Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Broterwerb«

Pflegedienst

14. 04. 2011  •  45 Kommentare

Es ist Abend. Das Telefon klingelt. Ich nehme ab.

Freundin: Ich glaube, ich habe mir den Fuß gebrochen.
Nessy: Du glaubst, du hast Dir den Fuß gebrochen? Was spricht dafür?
Freundin: Ich habe einen Gips.
Nessy: Hmm. Das spricht tatsächlich dafür.

Sie erzählt, dass sie beim Sport umgeknickt sei. Dass sie im Städtischen war und die Assistenzärztin ihr den Haxn bandagiert hat. Die Diagnose sei nicht ganz klar: Haarriss im Knochen, außerdem Bänderriss, vielleicht auch Kapselriss. Alles ist möglich, nichts ausgeschlossen. Nur eins ist sicher: diese höllischen Schmerzen! Als wenn dir einer einen Schraubenschlüssel in den Knöchel rammt.

Freundin: Ich habe mir das so gedacht: Du nimmst mein Auto und fährst mich in den nächsten Wochen durch die Gegend.
Nessy: Hmmm.
Freundin: Morgen um acht bei mir.

Nächster Tag. Sie hat tatsächlich einen Gips. Mit Ach und Weh hievt sie sich ins Auto. Ich fahre sie zur Arbeit. Um 16 Uhr macht sie Feierabend. Dieses Pochen im Fuß! Unerträglich. Ich fahre sie zurück nach Hause.

Freundin:  Kommst du noch ’n bisschen mit hoch? [Pause] Ich muss noch eine Thrombosespritze haben. [Pause] Ich kann das nicht! Du musst das machen!
Nessy: Dir eine Thrombosespritze geben?
Freundin: Jaaaaaaaa!
Nessy: Ich hab‘ das doch auch noch nie gemacht.
Freundin: Egal!

Sie hüpft die Treppe hoch. Ich hinterdrein. In der Wohnung angekommen, wirft sie sich aufs Sofa und bleibt eine Weile schnaufend auf dem Rücken liegen. Dann lupft sie ihren Pulli und kneift sich in den Bauchspeck. „Hier! Da muss sie rein! Liegt in der Küche. Aber du musst mich dabei ablenken. Erzähl mir was!“

Wir desinfizieren mit ihrem 5-Phasen-Gesichtswasser für anspruchsvolle Mischhaut. Ich hole die Spritze und setze mich neben sie. „Ich zähle bis drei“, sage ich. „Eins … “ – sofort stecke ich die Spritze in den Speck und drücke ab.

Freundin: Du hast mich gelinkt!
Nessy: War ’n Trick.
Freundin: Ich glaube, es hackt!

Die Freundin ist noch eine Weile empört, fühlt sich dann aber sehr tapfer. Die Tapferkeit macht sie hungrig. Ich muss ihr ein Brot schmieren und eine Flasche Wasser ans Sofa stellen, dann darf ich gehen.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Orthopäden, nochmal nachgucken lassen. Das hatte die Assistenzärztin empfohlen – wegen der Sicherheit; und weil sie grad erst frisch von der Uni runter ist. Ich sitze im Wartezimmer und lese die Gala. Die Freundin kommt aus dem Behandlungszimmer. Ohne Gips und überraschend unverletzt.

Nessy: Ich habe dich doch gestern nur einmal berührt. Und schon bist du geheilt.
Freundin: Ist nur ’ne Dehnung.

Das ist es also, was ich schon immer gespürt habe: Ich habe magische Kräfte. Frau Nessy, demnächst im neuen Business:

Wunderheilungen und Gesundstreicheln.
Für Sportverletzungen und das Übliche.

1 Minute = 5 Euro.
 Keine Erotik. Echte Wissenschaft.

Mein Beitrag zur Frauenquote

7. 02. 2011  •  138 Kommentare

Dieser Tage wurde viel über Frauen in Führungspositionen diskutiert. Und über die Frauenquote.

Ich habe zur Quote keine Haltung. Ich kann nur erzählen, warum Sie mich niemals in einer Chefetage finden werden, egal ob mit oder ohne gender mainstreaming. Nicht, weil mir die Tätigkeit an sich keinen Spaß machen würde. Oder weil ich Verantwortung scheue. Ich glaube, beides – Aufgabe und Verantwortung – könnten mir Freude bereiten. Warum ich es nicht will, hat drei andere Gründe:

Erstens. Ich möchte nicht jahrelang 70 Stunden in der Woche arbeiten. Das hat nichts mit Kinder und Familie und Vereinbarkeit zu tun. Sondern das hat etwas damit zu tun, dass ich nicht auf dieser Welt bin, um mein Leben vollends einem Konzern zu widmen.

Um eins an dieser Stelle noch kurz klarzustellen, denn auf diesen Gedanken könnten Sie jetzt kommen: Ich bin weder faul noch unloyal. Ich arbeite gerne. Meine Arbeit macht mir viel Spaß. Ich arbeite oft mehr, als mein Arbeitsvertrag vorsieht. Weil es spannend ist. Weil ich für ein Projekt brenne. Weil ich es für meine Leute tue. Zugegeben – manchmal auch, weil es mein Pflichtgefühl erfordert. Ich finde, alles vier sind ehrenwerte Motive.

Ich weiß auch: Wer gewinnen will, muss Leistung bringen; ohne Training keine Tore, ohne Tore kein Sieg – so ist das beim Handball und woanders auch. Aber bei allem Brennen für ein Projekt: Ich bin nicht mein Job, und mein Job ist nicht ich. Es gibt eine Frau Nessy außerhalb des Jobs. In meiner Familie. Bei Freunden. In der Zeit mit mir selbst. Diese Momente sind mir kostbar. So kostbar, dass ich sie keiner Firma dauerhaft unterordnen möchte – schon gar nicht als Lebensprinzip. Denn ich glaube nicht, dass ich mit 80, wenn ich in meinem Schaukelstuhl sitze und reminiszierend vor mich hin wippe, denke: „Hättest du mal mehr Tage im Büro verbracht!“

Überhaupt: die Anwesenheitskultur in diesem Deutschland, in dem Home Office ein Synonym für „Urlaub“ ist. Wo Fleiß bedeutet, in der Firma zu sein, und wo Leistung heißt, so lange für seine Aufgaben zu brauchen, bis es draußen dunkel ist. Wo es sinnvoller ist, vor sich hin zu wurschteln und öfter mit den richtigen Leute an der Kaffeemaschine zu stehen, als sich zu organisieren und sein Ding effektiv durchzuziehen. In dieser Welt bin ich nicht zu Hause.

Zweiter Grund – und das muss ich an dieser Stelle so deutlich sagen: Die zahlreichen Streber, Blender und Arschkriecher, die ich in meinem Berufs-und sonstigen Leben schon getroffen habe, kotzen mich an. In der Mitte auf dem Weg nach oben gibt es so viel Täuschung, Korruptheit und Unaufrichtigkeit, dass mir übel wird. Ich bin ein sozialer Mensch. Ich arbeite gerne im Team. Ich bin kein verkappter Einzelkämpfer, der im entscheidenden Moment die anderen beiseite boxt, um als Einziger ehrlos zu profitieren. Legen Sie es mir als mangelnden Kampfgeist oder fehlende Eier aus – egal: Ich möchte darüber definiert werden, wer ich bin und was ich kann, nicht über das, was ich darstelle.

Ich spiele außerdem – dritter Punkt – nicht bei diesem ganzen Networking-Quatsch mit. Damit meine ich nicht nur Xing oder Facebook oder whatever, sondern auch die Offline-Variante: zielgerichtete Zweckfreundschaften und verlogen-kumpelhaftes Auf-die-Schulter-Klopfen, nur um irgendwann von diesen Verbindungen zu profitieren. Männer pflegen dazu pseudomaskulines Ritualgetue, das man als Frau gar nicht erst versuchen sollte mitzumachen. Als Alternative bleibt nur die angestrengte Gegenbewegung des leicht beleidigten Frauennetzwerkens in Gesprächskreisen und Podiumsdiskussionen. Muss ich beides nicht haben.

Ich möchte arbeiten, ausreichend Geld verdienen und Spaß dabei haben. Gerne auch in einer Führungsposition. Aber ich sehe nicht, dass das in diesem Land funktioniert, ohne dass ich mich aufgebe.

Das Himmelfahrt-Phänomen

12. 12. 2010  •  24 Kommentare

Seit Anfang Dezember höre ich allerorten:
„Das muss noch vor Weihnachten erledigt werden.“

Es ist das Himmelfahrt-Phänomen: An einem Donnerstag mitten in der Woche kommt ein Feiertag daher. Gänzlicher überraschend, natürlich. Wer kann das ahnen. Am Vorabend sind deshalb die Läden so voll mit Hamsterkäufern, als sei ein Atomschlag zu erwarten, der die westliche Zivilgesellschaft für immer zerstört (und mit ihr das Tiefkühlfilet Bordelaise, das in seiner Aluschachtel frierend darauf wartet, in den Luftschutzkellern deutscher Nachkriegsmiets-
häuser eingelagert und für das Überleben derer verwendet zu werden, die besser der Blitz treffen sollte).

Gleichermaßen, wie die Menschen vor Christi Himmelfahrt mit Kleinbussen einkaufen, werden in Büros Termine gesetzt, Konzepte eingefordert und Besprechungen anberaumt, als habe der Gesetzgeber ab 2011 das Arbeiten verboten. Dazwischen finden Weihnachtsfeiern statt; in frohlockende Fröhlichkeit gekleidetes Teambuilding, das jeder Mitarbeiter beim Nobelitaliener an der Ecke selbst bezahlen darf  – die Firma ist schließlich nicht für das Vergnügen ihrer Mannen zuständig. Eine Anwesenheitsliste wird allerdings schon geführt, im Sekretariat. Da bleibt als Entschuldigung nur der Noro-Virus, der selbst das motivierteste Lohnempfängerdasein von jetzt auf gleich in gekachelte Gefilde verlegen kann – gerade in Zeiten seelewärmender Glühweintrinkerei aus unzureichend gespülten Motivkeramiktassen.

Wenn Sie an dieser Stelle des Textes den Eindruck gewinnen, ich sei gefrustet, mag ich Ihnen das bestätigen. Hier im Kännchencafé ist sonst immer Kirmes, quietschbunt, mit Luftschlangenpusten, da darf ich auch mal maulig sein. Ab dem 1. Januar werde ich natürlich wieder Heiterkeit verbreiten, schließlich habe ich „ein Wohlfühljahr erster Klasse“ vor mir.

„Schreiben Sie mir dazu eine Mail!“

11. 10. 2010  •  41 Kommentare

Früher war es einfach mit der Kommunikation: Wenn es schnell gehen sollte, rief man an. Wenn nicht, schrieb man einen Brief. Wenn es nah bei war, ging man einfach hin.

Heute geht man nirgendwo mehr hin, nicht mal ins Büro nebenan. Und wenn ich irgendwo anrufe, sagt man mir: „Schreiben Sie mir dazu nochmal eine Mail.“ Gut. Tue ich natürlich – wegen Gedächtnisstütze und so.

Nur dann passiert: nichts.

Ich rufe also nach angemessener Zeit wieder an, und es ist, als schilderte ich den Sachverhalt zum ersten Mal. „Haben Sie uns dazu schon eine Mail geschrieben?“, ist die Frage. „Ja“, sage ich. „Oh“, ist die Antwort, „dann schicken Sie sie bitte noch einmal.“

Sie ahnen, was nach weiterer Wartezeit geschieht.

Anders herum rufen mich Menschen an, die mich anherrschen: „Ich habe Ihnen eine Mail geschrieben, aber leider immer noch keine Antwort erhalten!“ Ich schaue in mein Postfach und sehe: Ja, dort ist eine Mail angekommen. Vor zwei Stunden.

(Alternative: Am Sonntagabend um 21 Uhr. Der Kontrollanruf erfolgt direkt am nächsten Morgen um 9.)

Ich erkläre dann, dass es aus diversen Gründen terminlicher und persönlicher Art, vielleicht sogar aus Gründen anderer Prioritätensetzung, zwischenzeitlich einsetzendem Hunger oder Laub auf den Schienen nicht immer sein könne, dass ich eine E-Mail binnen zwei Stunden beantworte. Ich rege an,  mich bei dringenden Angelegenheiten anzurufen, dann könne man sicher sein, mich zu erreichen – oder erhalte Auskunft, wann ich wieder im Büro sei. Der Gegenüber nuschelt dann Dinge wie „… und das in Zeiten der Smartphones …“

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber es gibt Tage, an denen ist Kommunizieren einfach anstrengend.

Es lag ihr auf der Seele

27. 08. 2010  •  Keine Kommentare
Mutter: Ich muss da jetzt mal was ansprechen.
Nessy: Was denn?
Mutter: Da ist so eine Sache … die beschäftigt mich, seit ich das letzte Mal bei dir war.
Nessy: Ja, Mama, was denn?
Mutter: Also nur, wenn es nicht zu privat ist.
Nessy: Mama! Was denn?
Mutter: Als wir da im Internet guckten …
Nessy: Ja …
Mutter: Da hattest du ja auch kurz in deine E-Mails geschaut …
Nessy: Jaa …
Mutter: Da fiel mir was auf …
Nessy: Jaaa …
Mutter: Wer ist Peter?
Nessy: Was?
Mutter: Also, wenn da was ist, das du mir sagen möchtest …
Nessy: Peter …?!
Mutter: Von dem du so viel Post bekommst.
Nessy: Ach so! Mama … Peter ist mein Chef.
Mutter: Und er schreibt dir Briefe?
Nessy: Mama, mit E-Mails ist das etwas anders. Nicht so wie bei der gelben Post. Man schickt E-Mails auch, wenn man im Büro nebenan sitzt. Mit Dokumenten dran. Oder er leitet E-Mails von anderen weiter, damit ich sie bearbeite. Oder wir danach drüber sprechen.
Mutter: Und das macht er so oft?
Nessy: Wir arbeiten eng zusammen.
Mutter: Eng zusammen?!
Nessy: Nicht so!
Mutter: Also nichts, das ich wissen müsste?
Nessy: Nein.
Mutter: Du weißt aber, dass du mit mir immer über alles reden kannst.
Nessy: Ja, Mama.
Mutter: Dann ist ja gut.

„Vielen Dank für Ihre E-Mail“ …

17. 08. 2010  •  Keine Kommentare
Im Urlaub sollte man nicht in seine Mails schauen, die beruflichen. Ich mache das trotzdem. Es entspannt mich sogar. Ich sehe den Betreff und den Absender und klicke danach mit Wonne das Fenster zu. Tja, leider kann ich jetzt nicht beantworten, habe Urlaub.

Die Absender – Sie machen das sicherlich auch so – bekommen die übliche Abwesenheitsnotiz: „Vielen Dank für Ihre E-Mail … blabla … Bin im Urlaub … Melde mich nach meiner Rückkehr …“.

Gestern habe ich überlegt, wie es wäre, wenn man diese Abwesenheitsnotiz absenderabhängig gestalten könnte:

Vielen Dank für Ihre E-Mail. Eine von 30 jede Woche! Können Sie sich vorstellen, dass man dadurch urlaubsreif wird? Unter anderem Ihretwegen bin ich jetzt weg. Mich erholen. Ausspannen. Neue Kräfte suchen. Noch bis um 31. August. Wenn das mal reicht!

Schön, dass Sie mir schreiben. Noch schöner: Ich werde Ihnen nicht antworten. Das war mir schon immer ein Wunsch: Ihnen einmal nicht auf Ihre blöden Anfragen antworten. Jetzt ist es endlich soweit – wenigstens bis zum 31. August.

Wie – Sie müssen arbeiten? Und es regnet auch noch? Keine 20 Grad? Sie arme Sau! Ich liege jetzt am Strand: 28 Grad, leichter Wind, das Rauschen des Meeres, meine Haut prickelt leicht von der Sonne. Am 31. August bin ich wieder bei Ihnen. Vielleicht.

Hey – Sie sind’s. Ich denke oft an Sie, am Strand, auf meiner Sonnenliege. Rein platonisch natürlich. Aber dennoch: mit Herz. Wenn ich am 31. August wiederkomme, rufe ich Sie gleich an. Versprochen. Bussi.

Tiefe Verunsicherung

20. 07. 2010  •  Keine Kommentare
Die Kantine hat ihre Puddingstruktur umgestellt.

Das Grundproblem:
Die Kantine serviert täglich Pudding als Beilage. Dabei handelt es sich um Tarn-Puddings: Man denkt, es sei Schokolade – in Wirklichkeit ist es aber Caramel. Manchmal tarnt sich auch Capuccino als Schokolade oder Zitrone als Vanille. Oder – worst case: Marzipan (!) tarnt sich als Vanille. Jedenfalls ist nichts das, was es scheint; in jedem Schälchen wartet der saP: der schlimmste anzunehmende Pudding.

Der Trick:
Meine jahrelange Erfahrung hat mich ein Schema gelehrt. Für gelbe Puddings gilt: Besteht das Topping aus gehackten Pistazien, handelt es sich um Zitrone (nicht nehmen). Bei Mandeln ist es Marzipan (absolut niemals nehmen). Nur bei Schokostreuseln ist es Vanille (yummie). Bei braunem Pudding analog.

Und nun das! Nüsschen-Topping bedeutet plötzlich Vanille! Schokostreusel sind nun Bayrisch Creme. Nichts ist mehr, wie es war. Jeder Kantinengang ein Abenteuer!

Ich bin zutiefst verunsichert.

Der Indianer von der schnellen Eingreiftruppe

9. 02. 2009  •  Keine Kommentare
Sie sind die schnelle Eingreiftruppe: der Indianer, der Klingone und der Stumme. Drei bärtige Mädchen für alles, eins männlicher, eins weniger, das dritte ein Pantoffeltierchen.

Der Indianer ist der Chef. Ein Baumstamm von Mann, Militärklamotten, lange Haare, Bandana, Neun-Tage-Bart, Whiskey-Stimme. Sein Gang: schwerfällig und wiegend, wie gerade vom Pferd gestiegen. Sein Auto: ein schwarzer Caddy, außen glänzend, innen eine Rumpelkammer mit zwei dicken Schaumstoffwürfeln am Rückspiegel.

Sein Mitarbeiter: der Klingone. Ein Mann dünn wie ein Fleischerhaken mit Ohren wie Parabolantennen, einer Nase wie ein Kleiderbügel und einer Haut, hansaplastgelb wie der Naturdarm meiner Frühstücksleberwurst.

Sein Handlanger: der Stumme. Ein farb-, aber nicht geruchsloser Fussel von Mann. Aus all seinen Poren sickert Qualm; er schmoikt zehn in der Stunde, ohne Filter, mit fahler Haut und wunden, zitternden Fingern.

Der Indianer, der Klingone und der Stumme entrümpeln. Sie tragen Schränke von Büro zu Büro, vom Flur ins Magazin und vom Möbellager an die Arbeitsplätze. Sie schmeißen weg, was übrig ist, wuchten, stemmen und hieven, rollen Schweres über Fliesen und tragen Leichtes über Teppiche. Sie lassen Tische zum Fenster hinunter und werfen Stühle in die erste Etage hinauf.

Seit Kurzem bin ich dem Indianer ein blonder Fixpunkt auf dem grauen Unternehmensgelände. Ich tat ihm einen Gefallen und er mir. Nun macht er mir Avancen, spricht, schäkert und lädt mich nicht nur zu seinen Konzerten ein, bei denen er mit rauchiger Stimme deutsche Rockmusik röhrt. Er möchte mich zuvor auch mit einer Stretch-Limo abholen.

Ich traue es ihm tatsächlich zu, denn er ist ein unbekümmerter Rübezahl ohne künstliche Attitüden. Nicht Wenige halten ihn für gaga, für unangepasst und einfältig, für berufsjugendlich, ungehobelt und asozial, aber wer ihm zuhört, wer durch seine Flecktarnweste in sein Herz schaut, sieht einen konservativen Romantiker, einen weltklugen Kerl mit Charakter, der altbackener ist, als er zu sein scheint.

In seiner Band spielt er unter einem Pseudonym. Heute googelte ich nach seinem Klarnamen, und siehe da: Er war einst Schauspieler, damals in den 80ern. Es gibt Foren, in denen Frauen fragen, was aus ihm wurde. Ich könnte es ihnen sagen. Aber ich tue es nicht. Der Indianer und ich, wir gehen demnächst erstmal Stretch-Limo fahren. Oder zumindest gemeinsam in die Betriebskantine.



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