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Donnerstag, 6. September

Anna hat mich gefragt, ob ich einen Zeitplan fürs Romanschreiben habe.

Es gibt einen vereinbarten Abgabezeitpunkt für das Manuskript. Der ist vertraglich mit dem Verlag festgehalten und liegt Ende des 1. Quartals 2019. Außerdem gibt es eine vertraglich vereinbarte Seitenzahl, die das Manuskript umfassen soll.

Ich kann nun den Zeitraum hernehmen, der mir zum Schreiben zur Verfügung steht, und die Seitenzahl, die festgelegt ist, und das eine durch das andere teilen. Dann weiß ich, wann ich auf der Hälfte, auf zwei Dritteln, auf Dreivierteln und so weiter angelangt sein muss. Das ist eine grobe Orientierung, allerdings hat die Sache einen Haken: Ich habe nicht konstant gleich viel Zeit zum Schreiben.

Momentan habe ich Zeit. Im Oktober werde ich auftragsbedingt weniger Zeit haben, im November dann wahrscheinlich wieder mehr und für Anfang des Jahres ergibt sich womöglich ein größerer Auftrag – dann habe ich nur noch ganz wenig Zeit zum Schreiben. Mein Ziel ist also, bis zur Jahreswende mindestens bei 80 Prozent des Umfangs zu liegen.

Danach möchte ich gerne hauptsächlich an der Qualität arbeiten, also den bestehenden Text verändern, verbessern,  kürzen, etwas dazuschreiben, Übergänge glätten, Charaktere vertiefen, Details ergänzen oder weglassen. Am besten in Zusammenarbeit mit meiner Lektorin.

Ich wurde schon des Öfteren gefragt, ob ich chronologisch schreibe, also mit Seite Eins beginne und am Ende des Buchs mit dem Schreiben ende. Ja, das mache ich. Denn ich brauche die gleiche Zeit wie ein Leser, um die Figuren wachsen und sich entwickeln zu lassen. Schreibe ich chronologisch, habe ich das gleiche Wissen wie meine Figuren und durchlebe die Geschichte mit ihnen. Schriebe ich hingegen nicht-chronologisch, könnte ich mich schlechter in die Situation einer Figur hineinversetzen, weil ich beim Schreiben von Kapitel Fünf ja schon an ihrer Statt erlebt habe, was erst in Kapitel Zehn kommt.

Beim ersten Buch habe ich teilweise Kapitel vorgezogen, also Kapitel Neun vor Kapitel Sechs geschrieben, weil ich Bock auf die Szene hatte. Es hatte aber den Nachteil, dass ich mich immer wieder fragen musste: Wo steht die Figur zu diesem Zeitpunkt gerade? Was ist vorher passiert? Aus welcher Situation kommt sie? Weiß sie bestimmte Dinge schon oder noch nicht? Da kam es dann zu Verirrungen.

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Der Innenminister bittet darum, aus seinem Amt entlassen zu werden.

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Am Abend war ich auf dem Sommerevent der networker NRW, einem IT-Verband. Wir haben unter anderem das Dortmunder Brauereimuseum besichtigt, allerdings ohne Verköstigung, nur mit Zuhören.

Brauereimuseum Dortmund

Dortmunds Strukturwandel hat ja nicht nur etwas mit Kohle und Stahl zu tun, sondern auch mit Bier.

Gemeinsam mit Milwaukee war Dortmund eine der zwei größten Bierbraustädte der Welt: Im 19. Jahrhundert gab es 74 Brauereien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es immerhin noch 28. Jetzt gibt es nur noch eine, DAB.

Außerdem ist die kleine Bergmann-Brauerei (für die ich ein großes Herz habe). dank einer privaten Initiative seit 2007 wieder im Kommen.

Maschine, die Kronkorken auf Flaschen macht

Übrigens gab es in den Brauereien Arbeitsplätze, die heute kein Mensch mehr haben will, zum Beispiel Bügelflaschenschließerin.

Weil die technische Anlage nur Flaschen mit Kronkorken automatisch verschließen konnte, gab es Arbeiterinnen, die die Bügelflaschen per Hand schlossen. 900 Stück in der Stunde. Pro Person. Weil den Frauen dabei nach kurzer Zeit die Hände wehtaten, durften sie sich mit einer Kollegin abwechseln, die im heißen Dampf der Flaschenwaschmaschine stand und Flaschen ein- und ausfüllte.

Kommentare

6 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Nihilistin sagt:

    Oh, da kann ich noch einige besch… Jobs beisteuern. „Leuchtkastenprüferin“ zum Beispiel (weiß gar nicht mehr wie das damals wirklich hieß). Frisch gespülte Mehrwegflaschen laufen auf Laufband in affenartiger Geschwindigkeit vor einem Leuchtkasten entlang. Prüfer/Prüferin muss in Sekundenbruchteilen die Flaschen checken und gucken, ob da Reste/Mäuse/Dreck drin steckt, und sie aussortieren. Das Ganze in ohrenbetäubendem Lärm (tausende aneinanderklappernde Glasflaschen auf den Laufbändern), in überhitzten oder eiskalten Hallen. VEB Getränkekombinat, 1985.
    Den Blügelflaschenschließerinnen artverwandt war die Schnapsflaschendeckelzudreherin ( VEB Bärensiegel, 1988). Es gab eine kleine manuelle Spirituosenabfüllerei im Stadtteil Pankow, in der spezielle Luxusspirituosen verarbeitet wurden (einer hieß „Hubertusjagd“ und war der offizielle Staatsjagdschnaps der DDR-Regierung). Wir befüllten dort die Flaschen mit einer handgesteuerten Befüllungsmaschine, trugen sie zum Nachbartisch, legten die Aludeckel auf und steckten die aludeckelbewehrten Flaschenhälse in eine antike Ständermaschine, die auf Hebelbetätigung dann den Verschluss sauber auf den Hals aufdrehte. Flasche wurde danach von Hand etikettiert (Etikett hinten aufleimen, mit Lappen andrücken) und sorgfältig im Sechserkarton verstaut. Der große Unterschied zu den Flaschenbügelfrauen war, dass das nicht im Akkord passierte. Zusätzlich trösteten wir uns mit kleinen Schlucken aus aussortierten (schlecht befüllten) Flaschen.
    Wenn ich mir überlege, dass das grad mal 30 Jahre her ist und nicht schon 140, fühle ich mich sehr sehr alt.

    1. Vanessa sagt:

      Offizieller Staatsjagdschnaps … <3

      Ich war als Ferienjob mal "Überraschungen in Nutelladeckelchen"-Legerin. Acht Stunden lang fuhren die Deckel an mir vorbei und ich legte Aufkleber hinein, die mehr aneinander klebten als irgendwo sonst. Und ich war "Ferrero-Rocher-Deckel-Staplerin".

      Außerdem hatte ich den Job "Honigdeckel-Qualitätsprüferin": Mit dem Finger über die Deckelkanten fahren, um zu gucken, ob sie zu scharf sind. Wenn ich mich schnitt, waren sie zu scharf. Top Job.

      Und ich hatte den Job "Seiteneinlegerin" in der Buchbinderei. Immer zwei Stapel, zum Beispiel Seiten 34 - 52 und Seiten 53 - 62. Wichtig: Reihenfolge nicht verwechseln.

      Nach zehn Minuten wusste ich jeweils schon nicht mehr, an was ich denken sollte. So langweilig war's.

    2. Nihilistin sagt:

      Oh. OhKey. Die Nutelladeckelchen sind heftig. Da kann noch nicht mal „Underbergfläschchen in Schmuckdosen packen“ mithalten (gingen anschließend natürlich in den Westen. Lohn war bei uns billig) Ich hatte ja zumindest immer die Chance mir alles schöner zu trinken (nein ich bin keine Alkoholikerin geworden)

    3. Vanessa sagt:

      Kleiner Themensprung: Ich habe mal eine WDR-Doku über die Underbergs gesehen. Sehr interessant. Falls sie nochmal irgendwo kommt oder wiederholt wird, kann ich sie empfehlen.

  2. ina Pö sagt:

    Brauereibesichtigung ohne Verköstigung ist so ziemlich das Deprimierendste, das ich seit langem gelesen hab.

    1. Vanessa sagt:

      //*lacht

      Nun – ganz so deprimierend war es nicht. Außerdem musste ich ohnehin noch fahren.

Die Kommentare sind geschlossen



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