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Willkommen im Kännchen-Blog! Nehmen Sie sich einen Keks und schauen Sie sich um. Wenn Sie mögen, besuchen Sie die Verkaufstheke und wählen Sie aus dem reichhaltigen Angebot an Texten.

Dienstag, 11. September

Heute ist der 11. September. Während des Frühstücks ging mir durch den Kopf, dass die Anschläge auf das World Trade Center nun 17 Jahre her sind. Siebzehn! Wenn ich mir überlege, wie groß siebzehnjährige Menschen sind, ist das wirklich viel Zeit. Erstaunlich ist, dass ich damals schon erwachsen und im Beruf war, obwohl ich mich jetzt gerade gar nicht so alt fühle.

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Nach einem Twittertip von Holger habe ich Scrivener ausprobiert.

Scrivener ist ein Textverarbeitungsprogramm für Autoren. Man kann Texte, Dokumente und Metadaten verwalten. Man kann den Bildschirm splitten und an einem Teil des Dokuments arbeiten (zum Beispiel Seite 97) und einen anderen Teil (zum Beispiel Seite 46) nebenbei anschauen.

Ich habe den Funktionsumfang noch nicht ansatzweise durchdrungen. Es wirkt auf mich aber sehr, sehr hilfreich. Ich werde darin weiterarbeiten.

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Ich habe meine Einkaufslisten digitalisiert und nutze jetzt Bring!. Es ist wahnsinnig befriedigend, wenn ich ein Produkt in den Wagen gelegt habe, danach in die App gehe, auf den Eintrag klicke und die Kachel wegklappt. Ich fühle mich, als hätte ich Großes vollbracht. Dabei habe ich nur ein Glas Senf eingekauft.

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Ich habe Apfelkuchen mit Äpfeln aus dem Garten gebacken.

EIn Stück gedekter Apfelkuchen auf einem weißen Teller

Weil mir das gut gelungen ist, steigt Vattern jetzt beim Nachbarn in den Garten (mit Genehmigung) und pflückt noch ein paar Boskoops, damit ich weiteren Kuchen backe.

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Gelesen: Frau Kaltmamsell denkt über den Tod nach. 

Gelesen: Die Klasse bin ich. Philipp Meier schreibt anhand seines eigenen Lebenslaufs über Klassenunterschiede in der Gesellschaft und das Setzen von Deutungsrahmen (Framing) mit Hilfe von Sprache.

Gelesen: Droht Deutschland ein neues 1933? Gastbeitrag von Michael Wildt, Professor für Deutsche Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Zum gleichen Thema noch einmal die Kaltmamsell. Ihrer Einschätzung schließe ich mich an:

Es mehren sich die Anzeichen, dass auch in der deutschen Politik bestimmte Kräfte versuchen, eine Parallel-Wirklichkeit aufzuziehen, in der sie selbst offensichtlichste Fakten umdrehen und wegbehaupten. Zum Beispiel am Freitag Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, der das Videomaterial von rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz als mögliche „gezielten Falschinformationen“ bezeichnete. Wir kommen in bedrohliche Nähe zu US-amerikanischen Zuständen, in denen oberste Stellen alternative facts gegen belegte und überprüfbare Tatsachen aufstellen. Das Ziel scheint komplette Verunsicherung zu sein, fundamentale Zerstörung von Vertrauen in journalistische Berichterstattung.

Es ist mir ein völliges Rätsel, was Leute wie Seehofer oder Maaßen antreibt. Für mich liegt das noch mehr im Dunkeln als die Motivation der Rechtsradikalen.

Auch dazu: Renate Künast in der FAZ. Sehr gute Analyse.

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Seit Monaten schon kursieren 1.000 Fragen durch die Blogs. Ich möchte sie nicht alle beantworten, aber ein paar nehme ich mir mal heraus, jetzt wo sogar Spontiv losgelegt hat.

Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Ich tue ständig Dinge zum ersten Mal. Ich bin neugierig, furchtlos und probiere gerne Neues aus.

Die jüngsten ersten Male, siehe oben: Scrivener nutzen, einkaufen mit digitaler Einkaufsliste. Weitere erste Mal aus diesem Jahr: Zumba machen, alleine fünf Wochen durch ein anderes Land reisen, eine Mediationsausbildung machen, dort Rollenspiele machen, podcasten, eine Ü40-Party besuchen, einen eineinhalbstündigen Vortrag halten, auf eine Gala gehen … und bestimmt noch viele Sachen mehr, die mir jetzt nicht einfallen.

Worauf verwendest du viel zu viel Zeit?

Ich verwende so viel Zeit, wie mein Herz braucht. Manche Dinge benötigen Zeit, um zu reifen. Manche Dinge könnte ich schneller erledigen. Aber wenn kein Grund dazu besteht: Warum sollte ich?

Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?

Ich glaubte sehr lange an das Christkind und an den Nikolaus, bis in die Grundschule hinein. Ich erinnere mich, dass ich in der ersten Klasse zwar Zweifel hegte, dass es aber zu viele Ungereimtheiten gab, die ich mir an dieser Weihnachtssache nicht erklären konnte. Der Osterhase hatte allerdings schon früh ein Credibility-Problem, weil, echt mal: ein Hase, der bunte Eier bringt. Das ist nun wirklich Quatsch.

Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen?

Es gibt nichts, das ich unbedingt besitzen möchte.

Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen?

Vor ungefähr fünf Jahren war ich in Fort Fun. Ich war dort ohne begleitende Kinder; ich lebe meine Leidenschaften ohne Tarnung. Ich bin in der Marienkäferbahn und im Wasserbob gefahren, habe Sommerrodeln gemacht, und es war super.

Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an?

Wie Ertrinken.

Welchen Schmuck trägst du täglich?

Ohrstecker. Sonst trage ich wenig Schmuck. Das bamselt alles an mir rum, und ich kann das nicht ausblenden.

Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Natürlich mag ich es, gemocht zu werden. Allerdings bin ich inzwischen sehr selbstsicher in dem, was und wie ich bin, was ich gerne tue und was nicht – und dafür stehe ich auch ein.

Mögen Kinder dich?

Ebenso wie die umgekehrte Frage „Magst du Kinder?“ halte ich diese Frage für Unsinn. Es würde schließlich auch niemand fragen „Mögen Erwachsene dich?“ und „Magst du Erwachsene?“. Es gibt Menschen, die mag ich und die mögen mich, und es gibt Menschen, zu denen finde ich keinen Draht. Das Alter hat damit nichts zu tun.

Welche Tageszeit magst du am liebsten?

Alle. Weil ich grundsätzlich sehr großzügig bin in dem, was ich mag. Liegt vielleicht an meiner Zufriedenheit mit mir und der Welt.

Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht?

Ich mache immer irgendwas, schlafen zum Beispiel. Oder rumliegen. Oder lesen. Oder zu Hause rumpuzzeln. Oder in den Garten gucken und den Vögeln beim Leben zusehen. Das ist auch was und sehr super. Mußestunden haben einen viel zu schlechten Ruf in unserer Gesellschaft.

In welchen Laden gehst du gern?

Gartenmarkt. Ist aber nicht gut für meine Geldbörse.

Ansonsten gehe ich nicht gerne einkaufen, auch keine Kleidung oder Schuhe. Das ist alles unglaublich nervig, und am Ende fühle ich mich schlecht, weil ich mich in Klamotten gefummelt  habe, die zu klein oder zu groß waren oder schlecht saßen oder deren Muster an mir viel schrecklicher aussehen als auf dem Ständer, ich bin durch zig Geschäfte gelaufen, überall waren Menschen und ich möchte nur noch nach Hause.

Ausnahme: die kleinen Geschäfte im Stadtteil. Ein <3 für Stadtteilshopping.

Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

Weil sie das Beste aus dem macht, was auf meinem Kopf wächst. Weil ich die Haare nach hinten binden kann. Weil ich mir demonstrativ eine Strähne aus dem Gesicht pusten und dabei Merkel-esk die Augen verdrehen kann.

Kommentare

17 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Alexandra sagt:

    Hat so etwas wie Trump eventuell so etwas wie Seehofer ermöglicht?

    1. Vanessa sagt:

      Nun – ich bin keine Politikwissenschaftlerin. Ich denke aber, dass er Türen geöffnet hat und das sein Vorgehen Nachahmer findet.

    2. Alexandra sagt:

      Ich denk‘ da auch weniger wissenschaftlich – mehr so von Energien, die plötzlich salonfähig sind, her.

  2. ANNA sagt:

    „Das bamselt alles an mir rum, und ich kann das nicht ausblenden.“- da hab ich gleich so Bilder im Kopf-Frau Nessy mit so einer langen Halskett mit womöglich noch großem Stein ,der bei jeder Bewegung in der Brustkorbgegend umherschlägt und anstößt.HERRLICH!

    Stichwort 11/9: ich habe an diesem Datum geheiratet und das konnte einige nicht verstehen,wie man sowas…also..das geht doch nicht..machen kann.
    Hab ich immer nur bedingt verstanden.

    1. Vanessa sagt:

      Wenn man will, findet man für jedes Datum einen Grund, dort nicht zu heiraten.

  3. PaulineM sagt:

    Schöne Antworten, von denen möchte ich mehr lesen. Viele Ihrer Blogbeiträge und damit auch Sie machen auf mich einen sehr zufriedenen und „geerdeten“ Eindruck. Etwas was ich heute nicht mehr über viele Menschen sagen kann.

    9/11 habe ich im Staat New York erlebt. Wir lebten damals in den USA. Ich war morgens beim Unkraut jäten im Garten. Es war ein wunderschöner Spätsommertag und mein Mann brachte mir das Telefon raus, weil meine Schwägerin aus Deutschland anrief. „Mach den Fernseher an und schau, was passiert ist.“ Es war grauenhaft. Die nächsten Wochen waren für uns alle verstörend und wir konnten wochenlang nicht vom Fernseher lassen. 3 Wochen später starb meine Schwiegermutter und sollte in New York beerdigt werden. Wir fuhren hin und gingen am Abend der Beerdigung in die Stadt. Der Geruch in Soho war fürchterlich, aber die Restaurants waren brechend voll. Eine Frau erzählte mir, wir kommen jeden Abend raus, das kann man nicht allein überstehen.

    1. Vanessa sagt:

      Danke für die Erzählung.

  4. Frau-Irgendwas-ist-immer sagt:

    Sagen Sie mir bitte das Sie auch, trotz Hitzesommer, haufenweise Äpfel haben. Dann fühle ich mich nicht so allein mit diesen Apfelmassen …
    Wenn Sie Ideen haben was sie mit einen großen Paket Quitten machen, kann ich Ihnen welche organisieren, Gartennachbarn haben da die ein oder andere Quitte zuviel am Baum.

    1. Vanessa sagt:

      Meine eigenen Apfelbäume hatten so ungefähr zehn bis fünfzehn. Es sind allerdings kleine Spalierapfelbäume, und sie stehen erst im zweiten Jahr bei mir. Rundherum gibt es auch eine Apfelschwemme.

  5. jpr sagt:

    Den Hauptvorteil an digitalen Einkaufslisten finde ich ja, dass man sie immer dabei hat. Mal eben unterwegs ‚ach ja, Senf ist alle‘ denken und dann Senf auf die Liste schreiben – anstatt zu versuchen sich dran zu erinnern, dass man wieder daheim dringend Senf aufschreiben muss. Oder mit 20 Zetteln durch die Gegend laeuft.
    Das einzige was mich an den meisten dieser Inkarnationen stoert ist, dass es immer mit ‚Cloud‘ kommt. Ich will doch eigentlich nur lokal aufschreiben was noch einzukaufen ist…

    1. Alexandra sagt:

      Für cloudfreie Notizen habe ich eine WhatsApp-Gruppe mit mir selbst (das bedeutet, ich habe für die Anlage der Gruppe meine Kinder eingefügt und sie dann sofort wieder entfernt – damit bin ich einziges Gruppenmitglied).

      Das ist mein „Zwischenlager“ für verschiedenste Inhalte und eben auch mein digitales Notizbuch. Ein Foto von der Einkaufsliste auf der Kreidetafel zu Hause ist da regelmäßig drin …

    2. Vanessa sagt:

      @jpr: Nun, es ist wohl in der Cloud, damit ich mit dem Handy und dem PC etwas eintragen kann – und die Menschen, die mit mir den Haushalt teilen, auch. Wenn man alleine wohnt, kann man sich imaginäre Menschen mit fancy E-Mail-Adressen anlegen, mit denen man die Liste teilt. Dann ist es immer „Easy Rider“, der die Chips auf die Liste setzt, niemals Sie. Das befreit von Verantwortung.

    3. jpr sagt:

      Der Aspekt mit dem Teilen ist natuerlich ein sehr guter (und, @Alexandra, das ist mit eine der spannensten Whatsapp Nutzungen von denen ich hoerte). Und ein Chips-Bot! Grossartig.
      Wobei ich dachte, dass dann heutzutage eigentlich gleich eine KI Ihre Liste fuer die naechste Woche schreiben kann, nachdem sie ja die letzten gesehen hat…

  6. Caramelia sagt:

    Liebe Nessy, darf ich bitte um das Rezept für den Apfelkuchen fragen? Der schaut verdammt köstlich aus (und wirkt auch so, als ob er relativ einfach zuzubereiten wäre?).
    Besten Dank im Voraus!

    PS: mein Spalierbäumchen, im 2. Jahr, brauchte heuer eine Hardcore-Stütze, da er auf jedem der beiden Äste 10-12 faustgroße Äpfel hatte.

    1. Vanessa sagt:

      Das Rezept habe ich verbloggt – 13. September.

  7. Marco sagt:

    Btw: Frau Nessy. Auch Dank ihres Blogs gibt es verdammt viele Menschen, die Sie mögen. Da bin ich mir sicher. Wahrscheinlich aber dann doch mehr Erwachsene…
    :-)

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