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Montag, 20. Mai

Lifehack | Heute fuhr ich zuerst nach Essen. Dort besuchte ich einen Kunden.

Nach dem Termin ging ich in ein von mir geschätztes Schuhhaus am Anfang der Essener Fußgängerzone. Dort hatte ich im Winter Schuhe gekauft, halbhohe Stiefeletten, schlicht und zeitlos, die in Komfort, Aussehen und Funktionalität die volle Punktzahl erhalten. Ich erhoffte mir, das Schwarze-Schuhe-Dilemma zu lösen.

Sie erinnern sich vielleicht – gesucht wird ein schwarzer Schuh,

  • der barfuß getragen werden kann,
  • der bequem ist (lange Tage, neun Stunden Stehen im Workshop, langes Gehen > 5 Kilometer)
  • der zur Jeans und zur Anzughose und zum Kleid passt.

Ich fuhr hinauf in die erste Etage zu den Größen 39 bis 44, schaute mir das Regal mit den 43ern an, fand sofort einen Schuh – keinen Mokassin, Funktion aber ähnlich – und probierte ihn an. Ich ließ kurz meinen Blick schweifen, und die helfende Hand kam sofort. Wir berieten uns über die Farbe des Objekts (Ist es dunkelblau oder schwarz?), über Alternativen, klagten uns gegenseitig unser Leid darüber, einen bequemen und doch angemessenen Büroschuh für den Sommer zu finden, und ich hatte binnen eines Wimpernschlags zwei Möglichkeiten am Fuß, lief sie Probe und entschied mich für Modell A.

Schwarze Schuhe, wie Ballerinas mit Riemchen

Modell A ist dunkelst blau, man sieht den Unterschied zu Schwarz allerdings nur bei bestimmtem Licht. Die helfende Hand meinte: „Das ist jetzt nicht offiziell, aber laufen sie einfach ein bisschen drin und cremen Sie dann mit Schwarz drüber. Erstmal an der Hacke, da können Sie es probieren. Und wenn’s nicht fleckig wird, cremen Sie den ganzen Schuh. Das funktioniert meistens.“

Solche Lifehacks braucht man doch!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es funktioniert, denn kaum hatte sie es ausgesprochen, erinnerte ich mich an das Paar Schuhe, mit dem ich über einen Grenzsee zu Russland lief (kein christliches Wunder, See war zugefroren); die Schuhe durchlitten neben dem See viel estnischen Schneematsch auf Feld- und Waldwegen – gefütterte Gummistiefel wären passender gewesen. Sie waren vor dem Ausflug ursprünglich hellbraun gewesen, nach See und Matsch allerdings fleckig und stockig. Ich cremte sie daheim mit Dunkelbraun ein; nach drei Creme-Einheiten waren sie dann wieder schön – in dunklerer Variante, aber Schnee- und Salzflecken waren nicht mehr zu sehen. Ich werde den Lifehack also ausprobieren.

***

Freibad & Kuchen | Auf dem Rückweg von Essen nach Dortmund fuhr ich ins Freibad und schwamm 2.000 Meter. Für die letzten 250 verließ ich allerdings die Schwimmerbahn, denn ich fühlte mich im Kraul wie eine dahintreibende Luftmatratze – ohne Kraft, vorwärts zu kommen. Ich flipperte im Becken noch ein wenig umher und fuhr dann nach Hause.

Kaum daheim, klingelte die Freundin und Stadtteilnachbarin und brachte mir Konfirmationskuchen vorbei. Es sei so viel übrig, ich solle doch bitte helfen.

Ein Stück Regenbogenkuchen, dahinter irgendwas Rosanes

Als Serviceblog-Inhaberin unterstütze ich natürlich, wo ich kann.

***

Abendgestaltung | Am Spätnachmittag setzte ich mich nochmal an die Arbeit, schrieb ein Angebot und notierte Gedanken zusammen, die ich beim Schwimmen gedacht hatte.

Schwimmen ist eine super Sportart, um das Denken zu ordnen. Es erfordert, nachdem man einen Rhythmus gefunden und damit nicht mehr ständig das Gefühl hat zu ertrinken, keine geistige Aufmerksamkeit; die Kapazität kann vollends in andere Sachen hineinfließen.

***

Insgesamt ein Tag wie aus dem Freiberuflerbilderbuch. Passend dazu ein Text:

Gelesen | Freiberufler: Die fünf Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit. Es gibt in dem Text ein paar Stellen, an denen ich etwas ergänzen könnte, zum Beispiel hier:

20 Urlaubstage und vier Krankentage pro Jahr bedeuten, dass man jeden Monat zwei Tage ohne Arbeit mitfinanziert.

Ich finanziere mit den Tagen, die ich abrechne, nicht nur meine Urlaubs- und Krankentage mit. Ich finanziere Reisetage; Tage, an denen ich Akquise mache; Tage für Vorbereitungen von abzurechnenden Tagen (z.B. bei Workshops, Beratungsaufträgen); Weiterbildungstage; Tage für Buchhaltung, Steuer- und Organisationskram. Außerdem finanziere ich meine Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge für die Krankenkasse sowie andere Versicherungsbeiträge, zum Beispiel eine Betriebs- und Vermögenshaftpflicht und die Pflegeversicherung. Ich finanziere die Raten für meinen Geschäftswagen, KfZ-Steuer und -Versicherung. Ich finanziere meine Arbeitsmittel (Hardware, Software, Moderationskoffer, Materialien etc.). Ich finanziere die Weihnachtspostkarte für meine Kunden; die Briefmarken; Visitenkarten, Geschäftspapier; das Benzin, das in mein Auto kommt; Bahnfahrkarten, Hotelübernachtungen. Ich finanziere meine Rente. Ich finanziere mein Know-how: Seminargebühren, Tickets für Konferenzen, Fachbücher. Ich finanziere meinen Webdesigner und meinen Provider. Ich finanziere das Risiko, Zeiten ohne Aufträge zu überbrücken. Ich finanziere die Freiheit des Kunden, sich nur punktuell zu binden.

Wenn der Kunde mich bezahlt, bezahlt er das alles mit . Vor allem bezahlt er das Wissen und die Erfahrung, die ich den vergangenen 20 Jahren gesammelt habe – und er profitiert von dem Know-how, das ich bei anderen Kunden sammle, wenn ich dort Probleme löse.

Über allem steht aber: Jeder Handgriff, den ich erledige, folgt einem Sinn. Deshalb mache ich alles gern – und deshalb empfinde ich vieles, was ich arbeite, nicht als Arbeit.

Kommentare

5 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Spontiv sagt:

    Um den Zustand im letzten Satz beneide ich dich aufrichtig.

    1. Vanessa sagt:

      Das ist wirklich Luxus.

  2. Friederike sagt:

    Der Schuh-Lifehack funktionert übrigens auch bei unansehnlich gewordenem Nubukleder: Schuhcreme drauf und glatt polieren..
    Schön, dass Du das perfekte Paar gefunden hast – sieht gut aus auf dem Foto !
    (Und auch ich frage mich, warum es die Hersteller nicht hinbekommen, genug in Größe 42 anzubieten. Besonders ärgerlich, wenn die Verkäuferin mir das auch noch vorwirft: „Ja, da hätten sie früher kommen müssen, in 42 sind die immer ganz schnell raus!“)

    1. Astrid sagt:

      Komm mal in meine neue Heimat, da gibt es einen Schuhladen, für uns Großfüßler ein Traum

    2. Vanessa sagt:

      Die Anzahl an Schuhen, die im Regal steht, finde ich inwzsichen durchaus ausreichend. Allerdings: Was sind das für Dinger! Nach einem neutralen, zeitlosen und bequemen Schuh suche ich in vielen Geschäften vergebens. Stattdessen: Strass, Bommeln, Sexiness oder ein Leder so hart wie Beton.

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