Draußen nur Kännchen
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Sonntag, 3. März

4. 03. 2019  •  11 Kommentare

Expedition | Das Wochenende verbrachte ich in Düsseldorf. Mit den Damen vom Ladies‘ Circle trafen wir uns zum „Arbeitswochenende“. Die Anführungszeichen haben Gründe, obwohl, nun ja, wir betrieben Wellnessarbeit. Und Bildungsarbeit. Wir hatten nämlich auch eine Stadtführung durch Kaiserswerth.

Ich lernte etwas über Theodor Fliedner, der im 19. Jahrhundert die Krankenpflege entscheidend voranbrachte und sowohl durch diese Arbeit als auch durch Bildung, Anstellung und Förderung die Lebensumstände von Frauen entscheidend verbesserte. Sein Wirken war unter anderem Vorbild für Florence Nightingale.

Außerdem stand ich an der Kaiserpfalz von Kaiserwerth. Vor gut einem Jahr stand ich zur gleichen Zeit in Canossa – und es gibt eine Verbindung zwischen diesen beiden Ort: Heinrich IV. Sein Bußgang nach Canossa resultierte aus einem lebenslangen schwierigen Verhältnis zur katholischen Kirche, das Kaiserswerth seinen Anfang nahm. Von dort entführten ihn die katholischen Bischöfe gegen seinen Willen, weil sie ihren Einfluss auf Reichsgeschäfte wiederherstellen wollten. Heinrich hatte danach lebenslang schlechte Laune, wenn er an die Kirche dachte, und geriet immer wieder in Streit mit ihr.

Anderer Ort: das Altenheim von Kaiserswerth. Hübsch.

Blick in einen Innenhof, über dem Lampenschirme hingen. Die Architektur ist freundlich und verbindet Ales mit Neuem.

Ich würde allerdings nie in ein Düsseldorfer Altenheim ziehen, denn ich habe Angst, ein Papphütchen aufgesetzt zu bekommen und gegen meinen Willen in den Speisesaal geschoben zu werden, um dort, fahrig mit Luftschlangen behangen, zu Karnevalsschlagern schunkeln zu müssen. Überhaupt: Ich möchte später bitte in ein Heim, in dem ich keine Spiele machen, nicht basteln und nicht schunkeln muss und in das keine Musikantengruppen kommen, es sei denn, es handelt sich um Ska-Bands.

Nach der Stadtführung bezogen wir Quartier im Medienhafen, wo wir upgegradet wurden. Deshalb hatten wir Zimmer mit Panoramablick.

Zwei Betten, in einem Zimmer, bei dem zwei von vier Händen verglast sind. Man kann in den Hafen hinabschauen.

Den gleichen Panoramablick hatte man übrigens vom Klo, denn dort sitzt man hinter der gleichen Panoramascheibe und kann während der Verrichtung der Betriebsamkeit des Hafens zuschauen.

Am späten Abend schaute ich, mit den Lichtern der Stadt im Hintergrund, vom Bett aus sportstudio und schlief dabei ein. Wer braucht schon Party.

Heute schauten wir dann von noch weiter oben auf den Hafen hinab: vom Rheinturm.

Blick vom Rheinturm in den Medienhafen hinab

*

Gelesen | Die meisten Produkte werden nach männlichen Maßstäben entwickelt – und zwar ganz wörtlich, nämlich was ihre Abmessungen und physischen Eigenschaften angeht.

Maßstab für die Größe von Smartphones ist eine durchschnittliche männliche Hand, Maßstab für eine Sprachsteuerung ist die männliche Stimme. Googles Spracherkennung erkennt deshalb männliche Stimmen zu 70 Prozent besser. Das gleiche gilt für die Sprachsteuerung im Auto – was die Nutzung für Frauen gefährlicher macht, weil sie ihr mehr Aufmerksamkeit widmen müssen und oft mehrere Versuche brauchen, bis die Technik sie versteht.

Frauen leben im Auto ohnehin gefährlicher, denn die Sicherheitsarchitektur ist der männlichen Norm angepasst. Frauen sitzen, weil sie meist kleiner sind, sowohl weiter vorne als auch höher, der Winkel ihrer Beine ist ein anderer, weshalb weibliche Unfallopfer ein 17 Prozent höheres Todesrisiko haben und häufiger schwerer verletzt sind. Crashtest-Dummies sind dem männlichen Körper nachempfunden, was Größe, Nachbildung von Muskelmasse und Skelett angeht. Es gibt zwar einen kleineren Dummy, der eine Frau imitieren soll – er ist aber lediglich eine kleinere Version des männlichen, ohne Berücksichtigung der Physiognomie, etwa der geringeren Knochendichte.

Einrichtungen, die der Arbeitssicherheit dienen, wie Schutzbrillen oder die Anbringung von Knöpfen sind am männlichen Körper und seiner Spannweite orientiert. Grenzwerte für den Umgang mit Chemikalien sind ebenfalls am männlichen Körper getestet; auch hier ist beispielsweise die Hautdicke von Bedeutung.

Der gut recherchierte und unaufgeregt geschriebene Artikel des Guardian listet weitere Beispiele auf, und es ist erstaunlich, wie fünfzig Prozent der Bevölkerung bei gleichem Produktpreis eine geringere Leistung erhalten. Lesenswert auch die Kommentare, die den Artikel ergänzen.



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