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Donnerstag, 27. September

Ich habe ein neues Angebot für KMU, also kleine und mittlere Unternehmen:

  • Check up „Unternehmensstrategie und Zukunftsfähigkeit“
  • Check up „Marketing und Positionierung“

Kolleginnen und Kollegen aus Kommunikationsagenturen haben mich angesprochen, ob ich dergleichen anbieten wolle. Sie erleben bei ihren Kunden einen Bedarf an Orientierung. Das betrifft  die Außendarstellung, vor allem aber weitergehende Themen wie die Ausrichtung des Unternehmens – in Hinblick auf Online-Konkurrenz, sich ändernde Marktverhältnisse, interne Prozesse und Digitalisierung. Oft geht es auch um die eigene Rolle als Geschäftsführer*in.

Ich habe deshalb ein niedrigschwelliges Angebot konzeptioniert, mit dem meine Kunden einen Blick von außen bekommen, der Mut macht und Veränderungen anstößt. Das Ganze ist ein Startschuss – ein wertvoller; ein Hinweis, wo es Sinn macht, mehr Kraft zu investieren.

Die Kunden können danach selbst umsetzen. Sie können mich weiter beauftragen oder ich vermittle, je nach Aufgabenstellung, Leute aus meinem Netzwerk. Das Ganze zu einem Preis, der überschaubar ist, zu dem ich aber trotzdem einen guten Nutzen bieten kann.

Anregungen und Verbesserungsvorschläge, Klugscheißerei und Rechtschreibfehler nehme ich gerne entgegen.

*

Heute Tag der Redigatur. Das Magazin, das ich im Sommersemester gemeinsam mit einer Kollegin und Studierenden an der TU Dortmund gemacht habe, geht am Montag in den Druck. 40 Seiten Schlussredaktion. Ich habe Kreise vor den Augen.

*

Anna fragte mich nach eine Fazit „selbstständig vs. angestellt“. Stand jetzt, eineinhalb Jahre nach Gründung, sieht das so aus:

Freiraum

Ich genieße sehr den Freiraum und die Flexibilität, die mir die Selbstständigkeit gibt: zu bestimmen, was ich arbeite, wie ich arbeite, mit wem ich arbeite, wann ich arbeite, wo ich arbeite. Ich nutze diesen Freiraum: Wenn das Wetter gut ist, mache ich länger Mittagspause und arbeite in den Abend hinein. Wenn ich vier Tage hintereinander beim Kunden war, lege mir auf den fünften Tag keine Termine. Ich muss niemanden fragen. Mein einziger Taktgeber sind die Kunden, und weil ich meine Kunden so gewinne, wie ich sie gewinne – siehe „Akquise“ -, arbeite ich sehr gerne für sie.

Persönliche Entwicklung

In meiner Arbeit, egal ob selbstständig oder angestellt, ist es mir wichtig, mich zu entwickeln, persönlich und fachlich. Drei meiner vier Angestelltenverhältnisse habe ich selbst beendet – eben weil ich mich nicht mehr entwickeln konnte, weil es keine (neue) Perspektive für mich im Unternehmen gab, weil meine persönliche Entwicklung und die Entwicklung der Unternehmensstrategie nicht überein gingen.

Nun bestimme ich selbst, in welche Richtung mein Geschäft und ich mich entwickeln. Ich folge den Bedürfnissen meiner Kunden und ich entscheide, worin ich mich weiterbilde. Ich wachse an jedem Kundenprojekt.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, verwende ich locker 20 Prozent meiner Arbeitszeit darauf, mich weiterzubilden: in Seminaren, auf Barcamps, durch lesen, durch Gespräche und indem ich immer wieder herausfinde, manchmal auch nur durch Nachdenken (verrückt!), wie ich eine bestimmte Aufgabenstellung am besten löse.

Unternehmensstrategie

Ich war schon immer jemand, der eher strategisch und unternehmerisch denkt. In meinen Angestelltenverhältnissen war das aber, bis auf eine Ausnahme, nicht gefragt. Es ging darum, abzuarbeiten und Ziele zu erfüllen. Zwar hatte ich in meinen Projekten Gestaltungsmöglichkeiten, ich durfte aber nicht nach dem strategischen Platz des Projekts in der Unternehmensstrategie fragen oder eine Meinung dazu haben. Das empfand ich als ausgesprochen zermürbend.

Nun gestalte ich meine Unternehmensstrategie selbst. Das bedeutet nicht, dass ich immer Erfolg habe. Ich finde stetig heraus, was am Markt gefragt ist und welche Stärken meine Kunden an mir schätzen. Aber ich kann und darf es herausfinden und verantworten.

Verantwortung

Ich übernehme gerne Verantwortung. Voraussetzung ist, dass ich das, wofür ich verantwortlich bin, auch selbst beeinflussen und gestalten kann. Das war im Angestelltenverhältnis nicht immer der Fall. Gleichzeitig durfte und sollte ich an anderen Stellen keine Verantwortung bekommen.

Was in der Selbstständigkeit bisweilen belastend ist, ist, für alles alleine die Verantwortung zu tragen: alleine zum Kunden zu fahren und herauszufinden, was die Fragestellung ist. Alleine zu überlegen: Was ist die beste Herangehensweise für das Projekt? Bei Workshops alleine in die Bütt zu gehen und nicht zu wissen: Klappt es so, wie ich es mir gedacht habe? Bisher hat es immer gut hingehauen, und wahrscheinlich ist mein Gefühl normales Lampenfieber. Aber dennoch.

Ich hole mir Unterstützung bei Freunden, beim Partner und tausche mich mit Fachkollegen aus. Das geht aber aufgrund von Verschwiegenheit in Kundenprojekten nur bis zu einem gewissen Punkt. Manchmal hätte ich gerne einen Gegenpart, mit dem ich Verantwortung teilen kann. Andererseits erwachsen aus einer Zusammenarbeit wieder andere Probleme.

Akquise

Ich bin kein Vertriebsprofi und entgegen aller hier herrschenden Annahmen bin ich auch keineswegs extrovertiert, sondern ein introvertierter Mensch. Ich nehme gut Stimmungen wahr; das ist eine Stärke für meinen Job. Aber Kaltakquise ist mir ein absoluter Graus.

Wenn man gründet, kommen alle möglichen Leute daher und sagen: Du musst dies machen, du musst das machen, sonst klappt es nicht. Zum Beispiel kriegt man immer wieder zu hören: „Wie willst du denn an Kunden kommen? Du musst Kaltakquise machen! Flyer drucken! Die Unternehmen abtelefonieren!“

Ich habe bei meiner Gründung Flyer gedruckt. Von denen habe ich ungefähr fünf gebraucht. Die restlichen 995 liegen im Schrank. Ich bekomme meine Kunden durch persönliche Gespräche, durch Vernetzung, durch Austausch online und offline, auf Barcamps, auf Konferenzen, über Blog und Newsletter, über Empfehlungen – und ja: auch übers Tagebuchbloggen. Es sind allesamt sehr tolle Kunden; denn diese Art des Kennenlernens hat einen riesigen Vorteil: Meine Kunden wissen schon vor dem gemeinsamen Projekt, wie ich ticke, und engagieren mich, weil ich so bin, wie ich bin. Das ist eine gute Basis für gemeinsames Arbeiten.

Disziplin

Für meine Art des Arbeitens braucht es intrinsische Motivation und Disziplin. Oft sagen mir Leute: „Das könnte ich nicht!“, und meinen damit das morgendliche Aufstehen, ohne dass es einen Chef oder eine Zeiterfassung gibt.

Ich finde es wunderbar. Ich weiß, was ich bis wann zu tun habe, habe eine To-Do-Liste und teile mir meine Aufgaben ein. Ich kann problemlos um 7 Uhr aufstehen und mit der Arbeit beginnen, auch im Home Office.

Was einzig manchmal schwerfällt, ist das Vorantreiben, siehe Verantwortung. Ich trage die alleinige Verantwortung für meine Entwicklung, für neue Ideen, fürs Anwerben von Projekten. Ich kann mich hinter niemandem verstecken. Ich muss alles selbst machen, mich überall reinfuchsen, mich um Buchhaltung und Steuern kümmern, ich kann nichts delegieren, es gibt keinen Admin für die EDV, ich bin Vertrieb, Marketing, Einkauf, Projektleitung und Geschäftsführung in einem. Das ist manchmal belastend und erfordert Disziplin, besonders wenn es um Themen geht, in die ich mich nicht gerne reinfuchse – zuletzt war es die Frage der Verschlüsselung von Dateien. Es hilft aber nichts, und am Ende habe ich dann etwas dazugelernt.

Gleichzeitig gibt mir die Arbeit auch, wenn sie gut läuft, viel Energie.

Selbst und ständig – und die Sinnfrage

Es geht die Mär um, als Selbstständige arbeite man 60 Stunden pro Woche, jahrein, jahraus. Das ist nicht so. Es gibt sicherlich Phasen, in denen ich sehr viel arbeite. Allerdings halte ich mir Wochenenden und Feiertage frei – und wenn ich doch arbeiten muss, dann habe ich es mir selbst ausgesucht: weil ich dafür einen Tag in der Woche für Freizeit genutzt habe.

Ich habe bereits als Angestellte Jobs gehabt, in denen ich viel arbeiten musste – und nebenbei meine Dissertation oder ein Buch geschrieben. Vielleicht spüre ich deshalb den Unterschied zwischen Angestellten- und Selbstständigendasein zeitlich nicht so sehr.

Der wesentliche Unterschied des Selbstständig- zum Angestelltsein ist – und das ist der Knackpunkt: dass ich hinter jeder Stunde, die ich in meine Arbeit und mein Einkommen investiere, einen Sinn sehe. Im Angestelltenverhältnis habe ich maximal 50 Prozent der Zeit für die Sache gearbeitet und einen Sinn erkannt. Der Rest war Zeit, die durch schlechte Führung, fehlende Strategie oder innerbetriebliche Taktiererei draufging – oder die ich einfach herumsaß, weil nichts zu tun war, in der ich aber auch nicht gehen konnte, weil die Unternehmenskultur eine Anwesenheitskultur war und das nicht vorsah.

Sicherheit

Ein großes Thema ist natürlich die Sicherheit – beziehungsweise die Unsicherheit. Ich habe sehr unregelmäßiges Einkommen. Manchmal habe ich keine Perspektive, nichts Neues in Aussicht, sondern muss hoffen, dass der nächste Auftrag kommt, bevor die Vorräte aufgebraucht sind. Das ist nicht immer einfach, zumal die Fixkosten als Selbstständige vergleichsweise hoch sind: Auto, Krankenversicherung, Betriebshaftpflicht, Altersvorsorge, Fortbildungskosten, dazu Miete beziehungsweise Kredite und die übliche Lebenshaltung. Kann ich das nicht mehr bedienen oder werde ich schwer krank, falle ich trotz meiner Absicherungsmaßnahmen ins Bodenlose. Manchmal denke ich: Gut, dass ich ein so positiver und durch und durch optimistischer Mensch bin. Sonst könnte ich kein Auge zu tun.

Fazit

Am Angestelltendasein hat mich am meisten gerärgert: wenig Freiraum, wenig Teilhabe, verkrustete Strukturen, wenig Gestaltungsspielraum, zu wenig Verantwortung, keine Aufstiegmöglichkeiten als Frau, patriarchalische Führung, zu viel Arbeit für zu wenig Sinn. Ich möchte meine Lebenszeit mit Dingen verbringen, die für mich sinnvoll sind und mir Freude bereiten – und von denen ich im Alter nicht sage, ich hätte Lebenszeit verschwendet. Das geht in der Selbstständigkeit besser als im Angestelltendasein.

*

Allen Wanderfreunden möchte ich ein feines Blog ans Herz legen: Schrat und Fee. Der Schrat ist Tim, der im Medienhaus Lensing neben mir saß, damals als Volontär, als er bei uns in der Digitalabteilung hospitiert hat. Inzwischen arbeitet er andernorts. Außerdem wandert er – und wie er wandert! Ständig ist er unterwegs und schreibt tolle Wanderberichte oder postet Bilder auf Instagram. Die Instagrambilder sind die schlimmsten, das ist wirklich kaum auszuhalten; ich möchte augenblicklich loswandern.

*

Gelesen: Die ZEIT, deren Berichterstattung ich sehr schätze, hat ihre neuen Redaktionsleitlinien veröffentlicht.

Gelesen: Blick über den persönlichen Tellerrand und auf die Nordsee – Andreas, Texter für Energiethemen, schreibt über das Barcamp Dangast. Ebenso der Veranstalter enera: So war das zweite Barcamp Dangast 2018

Kommentare

5 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. ANNA sagt:

    Danke für deine ausführlichen Infos zum Selbstständig sein. Ich sehe vieles aus meinem Angestelltenverhältnis her anders,aber deswegen habe ich ja u.a. auch gefragt :)

    1. Vanessa sagt:

      Magst Du sagen, was Du anders siehst? Das finde ich interessant.

      Ich habe übrigens volles Verständnis dafür, wenn andere Leute andere Bedürfnisse an ihre Arbeit haben. Ich unterhalte mich oft darüber und verstehe total, wenn Menschen ein Angestelltenverhältnis für sich vorziehen.

  2. Alban Meier sagt:

    Viel Erfolg mit Deinem neuen Angebot. Hört sich für mich sehr gut und stimmig an. So eine erste Auslegeordnung von neutraler Seite und ohne zusätzlichen Verpflichtungen und das mit überschaubarem Aufwand, sowohl finanziell wie auch zeitlich.

    Betreffend Rechtschreibefehler :-)
    Sollte es nicht Verauftragung heissen (anstelle Veauftragung) –> bei beiden Angeboten (copy paste lässt grüssen)

    1. Vanessa sagt:

      Korrigiert. Danke.

      Eine erste Auslegeordnung ohne zusätzliche Verpflichtungen. Genau das soll es sein. Ich habe Kunden, die danach gut alleine weiterkommen und nur mal Impulse brauchen. Das finde ich gut und in Ordnung, denn das soll ja das Ziel sein: die Entwicklung selbst schaffen. Und wie viel Unterstützung jemand braucht, ist halt unterschiedlich.

  3. Franziska sagt:

    Oh das ist spannend und eine gute Anregung , auch mal was über dieses Selbstständigkeitsding zu schreiben. Danke!

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