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Samstag, 11. August

Schreibknast, im Garten sitzend. Wie so eine Romanautorin. Zwischendurch Prokrastonation via putzen. Der Durchzug der vergangenen Tage hat gefühlt die halbe Straße durch meine Wohnung geweht. Saugroboter Johnny war kurz davor, einen Betriebsrat mit sich selbst als Vorsitzendem zu gründen.

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Alexander hat sich von meinen Erlebnissen in Bergamo inspirieren lassen und verbringt dort ein Wochenende. Fühle mich wie irgendwas zwischen Hipster-Influencer und Reiseverkehrskauffrau.

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Aus Juli Zehs „Unterleuten“. Ich mag es, wie sie den Figuren Charakter verleiht.

Eine halbe Seite aus "Unterleuten"

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Gestern wieder 2.000 Meter geschwommen, Sturmedition. Dabei vier im Wasser treibende Blätter, drei Äste und diverses Kleingekröse eingeatmet. In mir wird ein Baum wachsen. Sehr qualvoll, dieses Schwimmen, wenn ich kurz vorher nur drei Knäckebrote esse. Auf den ersten 1.000 Metern war das Knäcke noch nicht verfügbar, 800 Meter lang gab es mir Power, und auf den letzten 200 Metern war’s dann auch schon wieder vorbei. Mein Körper: ein schlichter Verbrennungsmotor.

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Gesehen: Kulenkampffs Schuhe – Filmmacherin Regina Schilling verwebt das Leben ihrer Kindheit und das ihres Vaters mit dem der Showmaster der Nachkriegszeit: Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Alexander, Hans Rosenthal. Eine beeindruckende Dokumentation über das Nachwirkungen des Krieges, das Totschweigen der Vergangenheit, die Gefühle in Nachkriegsfamilien und die Rolle des Fernsehens.

Gelesen„Sie leben in einer völlig anderen Welt“ – Der Elitenforscher Michael Hartmann darüber, was Eliten sind, wie viele Menschen in Deutschland zur Elite gehören und dass die Eliten sich von der normalen Bevölkerung entfernen.

P.S.: Die Installation steht noch.

Kommentare

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  1. Nihilistin sagt:

    Unterleuten war für mich DAS Buch der 201xer Jahre. Atemlos und doch in Ruhe gelesen.

    1. Vanessa sagt:

      Ich bin jetzt auf der Hälfte und mir geht etwas die Luft aus. Aber vielleicht kommt jetzt bald wieder Schwung.

  2. Alexandra sagt:

    Bezüglich der absolvierten Schwimmung las ich „Stur-Medition“. Interessanter Gedanke. Hat was von: „Los, vertragt Euch! Verdammt nochmal!“.

    1. Vanessa sagt:

      Haha. Das wäre eine gänzlich neue Methode, die ich mir patentieren lassen könnte.

  3. Bettina sagt:

    Ja Juli Zeh hat mich auch begeistert ,auch wenn ich bei der ersten Runde lesen ,das Buch nach einem Drittel zugeklappt habe ……es war mir zu eng und dicht ,diese Menschen waren so präsent ……..dann habe ich es wieder vorgeholt nach Monaten und in einem Rutsch gelesen :-)

    Die Doku Kulenkampff hat mich total begeistert ,als Kind/Jugendliche der 60er Jahre bin ich eingetaucht in die UnterWelt des Fernsehens , die LebensGeschichte von Hans Rosenthal kannte ich schon bin aber immer wieder beeindruckt !

    Schönen Sonntag !

    1. Vanessa sagt:

      Zu eng und zu dicht? Ich finde gerade das gut. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Ich kann mir auch gut merken, wer wer ist. Dahingehend hatte ich vor dem Lesen Bedenken.

      Seltsamerweise habe ich intensive Erinnerungen an Hansi Rosenthal und Dalli Dalli, obwohl er bereits 1987 verstorben ist, als ich neun Jahre alt war.

  4. Bettina sagt:

    Ich mag auch Enge und Dichte in einem Roman, die Turbulenzen mitzuerleben ,einzutauchen ! Aber es passte beim ersten AnLesen nicht , das reale Leben bot in der Zeit genug Konfliktpotenzial :-) Monate später passte es dann wieder . So geht es mir manchmal mit Bücher /Filmen etc. .

    Hans Rosenthal hat durch seine impulsive Art zu springen, Lebendigkeit auszudrücken und seine freundliche neugierige Haltung jedem Menschen gegenüber einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    1. Vanessa sagt:

      Das kenne ich: Wenn das reale Leben das gleiche bietet wie der Roman – äh, schwierig. Besonders bei Konflikten und Liebesdingen und Gedöns und so.

  5. Alexandra sagt:

    Sabine Bode! Mir ist, als hätte ich die schon mal erwähnt? Seitdem ich soziologisch unterwegs bin, tun sich mir immer wieder so Dinge auf, die mittels meiner Eltern, Großeltern, Urgroßeltern … Einfluss auf mein Leben haben und wie so die Zusammenhänge sind. Es macht mich teilweise sprachlos und das heißt schon was.

    Jedenfalls hat „Kulenkampffs Schuhe“ mich ziemlich gepackt, weil da so viele Parallelen sind, obwohl ich „erst“ 1970 geboren bin.

    Die eigene Firma, die nicht geschlossen werden durfte für einen Urlaub, um nur ein kleines Beispiel zu nennen. Weswegen mein Vater dann immer nur am Wochenende Frau und Kinder im 500km entfernten Feriendomizil besuchte, nachdem er uns dorthin gebracht hatte und wieder zurück in den Betrieb fuhr.

    Ein Feriendomizil übrigens in der Lübecker Bucht, zwanzig Jahre lang dasselbe, bis zu dreimal im Jahr. Weswegen ich die Wanderstrecke von Herrn Buddenbohm gut kenne, aber sowas von!!!

    Ja, und all‘ das nicht Sichtbare, was im Untergrund herum rumorte, worüber nicht gesprochen wurde, was manchmal nur geheimnisvoll zweideutig, unverständlich Erwähnung fand. Jedenfalls unverständlich für mich Kind, dem niemand Antworten gab zu dem Thema, bei dem sie alle verbissen „dicht hielten“, denn schließlich „haben andere es ja viel schwerer gehabt“ und „man wolle froh sein“, immerhin sei man am Leben geblieben. Vergessen. Vergessen war sehr angesagt.

    Und heute bricht das alles auf, wird immer klarer, heller, verständlicher.
    Manchmal weiß ich gar nicht wohin mit all‘ dem explosionsartigen Begreifen.

    Sorry.

    1. Vanessa sagt:

      Auf Sabine Bode habe ich in einem beruflichen Blogartikel mal Bezug genommen. Sehr aufschlussreich ist auch Matthias Lohre. Es gibt diverse Interviews mit ihm, unter anderm vom HR und ich meine auch vom Deutschlandfunk.

  6. Annika sagt:

    Unterleuten habe ich geliebt. Habe ich in einem Rutsch gelesen, als ich im Früh Sommer, also Mitte April, in einem verwunschenen winzig kleinen Mecklenburger Dorf urlaubte.

    „Kulenkampffs Schuhe“ habe ich per WhatsApp meiner Mutter empfohlen. Antwort: „kulenkampff habe ich noch nie gemocht. Ich geh jetzt ins Bett.“ Da hat sie wirklich was verpasst.

    1. Vanessa sagt:

      Dabei geht’s doch gar nicht um Mögen oder Nichtmögen. Aber … ach.

      Sehr passender Lektüreort.

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