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Sonntag, 5. August

Ins Sauerland gefahren. Dort habe ich zunächst Oma und Opa und noch ein paar andere Leute gegossen – Auftrag von Vattern. Danach fuhr ich weiter zur Tante und zum Onkel.

Friedhofsaussicht:

Friedhofsaussicht: Berg runter mit Grräbern, dahinter berg rauf mit Häusern

Bei der Tante war ich zum Mittagessen. Sie hatte „Erotisches Hähnchen“ gekocht – wobei niemand weiß, was an dem Gericht erotisch ist. Es heißt einfach so: ein Rezept aus einer Frauenzeitschrift. Aus meiner Sicht besteht die Erotik vor allem aus einer großen Menge Sahne, mit der das Hähnchen überbacken wird, und aus Spätzle, die meine Tante dazu reicht. Nach der Mahlzeit hatte ich das Gefühl, nie wieder etwas essen zu können.

Spoiler: Am Abends ging’s dann aber schon wieder.

*

Der eigentliche Anlass meiner Reise war ein sportlicher: Die Kalendergirls haben ihr erstes Testspiel in der Vorbereitungssaison 2018/2019 bestritten – bei mir in der sauerländischen Heimat.

Die Kalendergirls haben mir ein Abschiedsgeschenk gemacht. Denn ich bin nun endgültig aus dem aktiven Spielgeschäft ausgestiegen – aus Altersgründen und aus Gründen der zunehmend steigenden Erholungsdauer, die ich nach einem Spiel benötige. Die liegt nämlich mittlerweile bei einer Woche, was im Raum-Zeit-Kontinuum nicht passt, da ja nur zwei Tage nach dem Spiel schon wieder Training ansteht, und zwei Tage nach dem Training ein zweites Training.

Sie lesen richtig: Die Kalendergirls trainineren nun zweimal pro Woche. Das liegt daran, dass sie in der vergangenen Saison doch noch aufgestiegen sind – etwas überraschend durch eine Regelung für Zweitplatzierte, die so komplex ist, dass ich sie an dieser Stelle nicht wiedergeben kann. Jedenfalls haben wir alten Veteraninnnen die Mannschaft seit ihrer Gründung zwei Ligen hochgespielt, und genau das war das Ziel. Also kann ich aufhören.

Die Mannschaft hat mir zum Abschied ein T-Shirt geschenkt:

T-Shirt-Aufdruck: Miss September bis Mai

Für Handballmuggels: Die Saison geht immer von September bis Mai.

Rückseite:

T-SHirt-Aufdruck: Vom Kalendergirl zum super Co-Trainer

Ich werde unseren Trainer nun ein wenig unterstützen – denn so ganz loslassen geht nicht. Ab und an muss ich einfach einen Ball in der Hand haben, sonst trübt sich meine Seele ein und ich werde schwermütig.

Dazu hat mir die Mannschaft noch ein weiteres Geschenk gemacht: eine Stoppuhr. Wenn es etwas zu stoppen gibt, muss ich nun nicht mehr mit meinem Handy stoppen – zum Beispiel die Zeit, in der die Damen sich im Unterarmstütz befinden, um sich eine sensationelle Rumpfstabilität zuzulegen.

Die Torfrau sagte mir, es habe in der Mannschaft eine Diskussion darüber gegeben, wie viele Runden so eine Stoppuhr für eine Co-Trainerin stoppen können muss. Sie selbst habe für drei Runden plädiert. Mehr Trainingsintensität müsse schließlich nicht sein. Die Stoppuhr, die ich nun bekommen habe, kann 500 Runden stoppen. Die Torfrau ist bedrückt.

Eigentlich wollte ich in den kommenden drei Trainingseinheiten nichts machen, was man stoppen muss. Angesichts dieses wunderbaren Geschenks habe ich meine Meinung nun geändert. Tja. 

*

Im Anschluss ans Spiel war ich zwei Kilometer schwimmen. Eine gute Performance. Ich bin sicher, es lag am erotischen Hähnchen. Eine gehaltvolle Mahlzeit aus Fett und Kohlenhydraten vier Stunden vor dem Sport, und es geschehen Wunder.

Circa-Zeiten der Bahnhofsuhr am Schwimmeisterhäuschen:

500 Meter: 11 Minuten
1.000 Meter: 23 Minuten
1.500 Meter: 36 Minuten
2.000 Meter: 51 Minuten

Ich bin also immer eine Minuten langsamer geworden. Hat sich auch so angefühlt. Anfangs war ich alleine auf der Bahn, hinterher waren wir zu Viert. Die ein oder andere Wartezeit, um den anderen überholen zu lassen – oder bevor man selbst überholen kann – summiert sich dann auf. Es war mir aber auch ganz recht, bei der Wende ein bisschen verschnaufen zu können. Auf den letzten Bahnen wusste ich die Arme kaum noch über den Kopf zu kriegen.

Es ist übrigens erstaunlich, wie ganzkörpermuskelkaterig so ein Schwimmmuskelkater sein kann. Warum ist das so? Werden beim Schwimmen die tiefen Muskelgruppen angesprochen, die ich sonst nicht brauche? Ich fühle jedenfalls eine umfassende Anstrengung vom Hals bis in die Zehen. Wunderbar.

Kommentare

4 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Bartholom sagt:

    Hm, war das Hähnchen wirklich erotisch oder eher exotisch?
    Ich würde ja nach dem Rezept fragen, aber da ich nach dem Essen keine 2000 Meter schwimmen kann lasse ich es wohl lieber.

    1. Vanessa sagt:

      Exotisch war’s nicht. Habe auch zuerst auf einen Buchstabenverwechsler getippt, aber … nein. „Exotisch“ ist ausgeschlossen.

  2. jpr sagt:

    Vielleicht liegt die erotisch Komponente des Haehnchens daran, dass man sich nach dem Essen auf jeden Fall ins Schlafzimmer zurueckziehen moechte? Da tun sich dann alle weiteren Moeglichkeiten auf…

    Und: wenn Sie dann doch jetzt zur anderen Seite gewechselt sind, sollten Sie nicht Miss Mai bis September sein? Denn sicher werden da die schnell rennenden Handballerinnen gemacht.

    1. Vanessa sagt:

      Nach Konsum von erotischen Hähnchen tut sich im Schlafzimmer genau eine Möglichkeit auf, und sie hat nichts mit Erotik zu tun.

      Rennende Handballerinnen sind eine Mär. Es hat sich noch niemals ins Team gerannt. Nur reingespielt. Rennen ist dabei hilfreich, aber kein ausschießliches Kriterium.

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