spannend.

Bislang war ich der Überzeugung, dass eine Dreiteilung der Geschichte gut tue: ein erster Teil, in dem Käthe Paulus‘ Karriere als Ballonfahrerin und Fallschirmspringerin beginnt; ein zweiter Teil, der die mittleren Jahre erzählt, in denen sie für ihre Auftritte durch Europa reist; und ein dritter Teil, in dem sie nicht mehr springt, sondern Fallschirme konstruiert und produziert. Ich bin mir aktuell nicht mehr sicher, ob es nicht anders sein müsste.

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Mustache Cups | Diese Schnörres-Schutztassen halten Schnurbärte frisch und sauber.

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Gelesen | Manche psychischen Beschwerden haben organische Ursachen, etwa Hormonstörungen oder Vitaminmangel: Wie der Körper die Seele krank macht. (via Kaltmamsell)

Direktorin Novemberregen sammelt jeden Tag einen Bürosatz, hinter dem eine Geschichte steckt, und veröffentlicht die Sammlung am Ende der Woche. Die Geschichten werden wir nie erfahren, was die Sätze aber nicht minder schön macht. Mein Favorit: der Mittwoch.

Maximilian stellt Thesen zu jungen, verwuschelten Menschen auf, die wie Schachtelteufel in Fußgängerzonen lauern und für wohltätige Organisationen Spenden sammeln.

Wochenende, 2. und 3. Februar

100 Punkte | Mein Fitnessstudio hat jetzt so eine Plattform, eine Online-Fitness-Community, auf der man mitmachen kann. Man kann seine Trainingseinheiten und seine Ernährung hinterlegen und posten; man kann sich mit anderen Leuten aus dem Fitti darüber unterhalten und kriegt Awards, wenn man Wörter richtig schreibt soundso viele Trainingseinheiten absolviert und soundso viele Kalorien verbrannt hat und sein Profilbild aktualisiert und so weiter.

Während andere Leute ein Selfie von sich vor dem Spiegel oder ein Bild vom Strand hochladen, habe ich das Bild einer goldbraun frittierten Krokette hochgeladen und dafür 100 Fitness-Punkte bekommen. So einfach kann gutes Training sein.

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Ballspiele | Um die Duisburger Wölfe Nordrhein, Handballtruppe in der Regionaliga, steht es gerade nicht zum Besten: Abstiegsplatz, zumindest vorläufig. Am Samstagabend spielten sie gegen Ratingen, eine Mannschaft, die sich mit ehemaligen mazedonischen Nationalspielern verstärkt hat und unbedingt aufsteigen möchte – was allerdings gerade nicht funktioniert, weshalb die Ratinger vor Weihnachten den Trainer entlassen haben.

Ich war zugegen. Die Wölfe verloren, allerdings knapp mit 19:20. Hätten sie noch fünf Minuten weiter gespielt, hätten sie gewonnen; die älteren Herrschaften aus Mazedonien waren stehend k.o.; aber so ein Spiel dauert nunmal 60 Minuten, nicht 65 oder 70.

Eindrücke aus dem Aufgang zur Tribüne:

Der Rollator gehörte nicht den Mazedoniern.

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Yummie | Im Anschluss an das Spiel kochte ich ein Rezept von Herrn Grün: Penne Rigate Lucinda. Die Zubereitung dauert nur 20 Minuten, das Ergebnis ist außerordentlich köstlich.

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Up to date | Im Newsletter einer Modemarke habe ich heute gelesen, dass es einen neuen Trend gebe. Er heißt: Athleisure. Es gehe darum, „Sweat Styles der neuen Saison casual und sporty zu kombinieren“. Mit anderen Worten: Joggingbuxe, Hoodie.

Ich bin sowas von im Trend. Und war es immer schon.

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Gelesen | Das Designtagebuch ärgert sich über eine Ausschreibung, mit der der Deutsche Turnerbund schon vor Vertragsschluss umfangreiche Kreativleistungen verlangt, ohne etwas dafür zu bezahlen.

Zwei Beiträge weiter: Einordnung des neuen 3sat-Designs.

Das Supermarktblog beschäftigt sich mit Amazons Biolebensmittelmarke „Whole Food“und den Gerüchten, Amazon plane die Übernahme eines oder mehrerer europäischer Lebensmittelhändler. Ein Kandidat, der zu Whole Food passen würde, sei denn’s.

Katja Niedermeier schreibt über die These, der Kunde sei König und endet mit dem Rat an alle selbstständige Frauen: „Be the Boss, Darling.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Belustigt rezipiert: 11Freunde über Fußballprofis im Arbeitskampf.

Freitag, 1. Februar

1. 02. 2019  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Wolkenfrühstück | Dieser Tag geht in die Geschichte ein als der Tag, an dem mir der perfekte Milchschaum gelang.

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Briefkastenspaziergang | Ab dem Mittag schien die Sonne und rief mir zu: „Los, raus!“ Doch ich hatte zu tun, so dass eine große Runde um den See nicht in Frage kam.

Ich einigte mich mit mir selbst darauf, die Briefkastenrunde zu verlängern und mir dabei die Baustellen und Neubauprojekte in der nahen Umgebung anzusehen. Ich drehte ein dreiviertelstündiges Ründchen und war glücklich danach.

Zum Glück hatte ich das Schuhwerk weise gewählt. Denn es taute und war überall matschig.

Auf dem Spaziergang begegneten sich zwei alte Frauen, während ich auf der anderen Straßenseite vorbeiging.

„Wirst auch immer krummer. Haste ’n neues Wägelchen?“
„Gab’s auf Rezept.“
„Schickes Dingen.“
„‚Nen Porsche konnt‘ ich mir ja nie leisten.“

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Pressespiegel | Es gibt noch ein paar Artikel zu den Goldenen Bloggern:

Das Magazin Netzpiloten gibt einen Abriss über den Abend und zitiert mich dem dem relevantesten Satz, den ich gesagt habe.

Das Portal Ruhr24 titelt: „Diese Dortmunderin gehört zu den ‚Besten Bloggern des Jahres'“. Lesen Sie demnächst an gleicher Stelle:

„Das ist das Eichhörnchen der Dortmunder Bloggerin!“

„Dortmunds beste Bloggerin: Wird sie auch an diesem Wochenende wieder Waffeln backen?“

„Dortmunder Blog-Queen: Ihr Liebesglück twittert auch!“

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Gelesen | Offlinelektüre: Die letzte Liebe des Monsieur Armand. Eine launige Beziehungsgeschichte zwischen einem alten Mann und einer jungen Frau, die sich im Bus kennenlernen.

Frau Novemberregen versteht manches nur schwer. Unter dem Text hat jemand erfreulicherweise die Parkinsonschen Gesetze verlinkt:

  • „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“
  • „Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit ist umgekehrt proportional zu den jeweiligen Kosten.“

Heißt: Eine Aufgabe dauert immer genau so lange, wie man Zeit für sie hat. Und: In einem Meeting werden die einfachen Themen am ausführlichsten diskutiert, weil die meisten Anwesenden sie verstehen und folglich etwas dazu zu sagen haben – im Gegensetz zu den komplexen Themen, die wichtiger sind.

Donnerstag, 31. Januar

31. 01. 2019  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Der Argh!-Moment | Gestern Abend ging mir siedend heiß auf, dass ja heute der 31. Januar ist – und damit Deadline für einen Januar-Newsletter. Also schickte ich ihn heute Morgen fix raus. Keine Stunde später bemerkte ich einen dicken Fehler in der Überschrift. In der war es nämlich noch September 2018. Argh!

Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Per Mail kam die Frage, ob meine Kommunikationschefin etwa verliebt sei. Wie kommen Leserinnen nur darauf?

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Schlidderidi | Gestern hatte ich mein Auto mit Ach und Krach vor die Garage bugsiert. Mein Heim liegt bergan, und die Räder hatten keinen Grip. Ich hatte zarte Sorge, ob ich heute vom Hof komme. Doch es ging ganz geschmeidig. Auch die sonstigen Fahrten verliefen gut. Alle fuhren vorsichtig und doch angemessen zügig.

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Nüscht | Sonst nix weiter. Nur müde. Morgen Homeoffice. Das ist gut.

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Gelesen | Anna. Was für eine Geschichte!

Mittwoch, 30. Januar

30. 01. 2019  •  2 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Apokalypse | Als Hörerin von WDR2 hatte ich heute Morgen den Eindruck, das Land werde von einem Jahrhundertblizzard heimgesucht: minütliche Durchsage der Schneehöhen, Liveschalte ins Kölner Katastrophengebiet und Tipps für den Notfall. Ich widerstand dem Drang, Konserven zu kaufen und Gemüse einzuwecken, legte einen Handfeger ins Auto und brach zum Kunden auf. Auf der A1 begegneten mir dann Flöckchen, doch die Lage blieb stabil.

Am Abend war tatsächlich eine beträchtliche Menge Schnee gefallen. Ich brauchte zehn Minuten, um mein Auto freizufegen. Die Rückfahrt gestaltete sich jedoch ereignislos: Die Berufspendler wussten mit der Lage umzugehen. In weniger als einer Stunde war ich staufrei daheim – beziehungsweise am Supermarkt.

Dort waren die Einkaufswägen eingeschneit.

Heuballen wehten durch die Gänge. Wer Vorräte anlegen wollte, hatte es offenbar am Morgen getan und sich danach ins Haus zurückgezogen.

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A, B und C | Der geschätzte Christian, zweitplatzierter und damit silberner Tagebuchblogger, hat darüber nachgedacht, warum Erwachsene auf Jugendliche, die sich engagieren, ablehnend und wütend reagieren. Ausgangspunkt ist das Engagement gegen den Klimawandel.

Junge Menschen haben naturgemäß noch nicht so viel Angst vor Veränderung und lassen sich von den vielen „das macht man so“ nicht so leicht ausbremsen. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass man gegen viel mehr Umstände einfach mal was machen kann als wir alle denken.

Logisch, dass gerade Erwachsene, die mehr Erfahrung und vielleicht mehr Überblick haben als Jugendliche viel schneller sehen: „Wenn ich jetzt A ändere, dann hängt da B und C dran“. Zieht man die Änderung von B in Betracht, dann erscheinen D und E im Blickfeld und so weiter.

Ich kommentierte: „Wenn ich mit A loslege, verändert sich währenddessen übrigens die Sicht auf B und C“ – eine Erfahrung, die ich immer wieder in den Veränderungsprozessen mache, die ich begleite. Bewegt sich das Team oder der Mensch und geht eine Strecke, wandelt sich der Blick. B kann plötzlich auch verändert werden, war eigentlich niemals wichtig oder kann so bleiben, wie es ist, weil A schon so viel verändert hat.

In Berlin unterhielt sich mich auch über Veränderungen in Organisationen – und über Widerstand in der Belegschaft. Meines Erachtens sind viele Menschen durchaus bereit, sich auf Veränderungen einzulassen. Es hat jedoch viel mit der Anerkennung und Wertschätzung zu tun, die sie erfahren. Allzu oft bekommen Mitarbeiter zu hören: „Was ihr all die Jahre gemacht habt, ist schlecht und nichts mehr wert.“

Wer ihnen sagt: „Ihr habt das Alte gut gemacht, und ich brauche Euch, um nun etwas Neues entstehen zu lassen“, hat eine andere Basis. Wichtig ist: nachfragen und zuhören. Woher kommt Unbehagen? Oft geht es nicht um die Veränderung als solche. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben meist verstanden, dass etwas Neues kommen muss – trotzdem haben sie Angst, nicht gebraucht zu werden oder dem Neuen nicht gewachsen zu sein.

Gerade diejeniegen, die schon länger in der Firma sind, sind auch skeptisch, weil es nicht die erste Veränderung ist, die sie mitmachen – und weil die vorherigen am Ende doch alles beim Alten gelassen haben. Oder weil sie Dinge verschlimmbessert haben.

Manchmal wissen die Leute auch, dass ihr Unbehagen eigentlich unbegründet sein müsste; ihr Bauch fühlt aber anders, als ihr Kopf denkt.

Ich halte es für wichtig, diesen Widersprüchen Raum zu geben. Das ist anstrengend, ja. Gleichzeitig ist das die eigentliche, wesentliche Veränderungsarbeit: Die Mitarbeiter im neuen Arbeiten zu unterstützen und ihnen die Räume zu schaffen, um sich und die Organisation zu entwickeln. Alles andere ist Management.

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Angeguckt | Heute erfahren, dass Ricola, der Bonbonhersteller, ein Ricolab hat.

Dienstag, 29. Januar

29. 01. 2019  •  19 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Goldene Blogger |Am Sonntagabend bin ich zu einer Expedition aufgebrochen, die mich erst nach Hannover und am Montagmorgen weiter nach Berlin führte.

Das Quartett Bluhm, Knüwer, Link und Fiene hatte zur Gala der Goldenen Blogger geladen, und weil mich Menschen für diesen Preis nominiert haben (Danke!), bin ich in den Zug gestiegen und dorthin gefahren.

In Berlin war ich kurz versucht, doch nicht zur Gala zu gehen und stattdessen den Livestream anzuschauen, denn das Hotelzimmer war derart wunderbar, dass ich mich spontan in einen großen Bademantel hüllen und in dem Bett mit den vielen Kissen liegen wollte. Doch ich riss mich zusammen und hübschte mich zurecht, wobei alle Fläschchen und Tiegelchen, die das Hotel im Badezimmer anbot – Nourishing Vitamin-Rich Shampoo! Silky Hair Soft Mask! Soothing Moisturizing Body Milk! – zum Einsatz kamen.

Im Telefónica Basecamp gab’s dann zunächst einen Empfang mit Prosecco. Das Quartett hielt ein Ansprache, ich plauderte mit Herrn Buddenbohm und ein Mensch von RTL fragte mich, ob ich ihm vor der Kamera etwas sagen wollte. Wollte ich aber nicht.

Ich hatte mir gerade den zweiten Prosecco besorgt, als Herr Buddenbohm zum Aufbruch mahnte. Er ist ein weiser Mann und weiß deshalb, dass, wer oben als erstes zum Aufzug geht, unten als erstes ankommt. Wer als erstes unten ist, bekommt ganz sicher einen Sitzplatz. Ich kippte in höchster Eile mein Getränk hinunter, man will ja nichts verkommen lassen, und lief ihm nach. Wir kamen zwischen Frau Kaltmamsell und Herrn Wiegold zu sitzen, im Rücken Frau Vollmer. Das war äußerst erbaulich und erwies sich zudem als praktisch, denn Herr Wiegold führt immer einen Flaschenöffner mit sich.

Dann begann die Gala.

Was soll ich sagen? Ich habe mich gefreut wie Bolle! Denn ich habe gemeinsam mit Jana aus der russichen Provinz in der Kategorie „Bestes Tagebuchblog“ gewonnen. Sehr, sehr großartig.

Alle Gewinner und Gewinnerinnen

Beim Abschlusslied war ich gleichermaßen melodiesicher wie ergriffen. Schließlich gibt es ein gewisses Stadion, in dem das Lied regelmäßig angestimmt wird. Mit anderem Text freilich.

Im Anschluss an die Gala gabs Brezeln, Currywurst und Beisammensein. Zu fortgschrittener Stunde verlegten wir an die Hotelbar, die jedoch schloss, als wir anrückten – in Berlin! An der Friedrichsstraße! Als der Abend noch jung war! Ich war nachhaltig irritiert. Um diese Uhrzeit hat selbst Markos Erpel in Dortmund-Hörde noch ein Bier für mich.

Wir blieben trotzdem auf und plauschten, bis die Kehlen trocken wurden. In dem Zusammenhang habe ich mich gefreut, Moritz A. Sachs kennenzulernen, wo ich doch seit schon immer Lindenstraße gucke; außerdem finde ich, dass er ein sympathischer Typ ist. Er war mit seinem Blog Wo ist der Moritz? nominiert. Überdies war es mir eine besondere Freude, nach 15 Jahren Christiane wiederzutreffen. Als sie bei der dpa infocom Volontärin war, hatte ich dort eine Station – im Zuge meines eigenen Volontariats, das ich bei der Funke Mediengruppe absolvierte.

Heute dann Rückreise nach Dortmund. Ich war leicht ermattet.

Berichterstattung und Links zur Sendung | Eine Sammlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Unklar bleibt, warum Redaktionen es nicht schaffen, die Blogs zu verlinken. Könnte Leser ja interessieren.

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Gelesen | Patricia hatte eine gute Beziehung, aber jetzt hat er eine Kaffeemaschine. Ich kenne mindestens einen Menschen, der hier mitliest, der sich angesprochen fühlt.

Am Wochenende habe ich Dinner mit Edward zu Ende gelesen, eine Geschichte über die Freundschaft zwischen einer New Yorker Redakteurin und einem alten Herrn mit Kochfaible. 2,5/5 Punkte. Nette Erzählung, allerdings sehr flach. Gut, wenn man nicht nachdenken möchte oder wenn im Strandurlaub Gehirnzellen abgängig sind.

Katrin Scheib kehrt nach fünf Jahren in Moskau zurück nach Deutschland und zieht Bilanz.

Für alle, die mit Sketchnotes arbeiten und gerne visualisieren: Zeichentipps (nicht nur) für Juristen. Es gibt ein PDF zum Download.

Sonntag, 27. Januar

27. 01. 2019  •  6 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Gammelsonntag | Geschlafen, gefrühstückt, Kuchen gebacken, Handball geschaut, Kuchen gegessen, Handball geschaut. Top!

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Goldene Blogger | Jemand von Euch hat mich zweimal für den Goldenen Blogger nominiert: mit dem Parship-Text und als beste Tagebuchbloggerin. Das allein finde ich schon super.

Am Montag wird um 19 Uhr die Verleihung gestreamt, Sie können zugucken und für mich und all die anderen tollen Nominierten abstimmen:

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Gelesen | Herr Buddenbohm sittet einen Leihund, der den gleichen Namen wie seine Mutter hat. Was die Sache nicht wirklich vereinfacht.

Samstag, 26. Januar

26. 01. 2019  •  7 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Allgemein«

Begegnung in der Bahn | Ich sitze in der U-Bahn. Ein Postbote steigt mit seinem Postgefährt ein. Die Bahn fährt an, das Gefährt rollt.

„Bremse kaputt“, sagt der Postbote. „Aber is‘ egal. Muss nur eine Station.“
„Ich stelle den Fuß ans Rad“, sage ich.

„Is‘ hinüber“, sagt der Postbote. „Aber is‘ sowieso bald vorbei. Oder glaubse, dass es in zehn Jahren noch Post gibt? Ich glaubs nicht. Briefe? Braucht keiner mehr. Nur Pakete. Wahnsinn. Ich hab Leute, die kriegen jeden Tag fünf Pakete. Wat machen die damit? Ich weiß et nich‘. Werd’s auch nie erfahren. Naja, gibt ja getz die großen Briefkästen. Damit isses ’n bissken besser für mich. Trotzdem: alles hinüber. Is‘ aber egal. Hab‘ nich‘ mehr lang. Dann verbrenn‘ ich alles. Kommt alles innen Sack, die ganzen Klamotten. Und dann verbrenn‘ ich’se und ab in die Weltgeschichte. Kanada, Australien, Neuseeland. Nich‘ Mallorca oder so. Oder kommse da grad wech?“

„Nee. Ich fahre nach Duisburg.“

„Da is‘ auch schön. Ehrlich. Is‘ nich‘ übel hier inne Gegend. Denken nur immer alle. Aber könnt‘ auch besser sein. So, da sind’wa. Schön‘ Tach noch, woll. In Duisburch.“

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Bestattungskultur in Dortmund | Heute morgen bin ich an einem Bestattungshaus vorbeigekommen, das regionale Folklore anbietet.

An der Tür war auch Werbung für eine andere Art von Beisetzung: Final Ride, die stillvolle Motorradbestattung (keine Werbung, nur Erstaunen). Besonders beeindruckt mich der Funeral Glide. Was es nicht alles gibt.

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Himmel auf Erden | Das geschätzte Backparadies (Werbung, aus Überzeugung) hat zwei neue Produkte: knackiges, französisches Baguette mit Schokoladenstücken und Genovese, ein Mürbeteigplätzchen, das Calzone-artig mit Vanillepudding gefüllt ist. Hamma.

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Gelesen | Eine Komparsenvermittlung vermittelt seit Jahren Komparsen für Filme und Scripted-Reality-Formate. So weit, so wenig überraschend. Allerdings vermittelt sie auch Protagonisten für Dokumentationen wie das journalistische WDR-Format Menschen hautnah – was die Glaubwürdigkeit der Teilnehmenden fargwürdig erscheinen lässt.

Gelesen | Die Bahn erlaubt im Bordrestaurant zukünftig die Nutzung von Laptops und anderen elektronischen Geräten. In einem Ideenzug hat sie eine Idee für besondere Laptopplätze gebaut.

Gelesen | Die norwegische Stadt Oslo hat ihre Innenstadt fast autofrei gemacht – indem sie 700 Parkmöglichkeiten entfernt und dafür Fahrradwegen, Bänken, Pflanzen und kleine Parks eingerichtet hat.



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