Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Freitag, 31. August

31. 08. 2018  •  2 Kommentare

Heute wieder: professionelles Kaffeetrinken. Christian und ich habe eine neue Folge von Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch aufgenommen. Das Thema kam von unserer Zuhörerin denkenfetzt: Wie unterstütze ich meinen (neuen) Chef  oder meine (neue) Chefin in seiner/ihrer Rolle – vor allem, ohne übergriffig zu sein? Wie helfe ich ihm/ihr in den Sattel – und ist das überhaupt mein Job?

Ich habe vorher sieben Führungskräfte und Teammitglieder gefragt. Die Ergebnisse haben Christian und ich diskutiert.

Weil ich eine Rückmeldung per Sprachnachricht bekommen habe, habe ich sie als Audio reingeschnitten – beziehungsweise eine Frage daraus. Sollten wir öfters machen. Also, wenn Ihr wollt: Wortbeiträge, Kritik, Fragen, Statements gerne auch per Audio (Mailadresse).

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Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit C. Er ist regelmäßiger Bioladeneinkäufer ist. Wir sprachen über Biosupermärkte und deren Kassenbereich. Er schenkte mir das Satzfragment: „die Quengelware für den antroposophischen Oberstudienrat.“

Seither suche ich vergebens nach einer Gelegenheit, die Worte anderweitig unterzubringen.

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Gelesen: Anke Gröner hat Post von einer Leserin bekommen. Beatrix wohnt in Lößnitz, Sachsen, wurde in den 1970ern geboren und ist in der DDR aufgewachsen. Sie reflektiert die DDR-Vergangenheit und das demokratische Selbstverständnis in ihrer Heimat vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Chemnitz.

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Gute Nachricht der Woche: Christian (ein anderer Christian als oben, quasi Christian I.) ist den Älteren unter uns bekannt als Jawl. Nun bloggt er wieder regelmäßig. Juchhee!

Mittwoch, 29. August

29. 08. 2018  •  7 Kommentare

Viele Ideen. Gutes Gespräch gehabt und danach noch mehr Ideen. Erfahrungen erzählt bekommen und noch weitere Ideen. Ich muss das alles mal ordnen.

Parallel dazu habe ich meinen August-Newsletter rausgeschickt. Wie immer, wenn die aktuelle Post rausgeht, geht auch der Text des Vormonats online: Der ideale Arbeitsplatz ist ein Manchmal-Großraum – über eine Studie zur Kommunikation in Großraumbüros, über Arbeitsplatzgestaltung und warum Menschen manchmal gut kommunizieren, auch wenn sie weniger reden.

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Entertainment: Im Juli gabs die wunderbare Lesung Porsche, Pölen, Pott, deren Teil ich sein durfte. Mitleser Hansbahnhof hat ein Audio online gestellt: seine Geschichte „Das F-Modell, die Frau, Ferdi und die Fahrt zum Rand der Verzweiflung“, in der er erzählt, wie er seine Frau, sein Kind und einen Haufen Gepäck in einen Porsche Oldtimer verfrachtet und nach England fährt. Spoiler: Es passieren Dinge. Viel Spaß beim Zuhören!

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Immer noch Reste von Todesschnupfen. Husten, Mattheit, nasale Erotikstimme. Es handelt sich bei den Krankheitserregern nachgewiesenermaßen um Keime aus Berlin, die per ICE ins Ruhrgebiet gelangten. Ich prangere das an.

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Chemnitz macht mich sprachlos. Die Nazis dort machen mich sprachlos. Die Menschen, die den Nazis zujubeln, machen mich sprachlos. Die Menschen, die den Nazis und denen, die ihnen zujubeln, schweigend zuschauen, machen mich sprachlos.

Noch sprachloser als all dieses Pack macht mich allerdings eine sächsische Innenpolitik und eine sächsische Polizei, die den Rechten seit Jahren tatenlos zusieht, die auffällig Nazi-freundlich agiertdie Journalisten öffentlich-rechtlicher Sender festhält, deren Beschäftigte an rechten Demos teilnehmen und die eine durch und durch zweifelhafte Haltung hat.

Was zur Hölle muss noch passieren? Diese ganze braune Mischpoke gehört – Achtung, Wortspiel – auf links gekrempelt und aufgeräumt. Dabei ist es mir egal, ob sie hellbraun, mittelbraun oder dunkelbraun ist. Haben wir eigentlich schon einen ARD-Brennpunkt zu dem Thema gesehen – mit Live-Schalte zur Pressekonferenz, in der unser aller Heimatminister gegrillt wird? Und in der die Bundesregierung Konsequenzen und konkrete Maßnahmen ankündigt, um das Nazi-Netzwerk und seine Unterstützer aufzudecken und zu verfolgen?

War eine rhethorische Frage.

Montag, 27. August

27. 08. 2018  •  2 Kommentare

Das Wochenende war geprägt von zwei Dingen: einem Ausflug in den Taunus und Todesschnupfen.

Zunächst zum Ausflug: Der ging nach Idstein, genauer gesagt nach Hünfelden, zum Kloster Gnadenthal. Allerdings zu einem ganz und gar unreligiösen Thema: Design Thinking. Wobei Design Thinking für manche Leute bestimmt auch eine Religion ist, genauso wie Scrum. Auf mich trifft das aber nicht zu.

Design Thinking ist ein methodischer Ansatz zum Lösen von Problemen. Außerdem hilft es beim Entwickeln neuer Ideen, Produkte, Dienstleistungen oder Abläufe. Das Besondere am Design Thinking ist, dass es sehr nutzerzentriert ist, also stark vom Kunden ausgeht – beziehungsweise von demjenigen, für den das Produkt, die Dienstleistung oder der Prozess gemacht ist.

Die Hälfte der Design-Thinking-Phasen besteht deshalb daraus, erstmal das Problem zu verstehen – beziehungsweise zu verstehen, was aus Sicht des Nutzers besser sein könnte. Das klingt trivial, wenn man allerdings genauer hinsieht, ist es in Unternehmen oft so, dass es schon eine Lösung gibt, bevor überhaupt klar ist, was genau – also wirklich: ganz genau – die Herausforderung ist. Mit der Folge, dass die Lösung dann doch nicht passt und irgendwie passend gemacht werden muss, was einen Haufen Geld und Nerven kostet.

Design-Thinking-Workshop: Stellwände mit Schemata

Ein weiteres Charakteristikum des Design Thinking ist, dass man, wenn die Herausforderung dann klar ist, sehr offen Ideen sammelt und relativ schnell einen Prototypen erstellt. Der Prototyp ist nicht perfekt, sondern man lernt mit ihm. Ich werde dazu auf meiner beruflichen Website noch einen Beitrag schreiben.

Das Seminar hat die Innovationstrainerin Andrea Schmitt angeboten. Andrea hat mich während meiner Gründung gecoacht. Sie war eine von drei Coaches im start2grow-Gründungswettbewerb, hat meinen Businessplan bewertet und mir Tipps gegeben. Sie war die einzige der Dreien, die mein Vorhaben sinnvoll fand und mir Mut zusprach. Die beiden männlichen Coaches hielten mein Vorhaben für nicht erfolgversprechend.

Ich habe in Idstein übernachtet, das liegt ein paar Kilometer südlich. Idstein ist ausgesprochen schnuffig – mit Fachwerkhäusern und kleinen Läden und wahrscheinlich so, wie sich japanische Touristen Deutschland vorstellen.

Idstein

Ich hatte ein Hotel in einer schmalen Gasse, gegenüber einer Pizzeria mit Draußensitz. Die anderen Hotelgäste haben sich wegen der Lautstärke beschwert. Ich fand die Geräusche sehr prima, denn ich kann hervorragend bei Geräuschteppichen einschlafen, die mich nicht betreffen – wie dem Gemurmel von Pizza essenden Menschen.

Die Gegend dort im Taunus ist sehr nett: Idstein, Limburg, Bad Camberg – da kann man ruhig mal ein Wochenende verbringen. Es gibt kleine Städtchen mit kleinen Läden, ein bisschen Kultur, eine Landschaft zum Wandern und Fahrradfahren oder auch nur zum Dasitzen und Weintrinken.

Idstein: Burg

Idstein: Schiefes, blaues Haus

Ich war allerdings recht angeschlagen. Auf dem Weg nach Idstein hatte mich ein fieser Männerschnupfen ergriffen, der am ersten Seminartag ausdrucksstarke Niesanfälle choreographierte. Am Abend war ich völlig im Eimer und schlief schon in den ersten zehn Minuten des Bundesligaauftaktspiels ein. Über den zweiten Tag rettete ich mich dann irgendwie, und als ich am Sonntagmorgen daheim aufwachte, lag ich röchelnd danieder, mit tränenden Augen und einem Kopf, groß wie das Idsteiner Rathaus.

Pünktlich zum BVB-Saisonstart war ich allerdings wieder fit, und das 4:1 gegen Leipzig hat so ausreichend zur Genesung beigetragen, dass ich mich heute schon viel besser fühle.

Mittwoch, 22. August

22. 08. 2018  •  Keine Kommentare

Schreibknast.
// Counter: 27.285 Wörter, 170.465 Zeichen

Ich könnte Ihnen an dieser Stelle mehr erzählen, aber irgendwie ist das auch langweilig, ohne das Buch und die Geschichte zu kennen und ohne Leidenschaft für die Geschichte zu empfinden. Stellen Sie sich also einfach vor, wie ich am Esstisch sitze.

Ich sitze und schreibe und tippe und manchmal halte ich inne und denke nach. Dann höre ich auf zu tippen und schaue in die Luft, gehe im Zimmer umher, gehe in die Küche, öffne den Kühlschrank, gucke hinein, es ist noch alles da, sogar vom Apfelkuchen gibt es noch vier Stücke. Ich könnte eine Limonade trinken, aber es ist erst 14 Uhr. Limonaden sind etwas für ab 16 Uhr, eine Nachmittagsversüßung; die Stützlimo, die mich bis zum Abendessen trägt. Ich schließe den Kühlschrank also wieder, gehe zurück an den Platz, setze mich und seufze. Es ist ein feuilletonistisches Seufzen, der Seufzer muss schließlich zur Tätigkeit passen, muss Schaffensdrang ebenso wie Zerfahrenheit ausdrücken. Ich seufze also, lege die Hände auf die Tastatur, und wie sie so daliegen, fällt ihnen etwas ein, und ich schreibe weiter.

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Als Ablenkung vom Schreiben habe ich den Kopf gelüftet und den Landschaftspark Duisburg-Nord besucht. Dort gibt es maximale Ruhrgebietsromantik: rostigen Stahl vor Sonnenuntergang. Mehr geht hier nicht.

Landschaftspark Duisburg-Nord

#serviceblog für Auswärtige: Der Landschaftspark ist das stillgelegte Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Ein ziemlich großes Ding, das abends beleuchtet ist und das man besteigen kann. Von oben gibt’s ein Supersonderpanorama von Duisburg bis nach Essen.

LaPaDu: Treppe, durch die die Sonne untergeht

Es gab seinerzeit fünf Hochöfen, von denen die ersten beiden bereits 1968 und 1970 abgerissen wurden. Der Rest blieb bis Anfang der 80er Jahre in Betrieb. Das Ganze gehörte Thyssen. Insgesamt 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen wurden hier produziert.

Ruhrgebiet: Sonnenuntergang vor Schloten

An solchen Orten wird mir immer ganz krass klar, wie umfassend der Strukturwandel ist, der im Ruhrgebiet immer noch vonstatten geht.

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Frauen sind bei der Unterbringung ihrer Habseligkeiten im Nachteil: Messung der Gender Gap bei Hosentaschen. Kein Wunder, dass wir Handtaschen brauchen.

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Die ZEIT hat eine Themensammlung zum Müll gemacht. Ich habe noch nicht einmal ansatzweise alles durchgelesen, aber es sieht nach einem interessanten Dossier aus.

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Gelesen: „Ich wollte mir einfach keine Blöße geben“. Ford-Vizepräsidentin Birgit Behrendt im Interview mit dem Handelsblatt. Sie spricht übers Verhandeln, über weibliche Bescheidenheit, über Stellenbesetzungen und über die Rollenverteilung mit ihrem Ehemann.

Gelesen: Krieg der Gefühle – Daniel Erk über den Rollenzwiespalt vieler/einiger/mancher/einzelner/werweißdasschon Männer, wenn es um das Engagement für die Familie geht  – und um ihren Anspruch an sich selbst, als Ernährer und als Führungspersönlichkeit im Job.

Rumgeklickt: Wo die Berliner herkommen. Gemeint sind die Bewohner der Stadt, nicht das Gebäck. Die meisten Berliner kommen, anders als gefühlt, nicht aus Baden-Württemberg, sondern aus Berlin. Platz zwei: Brandenburg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Niedersachen. Es gibt auch ein Städteranking.

Gelesen: How the internet has changed dating. Darauf einen Gin Fizz.

Montag, 20. August

20. 08. 2018  •  18 Kommentare

Ich habe einen Apfelkuchen gebacken. Mit Äpfeln aus dem Garten.

Apfelkuchen mit Streuseln und Vanillepuddingfüllung

Was da aus dem Kuchen raushängt, ist Vanillepudding (Rezept von Penne im Topf).

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Ich habe außerdem das Auto in der Inspektion gehabt. Große Inspektion, einmal mit allem. Wenn ich meine Möbel verpfändet habe, werde ich wieder Lebensmittel kaufen können.

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Jobgebloggt: Warum Menschen Leerlauf brauchen. Ein Plädoyer gegen die Verdichtung der Arbeit, für mehr Muße in Organisationen. Mit guten Begründungen, die mehr sind als Wellness.

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Am Wochenende habe ich seltame Dinge gesehen, zum Beispiel potemkinsche Gabionen.

Metallzaun mit Folie, die mit Steinen bedruckt ist

Gefangene Steine sind ja per se fragwürdig. Offenbar gibt es aber nun Gabionen-Attrappen-Folie, die man sich an den Metallzaun fummeln kann. Dann sieht es so aus, als hätte man Steine im Käfig. Hat man aber gar nicht. Verrückte Welt.

Das Foto entstand auf dem Weg zu einer Geburtstagsparty, eine Mottoparty. Motto war: Helden der Kindheit. Ein willkommener Anlass, um sich ein DeLorean-T-Shirt zu kaufen, finden Sie nicht auch?

Weißes T-Shirt mit einer systematischen Zeichnung eines DeLorean

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Gelesen: Was Frauen wirklich das Herz bricht – über Gendermedizin beziehungsweise den Umstand, dass Frauen bei Erkrankungen bisweilen andere Symptome zeigen als Männer. Die Medizin geht allerdings bei vielen Erkrankungen vom männlichen Normalfall aus.

Beispiel Herzinfarkt: Frauen unter 55 Jahren werden – wie Carolyn Thomas – sieben Mal öfter mitten in einem Herzinfarkt von Ärzten nach Hause geschickt als Männer. Selbst wenn sie gründlich untersucht werden, dauert es deutlich länger, bis sie endlich ein Elektrokardiogramm oder ähnliche Diagnostik bekommen. Darin liegt die Krux:Der Grund, warum wir weibliche Herzinfarktsymptome wie Übelkeit, Müdigkeit oder Schulterschmerzen als „atypisch“ bezeichnen, meint Dusenbery, liege eben daran, dass die Mediziner die „typischen“ Symptome am Prototyp Mann lernen. Bei Frauen tendieren Ärzte nachweislich eher dazu, psychologische Ursachen zu vermuten: Stress, Überlastung, Angst. „Beruhigen Sie sich mal wieder“, ist ein Satz, den Frauen häufiger hören.

Die Frau als solche neigt halt mehr zur Hysterie und soll sich nicht so anstellen. Auf Twitter erzählten Frauen passende Erlebnisse dazu, zum Beispiel Katja und Frau Frosch. Auch auf Twitter: Die Begründung, warum Frauen oft aus klinisches Studien ausgeschlossen werden.

GelesenDas Anti-Pattern der Kunden-Lieferanten-Beziehung. Kunde und Lieferant sehen sich in der Regel als getrennte Einheiten, obwohl sie an einer gemeinsamen Sache arbeiten.

Im Kern kennzeichnet dieses Muster eine Trennung zwischen dem Kunden, der etwas will und dem Lieferanten der es innerhalb der vereinbarten Parameter Aufwand, Zeit und Qualität liefern soll. Dieses Muster führt dazu, dass viel Energie in die Vereinbarung und Verhandlung und bei Problemen in die Suche nach dem Schuldigen fließt. Anstatt gemeinsam Verantwortung für die bestmöglichen nächsten Schritte in Richtung Produkterfolg zu übernehmen, zieht dieses Muster einen Graben zwischen dem Kunden, der bestimmt was gemacht werden soll und dem Lieferanten, der bestimmt wie und womit es umgesetzt wird.

Die fruchtbarsten Kundenbeziehungen sind für mich immer diejenigen, in denen ich gemeinsam mit dem Kunden etwas entwickle und in denen wir uns beide in der Verantwortung sehen, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Wir sprechen natürlich über Ziele und Kosten – allerdings sind wir beide offen dafür, dass die Dynamik, die aus der gemeinsamen Arbeit entsteht, Inhalte auch verändern kann. Meist sind die beiderseitigen Ansprüche hoch. Diese Art von Zusammenarbeit führt zu tollen Ergebnissen, ist von Respekt geprägt und macht sehr viel Freude.

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Weiterer Lektüretipp, schon mit buchartigem Charakter, also eher etwas für eine kurze bis mittellange Auszeit mit einer Tasse Kakao: Herr Buddenbohm und Sohn I im Urlaub.

In dieser Reihenfolge zu lesen, weil chronologisch.

Donnerstag, 16. August

17. 08. 2018  •  16 Kommentare

Am 21. und 22. September bin ich auf dem Barcamp Dangast. Djure und Frank haben ein Trailerchen gemacht. Freue mich schon! Rückblick: So war’s 2017.

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Sven kommuniziert mit Ärzten und Handwerkern nun per Postkarte. E-Mails sind schließlich totales Neuland für diese Branchen und werden grundsätzlich nicht beantwortet. Keine dumme Idee also.

Es ist mir unbegreiflich, warum nicht jede Praxis eine Online-Terminvereinbarung hat. Allerdings: Selbst wenn sie eine Online-Terminvereinbarung hat, funktioniert sie nicht, zumindest bei meinen Ärzten. Link kaputt, Timeout, keine Mobilversion. Man muss sich ans Telefon hängen, es bimmelt ewig durch, keiner geht ran, man versucht es nochmal und nochmal, dann nimmt jemand ab, man wird aber direkt wieder abgelegt, weil erst ein Patient abgefertigt werden muss – „Da müssen Sie nochmal zur Kontrolle kommen, Herr Müller-Friedrichhagen, der Zucker war wieder bei 290. Morgen um neun? Dann machen wir auch gleich den Langzeit-Blutdruck fertig, Geburtsdatum vierzehnte Neunte Zweiundvierzig ist richtig, ja?“ Datenschutz an Praxistheken ist ein eigenes Thema – und dann ist man wieder dran und kann um einen Termin verhandeln.

„Guten Tag, ich hätte gerne einen Termin zur Kontrolle. Am besten kann ich …“
„Dienstag, 13:30 Uhr.“
„Tut mir leid, am Dienstag um 13:30 Uhr kann ich nicht. Nächste Woche geht’s …“
„Dann Mittwoch, 16 Uhr.“
„Tut mir leid, am Mittwoch …“
„Wann können Sie denn?!1!11“
„Es kommt auf meine Kundentermine an. Nächste Woche …“
„Ich kann Ihnen dann nur noch Mittwoch in zwei Wochen, 10 Uhr, anbieten.“

Online wäre es einfacher. Und freundlicher. Wir alle hätten mehr Spaß im Leben.

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Ich erwäge die Anmeldung eines zweiten Promotionsvorhabens. Publikationstermin für 2021 geplant:

Giese, V. (2021): Konferenzkekse und ihr Einfluss auf die Erfolgsquote von Geschäftsabschlüssen. Eine qualitative Vergleichsstudie unter Berücksichtigung der Lambertz-Mischung. Dortmund. Eigenverlag.

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1.500 Meter geschwommen. Die Schwimmerbahnen waren vom Vereinstraining belegt. Die eineinhalb Kilometer waren also Projekt Rentnerslalom. Im kurzen Schnack mit dem Trainer erhielt ich die Info: Im Trainingslager schwimmen die Jugendlichen 12 bis 14 Kilometer am Tag. Hahaha.

Mein Trainingskonzept mit den Kalendergirls läuft falsch. In den letzten beiden Trainingseinheiten habe ich genauso viel trainiert wie die Mädels. Das kann so nicht weitergehen.

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Herr Paul tagebuchbloggt wieder. Juchhu!

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GelesenSchubsen Pinguine ihre Artgenossen ins Wasser, um zu testen, ob dort ein Feind lauert? (ZEITplus, €). Anwort: Nein, sie helfen lediglich ihren Kameraden, die sich nicht trauen, eine Kopfsprung zu machen, sich ein Herz zu fassen.

Gelesen, warum eine Schulstunde ausgerechnet 45 Minuten dauert. Das Deutsche Historische Museum hat es aufgeschrieben.

Dienstag, 14. August

14. 08. 2018  •  10 Kommentare

Am Morgen regnete es immer noch. Die Natur war verwirrt angesichts der ungewohnten Nässe. Die Dompfaffen hockten geduckt unter Blättern. Das Eichhörnchen rieb sich mit überschlagenen Armen den Oberkörper warm.

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Heute wieder Schreibknast: die Konfrontation des Selbst mit gnadenloser, terminloser, musikloser und ablenkungsfreier Langeweile, damit alle geistigen Ressourcen in die Produktion einer Geschichte fließen.

Die Sache nimmt Schwung auf. Alle wichtigen Figuren sind eingeführt. Die Protagonistin begibt sich auf ihren Weg. Die ersten Abenteuer beginnen.

Gleichzeitig merke ich, dass ich theoretische Grundlagen des Schneiderhandwerks brauchen werde. Nicht jetzt, aber bald. Ich werde Menschen mit Fragen behelligen müssen; muss allerdings erst herausfinden, mit welchen Fragen.

Ich steuere zudem auf die erste Liebesszene zu. Noch werden im Buch einige Wochen vergehen, aber ich sehe sie schon am Horizont. Erwäge zum Schreiben den Konsum eines 2009er Moro del Moro aus dem Bestand, dazu Kerzenschein. Wie das Klischee das so vorsieht.

// Counter: 23.235 Wörter, 144.800 Zeichen.

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Der Schriftsteller Saša Stanišić denkt über Textausschnitte nach, die man Strg + X ausgeschnitten hat und seither mit sich herumträgt; die auf der Tastatur liegen und die man den ganzen Tag über bei sich hat. Mein heutiger Textausschnitt ist der erste Schritt auf dem weiten Weg zur Weinverkostung, ich erwähnte es gerade. Ich nahm den Ausschnitt mit zum Joggen, ich kochte mit ihm und schrieb mit ihm eine Postkarte, eine analoge:

Jetzt, aus der Nähe, sah ich jedoch, dass er zwar bereits Falten in den Augenwinkeln hatte, aber dennoch einen jugendlichen Gesichtsausdruck besaß, neugierig und spitzbübisch. Sein Blick war warm und voller Zuversicht. Er gehörte zu den Menschen, die, wenn sie vor Publikum stehen, seriös wirken und Angst einflößen, wenn man allerdings mit ihnen spricht, eine lebendige, aufgeschlossene Mimik haben, die von Offenherzigkeit und Empfindsamkeit zeugt.

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Ich habe einen toten Grashüpfer in der Küche gefunden und fotografiert. Anschließend Trauerfeier und Beisetzung.

Toter Grashüpfer. Sieht aber noch ganz frisch aus.

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Da bloggt man einmal, vielleicht sogar das erste Mal, über Sex, und schon haben die Leute Fantasien. Habe kurz überlegt, ob ich jetzt unseriös wirke, denke aber, dass meine Seriösität vor dem Hintergrund intensiven Tagebuchbloggens – irgendwo zwischen Unternehmensberatung, Kalendergirls und der internationalen Waffelskala – eine komplexe Sache ist und überlasse die Bewertung dem geneigten Publikum.

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Herr Paul ist krank und kann grad nur in kurzen „Piep“-Beiträgen tagebuchbloggen. Er fehlt mir. Von Herzen gute Besserung, lieber Paul!

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Angeguckt: Zum Schwimmen in den Keller – BRD der 80er Jahre: Fotos von Swimmingpools in Privathäusern. Gekachelte Glückseligkeit in Orange und Hellblau.

GelesenFairtrade? Bio? Für viele Kaffeebauern sind die Siegel ein Unglück (Blendle, €). Deutschland ist nach den USA der größte Kaffeeimporteur der Welt. Die Sache mit den Siegeln ist allerdings knifflig. Bestärkt mein Gefühl, dass ich als Verbraucherin, egal was ich mache, doch nicht das Richtige tue. Oder mit anderen Worten: Es ist kompliziert.

Gelesen: Die großen Zeiten werden wiederkommen (Blendle, €). Interview mit Melody Harris-Jensbach, CEO von Jack Wolfskin über die Vergangenheit und Zukunft der Outdoor-Marke.

Montag, 13. August

13. 08. 2018  •  4 Kommentare

Den Morgen sehr schön verbracht, mehr muss man dazu nicht sagen.

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Danach war ich beim Juwelier einkaufen, so nenne ich den Edel-Edeka in der Dortmunder Stadtkrone; ein schnieker, nach allen Regeln der Kunst ausgleuchteter und bedufteter Edeka, in dem man handgemolkenen, regionalen Joghurt in Pfandgläsern und freilaufendes Gemüse kaufen kann, das man in abbaubaren Beuteln verstaut, dazu 44 Sorten Vinaigrette aus 52 Ländern. Es ist ein Edeka, der sich für etwas Besseres hält – was in Dortmund allerdings schwierig ist, denn in Dortmund schieben Dortmunder durch die Gänge, und sie sagen Dinge wie:

„Is dat’n Zutschini? Dat sieht so komisch aus.“
„Jo. Die gibt’s auch in rund.“
„Braucht kein Mensch.“

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Es hat geregnet und regnet immer noch. Richtig doll hat es geregnet, geradezu geschüttet, und das immer mal wieder, das erste Mal seit – ich weiß nicht, wann. Als ich heute Morgen erwachte, kam mir das Geräusch unverhältnimäßig laut vor, dieses ungewöhnliche Plätschern, die dicken Tropfen, die auf die Terrasse flatschen. So hört sich also Regen an. Und wie nass der ist.

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Gelernt, was Hungersteine sind. (via Frau Novemberregen)

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Am Abend habe ich die Kalendergirls trainiert. Die Kalendergirls sind immer etwas besorgt, wenn ich Training mache. Es geht das Gerücht um, es sei dann anstrengend und sie müssten viel laufen. Dabei haben wir heute unter anderem Yoga gemacht, denn Yoga, das wissen wir seit diesem Eintrag, ist mehr als atmen.

Außerdem gab es eine neue Übung für den Beckenboden, die ich bei Hilaria Baldwin auf Instagram gelernt habe. Hilaria ist die Frau von Schauspieler Alec Baldwin und Promi-Influencerin. Promis, Glamour und Beckenbodentraining können gut ins Training einfließen, finde ich. Wir sind alle nicht mehr die jüngsten, und die, die jung sind, werden auch bald älter. Dem muss man entgegenwirken, generationenübergreifend und mit Glitzer. Oder, wie Hilaria schreibt:

„Reasons to work the pelvic floor: better sex, better control over bladder and 💩 , fitter body (particularly abs) …“

Die Übung sorgte vor allem für Erheiterung. Verstehe das, wer will.

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Apropos „better sex“:

GelesenThe Best Sex Advice a Man Can Learn – übers Partnersein im Bett.

Sex is exciting, but it can also be overwhelming. The urges, the heat of the moment, the thrill, the hunger and need for release…there’s a lot of pent up energy in male sexual desire.

And in female. Glaubt mir.

The mistake so many men make is they get so excited to have sex, and also so anxious about their sexual performance (getting and staying hard, lasting as long as possible) that they forgot the purpose of what they are there for: to have enjoyable partnered sex. With the key word being partner.

Sonntag, 12. August

12. 08. 2018  •  6 Kommentare

Schreibknast. Nur noch 330 Seiten to go.
//*rofl

Ich brauche immer eine Weile, bis ich ins Schreiben reinkomme. Manchmal vergehen dazu Stunden, manchmal Tage. Wenn ich dann aber in der Geschichte bin, ist es, als lese ich sie.

Denn obwohl ich die Autorin bin, weiß ich selbst nicht, was in der nächsten Szene geschieht. Ich weiß nur, welche dramaturgische Aufgabe die Szene haben muss, dass sie überleitet, dass sie Tempo rausnimmt, Tempo reingibt, dass sie erklärt, dass sie die Charakterisierung der Figur vertieft oder dass sie eine neue Figur oder eine Wendung einführt. Aber ich weiß nicht, was den Figuren genau widerfahren wird. Dazu erlebe ich die Situation mit ihnen und lasse die Erzählung laufen, ich schaue in die Figuren hinein und lasse sie handeln, wie ich glaube, dass sie handeln würden. Dann geschehen wundersame Dinge, von denen ich selbst überrascht bin. Meist sind das Stunden, in denen die Seiten sich schnell füllen.

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Die Kollegen bei der Sonntagsarbeit im Hibiskus:

Vollgestäubte Hummel an pinker Hibiskusblüte

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Die Eichhörnchen rennen wie angestochen durch den Garten, Haselnüsse im Mund. Während sie auf der Suche nach einem Versteck sind, fällt ihnen ein, wie lecker Nüsse sind. Sie halten inne, richten sich auf und gucken, ob jemand guckt. Sie nehmen die Nuss aus dem Maul, schauen die Nuss an, schauen an sich runter, schauen die Nuss an. Sie essen die Nuss auf. Sie rennen los, um eine neue Nuss zu verstecken. Soul Mates.

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Zucchinikuchen gebacken und eine gelbe Zucchini verwertet (Rezept). Müssen ja weg, die Dinger.

Angeschnittener Zucchinikuchen mit Schokoguss und bunten Streuseln drauf

Seit vor zwei Monaten mein Mixer kaputtgegangen ist, vermisse ich ihn nicht. Teig rühren geht mit der Küchenmaschine. Den Eischnee habe ich mit der Hand geschlagen. Macht auch schöne Unterarme.

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Gelesen: #MeTwo: „Wo kommst du eigentlich richtig her?“ – Darf man das fragen? Die Antwort: Kommt darauf an. Kann man mit Empathie und Verstand aber auch selbst drauf kommen. (via Miriam)

Gelesen: 7 Habits You’ll Notice the Happiest People Practicing (But Most of Us Rarely Do) – Wahrscheinlich die sieben Gründe, warum ich so ausgeglichen bin. Bis auf die Sache mit der Geduld. Die übe ich täglich aufs Neue. (via Dirk)

Samstag, 11. August

11. 08. 2018  •  12 Kommentare

Schreibknast, im Garten sitzend. Wie so eine Romanautorin. Zwischendurch Prokrastonation via putzen. Der Durchzug der vergangenen Tage hat gefühlt die halbe Straße durch meine Wohnung geweht. Saugroboter Johnny war kurz davor, einen Betriebsrat mit sich selbst als Vorsitzendem zu gründen.

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Alexander hat sich von meinen Erlebnissen in Bergamo inspirieren lassen und verbringt dort ein Wochenende. Fühle mich wie irgendwas zwischen Hipster-Influencer und Reiseverkehrskauffrau.

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Aus Juli Zehs „Unterleuten“. Ich mag es, wie sie den Figuren Charakter verleiht.

Eine halbe Seite aus "Unterleuten"

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Gestern wieder 2.000 Meter geschwommen, Sturmedition. Dabei vier im Wasser treibende Blätter, drei Äste und diverses Kleingekröse eingeatmet. In mir wird ein Baum wachsen. Sehr qualvoll, dieses Schwimmen, wenn ich kurz vorher nur drei Knäckebrote esse. Auf den ersten 1.000 Metern war das Knäcke noch nicht verfügbar, 800 Meter lang gab es mir Power, und auf den letzten 200 Metern war’s dann auch schon wieder vorbei. Mein Körper: ein schlichter Verbrennungsmotor.

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Gesehen: Kulenkampffs Schuhe – Filmmacherin Regina Schilling verwebt das Leben ihrer Kindheit und das ihres Vaters mit dem der Showmaster der Nachkriegszeit: Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Alexander, Hans Rosenthal. Eine beeindruckende Dokumentation über das Nachwirkungen des Krieges, das Totschweigen der Vergangenheit, die Gefühle in Nachkriegsfamilien und die Rolle des Fernsehens.

Gelesen„Sie leben in einer völlig anderen Welt“ – Der Elitenforscher Michael Hartmann darüber, was Eliten sind, wie viele Menschen in Deutschland zur Elite gehören und dass die Eliten sich von der normalen Bevölkerung entfernen.

P.S.: Die Installation steht noch.



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