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Donnerstag, 2. August

Das Gartenoffice ist wieder eröffnet. Das macht Freude.

Gartenoffice

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Neue Podcastfolge veröffentlicht. Hier geht’s zum Blogbeitrag. Thema: Sprache und Kommunikation in der Veränderung – mit Fragetechniken und Methodiken der Gesprächsführung.

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Nachgereicht: Bild von der Insektentränke. Den Stein habe ich aus den Abbruzzen mitgebracht, er stammt von der Wanderung zur Eremitenkirche.

Insektentränke: Schale mit Wasser und einem Stein drin. Auf dem Stein: zwei Wespen

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Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert. Und selbstständig. Weil ich gesetzlich versichert bin, wird mir mindestens einmal monatlich mit entsetztem Unterton mitgeteilt: Das müsse aber doch nicht sein. Ich könne mich doch privat versichern, das sei preiswerter bei besseren Leistungen und überhaupt sei ich damit privilegierter. Ich schreibe meine Antwort jetzt mal auf, dann kann ich sie nämlich immer kopieren und verlinken.

Erstens ist die private Krankenversicherung mitnichten besser, was Prämien und Versorgung angeht – langfristig gesehen, in Hinblick auf meine nächsten zwanzig Lebensjahre, auf steigende Beiträge bei sinkenden Einnahmen. Damit schießt man sich nämlich selbst ins Knie. Merkt man nur leider erst, wenn es zu spät ist.

Zweitens bin ich ein großer Anhänger des Solidaritätsprinzips. Ich bin nämlich im Grunde meines Herzens eine linke Socke und finde es gut, wenn diejenigen, die mehr leisten können, mehr beitragen. Sogar, wenn ich selbst davon betroffen bin. Verrückt, ne?

Drittens engagiere ich mich ehrenamtlich in einer Serviceorganisation, die Geld für bedürftige Menschen sammelt. Wie kann ich da gleichzeitg dem Solidarsystem Geld entziehen, damit ich privilegierter bin? Das wäre doch bigott, und man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Spiel nicht bis zum Ende durchspiele, auch in Unterzahl.

Viertens halte ich die Leistungen unses gesetzlichen Gesundheitssystems schlicht und ergreifend für gut.

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Am Abend gedacht: Ich könnte mal wieder Gitarre spielen. Also habe ich mir die Klampfe genommen und ein gemütliches Plätzchen gesucht. Die Gitarre war sehr verstimmt (Worüber bloß? Das Wetter?), und als ich sie stimmte, riss auch noch die tiefe E-Saite. Aber – haha. Wohlweislich hatte ich vor einigen Monaten mal einen Satz Saiten bestellt – falls es mich überkommen würde mit dem Spielen und falls genau dann eine Saite reißen würde. Das nenne ich Vorausschau! Also schnell eine neue Saite aufgezogen.

Gitarre: Saite aufziehen

Danach war es allerdings schon 22.30 Uhr, und ich war müde. Also klampfte ich noch ein bisschen rum, stellte fest, dass ich mal wieder üben müsste und befand, dass es zunächst an der Zeit sei, ins Bett zu gehen.

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Grafik angeguckt: In Deutschland brauchen Menschen aus Niedrigverdienerfamilien sechs Generationen, um sich an ein ein durchschnittliches Einkommensniveau heranzuarbeiten. Schlechter sieht’s nur in sechs anderen Ländern aus, darunter Kolumbien, Indien und Südafrika. Dänemark liegt vorn mit zwei Generationen, gefolgt von Finnland, Norwegen und Schweden.

Gelesen: Cheer up, Deutschland! Der Economist über das Land des Pessimismus.

Gelesen: I built my own pancreas. Wie Diabetes-Erkrankte Open-Source-Development betreiben und die Geräte zur Überwachung ihres Blutzuckers verbessern.

Gelesen: Herr Buddenbohm hat unter der Überschrift „Leichtes Gepäck“ ein schönes Sammelsurium zusammengeschrieben, unter anderem zu Unterschenkeln und zur Wanderplanung mit Sohn II und überhaupt.

Kommentare

27 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Sabine sagt:

    Danke für den Teil zur Krankenkasse. Sieht hier ähnlich aus mit einer Selbständigen und einem, der angestellt so viel verdient, dass er sich privat versichern dürfte. Nur: Nein. Das wäre falsch. Schlimm genug, dass wir von der merkwürdigen Steuerpolitik profitieren – aber da würde es tatsächlich keinen Unterschied machen, wenn wir es nicht täten (und schließlich lebe ich auch mit ihren Nachteilen, so von wegen Arbeitsanreize für die geringer verdienende Person…)

    1. Vanessa sagt:

      Ehegattensplitting … ein weites Feld. Ich bin ehrlich gesagt uneins mit mir selbst, was dieses Thema angeht. Es ist eine Frage, wie man Ehe als Institution begreift. Sieht man sie als Wirtschaftsgemeinsschaft, in der die Ehepartner und Ehepartnerinnen füreinander einstehen (und damit in schlechten Zeiten auch den Staat entlasten), ergibt das Ehegattensplitting durchaus Sinn – unabhängig davon, ob es Kinder gibt. Steuerliche Vorteile am Vorhandensein von Kindern festzumachen, ist genauso legitim – jedoch eine andere Philosophie.

  2. ths sagt:

    Das Ehegattensplitting wurde in den 50er Jahren von der Adenauerregierung als Reaktion auf ein Urteil des BVerfG eingeführt. Leider war es die schlechteste der denkbaren Möglichkeiten, eine Ungleichbehandlung zu vermeiden.
    Das Splitting bevorzugt massiv ungleich verdienende Ehepartner. Eine schöne Diskussion mit vielen Zahlen und Informationen findet sich in einer Blogdiskussion der Frankfurter Rundschau hier: frblog.de/kinderlose

    Krankenkasse: meine Frau ist selbständig und wir sind leider vor knapp 20 Jahren auf die Werbung hereingefallen. Was kaum jemand bedenkt: auch im Ruhestand muss man weiterhin Prämien für die private Krankenversicherung bezahlen, und das muss man erst mal haben (selbst wenn man nur den Basistarif nimmt). Gesetzlich Versicherte zahlen nur einen geringen KV-Betrag für den steuerpflichtigen Teil ihrer Rente.

    1. Imke sagt:

      Ich könnte nach 25 Jahren PKV zurück in die Gesetzliche KV, da ich meine Arbeitsstunden vorübergehend reduziert hatte und unter somit unter die Bemessungsgrenze gefallen bin.
      Das geht allerdings nur solange man noch nicht 55 ist. Die jahrelang angehäuften Anwartschaften und Rückstellungen wurden berücksichtigt als ich fürs KHS und Zahnersatz die private Zusatzversicherung genommen habe. Das war echt ein großes Glück. Ich hatte auch Sorge vor den hohen Beiträgen in der Rentenzeit. Jetzt arbeite ich wieder voll, aber man muss nicht zurück in die PKV. Wenn man selbständig ist, reicht ein Tag sozialversicherungspflichtiger Arbeit, um in die GKV wechseln zu können! Aber nur unter 55 eben. Vielleicht hilft der Tip ja jemanden hier.

    2. Vanessa sagt:

      Genau das sind die Gründe, warum ich denke, dass PKV am Ende nichts bringt.

  3. Thomas sagt:

    Vollste Zustimmung was die Krankenkasse gerade im Hinblick auf Solidarität angeht, mache ich ebenso. Und ein schönes Office!

    1. Vanessa sagt:

      Lieblingsoffice.

  4. Jule sagt:

    Meine Eltern saßen auch in der Krankenkassenfalle. In den 60er Jahren machte eine große Dortmunder Versicherung verschärft Werbung bei den selbständigen Handwerkern, das waren regelrechte Drückerkolonnen, viele sind aus den Innungskrankenkassen raus und in die Private eingetreten.
    Solange die Einkünfte stimmten gings irgendwie – denn es wurde wirklich gegen alles versichert das war auch damals schon teuer.
    Dann, als die Eltern in den Ruhestand wollten, musste mein Vater in klein weiterarbeiten, damit die Beiträge bezahlt werden konnten, denn vor lauter Krankenversicherung wurde nichts in eine Rente investiert- war nicht genug Geld da. Selbst im Basistarif.
    Problematisch wurde es, als Mutter krank wurde – da sollte Dies und Das nicht bezahlt werden, weil…. Wir mussten klagen um wenigstens das erstattet zu bekommen, was die gesetzliche KK bezahlt hätte. Da wurde nichts extra übernommen – Basistarif eben!
    Eine Enttäuschung für meine Mutter, die viele tausend DM und Euro für die Versicherung bezahlt hatte und dachte, sie sei jetzt Firstclass versichert.
    Seit langem schon ist mir dieses 2 Klassen Krankenkassensystem zuwider!

    Warum nicht das Solidaritätsprinzip für Alle?

    1. Vanessa sagt:

      Dass Zahlreiches nicht übernommen wird, ist mir letztens erst begegnet … wo war es nur? Jedenfalls erzählten mir zwei Menschen unabhängig voneinander davon.

  5. Cathrin sagt:

    DU KANNST GITARRE SPIELEN UND ERZÄHLST DAS ERST JETZT!?

    1. Vanessa sagt:

      Ich bin eine Frau voller unergründeter Geheimnisse.

  6. Sigrid sagt:

    Zu den bereits erwähnten Nachteilen sehe ich noch weitere.
    Das Risiko der Überdiagnostik und Übertherapie ist bei Privatversicherten wesentlich höher.
    Und was praktisch nicht thematisiert wird, ist der unzureichend e Datenschutz bei Privatkassen. Auf jeder Rechnung steht eine Diagnose,die von dem Sachbearbeitern gesehen werden.

    Diese Diagnosen werden auch miteinbezogen, wenn zum Beispiel der Tarif geändert werden soll.

    1. Vanessa sagt:

      Die Sache mit der Überdiagnostik sehe ich auch. Wenn ich privat versicherte Mitsportlerinnen sehe, bei denen wegen eines einfachen Bänderrisses im Sprunggelenk ein MRT gemacht wird – dann irgendeine Therapie mit Elektro und Physio und was weiß ich. Das braucht wirklich kein Mensch. Hochlegen, schonen und wenn’s wieder geht: gelenkstabilisierende Übungen, fertig. Wie es ist, wenn man schwerer erkrankt ist, kann ich freilich nicht sagen.

      Die Datenschutzsache hatte ich noch gar nicht bedacht.

  7. Nihilistin sagt:

    Danke an anesst und auch an viele Kommentierende: Es ist gut zu wissen, daß man nicht allein ist. Auch ich glaube (neben den diversen erwähnten Nachteilen) an das Solidarprinzip.

  8. Martin Ibert sagt:

    Ein Hurrah auf die Solidarität. Ich bin nicht selbstständig, könnte mich aber auch freiwillig versichern, wenn ich denn wollte.
    Will ich aber nicht.
    Gründe wie oben erläutert.

  9. The Rese sagt:

    Ach, schön, nicht allein zu sein. Voraussicht werde ich im Januar verbeamtet, krankenversichert will ich trotzdem gesetzlich bleiben. Warum der Staat bei seinen eigenen Bediensteten nicht den Arbeitgeberbeitrag übernehmen kann, ist mir sowieso ein Rätsel…

    1. Carom sagt:

      Die Stadt Hamburg eröffnet ihren Polizisten inzwischen wohl die Möglichkeit, sich gesetzlich zu versichern und übernimmt dann auch den Arbeitgeberanteil.

      Mehr weiß ich dazu nicht, außer dass es noch ein paar Fußangeln gibt, wie so oft. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

  10. Sandra sagt:

    Genau den gleichen Überlegungen zur Krankenkasse bin ich auch gefolgt und freiwillig in der gesetzlichen Kasse geblieben, als ich mich selbstständig gemacht habe. Wäre möglich, dass ich derzeit privatversichert Geld sparen könnte, später würde das wohl ganz anders aussehen und ich fühle mich auch so gut versorgt.

  11. Sonja sagt:

    Was ich allein gut finde bei der privaten Krankenversicherung: Dass der Versicherte eine Rechnung bekommt, auf der steht, was abgerechnet wurde, und wieviel es kostet. Eine solche Übersicht sollte man auch als gesetzlich Versicherter bekommen – erstens, um Übersicht und Kontrolle zu haben, aber zweitens, um auch mal zu sehen, was das alles kostet, wenn man wirklich mal was ernstes hat. Und auch, wie wenig für andere Leistungen gezahlt wird. Mein Vater war Arzt und hat immer gern vorgerechnet, was nach allen Ausgaben für eine Rektaluntersuchung tatsächlich in seiner Tasche landete… Nichtsdestotrotz: Trotz aller Verbesserungswürdigkeit, ich würde mit keinem anderen Land tauschen wollen.

    1. Vanessa sagt:

      Die Sache mit den Honoraren ist mir ein Rätsel: Da kriegt der Arzt nur, sagen wir, 12 Euro für eine Kassenuntersuchung. Allerdings habe ich noch keinen Arzt kennengelernt, dem es wirtschaftlich schlecht geht – ums mal konservativ auszudrücken.

    2. Sonja sagt:

      Arzt ist aber auch nicht Arzt – wenn man der Facharzt mit den schicken Spezialuntersuchungen und vielen Privatpatienten ist, großartig. Aber der praktische Arzt mit dem Kleinkram und den Kassenpatienten muss ganz schön rackern. Und wenn Du am Ende des Quartals öfter krank warst, als das Budget es vorsieht, behandelt er Dich auch umsonst, weil die Kasse nichts mehr zahlt. Oder darf sich persönlich dafür verantworten, warum er mehr als vorgesehen verschrieben hat. Das ist doch absurd. Ich sage nicht, dass es Ärzten per se schlecht geht, ich sage nur, es besteht sehr viel Mythenbildung darüber, welche Unsummen „alle“ Ärzte angeblich verdienen. Wir müssen wirklich nicht in die Zeiten zurück, in denen Ärzte in der schicken Villa wohnten und jedem Kind einen eigenen Porsche hinstellen konnten, aber ich möchte, dass Ärzte vernünftig und transparent bezahlt werden und dieser ganze Kassenabrechnungshickhack vernünftig geregelt wird, damit Ärzte ihre Arbeit anständig machen können. Im übrigen war mein Vater sein Leben lang gesetzlich versichert, obwohl das wahrlich nicht üblich war, weil er absolut an das Solidaritätsprinzip geglaubt hat. Ich schlage drei Kreuze, wenn die privaten Kassen abgeschafft werden – und auch siebzehntausend gesetzliche Kassen braucht kein Mensch, was da an Geld versackt…

    3. Nihilistin sagt:

      Sonja, schaun Sie bitte mal bei Ihrer Krankenkasse nach „Patientenquittung“. Wir gesetzlich versicherte haben inzwischen auch einen Anspruch darauf, eine „Rechnung“ zu sehen. Die muss uns entweder der Arzt geben, oder die Krankenkasse organisiert das (letzteres meist, weil es viel einfacher ist, als den armen Docs noch mehr Bürokratie reinzuhauen). Bei meiner BARMER finde ich die Abrechnung unter „Patientenquittung“ im SelfService-Bereich.

      https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/patientenrechte/patientenquittung.html

  12. Sven sagt:

    Ich fand die „Gitarre spielen“ Überraschung am besten.

  13. Chris sagt:

    Die Sache mit der gesetzlichen Krankenversicherung finde ich gut und mache das selber auch so. Prinzipiell hätte ich mich jetzt auch privat versichern können, aber warum sollte ich das wollen? Eine allgemeine, finanzierbare KV zu haben, ist extrem wichtig, man schaue sich nur mal die Auswüchse in Amerika an…

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