Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Lebenslage«

Tagebuchbloggen, alphabetisch

9. 03. 2015  •  22 Kommentare

Aktiv turnen
Am Montagmorgen ist im Fitnessstudio „Wünsch dir was“: Alle Cardio-Geräte sind frei, alle Kraftgeräte sind frei. Nur im Entrée sitzt eine Gruppe von Rentnern, schwatzt und trinkt Kaffee. Fühlte mich in guter Gesellschaft.

Bloggerwertschätzung
Post von der Verlagsgruppe Random House bekommen. Habe mich auf deren Bloggerportal registriert. Eine durchdachte Sache. Das macht Spaß.

Frühlingshimmel

Blauer Märzhimmel mit Kondensstreifen

Gärtnerinnenblog
Reger Betrieb auf der Außenterrasse. Pia und ich haben bereits Tomaten eingesät. Unsere beiden Gartennerds polieren ihre Raspberry Pis.

Kleider
Zwei neue Kleider bestellt. Mein Leben pendelt zunehmend zwischen Kleid und Hoodie.

Krokusse
Ein <3 für den aufblühenden Garten.

Krokusse

Lesevergnügen
Auf dem Balkon gesessen und, in eine Decke eingerollt, ein ganzes Stück in Knausgards „Lieben“ gelesen. Bin hin- und hergerissen. Einerseits ist das Buch ungeheuer ehrlich. Andererseits unendlich selbstverliebt. Manchmal zäh. Dann wieder liest es sich geschmeidig weg.

Knausgard: Lieben (mit Balkonpanorama)

Ernst Osterkamp rezensiert „Lieben“ in der FAZ:

[…] sein Autor liebt es, den wilden Mann zu spielen, und ist doch – ich kann es leider nicht anders sagen – irgendwie total süß. 

Ich empfinde den Autor und Ich-Erzähler als alles mögliche, aber ganz sicher nicht als „total süß“. Als „wilden Mann“ im Übrigen auch nicht. Seltsam, diese unterschiedliche Wahrnehmung.

Minna
Mit jemandem gesprochen, der jemanden kennt, der bei Miele arbeitet. Ein Loblied auf meine Waschmaschine gehört. Vor Freude zwei Maschinen Wäsche gewaschen.

Passiv turnen
Den Handballhühnern beim Siegen zugesehen. Das Zuschauen war ähnlich, wie den Knausgard zu lesen: manchmal geschmeidig, bisweilen zäh. Aber man kann halt nicht immer fürs Auge spielen. Außerdem: Sieg ist Sieg. (Yeah!)

Recycling
Einen fetten Schwung gelesener Bücher in den Bodo-Laden gebracht – und drei neue mitgenommen.

Rouladen
Erstmals Rouladen – oder wie der Sauerländer sagt: Roll-Laden – und Rotkohl von Grund auf selbst gekocht. Insbesondere der Rotkohl – mit Nelken, Lorbeerblättern, Wacholderbeeren und Johannisbeergelee – ist gut gelungen. Werde ich wiederholen.

Spazieren
Spazieren gehen ist ein Konzept, mit dem ich nicht warm werde. Habe das jetzt trotzdem wieder gemacht. War okay.

Vergangenheitsbetrachtung
Aus Gründen die Fotoalben der 90er durchgeschaut. Festgestellt, dass ich wenig schlimme Klamotten trug, niemals eine Dauerwelle hatte und insgesamt sehr normal ausschaute. Bemerkt, dass mein damaliges Selbstbild maximal weit von der Realität entfernt war: Rückblickend war ich wohl doch ein ganz hübsches Mädel.

Waffel
Wochenendwaffel mit Vanille-Eis. Solides 8,5er-Niveau auf der zehnstufigen, nessyschen Waffelskala.

Waffel mit Puderzucker und einem Glas frischer Minze

Das schöne Café im Kreuzviertel hat ab sofort wieder frische, kalte Minze – weil es Frühling wird. Große Freude.

Wein
Der 2007er Tempranillo y más aus dem Barranco Oscuro ist angekommen. Wahrer Luxus. Werde ihn mir an meinem Geburtstag gönnen.

Bohnerwachs und Männerschnupfen

24. 02. 2015  •  9 Kommentare

In den vergangenen Tagen war ich wieder einmal in meiner Funktion als Servicebloggerin für Sie unterwegs.

Obwohl: Unterwegs nicht gerade. Ich war die meiste Zeit daheim. Krankheitsbedingt.*

*Bitte selbstständig ein mitfühlendes Geräusch einfügen.

Nun, Sie kennen das.

Bellender Husten, Gliederschmerzen und diese unsägliche Eisenklammer um den Kopf. Dann der Rotz. Das Fieber. Die vage Idee, dass es bald zu Ende geht. Ein flimmerndes Licht in der Ferne, während man auf dem Sofa liegt. Ein tiefes Brummen. Das muss er sein, der Zug nach Nirgendwo.*

Doch es ist nur der Müllwagen, morgens beim Wachliegen in der Dämmerung.
Weil man nicht schlafen kann.
Wegen der … //*zittriges Seufzen … Umstände.*

Bevor ich erkrankte und ins Delirium fiel, hatten der Mitbewohner und ich ein Projekt begonnen: Die Neu-Ölung des Fußbodens mit Hartwachsöl. Hartwachsöl hat die Eigenschaft, dass es – tada! – nach Wachs riecht. Stinkt. Ziemlich doll. Deliriumsdoll. Man erreicht neue Bewusstseinsebenen. Denkt, man sei eine Kerze. Oder eine Olle bei Madame Tussaud’s.

So lag ich nun da, den Kopf voller Rotz, ein brüllender Kopfschmerz in den Schläfen, und fühlte mich wie so ein Lipidklumpenabbild von Heidi Klum nach dreimal durchwalken. Der bestiale Wachsmief raubte mir die Sinne und verstopfte jede matschige Hirnzelle. Einschließlich des Waffelzentrums. Nicht einmal Waffelappetit hatte ich mehr.***

(Kam aber schnell wieder.)

Zum Glück habe ich einen tatkräftigen und handwerklich begabten Mitbewohner, der in der Lage ist, auch bei weitestgehend fehlender Unterstützung Übermenschliches zu leisten.

Zum Beispiel bohnern.

So kreiselte er mit der Poliermaschine durchs Wohnzimmer, während ich möglichst Dinge tat, bei denen ich mich nicht hinunterbeugen musste (Drehschwindel!*). Etwa Tipps geben:

„Schatz, da hinten musst du nochmal drüber.“
„Noch ein bisschen weiter links.“
„Nee, wieder mehr rechts.“

Seither ist unser Zusammenleben … uhmm … harmonisch.
Es ist sehr schön ruhig, wenn niemand etwas sagt.

Servicefazit:
Keine Bohnerprojekte mit Männerschnupfen!
Gern geschehen.

Schade, dass der Hausarzt geht

17. 02. 2015  •  3 Kommentare

Es sind fünf Rentner.

Genau genommen zwei Rentnerinnen und drei Rentner. Und ich. Wir sitzen im Erdgeschoss der Reha-Klinik. Ein Genesungsbesuch bei einer künstlichen Hüfte. Es ist warm hier. Die Räume sind überheizt. Alles ist Teppich und Plüsch. Wir trinken Kaffee. Der Kaffee kam nicht ganz pünktlich, eigentlich ist ab 14.30 Uhr Kaffeetrinkszeit. Doch das Fräulein ist sehr zuvorkommend, da will man nicht so sein.

Die Sprache kommt bald auf Krankheit und auf die künstliche Hüfte, wie es denn geht und ob die Reha anstrengend ist. Man spricht über Gruppengymnastik und übers Abnehmen und auch über das künstliche Knie – das Knie des Besuchs, das bald seinen ersten Geburtstag feiert.

Die Sprache kommt rasch auf Ärzte. Die Rentner kommen alle aus demselben Ort im Sauerland, dort gibt es drei Orthopäden, naja, eigentlich vier, aber der eine „ist ein Blödmann“, den braucht man nicht mitzählen. Der zweite und dritte sind eigentlich auch Blödmänner, jedenfalls drücken und zerren die immer an einem rum, die wissen nicht, was sie tun, die verrenken einen nur. Der vierte ist der einzige, der was taugt, da sind sich alle einig, auch wenn er autoritär ist. Er lässt sich nicht reinreden in seine Diagnosen, man braucht gar nicht erst mit einer Meinung kommen, nicht mit der eigenen und nicht mit der aus der Apotheken-Umschau. Aber er ruckelt immerhin nicht am Patientenkörper, er hält lieber Reden, verordnet mit Strenge und zieht einem die Hammelbeine lang, wenn man nicht mitmacht. Das ist gut, obwohl, seien wir ehrlich, jünger werden wir alle nicht.

Schade aber, dass der Hausarzt geht, der alteingesessene, der, bei dem man sich immer frei machen musste. Ach, die Herren nicht? 67 ist der schon, wer hätte das gedacht, er sieht doch noch so fesch aus. Damals, als man noch jung war, musste man obenrum immer alles ausziehen, also als Frau jetzt – zum Abhorchen, selbst wenn man’s am Zeh hatte, aber ohne Herz und Lunge ist’s halt auch in den Zehen dunkel. Jetzt ist man nur noch nackert, wenn’s tatsächlich muss, schade eigentlich.

Er, der Hausarzt, hatte zwar auch mal einen schlechten Tag, dann war er kurz ab. Dann hatte er Stress daheim, das war bekannt, seine Lütte ging ja mit dem Sohn zur Schule – was macht die eigentlich, ist die auch Ärztin geworden? Tatsächlich! Will die nicht …? Ach so, sie macht ihren Facharzt, ja dann. Heute wollen die jungen Leute halt etwas erreichen.

Meistens allerdings war er freundlich. Dann nahm er seine Leute in den Arm, sagte: „Jetzt komm erstmal rein, Mädchen, und erzähl mir, was du hast.“ Selbst wenn das Wartezimmer voll war, sagte er das, das war schön, was ein guter Arzt! Außerdem hat er immer alles aufgeschrieben, ohne Diskussionen, man musste nur vorbeikommen und sagen: Hier, davon brauche ich. Oder für den Gatten: Herr Doktor, kannste mal, mein Mann ist heute schlecht zu Fuß. Dann hat er das Rezept ausgestellt. Er kannte seine Patienten eben, wo gibt es das heutzutage noch?

Wo soll man jetzt hingehen? Zu dem in der Altstadt, da bei Wennemanns um die Ecke? Der ist doch auch … wie alt ist nochmal der Peter? Der ist nur ein Jahr jünger wie der Heumanns Fritz, und der Fritz wird 66. Besser wäre ein richtig junger, einer, der nicht  direkt wieder abhanden kommt. Ob so ein Jungspund sich der Sorgen von Rentnern annehmen will? Der eine, dieser neue im Vorort, von dem hört man ja nur Gutes. Nimmt der noch Patienten? Wenn man mit dem Vater zur Schule gegangen ist, drückt er bestimmt ein Auge zu. Es wird also abgemacht: Der Schulkamerad soll vorsprechen; er muss die restlichen einschleusen.

Es geht noch ein ganzes Weilchen so weiter: Gynäkologie, Proktologie, Augenarzt und dann das Herz – man hat ja alles schon gehabt.

Dafür, dass der Ort so klein ist, gibt es ganz schöne viele Ärzte, denke ich.

Das Wochenende in Bildern

16. 02. 2015  •  19 Kommentare

Sehnsüchtig erwartet und heiß ersehnt:

Am Freitag kam meine neue Waschmaschine. Sie riecht intensiv, der Duft erinnert an ein neues Auto. Am Samstag nahm ich sie in Betrieb: einmal dunkelbunt, bitte! Es war sehr schön, ihr beim Waschen zuzusehen. Und zuzuhören – ein angenehmes, wohliges Schnurren.

Miele WDA 110 WCS

Schnurrt wie ein Kätzchen, riecht wie ein neues Auto.

 

Abends: Stammtisch gemeinsam mit dem Stammtischpersonal. Es gab – eine Leidenschaft des Hausherrn – großartige Cocktails.

Außerdem Maronensüppchen an Chilifäden, mediterranes Fleisch mit Brechbohnen und Pellkartoffeln, zum Abschluss Apfeltarte mit selbstgemachten Zimteis. Zu Beginn und am Ende Käse, Salami und Kürbis-Ingwer-Chutney mit selbstgebackenem Brot. Unglaublich gut alles. Und Cocktails.

Erwähnte ich die Cocktails schon?

Gimlet-Cocktail

Zum Einstieg einen Gimlet

 

Draussen nur Kännchen: Kürbis-Ingwer-Chutney

Kürbis-Ingwer-Chutney ftw!

 

Maronensuppe

Beispielhaft: Maronensüppchen

 

Zwischendurch: Bücher rausräumen, Möbel rücken und Parkett neu ölen. Nach dem Verlegen wurde es nur mit reinem Öl behandelt und war ziemlich empfindlich. Deshalb bekommt es nun eine Behandlung mit Hartwachsöl.

Nächstes Wochenende bekommt es die zweite Schicht mit der Poliermaschine.

Parkett ölen

Parkett nachher – und vorher.

 

Gartenglück: Die Schneeglöckchen sind am Start. Die ersten Krokanten habe ich auch schon gesichtet. Die Farbe Lila macht den Anfang.

Schneeglöckchen

Schneeglöckchenalarm!

 

Frühstücksglück: Valentinswaffel aus dem Backparadies.

Draussen nur Kaennchen: Herzwaffel

Valentinswaffel

Geräte, die Demut lehren

10. 02. 2015  •  50 Kommentare

Es tat einen Knack. Dann war es still.
So starb sie, meine Waschmaschine.
Gedenken wir ihrer.

.

Vor zwei Wochen hatte ich zweimal einen F13-Fehler. „Blink! Blink!“, machte das Display. Wasserweiche im Eimer!

Was tut man als erprobtes Computerhaserl? Genau: Ausschalten. Vom Netz nehmen. Wieder ans Netz tun. Wieder einschalten. Zack: Repariert! Kein F13-Fehler mehr. Spontanheilung! So kennt man das. So erarbeitet man sich bei den Eltern den Status „Elektronikgenie“.

Die Maschine lief wie’n Döppken. Acht weitere Wäschen lang. Dann: Knack. Ende. Nix half.  Mausetot und voller Wasser. Die Pumpe – R.I.P.

Kaputte Bauknecht-Waschmaschine mit Wassereimer davor

Da ham’wa den Salat.

 

Ich kriegte auch Pumpe! Die Maschine, eine Bau*knecht, ist erst drei Jahre alt. Die Maschine, die ich vorher besaß, , ebenfalls eine Bau*knecht, starb seinerzeit nach nur fünf Jahren. Blutdruck bei 180 zu 140! Hass auf Bau*knecht!

Ich recherchierte. Reparaturkosten: Pumpe, Wasserweiche, Techniker – alles zusammen genauso teuer wie die Maschine selbst. Dem Hersteller also nochmal Geld in den Rachen werfen? Nicht mit mir!

Am Freitag wird der Klassiker von Miele geliefert: WDA 110 WCS. A++, sieben Kilo Zuladung, 1.400 Umdrehungen, auf 20 Jahre Lebenserwartung getestet. Der Volkswagen unter den Waschmaschinen.

Das Gute an all dem Driss:

  • Ich habe endlich mal den Wirtschaftsraum gewischt.
  • Ins Dachgeschoss wandernd, um beim Coach und der Kreisläuferin um Wäscheasyl zu bitten, bekam ich erst Zuspruch, dann ein Bier, dann einen Pott Käse zum Mitnehmen. Und am Ende gewaschene Wäsche. Großartig, das.

#Serviceblog:

  • Zum Auslassen des Wassers die Klappe unten entfernen. Wasser mit Aufnehmer aufnehmen. Circa sechs Liter. Dauer: etwa 30 Minuten.
  • Vorher Hose ausziehen. Man kniet ja im Siff, gell.
  • Fun-Faktor: 0 von 10 Sternen.
  • Bei Bedarf aggressive Punkmusik einlegen.

Mit rotem Pulli in den Baumarkt

6. 02. 2015  •  23 Kommentare

Letztens war ich im Baumarkt um die Ecke und habe mir eine Handwerkerlatzhose gekauft – fürs Tapetenabreißen.

Die Hausfarbe meines Hellweg-Baumarktes ist ein fröhliches Rot. Die Farbe meines Shirts war an diesem Tag: ein fröhliches Rot.

Ich stehe also in Latzhose in der Latzhosenabteilung, es dauert keine Minute, und ein Oppa kommt auf mich zugeschlappt.
„Wo hammse denn Mülltüten, die großen blauen?“
„Rechts den Gang runter, an der Sanitärabteilung vorbei. Dahinter kommen die Putzmittel und Haushaltswaren.“

Es ist nämlich so, dass ich seit dem großen Renovierungsbootcamp 2013 nicht nur eine goldene Clubkarte im Hellweg besitze, sondern mich auch bestens im Sortiment auskenne. Ich möchte fast behaupten: Jede Art von Ware und ihr Aufenthaltsort sind mir inzwischen bekannt – egal ob Schrauben, Nägel oder Dübel, Rigips, Aluprofile und Strukturputz, egal ob Klobrillen und Schlauchschellen, Kabel, Leuchten, Schalter oder Grills, Rasensamen und Kübelpflanzen.

Ich prüfe noch kurz den Sitz der Hose, da kommt schon der Nächste.
„SILIKON?!“, brüllt er mich an.
„Links den Gang hoch, vor dem Laminat – dort befindet sich ein Regal. Da sind auch die passenden Spritzen.“
„Kann ich dat auch für Türzargen nehmen? Wenn da so’ne Lücke is zur Wand? Ich will da auch noch drüberstreichen!“
„Dann besser Maleracryl. Das finden Sie bei den Farben. Rechts runter, an den Tapeten vorbei, erster Gang rechts, neben den Lasuren.“

Für meinen nächsten Besuch handle ich Provision aus.

Frau Cammarata kennt das übrigens auch:

Tapeten abreißen

3. 02. 2015  •  51 Kommentare

Da war ich also wieder und riss Tapeten ab.

Wir erinnern uns alle noch an mein Renovierungsbootcamp. Erst legten die Handballmädels Hand an, dann nur noch ich selbst, mal alleine, mal gemeinsam mit Freunden. Meine Wohnung, in den 1960er Jahren erbaut, hatte pro Jahrzehnt eine Tapetenschicht konserviert; außerdem zwei Schichten an Bodenbelag. Eine archäologische Fundstätte, das Troja Dortmunds. Nach dem Abtragen aller Schichten war sie zwei Quadratmeter größer als gekauft.

Tapeten abreißen also.

Ich sage es direkt vorweg und in aller Deutlichkeit: Ich möchte keine Ratschläge. Sparen Sie sich Tipps. Tapetenlöser, Tapetentiger, Dampfreiniger, Nagelroller, Elektroschaber – wenn ich eines dieser Worte in den Kommentaren lese, kommen Sie auf die Blacklist. Ich will nichts hören, gar nichts.

Denn der ganze Scheiß nützt nix.
Nullkommanix.

Ich habe es ausprobiert. Alles. Und ich weiß eins: Derjenige, der als erster ein wirksames Mittel zum Tapetenabreißen erfindet, quasi die sich auf Knopfdruck selbst lösende Tapete, ist ein gemachter Mann. Oder Frau. Wenn ich Sie wäre, würde ich meine gesamte Energie auf diese Fragestellung fokussieren. Danach können Sie auf Ihren Geldbergen Schlitten fahren, dann sind Sie Dagobert Duck und der Welt rettende Heiland in einer Person.

So stand ich aber am Wochenende da, mit Spachtel, Spüli und Spritzpistole und weichte Tapeten ein. Nicht in den eigenen vier Wänden, diesmal war ich ausgeliehen. Die erste Lage ging prima ab, dann aber kam eine zweite zum Vorschein, eine Art Seidentapete, vielleicht war’s auch chinesisches Reispapier, keine Ahnung. Den hauchfeinen, widerstandsfähigen Belag, eins mit der Wand, konnte man entweder trocken abknibbeln oder eingeweicht zentimeterweise runterschaben.

Ihnen gruselt es? Ich setze noch einen drauf: unter der Decke.

Sie stellen sich nun sicher die Frage: Konnte man die nicht dranlassen? Einfach wieder Raufaser drüber – feddich. Nein, so einfach ist das nicht. Nicht, wenn man Wände und Decke danach tapetenlos weiterverarbeiten möchte, mit Farbe oder Strukturputz. Alles musste runter.

Das Positive: der Trainingseffekt. Nichts ist wirkungsvoller gegen Winkfleisch, als einfach mal sechs Stunden über Kopf zu arbeiten. Um anschließend die Haare zu waschen, kriegt man die Arme zwar nicht mehr hoch, dann reibt man den Kopf leise wimmernd an der Duschwand. Aber sonst: eine super Sache.

Deshalb bin ich beim nächsten Termin auch wieder dabei. Weil’s so schön macht.

(Beitrag beim Masseur diktiert)

Samstags auf dem Weg zum Bäcker

26. 01. 2015  •  22 Kommentare

Der Samstag ist mein Lieblingstag.

Schon in meiner Kindheit liebte ich es, am Samstagmorgen aufzustehen, ohne es zu müssen. Mein vater fuhr mit mir Brötchen holen, danach gingen wir in den Garten oder zogen uns Gummistiefel an und wuschen das Auto. Oder buk mit meiner Mutter Kuchen. Am Abend gab es Pommes, Bratkartoffeln oder Reibeplätzchen, denn samstags kochte immer mein Vater. Wir guckten Schwarzwaldklinik, „Wetten dass …?“ oder „Die verflixte 7“.

Seither hat sich nicht viel geändert. Der Samstag ist der beste Tag der Woche. Ein Tag, an dem ich zu Hause bin, Dinge erledige, vor mich hinwurschtele. Als dieses Wochenende dann damit begann, dass Schnee fiel, war ich vollends glücklich.

Eigentlich wollte ich keine Brötchen holen, ich hatte noch welche eingefroren. Aber dann stapfte ich doch los.

 

Dortmund-Schüren: An der Emscher

 

Vielleicht wundern Sie sich und fragen sich, ob ich umgezogen bin. Das kann nicht das Ruhrgebiet sein!

Doch. Das ist Dortmund, und in meinem kleinen Stadtteil ist es wie auf dem Dorf.

Dortmund: Schürener Vorstadt

 

Ich habe hier zwei Bäcker zur Auswahl. Einer davon ist das „Schürener Backparadies“, das seinem Namen alle Ehre macht. Es wurde im vergangenen Jahr mit dem Gründerpreis NRW ausgezeichnet. 30 Menschen arbeiten dort.

Im Backparadies gibt es nicht nur traditionell gebackene Brötchen, sondern auch standardmäßig Kalte Schnauze und andere tolle Kuchen. Außerdem sind die Leute dort super organisiert und immer wahnsinnig nett. Ein Wohlfühlbäcker.

Schürener Backparadies

 

Zurück ging’s am Sportplatz vorbei – ein schöner, einsamer Weg, wenn alles verschneit ist.

Dortmund-Schüren: Am Sportplatz

 

Eine meiner liebsten Straßen liegt übrigens gleich bei mir nebenan. Hier gibt es Fachwerkhäuser mit Bauerngärten, Natursteinmauern und Umfriedungen mit seltsamen Figuren. Ich gehe gerne dort entlang, wenn ich einkaufen muss. Zum Ende hin steigt die Straße steil an – beziehungsweise fällt, wenn ich auf dem Rückweg bin, zu Beginn steil ab, so dass ich mit meinen Einkaufstüten Fahrt aufnehme.

Dortmund-Schüren: Erlenbachstraße

 

Ein Dorf in der Großstadt. Ich mag es hier.

Optimiere dich, du Wurst!

21. 01. 2015  •  33 Kommentare

Wir sind alle kleine, unfähige Würstchen.
Und wir sind selbst schuld.

Sie zucken?
Mein linkes Augenlid auch. Vor Wut.

Denn die ganzen Ratschläge und Optimierungstipps, die wir überall und von jedem bekommen, stehen mir hier – //*macht Land-unter-Geste.

„So werden sogar Sie Ihre Cellulite los!“
„Gehaltserhöhung: Darum kriegen Sie keine.“
„Fit in 12 Wochen! So machen Sie es endlich richtig!“

„Du bist überfordert? Was arbeitest du auch so viel!“
„Schon wieder erkältet! Du musst dich mal gesünder ernähren!“

Dahinter stecken doch immer zwei Aussagen:

1. Du bist nicht genug.

Mehr leisten. Schneller arbeiten. Karriere machen. Mehr Gehalt bekommen. Mehr Kinder haben. Den Partner besser befriedigen. Schöner sein. Schlanker sein. Immer optimal funktionieren.

2. Du bist selbst schuld daran, dass du nicht genügst.

Wer wenig verdient, verkauft sich schlecht. Wer nicht genug leistet, organisiert sich nicht gut. Wer zu dick ist, muss nur von kleineren Tellern essen. Wer den Partner nicht befriedigt, sollte auch mal offen für Neues sein und sich nötigenfalls einen Blitz ins Pfläumchen rasieren.

Wer sagt eigentlich, dass wir immer besser, schneller, schlanker und effizienter werden müssen? Für wen? Für den Arbeitgeber, den Partner, die anderen Beitragszahler?

Unterstellen wir mal: Jeder möchte gerne zufrieden sein. Anerkennung haben. Geliebt werden. Es ist uns ein inneres Bedürfnis, uns selbst und anderen genug zu sein.

Die meisten von uns tun viel dafür, dieses Bedürfnis zu stillen. Ohne Aufforderung. Aber jeder mit seinen Prioritäten. Mit Elan. Aber auch mit Bedacht. Denn wir wissen, was gut für uns ist.

Sind wir dennoch unzufrieden, hören wir: „Selbst schuld!“ Die Standardantwort mitfühlender Mitmenschen, wenn’s bei anderen grad nicht so läuft. Zu arm? Selbst schuld. Zu unsportlich? Selbst schuld. Single? Selbst schuld.

Nein, verdammt!

Das Leben ist doch kein 100-Meter-Lauf: Startschuss, geradeaus rennen, ankommen. Für alles, was wir tun, gibt es vierundfünfzig und noch mehr Abhängigkeiten und Wechselwirkungen, denen wir unterliegen. Von diesen vierundfünfzig können wir zehn beeinflussen. Manchmal sind es die zehn entscheidenden. Dann sind wir tatsächlich froh, dass wir einen Tipp bekommen. Am liebsten einen, nach dem wir vorher ersucht haben. Oft sind es aber die vierundvierzig anderen Faktoren, die uns einen Streich spielen. Dann sind die Dinge eben so, wie sie sind. Dann laufen wir nicht schneller, egal wie viel wir trainieren. Dann bekommen wir keinen festen, unbefristeten Job, obwohl wir es eigentlich drauf haben.

Wir sind nämlich alle prima Typen. Menschen, die etwas bewegen und erreichen, die zufrieden sein möchten. Nur manchmal nicht so, wie andere das von uns erwarten.

Diese Grabenkämpfe sind so anstrengend

12. 01. 2015  •  49 Kommentare

Kinderlose!
Alles karrieregeile, egoistische Rentenschmarotzer!

BMI über 25!
Fette Schweine. Disziplinlose Couchpotatoes mit Gelenkschmerzen.

Lehrer!
Überpriviligierte Cordhosenträger mit 200 Tagen Urlaub. Können nix, noch nicht mal sich durchsetzen.

Hausfrauen!
Übermuttis. Bastelmafia. Halten sich jahrelang schadlos, dann Scheidung, dann männerverklagende Vipern.

Habe nur ich das Gefühl oder Sie auch? Werden Diskussionen mit immer größerer Vehemenz geführt? Oder liegt das nur an der Undifferenziertheit in diesen schlimmen Kommentarspalten von Webseiten?

Männer, Frauen, Alte und Junge. Eltern und Nicht-Eltern. Veganer, Vegetarier, Fleischesser. Ich mag gar nicht weiter aufzählen, die Kampflinien werden ja doch nur eindeutiger.

Woher kommt die geringe Akzeptanz für Mitmenschen, die in irgendeiner Weise anders leben als wir selbst?

Als ich ein pubertärer Teenager war, bin ich auf Kirchenfreizeiten mitgefahren. Ich bin nicht gläubig (jetzt kann ich’s ja sagen), aber, nun ja, die Gesellschaft war nett und die Reisen waren preiswert. Es war also alles super (für mich). Außer dass alle zwei Vormittage ein Bibelkreis stattfand, verpflichtend. Das war langweilig, das war richtig schlimm. Aber hey, I had to pay the price.

Ich erinnere nicht mehr, welches Gleichnis es war, das wir auf einer kroatischen Terrasse durchkauten. Ich erinnere mich aber an den Blick aufs Meer und an die Quintessenz. Die hieß, ganz grob: „Hast du dadurch Nachteile? Nee? Dann kümmere dich um deinen eigenen Kram.“

Danach lebe ich seither; ich versuche, entspannt zu sein. Habe ich Nachteile dadurch, dass Leute nur Gemüse essen? Nein? Dann kümmere ich mich um meinen eigenen Kram. Oder dass sie zu Allah beten? Zu Jesus? Dass sie überhaupt beten? Dass sie eine offene Beziehung führen? Oder eine mit einem 20 Jahre jüngeren Partner? Wo ist das Problem, wenn Leute keinen Sport treiben? Oder für einen Ultramarathon trainieren? Nur halbtags arbeiten möchten? Oder 50 Stunden? Es gibt keins? Dann gibt es auch keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Nicht real und nicht in irgendwelchen Internetforen.

Viele Dinge können uns doch einfach mal wurscht sein.

In einem Workcamp in Griechenland, eine Jugendfreizeit mit Arbeit, habe ich außerdem mal zwei Mädels getroffen. Aus Berlin; ursprünglich stammten sie aus der Westsahara, waren Muslima, trugen Kopftuch und lange Gewänder. Und das bei der Hitze! Du meine Güte! Wir gruben zusammen an Olivenbäumen rum. Und unterhielten uns. Sie erklärten mir, was das Kopftuch für sie bedeutet. Warum sie es tragen. Wie sie sich als Frau sehen. Danach hatte ich großen Respekt vor ihnen. Mir wär’s trotzdem zu warm gewesen und dieses Glaubensding – nee danke, aber ich habe gelernt: Es ist kompliziert. Und es ist oft nicht so, wie es scheint. Es lohnt sich zuzuhören.

Seither versuche ich das – nachzufragen, wenn es passt. Oder einfach mal vorauszusetzen, dass es Gründe dafür gibt, wenn Leute Dinge so tun, wie sie sie tun. Ich sehe diese Gründe halt nur nicht unbedingt – zum Beispiel, weil ich anders lebe. Oder andere Erfahrungen gemacht habe. Oft ist es eine ulkige Sache. Man erfährt ziemlich viele Dinge, wenn man mal nur interessiert ist. Diese Dinge kann man dann wiederum doof finden, aber dann immerhin aus Gründen. Manchmal findet man sie sogar gut! Es ist spannend.

Natürlich: Das alles klappt nicht immer. Auch ich habe Vorurteile, mal einen schlechten Tag und benehme mich daneben. Aber ich möchte mich bemühen.

Um zum Anfang zurückzukommen: Mich nervt dieses ganze Schwarz-Weiß-Denken, das sich derzeit durch so viele Themen zieht. Das sich auch BloggerInnen immer wieder antun müssen, FamilienbloggerInnen oder Leute, die über Essen oder Gleichberechtigung schreiben. Mich nervt, wie angegriffen sich Menschen nur durch die schlichte Anwesenheit anderer fühlen. Deren Lebensmodell oder deren Körper. Das ist alles so ermüdend. Ich mag das nicht mehr hören. Diese Grabenkämpfe sind so anstrengend.

Warum können wir uns nicht alle ein bisschen in Ruhe lassen; einfach mal interessiert sein – und freundlich zueinander. Mir will das nicht in den Kopf.



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