Draußen nur Kännchen
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Archiv der Kategorie »Turnen«

Die Professionalisierung der Kalendergirls

4. 10. 2017  •  4 Kommentare

Sportsgeist, Grandezza, Raffinesse – es gibt Neuigkeiten von den Kalendergirls. Die zauberhafteste Handballmannschaft Dortmunds ist in ihre dritte Saison gestartet.

In der Vorbereitung sind wir neue Wege gegangen und haben komplett auf Waldläufe verzichtet. Stattdessen haben wir in jedem Training gegen 20 Jahre jüngere, pfeilschnelle A-Jugendliche gespielt. Das Ergebnis: völlige Entkräftung Rasanz und Spielwitz.

Doch nicht nur auf dem Platz haben wir gearbeitet. Wie es sich für eine aufstrebende Mannschaft gehört, lief hinter den Kulissen eine ausgeklügelte Marketing- und Organisationsmaschinerie.

Um die wachsende Nachfrage unserer Fans zu bedienen, hat der Verein eine Dauerkarte eingeführt. Zum Vorzugspreis von 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) können Sie ab sofort alle Heimspiele der Kalendergirls auf einem Premiumplatz* genießen.

Dauerkarte für die Saison 2017/2018

660 Minuten Eleganz, Dynamik und technische Finessen zum Gegenwert von drei Starbucks-Kaffees! Für zwei zusätzliche Euro pro Spiel können Sie überdies unser Fan-Menü erwerben: ein Radler plus zwei Mettbrötchenhälften, serviert auf einer Genießerpappschale.

Als Dreingabe haben Sie kostenlos Eintritt zu den Spielen unserer 1. Herren. Unsere Herrenmannschaft spielt ebenfalls sehr schön, wenngleich weniger anmutig. Im Gegenzug sind die Herren deutlich jünger, und es gibt ein paar mehr Singles. Bislang konnten wir schon mehr als 50 Dauerkarten verschenken verkaufen. Greifen Sie zu, solange das Angebot heiß ist.

Unser geschätzter Trainer hat außerdem daran gearbeitet, unsere internen Prozesse zu optimieren. Wir nutzen nun eine Mannschaftsapp. Sie heißt „Spielerplus“, und wir wickeln über sie das gesamte Mannschaftsgeschäft ab: Spiel- und Trainingsteilnahme, Mannschaftskasse, Urlaube und Verletzungsmeldungen.

Der Trainer hat die App so eingestellt – warum bloß? -, dass sie uns an unsere Pflichten erinnert.

In ca. 6 Stunden findet dein Spiel statt

So können wir nun rechtzeitig vor dem Spiel mit der mentalen Vorbereitung beginnen. Schließlich sind in unserem Alter körperlichen Zustand Leistungsbereich Wille und Einstellung das A und O.

Die App gibt auch Auskunft über unsere aktuelle Aufstellung.

Aufstellung veröffentlicht: Die Aufstellung für das Spiel am 28.09. gegen Aplerbecker Mark wurde freigegeben

Bislang hat jedoch noch kein Pressevertreter Interesse angemeldet. Wir arbeiten an unseren Kontakten zur überregionalen Sportberichterstattung.

Nach vier Spieltagen mit drei Spielen und einer Spielverlegung stehen wir zurzeit übrigens auf Platz Zwei der Kreisliga-Tabelle.

*von zwei Kalendergirls eigens herbeigetragene Turnbank

Zumba immer montags und mittwochs

24. 07. 2017  •  14 Kommentare

Als ich zuletzt über Spinning bloggte, kam die Sprache auf Zumba. Ich möge das doch bitte mal ausprobieren, das sei sicherlich sehr spaßig – zumindest lohnend für eine anschließende Berichterstattung, schrieben Menschen in die Kommentare.

Ich habe nachgesehen: Mein Fitti bietet tatsächlich Zumba an, immer am Montagabend und am Mittwochabend. Die Ankündigung im Kursplan ist vielversprechend:

Dieses Workout verbindet Elemente aus verschiedenen Tanzstilen zu heißer lateinamerikanischer Musik. Alle Schritte und Drehungen sind für jeden einfach zu erlernen und bringen die Stimmung im Kursraum zum Kochen.

Kochen, das ist ja so ein Buzzword für mich – kochen ist gut, denn kochen bedeutet am Ende auch: essen.

In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Saisonvorbereitung im Sauerland, es muss Ende der 90er gewesen sein. Ich war gerade einmal 19 Jahre alt und auf dem Höhepunkt meiner körperlichen Leistungsfähigkeit, als der Trainer ankündigte: „In der nächsten Einheit machen wir etwas Besonderes. Zur nächsten Trainingseinheit kommt eine Aerobic-Trainerin.“

Haha, Aerobic!, dachten wir, die wir seinerzeit mehrmals pro Woche über Sauerländer Hügel kilometerweit durch den Wald rannten. Das wird superlustig.

Es dauerte nur etwa 20 Minuten ab Start der Aerobiceinheit, bis wir das Ganze nur noch mittellustig fanden. Einerseits war es anstrengender als gedacht, andererseits erforderte es eine Koordinationsleistung, die uns vollständig abging.

Denn die Rechenleistung in meiner Großhirnrinde ist auf zwei parallele Prozesse begrenzt, weshalb ich zwar Arme und Beine gleichzeitig bewegen kann, aber nicht zur Musik. Das ist beim Handball ja auch nicht gefordert: Da genügt es, Arme und Beine zwar irgendwie mit einem gemeinsamen Ziel, aber arhythmisch und ohne jede Grazie zu bewegen.

Ich war beim Aerobic also entweder mit den Armen oder mit den Beinen im Rhythmus – oder Arme und Beine waren im Rhythmus, dann aber nur miteinander und nicht zur Musik. Den anderen Mädels ging es ähnlich: In der Gruppe mussten wir ausgesehen haben wie die Augsburger Puppenkiste in dreifacher Schlupp-vom-grünen-Stern-Geschwindigkeit.

Wenn ich die Zumba-Ankündigung richtig verstehe, geht es dabei sowohl um Arme als auch um Beine als auch um heiße lateinamerikanische Musik. Sie dürfen sich also gemeinsam mit mir auf ein außerordentliches Erlebnis freuen.

Ich lasse Sie wissen, wenn ich dort war.

Wie ich unversehens auf ein Spinning-Rad geriet und deshalb nun samstags immer früh aufstehe

16. 07. 2017  •  20 Kommentare

Neulich hieß es in der Whats-App-Gruppe der Handball-Veteraninnen:

Hallo Mädels, wir haben für Samstag noch Räder frei. Mag jemand? Viertel nach neun ist Beginn.

Die Handball-Veteraninnnen sind Damen, mit denen ich allesamt Handball gespielt habe. In der Whats-App-Gruppe verabreden wir uns regelmäßig zum Essen und Klönen. Eine der Veteraninnen ist nun Trainerin, und ihre Mädels gehen in der Vorbereitung zum Spinning. Wenn Räder frei sind, können die Veteraninnen auffüllen.

Ich antwortete auf obigen Beitrag:

9.30 Uhr ist schmerzhaft früh. Möchte ich nur mal sagen.

Ich wollte damit lediglich auf die Abwegigkeit des Vorschlags hinweisen: Spinning am Samstagmorgen um 9:30 Uhr an einem Ort, der am anderen Ende der Stadt liegt. Das heißt nämlich: 7:30 Uhr aufstehen – vor solch absurd anstrengenden Sportarten muss man vorher ein Brot essen -, Kontaktlinsen ins Auge stecken, anziehen, durch die Gegend fahren (mit Autobahn!), um bei dröhnender Musik mit den Füßen auf ein Standrad gekettet zu werden. Eine bizarre Idee.

Los Nessa! Nicht lange zögern! Wir können anschließend bei mir frühstücken!

Frühstück! Bei der Veteranin mit der Schaumkaffeemaschine und den holländischen Schokostreuseln!

Ich sitze also am folgenden Samstag um kurz nach Sonnenaufgang mit Augen, verquollen wie Donatella Versace nach der achten Oberlid-OP, in einem winzigen Raum auf einem Standrad. Draußen scheint die Morgensonne. Hier drinnen dröhnt Musik. Ein Tüp mit Waden von der Größe eines Babypandabären brüllt: „Vier! Drei! Zwei! Und up!“

Und als ob das nicht genügt: Der Tüp hat eine Nebelmaschine.

„Wir bleiben im Rhythmus! Seid ihr alle wach?“
//*ppfffffffft

Chinareise im Jangtze-Delta, August 2005: 32 Grad, 97 Prozent Luftfeuchtigkeit, 100 Prozent Smog. So ist Spinning im Juli 2017, in einem Panic Room mit Nebelmaschine.

„Und jetzt eine schnelle Runde. Vier Minuten Sprint! Davon zwei Minuten aus dem Sattel! Vier! Drei! Zwei! …“

Sprints sind völlig ungeeignet für meine Beine. Meine Beine sind für langes Ausschreiten gemacht. Oder für schnelles Laufen an Land. Aber nicht für Roadrunner-artige Umdrehungen an einer winzigen Kurbel. Erstaunlich, wie schnell manche Menschen ihre Beine bewegen können. Diese kleine Person vor mir zum Beispiel – die Beine, eine rotierende Scheibe.

„Noch zwanzig Sekunden!“
Zwanzig?!
„Noch fünfzehn!“
Nebelmaschine, Lasershow, dazu AC/DC.
„Die hintere Reihe auch! Ein bisschen schneller.“
Ich geb dir gleich schneller. Mach mal die Augen zu, dann siehste, was schnell ist. Ich glaube, es hackt.
„Noch zehn!“
Für dich vielleicht.
„Fünf!“
Alta.
„Und setzen.“
Na endlich.
„Nicht langsamer werden!“
Nicht???
„Aktive Erholung!“
Wie das gehen soll, habe ich noch nie verstanden.
„Und nochmal! Vier! Drei! Zwei! Und up!“
Pass mal auf, du Kasper.
„Nochmal fünfzehn Sekunden Vollgas!“
Was halt so Vollgas ist, ne.
„Seid ihr bereit?“
Nee.
„Fünfzehn!“
Moment! Eben ware es fünfzehn! Jetzt müssen es zehn sein!
„Zehn!“
Du lügst doch.
„Fünf!“
Meine Oberschenkel sind das Fegefeuer.
„Setzen. Widerstand raus. Und erholen.“

Spining ist auch deshalb völlig absurd, weil ich bei keiner anderen Sportart so bizarr viel schwitze. Mir tropfen die Niagara-Fälle vom Körper.

„Jetzt kommt ein schöner, langgezogener Berg. Ein Berg, der euer Herz erfreuen wird.“
Moment. Ich dachte, wir erholen uns.
„Widerstand rein.“

Das Problem mit Spinning, besonders mit Spinning morgens um 9:30 Uhr ist: Danach fühle ich mich zwar wahnsinnig straff. Ich möchte aber auch umgehend ein kleines, mit Crème fraiche gefülltes Schwein essen. Auf Toast. Überbacken mit einer Käsekruste. Zum Glück gibt es Frühstück mit Schaumkaffee. Und Schokostreusel.

Nächste Woche wieder.

Das große Kalendergirl-Saisonfazit

23. 05. 2017  •  7 Kommentare

Meine zweite Saison mit den Kalendergirls ist beendet. Dafür, dass ich niemals mehr Handball spielen wollte, sind das ganz schön viele Saisons.

Sportliches Fazit: Platz Zwei der Damen-Kreisliga mit 33:3 Punkten und 396:276 Toren. Klassenerhalt geglückt. Wir haben nur einmal verloren, aber es war eben eine Niederlage zu viel, um aufzusteigen. Das wurmt schon ein bisschen, selbst wenn man, so wie ich, frei von sportlichem Ehrgeiz ist.

Zwischenmenschliches Fazit: Ein neues Mannschaftsbaby und niemals mehr Flausch in meinem Sportlerinnenleben.

Natürlich, damals in der Landes- und Verbandsliga, das war auch flauschig. Allein die Mannschaftsfeiern: legendär. Gleichzeitig war da aber dieser Leistungsgedanke, der das Grundgefühl doch deutlich trübte.

Den Kalendergirls hingegen ist der Leistungsgedanke fern. Oder sagen nicht: Er ist zwar da – aber nur, solange wir keine Waldläufe machen müssen. Oder Bergaufsprints. Himmel! Wenn ich daran zurückdenke: Bergaufsprints! Und dieses Gehüpfe auf einem Bein die Treppen hoch! Wenn’s mich während meiner Rentnerjoggingrunde wild packt, ja, dann kann ich kurz ansprinten, also … von hier bis zur Ecke, kurz vor Zuhause vielleicht. Aber als offizieller, halbstündiger Programmpunkt? Also: nee.

„Es gibt schon tolle Übungen“, meinte der Trainer während der Mannschaftsfeier am Wochenende. „Aber ihr wollt ja nicht mehr alles machen.“ Es ist so schön, dass er das verstanden hat.

Die Mannschaftsfeier war ebenfalls ohne sportlichen Ehrgeiz. Damals™ hat die Mannschaft erst noch eine 80-Kilometer-Fahrradtour gemacht, bevor sie einkehrte. Jetzt kehren wir direkt ein. Mit Partnern, Partnerinnen, Kind und Kegel – frisch Kennengelernte werden der Mannschaft zu dieser Gelegenheit kurz vorgestellt. „Wir sind seit dem 15. zusammen.“ – „Dem 15. was?“ – „Na, Mai.“ Je früher das Genehmigungsverfahren läuft, desto früher können wir bei Problemen unterstützen.

Weil wir in dieser Saison so gut abgeschnitten haben, bekommen wir neue Trikots. Alta! Das wird ein Projekt! Wir haben schon kurz vorbesprochen: Das neue BVB-Trikot ist eine schöne Sache. Allerdings: Unsere Vereinsfarben sind blau-weiß (ausgerechnet!), die Farben passen also nicht. Aber das Muster: Blockstreifen, die zur Mitte auslaufen. Das formt eine schmale Taille. Die Bewegungsunschärfe wirkt gleichzeitig enorm dynamisch. Ein Trikot, wie für uns designt.

Hinzu kommt, dass wir Einiges an Guthaben in der Mannschaftskasse haben. Ist ja logisch: Wir vertrinken unsere Monatsbeiträge nicht mehr so ausdauernd wie noch mit 25, dafür können wir aus dem Handgelenk achtstöckige Kuchen backen, die beim Hallenverkauf horrende Einnahmen generieren. Zusätzlich haben wir süße, ebenfalls selbst produzierte Kinder zur Verfügung, die wir hinter die Theke stellen, damit sie während des Verkaufs rechnen lernen – und die gleichzeitig gute Trinkgelder provozieren (Win-Win!). Wir schwimmen also im Geld. Nur, wohin damit? Eine Sweaterjacke mit Reißverschluss wäre noch schön. Oder doch lieber ein Langarmshirt? Es ist so schwierig. Wir werden noch ein zweites Projekt aufsetzen müssen.

Das Ziel für die nächste Saison ist also klar: Neue Trikots aussuchen. Und Kleidung. Ach ja, und: Aufstieg in die Bezirksliga.

#bedforawayfans: Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen

12. 04. 2017  •  13 Kommentare

#bedforawayfans: The Internet is a great place, if we make it great
(English translation below)

Es ist kurz nach der Absage des Spiels des BVB gegen Monaco, als der Hashtag geboren wird: #bedforawayfans. Drei Stunden später sammele ich V. und seinen Freund P. am Stadion ein.

Es ist bereits mitten in der Nacht, halb zwölf, und die beiden stehen am Remydamm vor dem Gebäude der TSC Eintracht. Straßenlaternen beleuchten sie. Es ist still dort – auf dem großen Parkplatz in der Nähe des Stadions. Er ist leer. Der Wind weht leicht. Sie winken, als ich angefahren komme.

Am Mittag, erzählen sie, seien sie in Paris losgefahren, mit dem Fernbus. Dort wohnen und arbeiten sie. Eine Schande sei dieser Anschlag. Und eine Schande seien auch die Umstände. Nicht einmal das Stadion hätten sie von innen gesehen, denn ihr Bus habe stundenlang im Stau gestanden. Sie seien erst dort angekommen, als alle Leute es schon wieder verließen.

Wir fahren heim zu mir. Natürlich habe ich vorher abgewogen: Allein daheim, als Frau. Ist es da klug, zwei fremde Kerle einzuladen? Aber ich habe Befürchtungen satt, diese ständigen Bedenken, das Immer-vom-Schlimmsten-Ausgehen. Das hemmt einen nur, Tolles und Interessantes zu erleben, und was soll das auch, das ist doch alles Unsinn.

Wir schwatzen ein bisschen über dies und das, aber vor allem sind wir müde. Ich beziehe beiden ihre Oberbetten, P. bemerkt den Kerzenhalter mit den Weinkorken in meinem Wohnzimmer und meint anerkennend, dass ich sicher gerne Wein möge. „Ja,“ sage ich. Aber das, ich deute auf die Korken, sei die Sammlung einiger Jahre Beisammensein mit Freunden. „Bien sûr“, meint P., „natürlich einige Jahre. Und“, in seiner Stimme schwingt das sanfte Vibrato der Ironie mit, „natürlich viiiiieler Freunde.“ Wir verstehen uns.

Natürlich hätten sie heim fahren können nach Paris – mit dem Abendbus, wie geplant. Aber dann hätten sie den ganzen Weg auf sich genommen, ohne das Spiel zu sehen. Und auch ohne das Nachholspiel am nächsten Tag erleben zu können. Sicher: Sie hätten auch ein Hotel nehmen können, theoretisch. Doch bei 3.000 Franzosen in der Stadt, den üblichen Messe- und Geschäftsgästen und wenig Orientierung zu später Stunde – da ist es in der Praxis schwierig, ein Bett zu finden.

Als ich frage, ob die beiden Hunger haben, winken sie ab. Nein, nein, sagen sie. Nur keine Umstände. Und: Sie hätten Chips gehabt und einen Snack im Bus, das genüge für die Nacht.

Keinen Hunger? So kann ich nicht arbeiten. Ich habe Gastfreundschaft in Russland gelernt, da wird aufgetischt, bis sich die Tische biegen. Gäste, die nichts essen wollen? Undenkbar! Aber nun gut. Meine Stunde wird kommen.

Am Morgen hole ich Brötchen und decke den Tisch. Wir halten es unkompliziert: Frühstück an der Kücheninsel. V. freut sich über ein typisch deutsches Frühstück mit Aufschnitt und Marmelade, das sei ausgesprochen prima. Wir sprechen über Fußball und über Marine Le Pen. Über Europa und den Brexit, über Flüchtlinge hier und dort, über die anstehenden Wahlen, über die Auswirkungen auf die Wirtschaft (P. arbeitet bei der Bank und verwaltet Aktienportfolios seiner Kunden), über die Rolle der Medien (V. arbeitet bei einem Fernsehsender als Community-Manager) und wieder über Fußball. Die beiden bekommen Zahnbürsten und eine Dusche. Danach jeder ein Bergmannbier für den Weg, das beste und traditionellste der Dortmunder Biere – natürlich, das muss sein. „Was steht da?“, fragt mich P. und deutet auf das Etikett. – „Harte Arbeit. Ehrlicher Lohn.“ – „That’s me.“ Ich gebe ihnen auch eine kleine Skizze mit Tipps für den Zeitvertreib und mit dem Weg zum Stadion.

Als ich sie in die Stadt fahre, sagen sie: „Vielleicht sind wir heute Abend die einzigen im Gästeblock. Gestern sind so viele Fans direkt wieder abgefahren.“ Sie schauen sich an und schwingen ihre Oberarme. Ich lache. „Geht auf den Alten Markt“, sage ich. „Dort werdet ihr Freunde treffen.“

P. drückt mir ein Kärtchen in die Hand. Dann verschwinden sie in die Stadt.

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*

It was shortly after the match had been cancelled, yesterday evening: Borussia Dortmund – AS Monaco, when the hashtag #bedforawayfans was born. Three hours later I pick up V. and his friend P. at the stadium.

It is already late at night, half past eleven, when they stand at Remydamm in front of the club house of TSC Eintracht Dortmund. Street lights are spending a blunt brightness. It’s quiet and silent out there, at this vast parking space next to the stadium. A smooth wind is blowing. They wave at me when I’m coming closer.

It was noon, they tell me, when they started their bus trip from Paris to Dortmund.  Paris, that’s where they live and that’s where they work. The attack’s a shame, a disgrace, they say. „And it’s also a shame that we haven’t even seen the stadium!“ Their bus had stuck in traffic jams for hours. When they’d finally reached the stadium people were already leaving it.

We go home to my house. Of course, I’d reflected: Alone at home, as a woman. Is it a good idea to host two strangers? But I’m tired of all those fear and doubts, of always considering the worst. Fear is a show stopper in experiencing wonderful und interesting things. The heck with it!

We’re chatting about this and that, but primariliy we’re tired. I prepare their beds, and P. takes notice of my candle holder with the wine corks. Impressed by their number he asks if I like wine.

– „Yes“, I say. But well, I point at the corks, „this is the result of many years with friends.“

-„Bien sûr“, P. answers, and his voice vibrates with the soft timbre of subtle irony, „many years. And a lot of friends.“ We’re getting along.

Of course, V. and P. could have gone home to Paris, could have taken the latest bus from Dortmund back to Paris as they’d planned. But if so, they had made the whole journey for nothing. They won’t be able to see the stadium from inside and they won’t be able to the watch the rearranged match which will take place the next day. Surely they could have taken a hotel room, hypothetically. But with 3.000 French people in town, with the common business and trade fair guests and with little knowledge of Dortmund late at night – with all that it’s difficult to find a hotel room.

I ask them if they’re hungry. They shake their heads. No, they say. No trouble, please. They’ve had chips and a snack in the bus. That’ll be enough for the night.

Not hungry? That’s not the way I work. I once learnt hospitality in Russia. Where they dish up until the table breaks. Guests who don’t want to eat? Impossible! But well. My time is yet to come.

In the morning I go to the bakery and fetch some rolls. We keep it simple: breakfast at the kitchen island. V. says he likes typical German breakfast with meat and jam. We talk about football and Marine le Pen. About Brexit and Europe, refugees here and there, about the nearby elections, about their impact on the economy (P. is portfolio manager at a bank), about the role of media (V. is community manager at a TV station) and about … football. They get some tooth brushes and they take a shower. And they get two bottles of beer for their day in town, Bergmann Bier (Digger’s beer), Dortmund’s best and most traditional beer.

– „What’s written there?“, P. asks and points at the label.

– „For people who work hard.“

– „That’s me!“

They also get a draft with some sightseeing suggestions and the way from the centre to the stadium. When I drive them into town, they say:

-„Maybe we’re the only ones in the visitor’s block today. Many supporters left Dortmund yesterday.“ They look at each other and wave their arms enthusiastically.

I’m laughing.

-„Go to the Old Market“, I say. „There you’ll meet friends.“

P. hands me his business card with a note on the back. Then they disappear in town.

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Neues von den Kalendergirls, Neues vom A-Wort

19. 03. 2017  •  7 Kommentare

Noch drei Spiele, dann ist Schluss. Dann ist die zweite Handballsaison beendet, die ich eigentlich nicht mehr spielen wollte.

Heldin der Kreisliga

Das A-Wort sprechen wir seit zwei Wochen nicht mehr aus, denn der Aufstieg, jetzt können wir ihn beim Namen nennen, ist erstmal vom Tisch: Wir haben gegen die direkten Konkurrentinnen mit einem Tor verloren – das einzige Spiel bislang, das wir verloren haben, aber eben das entscheidende Spiel, und so wird dem Aufstieg 2016 nicht direkt ein zweiter folgen. Das wurmt natürlich, denn mit 27:3-Punkten und dem besten Angriff der Liga möchten wir nach oben. Aber so ist das eben im Sport. So funktioniert Charakterbildung.

Immerhin sind wir mittlerweile die bestgekleidete Mannschaft der Liga: neuer Vereinspulli, neue Flauschhose, neues Warmmachshirt, und sogar Vereinssocken haben wir. Alles in schmeichelndem Blau. Wir sehen top aus.

Nur ein Thema haben wir noch nicht gelöst: das des fehlenden Physiotherapeuten. Drei Spiele vor Saisonende ist das Team ein einziges muskuläres Problem. Es zwickt und zerrt überall zwischen Nacken und Fußsohle. Dazu kommen die bestehenden Versehrungen aus 25 Jahren Handball: Innenbänder, Außenbänder, Kreuzbänder, Syndesmosebänder, Bandscheiben, Schultersehnen – jeder Wetterwechsel ist eine größere Herausforderung als der Gegner.

Der Trainer sagte nun, für die kommende Saison könne der Verein eine zweite Hallenzeit akquirieren. Das heißt: zweimal pro Woche trainieren statt einmal. Wir schwiegen betreten. Nun ja, meinte er daraufhin, wir müssten natürlich nicht zweimal trainieren. Aber schlecht sei es sicher nicht, auch das Publikum, so wandte er ein, habe sich in diese Richtung schon geäußert. Da wir in der kommenden Saison einen Euro Eintritt kosten werden, wolle man mehr geboten bekommen. (Hallo?! Noch mehr?)

Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass wir manchmal zweimal pro Woche trainieren werden: abwechselnd der Rückraum, die Außenspielerinnen, die Kreisläuferinnen, die Torleute. So ist jede alle vier Wochen dran.

Die Frage des Physiotherapeuten wird dadurch natürlich noch drängender.

Zehn Meter

1. 02. 2017  •  15 Kommentare

Die Filmemacher Maximilien van Aertryck und Axel Danielson haben ein Experiment gemacht.

Über eine Online-Anzeige haben sie Menschen gesucht, die von einem Zehn-Meter-Turm in ein Schwimmbecken springen. Sie bekamen dafür 30 Dollar.  67 Leute meldeten sich. Das Ergebnis ist ein Kurzfilm.

Mehr als zwei Drittel der Menschen, die hinaufstiegen, sprangen. Der Rest drehte wieder um.

Die New York Times zeigt den kompletten Film, 16 Minuten. Es sind sehr witzige Szenen dabei. Lange Diskussionen. Spannende Szenen. Und Momente mit Herz.

Falls Sie so einen Zehn-Meter-Sprung nachmachen möchten: Der Serviceblog hat das für Sie getestet. Die Erkenntnisse:

  • Zehn Meter sind von oben höher als von unten, was logisch ist, denn von unten sieht man von der Wasseroberfläche hinauf, von oben aber bis auf den Grund des Beckens hinunter. Lassen Sie sich also nicht ins Bockshorn jagen. So hoch ist es gar nicht.
  • Man ist verdammt lange in der Luft. Nicht objektiv natürlich. Subjektiv. Suchen Sie sich schöne Momente aus Ihrem Leben aus, die Sie an sich vorbeiziehen lassen können.
  • Holen Sie vorher tief Luft. Sie tauchen länger und tiefer, als Sie denken. Jedenfalls dauerte es für mein Empfinden zwei nicht getane Atemzüge zu lange, bis ich wieder schnaufen durfte.
  • Halten Sie Ihre Badeklamotten fest. Ich sag nur.

Und nun viel Spaß beim Filmgucken.

Weihnachtspause bei den Kalendergirls

5. 12. 2016  •  8 Kommentare

Noch ein Spiel, dann ist Weihnachten bei den Kalendergirls. Dann haben wir zehn Spiele gespielt, also schon ganz schön viele, und das Schöne ist: Wir sind alle gesund. Keine Brüche, Risse und Zerrungen. Na gut, einmal Meniskus hatten wir, aber der ist schon älter, von vor der Saison, und am Wochenende gab’s ein blaues Auge.

Es gab auch keine Alterswehwehchen, keine verrenkten Rücken oder steifen Nacken, nur ein paar Befindlichkeiten. Aber da wir nur einmal in der Woche trainieren, und das am Donnerstag, bleibt vom Spiel am Sonntag bis zum Training am Donnerstag und vom Donnerstag bis zum Spiel am Sonntag ausreichend Zeit, wieder beizukommen – dank aktivierender Ruhetherapie, Entspannungsbädern, Wärmesalbe und Pralinés einer ausgeklügelten Ernährung.

Kalendergirls Kabine

Neben dem Gesundbleiben haben wir es geschafft, acht Spiele zu gewinnen, dazu einmal Unentschieden gegen den Spitzenreiter, der nur Spitzenreiter ist, weil er ein Spiel mehr hat als wir, sonst wären wir Spitzenreiter. Aber so ist es schon ganz gut: Verfolger sein ist besser als Anführer, denn dieser Druck! Der würde uns nur raschelig machen.

Außerdem ist unser Ziel der Klassenerhalt und nicht das A-Wort, das Eine-Liga-höher-Wort, das wir hier nicht nennen möchten. Obwohl wir uns natürlich schon überlegt haben, wie es wäre, eine Liga höher, wie es dort riechen würde und ob wir das noch schaffen könnten, nicht körperlich, das würde wohl noch gehen, aber zeitlich. Müsste man dann nicht zweimal pro Woche trainieren? Wie geht das konform mit den Entspannungsbädern und der aktivierenden Ruhetherapie? Und überhaupt, die ganze Sportwäsche. Einige von uns haben drei Kinder, die anderen zwei, wir haben alle schon genug Wäsche. Wenn dann noch mehr Sportwäsche dazukommt, brauchen wir eine Mannschaftselfe – oder einen Elf, einen Trikot- und Leibwäschenwart, so eine Art Cristiano Ronaldo fürs Waschen und Bügeln. Dann wiederum würden wir es natürlich hinkriegen. Auch motivatorisch.

Am Wochenende hatten wir aber erstmal Weihnachtsfeier: erst Glühwein, dann Buffet beim Thailänder. Das Glühweinbüdchen war am Ende so beseelt von uns, dass wir Kekse geschenkt bekamen – und einen Weihnachtsstern und zwei Packungen Champignons. Fragen Sie nicht, das würde jetzt zu weit führen.

Als wir beim Thailänder ankamen, bemerkten wir, dass der Oktober fehlt. Der Oktober wollte nachkommen, familiäre Verpflichtungen, doch statt dem Oktober tauchte in unserer WhatsApp-Gruppe ein Foto vom Bahnhof Fröndenberg auf, einem Ort im Sauerland, begleitet von den Worten: „Mädels, ich fahre gerade bis Pusemuckel!! Falsche Regionalbahn!!“ Wir konnten gar nicht schnell genug mit Emojis antworten, nur: „Danach kommt irgendwann Willingen! Skifahremoji! Aprè-Ski-Emoji!“, als schon das nächste Foto erschien, der Oktober mit einem sympathischen Herrn: „Habe einen Gleichverwirrten getroffen!! Wir fahren jetzt zurück!! Der Sekt ist schon halb leer!“

„Das is‘ doch mein Nachbar! Was macht der denn in Fröndenberg?“, rief der Juli, und tatsächlich! Der Nachbar ist jetzt als Edelfan zu einem unserer Spiele eingeladen – mit freier Auswahl beim Hallenverkauf. Also einmal Mettbrötchen für umsonst. Außerdem überlegen wir nun, nach Saisonende eine Mannschaftsfahrt nach Fröndenberg zu machen, wenn man dort so nette Leute trifft. Mallorca kommt natürlich auch in Frage, aber Fröndenberg wäre ein alternativer, zukunftsweisender Ansatz. Denn dort gibt es ein Hotel mit Wellness und Golf, und wer weiß, wo wir alle sportlich mal enden. Wir könnte mit dem Fahrrad hinfahren – von Dortmund aus geht es sogar nur bergab. Und zurück nehmen wir die Regionalbahn, den Bahnsteig finden wir ja jetzt.

Bis dahin müssen wir aber erst noch ein paar Spiele spielen. Spätestens zum Showdown gegen den Spitzenreiter werde ich Sie hier an dieser Stelle wieder informieren. Vielleicht möchten Sie dann vorbeischauen? 60 Minuten dynamischer Spitzensport voller taktischer Finessen – also, ich würde mir das nicht entgehen lassen.

Die Aufgaben des Beautywarts in einer Handball-Damenmannschaft

20. 09. 2016  •  9 Kommentare

In einer Mannschaft gibt es vielfältige Aufgaben. Kassenwart zum Beispiel, das kennt man. Das ist die Spielerin, die die Mannschaftskasse führt und die Beiträge einsammelt. Außerdem überwacht sie die Strafenliste. Strafe muss man zahlen, wenn man zu spät zum Training kommt, zum Spiel nicht absagt, seine Socken vergisst oder eine Verwarnung wegen Meckerns kriegt.

Ein weiteres Beispiel ist der Kistenwart. Das ist die Spielerin, die die Bierliste führt. Sie überwacht, dass immer eine Bierkiste für nach dem Spiel da ist und dass auch diejenige eine Spielkiste mitbringt, die tatsächlich dran ist. Kommt es zu Änderungen in der Kistenmitbringreihenfolge, etwa durch Krankheit oder ungeplantes Nutzenmüssen öffentlichen Nahverkehrs, passt der Kistenwart die Liste an und sorgt wieder für Ordnung.

Ich bin nun Beautywart. Der Beautywart füllt ein Beautytäschchen mit allen Style-, Pflege- und Hygieneartikeln, die die Damen vergessen könnten. Denn stellen Sie sich einmal vor, Sie haben Ihre Haarspange vergessen und laufen einen Tempogegenstoß. Solange sie einfach nur nach vorne rennen, ist alles in Ordnung. Wenn Sie sich dann aber umsehen, um den von hinten kommenden Ball zu fangen, wenn Ihnen dann Ihre Haare ins Gesicht wehen, Sie nichts sehen und den Ball an den Kopf kriegen, wenn Sie deshalb der Länge nach ins Aus schlagen und das bei einem Spielstand von 23:23 in der 59. Minute – ja, dann brennt die Hütte. Das verzeiht Ihnen niemand.

Oder stellen Sie sich vor, Sie wollen vor dem Spiel nochmal kurz aufs Klo und merken, dass Sie Ihre Tage bekommen, aber grad keine Damenhygiene zur Hand haben. Ihre Mannschaft läuft sich schon warm, die Musik wummert. Wollen Sie sich dann an den Spielfeldrand stellen und rufen: „Ey, Mädels, hat mal eine ’nen Tampon?“ Da kommt man sich ja vor wie im Supermarkt bei Ingolf Lück und Hella von Sinnen. Außerdem untergräbt es Ihre spielerische Autorität. Oder haben Sie schonmal Oliver Roggisch vor dem Spiel aus dem Kabinengang kommen sehen und rufen hören: „Hey, Männer, ich brauch‘ noch ’nen Hygieneartikel!“ Eben. Oli geht diskret an die Trikottasche und holt sich raus, was er braucht.

Nach dem Spiel ist dann wieder vor dem Spiel – und eine vergisst immer ihr Shampoo. Natürlich kann eine Sportskameradin aushelfen. Aber wäre es nicht schön, wenn Sie neue, jahreszeitlich abgestimmte Produkte ausprobieren könnten? Zum Beispiel das limitierte Duschgel „Autumn Blossom“ mit dem betörenden Duft aus Neroli-Blüten: bereitet die Haut mit seiner speziellen Feuchtigkeitspflegeformel auf die trockene Heizungsluft vor und macht sie weich und samtig.  Oder das neue BodyFit-Push-Up-Serum, das mit Bambus-Extrakt gegen den altersbedingten Verlust Ihrer Hautelastizität wirkt. Das ersetzt eine ganze Physiotherapie-Abteilung.

Sie sehen: Es ist ein ganz wichtiger Posten, der des Beautywarts.



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