Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Donnerstag, 25. Oktober

25. 10. 2018  •  8 Kommentare

Aufregung im Sauerland: Bald ist Allerheiligen, das kommt immer ganz unvorhergesehen, und die Gräber sind noch nicht winterschön. Das ist beunruhigend, spirituell wie kardiologisch, denn wo ich herkomme, gilt es als geradezu gottlos, am 1. November noch keine Heide auf den Gräbern zu haben.

Deshalb: schnelle Familienkonferenz – was muss gemacht werden? Wir projektieren, ein Backlog wird eingerichtet, Vatta wird Product Owner.

Das Sprint Planning sieht nun vor: Morgen Kick Off bei Blumen Risse – Blumenerde und Winterbepflanzung kaufen, Grabkonzeption. Samstag Hands-on-Umsetzung. Auf dem Friedhof gibt’s neuerdings nicht nur Gießkannen zu leihen, sondern auch Schubkarren, das vermindert den Aufwand, damit sind wir in weniger als drei Stunden durch. Anschließend kurzes Review mit der Tante. Nach Weihnachten ausgiebige Retrospektive bei Kaffee und Gewürzspekulatius.

Ich sag’s ungern, aber: Agil, Scrum – alles Firlefanz. Das ist keine Erfindung aus den USA. Das machen wir aufm Berg seit Jahrzehnten so, dazu Mettbrötchen und’n Kurzen.

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Die Nachbarn sind im Urlaub. Ich muss die Blumen gießen. Richten Sie sich auf eine Hitzewelle ein. Immer, wenn ich dort oben unterm Dach Blumen gießen muss, herrscht maximales Gießwetter – jahreszeitenunabhängig. Da hilft es auch nichts, dass die Nachbarin auf Kakteen umstellt, die „Mr. Easycare“ heißen.

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Der Landkreis Schmalkalden-Meinungen wirbt auf dem Hintern junger Volleyballerinnen mit dem Claim „Prachtregion“. So ein feiner Gag! Da haben sich die Herren Landräte bestimmt auf die Schenkel geklopft. Super Werbung! Dafür zahlt der deutsche Michel gern. Das fällt auf und wirft ein gutes Licht auf den hügeligen Thüringer Wald! Und an alle humorlosen, ungebumsten Feministinnen: Die Mädels sollen sich mal nicht so haben, ist doch lustig!

Findet die Juristin Nina Katrin Straßner auch. 

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Im November findet in Essen der Digital Future Congress statt – eine Veranstaltung, die mit dem Claim „Digitalisierung trifft Mittelstand“ wirbt. Speakerliste: 34 Vortragende, davon zwei Frauen (aufgerundet sechs Prozent, #serviceblog).

Ich wurde gefragt, ob ich sprechen wolle, und habe gesagt: Klar! Mache ich! Der Veranstalter wollte allerdings, dass ich Geld bezahle, um sprechen zu dürfen. Ich habe erwidert, dass umgekehrt ein Schuh daraus wird, dass ich nämlich gerne Geld nehme, wenn Veranstalter mich buchen. Wir sind dann nicht zusammengekommen.

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Ich bin ja Mitglied im Dortmunder Ladies‘ Circle. Das ist eine Organisation von Frauen, die Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Nebenbei klönen wir und treffen uns zum Dattel-Dip-Essen; natürlich klönen wir ganz selten, wir sind sehr diszipliniert und zielorientiert. Sie können sich das vorstellen.

Aktuell machen wir beim Weihnachtspäckchenkonvoi mit. Bei der Aktion packen Kinder Päckchen für Kinder. Der Ladies‘ Circle fährt die Päckchen gemeinsam mit Männern vom Round Table – das ist die männliche Partnerorganisation – nach Osteuropa und verteilt sie dort.

Zwei Ladies aus Dortmund, Melanie und Katharina, fahren mit nach Rumänien und übergeben die Päckchen persönlich. Das haben sie auch 2017 schon gemacht und die Jahre zuvor. Wer mehr davon sehen oder hören will, findet auf der Facebookseite Bilder, und es gibt ein Interview mit Katharina beim Dortmunder Radio 91.2.

Wenn Sie in Dortmund oder Umgebung wohnen, ein Päckchen packen wollen oder sogar Lehrer oder Lehrerin, Erzieher oder Erzieherin sind und mit vielen Kindern mitmachen wollen, freuen wir uns. Mehr Infos, wie man mitmacht und was am besten in so ein Päckchen kommt: hier und auch in einem Flyer [pdf]. Oder bei mir.

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Ergänzung noch zum Thema „Klönen und Dattel-Dip“: Gestern gab es beim Circle-Abend Keksteig zum Löffeln, dieses „Höhle der Löwen“-Ding. Ich kannte das nicht, ich gucke im Fernsehen ja nur die Lindenstraße.

Seltsames Produkt. Auf künstliche Aromastoff-Weise irgendwie lecker. Liegt allerdings schwer im Magen.

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Gelesen: Hase, du bleibst hier – über den Männerüberschuss in ländlichen Regionen, vor allem im Osten Deutschlands, aber auch in Süddeutschland.

In Parchim in Mecklenburg-Vorpommern kommen auf vier junge Männer nur noch drei junge Frauen. In der Gemeinde Weißkessel im Landkreis Görlitz stehen 100 Männer nur noch 56 Frauen gegenüber. Das größte Frauendefizit hatte 2009 die Gemeinde Schönbeck in Mecklenburg-Strelitz mit 17 Männern und keiner einzigen Frau im Alter von 20 bis 24 Jahren.

Die Folgen für die Gesellschaft sind gravierend. Denn vergleicht man die Landstriche mit den Wahlergebnissen rechter Parteien, so zeigt sich: Wo die Frauen fehlen, werden mehr Nazis gewählt. Es gibt mehr Rassismus, mehr Fortschrittsfeindlichkeit und mehr Rückwärtsgewandtheit. Das ist kein ursächlicher Zusammenhang. Aber es ist ein Zusammenhang.

Warum die Frauen fehlen, ist offensichtlich: Sie sind besser gebildet als die Männer.

In Löbau-Zittau stellen Frauen nur 35 Prozent der Schulabgänger mit Hauptschulabschluss, aber 61 Prozent der Abiturientinnen.

Wer sich entwickeln will, wandert in die Städte ab. Das ist überall so. Das war auch bei mir so: Ich habe nach dem Abi das Sauerland verlassen und bin nicht zurückgekehrt. Ich wohne seither in Großstädten, denn dort gibt es Arbeit, Perspektive und einen offeneren Geist.

Was in den Regionen wegbricht, wenn Frauen in großer Zahl gehen und nicht zurückkehren, ist die soziale Infrastruktur, sind der Dienstleistungssektor, die sozialen Ehrenämter und das Engagement für die Gesellschaft.

In Gegenden mit eklatantem Frauenmangel breche bürgerschaftliches Engagement teils gänzlich zusammen, so Gabler: „In Regionen mit Männerüberschuss hält die soziale Kälte Einzug.“

Die AfD liefert das passende Programm dazu: Die Frau soll gefälligst am Herd bleiben, die Hetero-Familie ehren, sich „um die Keimzelle der Gesellschaft“ kümmern.

Die Krux an der Sache: In den Landkreisen entsteht ein Teufelskreis. Die Frauen, die noch da sind oder die dort aufwachsen, möchten umso weniger in diesem Umfeld bleiben, je männerdominierter es wird.

Mittwoch, 24. Oktober

25. 10. 2018  •  Keine Kommentare

Draußen Herbststurm mit Fieselregen, Wind und zwischendurch Sonnenschein. Drinnen Vortrag für den Deutschen Krankenhaustag fertig gemacht.

Dort bin ich am 15. November mit dem Thema „Crossmediales Storytelling“. Der Vortrag ist kurz, 20 Minuten mit anschließender Diskussion – was nicht heißt, dass die Vorbereitung kurz ist. Es ist vielmehr so, dass ich an 20 Minuten  Vortrag genauso lange feile wie an einem ganzen Tag Workshop. Es muss halt alles passen und sitzen; bei so einer knappen Nummer habe ich keine Stichworte, das läuft alles frei. Die Folien müssen aufs gesprochene Wort passen und enthalten kaum Text, ich habe fast nur mit Bilder, lediglich am Ende gibt’s ein paar handfeste Hinweise, je zwei Zeilen pro Blatt. Ergänzend habe ich deshalb ein Handout fertiggestellt, in dem noch ein bisschen was drinsteht, also das, was ich erzähle, und der Moderator kriegt Infos für die Anmoderation. Das ist alles am Mittag weggegangen.

Danach habe ich mich um einen weiteren Vortrag gekümmert: Unternehmerclub der Networker.NRW. Thema ist agile Führung und neue Führungskultur. Da habe ich etwas mehr Zeit, die ich allerdings auch etwas interaktiver gestalte. Es wird darum gehen, warum Menschen kündigen und was das mit der Unternehmenskultur zu tun hat, warum in komplexer Umwelt und Marktsituation die klassischen Hierarchien und Abteilungen nicht gut funktionieren und wie ein anderes Führungsverständnis da helfen kann.

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Ich habe nach buddenbohmschen Vorbild einen Wirtschaftsteil für die GLS-Bank verfasst. Thema: Nachhaltige Teamarbeit. Es geht um mehr Mut, Quereinsteiger einzustellen, ums Agilisieren und Verscrummen und ums Streiten.

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In unserer neuen Podcastfolge unterhalten Christian und ich unterhalten uns über Bewerbungen, übers Bedrängtwerden und übers Starksein.

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4:0 gegen Atlético. Ich bin entzückt.

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Gelesen: „Ich bin der Papa“ [€] – über den Job des Schulleiters in Dortmund und über die Frage, warum so wenige Lehrer und Lehrerin eine solche Stelle haben wollen.

Dienstag, 23. Oktober

23. 10. 2018  •  Keine Kommentare

Heizperiode. Wärmflaschenjahreszeit.

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Über die Startnext-Kampagne fürs Buch bin ich auf Proud to be Sensibelchen gestoßen und habe in den Podcast reingehört. Was ich an den beiden Podcastfolgen, die ich hörte, schön fand, war die Haltung, Sensibilität zu begegnen: dass sie eben kein Defizit, sondern eine Bereicherung ist.

Etwas schade finde ich, dass so wenige Männer zu Wort kommen. Vielleicht kommt das noch.

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Christian war hier und wir haben eine zweite Podcastfolge zum Thema „Gleichberechtigung“ aufgenommen. Die erste war im Mai, und es sind noch so viele Themen offen geblieben, dass wir weitergemacht haben. Am Ende der Aufnahme haben wir allerdings festgestellt, dass wir sehr mäandert sind. Ob das gut oder schlecht ist, müsst Ihr selbst feststellen.

Passend dazu schrieb der andere Christian heute zu einem verwandten Thema:

Die Liebste und ich sprachen letztens darüber, wie Männergruppen funktionieren und dass man fast immer die gleiche Struktur erkennen kann: Es gibt ein Oberarschloch, der die Macht hat. Darum gruppieren sich einige Speichellecker, die gerne auch Macht hätten und die beste Chance darin sehen, dem Oberarschloch zu folgen. Drittens gibt es dann noch Mitläufer, die – oft aus äußeren Anlässen gezwungen – mit in der Gruppe sind.

Auf die stillen Mitläufer, die vielleicht gar nicht mitlaufen wollen, es aber doch tun, gehe ich auch im Podcast ein, ungefähr nach einer halben Stunde, und da werde ich leicht energisch. Oder, um es mit den Worten einer nicht näher genannten Person aus meinem Umfeld zu sagen: Da rege ich mich dann „ganz süß auf“.

Ich möchte an dieser Stelle festhalten: Wenn ich mich aufrege, ist das KEINESFALLS SÜSS!!

Zurück zu Christian (dem anderen). Er endet mit einem …

Aufruf an die Mitläufer: Sei nicht so feige, mach Dein Maul auf, rette Dich selbst.

Du bist dafür allein verantwortlich. Ja, das ist schwer, ich weiß wovon ich spreche.

Aber dass Du durch Schweigen und einfaches Mitlaufen ganz gut überleben kannst, das ist exakt eines dieser Privilegien als Mann von denen alle immer reden.

Falls Du Dich aber manchmal auch schämst und unwohl fühlst in solchen Runden: Dann zeig doch mal Haltung und mach Deinen Mund auf.

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Heute gesehen, wie das Eichhörnchen an der Wand des Nachbarhauses bis aufs Dach hinaufkletterte, dort offensichtlich vergessen hatte, was es wollte, ratlos in die Gegend guckte, die Wand hinabschaute, ob der Höhe erschauderte, zaudernd auf dem Giebel hockte, hinabschaute, wieder in die Gegend guckte, wieder hinabschaute und dann über die Dachschindeln weghoppelte. Ob es nun immer noch auf der anderen Seite des Hauses sitzt, kann ich von meinem Balkon aus nicht sehen.

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Je kürzer und prägnanter ein Vortrag sein soll, desto länger braucht die Vorbereitung. Heute für Sie getestet.

Montag, 22. Oktober

23. 10. 2018  •  4 Kommentare

Beim Frühstück „Anything is possible“ von Elizabeth Strout zu Ende gelesen. Ein Buch, in dem jedes Kapitel eine Geschichte über einen Menschen in einer Kleinstadt erzählt. Die Charaktere sind lose verbunden, sie sind Nachbarn, Geschwister, Kunden, Cousins und Cousinen oder sie kennen sich vom Sehen.

Müslischale, Kaffebecher und das Buch von Elizabeth Strout

Zusammen ergeben die Geschichten das Bild der Stadt und das Bild von Menschen, die sich nach Glück sehnen; sie fühlen Liebe und Neid, Wut und Einsamkeit, sie sind verletzt oder zuversichtlich. Eine schöne Lektüre.

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Der November wird voll. Sehr voll – was natürlich wunderbar ist, geschäftlich gesehen. Deshalb ist das hier keinesfalls eine Beschwerde, lediglich die Erkenntnis im zweiten Jahr meiner Selbstständigkeit, dass meine Tätigkeit saisonalen Charakter hat.

Für die geringer ausgelasteten Sommermonate könnte ich mir also noch Businessoptionen suchen. Eisverkauf zum Beispiel. Oder besser: Aufträge als Eistesterin. Ich verfüge über hervorragende Referenzen im Segment „Spaghettieis“, bin örtlich nicht gebunden und offen für zeitgenössische Sorten angesagter Großstädte. Engagements als Reisebloggerin würden mich auch reizen; das ließe sich ja auch verbinden. Jemand Interesse?

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Am 1. November bin ich in Hamburg und habe dort vormittags einen Termin und nachmittags Zeit für einen Kaffee.

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Gelesen: Was wäre, wenn auf deutschen Autobahnen ein generelles Tempolimit von 120 km/h gälte? Weniger Staus und weniger Unfälle wäre.

GelesenBayern gibt eine Lehrstunde im modernen Fußball. Sie haben die Berichterstattung so gewollt – zwar weniger ironisch, aber nun.

Gelesen: Afghanistan: Vom Wandel zerrissen. Die Geschichten von Marwa, Roya und Hussein, die zur jüngeren Generation Afghanen gehören, und die eine Identität suchen in einem Land, das irgendwie zwischen Tradition und Moderne lebt.

GelesenDie Öko-Lüge – Wie Deutschland seine Vorreiterrolle beim Klimaschutz verspielt. Gelernt, dass in der Windenergiebranche 160.000 Menschen arbeiten, im Braunkohletagebau 21.000. So viel zum Thema Arbeitsplätze. Außerdem gelernt, dass  dass CO2-Einsparungen in den zurückliegenden Jahrzehnten einfach waren, nun aber schwieriger werden, weshalb es auch schwieriger wird, politische Klimaziele zu erreichen.

Ich denke, wir brauchen alle viel mehr Fantasie, um klimafreundlicher zu leben. Es ist ja nicht so, dass die Leute ihr Auto aus Hass gegen die Welt benutzen. Ich zum Beispiel benutze es, weil es schneller und komfortabler ist – und zwar deutlich schneller und komfortabler als der ÖPNV hier im Ruhrgebiet.

Lassen wir aber mal etwas Fantasie zu. Gäbe es zum Beispiel eine Gondelbahn von mir daheim über den Phoenixsee zur U-Bahn, würde ich viel mehr ÖPNV fahren. Führe die Gondelbahn bis in die Innenstadt – vorbei an alter Industriekultur -, würde ich nur noch Gondelbahn fahren.

Sie halten das für eine idiotische Idee? Ich nicht – und andere auch nicht. 

Sonntag, 21. Oktober

21. 10. 2018  •  4 Kommentare

Alles begann am Donnerstagmorgen am Dortmunder Hauptbahnhof, als der InterCity 2212 Verspätung hatte. Erst 90 Minuten, dann 110 Minuten, dann 140 Minuten.

IC nach Hamburg, 110 Minuten Verspätung

Eigentlich wollte ich in diesen IC einsteigen und nach Hamburg fahren. Ich hatte in Hamburg einen Termin um 12 Uhr. Stattdessen kam der Zug nicht, und es kam auch kein anderer Zug in Richtung Norden, zwei Stunden lang.

Die Verspätung brachte es mit sich, dass ich auf dem Sockel eines Ritter-Sport-Denkmals hockte, ein vier Meter hoher Werbestapel mit Schokoladenattrappen. Neben mit saß ein Ehepaar, graue Haare, adrette Kleidung, das, wie es erzählte,  normalerweise in Kanada wohnt, an diesem Donnerstagmorgen aber von Düsseldorf aus an einen Schokoladenstapel in den Dortmunder Hauptbahnhof gespült worden war und nicht wusste, wohin nun. Beziehungsweise: Es wusste schon, wohin, nämlich nach Hamburg, so wie ich, nur halt nicht, wie und wann.

Wir unterhielten uns, es ging um Freiheit und Verantwortung, um Deutschland und Kanada, ums Arbeiten und ums Verändern. Wir unterhielten uns so gut, dass ich danach in einem Café einen Newsletter schrieb, in dem es um diese Begegnung geht und den Sie in der kommenden Woche lesen können (hier abonnieren), und wir unterhielten uns so gut, dass die Zeit schnell verging.

Mein Termin in Hamburg platzte; mein Gesprächspartner konnte nicht später und auch nicht am  nächsten Tag; wir machen einen neuen aus. So entschloss ich mich, von meinem Schokostapel aus nach Hannover zu fahren, denn ich wäre von Hamburg aus ohnehin nach Hannover gefahren, zwar erst am Abend, aber nun. Ich ließ also meine Zugbindung aufheben und fuhr nach Hannover, wo ich am frühen Nachmittag, also viel zu früh, ankam. Ich setzte mich in ein Café und schrieb meinen Newsletter.

Ich finde es faszinierend, wie wenig es im Jahr 2018 braucht, um zu arbeiten: Es genügt ein Platz zum Sitzen und WLAN, und nicht einmal WLAN brauche ich. (Fast) Alles ist digital verfügbar; ich kann jederzeit losarbeiten, in einem Café in Hannover oder auf einem Schokoladenstapel am Hauptbahnhof. Wenn ich an meine beruflichen Anfänge zurückdenke … schon irre, welche Entwicklung sich seither vollzogen hat.

Nach rund zwei Stunden schob ich mich und meinen Koffer nach Hannover-Linden, kaufte unterwegs ein Geburtstagsgeschenk, arbeitete nochmal zwei Stunden im Marktcafé und war dann verabredet, aß in einem kleinen Restaurant Bibimbap und trank lokales Bier.

Mashsee

Die lokale Braukunst erwacht ja seit einigen Jahren wieder zum Leben; das finde ich prima, da probiere ich mich gerne durch.

Das tat ich auch am Samstag, allerdings nicht in Hannover, sondern in Dortmund, mit Karl Hoesch, einem Pils aus dem Hause „Hörder Fackel“. Die Hörder Fackel ist ein Dortmunder Craft Beer und nach einer 100 Meter hohen Konvertergasfackel eines Oxygenstahlwerks benannt. Karl Hoesch hat es selbst nie gegeben, jedenfalls nicht als reale Person.

Pils "Karl Hoesch"

Das Bier ist allerdings sehr real, wenngleich nicht sehr pilsig. Es geht leicht ins Süßliche und ist recht süffig.

Zurück nach Hannover, wo ich am Donnerstag in einer WG in Linden schlief – fragen Sie nicht, mein Leben ist komplex geworden -, und wo ich am Freitagmorgen durch den Von-Alten-Garten lief, ein hübscher Park. Es ist nun unübersehbar Herbst, trotz hoher Temperaturen und ausbleibender Herbststürme.

Von-Alten-Garten: bunter Herbstwald mit Laub

Für eine weitere Arbeitseinheit quartierte ich mich bei Fräulein Schlicht ein, ein kleines Café mit Frühstück von 10 bis 18 Uhr – mein Laden! Es gab selbst gebackene Brötchen und später eine Buttermilchwaffel.

Frühstück bei Fräulein Schlicht

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Die Möbelberatung hier im Kännchenblog war erfolgreich. Ich war bei rs möbel in Bochum und habe einen Tisch gekauft. Frau der Tat!

Tisch Eiche mit Stuhl

In sechs Wochen zieht nun Maßtisch Pablo bei mir ein, 80 x 160 Zentimeter, also eher klein für den Alltag und mit Ansteckplatte und acht Stühlen für größere Gelage.

Ich hätte ungefähr ein Drittel der Einrichtung kaufen können – toller Laden. Sollte ich  irgendwann mal in die Verlegenheit kommen, ein Schloss zu besitzen und moblieren zu müssen, komme ich dorthin zurück.

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Was sonst noch geschah:

Der BVB hat 4:0 in Stuttgart gewonnen. Schöne Tore.

Duisburger Bäcker nehmen sich die Friseurtradition zum Vorbild und geben ihren Broten nun Wortspielnamen: Vollkornbrot Vollker.

Vollker, das Vollkornbrot

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Zwischenstand im Buchprojekt „Käthe Paulus“:

//40.725 Wörter, 253.668 Zeichen, 1.119 Absätze, 4070 Zeilen

Mittendrin in der Biographie, mittendrin im Ballonfahrtbusiness und mittendrin in einer Liebesgeschichte. Ich möchte bitte eine Selbsthilfegruppe „Sexszenen schreiben in öffentlichen Cafés“.

Mittwoch, 17. Oktober

17. 10. 2018  •  5 Kommentare

Gedönstag.

Ich habe auf meiner beruflichen Website die Abteilung „Termine“ aktualisiert. Die schimmelte nämlich vor sich hin. Jetzt können Sie wieder sehen, wo ich mich rumtreibe und wo Sie mich treffen können.

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Kontowechselservice. Eine feine Sache.

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Das Onlinemagazin Edition F hat ein paar schöne Zitate von Frauen zusammengetragen, genauer gesagt von den laut Fortune Magazine „Mächtigsten Frauen der Welt“, darunter CEOs erfolgreicher Konzerne. Diese beiden finde ich sehr passend:

„Sei dir völlig im Klaren darüber, wer du bist und was du in deinem Leben erreichen willst. Und dann mach dich auf eine Welt gefasst, die ununterbrochen testen wird, wie ernst du das wirklich meinst.“ (Shari Ballard, Best Buy)

„Sei bereit, Chancen zum persönlichen Wachstum zu erkennen, wenn sie auftauchen – denn das sind die wichtigsten Gelegenheiten, voranzukommen und zu lernen. Du erkennst diese Gelegenheiten daran, dass du dich erstmal unwohl fühlst und dein erster Impuls ist zu glauben, du wärst noch nicht so weit. Aber denk dran: Persönliche Entwicklung und Komfort gibt es nie gleichzeitig!“ (Ginni Rometty, IBM)

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Ich habe mich heute unfassbar über Lego Men und die Chauvi-Sprüche auf der Website aufgeregt. Ich wusste gar nicht, dass es das Label „Lego Men“ überhaupt gibt. Dass Lego auch noch so sexistische Sprüche raushaut, hätte ich gerade dieser Marke nicht zugetraut.

Lassen Sie sich nichts einreden. Es kommt nicht nur auf die Technik an.

(Vor dem Bild eines Kranauslegers)

4057 Teile. Das nennen wir gut bestückt.

Wie viel YouP*rn muss man vorher gucken, um sowas zu texten? Finden Männer so ein Marketing eigentlich gut? Diesen Bezug zu ihren Geschlechtsteilen; die Annahme, einen Penis wie einen Kran haben zu müssen? Oder die Erwartung, auf krasse Maschinen und schnelle Autos steilgehen und der Obermacker sein zu müssen?

Hand aufs Brusthaar: Was gibt’s Schöneres, als etwas Großes zu schaffen? Genau: Etwas noch Größeres zu erschaffen. Nach dem Schaufelradbagger legen wir noch einmal gut 100 Teile drauf und präsentieren einmal mehr das größte LEGO Technic Modell aller Zeiten. 4057 Teile schwer und bis zu 1 Meter lang ist der geländegängige Kranwagen. Power Functions inklusive. Das ist kein Kinderkram. Das ist ein echter Männerkran.

An beliebiger Stelle ist Tim-Taylor-Grunzen einzufügen.

Ich mag die Creator-Sachen – den VW Bus, die Saturn-V-Rakete. Offenbar ist das alles Lego Men. Habe ich bislang nicht gewusst; ein Wunder, dass mir beim Zusammenbau des Creator-Roboters letztens keine der zitierten Brusthaare gewachsen sind.

//*guckt sich nochmal in die Bluse

Nein, tatsächlich nicht.

Ich werde das Zeug demnächst nicht mehr kaufen können. Bin als Frau schließlich ungeeignet.

//*speit Feuer
//*atmet Blutdruck runter

Wie passend, dass mein Podcast-Christian und ich gestern beschlossen haben,  das Thema „Gleichberechtigung“ weiter zu vertiefen und die Folge aus dem Mai gedanklich weiterzuführen.

Ich freue mich über Wortmeldungen in den Kommentaren! Aus Männer- und aus Frauensicht – gerne zum Thema Geschlechtergleichgerechtigkeit, aber gerne auch zu weiteren Themen. Da gibt’s ja noch viel mehr als die Mann-Frau-Sache.

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GelesenDozenten und Professoren erzählen, was sie von ihren Studierenden gelernt haben

Gelesen: Was Paare zusammenhält

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Tut mir leid, dass ich zurzeit viel über Arbeit blogge. Aber die nächste mehrwöchige Abenteuerreisen will halt auch irgendwie finanziert werden.

Dienstag, 16. Oktober

16. 10. 2018  •  6 Kommentare

Danke für die Tisch- und Möbel-Empfehlungen. Sie haben etwas Licht ins Dunkel gebracht. Bin nun hochmotiviert und erwäge zunächst eine Reise zu RS Möbel. Das erscheint mir für den Anfang zielführender als Online-Experimente.

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Ich war essen.

In meiner Hood gibt es ein neues Restaurant: Ein Ehepaar, er und sie, er Deutscher, sie Mongolin, betreiben in Dortmund-Hörde seit Kurzem JIA – The taste of Home. Dort kann man asiatische Teigtaschen essen und dabei Craft Beer trinken. Oder Ingwer-Zitronen-Limo. Oder Jasmintee. Wie man mag.

Tisch voller Teigtaschen

Wir haben auf Empfehlung des Hauses ein buntes Portfolio an Teigtaschen probiert: mit und ohne Fleisch, gebraten, gekocht und gedünstet. Dazu Salat und Tofu. Alles super. Ich schreibe das, weil nicht viel los war und die Beiden etwas Anschub verdient haben, so am Anfang; weil es wirklich gut war und ich möchte, dass der Laden bleibt. Reiner Eigennutz, keine Werbung.

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Das Ergebnis meines Seminars an der TU Dortmund ist fertig:

KURT-Sonderheft und Online-Spezial: Bild von Heft und aufgeklapptem Laptop mit der Website

Ein Sonderheft des Studierendenmagazins Kurt:

16 Studentinnen und Studenten der Journalistik haben im Sommersemester recherchiert, konzeptioniert, geschrieben, fotografiert und Videos gedreht. Thema: ungerade Lebensläufe, Scheitern und Aufstehen. Herausgekommen sind zwei Magazine, eins gedruckt und eins online.

Das Projekt wurde unterstützt vom Ex e.V., dem Alumniverein der Dortmunder Journalistik. Ich habe es gemeinsam mit meiner Kollegin Steffi Opitz (ZDF/TU Dortmund) gemacht.

Auf meiner beruflichen Website habe ich noch etwas mehr darüber geschrieben: zum Entstehen des Seminars und wie die Studierenden beruflichen Erfolg definieren (//*Zaunpfahlwinken in Richtung HR-Abteilungen).

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Das Auto hat wieder TÜV. Zur Belohnung hat es eine Wäsche bekommen.

Waschstraße - durch die Windschutzscheibe fotografiert

Außerdem hat es jetzt Winterreifen. O bis O, wir ziehen das durch, auch bei 28 Grad. Denn Klimawandel hin oder her: Alles muss seine Ordnung haben.

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Gelesen: Japan – in einem Land aus unserer Zeit

Wer realisiert, dass es möglich ist, andere für eine Sekunde glücklich zu machen, verhält sich vielleicht anders.

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Es gibt eine Meldung aus der Welt der Wissenschaft, genauer gesagt aus dem Institut für Zoologie der Universität zu Köln, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Mehr Loriot geht nicht. Der Text ist mit Bernhard-Grzimek-Stimme zu lesen:

Weibliche Staublaus-Art pumpt mit penisartigem Organ Sperma aus Männchen

Ein Forscher der Universität zu Köln hat gemeinsam mit internationalen Partnern eine sozial wie auch biomechanisch bemerkenswerte Verhaltensweise bei einer Staublaus-Art entdeckt. Dabei konnte Dr. Alexander Blanke vom Institut für Zoologie in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Japan erstmals einen speziellen biologischen Ventilmechanismus nachweisen, der bisher einzigartig in der Natur ist und zu neuen Ansätzen in der Konstruktion kleinster Ventiltypen führen könnte. […]

Im nahrungsarmen Höhlenhabitat in Brasilien ernähren sich die Staubläuse (Insekten aus der Gruppe der Psocodea) üblicherweise von Fledermauskot. Das Weibchen allerdings gestaltet ihren Speiseplan dank einer ausgeklügelten Technik proteinreicher. Sie nutzt ein eigenes, penisartiges und mit Widerhaken ausgestattetes Organ, um es in das Männchen einzuführen, dort aufzublasen und das Gegenüber auf diese Weise gefangen zu halten. Über einen Zeitraum von 40 bis 70 Stunden werden dann die vom Männchen gebildeten Kopulationsprodukte abgepumpt.

In diesem Sinne: Geruhsame Nachtruhe.

Montag, 15. Oktober

15. 10. 2018  •  29 Kommentare

Herbst im Homeoffice. Schön.

Herbstgarten

Im Gewächshaus wachsen immer noch Tomaten. Sie bekommen auch immer noch neue Blüten und Früchte. Warten wir mal ab, wie lange noch.

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Am Wochenende war ich in Venlo – eigentlich, um Dinge zu tun. Zum Beispiel, um nach einem neuen Esstisch zu gucken. Weil ich aber zu tranig und am Abend zuvor spät im Bett war, am Morgen zu spät aufgestanden bin und alles in allem nur mäßig motiviert war, hatte ich nicht recherchiert, dass die Geschäfte in den Niederlanden samstags um 17 Uhr schließen.

Entsprechend habe ich nicht nach einem Esstisch geguckt, sondern bin Riesenrad gefahren. Das hatte nämlich nach 17 Uhr noch auf. Das ist das Riesenrad von unten:

Riesenrad in Venlo

Vor dem Riesenrad war ein Aushang. Er besagte, dass es sich um das größte Riesenrad der Niederlande handele. Ich möchte das größte Riesenrad der Niederlande auf keinen Fall klein reden, sehe mich als neutrale Berichterstatterin aber in der Pflicht zu erwähnen, dass es nur mittelgroß war.

So sieht es aus, wenn man drin sitzt und runterguckt:

Venlo von oben

Entgegen meinen Erwartungen konnte man nicht über die ganze Niederlande gucken.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich gerne Riesenrad fahre? Wie windig es dort oben ist! Wie toll es ist, runter zu fahren, wieder rauf zu fahren und wieder runter zu fahren. Und jedesmal kann man zu einer anderen Seite gucken.

Die Supermärkte hatten länger auf als die Möbelgeschäfte, und so war ich noch im Albert Heijn und habe Espresso und melkvlokken gekauft.

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Nochmal zurück zur Esstischfrage: Wissen Sie, wo ich einen hübschen Esstisch kaufen kann? Offline irgendwo im Ruhrgebiet oder online. Am besten mit Stühlen oder einer Bank. Stil: Holz, am besten Eiche, gerne etwas Industrielook. Oder bunt – also, die Stühle. Genaues weiß ich noch nicht. Muss halt einfach hübsch sein.

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Gelesen, offline: Glücksreaktor, das Buch von Max Wolf.

Max Wolf, Glücksreaktor

Max habe ich im Mai in Berlin getroffen, auf dem Fest meiner Agentur. Er erzählte mir, dass er einen „Coming of age“-Roman geschrieben habe, woraufhin ich nachfragen musste, was ein „Coming of age“-Roman ist: ein Roman übers Aufwachsen.

In dem Fall in Franken, und es geht um den 17-Jährigen Fred, der nicht so werden will wie sein Vater. Sein Vater geht jeden Werktag mit seiner Aktentasche zu Siemens. Seine Mutter ist Hausfrau. Fred zieht in eine eigene Wohnung und kommt mit Techno in Berührung – und mit Ecstasy.

Ich bin eine große „Coming of Age“-Roman-Zweiflerin. Zuletzt habe ich Auerhaus von Bov Bjerg gelesen, ein Buch, das gefühlt alle Leute gefühlt super fanden, nur ich nicht. Ich kann nichts anfangen mit Büchern, in denen Alles-scheiße-Finden, Drogenkonsum und die Alkoholexzesse von Teenagern als etwas gefeiert werden, was wir alle gemacht haben müssen, um erwachsen zu werden. Die Verklärung der Teenagerzeit als Zeit des Exzesses und der Antihaltung holt mich nicht ab. Entsprechend skeptisch bin ich an den Glücksreaktor herangegangen und entsprechend überrascht war ich.

Denn das Buch ist sehr gut. Max Wolf schafft es nämlich, die Welt seines Protagonisten Fred nachvollziehbar zu machen, ohne sich ihm anzubiedern. Stattdessen wird klar, warum Techno in den 90ern solch einen Aufstieg hinlegte und warum Techno und Drogen so gut zusammen funktionierten. Es wird auch klar, wie Drogensucht entsteht, gerade im bürgerlichen Milieu.

Ich hatte das Buch innerhalb weniger Tage durch. Die Geschichte hat einen guten Fluss. Sie balanciert geschickt zwischen der Nähe zum Protagonisten und einer beobachtenden Distanz, hat einen klaren Spannungsbogen und ein kluges Ende.

Mehr: Max im Interview.  Und Max im Video:

Mittwoch, 10. Oktober

10. 10. 2018  •  6 Kommentare

Sehr produktiver Tag heute: Seminar nachbereitet, Kundengespräch gehabt, Rebriefing geschrieben, Angebot verschickt,  Buchhaltung und Umsatzsteuervoranmeldung. Nebenbei Wäsche gewaschen.

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Ich habe einen Rückblick auf den Design-Thinking-Workshop bei Innovationstrainerin Andrea Schmitt zusammengeschrieben. Im August war ich im Kloster Gnadenthal und habe nicht nur nur hessische Kleinstädte besucht, sondern auch gemeinsam mit Anderen den Design-Thinking-Prozess durchlaufen. Dabei ging es darum, nah am Nutzer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu entwickeln.

In Teilen habe ich vorher schon so gearbeitet. Das Seminar hat meine Intuition  systematisiert und mich darin bestärkt, meinen Weg weiterzugehen. Und Spaß hat’s gemacht!

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Quartalsplakette. Kenner wissen, was das bedeutet.

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Das Urteil gegen Sigi Maurer schlägt Wellen, besonders im Netz und unter Frauen. Ein Bierladenbesitzer hat die österreichische Grünen-Politikerin belästigt und ihr unsittliche Nachrichten geschickt. Sie hat sich gewehrt, indem sie die Nachrichten öffentlich gemacht hat. Das Gericht hat sie wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Aufruhr in den sozialen Medien ist mir zu vereinfacht. So wenig Mitleid ich mit dem Bierladenbesitzer habe, so wichtig empfinde ich es, dass wir Andere nicht an einen öffentlichen Pranger stellen. Das öffnet Tür und Tor für Denunziantentum und ist in einem demokratischen Rechtsstaat nicht statthaft. Lediglich, wenn das öffentliche Informationsinteresse höher zu bewerten ist als die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und die Namensnennung für das Informationsinteresse von Belang ist, ist eine Veröffentlichung in Ordnung; letzteres wäre der Fall, wenn die Belästigung etwa von einem anderen Politiker oder einem führenden Kopf aus der Wirtschaft gekommen wäre. Nicht aber, wenn sie von einem Bierladenbesitzer kommt. Auch wer Unrecht tut, hat das Recht auf Wahrung der Persönlichkeitsrechte.

Trotzdem ist das Urteil falsch. Weil es Belästigung legitimiert und diejenigen, die sich Wege suchen, sich zur Wehr zu setzen, kriminalisiert.

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Die Maus beschäftigt sich in einem Maus Spezial mit unsichtbaren Krankheiten, die in unserem Innern sind und unsere Gefühle beeinflussen. Zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen.

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GelesenTwitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede. Das AfD-Gesocks ist so unglaublich ekelhaft.

GelesenDas ist Urmo, das Hoverboard zum Ausklappen. 20 Kilometer Reichweite. Gutes Ding.

Gelesen: Plan B, dringend gefragt – über Uni-Mittelbauer, für die es mit der akademischen Karriere nicht weitergeht.

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Servicelink: Linus hat eine Liste von Kinderbüchern zusammengestellt, die ohne Geschlechterklischees auskommen oder bewusst mit ihnen brechen.

Dienstag, 9. Oktober

9. 10. 2018  •  7 Kommentare

Zwei Seminartage im Journalisten-Zentrum Haus Busch: Crossmediales Storytelling – über mehrere Medienkanäle gute Geschichten erzählen. Tolle Teilnehmerinnen, super Gruppendynamik. Hat viel Spaß gemacht.

Auf dem Weg, im Ruhrtal, an beiden Tagen eine wunderschöne Herbstmorgenlandschaft gesehen mit Nebel, der über dem Fluss lag, und einer aufsteigenden Sonne.

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Auf Twitter habe ich eine Nachricht von „Leon“ erhalten mit dem Wunsch, ich möge ihm bitte Nacktfotos zusenden. Er hat es anders formuliert, kürzer, und es war auch kein „bitte“ dabei, außerdem keine Spezifizierung, wessen Nacktbilder er haben möchte. Mit so einem schlechten Briefing kann ich nicht arbeiten.

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Gelesen: Sie werden, was sie sind [€]. Die Gen- und Verhaltensforschung ist sich sicher: Die Eltern haben kaum Einfluss darauf, was wir für Menschen werden. Ob wir schüchtern, draufgängerisch, schlau oder faul sind: Die meisten unserer Charaktermerkmale sind genetisch festgelegt. Die Umwelt hilft uns nur zu werden, wer wir sind – und auch das bestimmen wir aktiv:

Die Umwelt ist nichts, das uns zufällig begegnet und dem wir passiv ausgesetzt sind. Wir gestalten sie vielmehr aktiv nach unseren erblich bedingten Neigungen. […] Zum Beispiel lesen intelligentere Kinder oft früher und mehr, sie suchen sich geistig anregendere Freunde, sie fordern mehr intellektuelle Herausforderungen von ihren Lehrern. Sportliche Kinder tollen und turnen früh herum, suchen sich andere sportliche Kinder, bekommen Lob, das sie weiter anspornt, gehen in einen Verein, was wiederum ihre sportlichen Fähigkeiten verbessert – ein sich selbst verstärkender Prozess.

Gelesen: Sturmwarnung. Warum der BVB so viele Tore schießt.

Gesehen: Rabenväter: Wenn Papa keinen Unterhalt zahlt – über Väter, die ihre Kinder verleugnen und ihr Gehalt kleinrechnen, aber auch über Väter, die sich kümmern wollen, und über die Müttergläubigkeit deutscher Gerichte.



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