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Mittwoch, 28. November

Heute fuhr ich von Duisburg aus zum Kunden, nicht aus Dortmund. Öfter mal neue Wege gehen.

Die Fahrt von Duisburg aus ging erfreulicherweise ohne Stau vonstatten. Ich ließ den amerikanischen Konzern navigieren – nicht mein Auto und das dort verbaute Multimediasystem Amundsen.

Amundsen, oder wie ich freundschaftlich sage: Roald, ist nämlich nicht auf Zack, weder auf Autobahnen noch daneben. Auf den Autobahnen bemerkt Roald den Stau erst, wenn wir schon seit zehn Minuten drinstehen. „Stockender Verkehr auf der A1!“, vermeldet er dann stolz. Ich sehe ihn vor mir, die Brust geschwellt, die Hände in die Taille gestemmt, ein Funkeln in den Augen und denke mir: Wahnsinn, Roald, du hast es drauf.

Nicht immer ist er tranig. Manchmal hat er helle Momente. Dann bemerkt er den Stau, bevor wir hineinfahren. Er ist in diesen Fällen übermäßig eifrig; er möchte alle Versäumnisse wettmachen, jetzt und hier und mit diesem Stau. Folglich ordnet er dem Auftrag „Freie Fahrt für freie Kännchen“ alles unter, sogar das Erreichen des Ziels, Hauptsache weg vom Stau, weit weg. Ein Kilometer stockender Verkehr genügt, und er initiiert ausführliche Panoramafahrten über beschauliche Landstraßen. Ich habe auf diese Weise schon jeden dritten Alleebaum zwischen Wunstorf und Bad Oeynhausen kennengelernt.

Leider berücksichtigt Roald in diesen Momenten nicht, dass auch außerhalb von Autobahnen Leute unterwegs sind und Hindernisse warten. Mit Wegen, die nicht blau sind, beschäftigt Roald sich nämlich nicht: Landstraßen sind unter seiner Würde, Stadtverkehr ohnehin. Er ist nur für Autobahnen zuständig. Deshalb leitet er mich, um einen Kilometer Autobahnstau zu vermeiden, über holprige Feldwege, in verstopfte Innenstädte und vor mit Baken gesperrte Landstraßen. Roald und ich, wir haben ein Problem miteinander.

Heute navigierte mich also der amerikanische Konzern – über Velbert, Heiligenhaus und nebelverschleierte Landstraßen ins Bergische Land, staufrei. Nimm das, Roald.

*

Seit Wochen bekomme ich täglich Anrufe von einer „Deutschen Energiezentrale“. Sie will Stromtarife verkaufen, es ist jedoch unklar, woher sie meine Nummer hat. Sie behaupt, dass ich um einen Anruf gebeten hätte, sobald mein Stromtarif auslaufe. Das stimmt jedoch nicht.

Ich habe bereits bekundet, dass ich kein Interesse an Angeboten habe und keine weiteren Kontaktversuche wünsche. Die Anrufe kommen jedoch weiterhin von der Nummer +49 4321 7833993.

Nachdem ich das Klingeln in den vergangenen zwei Wochen ignoriert habe in der Hoffnung, dass die Bemühungen einfach aufhören, war ich gestern in guter, konfrontativer Stimmung, nahm den Hörer ab und sagte unumwunden, dass ich keine Anrufe erhalten möchte, jetzt nicht und in Zukunft nicht, nie mehr.

„Ich möchte keine Anrufe mehr von Ihnen erhalten.“
„Sie wissen doch gar nicht, worum es geht.“
„Ich weiß sehr gut, worum es geht. Sie rufen mich täglich an.“
„Und? Wer ist dran?“
„Ist das eine Lernstandskontrolle?“
„Sie wissen noch nicht einmal, wer Sie anruft.“
„Ich weiß sehr wohl, wer mich anruft. Und zwar täglich.“
„Sind Sie dement?“
„Löschen Sie meine Nummer aus der Datenbank.“
„Sagen Sie mir erstmal, wer Sie anruft und was ich von Ihnen will.“
„Löschen Sie meine Nummer.“
„Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?“
„Löschen Sie meine Nummer.“
„Sie verstehen mich nicht. Sie sind dement.“
„Woher haben Sie meine Nummer?“
„Ich habe zuerst gefragt! Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?“
„Nehmen Sie meine Nummer aus der Datenbank.“
„Wer ruft Sie denn gerade an?“

Ich habe dann aufgelegt und Anzeige bei der Bundesnetzagentur erstattet. Außerdem habe ich die Nummer über meinen Router blockiert. Ich hoffe, dass ich jetzt Ruhe habe.

Als er tatsächlich „Ich habe zuerst gefragt!“ gesagt hat, fand ich es übrigens für einen kurzen Moment witzig. Einen sehr kurzen Moment.

*

Heute Nacht Hotelbett.

Hotelbett mit Nachttischlampe und Tapete: weiß mit blau-roten Drachen

*

Gelesen: Der höchste Berg der Welt ist nicht der Mount Everest – zumindest, wenn man vom Erdmittelpunkt aus misst.

Kommentare

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  1. Zeddi sagt:

    Ich kann das Amerikanische-Navi aus den gleichen Gründen + der etwas größeren Karten-Aktualität auch empfehlen.

    Bonus-Punkte für die imho wesentlich schnellere Zieleingabe sowie die sinvollere POI suche z.B. wenn man etwas leckeres zu futtern sucht.

    1. Vanessa sagt:

      Alles ja – und die Points of Interests sind auch besser zu finden, gerade wenn man keine Adresse hat.

  2. ANNA sagt:

    Amerikanisches Navi ? (steh auf dem Schlauch)

    1. Herr Banger sagt:

      Google Maps.

      Es gibt, glaube ich, nur einen Menschen auf diesem Planeten, der selbst mit Google Maps als Navi nicht ans Ziel kommt, und das ist mein Schwiegervater bzw. dessen Dickköpfigkeit.

    2. Vanessa sagt:

      //*lacht

      Nun … man muss auch tun, was Navi sagt.

  3. ANNA sagt:

    Nach Tippen meines Kommentares bekam ich hier den Hinweis ich soll die Kommentare langsamer schreiben ?! Was ist das für ein Feature der kommentarspalte ?!

    1. Vanessa sagt:

      Keine Ahnung. Sowas ist mir noch nie begegnet. 10-Finger-Superflux-System?

    2. jpr sagt:

      Das ist generell in WordPress drin – wenn die gleiche Kommentatorin schnell Kommentare sendet laeuft man auf die Bremse. Poor mans Spamschutz denke ich (aber einfach zu erreichen, wenn man flott tippen kann)

  4. Friederike sagt:

    Unsere „Navigine“ ist ein Medion GoPal (ursprünglich also ALDI), für 100-Euro vom Online-Auftionshaus. Dagegen finden wir alle anderen Navis doof (wobei wir auch schon „eigenwillige“ Momente bei ihr erlebt haben.)

    1. Vanessa sagt:

      Es ist wichtig, ein persönlcihes Verhältnis zu dem Gerät zu haben, das einen leitet. So ein Grundvertrauen.

  5. Christine Lönnecke sagt:

    Ich kann ein Vorgehen bei Werbeanrufen nach folgendem Entscheidungsbaum wärmstens empfehlen:

    https://magazin.mademyday.com/180775

    :D

    1. Vanessa sagt:

      Leider ist das Ding nue zur Hand, wenn man es braucht. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Mensch am anderen Ende der Leitung anders geschult wurde. Er ging direkt auf Konfrontation und arbeitete mit Unterstellungen. Sehr seltsame Taktik. Frage mich, was das bringen soll.

  6. Natascha sagt:

    Ich würde HereweGo empfehlen – ist datenschutzfreundlicher.

    Die Unverschämtheit dieser Anrufer ist bodenlos. Normalerweise reicht die Nachfrage „woher haben Sie meine Adresse/Tel.Nr.?“ und „es reicht nicht, dass Sie behaupten, eine Liste zu haben, auf der meine Nr. draufsteht“. Inzwischen sind aber wohl manche Schulungen auf Aggressivität hin ausgebaut.
    Meine These ist, dass damit die Call-Center-Mitarbeiter entlastest werden sollen, dass sie auch mal patzig sein dürfen. Call-Center-Werbe-Anrufer zu sein, stelle ich mir als den fast schlimmsten Job vor, den man haben kann, dauernd wird man abgewimmelt, hört sich selbst bei platten Sprüchen zu und das für ein Produkt, das aufgrund der Vorgehensweise offenbar ansonsten nicht unterzubringen ist im fairen Markt – unbedingt ein Grund für eine vernünftige Ausbildung.

    Die Agentur (hat mich auch genervt, allerdings nicht ganz so hartnäckig) hat übrigens auf meine Anfrage per Email brav geantwortet, woher sie meine Daten hätten.

    1. Alexandra sagt:

      Über HereWeGo kann ich inzwischen vermelden: Es führt mich auch mal definitiv grundlos über abstruse Umwege und schon zweimal wollte es mich durch Anliegerstraßen schicken.

    2. Vanessa sagt:

      @Natascha: Es hat mich wirklich gewundert, wie der Call-Center-Agent auf Konfrontation ging. Es schien mir auch einstudiert und nicht so, dass er einen schlechten Tag hatte. Wenn jemand einen schlechten Tag hat, sagt er sowas wie „Leck mich am A…“, aber nicht „Wissen Sie üebrhaupt, was ich von Ihnen will?“, „Sind Sie dement?“ und „Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?“

  7. Alexandra sagt:

    Ich finde auch schön, wie ich was lerne, weil mein Auge an etwas hängen bleibt, was mir ein Störgefühl macht.

    Eine Barke ist ein kleines Schiff ohne Mast.

    Eine Bake meint historisch so viel wie Zeichen. Heute bezeichnet Bake ein Seezeichen.

    Beides steht ja eher nicht auf Straßen herum, schon gar nicht binnen in mutmaßlichen Milchkannengegenden.

    Die Absperrtechnik im Straßenverkehr kennt dagegen „Warn-“ und „Leitbaken“.

    Da das amerikanische Tool an meinem Uralt-Smartphone als App immer wieder die GPS -Verbindung fallen lässt / unterbricht / sabotiert, teste ich gerade eine andere App zunächst im Nahbereich, wo ich mich auskenne. Um zu kapieren,wie sie denkt.

    Auch KI’s sind scheinbar individuelle Persönlichkeiten …

    1. Vanessa sagt:

      Wie heißen denn dann diese Dinger, die die Straße sperren, wenn es nicht Baken sind?

      //googelgoogel

      Ah. „Schrankenzaun.“

    2. Alexandra sagt:

      … ich hätte jetzt einfach „Baken“ gesagt, mit Vornamen „Leit“. Aber was weiß ich schon, ich bin ja nicht per „Du“ mit den Dingern …

  8. Anne sagt:

    Ich sollte mal einer Frau erklären, warum ich denn ihre Finanzdienstleistungen nicht in Anspruch nehmen wollte, ob ich zu viel Geld hätte, das sollte ich ihr jetzt bitte mal erklären. Das war auch einen sehr kurzen Moment fast witzig.

    1. Vanessa sagt:

      Hätte gesagt: „Ich bade jeden Morgen in meinem Geldspeicher. Wenn ich das Ganze in Aktien anlege, geht das nicht mehr.“

  9. Abigail sagt:

    Hallöchen

    ich verwende auch oft das Amerikanisches Navi. Wobei das auch seine Tücken hat. Als wir einmal auf eine Konferenz gefahren sind, hat es uns erst auf die Landstraße geschickt um den Stau zu umfahren und dann auf nicht ganz der Hälfte der Strecke gemerkt: Oh über die Autobahn ist es doch wieder schneller. Und hat uns dann wieder das Stück zurück fahren lassen.

    Viele Grüße
    Abigail

    1. Vanessa sagt:

      Das macht sonst nur Roald. Mit großen Worten leitet er von der Autobahn ab, nur um nach 200 Metern auf der Landstraße zu befehlen: „Bitte wenden! Bitte wenden! Bitte wenden!“

      Dass er nicht zu seinen Entscheidungen steht, empfinde ich als ausgesprochen anstrengend. Habe ich ihm auch schon in Ich-Botschaften vermittelt.

  10. Nihilistin sagt:

    Ich nutze auf meinem Handy eine spezielle Navi-App (TomTom). Die kostet sogar Geld. Aus meiner Sicht hat sie drei unschlagbare Vorteile:
    Sie funktioniert auch in den Funklöchern in Brandenburg und MeckPomm, was bei Fahrten an die Ostsee entscheidend ist. Denn sie hat einen sehr vernünftigen Offline-Modus für Kartenmaterial. Von ganz Europa mal abgesehen, da auch.
    Sie verfügt anscheinend über sehr gute Onlinedaten (ich selber gebe fairnesshalber meine Fahrdaten auch an den Server zurück) und zeigt mir schon Dutzende Kilometer vor einer Unfallstelle auf der Autobahn den Fakt eines Unfalls, die Länge des Staus und rechtzeitig die Ausfahrt. Ich selber finde es wichtig zu wissen, warum da ein Stau ist (Baustelle, Unfall, oder einfach nur „Stau weil voll“)
    Und ich mag ihren Spurassistenten auf größeren Autobahnen und unübersichtlichen Abfahrtsknäueln.
    Mir haben jetzt schon ne Menge Leute erzählt, dass sie ihr eingebautes Navi nicht mehr nutzen (aus diversen Gründen), sondern lieber in eine praktische Handyhalterung investieren. Ich glaube, die Einbaunavis machen erst in Autos ab 50.000 EURO eine bessere Figur.

  11. jpr sagt:

    Sie haben es mit dem Namen doch schon richtig gesehen – Roald ist natuerlich ein Abenteurer, wenn Sie Ihm also schon die Moeglichkeit geben die Wildnis zu erkunden, dann wird er das auch wahrnehmen. Passen Sie auf, wenn es laengere Zeiten in Richtung Sueden geht!

    Ihr Spamanrufer ist allerdings ordentlich krass, aber Sie haben ja mit der BNA schon genau den Weg genommen, auf dem sich so etwas abstellen laesst – solche Meldungen sind durchaus nicht vergebens.

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