Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Expeditionen«

Montag, 19. Februar

19. 02. 2018  •  6 Kommentare

Relaxday. Nicht viele Worte heute. Dafür Bilder aus der Partnachklamm, Garmisch-Partenkirchen.

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Nach dem Weg durch die Klamm bin ich im Olympiahaus eingekehrt. Dort war es schön warm. Ich war nämlich ziemlich durchgefrostet. Außerdem gab es Käsekuchen und Milchkaffee. Das war super.

Ich setzte mich so, wie alle saßen: mit dem Blick zum Fernseher. Man will ja das Gesamtbild nicht stören.

Gaststube mit leerem Kaffeeglas, in der Fernse ein Fernseher mit Skispringen

Im Fernsehen lief: Olympia. Ausgerechnet Skispringen. Denn, Blick nach rechts aus dem Fenster:

Olympiaschanze, davor Fensterdeko

Die Deutschen gewannen Silber. Freude in der Gaststube! Fachsimpelei. Ein Prosit auf die Olympioniken.

Später sprangen draußen noch einige Nachwuchskids von der Schanze links. Das war schön zu beobachten.

Im Anschluss fuhr ich weiter nach Bad Heilbrunn, Bekannte besuchen. Sie betreiben das Hotel zum Zauberkabinett, ein sehr hübsches kleines Hotel in einer wirklich schönen Gegend. Ich war dort schon viele Male. Man kann wandern, schwimmen, winterrodeln und sommerrodeln, es gibt Bergbahnen, Bauernhöfe, Spazierwege und Seen – also alles, was man so braucht. Prima für Familien, auch das Hotel.

*

Im Appartment neben mir ist ein Pärchen eingezogen. Gestern abend haben sie erstmal umgeräumt. Also: Ich dachte, sie räumen um. Irgendwann waren sie fertig mit umräumen. Später gefiel es ihnen aber nicht mehr und sie räumten erneut um.

Neben dem Hang zum Umräumen haben sie einen Hang, Stühle über Fliesen zu schieben. Die Schieberei macht ein ziemlich lautes, unangenehmes Geräusch. Es ist mir ein Rätsel, warum man so oft Stühle schieben muss und nicht einfach stillsitzen kann, aber nun denn, machste nix.

*

Jetzt noch ein bisschen Gravity auf ZDF.

Die Zeit zwischen den Jahren

30. 12. 2017  •  16 Kommentare

Nach Norden reisen. Entschleunigen. Die Sonne mitnehmen. Frische Luft tanken. Das Meer sehen. Umhergehen. Hörbuch hören. Oder den Möwen zu. Den Wind spüren. Regen.

Schillig Strand

Einkehren und einen Kaffee trinken. Käsekuchen. Rote Wangen. Mützenverstrubbeltes Haar.

Wenn es dämmert: nach Hause kommen. Aufwärmen, mich und eine Milch. Schwarzwaldklinik gucken, sechs Folgen hintereinander.

Udo mit Christa, Christa mit Klaus. Udo mit Katharina, Klaus mit Maria, Christa mit Vollmers, Udo mit Claudia, bis Claudia an Leukämie stirbt. Dann Udo mit Elke. Klaus wieder mit Christa. Evelyn Hamann mit dem Seewolf, Kindermädchen Carola mit dem Postboten. Udo ist ständig oben ohne, wenn man von der Brustbehaarung absieht: beim Sonnen, beim Schwimmen, beim Wasserski fahren, im Krankenbett mit Schulterverletzung; da kann man natürlich kein Hemd tragen. Die Synchronstimme von Marty McFly wird eingeliefert: Lähmung! Oberschwester Hildegard bricht sich ein Bein. Professor Brinkmann in jeder Folge bedeutungsschwanger. „Gegen den Tod können wir nicht anoperieren.“ Ehrfürchtiges Nicken.

Ich bin hier zu Gast; ich sitte ein Haus und im weiteren Verlauf auch einen Hund. Der Hund – er wundert sich, dass ich hier bin, aber seine Leute nicht. Ich sage ihm: Sie kommen bald. Er geht zur Tür, gucken. Kommt zurück. Sieht mich an, mit einem Was-hast-du-mit-ihnen-gemacht?-Blick. Runzelt die Stirn. Seufzt. Mit Futter und Kraulen mchen wir uns bekannt. In der Nacht kommt er vorbei und leckt meine Hand. Ich wache davon auf und schlafe darüber ein.

Wir gehen spazieren. Brötchen holen. Durchs Dorf. Und die Allee entlang.

Büppel: Allee aus Eichenbäumen

Wir gehen zum Shetland-Pony: dicker Bauch, kurze Beine; es erinnert mich an jemanden, ich komm‘ nicht drauf. Oder doch: Ich komme drauf, schreibe es hier aber besser nicht.

Shetlandpony

Ich fahre einkaufen – für Silvester: Mehl, Hefe, Grieß und Dinge für auf die Pizza. Es gibt hier famila. In meiner Heimatstadt im Sauerland gab es in den 80ern auch einen famila. Kindheitserinnerungen. Es gibt hier viel Gold, Marken wie „Küstengold“ und „Goldmarie“. Die Straßen heißen nach Bürgermeistern: Bürgermeister Heidenreich, Bürgermeister Osterloh. Es müssen verdiente Leute gewesen sein.

Der Hund mag mich am meisten, wenn ich mir ein Brot schmiere.

 

Wind rüttelt an den Fenstern. Die Seeluft, sie macht mich fertig, jedesmal. Zähne putzen. Bett. Podcast an. Den Timer auf 15 Minuten. Ich erlebe nicht mehr, wie der Ton ausgeht.

Bemerknisse zu einem Urlaub auf einer Insel

10. 11. 2017  •  12 Kommentare

1 Ein Orkan auf einer Insel ist ein besonderer Orkan. Wenn die Gischt wie Schnee über die Promenade weht, wenn der Wind das Wasser auf den Strand drückt, wenn die Möwen trudeln und die Menschen schwanken, prickelt es im Gesicht und im Herzen.

Norderney: Orkan Herwart wirbelt Gischtflocken auf

2 Es gibt immer einen guten Grund, Milchreis zu essen. Allerdings gibt es auch immer einen Grund, statt Milchreis zu essen über den Strand zu laufen, um nach ausreichend Umherlauferei festzustellen, dass es jetzt zu spät für Milchreis ist und das Abendessen naht.

Norderney: Orkan Herwart weht Gischt an den Strand

3 Die Weiße Düne ist nicht weißer als andere Dünen.

4 Seeluft in Kombination mit ausgedehnten Spaziergängen ist nicht nur eine Garantie für tiefen, sondern auch für frühen Nachtschlaf. Gerüchteweise gelingt es einigen Menschen, auf Norderney Kneipen zu besuchen und gesellig zu sein. Ich habe das versucht, habe eine Lokalität aufgesucht und einen Cocktail bestellt. Fast wäre ich über dem Glas eingenickt. Mit letzter Kraft konnte ich mich ins Ferienbett schleppen, wo ich anschließend traumlos zehn Stunden durchschlief.

Norderney : Panoramablick am Strand

5 Muschelsammeln geht immer. Wenn man dort hingeht, wo wenig Leute sind, findet man außerdem ganz viele große, heile Muscheln, die man mit nach Hause nehmen kann, wo sie zuerst in der Küche herumliegen, dann in den Garten wandern und dort von Eichhörnchen durcheinandergebracht werden.

Norderney: Strand im Sonnenuntergang vor dem Regen

6 Wenn man auf dem Deich steht, während es regnet, steht man auf dem Deich, während es regnet. Keine Pointe. Wenn der Wind dabei den Regen waagerecht gegen die Beine treibt, bleibt immerhin eine Körperseite trocken.

Norderney: Auf dem Deich vor dem Regen

8 Voraussetzung zur Eröffnung einer Fahrradvermietung ist eine hingebungsvoll ausgelebte Griesgrämigkeit mit leichtem Hang zum Menschenhass.

9 Wenn man dann Fahrrad fährt und es eigentlich bergab geht, wenn man aber trotzdem treten muss, um nicht umzufallen, hat man wohl Gegenwind.

10 Aussichtsdüne. Auch so eine Erfindung, die ganz gut ist. Fast so gut wie Frieseneis.

Norderney: Panoramablick von der Aussichtsdüne

Der Weg zum Ende der Insel

1. 11. 2017  •  13 Kommentare

Wenn man auf Norderney mit dem Fahrrad aus dem Zentrum hinausfährt, fährt man zunächst durch Dünen. Mit Menschen. Vielen Menschen. Sie sind auf dem Weg zur Weißen Düne, das ist ein Lokal an einem Badestrand, ein sehr beliebtes Lokal.

Hinter der Weißen Düne kann man weiterfahren. Dann kommt man zum Norderneyer Leuchtturm. Dort ist es schon leerer. Wenn man noch weiter fährt, acht Kilometer vom Zentrum entfernt, erreicht man an den Parkplatz Ostheller. Dort sind nur noch sehr wenige Menschen.

Vom Parkplatz Ostheller aus kann man nur zu Fuß weitergehen: sechseinhalb Kilometer bis zum Ende der Insel. „Schwer begehbar“, steht unter der Wegbeschreibung. Ich gehe den Weg trotzdem – oder deswegen – sehr gern.

Schon wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt, weitet sich die Landschaft zu einer irischen Butterwerbung.

Norderney Ostende: In den Dünen, Wasserflüsse

Norderney: Weg durch die Dünen zum Wrack, Wasserfluss

Wer heute mit Turnschuhen kommt, hat es schwer: zu viel Wasser. Wer mit Wanderschuhen kommt, auch. Denn: zu viel Wasser. Der Wanderweg:

Norderney Ostende, überfluteter Wanderweg

Es ist der 1. November, und ich denke: Och nö jetzt. Nö. Zehn Grad. Zehn! Schneidender Wind. Da möchte ich nicht barfuß laufen.

Norderney, Füße mit Schlick

Hilft aber alles nix.

Durchs Schlickwasser schlurfe ich zunächst wie eine Rentnerin bei der Kneipp-Kur. Auf der Wiese mache ich den Pingiun: Der Schlamm ist glatt, so ganz ohne Profilsohle. Aber er ist kaum kalt. Es ist sehr angenehm zu gehen, meine Füße sind warm. Nur längere Strecken im Wasser sind frisch. Vielleicht bin ich eine Ente.

Ich denke: Was ein Glück, das alles hier. Der Wind, die Natur. Und: Im Thalasso-Badehaus im Ortszentrum gibt’s das gegen Geld – original Norderneyer Schlick-Packung ab 49 Euro pro Anwendung.

Ich gehe die Strecke bis zum Ostende barfuß, denn es lohnt nicht, die Schuhe wieder anzuziehen: immer wieder Wasserläufe und kleine Seen, durch die ich wate.

Nach eineinhalb Stunden: das Wrack.

Norderney Ostender: Wrack

Es beginnt zu regnen. Aber ey, ganz ehrlich: Ich bin seit mehr als einer Stunde von den Knien abwärts nackt. Im November. Kurz vor Weihnachten! What the fuck is Prasselregen?! Bütterken raus, jetzt wird Mittag gemacht.

Was ich an diesem Ort besonders mag: die Einsamkeit. Ein, zwei andere Menschen sind mit mir dort. Doch niemand möchte viel reden. Wir nicken uns zu und genießen, dass sonst niemand hier ist.

Der Rückweg führt über den Strand. Acht Kilometer, auf denen mir sechs Leute entgegen kommen. Acht Kilometer Gegenwind.

Norderney, Ostende: Strand

Auf der Hälfte des Weges, im Sand neben mir plötzlich: eine Robbe.

Robbe am Strand

Ich sehe sie an. Sie sieht mich an. Sie kratzt sich am Bauch. Ich winke. Sie legt sich wieder hin.

Auf dem Rückweg vom Parkplatz halte ich mit dem Fahrrad am Leuchtturm. Hinter der Theke steht Käpt’n Iglo.

„Moin“, sagt er.
„Moin“, sage ich.
„Was Warmes?“, fragt er.
„Einen Milchkaffee“, sage ich.
„Hab ich mir doch gedacht“, sagt er.

Regenbogenwollmenschen

31. 10. 2017  •  6 Kommentare

Ein Regenbogen aus Wolle. In kleinen Ringeln, von der Hüfte, beide Beine hinab bis zu den Knöcheln.

Wir sitzen um Regionalzug durch Ostfriesland. Der Waggon ist voll. Babys weinen. Kinder rennen durch den Gang. Eltern schimpfen. Familien möchten in die Ferien.

Der Regenbogen gehört zu einer Dame, und zu der Dame gehört ein breites, flaches Hinterteil. Es ist vollständig mit dem Regenbogen bewollt, streckt sich mir auf Augenhöhe entgegen und verstaut eine Packung Käse in einem Einkaufstrolley. Die Maschen sind weit. Die Dame trägt keinen Schlüpfer, ich kann nicht nicht hingucken. Mit dem Käse verstaut sie ein Brettchen und Messer, eine Packung Margarine, Brot, hartgekochte Eier und eine kleine Obstplantage im Trolley. Alles hat sie vorher gemeinsam mit ihrer ebenfalls wolligen Begleitung zubereitet: hat Brot geschnitten und mit Käse belegt, hat das Obst zerlegt und die Eier gepellt. Der Duft reifer Bananen und eines ebenfalls sehr reifen Harzer Rollers durchweht nun das Abteil. Kleine Kinder würgen leise.

Später, auf der Fähre auf die Insel, sehe ich sie wieder, die Wollmenschen. Unten Regenbogen, oben Regenbogen, auf dem Kopf eine Wollwolke, an den Füßen Ringelsocken und Sandalen. Um sie herum Funktionsjacken und Matschhosen, Fleecemützen und Gore-Tex-Hanschuhe. Die beiden sind aus der Zeit gefallen. Oder aus dem Ort. Sie belegen sich das nächste Brot. Der Duft weht herüber. Das Schiff beginnt zu schaukeln.

Morgen kommt Orkan Herwat.

Eine Expedition nach Dangast

11. 09. 2017  •  11 Kommentare

In der vergangenen Woche reiste ich nach Dangast.

Dangast: Künstlerpfad am Strand, Panoramabild

Ich fuhr dorthin, um das Barcamp Dangast zu besuchen. Und um aufs Meer zu schauen.

Man munkelt über die Nordsee, dass sie oft nicht dort sei, wo sie sein sollte, besonders dann, wenn man sie braucht. Das kann ich so nicht bestätigen: Sie war stets zur Mittagszeit anwesend, wenngleich nur kurz.

Zum Ausgleich und für ein nichtsdestotrotz umfassendes Nordseegefühl sandte der Meeresgott große Mengen Regen und Wind. Das Wasser malte Rinnen und Furchen in den Sand, und als ich sicher war, dass aller Sand in den Jadebusen und von dort nach England und weiter nach Grönland und von dort nach Kanada fließen werde, hörte es auf zu regnen und die Sonne schien.

Dangast: Strand nach Regen

Am Donnerstag mietete ich mir ein Fahrrad und fuhr erst in die eine, dann in die andere Richtung, immer am Deich entlang. Am Deich entlangfahren ist wie schwimmen – zu Beginn sehr langweilig: Ich fuhr und fuhr, es ging geradeaus, Seeschwalben stürzten durch die Luft, der Deich war links, die Kühe waren rechts, es kam eine Biegung, und nach der Biegung ging es weiter geradeaus. Den Kühen folgte Mais, und dem Mais folgte Wiese. Der Deich blieb immer Deich, mal mit Schafen, mal ohne. Ich trat und trat, es nieselte weich in mein Gesicht, ich dachte nicht mehr ans Ziel, denn das Ziel war ohnehin willkürlich, und nach einer Zeit war es einfach nur schön. So wie beim Schwimmen, wenn man irgendwann vergisst, die Bahnen zu zählen.

Als ich keine Lust mehr hatte, den Deich links zu haben, drehte ich das Fahrrad um und fuhr wieder zurück. Das Seltsame war, dass ich, auch wenn der Deich nun rechts war, wieder Gegenwind hatte. „Mikroklima“, sagten mir die Einheimischen später. „Kannste nix machen.“

Ich fuhr zurück nach Dangast und noch ein Stück weiter, legte mich auf einen Steg in die Salzwiesen, drehte das Fahrrad wieder um, fuhr zurück und setzte mich an den Strand, trank Milchkaffee und Cola, und plötzlich war die Sonne wieder da.

Dangast: Am Stand mit Milchkaffee und Cola

Am Freitag begann das Barcamp.

Auf einem Barcamp treffen sich Menschen. Was sie dort machen, stimmen sie ab: Jeder kann ein Thema mitbringen, und wenn genug Leute sagen, dass sie das Thema interessant finden, sprechen sie eine Stunde lang darüber. Manchmal zeigt jemand etwas, manchmal stellt er eine Frage, und es gibt auch Leute, die nur zuhören.

Dangast, Barcamp: Sessions Tag 2

Erstaunlicherweise ist immer ausreichend Interessantes dabei. Erstaunlicherweise sind die Menschen, die auf Barcamps gehen, sehr freundlich. Und erstaunlicherweise lerne ich immer etwas – meist über Dinge, von denen ich vorab noch nie etwas gehört habe. So war es auch diesmal.

Falls Ihnen diese Argumente nicht ausreichen, um das Barcamp in Dangast im kommenden Jahr zu besuchen: Die Aussicht aufs Meer war verdammt nicht übel.

Dangast, Barcamp: Ausblick

Das auf dem Foto, genau auf zwölf Uhr, sind Frank und Djure. Sie haben das Barcamp moderiert.

Während meiner Zeit in Dangast wohnte ich übrigens in einer heimeligen Pension: ein altes Herrenhaus mit Kieseinfahrt und Bauerngarten, die Fassade mit Efeu berankt, das Haus von Bäumen umsäumt. Die Dielen knarzten. Die Decken waren hoch und die Türen schwer.

Die Freundlichkeit der Pensionswirtin zum Maßstab genommen, wird sie irgendwann in einer fernen Nacht, wenn das Meer gegen den Deich schwappt und sie ihre Gäste wieder einmal besonders hasst, während der Mond durch die Sprossenfenster scheint und der Wind die Bäume biegt, mit einer Axt durchs Haus gehen und jeden ihrer Besucher in einer einzigen, fließenden Bewegung im Schlaf enthaupten. Vielleicht.

Etwas anderes: Sonnenuntergang.

Dangast Strand: Panorama bei Sonnenuntergang

Wenn ich am Meer bin, denke ich jedesmal: Am Meer wohnen, das wäre schön. Vielleicht mache ich das eines Tages, an einem Ort, an dem es nicht nur Meer, sondern auch Berge gibt. Denn in den Bergen wohnen, das wäre auch schön.

Bis dahin fahre ich öfter mal hin, in die Berge und ans Meer.

Pizzeria in Strandnähe

6. 09. 2017  •  12 Kommentare

Sie setzen sich an den Nebentisch: Er, sie und ein Junge.

Er, ein Mann so mittelalt, wie es sonst nur Gouda ist, Haarkranz, Herrensandale und kariertes Hemd. Die Haare rasiert er sonst kürzer, das sieht man. Doch im Urlaub sind sie gewachsen, einige Millimeter nur, und schon sieht er plötzlich seinem Vater ähnlich. Sie hat lange, dicke Haare mit mehr Grau als Schwarz, Fleecepullover, Trekkinghose. Eine Frau mit der Aura von Sandelholz. Neben ihr sitzt der Junge: kein Kind mehr und auch noch kein Erwachsener, schlaksig, seine Augen blicken ins Leere. Es strengt ihn an, keine Sandburgen mehr zu bauen; er hält aus, den ganzen Urlaub schon.

Sie blättern in der Karte, und der Mann sagt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“ Er sagt Bruschedda, mit Sch wie Schürfwunde und zwei D.
Sie sagt: „Sicher“, und fragt den Jungen: „Und du? Wieder Prosciutto?“
„Jo“, antwortet der Junge und rutscht mit dem Hintern näher an die Kante des Stuhls. Er liegt nun halb und fläzt sich unter den Tisch.
Der Mann fragt: „Nehmen wir Bruschedda vorweg?“
„Hab ich doch gesagt“, sagt sie und blättert weiter in der Karte.
„Was hast du gesagt?“
„Dass wir Bruschetta nehmen.“
„Also ja.“
„Hab ich doch gesagt.“
Schweigen.
„Du musst dann aber auch was mitessen“, sagt er, und zu dem Jungen: „Im Restaurant sitzt man ordentlich.“ Pause. „Willst du auch Bruschedda?“
„Was isn das?“, fragt der Junge.
„Brot mit was drauf.“
„Nee.“
„Also nicht.“
„Nee.“
„Aber nicht, dass du hinterher doch was willst.“
„Will ich nicht.“
„Nu setz dich mal richtig hin“, sagt sie und knufft dem Jungen den Ellbogen in die Rippen.

Der Junge stützt sich mit beiden Händen auf die Stuhlfläche und schiebt sich hoch. Er legt einen Arm auf den Tisch und tippt mit dem Zeigefinger auf die Zinken seiner Gabel. Der Griff wippt auf und ab.
„Dich kann man auch nirgendwo mit hinnehmen“, sagt der Mann.

Die Kellnerin kommt. Er sagt: „Für mich einmal die 36. Dann noch die 12 und was nimmst du, Schatz?“
„17.“
„Und einmal die 17. Und vorweg zweimal Bruschedda.“
Die Kellnerin sammelt die Karten ein und geht.

Sie fragt: „Wieso jetzt zweimal Bruschetta?“
„Er isst auch was mit“, sagt der Mann.
„Ich hab gesagt, ich will kein Brot“, sagt der Junge.
„Am Ende nimmst du doch was.“
„Nehme ich nicht.“
„Ist ja egal jetzt.“

Sie schweigen. Draußen biegt der Wind die Bäume.

„Morgen müssen wir dann mal sehen“, sagt er. „Wie das Wetter wird.“
„Sehen wir dann ja“, sagt sie.
„Ob wir dann nochmal an den Strand gehen oder doch was anderes machen.“
Der Junge wippt mit der Gabel. Der Mann langt über den Tisch, greift die Gabel und legt sie neben seine eigene. „Damit ist jetzt Schluss“, sagt er.
„Lass ihn doch“, sagt die Frau.

Der Mann lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor dem Körper. Der Junge fläzt sich wieder unter den Tisch und verschränkt ebenfalls die Arme. Der Wind heult. Die Frau faltet Knicke in ihre Serviette.
Nach einer Weile sagt der Mann: „Ich rauch‘ noch eine, bevor das Essen kommt.“ Er steht auf und geht den Gang hinunter. Die schwere Tür schlägt hinter ihm ins Schloss.

„Er nervt“, sagt der Junge.
Sie schweigt und faltet.

Schickt mich auf Weltreise!

17. 08. 2017  •  20 Kommentare

In drei Monaten um die Welt:

Weleda schickt einen Blogger oder eine Bloggerin auf die Reise.

Von farbenprächtigen Granatapfelhainen in Italien bis hin zu malerischen Gärten in 1.200 Meter Seehöhe in Argentinien wirst du auf der Weleda Weltreise viele schöne und beeindruckende Orte kennenlernen. […]

Führe interessante Interviews, fotografiere Plantagen und lasse dich vom Lavendelduft betören. Werde Teil von Weleda, erstelle faszinierende Storys und teile dein Abenteuer.

Ich habe mich beworben – und brauche Eure Unterstützung. Denn bei der Auswahl der Landesfinalisten zählen die online gesammelten Stimmen. Mit ihnen komme ich in die Endausscheidung der letzten Sechs.

Screenshot von meiner Kandidatenseite

Screenshot von meiner Kandidatenseite bei „Weleda Global Garden“

 

Gewinne ich und reise als deutsche Vertreterin um die Welt, schreibe und publiziere ich für Weleda – und nehme Euch mit auf die Reise! Im Weleda-Blog, hier, auf Instagram, bei den Gärtnerinnen, auf Twitter und auf Facebook.

Jetzt für tolle Kännchengeschichten abstimmen!

*

Around the world in three months! The company Weleda pays a blogger to travel around the world to visit the Weleda Global Gardens. Groves of pomegranates in Italy and picturesque gardens in 1.200 metres above sea level in Argentina: I’ll have the opportunity to stroll through fascinating gardens around the world.

But first I need your support: Vote for me to become one of the best six candidates in Germany!

If I win and if I travel around the world as the German represantative, I’ll write and publish for Weleda (in English) and take you with me on a wonderful journey! Of course I’ll also publish here in my blog, on Instagram, on my garden blog, on Twitter and Facebook.

Your vote for Vanessa’s stories

Zehn Bemerknisse zu einer Reise von Dortmund über Bern nach Heidelberg

21. 02. 2017  •  18 Kommentare

1. Wenn ich wegfahre, stelle ich sehr oft fest: Überall ist es schöner als in Dortmund. Das drückte beim Blick auf die Berner Alpen ein bisschen auf die Stimmung. Ansonsten war die Stimmung aber großartig – ist ja logisch, bei dieser Aussicht:

Oberhalb des Gurtendorfs bei Bern mit Blick auf die schneebedeckten Alpen

2. Von dieser Einschätzung bezüglich Dortmund sind natürlich die Menschen im Ruhrgebiet ausgenommen. Sie sind einmalig und die eigentliche Schönheit des Zuhauses. Und der Dortmunder Fußballverein. Der ist auch super, logisch. Aber sonst ist das Berner Stadtpanorama etwas schöner als das Dortmunder. Ganz bisschen.

Bern: Stadtpanorama

3. Was die Stimmung bei einer Reise in die Schweiz eindeutig und immer hebt, ist, neben der Landschaft, dem Reisen an sich und der Reisebegleitung, das Berndeutsche. Welch schöner Dialekt. So freundlich und harmonisch, so melodiös.

4. Bahnfahren ist immer noch die beste Art zu reisen, vor allem, wenn man alleine reist. Die Reise an sich wird offenkundig, das Wegzurücklegen und damit das Ziel des Reisens als solches. Außerdem kann man, wenn man sieben Stunden dasitzt, jede Menge tolle Dinge tun, zum Beispiel aus dem Fenster sehen und zuschauen, wie die Wolken vom Rheintal aufsteigen.

Rheintal

5. „Für drei Tage in die Schweiz? Dann hast du ja nichts vom Urlaub!“ Wenn man den Hinweg und den Rückweg, also das Fahren an sich, ebenfalls als Urlaub empfindet, sind es doch wieder drei volle Tage und dann habe ich sehr viel davon. Außerdem muss ich regelmäßig andere Luft atmen, auch wenn es nur für kurz ist.

6. Es ist mit leichter Hand möglich, 75 Schweizer Franken und damit den Gegenwert einer achttägigen Rainbow-Tours-Busreise nach Lloret de Mar (inklusive 1 Freigetränk) in eine Handvoll Schokolade zu investieren. Nicht so leichte Hand, sondern der gesamte, zur Verfügung stehende Bedürfnisaufschub ist allerdings vonnöten, diese Schokolade nicht an Ort und Stelle zu vertilgen.

7. Der Bedürfnisaufschub macht es, einmal installiert, dann allerdings möglich, die Hälfte des Schokoladeneinkaufs nach Deutschland zu importieren und Freunden bereitzustellen, die sich sehr freuen, weshalb wiederum ich mich freue. (Die andere Hälfte der Schokolade ist notwendig, die körperliche und emotionale Energie zu dieser Leistung aufzubringen.)

8. Das Neckartal rund um Heidelberg ist ergreifend hübsch. Bislang war es eine Gegend, an der ich nur vorbeigefahren bin, da ich mich noch nicht in einem Alter befinde, in dem ich Weinwanderungen oder Flusskreuzfahrten unternehme.

Heidelberg: Philosophenweg, Aussicht

9. Wie gut, dass ich nun Freunde im Neckartal wohnen habe. So kann ich das Thema „Weinwanderungen“ vorzeitig in Angriff nehmen. Vielleicht auch nur Wein, ohne Wanderung. Naja gut. Ein bisschen Wanderung. Auf dem Philosophenweg, sinnierend.

10. Heidelberg kann Kuchen und Apfelstrudel und überhaupt alles, was glücklich macht. Insofern ist wandern tatsächlich nicht schlecht, zur Kompensation.

Aufregung im Einkaufszentrum

30. 01. 2017  •  14 Kommentare

Es ist eines dieser Einkaufszentren im Ruhrgebiet. Ladenketten, Bäckereien und untendrin ein Supermarkt, downtown in der Fußgängerzone; ein Ort für Teenager auf Sinnsuche zwischen Lippenpflege und Skinny Jeans.

Ich sitze an einem der Eingänge in einem Bäckerei-Café und überbrücke die Zeit zwischen zwei Terminen mit Milchschaum und Brainstorming, so wie man es von Menschen in Berlin annimmt, nur dass meine Aussicht nicht die efeuberankten Altbauten eines Szenekiez sind, sondern ein Schuhladen, der für Winterstiefelschlussverkauf ab 19,90 Euro wirbt und in dessen belüftetem Eingangsbereich eine winzige Verkäuferin in der Warmluft steht.

Mein Blick auf sie wird durch vier silberhaarige Damen unterbrochen, die, jede einen Kakao und ein Stück Butterstreusel vor sich, ihre gesundheitliche Situation besprechen. Es geht um Hüften, Eierstöcke und die Serviceleistungen von Krankenhäusern in kirchlichen Trägerschaften, wobei man sich einig ist, dass evangelisch besser als katholisch, katholisch aber immerhin besser als städtisch ist, zumindest was das Nachmittagsgebäck in Orthopädie und Gynäkologie angeht.

Plötzlich Aufruhr: Polizei und Feuerwehr betreten die Szenerie und laufen ins Einkaufszentrum. Blaulicht flimmert in den Scheiben. Großes Hallo. Die Damen erheben sich leicht aus den Sesseln, so wie es ihre Hüften eben zulassen, und wenden sich der Fensterfront zu. Die Schuhverkäuferin dreht nur leicht den Kopf. Es scheint etwas Besonderes vor sich zu gehen, aber so wirklich gibt es nichts zu sehen. Das Geschehen findet um die Ecke statt.

Etwa zwanzig Minuten später kommen Frauen in Kitteln ins Café, auf der Kleidung das Emblem einer Drogeriekette. Ein junger Mann, heißt es, habe mit Reizgas um sich gesprüht, nichts Schlimmes, aber in diesen Zeiten weiß man ja nie. Die Verkäuferinnen werden mit Gratis-Kaffee versorgt. Die Silberdamen sind beim außerplanmäßigen zweiten Kakao, der Butterstreusel ist aufgegessen, aber es ist alles so aufregend. Noch aufregender wird es, als zwei Feuerwehrleute und ein Notarzt das Café betreten, junge Männer, die sich in warmem Tonfall erkundigen, ob noch jemand Hilfe benötige.

Die Damen erheben sich erneut und synchron in ihren Sesseln, setzen sich leicht um und lassen sich wieder sinken; es ist etwas deutlich Lorioteskes in dieser Geste. Ihr Blick ist nun nicht mehr gemeinschaftlich aus dem Fenster, sondern auf die Einsatzkräfte gerichtet. Eine der Frauen ergreift eine Serviette und fächelt sich Luft zu.

„Alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragt der Notarzt. Er hat braunes, lockiges Haar und erfüllt alle Voraussetzungen für eine Krankenhaus-Vorabendserie.

„Und wie, Herr Doktor“, antwortet sie. „Und wie.“



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